Nur in deinen Augen

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Ferrox
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Nur in deinen Augen

Beitragvon Ferrox » 02 Jun 2016, 19:15

Nur in deinen Augen

Prolog


Kennt ihr dieses Gefühl, für alles und jeden unsichtbar zu sein? Dieses Gefühl was sich in einem ausbreitet bei dem Gedanken daran für immer alleine zu sein? Keine eigene Familie zu gründen? Sich unbedeutender zu fühlen als man ist? Ich kenne dieses Gefühl nur zu gut. Dieses unerbittliche Gefühl der Einsamkeit.

Vielleicht sollte ich mich erst einmal vorstellen. Mein Name ist Simon Miller und ich bin 21 Jahre alt. Mich selbst würde ich als einen durchschnittlichen Typen beschreiben mit goldblonden Locken und blaugrünen Augen. Nicht wirklich unansehnlich, aber auch kein Model wie in den Hochglanzmagazinen, die immer in Modeboutiquen ausliegen. Einfach normal halt. Zurzeit besuche ich die NYU (New York University) und wie es aussieht stehe ich momentan an der Spitze meines Studiengangs. Zu den beliebten Studenten an der Uni gehöre ich dadurch nicht. Und werde ich auch nie. Ich wohne in einem kleinen aber schönen Apartment im Brooklyn und an guten Tagen kann ich sogar die Brooklyn Bridge sehen. Aber genug von mir. Ich selbst stehe nicht gerne im Mittelpunkt.

Ich hätte wirklich nie gedacht, dass es ein schlimmeres Gefühl geben könne, als die ewige Einsamkeit. Einen schrecklicheren Schmerz. Doch ich sollte mich täuschen und dies ist meine Geschichte.



Kapitel 1

Mittlerweile hatte die Temperatur, in der Bibliothek der NYU, die 30 Gradmarke geknackt. Ich saß an einem kleinen Tisch am Fenster und betrachtete die Fachliteratur, die ich mir zusammen gesucht hatte. Wie bin ich bloß auf die idiotische Idee gekommen bei diesem Wetter zu büffeln, fragte ich mich selbst. Kleine Schweißperlen bildeten sich auf meiner Stirn und suchten sich ihren Weg in meine Augen. Ich hatte mir fest vorgenommen an meiner Hausarbeit weiterzuarbeiten, aber diese drückende Hitze machte es fast unmöglich sich zu konzentrieren. Immer wieder schweifte mein Blick aus dem Fenster. Draußen vor der Uni hasteten Menschen von Schatten zu Schatten um der heißen Sonnenstrahlen auszuweichen. Eine kleine Gruppe eisschleckender Studentinnen machte sich kichernd auf den Weg zum Sportfeld. Ich war mir ziemlich sicher, dass dort die Sportstudenten gerade am Trainieren waren.

Ich war so in Gedanken vertieft, dass ich nicht gemerkt hatte, wie sich Jess Taylor von hinten an mich ran geschlichen hatte. Mit einem Lauten in die Hände klatschen holte sich mich zusammenzuckend zurück in die Bibliothek. „Jess. Um Himmels Willen was soll das? Willst du das ich einen Herzinfarkt bekomme?“ Jess schaute mich mit einem schiefen Grinsen an „Vielleicht. Dann würdest du wenigstens mal eine Pause einlegen von der ganzen Lernerei.“ Jess Taylor war meine beste Freundin seit schon immer eigentlich. Wir sind schon zusammen in den Kindergarten in Brooklyn gegangen und sind seither unzertrennlich. Jess hatte ihre haselnussbraunen Haare zu einem lockeren Dutt hochgebunden, damit sie ihr nicht im Nacken klebten. „Simon. Was hältst du davon mal diese Bücher wegzulegen und mit mir in den Park zu fahren? Bisschen Sonne tanken würde deinen Teint gut tun.“, schlug sie mir vor.

Nach einer kurzen Diskussion ließ ich mich dazu überreden, die Bücher zurück ins Regal zu räumen und 30 Minuten später fand ich mich in der U-Bahnstation vom Central Park. Wir hatten noch schnell am Kiosk zwei kühle Flaschen Cola geholt um uns etwas zu erfrischen. Der Central Park war bei diesem Wetter von Menschen überlaufen. Jede Altersklasse war unterwegs und zwischen den ganzen New Yorkern, die ihre Mittagspause genossen, tummelten sich unzählige Touristen. Jess und ich suchten uns ein angenehm kühles Plätzchen unter einer großen Weide. „Und wie läuft es so bei dir und Paul?“, frage ich Jess, die jetzt seit fast 5 Monaten mit ihrem Freund Paul zusammen war. Das Lächeln in ihrem Gesicht machte einer finsteren Miene Platz. „Ach naja. Gestern hatten wir uns kurz in der Wolle. Er versteht einfach nicht, wieso es mir wichtig ist, dass wir mehr Zeit alleine miteinander verbringen.“, sie seufzte ‘Aber jetzt ist wieder alles in Ordnung.“ Das ist wirklich einer der wenigen Gründe warum es besser ist Single zu sein. Man vermisst niemanden, dachte ich. Wir unterhielten uns den ganzen Nachmittag über die Ausflüge, die Jess und Paul geplant hatten. Machten uns lustig über die übertrieben turtelnden Pärchen im Park und vermieden dabei ein ganz bestimmtes Thema. Ich saß es Jess jedes Mal an, dass ihr die eine elementare Frage auf der Zunge lang. Und wie sieht es mit deinem Liebesleben aus? Aber Jess wusste das dies Thema ein Tabuthema war. Sie wusste genau, dass mich dieses Thema immer traurig stimmte. Also schwiegen wir über mein Liebesleben und machten daraus einen stummen Pakt.

Als die Sonne hinter dem Horizont verschwand, verabschiedete ich mich von Jess und setzt mich in die U-Bahn Richtung Brooklyn. Es war Freitagabend und ich hatte meinem Mitbewohner Kyle versprochen, mit ihm und seinen Freunden feiern zu gehen. Er hatte es sich zu heiligen Aufgabe gemacht mich an den Mann zu bringen und das verursachte schon häufiger unangenehme Situationen. Kyle Gailigen war ein Jahr älter als ich und genau der Typ von Sportstudent, auf den alle standen. Er war 195cm groß und hatte eine unglaublich athletische Figur. Mit seinen rabenschwarzen Haaren und moosgrünen Augen hat er bisher jeden in die Kiste bekommen den er wollte. Und genau das war das Problem. Alle wollten immer Kyle und ich stand immer nur in seinem Schatten. Erschwerend kam dazu, dass seine Jungs Clique nur aus unglaublich attraktiven Typen bestand.

Lustlos stieg ich die Treppen zu unserem Apartment hoch und konnte schon die gedämpften Partygeräusche durchs Treppenhaus hören. Na super. Sie sind also schon da. Das kann ja wirklich heiter werden, dachte ich mir und als ich unser Apartment betrat, setzte ich ein strahlendes Lächeln auf.

Nur in deinen Augen

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Re: Nur in deinen Augen

Beitragvon Nairolf1995 » 02 Jun 2016, 21:04

Hey Ferrox!

Der erste Teil deiner Geschichte gefällt mir sehr gut :)
Die Personeneinführung am Anfang war klug gewählt, so kann man sich ein bisschen mit der Person auseinandersetzen und weiß, wie sie tickt.
Auch dein Schreibstil ist schön, es lässt sich flüssig lesen und die paar kleinen Schreibfehler sind auch nicht schlimm ;)

Ich bin schon auf die weiteren Teile gespannt!
Liebe Grüße :)

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Re: Nur in deinen Augen

Beitragvon fierybird » 02 Jun 2016, 23:01

Hallo,

Ich finde, dass du den Anfang deiner Geschichte sehr schön gestaltet hast. Bin gespannt was bei der Party dann passiert und freu mich schon auf den nächsten Teil :D

LG :flag:
"All hail the underdogs
All hail the new kids
All hail the outlaws..."

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Re: Nur in deinen Augen

Beitragvon Ferrox » 03 Jun 2016, 14:32

Kapitel 2

„Da bissttt duu ja ändlich. Ich hade schon Sorge duu hättest michh vergessän,“ begrüßte mich Kyle, mit einem leichten Lallen in der Stimme, als ich das Wohnzimmer betrat. Er packte mich an den Schultern und bugsierte mich in Richtung des Ecksofas wo schon Tim, Alex und Kim saßen. Die Drei waren allesamt Sportstudenten und im gleichen Semester wie Kyle. Trotz ihrer offenen Homosexualität wurden sie akzeptiert und die Mädchen machten sich immer noch Hoffnung, dass sich einer von ihnen in sie verliebte. Wenn man die Gruppe von außen betrachtete bestand sie nur aus gutaussehenden Menschen, die Sport über alles liebten. Ich nickte den drei zu Begrüßung zu, löste mich aus Kyles Griff und verschwand im Badezimmer.

Nach einer ausgiebigen Dusche streifte ich mir ein einfaches schwarzes Shirt über und schlüpfte in meine Lieblingsjeans. Mit noch nassen Locken stieß ich wieder zu den anderen und schnappte mir eine Flasche Bier. „Wieso lässt du dir nicht mal von mir die Haare glätten, Simon?“, fragte mich Alex. Er selbst verbrachte Stunden vor dem Spiegel um sich die Haare zu glätten und zu stylen. „Das ist nicht so meins. Am Ende machen sie eh das was sie wollen. Da kann ich mir die Mühe auch gleich sparen.“ Und es war tatsächlich so. Ich hatte mir mal für eine Party stundenlang die Haare gemacht, nur um zwei Stunden später wieder wie vorher auszusehen.

Zwei Bier später stand das Taxi vor der Tür und wir machten uns gemeinsam auf den Weg nach Manhattan. Der BayClub hatte vor vier Tagen neueröffnet und war der Club zum Rausgehen, hatte Kyle auf der Fahrt erzählt. Jeder würde dort sein. Und er sollte Recht behalten. Vor dem Tanzlokal hatte sich eine lange Schlange gebildet und alle warteten darauf vom Türsteher Einlass gewehrt zu bekommen. „Macht euch keine Sorge, Jungs. Ich kenne den Besitzer. Wir sind in null-komma-nichts da drin.“, erklärte Kim. Kim und sein Zahnpaste-Werbung-Lächeln kannten fast jeden Clubbesitzer der einigermaßen Attraktiv war. Und zwar körperlich. Er schlief mit ihnen und zog daraus seine Vorteile. Meiner Meinung nach nennt man das Prostitution, aber in seinen Augen war das einfach ausgleichende Gerechtigkeit. Wir schlenderten an der langen Schlange vorbei und als uns Raul, der massige Türsteher, ohne anzustehen rein ließ, ging ein Raunen durch die Menge.

Kaum war die Tür geschlossen wurde man von den tiefen Bassen der Musik empfangen. Ein farbenfrohes Lichtspiel tanzte über die Wände des Clubs. Ich suchte mir einen Platz am Tresen während die Anderen „auf die Jagd“ gingen. Ich bestellte mir ein Bier bei dem Barkeeper dessen Arme so voll tätowiert waren, dass man kaum noch ein Stück freie Haut sah. Ich ließ meinen Blick über das anwesende Publikum schweifen und erkannte den ein oder anderen von Partys aus der Vergangenheit. „Ich bekomme bitte einen Captain Cola“, bestellte jemand neben mir mit einer Stimme, die mich neugierig machte. Als ich mich umdrehte entdeckte ich einen Mann, vielleicht einen Kopf größer als ich, mit braunem wuscheligen Haar und athletischer Figur. Er trug ein ausgewaschenes Jeanshemd zu einer beigen Hose. Er hatte sich einen 3-Tage-Bart wachsen lassen, der ebenso braun war wie sein Haar. Doch was mich am meisten in den Bann zog waren seine eisblauen Augen und genau in dem Moment bemerkte ich, dass er mich verwirrt anschaute. „Kennen wir uns?,“ fragte der Fremde mich. Sofort schoss mir die röte ins Gesicht `Oh man. Das tut mir furchtbar leid. Ich wollte nicht starren.“ Ein unglaublich attraktives Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Tun das hier nicht so oder so alle? Ist doch die pure Fleischbeschauung. Ich bin David. David Clark.“ „Mein Name ist Simon Miller. Ja da hast du recht,“ antwortete ich schüchtern und ergriff seine Hand, die er mir entgegenstreckte. Ein Kribbeln wanderte meinen Arm hinauf und hinterließ eine Gänsehaut. „Ich bin gerade frisch nach New York gezogen. Habe von der UCLA auf die NYU gewechselt.“ Los Angeles. Daher also dieser gleichmäßige braune Teint, dachte ich. Wir unterhielten uns eine Weile über unsere Unifächer. Wie sich rausstellte studierte er auch Sport. „Wenn das nicht unser neue Kollege ist. Hallo David,“ begrüßte Kyle ihn gefolgt von Kim ,Alex und Tim. „Wie es scheint hast du unseren kleinen Streber Simon schon kennengelernt. “ Kyle gab mir einen kleinen Boxer auf die Schulter ‘ war doch nur ein Spaß, Simon. Die nächste Runde geht auf mich David. Also los“, Kyle packte Davids Hand und zog ihn in Richtung der kleinen Bar an der Tanzfläche. Und genau so lief es immer. Entweder ich stand im Schatten der Vier und wurde gar nicht erst beachtet oder aber Kyle betrat die Bühne und drängte sich ins Rampenlicht.

Wütend über Kyle und sein Verhalten verließ ich den BayClub und schlenderte die Madison Ave entlang. Ich hatte die Hände zu Fäusten in der Hosentasche geballt und kickte eine leere Bierdose vor mir her. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich so etwas gespürt. Dieses Kribbeln und Kyle musste natürlich alles wieder kaputt machen. Dieser arrogante Arsch. Er hätte sehen müssen, dass er stört. David Clark. Oh man, ob er wohl auch so ein Kribbeln gefühlt hat?, fragte ich mich selbst. Ich hob den Arm um ein Taxi anzuhalten und fuhr durch die Nacht nach Hause.

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Re: Nur in deinen Augen

Beitragvon Nairolf1995 » 03 Jun 2016, 22:02

Hey Ferrox!

Wieder ein guter Teil von dir :)

Ich kann irgendwie richtig mit Simon mitfühlen, der arme :/
Im Schatten von jemandem zu stehen ist nicht einfach, ich bin gespannt, wie das noch ausgeht..
Und natürlich bin ich gespannt, was als nächstes passiert, also schreib bitte schnell weiter!

Liebe Grüße :)

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Re: Nur in deinen Augen

Beitragvon Ferrox » 06 Jun 2016, 14:06

Kapitel 3

An Uni-Tagen bestand meine Morgenroutine daraus, mit einem Milchkaffee in der Hand an der Küchentheke zu lehnen und hastig ein Toast zu verdrücken. Doch weil Samstag war, hatte ich mir die Laufschuhe angezogen und bin zum Bäcker an der Ecke gejoggt. Die frische Morgenluft fühlte sich gut an und im Park konnte ich die Vögel zwitschern hören. Heute wird ein guter Tag. Ich weiß es einfach. Schade nur das Kyle gestern so einen großen Auftritt gebracht hat. Ob David nochmal nach mit geschaut hat? Er war wirklich echt charmant, dachte ich und lächelte vor mich hin. Ich wurde von der netten kleinen Dame Mrs Gibbels, die hinter der Theke stand, begrüßt und bekam die Standard Samstagmorgen-Tüte. Zurück vor der Haustür bemerkte ich zum ersten Mal an diesem Morgen, dass dort ein fremdes Paar Schuhe stand. Anscheinend war Kyle gestern Nacht noch erfolgreich gewesen, amüsierte ich mich wären ich den Tisch in der Küche für Kyle und seinen Besucher vorbereitete. Da ich die Beiden nicht stören wollte, hatte ich mir ein Brötchen geschmiert und mich auf den Weg in Richtung meines Zimmers gemacht. Gerade als ich aus der Küche in den Flur trat, schwang die Badezimmertür auf und ein nackter Körper zeichnete sich von der Dunstwolke, die ihn begleitete, ab. Sein Kopf versteckt unter einem weißen Handtuch. Auch wenn ich es eigentlich nicht wollte, wanderten meine Augen einmal den Fremden rauf und runter. Und was sie sahen war nicht schlecht. Ein gut trainierter Körper, der an die 190cm groß war. Leicht gebräunt und nackt. Nackt. Sofort schoss mir die Röte ins Gesicht, bedeckte mit meiner freien Hand die Augen und drehte mich um. „Ähm Entschuldigung, aber du solltest dir wirklich besser was anziehen.“ Ich konnte es am stockenden Atem hören, dass der Fremde sich ziemlich erschrocken hatte und nicht mit mir gerechnet hatte. „Oh mein Gott ist mir das peinlich. Ich wusste nicht, dass Kyle einen Mitbewohner hat. Du kannst dich jetzt wieder umdrehen.“ Mit zum Boden gesenkten Blick wand ich mich wieder um und sah, dass er sich anscheinend das Handtuch vom Kopf schnell um die Hüfte geworfen hatte. Als mein Blick sein Gesicht erreichte versteifte sich meine Körperhaltung ungewollt. Die Beute, die Kyle letzte Nacht mit nach Hause gebracht hat, war David Clark. Und das konnte nur eins bedeuten: Er war genau wie sie. „Bist du nicht Simon? Du warst doch auch mit im BayClub letzte Nacht, oder?“, fragte David mich. Schnell steuerte ich auf die Haustür zu und antwortete mit unterdrückten Tränen ‘Du musst mich wohl verwechseln.“

Ohne wirklich zu wissen, wo ich hinwollte, rannte ich los. Ich rannte und rannte immer weiter. Tränen rannen mein Gesicht hinunter. Zum Glück habe ich noch meine Laufschuhe an, dachte ich ironischer Weise. Als ich die Brooklyn Bridge erreichte hielt ich an. Ich schaute von der Brücke hinunter und sah den dreckigen East River. Wieso um alles in der Welt muss es so ungerecht zugehen? Ich hatte echt gedacht David hätte bisschen mehr drauf, als dieses oberflächige Abschleppen. Aber anscheinend ist er einfach genau wie die anderen Idioten. Ich werde wirklich nie jemanden finden der mich Liebt. Was haben die denn was ich nicht habe? Außer vielleicht die ganzen Muskelberge. Hirn hat davon keiner. Und wehe ich höre noch einmal den Spruch: Körper bringen zusammen und Charakter hält zusammen. Ich habe keinen durchtrainierten Körper wie Kyle. Heißt das man wird mir nie die Chance geben? Ich hasse diese scheiß oberflächliche Szene, dachte ich mit Tränen in den Augen. Der Gedanke, für immer alleine zu sein, ließ mich erschaudern. Da ich nicht zurück ins Apartment wollte, entschied ich mich dazu in die Unibibliothek zu fahren.

Es war in den frühen Abendstunden als ich die Bibliothek verließ. Ich liebe diesen Ort. Hier stört mich nie jemand und alles was da draußen passiert kann nicht eindringen, dachte ich. Vor der Haustür überprüfte ich ob David wirklich weg war. Als ich mir sicher war betrat ich das Apartment und durchquerte den Flur so leise es ging. „Was war das denn für ein peinlicher Auftritt heute Morgen? Du musst mich wohl verwechseln.“, ahmte Kyle mich, im Türrahmen lehnend, nach. „Ach lass mich doch in Ruhe. Das geht dich gar nichts an.“, fauchte ich ihn ungewollt an. Eigentlich wollte ich mir nichts anmerken lassen, aber Kyle hatte den Braten schon längst gerochen. „Du stehst auf David, oder? Ich hatte es schon gestern im Club an deinem Blick gesehen.“, grinste er mich an. Zornesröte schoss mir ins Gesicht ‘Wie bitte? Du hast gesehen, dass ich ihn toll fand und besitzt trotzdem die Frechheit ihn abzuschleppen? Ausgerechnet hierhin? Ich dachte wir wäre Freunde.“ Kyle schaute mich mitleidig an ‘Ich konnte ja kaum ahnen, dass ihr euch begegnet. Es war einfach nur eine Wette zwischen den Jungs und mir. Wer ihn als erstes in die Kiste bekommt und ich habe gewonnen.“ Er setzte sein Siegerlächeln auf und spannte den Bizeps. „Nur eine blöde Wette also? Na gut. Dann hast du jetzt eine Wette gewonnen und einen Freund verloren. Ich ziehe aus.“ Ich unterdrückte die Tränen und drängte mich an Kyle vorbei in mein Zimmer. Wie konnte man nur so etwas seinem eigenen Kumpel antun? Er hatte es gewusst und trotzdem getan. In einer guten Stunde hatte ich all meine Sachen zusammengepackt und Jess half mir sie in ihr Auto zu packen. Wenigsten hier meinte es das Schicksal gut. In Jess WG war ein Zimmer frei und so konnte ich direkt einziehen. „Du gehst also wirklich.“, stellte Kyle traurig fest. Mit der letzten Kiste im Arm drehte ich mich zu ihm um ‘Ich hoffe wirklich, dass wir uns nie wiedersehen. Du bist kein Freund. Du bist ein Verräter.“ Und mit diesen Worten verließ ich das Apartment.

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Re: Nur in deinen Augen

Beitragvon Nairolf1995 » 06 Jun 2016, 14:30

Hey Ferrox!

Okay, der Teil hat mich irgendwie umgehauen.. Dass Kyle so gemein ist, hätte ich nicht gedacht.. Tut mir so Leid für Simon, aber so Freunde braucht man wirklich nicht in dieser Welt. Ein Glück ist Jess eine wahre Freundin und hilft ihm :)

Ich kanns kaum erwarten, was in der neuen WG passiert und ob die beiden sich jemals wieder sehen.. Oder ob Simon und David sich jemals wieder sehen.. Schreib also schnell weiter!

Liebe Grüße :)

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Re: Nur in deinen Augen

Beitragvon Ferrox » 07 Jun 2016, 14:15

Kapitel 4

Ich wohnte nun mittlerweile seit zwei Wochen in der WG von Jess. Sie hatte die letzten Tage mit mir anstatt mit Paul verbracht. Ich war wirklich enttäuscht über das Verhalten von Kyle und noch viel schlimmer über das von David. Wir hatten uns zwar nicht lange unterhalten, aber er wirkte so nett und nicht wie ein Betthüpfer. So konnte man sich in Menschen täuschen. Es tat immer noch weh. Ich konnte es echt nicht beschreiben, aber David ging mir nichtmehr aus dem Kopf. Ich hatte mich wirklich verknallt in ihn. Ich saß wieder an dem kleinen Tisch in der Bibliothek, denn ich wusste, dass diesen Ort kein Sportstudent je aufsuchen würde. Sprich Kyle und David auch nicht. Kyle hatte mich in der letzten Woche fast jeden Tag versucht anzurufen. Wahrscheinlich um sich zu entschuldigen, aber ich habe seine Anrufe einfach ignoriert. Ich wollte nicht mit ihm sprechen.

Ich sah eine mir nicht unbekannte Person die Bibliothek betreten und versteckte mich schnell hinter dem nächstbesten Regal. Was will David denn hier, fragte ich mich. Er stand einfach da und schaute sich suchend um. Langsam schlich ich um das Regal herum und stellte fest dass er weg war. Erleichtert lehnte ich mich gegen das Regal. „Versteckst du dich etwa vor jemanden?“, drang eine Stimme an mein Ohr. David hatte sich von hinten an mich herangeschlichen und damit fast zu Tode erschrocken. „Was? Ich? Verstecken? Nein.“, stieß ich zwischen jedem Atemzug hervor. „Das sieht mir aber ganz danach aus. Immerhin ist die Abteilung über tierische Fortpflanzung für einen Jurastudenten recht uninteressant.“ David setzte wieder sein unverschämt schönes Lächeln auf. Er lehnte gegen das Regal und spannte eindeutig den Bizeps an. Ich blicke in seine kristallblauen Augen und vergaß für einen kurzen Moment meine Wut. Jedoch nur für einen kurzen Moment. „Selbst wenn ich mich hier verstecken würde, würde es dich nichts angehen. Was suchst du hier überhaupt? Musst du nicht paar Runden um den Platz laufen?“, fragte ich mit einer gewollten schärfe im Ton. „Ich hatte nach dir gesucht. Kyle hat mir verraten wo ich dich am ehesten finden würde.“ Kyle dieser fiese Verräter. Jetzt stochert er auch noch in der Wunde rum. Halt. Hat David gerade gesagt, dass er mich gesucht hat? „Ich weiß das kommt jetzt vielleicht komisch rüber, aber dürfte ich dich auf einen Milchkaffee einladen. Immerhin schulde ich dir noch einen, da deiner damals auf dem Boden gelandet ist.“ Ich erinnerte mich daran, dass ich vor Schreck meinen Becher hatte fallen lassen. Ein leicht unsicherer Ton hatte sich in seine sonst so attraktive Stimme geschlichen. „Und was ist mit Kyle?“, fragte ich ihn. „Oh man. Das war nichts Ernstes. Kyle hat mich echt stark abgefüllt und dann seine Chance genutzt. Um ehrlich zu sein habe ich gleich nach dem Drink nach dir gesucht, aber leider warst du wie vom Erdboden verschluckt. Ich dachte du wärst mit jemand anderen verschwunden.“ Er hat also nach mir gesucht, dachte ich und musste mich sehr beherrschen um nicht gleich los zu grinsen. „Ich war nach Hause gegangen. Alleine.“, dabei betonte ich das Wort ‚alleine‘ besonders. „Ja, Kyle erzählte schon, dass du nicht so wie die Anderen bist. Er nannte es naiv, aber mir gefällt es. Außerdem hab ich mich bei unserer Unterhaltung gut amüsiert.“ So ein mist. Gleich werde ich noch weich. Ich habe ja jetzt schon Gänsehaut wenn er mich so direkt und offen aus seinen eisblauen Augen anschaut. „Na gut. Du schuldest mir tatsächlich noch einen Milchkaffee. Außerdem hab ich gerade eh eine Lernblockade. Aber damit eins klar ist. Das ist kein Date.“

Keine Stunde später hatte ich all meine Wut vergessen. David hatte sich noch tausendmal für die peinliche Situation entschuldigt und geschworen, dass hätte er gewusst dass ich dort wohne, nie dort geschlafen hätte. Wir saßen, jeder mit einem Kaffee gewappnet, auf einer Parkbank und unterhielten uns über alles Mögliche. Seine alte Universität, meine Leidenschaft zu fotografieren, dass er Gitarre spielen konnte und wie sehr wir beide doch kitschige Filme mochten. Es war wirklich unheimlich wie gut wir uns verstanden. Plötzlich streifte seine Hand meine. Nur für einen kurzen Moment, doch wieder schossen kleine elektrische Schläge durch meinen Körper. Er lächelte mich an, so als hätte er gespürt was in mir vorging. Aber ich wollte nicht so leicht zu durchschauen sein. Und so bekam ich meine kleine ironisch gemeinte Rache. „Ich sollte mich so langsam auf den Heimweg machen.“, sagte ich, stand auf und ging. „Sehen wir uns bald wieder?“, rief David mir, verwirrt über meinen plötzlichen Aufbruch, nach. „Wer weiß das schon.“, sagte ich im gelassenen Ton und schlenderte mit einem Lächeln auf den Lippen dem Sonnenuntergang entgegen. Und ja, dachte ich ‘wir sehen uns wieder.

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Re: Nur in deinen Augen

Beitragvon Ferrox » 08 Jun 2016, 15:21

Kapitel 5

David und ich dateten uns nun schon seit 3 Monaten und es war wirklich wunderbar. Es war eine fantastische Zeit. Wir trafen uns in Cafés oder Parks. Einmal hat er mich sogar richtig schick zum essen ausgeführt. David war der liebevollste Mensch, dem ich je begegnet war und er versuchte jede freie Minute mit mir zu verbringen. Und trotz allem hatten wir uns noch nicht einmal geküsst. Der Gedanke, dass Kyle David schon näher gekommen war als ich ärgerte mich. Ausgerechnet Kyle. Ich schob die unangenehmen Gedanken beiseite da David gerade um die Ecke bog und mir ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Ich umarmte ihn als er mich erreichte und wir betraten die Ausstellung, für die wir uns verabredet hatten. Er hatte extra zwei Karten für die Gallery meines Lieblingsfotografen besorgt. „Nach ihnen Monsieur.“, lächelte mich David an und hielt mir die Tür zum Saal auf. „Sehr heldenhaft.“ Ich streckt ihm die Zunge entgegen und betrat die Gallery. Die Gallery war wirklich wunderschön, zumindest in meinen Augen. Ich konnte David eindeutig ansehen, dass er sich langweilte. Durchgehend versuchte er ein Gähnen zu unterdrücken und dafür war ich ihm sehr dankbar. Ich war dankbar, dass er trotz seines Desinteresses mit mir dort war.

Nach ganzen zwei Stunden erlöste ich ihn und wir gingen zusammen durch den Central Park. Schüchtern gingen wir nebeneinander her und ich sehnte mich nach nichts mehr, als nach seiner Nähe. Wir holten uns jeder an einem kleinen Essenswagen einen Hot Dog. Gemeinsam schlenderten wir durch den Park und ich genoss, wie die letzten Strahlen der Sonne mein Gesicht wärmten. Ich konnte es nicht beschreiben, aber an Davids Seite hatte ich immer ein so vollkommenes Gefühl verspürt. So als könne mir nichts passieren. Eine kleine Böe tanze durch mein Haar und ließ meine Locken mir in die Augen fallen. Hastig wischte ich sie aus dem Gesicht und hoffte, dass ich noch einigermaßen vernünftig auf dem Kopf aussähe. Wir unterhielten uns übers Reisen. David wollte unbedingt mal nach Paris und Rom. Ich hingegen wollte immer mal nach Australien. Ich war so vertieft in das Gespräch, dass ich nicht bemerkt hatte wie dunkel es geworden war. Manhattan war eine Stadt ohne Sterne, aber die vielen Lampen, die den Weg säumten, erinnerten an sie. Kleine Glühwürmchen schwirrten um uns herum. „Es ist schon ziemlich spät geworden. Ich sollte mich besser auf den Weg machen. Danke nochmal, dass du so tapfer die Ausstellung über dich ergehen lassen hast.“, bemerkte ich und zwinkerte ihm zu. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. Genau die Art von Lächeln, die eine Gänsehaut bei mir verursachte. Ich spürte wie die Luft anfing zu knistern. Der Park, die Glühwürmchen, die warme klare Sommernacht. All dies erinnerte mich an einen Liebesfilm. Peinlich berührt umarmte ich ihn länger als gewollt und wand mich zum Gehen um.

Gerade als ich mich fortbewegen wollte, ergriff David mein Handgelenk, drehte mich zu sich um und küsste mich. Vor Überraschung hatte ich leicht gezuckt und David ließ sofort von mir ab. „Es tut mir leid. Ich konnte mich einfach nicht…“, doch David sollte diesen Satz nicht beenden können, denn ich zog seine Lippen zurück auf meine. Eine Hitzewelle durchströmte meinen Körper. Es prickelte auf der ganzen Haut. Genau das war es wonach ich mich seit drei Monaten sehnte. David schlang seine Arme um mich und zog mich noch näher an sich. Meine Hände fanden ihren Weg in seinen Nacken. Ich wollte ihn nie wieder loslassen. Leicht öffnete ich meinen Mund und ließ seiner Zunge Einlass. Noch nie zuvor hatte sich ein Kuss so gut angefühlt. Ich löste mich kurz von David und sah ihm in die Augen ‘Träum ich?“ Er lächelte mich an und bestätigte mir mit einem sanften Kniff in den Po, dass ich nicht träumte. „Es ist spät. Der Weg bis nach Brooklyn ist weit. Willst du nicht heute Nacht bei mir schlafen?“, fragte er mich flüsternd ins Ohr. „Du hattest mich schon bei: Es ist spät.“, lachte ich und so gingen wir Hand in Hand Richtung Ausgang. Und ich fühlte mich plötzlich unbesiegbar. Nicht mehr im Schatten. Es war fast zu schön, dass ein Mann wie David mich wollte. Aber er wollte mich. Und ich ihn.

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Re: Nur in deinen Augen

Beitragvon Ferrox » 13 Jun 2016, 15:12

Kapitel 6

Noch nie zuvor war ich so erholt aufgewacht, als wie in Davids Armen. Wir hatten nicht wirklich viel Schlaf gehabt, aber ich fühlte mich so geborgen und sicher. So vorsichtig wie möglich schlich ich mich aus dem Bett in die Küche um ein kleines Frühstück vorzubereiten. Als ich alles fertig hatte sprang ich schnell unter die Dusche. Das kühle Wasser umschloss sanft meinen Körper und wusch die letzten Spuren der Nacht vor. Wer hätte gedacht, dass es so endet?, fragte ich mich. Zwei starke Arme umschlossen mich von hinten. Ich war so in Gedanken versunken, dass ich nicht gehört hatte wie David ins Bad kam. „Guten Morgen. Hast du gut geschlafen?“, fragte er mich und küsste meinen Nacken. „Sehr gut sogar. Ich habe uns auch schon Frühstück gemacht.“ Ich drehte mich zu ihm um und küsste ihn leidenschaftlich auf den Mund. Langsam ließ ich mein Finger über seine Brustmuskulatur streifen und David stieß ein kleines Stöhnen aus. „Ich muss mich jetzt gleich auf den Weg machen. Hab in einer Stunde eine Vorlesung.“, seufzte ich. „Bitte bleib. Ich mach mir Sorgen das du sonst nicht wiederkommst.“ Und David war der erste Mensch, der mich dazu gebracht hatte eine Vorlesung ausfallen zu lassen. Den Rest des Tages verbrachten wir einfach nur zusammen im Bett.

Ein Jahr später

Seit fast einem Jahr wohnte ich nun schon mit David zusammen. Wir hatten uns einen Monat nach unserem ersten Kuss dazu entschieden eine Wohnung zusammen zu beziehen. Jess war nicht gerade darüber begeistert, aber sie freute sich heimlich sehr für mich. Alles lief wie am Schnürchen. Wenn mich David küsste, hatte ich noch immer das Gefühl als würde jemand ein Feuerwerk in mir entzünden. Ich band mir gerade meine Fiege um als David den Kopf durch die Tür streckte ‘Bist du soweit?“ Ich nickte ihm zu und wir machten uns auf den Weg zu Davids Abschlussfeier. Er war nun mit der Uni fertig und es war leider auch ein Anlass, Kyle wiederzusehen. Ich hatte Kyle seit meinem Auszug nicht mehr gesprochen. Ab und zu hatte ich in auf dem Unigelände gesehen, aber immer ignoriert. Immer wieder hatte er versucht David vom mir loszukriegen, aber es hatte nie geklappt. Die Abschlusszeremonie war wirklich überwältigend. Ein Absolvent nach dem Anderen betrat das Podium und wurde von der Menge bejubelt. Der Raum war mit Gefühlen der Erleichterung und Freunde gefüllt. Selbst als Kyle das Podium betrat konnte ich mich zu einem zurückhaltenden Klatschen überwinden. Und dann war es soweit. David betrat die Bühne und meine Augen wurden feucht. Ich war einfach so Stolz. Das ein Mensch mein Leben innerhalb eines Jahre so verändern konnte, hätte ich nie gedacht. Alleine die Reisen nach Europa waren ein Traum. David hat immer alles getan, damit ich glücklich war. Er ist so unglaublich attraktiv und intelligent. Er bringt mich zum Lachen wenn ich traurig bin oder mal wieder über zu viel Dinge grüble. Er krault mich nachts in den Schlaf genauso wie ich es mochte und erwartete keine Gegenleistung. Ich liebe es wirklich jeden Morgen neben ihm aufzuwachen und in seine eisblauen Augen zu schauen. Der Sex ist fantastisch. David berührt so viel in mir, dachte ich und applaudierte wie ein verrückter. David ließ sich kurz feiern und trat dann zu meiner Überraschung ans Mikrofon. „Hallo zusammen. Ich wollte noch schnell ein paar Worte sagen, bevor ich verschwinde. Ich hatte eine wirklich tolle Zeit hier an der NYU. Viele von euch gehören jetzt zu meinen Freunden und ich hätte nie zu träumen gewagt, hier in New York, meine große Liebe zu finden.“ Sofort schoss mir die Röte ins Gesicht, als die ersten mir zulächelten. „Ich habe vor etwas mehr als einem Jahr, in einem Klub hier in New York, den wundervollen Simon Miller kennengelernt. Ich war gerade neu hier angekommen und er hatte mich sofort in seinen Bann gezogen. Und tatsächlich hat uns das Schicksal zusammen geführt. Das letzte Jahr mit dir war so unglaublich schön. Und wenn ich jetzt so zurück denke möchte ich dich einfach nicht mehr missen in meinem Leben. Und genau deshalb frage ich dich hier und jetzt: Simon Miller, möchtest du mich heiraten?“ Tränen rannen an meinen Wangen herunter. Hat David mich gerade allen Ernstes gefragt, ob ich ihn heiraten möchte, fragte ich mich. Alle Augen waren auf mich gerichtet und schauten mich erwartungsvoll an. „Ja ich will“, antwortete ich und die Masse brach in tosenden Beifall aus.

Nachdem ich unendlich viele Hände geschüttelt hatte und die Glückwünsche der Fremden angenommen hatte, zog ich mich in eine abgelegene Ecke zurück und berichtete Jess mit kurzen Worten was passiert war. Sie schrie mich vor Freude durch den Hörer an, sodass ich ihn nicht Mals ans Ohr halten musste um sie zu verstehen. Ich hatte das Gefühl, als würde ich schweben. Fern von allem Bösen. „Wollen wir verschwinden?“, flüsterte David, der sich an mich herangeschlichen hatte, in mein Ohr. Mit einem schiefen Lächeln auf den Lippen nickte ich ihm zu, nahm seine Hand und stürmte Richtung Ausgang. Es war eine schwüle Sommernacht und warmer Regen hüllte uns ein. Ich war noch nie so glücklich und das versicherte mir David genauso. Wir werden für immer zusammen sein, schoss es mir durch den Kopf und ich konnte nicht aufhören zu grinsen. Die Ampel sprang gerade auf Rot als wir sie erreichten. David nutze die Chance mein Gesicht zwischen seine Hände zu betten und küsste mich leidenschaftlicher denn je. Durchnässt bis auf die Haut standen wir da und genossen die Zweisamkeit. Nur ein paar Passanten gingen an uns vorbei und lächelten freudig über unser Glück. Im Augenwinkel bemerkte ich, dass die Ampel auf Grün umgesprungen war und löste mich kichern von David. Ich war schon auf halber Strecke als ich mich zu David umdrehte und nahm das Quietschen der Reifen, noch bevor ich den Lkw sah, war. Wie gebannt schaute ich in das Scheinwerferlicht, welches mit bedrohlicher Geschwindigkeit auf mich zuraste. Ich konnte mich nicht fortbewegen. Und im nächsten Moment wurde ich durch die Luft geschleudert. Ein schrecklicher Schmerz durchfuhr meinen Körper als ich auf den Boden aufschlug. Menschen fingen an zu schreien, riefen laut um Hilfe. Ich war schwer verletzt aber am Leben. Und genau in diesem Moment wurde mir auch klar weshalb. Ich versuchte aufzustehen und schleppte mich mit aller Kraft in Richtung des Lkws. Der Anblick zog mir den Boden unter den Füßen weg. Ich klappte zusammen und brüllte mir die Seele aus dem Leib. Immer und immer wieder brüllte ich Davids Namen. David hatte mich gerettet. Er hatte mich zur Seite gestoßen und ist dadurch selbst vom Lkw erwischt worden. Rubinrotes Blut schimmerte auf dem Asphalt und inmitten der Lache lag David. Sein blutüberströmter Körper rührte sich nicht. „Hilfe. Ich brauche Hilfe. So helft ihm doch. Wir brauchen einen Krankenwagen.“, brüllte ich in die Nacht. Immer und immer wieder. Ich bemerkte nur am Rande, dass sich mittlerweile eine große Traube um uns gebildet hatte. Tränen vermischten sich mit dem Regen auf meinem Gesicht. Immer wieder brüllte ich meinen Frust hinaus. In der Ferne hörte ich das Martinshorn näher kommen. Sachte strich ich über Davids Kopf. „Es wird alles wieder gut. Bitte halte durch. Lass mich nicht alleine.“, flüsterte ich ihm zu. Ich spürte wie ein Teil in meinem Herzen starb. Mit David im Arm fing ich an ihn zu wiegen wie ein kleines Kind. Ich konnte ihn nicht loslassen. Er gehörte doch zu mir. „Lassen sie mich durch, ich bin Arzt.“, hörte ich einen Mann sich den Weg frei machend. „Sie müssen ihn jetzt bitte loslassen, damit ich ihn verarzten kann.“ Nur gedämpft dran die Stimme zu mir vor. Ich konnte ihn nicht loslassen. Nein, ich wollte es nicht. Plötzlich spürte ich wie mich zwei starke Arme nach oben hievten. Es war Kyle und plötzlich war all der Zorn verflogen. Ich wand mich von dem schrecklichen Anblick ab und trommelte mit aller Kraft gegen Kyles Brust. „Wieso? Wieso ausgerechnet er?“, schrie ich immer wieder. Kyle schloss seine Arme um mich und ich ließ ihn gewähren. Ich brauchte jetzt Halt. Selbst wenn dieser Halt von Kyle kam.

Ende

Ich hoffe doch dass dieses Ende nicht zu traurig ist. Die Geschichte geht natürlich noch weiter. Im zweiten Teil von „Nur in deinen Augen“ könnt ihr erleben, was Simon und David das ganze Jahr über erlebt haben. Welche Höhen und Tiefen es zu überwinden gab. Wie sich ihre Beziehung entwickelt hatte. Aber die wichtigste Frage wird natürlich auch geklärt. Wird Kyle überleben.

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Max221B
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Re: Nur in deinen Augen

Beitragvon Max221B » 24 Jul 2016, 21:00

Danke! Ferrox, wirklich, das war spitze! Toll geschrieben, wow.
Nein, nicht zu traurig, natürlich einige sehr traurige Stellen, aber auch schöne und witzige! Und alles so echt! Alles so, als ob es genau so dort passiert wäre! :flag:

Nochmals danke dass ich so eine großartige Geschichte lesen durfte! Kürzer als viele hier im Forum, aber superb! Ich freue mich schon auf den zweiten Teil! :)

Und du meintest doch am Ende, ob David überleben würde, nicht Kyle... :-?

Liebe Grüße
Max
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Ferrox
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Re: Nur in deinen Augen

Beitragvon Ferrox » 25 Jul 2016, 22:19

Max221B hat geschrieben:Und du meintest doch am Ende, ob David überleben würde, nicht Kyle... :-?


Hallo Max,

Es freut mich wenn es dir gefallen hat. Ich pfeile gerade am neuen Teil rum, aber das wird noch etwas dauern.

Gut aufgepasst, aber mir ist tatsächlich kein Fehler unterlaufen. Es ist ein kleiner, aber feiner, Spoiler.

Lg Ferrox

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Re: Nur in deinen Augen

Beitragvon Kalutrix » 20 Mär 2019, 23:29

Omg ich bin tot ;-;
Internet memes, energy drinks and broken dreams :flag:

Re: Nur in deinen Augen

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