Alleine küsst sich's so schlecht

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Yako
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Alleine küsst sich's so schlecht

Beitragvon Yako » 28 Jun 2017, 21:20

[Herzlich Willkommen zu meiner neuen kleinen Geschichte, (etwas mehr als Kurzgeschichte),
ich hoffe, sie gefällt euch :3 Hier ist der erste Part, die nächsten paar werden innerhalb der nächsten paar Tage kommen, hoffe ich mal
Bis dahin, LG Cato]


[Eins]


Das Haus, in dem meine Schwester und ich groß geworden waren, war ein altes Mehrfamilienhaus, in dem fünf Parteien wohnten, die linke Wohnung im ersten Stock war nie bewohnt gewesen, soweit ich mich zurück erinnern konnte.
Unsere Wohnung lag unter dem Dach rechts, wo es im Sommer sehr heiß und im Winter sehr kalt war, von wo aus man keinen Gartenzugang hatte, nur einen Schlüssel zu einem Käfig im Keller und eine Garage am Ende der Straße.
In meiner Jugend hatte meine Familie, bestehend aus Katja, meiner Mutter, meinem Opa und mir nie viel mit den anderen Leuten in dem Gebäude zu tun gehabt, die Nachbarschaftsfeste waren die einzigen Feierlichkeiten, bei denen wir wirklich in Kontakt mit ihnen traten. Dennoch glaube ich nicht, dass ein schlechtes Verhältnis zwischen den verschiedenen Erwachsenen bestand.


Ich war sieben, und da meine Schwester sechs Jahre älter war als ich, ging ich davon aus, das einzige Kind in dieser Altersklasse zu sein, doch ich wurde eines Besseren belehrt.
In der linken Wohnung im Erdgeschoss lebte ein junges Ehepaar, und die beiden hatten, wie ich mich erinnern konnte, ein Baby gehabt.
Als Siebenjähriger, quasi schon fast erwachsen, lagen natürlich Welten zwischen uns, doch ich musste an einem Sommertag, der nicht anders als alle andern sein konnte, bemerken, dass das Baby kein Baby mehr war.
Der Junge war etwa vier, als ich ihn das erste Mal mit seinen Freunden im Garten erst spielen hörte und dann sah, als ich mich aus dem Fenster beugte und hinab sah.
Sie bemerkten mich nicht, und so sah ich ihnen eine Weile zu, bevor ich damit aufhörte, denn eigentlich wollte ich ja gar nicht mit ihnen spielen. Sie waren ja viel zu jung.
Und die Anonymität unseres Wohnkomplexes erlaubte es uns, uns im Verlauf der nächsten Jahre nur hin und wieder zu sehen, und diesmal sah er auch mich. Wir warfen uns misstrauischen Blicke zu, und gingen unseres Weges. Beide wuchsen wir heran, und wenn wir uns eine Weile nicht gesehen hatten, war es für uns beide immer mal wieder eine Überraschung, wie groß der andere geworden war.


Als ich zwölf Jahre alt war, hatten wir unsere erste wirkliche Begegnung.
Ich war immer ein Kind, das viel Zeit in seinem Zimmer verbrachte, viele Freunde hatte ich nicht, und raus gehen wollte ich nicht.
Als meiner Mutter also beim Reinigen der Fenster etwas hinab gefallen war, wurde ich aufgefordert, es holen zu gehen, und so stieg ich die klinisch weiße Treppe hinab, eine Hand stets auf dem gusseisernen Geländer, bis ich vor der Wohnungstür der Familie stand, in dessen Garten die Sprühflasche meiner Mutter gefallen war.
Unsicher klopfte ich, einmal und zweimal, bis mir eine Frau mit dunkelblonden Locken die Tür öffnete.
„Hallo, Felix!“, sagte sie lächelnd, „Was gibt’s denn?“
Ich mied ihren direkten Blick, und murmelte: „Sprühflasche im Garten, bitte holen, okay?“
Sie lächelte und nickte. „Klar, komm doch rein. Daniel ist gerade draußen, vielleicht hat er sie ja schon gesehen“
Also folgte ich der großen, schlanken, Frau durch ihre helle, freundliche Wohnung durch die Glastür auf die Terrasse.
Ich musste mich nicht umsehen, denn nur einen Moment später stand vor uns ein Junge, etwa einen Kopf kleiner als ich, mit der Sprühflasche in der Hand. Er hatte die Haare seiner Mutter geerbt.
„Danke, dass du sie gefunden hast, Daniel“, sagte seine Mutter, und wies freundlich auf mich. „Felix hat sie schon gesucht, nicht?“
Ich trat unsicher vor und mein Blick traf den Daniels. Er sah stur zurück, die eisblauen Augen waren unglaublich berechnend für einen Neunjährigen.
Er streckte den Arm aus, und hielt mir die Flasche hin, die ich mit zitternden Fingern packte.
„D-danke…“, murmelte ich, unseren Blick hatte keiner von uns getroffen. Daniel sagte gar nichts.


Und innerhalb der nächsten fünf Jahre liefen alle unsere Begegnungen so oder so ähnlich ab. Stehenbleiben, gegenseitig anstarren, langsam weiter gehen. Wir wechselten kaum ein Wort, und als ich langsam erwachsen wurde, auf der neuen Schule sogar ein paar Freunde fand und immer mal wieder nicht zu Hause war, vergaß ich ihn fast.

[Zwei]

Es war einer der letzten Abende vor meiner Abreise, ich hatte mein Fachabi in der Tasche, eine neue Wohnung gemietet und war kurz davor, in einer anderen Stadt zu studieren und mein eigenes Leben zu starten.
So ging es auch einigen Freunden von mir, und so saßen wir gemeinsam im Garten meines besten Kumpels Linus, feierten, tranken ein wenig und feierten das Ende unseres Lebens unter der gemeinsamen Herrschaft von Schule und Eltern.
Ich war nur wenige Monate achtzehn, hatte aber schon ein eigenes Auto von meiner Mutter und meinem Opa geschenkt bekommen, mit dem ich schließlich, mit deutlich mehr Promille als ich hätte haben sollen, nach Hause fuhr.
Zu Hause, nachdem ich das Auto abgestellt, und das Schlüsselloch der Eingangstür gefunden hatte, hielt ich einen Moment im Hausflur inne, die Tür hinter mir stand noch offen, und atmete tief durch.
Die spürte das Blut in meinen Adern, von der Atmosphäre des Abends, dem Lagerfeuer und den Alkohol angeheizt, und während die kalte Luft von hinten an mir vorbeistrich, dachte ich darüber nach, dass ich nicht mehr oft durch diese Tür gehen würde.
Mit einer gewissen Nostalgie im Herzen schloss ich ab, und machte mich zur Treppe, die links hoch führte, doch ich stockte abrupt, als ich eine schlanke, jugendliche Gestalt auf der Treppe sitzen saß… die ihren Kopf hob und mich anstarrte.
Wie vom Donner gerührt blieb ich stehen und sah zurück, realisierte erst im nächsten Moment, dass das Daniel war.
Ihm war es offenbar unangenehm, so gefunden zu werden, denn er blickte weg, und machte Anstalten, auf zu stehen, doch dann sprach ich, ohne mir darüber klar zu sein, ob man mir anhörte, dass ich getrunken hatte.
„Was machst du denn hier?“
Er seufzte. „Ich brauche meine Ruhe. Will nachdenken. Meine Eltern wollen aber nicht, dass ich nachts das Haus verlasse“
Ich musterte ihn, doch die Lichter der Straßenlaternen, die durch die Glasbausteine ins Treppenhaus fielen, erleuchtete sein Gesicht kaum. Er war nun fünfzehn, und ich konnte mich erinnern, dass das Leben in diesem Alter fast noch komplizierter war als mit achtzehn, noch mehr gefangen zwischen Erwachsener und Kind, mit seinem ganzen Selbst immer noch im Wandel und unsicher ob der Veränderungen mit seinem Geist und seinem Körper.
„Ich darf aber raus. Und meiner Mutter ist es heute glaub ich auch egal, wann ich heim komme“, erwiderte ich, ohne darüber nachgedacht zu haben, was ich da sagte.
„Du bist ja auch älter“, antwortete er, denn er wusste offenbar nicht, worauf ich hinaus wollte.
„Ich meinte…“, ich hob die Hand mit den klimpernden Autoschlüsseln und auch dem Schlüssel zur Haustür, „…wenn ich mitkomme und auf die aufpasse ist das ja wohl mal okay“
Er hob den Kopf. Genau wie ich schien er nicht zu glauben, was ich da gerade gesagt habe.


[to be continued...]
[Quod nocet, saepe docet]

Alleine küsst sich's so schlecht

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Saltoboy
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Re: Alleine küsst sich's so schlecht

Beitragvon Saltoboy » 21 Jul 2017, 00:09

Bin gespannt auf eine Fortsetzung. War auf jeden Fall schon mal ein vielversprechender Einstieg

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Kalutrix
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Re: Alleine küsst sich's so schlecht

Beitragvon Kalutrix » 17 Mär 2019, 15:57

Ich will weiter lesen *-*
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