Schwarzer Schmetterling

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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 05 Jun 2019, 06:38

Matti hat geschrieben:Ouh man... ich hätte jetzt mit irgendwelchen Fakefotos gerechnet. Aber er selbst auf allen vieren? Das heißt ja, das er nicht bewusstlos war und die ihn unter Drogen gesetzt haben. :cry: ich hoffe, er zeigt die beiden an. :rat:


Interessante These. Mal sehn ob du Recht hattest...
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Re: Schwarzer Schmetterling

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Matti
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Matti » 05 Jun 2019, 10:02

Ich hoffe, das du mir das schon bald mitteilst.
Merkt man eigentlich, das ich total ungeduldig auf den nächsten Teil bin?
Da es förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein.

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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 05 Jun 2019, 12:22

@Matti: Nööö, freut mich aber wenn die Geschichte verfolgt wird...

30. Was sie wollen

„…Du hast die Augen aufgeschlagen, kannst das Licht doch nicht ertragen…“ Keuchend lehnte ich gegen die eiserne Hintertür unserer Turnhalle. Ich bekam kaum noch Luft. Und das nicht etwa, weil meine Kondition schlecht wäre. Das gerade gesehene schnürte mir die Kehle zu. Mein Magen verkrampfte sich. Mir würde kotzübel und kaum hatte ich den Versuch gewagt den Brechreiz zu unterdrücken, da kam auch schon mein Morgenkaffee in einem Schwall aus meinem Hals geschossen. Die Tränen liefen mir unkontrolliert aus den Augen und bildeten kleine Pfützen vor meinen Füßen. Ich schrie auf, ließ alles auf einmal raus. Heulend wie ein kleines Kind, prügelte ich mit all meiner Kraft auf die Stahltür ein. Es störte mich dabei nicht einmal, das meine Hände immer blutiger wurden und ich so langsam das Gefühl in ihnen verlor. Mit einem schmerzverzerrten Schrei schlug ich noch ein letztes mal zu. Das knackende Geräusch meiner brechenden Finger in Verbindung mit den immer stärker werdenden Schmerzen zerrte mich wieder ein Stück näher zum Bewusstsein. Ich sackte zusammen und kauerte auf dem harten Betonboden. Meine Tränen flossen unaufhaltsam weiter.

Ich fühlte mich leer. Alles verlor mit einem mal seinen Sinn. Ich hatte nichts mehr. Meine Eltern scherten sich einen Scheiß um mich, die ganze Schule denkt ich sie ein abnormaler Freak und der einzige Freund, den ich dachte zu haben, macht bei der ganzen Scheiße noch mit. So tief am Boden war ich noch nie. Egal wie verdammt beschissen die Situation war, Ich hatte immer irgend einen Anker um noch etwas positives zu sehn. Doch jetzt und hier gab es keinen Anker mehr. Es gab kein Licht am Ende des Tunnels. Es machte alles keinen Sinn mehr. Mein Leben machte keinen Sinn mehr.
Dieser Gedanke verfestigt sich immer tiefer in meinem Kopf. Aus einer Idee die aus der Verzweiflung heraus entstand, wurde eine Absicht, ein fester Plan. Es schien mir das einzig logische auf dieser ausweglosen Situation. Es würde also alles mit einem großen Feuerwerk enden. Je weiter mein Entschluss reite, desto ruhiger und gefasster wurde ich. Die Tränen hörten auf zu fließen, bald für immer. Mein Herzschlag beruhigte sich, mein Puls fuhr wieder auf normal herunter. Ich fühlte nichts mehr. Es war als wäre der letzte Rest Wärme für immer aus meinem Körper gezogen. Auf meinem Lippen formte sich ein unnatürliches Lächeln. Ein Lächeln das nur jemand haben kann, Der mir offenen Armen den Tot empfangen würde, ihm ohne Furcht entgegen tritt, sich sogar auf ihn freut.

Gleichgültig lief ich von der Sporthalle über den weitläufigen Pausenhof zurück ins Schulgebäude. Auf dem Flur begegneten mir einzelne Schulergrüppchen, welche zwischen den Stunden in andere Klassenräume wechseln mussten. Einige blickten mich verstört an als seine meine blutverschmierten Hände sahen. Ich spürte seinen Schmerz mehr oder besser, er war mir egal. Genauso egal wie die verstörten Blicke der anderen. Ohne zu klopfen betrat ich wieder unser Klassenzimmer. Sofort waren alle Augen auf mich gerichtet. Unser Lehrer musterte mich von oben bis unten Ehe er mit weit aufgerissenen Augen auf meinem Händen stehen blieb.
„Um Gottes Willen Felix, Was hast du da gemacht? Komm mit ich bring dich ins Krankenzimmer“, rief er erschrocken. Ich hob meinen Blick. Meine Augen trafen die seinen.
„Lassen sie es gut sein, dass ist nichts weiter“, sprach ich mit montiert Stimme. Dann stand ich auf und ging ans Waschbecken. Ich spürte jedes einzelne Augenpaar, welches an mir haftete. Es war ein Genuss sie alle so zu sehn. Im vorbeigehen starrte ich zu Kevin und seinen Speichelleckern und mein Grinsen wurde nur noch breiter. Ich konnte sie flüstern hören, verstand jedes einzelne Wort.

„Jetzt ist er ja völlig durchgeknallt“, flüsterte Marvin Kevin ins Ohr. Ein anderer der Fünfergruppe nickte und sagte so leise wie möglich zu Kevin: „Ich glaub wir sind echt zu weit gegangen.“
„Schht, halts Maul oder ich verpass dir eine,“ fauchte Kevin zurück. Von dem sonst so selbstsicherer Auftreten war gerade keine Spur mehr zu sehn. Allein diese Tatsache fühlte sich unglaublich befriedigend an. Als ich mir das Blut von den Händen gewaschen hatte ging ich wieder an meinen Platz und setzte mich hin. Unter dem besorgten Blick des Lehrkörpers holt ich so als wenn nicht gewesen wäre mein Heft heraus und begann den Inhalt der Tafel in mein Heft zu übertragen. Schön war aber was anderes, da mir jede Handbewegung kleine Nadelstiche durch die Nervenbahnen ins Hirn leitete und ich am liebsten vor Schmerz geschriehen hätte. Ich war so sehr mit der Unterdrückung meiner Schmerzen beschäftigt, dass ich nicht merkte das unser Klassenlehrer, Herr Jede, mittlerweile den Raum betreten hatte und nun neben mir stand.

„Felix, kommst du bitte mal mit, wir müssen uns über gewisse Dinge unterhalten,“ sprach er und bedeutete mir ihm zu folgen. Ich stand auf und ging still hinter ihm her. Wir gingen den Flur entlang ins Rektoratszimmer in dem auch Herr Bruckner schon auf uns wartete.
„Setz dich bitte Felix,“ sagte er freundlich, jedoch mit besorgter Mine zu mir und zeigte auf den Stuhl ihm gegenüber.
„Du kannst dir sicher denken worum es geht, oder?“, fing er an. Ich nickte ihr kurz zu, war ja auch schwer zu erraten.
„Zum einen der Angriff auf dich und dann tauchten auch noch kurz darauf diese Bilder auf. Wir sind wirklich sehr in Sorge um dich. Wir hatten dieses Gespräch auch schon mit Patrick geführt,“ setzte Herr Jeske fort, „und genauso wo ihn möchten wir dich eine Weile, sagen wir beurlauben bis etwas Gras über dieses unschöne Thema gewachsen ist“.
„Es ist nur zu eurem besten. Wir können uns ganz gut vorstellen, Wie schwer die Situation für euch beide ist“, ergänzte Herr Bruckner. Deshalb war er also nicht im Unterricht. Die wollen uns also aus dem Weg räumen bis es niemand mehr interessiert. So viel zum Thema Toleranz. Erst Weltoffenheit heucheln und dann sowas. Aber egal. Meine Tage waren eh gezählt.
„Für die nächsten vier Wochen wirst du von der Schule freigestellt, danach halten wir uns offen, Die Freistellung bis zum Ende des Jahres fortzuführen“, sprach Herr Bruckner gekünstelt freundlich zu mir.
„Ich begleite dich zurück in die Klasse, dort kannst du deine Sachen packen und nach Hause gehen“, sagte Herr Jeske schließlich. Ohne einen Ton darauf zu sagen stand ich auf und lief mich von ihm wieder Richtung Klasse führen.

Unter dem laufen blickte er inner wieder besorgt zu mir hinunter. Schließlich sagte er: „Es geht mir ja absolut nichts an, Was ihr beide in eurer Freizeit macht aber wenn ihr schon Bilder davon machen müsst, solltet ihr wenigstens aufpassen, wie ihr damit umgeht“. Ich blieb kurz stehen. Ich überlegte schon die ganze Zeit wie um alles in der Welt dies Bilder entstanden sein könnten. Ich wusste von nichts mehr, hatte nicht eine Erinnerung an den offensichtlich geschehenen Sex mit Patrick.
„Ich hab ehrlich gesagt keine Ahnung wann und wo diese Bilder entstanden sein sollen“, sprach ich kurz und lief weiter. Herr Jeske runzelte kurz die Stirn und lief hinter mir her.
Unter den bietenden Blicken meiner Mitschüler packte ich mein bisschen Kram zusammen und verließ den Klassenraum. Bis zum Haupteingang dackelt Herr Jede noch hinter mir her.
„Das wird schon alles wieder“, versuchte Herr Jeske mich zu beruhigen. Erst als ich um die Ecke gebogen war, ging auch er zurück ins Schulhaus.

An der Bushaltestelle setzte ich mich auf eine Bank und zündete mir eine Zigarette an. Es würde noch bestimmt eine halbe Stunde dauern, bis der nächste Bus kommen würde. Aus Langeweile holte ich mein Handy raus und schaute in meinen lange Posteingang. Ich wollte Jakob schreiben was passiert war, ihm eine Art Abschiedsbrief hinterlassen. Dich anstatt dies zu tun öffnete ich eine von Patricks tagelang ignorierte Nachrichten.
»Ich hab das nicht getan, bitte antworte endlich«
Angewidert drückte ich löschen, nächste Nachricht.
»Bitte melde dich bei mir, Ich weiß nicht mehr weiter«
Wieder drückte ich auf löschen.
»Bitte, Ich bin das nicht«
Wieder wollte ich die Nachricht einfach nur löschen. Da entdeckte ich, dass der Nachricht ein Bild angehängt war. Zögerlich öffnete ich die Datei. Wie zu erwarten. Es war dieses ekelhafte Bild. Ich wollte es in meiner Wut sofort wieder löschen. Da bemerkte ich etwas, Was mir beim ersten ansehen gar nicht aufgefallen war. Ein kleines Detail nur, dass die sonst wirklich perfekte Fotomontage entlarvte. Es fehlte etwas an meinem Bauch…
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Matti » 05 Jun 2019, 20:15

Hatte ich was überlesen? Irgendwie fehlt mir der Übergang von "ich bin nicht schwul" zu "mein Freund" und der Sache mit der Tolleranz, anstatt es bei den Lehrern auch ab zu streiten.

Also doch fake Foto. Ich bin nicht gut im vorhersagen :rat:
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Simson » 05 Jun 2019, 21:06

Und mir fehlt bei den Lehrern einschl. Rektor das Verantwortungsbewusstsein!

Felix war den ersten Tag wieder da, nachdem er krankenhausreif geschlagen worden ist und die Lehrer haben gar keine Fragen an ihn? Auch nicht zu dem Foto ? Seeeeeeeeeeeehr komisch !!!

Und was ist mit Patrick ? hat er sich eventuell geweigert weiter bei den Arschlöchern mitzumachen und ist jetzt deshalb auch fällig ?
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 06 Jun 2019, 07:01

Matti hat geschrieben:Hatte ich was überlesen? Irgendwie fehlt mir der Übergang von "ich bin nicht schwul" zu "mein Freund" und der Sache mit der Tolleranz, anstatt es bei den Lehrern auch ab zu streiten.

Also doch fake Foto. Ich bin nicht gut im vorhersagen :rat:


Freund steht hier für ein freundschaftliches Verhältnis. Wie du sicher gemerkt hast ist Felix sich seiner Sache teilweise selbst nicht ganz sicher.
Und wieso sollte er jetzt nochabstreiten? Ist doch eh alles egal...oder...
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 06 Jun 2019, 07:03

Simson hat geschrieben:Und mir fehlt bei den Lehrern einschl. Rektor das Verantwortungsbewusstsein!

Felix war den ersten Tag wieder da, nachdem er krankenhausreif geschlagen worden ist und die Lehrer haben gar keine Fragen an ihn? Auch nicht zu dem Foto ? Seeeeeeeeeeeehr komisch !!!


So einen ähnlichen Fall gab es an meiner Schule leider auch. Da würde lieber alles totgeschwiegen anstatt zu helfen.

Und was ist mit Patrick ? hat er sich eventuell geweigert weiter bei den Arschlöchern mitzumachen und ist jetzt deshalb auch fällig ?
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Das wird sich bald aufklären
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 06 Jun 2019, 14:06

Kurzes Vorwort:

Ich habe lange überlegt, ob ich dieses Kapitel veröffentliche. Am Ende hab ich mich dafür entschieden, ganz einfach weil es ein wichtiger Punkt in der Geschichte ist und es viel zu viele gibt die so etwas auch selbst durchlebt haben. Ich hoffe, dass niemand die beschriebenen Handlungen als Vorbild nimmt. Es gibt immer einen anderen Weg. Aus diesem Grund wünsche ich mir persönlich, dass jeder der das liest sich ernsthaft darüber Gedanken macht und nicht nur als kleine Geschichte sondern als leider viel zu oft real werdendes Geschehnis sieht...

31. Suizid

„…ich sehe nur ganz kurz, eine Schlange sich fortwinden, Ich fang dich noch im Sturz, Und ich seh das Leben schwinden…“ Je mehr ich dieses Bild betrachtete, desto dämlicher kam ich mir selbst vor. Wieso hatte ich nicht gleich genauer hingeschaut? Die Fotomontage war zwar wirklich verdammt gut gemacht, jedoch hätte mir auffallen müssen, dass das Bild Fake ist. Nicht nur das meine Narbe nicht zu erkennen war. Auch beim Fake Patrick stimmte so einiges nicht. Da waren Muttermale wo in Wirklichkeit keine waren. Sein ganzer Körper sieht dem Fake Bild eigentlich überhaupt nicht ähnlich. Leider wurde mir das viel zu spät klar. „Was bin ich doch nur für ein Vollidiot“, dachte ich mir, hatte ich dich nur eher genauer hingeschaut. Vielleicht wäre es dann nicht so gekommen.“ Diese Erkenntnis stimmte mich wieder traurig. Und auch wütend, hauptsächlich auf mich selbst. „Felix, du bist ein Riesen Vollidiot“, sagte ich wieder und wieder leise zu mir selbst.

Als nach einer guten Stunde warten immer noch kein Bus in Sicht war, beschloss ich den Heimweg zu Fuß anzutreten. Vielleicht würden mir die knapp 13 Kilometer nach Hause ja etwas Klarheit im Kopf verschaffen. Meter für Meter, Ein Schritt nach dem Anderen spulte ich roboterartig mit gesenktem Kopf ab. Der Wind wehte mir durch die Haare. Die Sonnenstrahlen umschmeichelten angenehm mein Gesicht. Ich blendete alles um mich herum aus. Die LKWs, Die donnern über den Asphalt rauschten, die Bauern, Die mit ihren Traktoren links und rechts des Fußwege ihre Felder bestellten, Die Vögel, Die naiv unbekümmert und ohne Sinn in der Luft herumflogen. Im Moment existierte nur ich. Doch anstatt Ordnung in mein Gedankenchaos zu bringen, droschen immer mehr Gedanken auf mich ein. Und je mehr ich über den heutigen Tag nachdachte, desto wirrer würde es in meinem Kopf.

Da waren zum einen die Schüler, Die nichts hinterfragen und alles blind glauben was sie sehen und hören. Dann die Lehrer, Die anscheinend mehr darauf bedacht sind jedes Problem möglichst schnell unter den Tisch fallen zu lassen, als wirklich etwas zu tun. Zu meinem eigenen Besten? Was für ein Schwachsinn. Vor allem von Herrn Bruckner war ich bitter enttäuscht. Mir schien es, als ginge es ihm mehr darum den ganzen Vorfall zu vertuschen als zu helfen, um jeden Preis den schönen Schein waren. Und da war Kevin, dieser verdammte Bastard. Ich hatte mir gedacht, dass er wirklich so weit gehen würde. Und ich riesen mega Volltrottel hab noch schön mein Maul gehalten als die Bullen mich nach dem Angreifer fragten. Gut mir ging es dabei weniger um Kevin. Mir ging es um Patrick. Auch wenn ich bitter von ihm enttäuscht war, könnte ich es dich nicht übers Herz bringen ihn mit ans Messer zu liefern. Patrick. „Was er wohl gerade macht?“, fragte ich mich. Reflexartig zog ich mein Handy aus der Hosentasche und wollte meine Kontakte öffnen. Letztendlich entschied ich mich doch dagegen.

Ich wollte es mir nicht schwerer machen als es eh schon war. Es ist alles den Bach runter gegangen. Und schuld daran war allein ich selbst. Ich war damals nach der Sache mit Alex zu feige mit der Wahrheit raus zu rücken. Ich schämte mich zu sehr dafür was er mir angetan hat. Ich hätte dieses miese Schwein ausliefern sollen. Es wäre alles nie so weit gekommen. Stattdessen ist er jetzt der arme Kerl, der im Suff die Treppe runter gefallen ist und denn jeder jetzt dafür bemitleidet, dass er seitdem ein Krüppel ist. Dabei hatte er es nicht anders verdient. Ich hatte ihn noch sein scheiß Messer in den Hals rammen sollen. Aber selbst dazu war ich zu feige. Und jetzt diese Geschichte. Wieder war ich zu feige. Zu feige um zu unserer Freundschaft zu stehen. Ich war es, Der nicht wollte, dass jeder weiß das wir wieder befreundet waren. Patrick schützen? Wenn wollte ich den was vormachen. Es ging die ganze Zeit nur um mich. Ich wollte mich nicht angreifbar machen. Ich wollte nicht sehen müssen wie er leidet. Ich machte mir vor, dass er zu zerbrechlich sei. Dabei war ich es, Der am Ende der Schwache ist. Ich habs total versaut. Alles liegt jetzt in Trümmern. Und nicht einmal zum zusammenkehren dieses Trümmerhaufens habe ich den Mut. Lieber werde ich mich feige aus dem Leben schleichen und anderen die Drecksarbeit überlassen.

Ich setzte mich auf die nächste Bank. Und zündete mir eine Kippe an. Patrick ging mir jetzt nicht mehr aus dem Kopf. Seine Situation war weit schlimmer als meine. Er hatte mit der ganzen Sache nichts zu tun. Vielleicht sollte ich wenigstens ihm zuliebe noch versuchen die Sache aufzuklären. Ich machte mir große Sorgen um ihn. Es ist eine Sache wenn ich die Schulschwuchtel bin. Lange muss ich das ganze eh nicht mehr ertragen. Aber Patrick ist dann noch da. Und er verdiente es nicht das irgendwelche Lügengeschichten über ihn verbreitet werden. Er sollte glücklich werden, eine Freundin finden, irgendwann heiraten und Kinder, Haus mit Garten und den ganzen anderen Spießerscheiß haben. All das hab ich ihm gerade Verbaut. Einmal, Nur ein einziges mal muss ich mutig sein, Nur ihm zuliebe. Ich muss es zumindest versuchen. Zumindest das bin ich ihm schuldig.

Ich holte mein Handy heraus und fing an eine Nachricht an die Klasse zu schreiben:
»Hallo zusammen,
Im Prinzip geht es mir am Arsch vorbei, Wie ihr über mich denkt. Aber es geht hier nicht um mich. Es geht um Patrick der in die Scheiße irgendwie mit eingezogen wurde. Zu guter allgemeinen Enttäuschung wollte ich euch sagen, dass das Bild Fake ist. Zum Beweis hier ein Foto meines Oberkörpers. Wie ihr sehen könnt hab ich auf meinem Bauch eine große A-förmige Narbe. Die hat mir übrigens Kevin Bruder Alex zugefügt an dem Abend an dem er die Treppe runter stürzte. Kevin macht mich dafür verantwortlich und will mir seitdem das Leben zur Hölle machen. Nun Leute er hat es geschafft. Ich will nicht mehr. Aber was auch passiert, Patrick hat damit nichts zu tun und er verdient es nicht hier mit eingezogen zu werden. Er ist weder schwul noch sind wir ein Paar. Es ist letztendlich eure Entscheidung wie ihr jetzt darüber denkt. Ich hoffe nur ihr Denkt mal darüber nach nicht alles und jedem gleich zu glauben.
Felix»
Ich las mir den Text nochmal einmal durch. Es standen Sachen drin, Die ich eigentlich nie jemanden erzählen wollte. Aber es musste sein. Für Patrick. Für das bisschen Hoffnung ihm sein Leben zurück geben zu können. Ich Schloss die Augen und drückte senden. Danach brach ich in Tränen aus.

Ich lief noch geschlagene 2 Stunden bis ich endlich zuhause ankam. Die Sonne hatte mittlerweile ihren Höchststand erreicht und brannte unerbittlich auf mich heran.
„Ein perfekter Tag zu sterben“, dachte ich mir. Eigentlich wollte ich in einem großen Feuerwerk abtreten. Doch die viele Grüblerei ließ mich von diesem Plan Abstand gewinnen. Ich wurde es still und leise tun. Heute. In meinem Zimmer. Nur ich, eine Rasierklinge, etwas Schnappe und meine Henkerszigarette. Ich ging hinauf in mein Zimmer. Endlich würde ich frei sein. Zwar fürchtete ich mich vor dem Tot, Aber schlimmer als das Leben kann es nicht mehr sein. In meinem Zimmer machte ich mir Musik ein. „Lacrimosa“ würde perfekt passen. Danach ging hinunter in die Küche und holte mir eine Flasche Korn um mir den nötigen Mut anzutrinken. Jetzt fehlte nur noch eine scharfe Klinge. Hier war die beste verfügbare Option ein Teppichmesser aus dem Werkzeugschrank. Ich hatte als alles zusammen was ich brauchte. Planlos lief ich noch einmal durchs Haus, Die Flasche Schnapps in der einen, eine Kippe in der anderen Hand. Ich stellte mich vorm Spiegel im Flur, nahm einen großen Schluck aus der Flasche und betrachtete mich.
„Schade drum eigentlich“, dachte ich mir, als ich mich von oben bis unten Musterte. Ich trank noch einen Schluck und wankte weiter. Im vorbeigehen sah ich eine der wenigen Familienfotos. Mit einem Ruck nahm ich es von der Wand und musterte es. An diesen Tag könnte ich mich noch genau erinnern. Kurz nachdem das Foto gemacht wurde brach mir mein Stiefvater die Hand. Und das nur weil ich diesen bescheuerten Bierkrug Falken lassen hatte. Ich nahm das Bild und warf es gegen die Wand. Sofort zersprang das Glas in tausend Stücke und verteilte sich auf dem Flur. Auf dem nächsten Bild war meine Mutter zu sehn. Sie war zwar nie für mich da, trotzdem war sie meine Mutter. Und wer weiß, vielleicht liegt ihr ja irgendwo ganz tief unter den Fettschichten doch was an mir. Ich beschloss auch ihr ein paar kurze Zeilen zu hinterlassen. Also ging ich hinauf in mein Zimmer, nahm mir Stift und Papier, Und begann zu schreiben.

»Hallo Mama,
Ich weiß du hattest es nicht leicht mit mir. Aber das ist jetzt vorbei. Du hast keine Schuld. Ich kann einfach nicht mehr. Bitte werde wieder glücklich«
Ich legte kurz den Stift ab. Die paar Zeilen haben meine kaputte Hand wieder zum Schmerzen gebracht. Ich nahm den Stift nun in die andere. Eine Kleinigkeit musste noch geklärt werden.
»PS: Auch wenn ich schwul gewesen wäre, wäre ich immer noch der selbe gewesen.
Dein Felix«
Ich legte Stift und Papier zur Seite, ging ins Schlafzimmer meiner Eltern und legte den Brief aufs Kopfkissen meiner Mutter. Danach lief ich in mein Zimmer zurück und verschloss für ein letztes mal die Tür.

Der Schnaps brannte wie Feuer als er mir die Kehle hinunter lief. Eine halbe Flasche von dem billigen Zeug hab ich schon gelehrt. Mein Kopf fühlte sich schwer an. Das Messer in meiner Hand glänzte bedrohlich im Licht meiner Nachttischlampe. Lacrimosa spielte im Hintergrund ihren Song „Alleine zu zweit“. Ich nahm einen langen Zug von meiner Zigarette. Der Rauch breitete sich ich meinen Lungenflügeln aus. Ich behielt ihn lange in mir, ließ ihn nur ganz langsam aus meinem Mund entweichen. Ich weiter, Ein letzter Zug war noch auf der Kippe ehe diese bis zum Filter aufgetaucht sein wird. Ich hatte Angst. Angst vor den Schmerzen. Angst, dass es langsam und qualvoll enden würde. Ich wollte, dass es schnell vorbei geht.

Ich nahm noch einen weiteren Schluck aus der Flasche. Schmeckte noch einmal das Leben. Ein letzter tiefer Atemzug. Mein Herz klopfte wie verrückt, als ich mir das Messer an die Pulsadern legte. Mein Atem würde schneller. Ich drückte fester zu. Mein Herz schien mir in diesem Moment aus der Brust zu springen. Es brannte. Das Adrenalin ließ mich augenblicklich wieder nüchtern werden. Ich zögerte, doch nur für einen Moment. Etwas fester. Auf meinem Handgelenk bildete sich eine rote Linie. Etwas Blut lief mir bereits aus dem Arm. Ich Schloss die Augen. Wollte schnell ziehen. Mein Leben lief vor mir ab. So vieles was geschehen war. So vieles was noch unerledigt blieb. Ich begann die Klingt langsam zu ziehen. Ich spürte das Wärme Blut aus der Wunde laufen. Nur noch ein bisschen.

Ich konnte es nicht. Das Messer viel mir aus der Hand. Und ich begann zu weinen. Ich zog die Beine an meinen Bauch und weinte einfach. Eine halbe Stunde verharrte ich in dieser Position. Noch immer lief etwas Blut aus der Wunde. Ich stand auf und ging ins Bad um mir Verbandszeug zu holen. Unterwegs holte ich noch den Abschiedsbrief vom Bett meiner Mutter. Zurück in Zimmer Verband ich mir so gut es ging das Handgelenk. „Nicht mal das Krieg ich hin“, murmelte ich in mein Kissen. Ich nahm mein Handy um zu schauen wie spät es war. Ein verpasster Anruf. Ich entsperrt das Telefon. Es war Patrick. Ich zögerte kurz. Eigentlich wollte ich gerade nichts mehr als seine Stimme zu hören. Am liebsten hatte ich ihn hier direkt neben mir. Ich drückte auf Rückruf.

„Danke das du zurück rufst Felix“, meldete er sich. Seine Stimme hörte sich rau und verwaschen an. So als ob es betrunken wäre.
„Ich wollte mich nur von dir verabschieden“, sprach er weiter. Ich könnte hören das er weinte.
„Aber wohin…?“, begann ich ehe ich Begriff was er mir sagen wollte.
„Nein Patrick, Nein!“, schrieb ich in den Hörer, „Bitte Patrick!“
„Machs gut…“ dann legte er auf…
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Simson » 06 Jun 2019, 18:58

:cry: Ich hoffe mal er kann Patrick noch davon abhalten. Ich denke mal, dass dieser tatsächlich schwul ist...und vielleicht auch in Felix verliebt ? Suizid wäre sooo scheiße, auch wenn es nachvollziehbar ist in diesem Moment.

Du hast Recht, es gibt immer einen anderen Weg, auch wenn man ihn im Moment nicht erkennen und nicht daran glauben kann.

P.S. Bitte keine allzu lange PAUSE an dieser Stelle, das halt ich nicht durch :o
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Simson » 06 Jun 2019, 22:34

Was hat denn nun eigentlich dieser Alex gemacht ?
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Matti » 07 Jun 2019, 00:50

Simson hat geschrieben:...und vielleicht auch in Felix verliebt ?

Ich denke schon das es das war was er ihm sagen wollte, als er neben ihm im Bett lag.
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 07 Jun 2019, 08:04

Simson hat geschrieben:P.S. Bitte keine allzu lange PAUSE an dieser Stelle, das halt ich nicht durch :o


:roll: Verwöhntes Pack :lol: Ne ich geb schon mein bestes euch nicht zulange warten zu lassen. Aber wie du sicher gemerkt hast werden die Kapitel in letzter Zeit immer länger. Früher hatte ich längere Kapitel geteilt, an dieser Stelle finde ich es aber eher unangebracht. Trotzdem könnte heute noch das nächste fertig werden
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 07 Jun 2019, 11:33

32. Verzweiflung

„…dies wird mein Sieg oder mein Ende, denn auf dem Berg dort liegt mein Glück, lass mich nicht allein…“ starr vor Schreck blickte ich auf mein Handy. Ich konnte es nicht glauben. Ich wollte es nicht glauben. Aufgeregt begann ich in Zimmer auf und ab zu laufen. Dabei versuchte ich wie besessen Patrick wieder ans Telefon zu bekommen.
„Scheiße, Scheiße, Scheiße, Patrick, du verdammter Hurensohn, geh ran“, schrie ich immer wieder. Von Sekunde zu Sekunde würde ich nervöser. Wieder die verdammte Mailbox. Ich war so durchdrehen. Wieder wählte ich seine Nummer. Es klingelte. Ungeduldig lief ich weiter Furchen in den Boden während der Freizeichenton unerbittlich in mein Ohr schrie. Wieder die verfluchte Mailbox. „Scheiße verdammt“, schrie ich wieder und warf mein Handy aufs Bett. Dicke Tränen liefen mir die Wangen hinunter. Ich legte den Kopf in meine Handflächen.

„Scheiße, was soll ich nur machen? Verdammt Patrick, bitte tu mir das nicht an“, heulte ich in meine Hände. Ich sprang auf mein Bett. Holte mein weggeworfenes Handy wieder aus der Ecke hervor. Wieder wählte ich seine Nummer. „Heb verdammt nochmal ab!“, schrie ich voller Verzweiflung ins Telefon. Wieder dieser Freizeichenton. Das monotone Tuten machte mich nur noch wahnsinniger. „Komm schon, komm schon, komm schon“, brabbelte ich weiter hastig. Und Schließlich…würde ich weggedrückt.
Ich wusste nicht ob ich mich freuen sollte oder noch panischer werden würde. Letztendlich war er am Leben. Noch zumindest. Ich musste ihn finden. Musste ihn aufhalten. Eiligst schnappte ich mir meine Schuhe und verließ das Haus. Ich stand auf der Straße. Mir kam alles so leer vor. Das schummrig Licht der Straßenlaternen tauchte die Nacht in ein bedrohlich wirkendes Blutorange. Ich blickte nach links und nach rechts.

„Scheiße Patrick, wo steckst du?“, flüsterte ich mir selbst zu. Vielleicht täuschte ich mich, Aber ich meinte, einen Fluss im Hintergrund gehört zu haben. Aber hier gibt es viele Flüsse. Wo sollte ich nur Anfangen? Dann begann ich einfach zu rennen. Ich folgte nur meinem Instinkt. Ohne konkreten Anhaltspunkt blieb mir in diesem Moment nicht weiter übrig. Mein Herz schlug wie verrückt gegen meinen Brustkorb. In meinem Kopf spielten sich die wildesten Szenarien ab. Egal wie, Ich musste ihn finden. Ich musste ihm sagen, wie Leid es mir tut. Ich wollte ihn nicht verlieren, dem einzigen Menschen dem ich etwas bedeute, der mir etwas bedeutet. Ich rannte ziellos umher. Ich schaute nicht links und nicht rechts. Nur stur geradeaus, bis ich vor einem Haus zum stehen kam. Mit verheilten Augen blickte ich nach oben in das hell erleuchtete Zimmer.
„Ist er etwa bei sich Zuhause?“, fragte ich mich. Ich war mir ziemlich sicher, dass er nicht von zuhause aus angerufen hatte. Und trotzdem hatte ich ein wenig Hoffnung, dass er gemütlich in seinem Bett liegt und den ganzen Mist sein gelassen hatte. Zögerlich ging ich zur Haustür, wollte klingeln. Ich streckte den Zeigefinger in Richtung Klingeltaste. Zog ihn dann jedoch trotzdem zurück. Nein ich konnte nicht klingeln. Wie sollte ich es seinen Eltern erklären wenn er nicht da ist?

Ich musste einen anderen Weg nach oben nehmen. Über das Vordach. Vorsichtig kletterte an einer Rankhilfe nach oben. Bei jeder Sprosse wollte ich laut losschreien. Meine Hand bereitete mir unglaubliche Schmerzen. Doch ich musste durchhalten. Weiter, Stück für Stück hangelte ich mich nach oben. Oben angekommen, schlich ich so vorsichtig wie möglich über die Dachziegeln des schmalen Vordaches zum Fenster. Ich lugte hinein. Seine Lichter waren an. Doch von ihm keine Spur.
Ich lehnte mich leicht gegen das Fenster, wollte sehn ob ich vielleicht irgendwas entdecken konnte was mir weiter helfen würde. Mit einem mal gab der Fensterflügel nach. Beinahe wäre ich Kopfüber ins Zimmer gefallen. Gerade noch so konnte ich mit der rechten Hand denn Fall stützen. Das Ergebnis war ein schmerzerfülltes Stöhnen, dass ich beim besten Willen nicht unterdrücken konnte. Leise stieg ich ins Zimmer und sah mich um, nur kurz um so wenig Zeit wie möglich zu verlieren.

Ich sah auf sein Bett. Dort lag ein Brief ordentlich in einem Umschlag gepackt. »Für Mama und Papa« stand darauf. Ich stopfte ihn mir in die Hosentasche. Unter dem Brief lag noch ein Bild. Es war schon etwas älter. Ungefähr 3 Jahre alt. Ich durfte damals mit Patrick in den Urlaub an die Ostsee fahren. Dort besaßen seine Eltern ein kleines Ferienhaus. Es wir der einzige Urlaub den ich bisher verbracht hatte und einer der schönsten Momente überhaupt in meinem Leben. Wieder stiegen mir die Tränen in die Augen.
„Bitte Patrick, du darfst nicht sterben!“, flüsterte ich mir zu. Dann bemerkte ich ein weiteres Bild. Es war dieses Fakebild. Darunter in Druckbuchstaben ein einzelner Satz: „Wer nicht für mich ist, Der ist gegen mich!“ Mein Mund war weit geöffnet. Ich wollte es einfach nicht wahrhaben. Ich hatte zwar so etwas vermutet, dich die Gewissheit ließ mich schaudern. Voller Zorn zerknüllte ich das Bild.
„Ich schwörs dir Kevin, wenn Patrick sich was angetan hab bring ich dich um“, dachte ich mir. Ich biss meine Zähne aufeinander. Ich musste los, weiter, irgendwie Patrick finden. Ich stieg hastig aus dem Fenster schlich so schnell wie möglich über das Dach. Und dann kam was kommen musste.

Ich wollte losheulen vor Schmerzen. Selbst wenn das Gras meinen Sturz etwas gebremst hatte, so Taten mir jetzt trotzdem alle möglichen Knochen im Körper weh. Ich rappelte mich auf. Gebrochen schien nichts zu sein. Nur meine Ellbogen waren aufgeschürft. Mein Shirt hing in Fetzen an mir. Meine Knie schmerzten. Ich ging den ersten Schritt. Es tat weh aber das machte nichts. Da ging das Licht am Haus ein. So schnell es eben ging lief ich davon. Ich bog gerade um die Ecke, Da hörte ich die Haustür aufgehen. „Felix?“, hörte ich es kurz rufen. Ich humpelte einfach weiter. Mir viel nur noch ein Ort ein. Unser altes Lager im Wald. Dort war auch ein Fluss in der Nähe. Ich eilte weiter. Es war nicht weit dorthin, gerade mal 15 Minuten Fußweg, doch dieser Weg kam mir gerade unendlich lang vor. Es kam mir vor, als würde ich in Zeitlupe laufen während sich Patrick in Normalgeschwindigkeit immer weiter von mir entfernte. Ich biss die Zähne zusammen. Holte alles aus mir heraus.

Vollkommen erschöpft kam ich an unserem alten Lager an. Der Schweiß lief mir von der Stirn. Ich keuchte, Rang nach Luft. Mit meinem Verband wischte ich mir den Schweiß von der Stirn. Ich atmete tief durch.
„Patrick!“, schrie ich Sol laut ich konnte in den Wald hinein. Ich horchte auf. Wie sehr ich mir doch gerade wünschte seine Stimme hören zu können. Doch der Wald blieb still. Wieder sammelte ich Kraft in meiner Lunge: „Patrick, wo steckst du?!“ Doch wieder erhielt ich keine Antwort. Ich schleppte mich weiter, hinein in unser altes Lager. Doch es war zu dunkel ich konnte kaum etwas erkennen. Ich ging wieder hinaus schaute mich um. Immer wieder tief ich seinen Namen. Er musste einfach hier sein. Ich hoffte, dass es noch nicht zu spät war. Ich hoffte so sehr, dass sicher es nicht schaffen würde, dass er jedem Moment hinter dem nächsten Baum hervor kommen und wir uns in den Armen liegen würden. Doch bisher vergeblich. Ich schrie weiter in die Nacht hinein. So langsam begann meine Stimme zu versagen. Dich ich hörte nicht auf nach ihm zu rufen. Immer tiefer wankte ich in den Wald bis ich schließlich am Fluss ankam.

Nur noch mit Mühe schaffte ich es mich auf den Beinen zu halten. Die Erschöpfung breitete sich immer weiter in mir aus. Mein Sichtfeld wurde immer verschwommener. Zum einen durch die Tränen, Die mir meine Augenlider zuquellen ließen und zum anderen durch den Schwindel dee mit jedem Schritt stärker zu werden schien. Langsam schleppte ich mich am Fluss entlang. Mit jeder Minute schwand meine Hoffnung ein wenig mehr. Ich begann mit dem Gedanken zu spielen einfach aufzugeben. Mich hier und jetzt einfach fallen zu lassen. Nur mein Wille und ein letzter Funken Hoffnung bewarten meinen Körper davor nachzugeben. Ich stolperte, könnte mich aber gerade noch so auffangen.
Als ich zu Boden schaute blieb mir fast das Herz in der Brust stehen. Ich sackte zusammen. Ich könnte es nicht glauben und ich wollte es nicht glauben. Der Atem blieb mir Weg. Unkontrolliert versuchte ich Luft zu holen, doch ich schafte es nicht mehr normal zu atmen. Meine Augen rasteten weit Aufgerissen auf dn Fleck keine zehn Meter von mir entfernt. Der Schock breitete sich in mir aus. Das Denken wurde immer schwerer. Was ich sah, ließ mir das Blut in den Adern gefrieren.

Das schale Mondlicht glitzerte auf seiner nackten Haut. Leblos lag er dort auf seinem Bauch. Seine Haare noch feucht. Ein paar Wassertropfen bildeten ein Pfützchen auf seinem Rücken. Die Füße hingen noch immer im kalten Wasser des Flusses. Ich wollte schreien, dich ich bekam keinen Ton heraus. Ich wollte zu ihm laufen, doch meine Beine wollten nicht mehr reagieren. Meine Arme hingen schlaff an meinen Seiten hinunter. Irgendwie schaffte ich es dann doch aufzustehen.
Schritt für Schritt lief ich zitternd auf Patrick zu. „Nein, nein,“ murmelte ich immer wieder erstickt vor mich hin. Neben ihm ließ ich mich auf die Knie fallen. Ich wollte es nicht wahr haben. Seine Haut wahr weiß seine Lippen leicht blau. Seine wunderschönen Augen geschlossen. Für immer. Mein Herz fühlte sich an als wäre es aus der Brust gerissen worden. Ich fühlte nur noch leere. Langsam streckte ich eine Hand aus wollte ihn berühren. Mich wirklich davon überzeugen. Dass nicht noch ein Hauch Leben in ihm steckt. Ich berührte seine Schulter. Sie war eiskalt. Ich spürte die Gänsehaut, Die sich auf seinem kompletten Körper ausgebreitet hatte. Sanft stieß ich ihn an. Keine Reaktion. Etwas fester. Immer noch nichts. Er war tot. Wirklich tot. Ich lies mich fallen. Mein Kopf krachte auf seinen Rücken. Ich konnte nur noch weinen. Alles umsonst. Ich war zu spät. Ich legte meine Wange auf sein Schulterblatt und wurde still. Das einzig hörbare Geräusch waren meine Tränen, Die auf seinen Rücken tropften. Und ein leises rythmisches Schlagen. Wie vom Blitz gerührt stand ich auf.

„Verdammt, du musst durchhalten“, schrie ich ihm an. Ich suchte mein Handy, könnte es aber nirgendswo finden. „Fuck“, stieß ich aus, „was soll ich nur tun.“ In meinen Hosentaschen waren nur der Brief in meine Zigaretten. Ein Geistesblitz. Ich zog ihn erst einmal gar aus dem Wasser und näher an den Waldrand. Eilig sammelte ich ein paar dünne Äste und baute ein kleines Lagerfeuer. Ich war am Rande der Bewusstlosigkeit als ich es endlich schaffte ein Feuer zu entzünden. Vor meinen Augen würde es langsam schwarz. Mit letzter Kraft zog ich meinen Körper auf ihn um ihn so gut es ging zu Wärmen. „Bitte halt durch,“ flüsterte ich in sein Ohr. Danach wurde es schwarz…
Das Leben ist keine Keksfabrik

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Simson
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Simson » 11 Jun 2019, 15:17

Ganz schön dramatisch. ..und nun ? Wie geht es jetzt weiter? Werden die beiden gefunden, und wenn ja, von wem?
"Sei wie du bist ! Irgendwann kommt es sowieso raus." E.v. Hirschhausen

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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 12 Jun 2019, 10:45

33. Neuer Morgen

„…it just happend, you just happend, hard and suddenly….“ Ich riss die Augen auf. Mein Kopf hämmerte wie verrückt. Der Schmerz, der meinen kompletten Körper durchfuhr, machte mir auf brutale Weise deutlich, dass es nicht nur einer meiner bösen Träume war den ich durchlebt hatte. Ich blickte zur Seite. Betrachtete den Körper der leise und gleichmäßig Atmend immer noch in meinen Armen lag. Die Gänsehaut, welche sich vorher noch über seinem kompletten Körper erstreckte, war von ihm gewichen. Im rötlichen Licht der gerade aufgehenden Sonne strahlte seine Haut wieder in einem zarten roseton. Sein dunkelblondes Haar schimmerte in Licht wie zarte goldene Fäden. Nur einige Schürfwunden und etliche blaue Flecken zeigten von dem, was er gestern Nacht durchgemacht haben musste. Still starrte ich ihn an, sah wie seine Brust sich langsam hob und wieder senkte. Und in diesem Moment war ich so glücklich wie schon lange nicht mehr.

Vorsichtig stand ich auf, streifte mir die Reste meines zerrissenen Shirts vom Körper und deckte Patrick damit etwas zu. Zum ersten mal betrachtete ich meine zahlreichen Blessuren. Es war nahezu kein Körperteil mehr ohne irgendeine Verletzung zu finden. Und genauso fühlte sich auch jede Bewegung an. Doch es hatte sich gelohnt. Ich lief langsam zum Fluss um mich etwas zu waschen. Das eiskalte Wasser in meinem Gesicht ließ meinen Geist vollends erwachen. Ich löste den Verband von meinem linken Handgelenk. Ganz vorsichtig, um die Wunde nicht wieder aufzureißen. Kopfschüttelnd betrachtete ich das Werk meiner eigenen Dummheit. Ein paar Millimeter hatten vielleicht gefehlt um den größten und vermutlich letzten Fehler meines Lebens zu begehen.

Langsam löste das kalte Wasser die eingetrockneten Blutreste ab bis schließlich nur noch eine halb geschlossene Wunde zu sehen war. Nun begann ich meine restlichen Verletzungen zu säubern. Mein nächtlicher Querfeldeinlauf durch den Wald hatte doch die ein oder andere zusätzliche Wunde hinterlassen. Als ich mich fertig gewaschen hatte, setzte ich mich ans Ufer und zündete mir eine Zigarette an.
Während ich so da saß, wanderten meine Blicke immer wieder hinüber zu Patrick. Ich fragte mich immer wieder, wieso er gleich so einen drastischen Schritt gehen wollte. Und so sehr ich mir auch den Kopf darüber zerbrach, Es machte für mich keinen Sinn. Oder war es wirklich so schlimm für ihn, dass alle Welt denkt das er schwul ist? Ich sah ihm weiter dabei zu wie er friedlich dort lag und schlief. Schließlich stand ich auf. So nackt wie er war könnte ich ja schlecht mit ihm nach Hause laufen. Und er hatte sicher etwas an als er hier her gekommen war. Also beschloss ich etwas am Flussufer entlang zu gehen um nach seinen Klamotten Ausschau zu halten. Es dauerte auch nicht lange, Da fand ich tatsächlich seine Sachen ordentlich zusammengelegt an einem Felsvorsprung. Ich nahm sie an mich und ging zurück zu Patrick. Dort angekommen, legte ich seine Sachen ab und ließ mich neben ihm nieder. Er rührte sich nicht und schlief einfach tief und fest weiter.

Die Sonne brannte mittlerweile warm auf meiner Haut. In diesem Moment vergaß ich einfach alles um mich herum. Die Schule, Der Stress mit meinen Eltern, Kevin. Nichts kümmerte mich in diesem einen friedlichen Augenblick. Ich war einfach nur zufrieden, noch am Leben zu sein. Und noch viel mehr, dass Patrick noch am Leben war. Gerade als mir dieser Gedanke durch den Kopf zig, schlug er die Augen auf. Ich schaute ihm tief hinein und lächelte. Er starrte mich einen Moment etwas perplex an. Dann begann sich auch seine Mundwinkel zu einem Lächeln zu verziehen.
„Bist du es wirklich oder halluziniere ich gerade?“, fragte er mich.
„Du hast mir gestern einen riesen Schreck eingejagt“, antwortete ich ihm. Er wante seinen Blick von mir ab. Langsam richtet er seinen Oberkörper auf.
„Wie hast du mich gefunden?“, wollte er von mir wissen. Die Wahrheit war, Ich wusste es selbst nicht genau. War es Zufall? Oder so eine Art göttlicher Fügung? Das ich als überzeugter Atheist überhaupt nur auf so einen Gedanken kam spricht schon Bände.
„Nennen wir es einfach Glück“, sprach ich letztendlich zu ihm.
„Glück“, wiederholte er kurz nachdenklich Ehe er wieder zu lächeln begann. Da könnte ich nicht mehr anders mich halten. Mit einer kurzen Bewegung packte ich ihn und nahm ihn fest in den Arm. Er zuckte einen kurzen Augenblick, war offensichtlich nicht darauf gefasst du abrupt gepackt zu werden. Doch nach einem Sekundenbruchteil der Gegenwehr lies er die Umarmung zu und schlang auch seinerseits seine Arme fest um meinen Hals.

„Mach das nie wieder“, flüsterte ich ihm Ins Ohr ehe ich von ihm abließ, „und jetzt komm, lass uns gehen.“ Plötzlich schaute er wieder nachdenklich, Ich konnte es förmlich in seinem Kopf arbeiten hören.
„Wohin soll ich denn gehen?“, fragte er bedrückt. Aus seinen Augenwinkel kullerten kleine Tränen und liefen seinen Wangen hinab. „Meine Mim hat sicher schon gemerkt, dass ich nicht in meinem Bett war. Und…meinen Abschiedsbrief hat sie sicher auch schon gefunden. Selbst wenn ich jetzt wieder nach Hause komm, Die steckt mich doch sofort in die Klapse! Da hättest du mich eigentlich auch verrecken lassen können!“ Mir wären so einige dumme Kommentare dazu eingefallen. Doch letzten Endes schluckte ich sie hinunter. Stattdessen kramte ich einen verknitterten Briefumschlag aus meiner Hosentasche und drückte ihn Patrick in die Hand. Der schaute mich nur etwas verdutzt an.
„Woher…?“, begann er seinen Satz.
„Erzähl ich dir unterwegs. Jetzt zieh dir was an. Oder willst du nackt nach Hause laufen?“

Wir ließen uns Zeit auf dem Weg zurück in die Zivilisation. Die Strecke schämt sich unendlich auszudehnen. Ich hatte gestern gar nicht gemerkt, dass ich wirklich so tief in den Wald gelaufen war. Noch dazu war ich noch ganz schön gerädert vom gestrigen Abend. Auch Patrick konnte man deutlich ansehen, dass er noch nicht ganz zurück auf der Höhe war. Er wird die müde und erschöpft, aber glücklich. Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen langsam die ersten Hausdächer des Dorfes in unser Sichtfeld. Wir beschlossen zuerst bei mir zu Hause vorbei zu vorbeizugehen, denn so wie ich aussah wollte ich nicht unbedingt unters Volk gehen. Mein Shirt hing in Fetzen von mir, außerdem sahen meine Arme aus als hätte ich mit einem Dornenbusch gekuschelt. Außerdem wollte ich mein Handy holen, nur für den Fall, dass sich doch mal jemand um mich sorgen machen würde.

So leise wie möglich schlichten wir durch das Haus. Unser erster Weg für die uns in die Küche. auf dem Küchentisch lag ein geöffneter Briefumschlag . Ein Brief von der Schule. ich konnte mir schon denken , was der Inhalt dieses Brief ist sein würde. Ohne diesen jedoch weiter zu beachten, ging ich an den Kühlschrank und holte uns erst einmal etwas zu trinken, sowie zwei Apirin heraus. Danach gingen wir über den dunklen Korridor zu Treppe hinauf in mein Zimmer. Aus dem Wohnzimmer konnte ich noch das laute schnarchen meine Stiefvater hören. So wie es sich anhörte, hatte er gestern wieder mal ordentlich getankt und war jetzt noch friedlich am schlafen. Von meiner Mutter war keine Spur zu sehen. Sollte mir auch recht sein. Ich hatte nicht wirklich das Bedürfnis ihr jetzt über den weg zu laufen. Im Zimmer angekommen, zog ich mir als erstes mein Shirt aus und ließ mich dann aufs weich Bett fallen. Ich nahm eine der beiden Kopfschmerztabletten und spülte diese mit ordentlich Wasser runter. Die Andre gab Ich Patrick. Hastig schluckte er sie hinunter und setzte sich anschließend neben mich auf das Bett.

„War ne ganz schön blöde Idee was“, sagte Patrick nach einem Moment der Stille.
„Das kannst du laut sagen. Noch dazu stell ich es mir nicht gerade angenehm vor zu ersaufen“, antwortete ich ihm. Er musste kurz schmunzeln und das obwohl es eigentlich gar nicht lustig war. Ich war ihm einen kurzen Blick zu der unmissverständlicher nicht sein konnte.
„Ja, das hab ich auch gemerkt. Ich hab mich extra komplett abgeschossen um den Mut aufzubringen ins Wasser zu gehen. Aber selbst da hab ich es nicht geschafft. Des letzte woran ich mich erinnern kann ist, dass ich mich ans Ufer gesetzt hab und einfach weiter gesoffen hab. Was dann passiert ist weiß ich nicht mehr.“
„Ich hab dich am Ufer gefunden. Ich dachte echt du warst verreckt. Du magst einfach nur da eiskalt und nass. Ich wäre fast vor Angst gestorben. Wieso um alles in der Welt wolltest du dich umbringen. Nur weil dich die halbe Schule für schwul hält?“, Ich wurde etwas wütend. Ich konnte einfach nicht nachvollziehen warum er sich das so zu Herzen nahm. Er war ja nicht mal Schwul.
Er schwieg. Seine Augen waren auf seine Jeans gerichtet. Er seufzte kurz auf.
„Es ist mir egal, dass jeder denkt das ich auf Jungs steh. Ich hab mich nur so dafür geschämt, dass ich bei Kevin Scheiss schon wieder mitgemacht hab. Ich wollte das nicht, ehrlich. Ich hab mich danach auch heftig mit ihm gestritten. Ich hab ihm gesagt, dass ich nicht mehr mit dem Mist zu tun haben will. Ich wollte dir sagen, Wie Leid es mir tat. Als du mich dann ignoriert hast Tat es so weh. Aber ich hätte es verstanden wenn du nichts mehr mit mir zu tun haben willst. Es hat nur einfach so sehr weh getan und ich wusste nicht wie ich das ganze alleine durchstehen soll.“

Da erkannte ich, dass es alles wieder mal meine Schuld war. Meine Sturheit hätte beinahe dazu geführt, dass ich den einzigen wichtigen Menschen in meinem Leben verloren hätte. Mit einem mal fühlte ich mich wieder schrecklich. Das Hochgefühl komplett vergangen.
„Es tut mir leid“, war alles was ich sagen konnte. Er ließ sich neben mich aufs Bett fallen und schaute mir in die Augen.
„Nein, mir tut es leid“, antwortete er. Wir schauten uns schweigend an. Mich überkam wieder dieses seltsame Gefühl. Ein schwer zu beschreibendes Kribbeln im Bauch so als ob… In dem Moment würde mir schlagartig bewusst, dass ich womöglich mehr für ihn empfand als ich mir selbst eingestehen wollte. Ich spürte seinen warmen Atem ganz dicht an meinem Gesicht. Seine Augen leuchteten mich an. Wir rutschten näher zusammen, lagen nur noch Millimeter von einander entfernt. Da fasste er plötzlich meine Hand.
„Wir schaffen das oder?“, fragte er zögerlich. Ich lächelte ihn an.
„Ja wir schaffen das….“
Das Leben ist keine Keksfabrik

Re: Schwarzer Schmetterling

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