Ehemann

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ArokhsSohn
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Re: Ehemann # 4-8

Beitragvon ArokhsSohn » 03 Sep 2019, 21:17

Zu Ehemann # 4-8

Kapitel 4, und ein kleiner Zeitsprung nach vorn. Ich finde es total schön, zu lesen, wie so die ersten vorsichtigen Erkundungen der beiden nach Gemeinsamkeiten stattfindet. Sachte und vorsichtig, man möchte den jeweils anderen ja nicht nerven. Dass aber tatsächlich die Chemie zwischen Colin und Sami stimmt, macht jede Gemeinsamkeit zu einem kleinen Erfolgserlebnis, da Erkundung derselben immer wieder ein Schritt in die Ungewissheit ist. Beide wirken hier sehr unsicher. Und doch ist es auch gerade diese Unsicherheit und Vorsicht, welche die kurze Szene so besonders machen und die Gefühle ganz gut transportieren.
Es war ein YouTube-Link zu einem Musikvideo von 'Wincent Weiss — Musik sein'. Ihn kannte ich zu dem Zeitpunkt nicht und auch seine Musik gefiel mir nach dem ersten Hören nicht besonders.

Dass halt nicht doch ALLES Gemeinsamkeiten sind, sollte selbstverständlich sein und wird mit dem Ende dieses Absatzes auch sehr unaufdringlich übermittelt. Da steht kein überflüssiger Hinweis a la „das ist z. B. ein Unterschied“, sondern es wird mit der Bemerkung, dass Sami die Musik beim ersten Hören jetzt nicht so gefallen hat, dezent und geschickt übergeblendet zum nächsten Absatz.

Mark weigert sich also, die ungeschriebenen Gesetze der Spitznamenvergabe zu beachten. Tze tze :lol:
Man merkt deutlich, dass er innerhalb dieses Freundeskreises beinahe so etwas wie einen Klassenclown (allerdings nicht abwertend zu sehen) abgibt – bewusst oder unbewusst? Wer weiß ;-)

Aber oha oO … Will Mark hier etwa den Kuppler spielen? „Wir arbeiten daran“ … Das lässt ja beinahe vermuten, dass er ein ernsthaftes Interesse daran hat, Colin und Sami zu verkuppeln. Wenn das so ist, warum tut er das? Hat er erkannt, dass die beiden gut zusammen passen würden? Ist ihm etwas von der doch bestehenden Verbindung zwischen den Zweien aufgefallen? Aber wie sollte das gehen? So wie ich es verstanden habe, haben Colin und Sami zu diesem Zeitpunkt viel privat geschrieben. Aber wer weiß, was Colin Mark erzählt hat.
Oder ist es am Ende nur wieder einer seiner Späße?

Und dann kam das erste Ma(h)l … also das erste persönliche Treffen. Es kommt so rüber, als hätte Samuel, wenn vielleicht auch nur unbewusst, recht hohe Erwartungen daran gesetzt und wirkt hier nun unsicher, was wie geschehen soll und ob oder ob nicht die erlebten Eigenschaften Colins zu seinem Bild von Colin passen, welches er sich über das gemeinsame Texten von ihm aufgebaut hat. Bemerkenswert ist auch, wie Samuel scheinbar selbst noch gar nicht sicher ist, wie er das Ganze eigentlich einordnen soll. War die Ehemann-Sache bisher nur ein Spiel, hatte sie sich spätestens ab hier verselbstständigt und an Gewicht gewonnen, wie diese Passage mehr als deutlich macht:
In dem Augenblick wurde mir noch einmal bewusst, welche Wichtigkeit dieser Begriff für mich scheinbar hatte.

Dass definitiv eine bestimmte Chemie zwischen Colin und Samuel besteht, macht sehr deutlich, indem Samuel bemerkt, dass Colin es schafft, ihm Mut zu machen.

Wieder kam ich mir so vor, als würde ich mit einer zweiten Person — in diesem Fall Colin — zusammen Mark betreuen.

Oh ja, das kam mir beim Lesen auch schon in den Sinn. Mark wirkt während des Ganzen wie eine Art Übertragungsmedium. Der Begleiter, der aufgeregt und freudig befreit von A nach B rennt, während seine Freunde still in sich hineinlächelnd, auf ihn aufpassen. Ein Hintergrund, vor dem sich eine ganz eigene Geschichte abspielt. Hat er davon etwas mitbekommen? Seine Aussage „Wir arbeiten daran“ lässt durchaus darauf schließen. Aber in der unbekümmerten, leichtfüßigen Art, wie er beschrieben ist, muss das auch wieder gar nix bedeuten.

kein Achterbahnfahrer hat geschrieben:Ich wartete solange davor, da ich generell nicht Achterbahn fahre.

Zumindest in anderer Hinsicht hast Du in dieser Geschichte mal eine Ausnahme gemacht … ;-)

"Schön, nicht?", kommentierte Colin, ohne den Blick abzuwenden.

Absolut schön – zumindest schon die Vorstellung dieser Szene. Aber irgendwie war das Glück den beiden in diesem Moment nicht hold. Schade eigentlich.

Die Silvesterfrage
Es war, als wenn wir jetzt eine Art Geheimnis teilten.

Eine ganz simple Frage, aber die Gedanken, die Samuel sich im Vorfeld macht, zusammen mit den ganz persönlichen – ja eigentlich schon intimen (nicht körperlich) – Eindrücken, die er im Laufe dieses Abends von Colin erhält, lassen erahnen, dass die Aussicht auf dieses Treffen etwas ungemein Wichtiges darstellt.

Okay, spätestens ab Part 8 sollte klar sein, dass Mark durchaus im Bilde ist, was unterschwellig so zwischen Colin und Samuel abgeht. Aber täuscht das oder ist es tatsächlich so, dass Mark soooo viel zum Verkuppeln gar nicht beiträgt. Es scheint mir mehr ein Selbstläufer zu sein, was zwischen Colin und Samuel abläuft. Mark ist da eher ein bisschen wie die Kulisse drum herum (wie ich vorhin auch schonmal vermutet habe).

Schönste Stelle bei besagtem Part:
"Voll schön", meinte Colin irgendwann."
"Hmmm?"
"Ich hab heute mit dir viel mehr von Hamburg gesehen, als die ganzen Tage zuvor und heute war der erste Tag, an dem es nicht so stressig und durchstrukturiert war."

Im Prinzip steht da nicht viel, und doch schwingt eine gewisse Sehnsucht in den wenigen Worten mit, welche die Atmosphäre zwischen den beiden wunderbar transportiert. In den folgenden Kapiteln sollte das ja noch häufiger vorkommen und dieses unterschwellige Kribbeln richtig etablieren, aber dazu komme ich zu gegebener Zeit.

Oh, da habe ich mich ja selbst eingeholt und bin bei meinem – inzwischen schon wieder angestaubten – Kommentar angekommen.
ein Fiktionsbevorzuger hat geschrieben:Alles überraschenderweise anstrengender, als wenn man sich alles selbst ausdenken muss.

Ach ich weiß nicht, Zuri. Irgendwie kann ich Dir da einfach nicht zustimmen. Wenn ich eine reale Geschichte schreiben würde – und ich überlege tatsächlich, das irgendwann mal zu tun – glaube ich nicht, dass ich Schwierigkeiten damit hätte, gerade WEIL ja alles schon vorhanden ist. Beim Plotten mache ich ehrlich gesagt ja auch meistens nichts anderes, als all die Ideen zu ordnen, die mir in der Zwischenzeit noch so gekommen sind. Das ist bei tatsächlich passierten Erlebnissen ja sogar noch einfacher – also, finde ich zumindest ^^

dieser Pessimist hat geschrieben:
ArokhsSohn hat geschrieben:Es wirkt irgendwie mehr wie eine Einleitung, als alles andere.


Das klingt irgendwie unzufrieden

Nein, nein, absolut nicht. Im Gegenteil. Ich finde das im Gesamtkontext sogar sehr passend :good:

Das gilt übrigens für die ganze bisherige Geschichte. Sehr schön, gefällt mir wirklich gut :-D

Liebe Grüße,
Arokh

P.S.: Postest Du jetzt auch den neuen Teil, selbst wenn der Kommentar sich ja auf ältere Teile bezieht?

Re: Ehemann # 4-8

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Re: Ehemann

Beitragvon Zuri » 03 Sep 2019, 22:24

Vielleicht noch ein paar Worte zum Thema Augenblick:
Ich bin Autor, aber jetzt kein wahnsinnig guter. Da spielen einem real geschehene Augenblicke sehr in die Hände. Ich hoffe, es geht euch wie mir, wenn ihr beim Lesen wie ich beim Schreiben davor sitzt und euch denkt: "Das ist genial!" Dann ist es nämlich wahrscheinlich nicht meiner Genialität zu verdanken, sondern dem Umstand, dass das Leben die schönsten Geschichten schreibt. Dennoch hätte ich mir nie träumen lassen, dass manche Momente einfach so für sich standen, dass ich sie einfach nur beschreiben und gar nicht werten musste und es immer wieder Foreshadowing und dergleichen gibt.

Leider ist es aber so, dass viele der beschriebenen Ereignisse auf Chatverläufen basieren. Diese haben natürlich Lücken, wenn wir geskyped oder uns getroffen haben. Ich erfreue mich glücklicherweise eines recht guten Langzeitgedächtnisses (mein Kurzzeitgedächtnis ist jetzt nicht überragend :D), aber dennoch fällt es mir schwer, mich an bestimmte Details zu erinnern, was das Niederschreiben erschwert. Wenn ich mir eine Geschichte ausdenke, kann ich schreiben, was ich will und muss nicht bei den Fakten bleiben, auch wenn die Geschichte am Ende schlüssig sein muss (was reale Geschichten, wie wir feststellen, nicht immer zwangsläufig sind). Genau das muss man bei echten Geschichten schlüssig darstellen und auch langweilige Stellen, die wichtig sind, zumindest so interessant machen, dass einem die Leser nicht davonlaufen.

Ja, Mark ist absolut der Klassenclown! :D Und wie im ersten Kapitel erwähnt, hätte ich es mir zu Anfang nie träumen lassen, dass ich diesen verrückten Menschen irgendwann zu meinen besten Freunden zählen würde. Aber wenn man Menschen näher kennenlernt, stellt man manchmal fest, dass sie durchaus unerwarteterweise auch mal ernst sein und sich über tiefgründige Themen unterhalten können. Aber sonst zieht er halt immer die gesamte Aufmerksamkeit auf sich. Das liegt in seiner Natur ;-) Und manchmal platzt er in den falschen Momenten herein^^

Ich müsste ihn jetzt mal fragen, wie viel er wusste/ahnte. Jedenfalls hat er in der Tat nicht aktiv eingegriffen. Ich denke auch, er wusste es nie sicher, hat aber deshalb, wie auch dass er anfangs Colin als schwul bezeichnet hat, einfach mehr aus Spaß gemacht, obwohl er natürlich die Idee, dass er recht haben könnte, gut fand.

Achterbahnbedeutungsandeuter hat geschrieben:
kein Achterbahnfahrer hat geschrieben:Ich wartete solange davor, da ich generell nicht Achterbahn fahre.

Zumindest in anderer Hinsicht hast Du in dieser Geschichte mal eine Ausnahme gemacht … ;-)

Das verstehe ich jetzt nicht ganz oO

Es gab mit Colin auch einen Moment, als er ans Fenster trat und ich irgendwie das Gefühl hatte, dass wir wie beim Sonnenuntergang zusammen hinausschauen sollten. Das hat er wieder mal gemerkt (er hatte schon damals bei mir immer ein extrem gutes Gespür). Ebenso etwas später als wir eine Hafenrundfahrt gemacht haben, standen wir beide am Bug des Schiffes, während Mark an einen der Tische blieb.

Liebe Grüße,
Zuri

PS: Der nächste Part kommt nächste Woche :P

Naaa guuut, ich will mal nicht so sein, wenn du schon für die anderen in die Bresche springen musst - stimmt, du warst ja auch dran :P



Ehemann
Part 13

Silvester

Die Zeit verstrich und wir waren einer Antwort auf die Frage, was wir nun wirklich füreinander empfinden immer noch kein Stück näher. Eine Sache allerdings war näher gerückt: Es war Ende November und das bedeutete für die beiden jungen Männer, die damals auf dem Dom unter Feuerwerk diese eine Unterhaltung geführt hatten, nur eines: Silvester war nicht mehr weit entfernt und das Treffen somit in greifbare Nähe gerückt. Doch eines trennte die beiden jungen Männer, die fast Hand in Hand an den Landungsbrücken gestanden hätten: Da ich immer noch keinen Übernachtungsbesuch haben durfte, musste ich Colin eine Unterkunft besorgen. Die, die Mark und er beim letzten Besuch über AirBnB gebucht hatten, war in unserem Fall nicht verfügbar, weil das Paar jedes Jahr zu Silvester selbst Gäste hatte. Also mussten wir eine andere Möglichkeit finden. Und wir waren bereits spät dran. Zudem gab es zu dieser Zeit in Hamburg zweifelsohne kein geringes Touristenaufkommen. Was das betraf, hatten wir uns einen denkbar schlechten Zeitpunkt ausgesucht. Jedoch waren wir fest entschlossen, das durchzuziehen — es hing einiges davon ab und zumindest ich wollte nicht noch ein Jahr verstreichen lassen, bis sich eine neue Möglichkeit ergab, unseren Gefühlen eine Definition zu geben und endgültig herauszufinden, in welche Richtung das letztendlich mit uns gehen würde.

Wir erkannten schließlich, dass wir mit der Suche nach einer Unterkunft innerhalb Hamburgs nicht weiterkamen und weiteten sie am Ende auf Bremen und Bremerhaven aus, da sie noch einigermaßen gut zu erreichen waren, sodass die Strecke, die man täglich zurücklegen musste akzeptabel war. Wir fanden sogar heraus, dass die Wohnungen bei AirBnB in der Alten Bürger in Bremerhaven, wenn auch von außen unscheinbar, von innen echt toll aussahen, sodass ich auch gerne dort eingezogen wäre.

Doch es kamen nur Absagen oder der Preis war einfach zu hoch und so mussten wir letztendlich einsehen, dass wir auch auf diesem Wege nicht weiterkamen. Es gab nur noch eine Möglichkeit und diese hatte ich bis zum Ende vermeiden wollen. Ich wollte sie nicht danach fragen und auch nicht dieses Gespräch mit ihr führen. Ich hatte nicht erklären wollen, was ich fühlte, weil ich mir immer noch nicht sicher war, wie ich das nennen sollte. Andererseits hätte ich für Colin in diesem Moment so ziemlich alle Hebel der Welt in Bewegung gesetzt, um ihn, um uns, das möglich zu machen. So erklärte ich ihm mit mehr Zuversicht als ich selbst hatte, dass ich sie fragen und alles schon glattgehen werde. Und mal ganz ehrlich: Welche Mutter würde ihrem Sohn schon eine Bitte, die aus einem Herzenswunsch herauskam, abschlagen? Ich hatte wohl einfach den Teufel an die Wand gemalt. Zudem war ich ohnehin nach Weihnachten im Dorf meiner Eltern und konnte einfach dort bleiben, während Colin nachkam.
Also erklärte ich meiner Mutter, dass es sich dabei um etwas zwischen Freundschaft und Liebe handelte, er mir aber definitiv verdammt wichtig und sie meine letzte Chance sei. Sie müsse sich um nichts kümmern und er sei sehr pflegeleicht.
"Kann Colin für ein paar Tage mit in meinem Zimmer wohnen, während ich bei euch bin? Ihr müsst euch um nichts kümmern. Ich weiß nicht, wie ich sonst mein Versprechen einlösen soll."
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Re: Ehemann #9-13

Beitragvon ArokhsSohn » 04 Sep 2019, 10:37

Zu Ehemann # 9-13

Sag mal, im Part 9 haben wir doch schon fast so etwas, wie einen kleinen Höhepunkt, was? Dieser Hauch von Berührung – fast nichts und dennoch so unglaublich viel. Das Charge-of-Energy-Gefühl kommt jedenfalls definitiv an. Andererseits ist die Unsicherheit von Samuel aber auch zum verrückt werden. Ja klar, das ist Neuland für ihn, aber bei so herrlich intensiven Szenen wie
der Zögerliche hat geschrieben:Die Außenseiten der äußeren Finger berührten sich nun und ich spürte das "charge of energy"-Gefühl jetzt ganz deutlich. Ich wollte meine Hand auf seine legen, doch es gelang mir nicht.

möchte man doch schon in die Geschichte springen und den beiden einen kleinen Schubs geben. Wäre vielleicht nicht die schlechteste Idee gewesen ;-)

Nein, der Quasi-Höhepunkt kommt doch jetzt erst. Endlich wird es etwas konkreter und eine nervenaufreibende Frage wird gestellt. Nur eine Sommerromanze? …

das Dreieck des Grauens hat geschrieben:Und wir gaben ein bizarres, ja sogar irgendwie unheimliches Bild ab: Wir standen uns in einem Dreieck gegenüber, aber jeder schaute wie demonstrativ in eine andere Richtung.

Oh ja, ich kann es mir bildlich vorstellen. Das muss von außen sehr befremdlich gewirkt haben.

der Achterbahnfahrer wider Willen hat geschrieben:Seine Antwort traf mich wie ein Schlag. Hatte ich eben richtig gelesen? Bedeutete das …? Stand er etwa auf mich? Konnte ich damit umgehen? Bisher hatte ich alle Verehrer gefriendzoned.

Siehst Du? Genau das meine ich :-D
Genau hier an dem Punkt ist absolut alles möglich und es ist so aufregend, wie beide wie eine Katze um den heißen Brei herumstreunen. Der darauf folgende Dialog ist so intensiv und gefühlsbetont, und das, obwohl keine überschwenglichen Worte fallen oder so. Aber die sanfte Erkundung der interessanten Gefühlswelt beider jungen Männer bringt einen wirklich fast um den Verstand. Das Glück scheint hier soooo dermaßen zum Greifen nah, aber man merkt deutlich, dass es auch noch Meilen weit entfernt ist. Die Unsicherheit auf beiden Seiten ist offensichtlich.
Colin hat geschrieben:"Ich hätte es wahrscheinlich erwidert und gut gefunden"

Das ist schon sehr deutlich ;-)

Colin hatte mir gerade die Frage gestellt, ob ich nur eine Sommerromanze für ihn sei.
"Nein, absolut nicht!", beteuerte ich. "Ich weiß, dass ich irgendwas für dich empfinde. Irgendwas zwischen Freundschaft und Liebe, ob das so bleibt, kann ich nicht versprechen."
Colin wollte daraufhin wissen: "Und wie finden wir das raus?"
"Wir haben noch einen ganzen Tag", erklärte ich "und unser Treffen an Silvester. Ohne Mark. Das wird sich alles zeigen."

Hach ja, in einer idealen Welt wäre jetzt der Punkt, an dem sich das Blatt zum Glücklichen wendet, beide sich ihre Liebe gestehen und einer frohen Zukunft entgegen sehen. Aber das ist die reale Welt, in der diese Geschichte spielt. Und in der realen Welt kommt es soooo oft anders, als man sich das wünscht. So auch hier. Unsicherheit und Unentschlossenheit führen in eine Richtung, die irgendwie nicht so rosig aussieht, wie ich es mir für die beiden wünsche :-/
das Schicksal hat geschrieben:Rückblickend stagnierten wir so lange, bis uns einfiel, wie wir unsere Beziehung nennen wollten.

Diese eine Bemerkung lässt irgendwie einen unangenehmen Schatten über das ganze zaghafte Annähern, ganz besonders des 11. und so intensiven Kapitels, werfen. Lassen sich die zwei zu viel Zeit? Siegt die Unsicherheit? Wird zu lange mit einer definitiven Aussage gewartet? Ich hoffe nicht …

Nun aber hatte ich das Gefühl, dass Colin dies an Mark missfiel und um Colin zu gefallen — heute weiß ich, dass das unglaublich dumm und unfair gegenüber Mark war —, begann ich, mit den Füßen vor und zurück auf Zehenspitzen und Hacken zu wippen, sodass sich meine Knie abwechselnd hoben und senkten, um das Liegen darauf nicht zu bequem zu machen.

Sehr unauffälliger aber aufgrund eines Details enorm interessanter Absatz. „heute weiß ich(…)“
Was bedeutet das? Ist das böses Foreshadowing? Oder interpretiere ich da zu viel schwarz hinein. Es klingt so, als bereue Samuel es später, weil es vergebliche „Liebesmüh“ war. Oder er ist einfach nur ein guter Mensch, der erkennt, dass das wirklich einfach nur unfair Mark gegenüber war – egoistisch sozusagen. Ich tendiere jetzt mal zu letzterem ;-)

Colin hat geschrieben:"Nicht wie", erwiderte er. "Wer — nimm mich als Versuchsobjekt."

Noch so ein intensiver und eigentlich schon sehr romantischer Moment in diesem hochemotionalen Kapitel. Eine wunderschöne Szene ^^

Colins Arme, die mich fest an ihn drückten, schienen mich nie wieder loslassen zu wollen

Noch intensiver können die Zeichen kaum sein. Das alles – die Annäherungen, die unsicheren ersten Schritte, das Nichtgesagte – ist unglaublich süß … bittersüß, möchte ich meinen.

Der letzte Absatz von Teil 11 wirkt da wirklich irgendwie unangenehm. Ich bekomme da den Eindruck, als steuern wir nicht auf ein Happy-End zu – wie so oft im echten Leben. Aber bis hierhin ist es eine herzerwärmende „Romanze“. Schön und unsicher – absolut richtig!

der berüchtigte Zaunpfahl hat geschrieben:"Sprich, am liebsten wäre es dir, wir würden uns ineinander verlieben?"
"Klingt doof, aber ja", war seine Antwort.

Im wirklich interessanten 12. Kapitel wird es noch einmal überdeutlich. Hier und jetzt wäre immernoch DIE Gelegenheit für beide, zuzugreifen. Wieder möchte man hingehen und die zwei einfach mal ohrfeigen und zusammenstecken :lol:
Aber andererseits kann ich es auch schon wieder verstehen. Wenn man auf den 100%igen, letzten Beweis wartet, ob das, was man glaubt zu sehen, auch wirklich das ist, was es zu sein scheint, dann wird man mit jedem Augenblick, der verstreicht, noch unsicherer und es passiert am Ende … nichts. Das kommt leider recht häufig vor, glaube ich.

Aber nicht verzagen, eine Deadline hat Samuel sich ja gesetzt: Silvester. Und das steht nach einem weiteren Zeitsprung JETZT endlich an. Aber kommt es auch wirklich dazu? Der Cliffhanger ist ja mal eine Frechheit :-P
Da geht es um DEN einen Moment, auf den Samuel die ganze Zeit hingefiebert hat. Vielleicht braucht es diesen definitiven Zeitpunkt, der auch lange schon geplant ist, um endlich den Knoten aus Unsicherheit und Zuneigung zu lösen. Und so, wie Sami es seinen Eltern beschreibt, sollte da nun wirklich nichts mehr im Wege stehen, oder?

Samuel, der Geduldige hat geschrieben:es hing einiges davon ab und zumindest ich wollte nicht noch ein Jahr verstreichen lassen, bis sich eine neue Möglichkeit ergab, unseren Gefühlen eine Definition zu geben und endgültig herauszufinden, in welche Richtung das letztendlich mit uns gehen würde.

Oh ja, es ist wahrlich an der Zeit …

Na wer sagt’s denn. Jetzt, wo es richtig ernst wird, bin ich wieder uptodate. Dann ist es ja nun wieder an Dir, lieber Zuri, die Story upzudaten ;-)


Zuri hat geschrieben:Ich bin Autor, aber jetzt kein wahnsinnig guter

Anfrage an den ZuriBrainserverTM: Was macht einen guten Autor denn aus? (Ja, ja, ich lass einfach nicht locker, ich weiß schon :-P )
Abgesehen davon verstehe ich Dich schon, was Du meinst, bezüglich der Frage, was sich leichter schreiben lässt. Ich stelle es mir ja auch nur einfacher vor, etwas real erlebtes zu schreiben, weil da der Plot ja quasi schon da ist. Du hast aber natürlich recht, wenn Du sagst, dass es ja dennoch in eine schlüssige Form gebracht werden soll, die nicht unbedingt langweilt, auch wenn sie notwendige, langweilig anmutende Passagen beinhaltet, die aber erforderlich sind, um den Gesamtkontext richtig darzustellen.


Bis zum nächsten Mal und liebe Grüße,
Arokh

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Re: Ehemann

Beitragvon Zuri » 04 Sep 2019, 21:46

Für Samuel gibt es nur ein Neuland und das ist das Internet :P Und das ist genauso wenig neu für ihn wie Grönland grün ist ;-)

Ein gequälter Leser hat geschrieben:Aber die sanfte Erkundung der interessanten Gefühlswelt beider jungen Männer bringt einen wirklich fast um den Verstand.

Ja, der Autor ist gerne sadis... warte mal, er quält sich gerade selbst :cry:

Ein sich im Mitfieberwahn befindlicher Leser hat geschrieben:Hach ja, in einer idealen Welt wäre jetzt der Punkt, an dem sich das Blatt zum Glücklichen wendet, beide sich ihre Liebe gestehen und einer frohen Zukunft entgegen sehen.

Na, das wäre ja auch zu einfach und zu schnell, wenn sie jetzt schon glücklich bis an ihr Lebensende leben würden. Als Autor legt man seinen Charakteren doch gerne noch ein paar Steine auf den Weg, wenn man schon mal dabei ist, um seine Leser auf die Folter zu spannen ;-)

Ein pessimistischer Leser hat geschrieben:Unsicherheit und Unentschlossenheit führen in eine Richtung, die irgendwie nicht so rosig aussieht, wie ich es mir für die beiden wünsche :-/
das Schicksal hat geschrieben:Rückblickend stagnierten wir so lange, bis uns einfiel, wie wir unsere Beziehung nennen wollten.

Diese eine Bemerkung lässt irgendwie einen unangenehmen Schatten über das ganze zaghafte Annähern, ganz besonders des 11. und so intensiven Kapitels, werfen. Lassen sich die zwei zu viel Zeit? Siegt die Unsicherheit? Wird zu lange mit einer definitiven Aussage gewartet? Ich hoffe nicht …

Nun aber hatte ich das Gefühl, dass Colin dies an Mark missfiel und um Colin zu gefallen — heute weiß ich, dass das unglaublich dumm und unfair gegenüber Mark war —, begann ich, mit den Füßen vor und zurück auf Zehenspitzen und Hacken zu wippen, sodass sich meine Knie abwechselnd hoben und senkten, um das Liegen darauf nicht zu bequem zu machen.

Sehr unauffälliger aber aufgrund eines Details enorm interessanter Absatz. „heute weiß ich(…)“
Was bedeutet das? Ist das böses Foreshadowing? Oder interpretiere ich da zu viel schwarz hinein. Es klingt so, als bereue Samuel es später, weil es vergebliche „Liebesmüh“ war. Oder er ist einfach nur ein guter Mensch, der erkennt, dass das wirklich einfach nur unfair Mark gegenüber war – egoistisch sozusagen. Ich tendiere jetzt mal zu letzterem ;-)

[...]

Der letzte Absatz von Teil 11 wirkt da wirklich irgendwie unangenehm. Ich bekomme da den Eindruck, als steuern wir nicht auf ein Happy-End zu – wie so oft im echten Leben.

Aber, aber! Wer wird denn gleich die Flinte ins Korn werfen, wenn es mal schwierig wird und nicht auf Anhieb klappt? Wenn nichts aus den beiden wird, wäre doch hier die Geschichte schon vorbei, oder? Es folgen noch sieben Kapitel. Da kann noch eine Menge passieren ;-)

Na wer sagt’s denn. Jetzt, wo es richtig ernst wird, bin ich wieder uptodate.

Und du hast auch noch eins der wenigen Kapitel mit Cliffhanger erwischt :D

Dann ist es ja nun wieder an Dir, lieber Zuri, die Story upzudaten ;-)

Glaub ja nicht, dass ich wegen eines Kommentars den nächsten Part poste :P

Bis zum nächsten Mal und liebe Grüße,
Zuri
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Re: Ehemann

Beitragvon ArokhsSohn » 05 Sep 2019, 07:48

Hey Zuri,
der allmächtige Autor hat geschrieben:Als Autor legt man seinen Charakteren doch gerne noch ein paar Steine auf den Weg,

Nur, dass es bei einer wahren Geschichte ja noch einen mächtigen Co-Autor gibt: das bereits Geschehene. Somit bist Du ja quasi schon auch an die Steine gebunden, die da hingeschmissen werden :o

ein Motivationsredenschwinger hat geschrieben:Aber, aber! Wer wird denn gleich die Flinte ins Korn werfen,

Aber nicht doch. Von Flinte im Korn kann keine Rede sein. Du kennst mich doch, ich mag gern Happy-Ends, bin aber auch vorsichtig, was die Erwartungshaltung anbelangt. Und komm, mit "Als Ob" hast Du schon einen fiesen Twist am Ende hingelegt, der vorsichtig werden lässt wenn nicht gar traumatisiert ;-)
Aber selbstverständlich hoffe ich immer noch auf Coluel oder Samlin oder was für Pairingnamen auch immer Du bevorzugst :lol:

ein strenger Auflagengeber hat geschrieben:Glaub ja nicht, dass ich wegen eines Kommentars den nächsten Part poste

Jetzt sind es ja schon zwei :P

Liebe Grüße,
Arokh

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Re: Ehemann

Beitragvon Zuri » 05 Sep 2019, 21:18

Nennen wir das Shipping einfach Colli(e) ;-)

Aber, aber, Finding me hatte doch kein nicht-Happy-End :o

Das Geschehene und ich, wir spielen "guter Autor, böser Autor" - mal sehen, wer sich am Ende durchsetzt ;-)

Liebe Grüße
Zuri
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Re: Ehemann

Beitragvon Quianye » 06 Sep 2019, 06:17

Muss ja nicht immer ein Happy End sein...
So oder so, Ich mag sie Geschichte eben weil sie erahnen lässt, dass es nicht unbedingt mit einem Happy End enden muss. Ich finde es schön wie die beiden Hauptfiguren miteinander umgehen, fast schon unschuldig oder gar naiv steuern Sie auf eine Abzweigung hinzu an der sie entweder die Wahl haben sich mehr oder weniger zu verlieben was vielleicht zum scheitern verurteilt ist oder unglücklich weiter nebeneinander her zu Leben. Klingt beides nicht berauschend. Weiter Option währe ein cleaner cut...Bin gespannt wie es weitergeht.
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Re: Ehemann

Beitragvon Zuri » 07 Sep 2019, 16:46

Rückblickend stagnierten wir so lange, bis uns einfiel, wie wir unsere Beziehung nennen wollten.

ich habe bewusst "so lange" und nicht "zu lange" geschrieben.

Nun aber hatte ich das Gefühl, dass Colin dies an Mark missfiel und um Colin zu gefallen — heute weiß ich, dass das unglaublich dumm und unfair gegenüber Mark war —, begann ich, mit den Füßen vor und zurück auf Zehenspitzen und Hacken zu wippen, sodass sich meine Knie abwechselnd hoben und senkten, um das Liegen darauf nicht zu bequem zu machen.

Sehr unauffälliger aber aufgrund eines Details enorm interessanter Absatz. „heute weiß ich(…)“
Was bedeutet das? Ist das böses Foreshadowing? Oder interpretiere ich da zu viel schwarz hinein. Es klingt so, als bereue Samuel es später, weil es vergebliche „Liebesmüh“ war. Oder er ist einfach nur ein guter Mensch, der erkennt, dass das wirklich einfach nur unfair Mark gegenüber war – egoistisch sozusagen. Ich tendiere jetzt mal zu letzterem ;-)

Nee, hat nichts mit vergeblicher Liebesmüh zu tun. Eher letzteres. Mark ist so oder so ein guter Freund und man sollte sich einfach nicht so verbiegen und seine Freunde schlecht behandeln, nur weil man ein bestimmtes Ziel erreichen will. Außerdem sollte man sich generell nicht verbiegen und offen so sein wie man ist.

Quianye hat geschrieben:Muss ja nicht immer ein Happy End sein...

Danke für deinen Kommentar! Dich hätte ich mal gerne als Leser bei Als ob gehabt :D
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Re: Ehemann

Beitragvon ArokhsSohn » 08 Sep 2019, 01:50

ein Schimmer der Hoffnung hat geschrieben:ich habe bewusst "so lange" und nicht "zu lange" geschrieben.

Ich wollte ja auch nicht zu pessimistisch klingen. Es war wirklich nur der erste Eindruck beim lesen.

weise Worte hat geschrieben:man sollte sich einfach nicht so verbiegen und seine Freunde schlecht behandeln, nur weil man ein bestimmtes Ziel erreichen will.

Das hast Du gut gesagt und absolut recht damit. Siehst Du, da hab ich Samuel mit meiner Tendenz doch gar nicht so falsch eingeschätzt ;-)
In Deiner Signatur steht sowas in der Art ja auch. Es ist auch gut zu wissen, dass Samuel das später erkannt hat - das spricht sehr für seine Entwicklung.

Und ja, es muss nicht immer ein Happy-End sein. Aber die sind doch so schön :flag:

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Re: Ehemann

Beitragvon Zuri » 09 Sep 2019, 17:43

Neben meinen Freunden lernt ihr nun auch einen Teil meiner Familie kennen ;-)



Ehemann
Part 14

Veränderungen

"Nein, tut mir leid. Das ist mir zu stressig. Ein anderes Mal gerne."
Was hatte ich von der Frau erwartet, der immer alles zu stressig war, selbst wenn es für jeden normalen Menschen nicht im entferntesten Stress bedeutete? Wenn etwas nicht stressig war, machte sie sich den Stress selbst — das war schon immer so. Ich hätte es besser wissen müssen. Andererseits hatte sie ja nicht einmal verstanden, dass es um genau diesen Zeitpunkt ging.
Enttäuschung war nicht das Einzige, was ich spürte. Ebenso fühlte es sich an, als hätte ich mein Inneres nach außen gekehrt — für nichts. Ich hatte nicht vorgehabt, ihr einen potenziellen Partner bereits vorzustellen, wenn es noch gar nicht spruchreif war. Ein Grund mehr, es ihr in Zukunft noch später zu sagen.



Colins Reaktion auf die Absage war zwar nicht spektakulär, aber auf diesen Moment hingefiebert hatte er genauso wie ich. Nun würde es vielleicht ein ganzes Jahr dauern, bis wir wieder so eine Chance bekamen. Die Schuld suchte ich zum Teil bei mir, weil ich früher hätte anfangen sollen, zu suchen.

"Mal was anderes", wechselte Colin das Thema und riss mich damit aus meinem Selbstmitleid. Wir waren jetzt schon ein paar Wochen im neuen Jahr. "Ich komme jetzt in die Vorbereitungsphase fürs Abi und deshalb können wir wahrscheinlich nicht mehr so viel schreiben wie jetzt. Ich hoffe, das ist okay für dich."
"Nimm dir die Zeit, die du brauchst", erwiderte ich.



"Wie war's auf der Silvesterparty?", fragte ich Mark, mit dem ich jetzt einige Zeit nicht mehr geschrieben hatte.
"Ganz gut. Colin hatte aber seinen Spaß."
"Wie meinst du das?"
"Er wollte unbedingt, dass der Typ, den er süß fand, auf seinem Schoß sitzt", erklärte Mark.
"Stimmt, das hatte er erwähnt. Er meinte, er brauchte das einfach da. Hat er ab und zu."
"Auf der Rückfahrt war er so gar nicht anwesend", fuhr er fort. "Er war total geflasht."
Colin mit verträumtem Blick — ich musste zugeben, das war süß und amüsant zugleich. Amüsant deshalb, weil eine solch simple Situation dafür sorgen konnte, dass er hin und weg war.
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Re: Ehemann

Beitragvon Zuri » Gestern, 04:39

So, drei Viertel sind rum und es gibt noch einen neuen Charakter. Zu dem später nach Abschluss der Geschichte noch etwas mehr. Sammy Blue und Gemini kennen wahrscheinlich die meisten. Wer das nicht kennt, sollte unbedingt "Gemini" hier im Forum lesen. Und Kuntergrau ist auch nicht schlecht :D



Ehemann
Part 15

Abschied nehmen

Mein Handy vibrierte. Ein Bild von Colin mit Freunden am See. So ging das jetzt immer. Er war quasi nie online — und wenn, dann teilte er nur mit, wozu er gerade Lust hatte und verschwand gleich wieder. Unterhaltung konnte man das nicht mehr nennen. Einerseits verstand ich, dass das Lernen das Meiste seiner Zeit in Anspruch nahm, aber bei solchen Bildern kam ich mir sehr ausgeschlossen vor. Dass wir nicht einmal über das Bild redeten und so den Moment zumindest ein wenig teilen konnten, machte es nicht einfacher. Am schlimmsten war für mich allerdings, dass er die wenige Zeit, die er neben dem Lernen hatte, ausschließlich mit Freunden vor Ort verbrachte und für mich keine mehr übrig blieb. Er kam mir nie weiter entfernt vor und das tat weh.

Derweil war mir aufgefallen, dass mir 'Musik sein' von Wincent Weiss nach ein paar Mal hören doch sehr gefiel. Mark hatte mich darüber informiert, dass es zur schwulen Webserie "Kuntergrau" eine neue Staffel geben und die Premiere in einem Kino in Köln stattfinden werde, wo die Serie auch gedreht worden war. Ebenso erfuhr ich, dass Colin sich von Hannes getrennt hatte, da dieser an Silvester versucht hatte, ihn betrunken zu küssen. Colin meinte in der Gruppe nur, dass ihn die Serie nicht mehr interessiere.
Im Boypoint-Chat äußerte ich, dass ich dort gerne hingehen würde, alleine sei das aber doof. Ich kam mit Finn ins Gespräch, der gerade im Krankenhaus lag. Wie ich, hatte auch er Gemini gelesen und von Sammy Blue eine Ausgabe des Buches erworben. Er hatte ebenfalls Lust, zur Premiere nach Köln zu fahren und so verabredeten wir uns.

Als ich ein paar Tage davor in die Gruppe schrieb, dass ich mich auf Köln freue, beschwerte sich Colin, warum ich denn nichts gesagt hätte und dass er überlege, mit seiner Schwester dorthin zu kommen. Das mit der Übernachtung müsse er noch klären, aber dann hätten wir noch ein bisschen Zeit zusammen. Das Treffen mit ihm kam wohl doch eher als erwartet und anders als erwartet.



Es war der Tag der Premiere und ich stand neben dem roten Teppich, der in allen Kinos ausgelegt ist, an der Wand und ließ die Menge an mir vorbei aus dem Kinosaal hinausfließen. Ich wartete auf Finn, mit dem ich hier war und irgendwo mussten Colin und seine Schwester sein, aber die hatte ich bisher noch nicht gesehen. Finn kam auf mich zu und dahinter sah ich einen schwarzen Haarschopf sich aus der Menge herausschälen. Wir verließen das Kino und unterhielten uns vor dessen Türen.

Colin und seine Schwester hatten keine Unterkunft auf die Schnelle auftreiben können und mussten nach wenigen Minuten schon wieder los. Finn würde Colin mir gegenüber später als unsympathisch beschreiben und auch ich stellte einige Veränderungen in seiner Art fest, die ich so nicht an ihm kannte. Dennoch freute ich mich riesig, ihn zu sehen. Wir beschlossen, die beiden noch zum Bahnhof zu bringen und liefen zum Hansaplatz. Dort stiegen wir in die wartende Stadtbahn Richtung Hauptbahnhof. Die Bahn stand noch eine Weile und während wir redeten, fiel mir siedend heiß ein, dass ich keine Fahrkarte besaß. Ich sprintete aus der Bahn und hoffte, schnell genug mit einem Fahrschein zurückzukehren. Als ich die Treppenstufen zurück zum Bahnsteig erklommen hatte, war der Zug bereits abgefahren. Nur Finn wartete auf mich.

Mir tat das, was passiert war, unglaublich leid. Ich hatte das Gefühl, dass Colin wirklich im wahrsten Sinne des Wortes weg war.
"Sei du selbst. Alles andere wirst du eh verkacken" — Marie Meimberg

Re: Ehemann

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