Die Liebe meines Lebens

Platz für eure Beziehungsstories - fact and fiction
Gay Stories - keine Sexstories!
Benutzeravatar
Simson
member-boy
member-boy
Beiträge: 127
Registriert: 25 Jan 2015, 13:58

Re: Die Liebe meines Lebens

Beitragvon Simson » 23 Jan 2019, 21:35

:-? Ganz ehrlich? Dieser Korbinian nervt mich derartig, dass ich gar nicht weiterlesen mag.
Was natürlich schade ist, da du dir sooo viel Mühe gibst und echt fleißig postest. Und die Geschichte ja auch irgendwie interessant ist.

Aber ich kann den Typ nicht ab ! Ich will nicht lesen , WIE bzw. DAS er Virus etwas antut.
Ich will ein Happyend für Felian und Virus (für Korbinian brauch ich keins), aber ich habe das Gefühl, dass diese Geschichte etwas anderes zeigen wird...oder ?
"Sei wie du bist ! Irgendwann kommt es sowieso raus." E.v. Hirschhausen

Re: Die Liebe meines Lebens

Werbung
 

Benutzeravatar
Simson
member-boy
member-boy
Beiträge: 127
Registriert: 25 Jan 2015, 13:58

Re: Die Liebe meines Lebens

Beitragvon Simson » 23 Jan 2019, 21:36

Wie kommt mein Handy denn auf Virus :lol:
"Sei wie du bist ! Irgendwann kommt es sowieso raus." E.v. Hirschhausen

Cyberfox
new-boy
new-boy
Beiträge: 46
Registriert: 30 Mär 2018, 15:01

Re: Die Liebe meines Lebens

Beitragvon Cyberfox » 24 Jan 2019, 00:40

Oh ich finde gerade jetzt wird es ganz besonders spannend. Denn jetzt kommt die Geschichte wirklich in Fahrt! :-) Korbinian ist ein interessanter Charakter und wirklich mal etwas, was man nicht gewohnt ist. Auch wenn er total irre ist ^^ Aber ich gebe dir Recht Simson, er hat Felian, so wie er sich aufführt, definitiv nicht verdient. :-) Mal schauen wie es weitergeht. Vielleicht fliegt das ja bald wirklich mit seinem Fake Account auf? Würde ich mir für seine gemeine Aktion wünschen.

Svenni
member-boy
member-boy
Beiträge: 105
Registriert: 03 Jan 2017, 20:32

Re: Die Liebe meines Lebens

Beitragvon Svenni » 25 Jan 2019, 19:04

Ich lade die Geschichte auch in einem anderen Forum hoch und auch da ist sie nicht sonderlich beliebt. Von Kapitel zu Kapitel schrumpfen meine Favoriteneinträge und ich befürchte, es werden jetzt noch weniger werden. Zwei Kapitel wären es noch, dann wären wir durch. Ich habe die Geschichte komplett fertig gestellt auf meinem Laptop. Aber soll ich sie überhaupt noch hochladen oder soll ich es lieber jetzt mit einem offenen Ende belassen?
Wenn ja, dann kommen heute noch oder morgen die letzten Kapitel. Wenn nein, dann, mhm, hat es mir wenigstens großen Spaß gemacht, eine Geschichte zur Abwechslung mal zu Ende zu bekommen.

Ein schönes Wochenende

Benutzeravatar
Simson
member-boy
member-boy
Beiträge: 127
Registriert: 25 Jan 2015, 13:58

Re: Die Liebe meines Lebens

Beitragvon Simson » 25 Jan 2019, 19:30

:flag:
Ich hab ja gar nicht gesagt, dass ich deine Geschichte nicht mag. Ich mag nur Korbinian nicht :x
Aber wegen mir musst du nicht aufhören zu posten...Das wäre ja echt schade ! Zumal du die Geschichte auch schon fertig hast, und unfertige Geschichten sind blöd.
Ich lese sie auch zu Ende...versprochen. ..auch wenn ich mich dann nochmals über Korbinian ärgernicht sollte.
"Sei wie du bist ! Irgendwann kommt es sowieso raus." E.v. Hirschhausen

Svenni
member-boy
member-boy
Beiträge: 105
Registriert: 03 Jan 2017, 20:32

Re: Die Liebe meines Lebens

Beitragvon Svenni » 25 Jan 2019, 19:39

Ich bin mit den letzten Kapiteln nur selbst total unzufrieden. Ich hab es jetzt meiner Korrekturleserin geschickt und sie entscheidet jetzt, ob es überhaupt brauchbar ist

Cyberfox
new-boy
new-boy
Beiträge: 46
Registriert: 30 Mär 2018, 15:01

Re: Die Liebe meines Lebens

Beitragvon Cyberfox » 25 Jan 2019, 23:27

Die Geschichte ist vom inhaltlichen her absolut klasse, unterhaltsam und fesselnd. Ich sehe keinen Grund für Zweifel an dieser Geschichte. Lasse dich nicht beirren. :)

Svenni
member-boy
member-boy
Beiträge: 105
Registriert: 03 Jan 2017, 20:32

Re: Die Liebe meines Lebens

Beitragvon Svenni » 26 Jan 2019, 18:21

Am Montag machte ich mich an die Arbeit. Jetzt musste ich Vitus stalken. Am Vormittag war ich im Krankenhaus arbeiten. Ich wollte mich sogar mit unserem Patienten ohne Beine unterhalten, doch der starrte nur stur auf den laufenden Fernseher und antwortete nicht auf meine Fragen. Egal, ich war nicht darauf angewiesen, ihn zu bespaßen. Obwohl mich seine Vergangenheit schon ziemlich interessiert hätte. Aber aus ihm würde ich wohl nichts herausquetschen können. In der Pause gab ich seinen Namen in Google ein. Vielleicht war er ja ein Verbrecher und seine früheren Freunde und seine Familie wollte deshalb nichts mehr mit ihm zu tun haben, aber wenn es denn so war, ich würde es nie erfahren. Bei Google und Facebook fand ich nichts über ihn, sein Name war der Welt unbekannt.

Wie immer montags hatte ich gegen Mittag Schluss. Ich kaufte mir beim McDonalds einen Burger und eine Portion Pommes und machte mich dann mit dem Auto auf den Weg Richtung Friseursalon. Ich schlürfte durch den Park, den ich mir heute genauer anschaute als sonst. Ich wusste, dass Vitus ihn zweimal am Tag zu Fuß durchlief. Er hatte kein Auto, mit dem er zur Arbeit fahren könnte. Ich achtete auf Details, denen ich bisher keine Beachtung geschenkt hatte. Auf der einen Seite war der Park mit dem Krankenhaus verbunden, aber er war mit so vielen Bäumen besiedelt, dass man das andere Ende nicht erkennen konnte. Sogar ein kleines Wäldchen befand sich in dieser Grünanlage. Genau durch die Mitte verlief eine kleine Straße. Links und rechts davon standen abwechselnd Tannenbäume und hin und wieder ein verdörrter Laubbaum. Auf der Straße waren hauptsächlich Fahrradfahrer, aber die blieben jetzt im Winter natürlich aus. Autos durften auf der Straße auch fahren, aber nur im Schritttempo. Der Park diente als verkehrsberuhigter Bereich, doch die wenigen Autos, die ich durch die unausgebaute Straße hatte fahren sehen, waren deutlich schneller als in Schrittgeschwindigkeit gewesen. Nachts nutzten viele Jugendliche mit ihren ersten Autos die leere Straße aus, um heftig um die Kurven zu driften. Aber die kamen erst weit nach Mitternacht, gegen frühen Abend war dieser Park komplett verlassen.
Stundenlang saß ich in meinem Auto in einer kleinen Parklücke hinter einem Jeep und starrte durch das Schaufenster. Vitus hatte viel zu tun. Dauernd liefen die verschiedensten Leute durch die Türe. Es war ein dauerndes Kommen und Gehen. Vitus stand am Waschbecken und wusch alten Frauen den Kopf, föhnte die Härchen auf den Glatzen der Männer und kassierte zwischendurch eifrig ab. Dass sie bei den hohen Preisen überhaupt noch Kunden hatten?! Eine Frau, die vor anderthalb Stunden mit brauen Haaren den Salon betreten hatte, kam jetzt genauso platinblond wie Vitus wieder raus. Ich hatte eine Abneigung gegen diese Haarfarbe entwickelt. Wenn Felian seine Haare irgendwann genauso färben sollte, würde ich zur Haarmaschine greifen und sie ihm abrasieren.
Eigentlich hätte ich mich langweilen sollen, stundenlang im kalten Auto zu sitzen, aber ich war wie hypnotisiert vom Geschehen. Nur mein Nacken tat mir mit der Zeit weh, da ich meinen Kopf die ganze Zeit verdrehen musste, um aus dem Seitenfenster schauen zu können.
Mit der Zeit wurde ich immer durstiger. Der Burger war so salzig gewesen und ich hatte vergessen, mir eine Cola oder eine Fanta vom McDonalds mitzunehmen. Ich vermutete, dass ich in meinem Kofferraum noch eine alte Flasche lackes Wasser hatte, so etwas lag in meinem Auto ständig rum. Aber konnte ich es wagen auszusteigen? Vitus würde mich vielleicht bemerken und wahrscheinlich wissen, dass ich nur seinetwegen mit dem Auto direkt vor seiner Arbeit stand. Aber es hatte keinen Sinn, ich hatte total Durst und Vitus war gerade so sehr mit Boden fegen beschäftigt, also nutzte ich den Augenblick. Ich hechtete aus dem Wagen und sprang zum Kofferraum. Ich riss die Klappe auf und wühlte mich durch den gesamten Müll, der sich dort hinten befand. Ich schmiss alles von einer Seite auf die Andere und ein paar Gegenstände, wie Taschentücherpäckchen oder ein Bündel mit Kabelbindern landete einfach auf dem Teer. Ich bemerkte gar nicht, dass der Mann mit dem Jeep vor mir zurückgekommen war und mich komisch musterte. Er schüttelte den Kopf und setzte sich hinter das Lenkrad seines riesigen Autos. Endlich hatte ich eine Flasche Wasser gefunden. Ich wollte gar nicht wissen, wie alt die schon war. Aber was sollte an Wasser schon verfallen? Algen konnte ich auf jeden Fall noch nicht erkennen.
Ich schlug den Deckel meines Kofferraums zu und setzte mich wieder hinters Steuer. Der Mann vor mir musterte mich kritisch durch seinen Rückspiegel, ich winkte ihm gespielt fröhlich zu. Endlich legte er den Vorwärtsgang ein und verschwand auf den Straßen.
Hatte ich etwas verpasst? Meine Nase klebte förmlich an der Scheibe. Für einen Moment konnte ich Vitus nicht entdecken, sah ihn dann aber aus dem Nebenzimmer treten. In der Hand hielt er mehrere Dosen Haarspray. Gut, er schien mich nicht entdeckt zu haben. Aber konnte ich mir da so sicher sein? Wenn er mich bemerken sollte, war ich quasi aufgeschmissen.

Mein Handy piepste. Blind zog ich es aus meiner Hosentasche und sah drauf. Felian hatte mir eine Nachricht geschrieben! Schnell öffnete ich diese. Es hatte mir drei Fotos geschickt, eines von der Skischanze, eines von der Klamm und eines von unserem Hotel.
„Wie war die Arbeit heute gewesen?“ hatte er dazu geschrieben.
Ich musste grinsen. Vitus hatte ihm wohl noch nicht von seinem Verdacht erzählt, sonst hätte mir Felian bestimmt keine so nette Nachricht geschickt.
„Es war sehr ruhig gewesen, zum Glück“, tippte ich, „und was hast du gemacht?“
„Nicht viel. Wäsche gewaschen und ich mache jetzt zum Abendessen Blumenkohlauflauf.“
Entwickelte sich Felian etwa zur Hausfrau?! Nein, so konnte ich ihn ganz sicher nicht gebrauchen. Aber kein Wunder, dass Vitus jemanden haben wollte, der seine Schuhe putzte und seine Hosen bügelte.
„Meine Mama ist gerade in Neuseeland, sie hat mir Fotos geschickt.“
Und schon wieder kamen weitere Bilder an, die mich aber wenig interessierten. Ich hatte kein großes Interesse daran, Fotos von einer fremden Person in einem fernen Land anschauen zu müssen. Felian schien aber von diesem Stück der Erde sehr begeistert zu sein.
Ich schickte mit Felian noch weitere kurze Nachrichten hin und her, ehe ich mein Handy wieder in die Tasche steckte. Ich war zufrieden, Felian schien auch noch nach unserem Urlaub gut auf mich zu sprechen zu sein. Vitus würde es nicht mehr schaffen, einen Keil zwischen uns zu treiben.
Mein Rücken schmerzte heftig. Ich hatte zu viele Tage hintereinander fast ununterbrochen im Auto gesessen. Die letzten Kunden verschwanden um kurz vor 19 Uhr aus dem Salon und schließlich sah ich, wie Pepe, die Kollegin von Vitus, das Schild an der Tür von „Geöffnet“ auf „Geschlossen“ drehte. Na endlich, lange würde es nicht mehr dauern. Ich ließ meine Schultern kreisen. Die Nacht hatte eingesetzt, aber die Straßenlampen leuchteten so hell, dass ich trotzdem noch alles erkennen konnte.
Vitus war der Nächste, der den Laden verließ. Seine zwei Mitarbeiterinnen blieben alleine zurück. Er blieb auf dem Gehsteig vor dem Salon stehen und gähnte halbherzig. Ich erschrak. Wenn er weiter hier stehenbleiben würde, würde er mich früher oder später erkennen. Ich glaubte nicht, dass er wusste, welches Auto ich fuhr, aber sicher war ich mir nicht.
Endlich machte er sich auf den Weg. Er zog große Kopfhörer aus seiner Umhängetasche und setzte die auf. Das Kabel steckte er an seinem Smartphone an und lief mit schnellen Schritten in Richtung Park. Als er schon einen großen Vorsprung hatte, sprang ich aus dem Wagen und folgte ihm unauffällig und auf der anderen Straßenseite.
Bis zum Eingang des Parkes verfolgte ich ihn. Er lief mitten auf der schmalen Straße, aber das schien ihn nicht zu kümmern. Hier war es nicht sehr wahrscheinlich, dass um diese Uhrzeit noch Autos fahren würden und selbst dann dürften die ja nur Kriechen.
Hier gab es auch keine Straßenlaternen mehr, alles war völlig dunkel. Vitus drehte sich nicht nochmal um, sondern stapfte mit schnellen Schritten über die kleine Straße. Er wollte wohl zur S-bahn-Haltestelle auf der anderen Seite. Von dort aus waren es nur drei Haltestellen, dann würde er nach Hause kommen, wo Felian ihn schon mit frisch gekochtem Auflauf überraschen würde.

Ich brach meine Verfolgung ab. Weiter würde ich Vitus nicht mehr stalken können. Ich lief zurück zu meinem Mercedes und fuhr ebenfalls nach Hause in meine einsame Wohnung.
In der Nacht konnte ich schlecht schlafen. Stundenlang lag ich wach und lauschte dem Regen, der gegen das Fenster prasselte. Morgen würde der Boden ganz schön glatt sein, denn die Regentropfen verwandelten sich auf dem kalten Boden zu einer glatten Eisschicht.
Übermüdet stand ich am nächsten Morgen auf und fuhr gleich zur Arbeit. Die ganze Zeit über war ich total abgelenkt. Ich vertauschte Medikamente, aber das fiel glücklicherweise niemandem auf und die Patienten überlebten es auch. Ständig starrte ich auf die Uhr. Gegen halb sieben hatte ich Schluss, ganz pünktlich für Vitus. Um Viertel nach Sechs packte ich schon meine Sachen und wollte verschwinden, als ich ins Zimmer 1999 gerufen wurde. Ich verdrehte die Augen. Darauf hatte ich jetzt gar keine Lust. Außerdem war dies das Zimmer des früheren Komapatienten und was sollte mit dem schon sein? Er lag doch nur stumm in seinem Bett und starrte abwechselnd aus dem Fenster oder den Fernseher an.
Aber als ich die Tür ausstieß, lag der Patient auf dem Boden und verzog schmerzhaft das Gesicht. Ein Arzt kniete neben ihm und hielt seinen Kopf. Was war da passiert? Wollte der Kranke etwa flüchten? Aber er hatte doch gar keine Beine mehr! Das musste er doch mittlerweile kapiert haben. Oder wollte er sich etwa durch den Aufschlag mit dem Kopf umbringen? Eine gruselige Vorstellung und sehr ungünstig für mich im Moment.
Mein Feierabend verzögerte sich nach hinten, denn ich richtete mit dem Arzt zusammen einen Kopfverband auf der Platzwunde des jungen Kerls her und wir hingen ihn an eine Infusion. Anschließend musste ich ihn noch am Bett fixieren.
„Versuch doch das nächste Mal dich umzubringen, wenn ich nicht im Dienst bin“, herrschte ich ihn an und huschte aus dem Zimmer.
Wie der Blitz zog ich mich um und rannte auf den Parkplatz. Es war schon kurz vor sieben, ich würde Vitus verpassen. Das war gar nicht gut, denn ich durfte eigentlich nicht länger warten. Felian hatte sich heute nicht bei mir gemeldet, es konnte gut sein, dass Vitus schon mit ihm gesprochen hatte. Und selbst wenn das bisher noch nicht geschehen war, früher oder später würde er mit der Sprache raus rücken. Und es galt an mir, das zu verhindern.

Ich rutschte quasi in die Parklücke, wieder hinter dem selben Jeep. Ich atmete erleichtert aus, als ich Vitus hinter der Scheibe sah. Er hielt einen Staubsauger in der Hand und fuhr damit gleichmäßig über den Boden. Eine Kollegin von ihm sah ich nicht, er schien ganz alleine zu sein. Umso besser. Er nahm einen Schluck aus einer Limodose, schmiss sie dann beiläufig in den Mülleimer und schaltete den Staubsauger aus. Kurz darauf griff er nach seinem Handy. Schrieb er etwa Felian, dass er sich jetzt auf den Weg nach Hause machte?
Die Lichter im Friseursalon erloschen nach und nach, dann sah ich eine Person im Schein der Straßenlampen nach draußen treten. Ordentlich verschloss er die Türe hinter sich und genau wie gestern setzte er wieder seine Kopfhörer auf und schlenderte in Richtung Park.
Heute ließ ich ihm einen längeren Vorsprung, ich würde heute ja auch nicht zu Fuß gehen. Ganze fünf Minuten später legte ich den Gang ein und rollte aus der Parklücke. Aufmerksam hielt ich nach dem Blonden Ausschau, aber der schien schon den Park erreicht zu haben. So wollte ich das haben.
Tatsächlich, etwa 80 Meter vom Eingang entfernt sah ich ihn laufen, wieder mitten auf der Straße. An was er gerade dachte? An das Essen, das Felian ihm gekocht hatte? Oder sortierte er gerade die Worte in seinem Kopf, wie er Felian von mir erzählen sollte? Egal was es war, es würde keine Rolle mehr spielen. Ich war fürchterlich aufgeregt und nervös, aber es musste getan werden.
Ich schaltete meine Scheinwerfer aus und rollte ganz langsam, so wie es vorgegeben war, im Schritttempo, in den Park. Vitus bekam gar nicht mit, dass ihn jemand verfolgte. Ich kam immer näher und näher, fuhr aber so langsam, dass er mich durch die Musik seiner Kopfhörer gar nicht hörte. Meine Hände verkrampften sich am Lenkrad. Ich war nur noch fünfzehn Meter von ihm entfernt. Mein Blick war ganz fest auf ihn gehaftet. Ich hatte nie gemerkt, was für schreckliche O-Beine er hatte. Er hatte ein fürchterliches Gangwerk. Scheiße, wollte ich das wirklich machen?! Konnte ich es überhaupt? Aber mir blieb nichts anderes übrig. Vitus hatte mir Felian gestohlen und das war der einzige Weg, ihn wieder zurückzubekommen. Ich drehte das Radio in meinem Auto lauter. Ich wollte den Aufprall nicht allzu deutlich hören. „Los jetzt“, feuerte ich mich selbst an. Ich konnte nicht mehr länger zögern, sonst war alles kaputt. Der richtige Zeitpunkt war gekommen.
Ein Grinsen bildete sich auf meinem Gesicht, ich atmete einmal tief ein, hielt dann die Luft an, während ich Gas gab. Mein Motor jaulte laut auf, Vitus machte einen erschrockenen Sprung in die Höhe und drehte sich blitzschnell um. Trotzdem war er zu langsam. Keine Chance für ihn. Mein Auto raste gegen ihn. Ich hörte einen Schrei, aber nicht so laut, wie ich gedacht hatte. Es knallte auf meiner Motorhaube, für einen Moment konnte ich blonde Haarbüschel auf der Frontscheibe sehen, dann war alles vorbei.

Cyberfox
new-boy
new-boy
Beiträge: 46
Registriert: 30 Mär 2018, 15:01

Re: Die Liebe meines Lebens

Beitragvon Cyberfox » 26 Jan 2019, 18:43

Ach du sch... Das hat er jetzt nicht wirklich gemacht....?! :o :o :o

Svenni
member-boy
member-boy
Beiträge: 105
Registriert: 03 Jan 2017, 20:32

Re: Die Liebe meines Lebens

Beitragvon Svenni » 27 Jan 2019, 18:42

War es echt so schnell gegangen? War es wirklich schon vorbei?
Ich bremste ab und hielt meinen Wagen an. Ich sprang aus der Tür und torkelte zu der Person auf dem Boden. Meine Beine fühlten sich wie Wackelpudding an. Ich beugte mich zu dem Mann hinunter, der gerade eben noch den Friseursalon gesaugt hatte.
Ich sah viel Blut, aber das machte mir nichts aus. Blut sah ich in meinem Beruf jeden Tag. Jeden Tag sah ich solche Leute wie ihn, allerdings lebten die meist noch. Und Vitus lebte nicht mehr, das konnte ein Kenner wie ich mit einem Blick feststellen. So schnell war man tot. So war das Leben eben. Nur Sekunden trennten uns zwischen Leben und Tod. Und für Vitus war es wirklich schnell gegangen. Er war tot. Definitiv.
Ich sah mich um. Alles war ruhig, ich hörte nur den Verkehr auf der Straße nebenan. Hiervon hatte niemand mitbekommen.
Möglichst ruhig lief ich wieder zu meinem Mercedes und leuchtete ihn mit meiner Handytaschenlampe ab. Die Motorhaube war natürlich ziemlich verbeult und meine Frontscheibe hatte einen kleinen Riss, aber ich hatte es mir bei Weitem schlimmer vorgestellt. Blut sah ich auch kaum. Ich stieg wieder hinter das Lenkrad und fuhr davon. Vitus blieb auf dem vereisten Boden liegen.
Sicherheitshalber raste ich noch zu einer Tankstelle, an der man für zwei Euro sein Auto selbst mit Dampfstrahler reinigen konnte. Die Tankstelle war ausgestorben, nur hinter dem Kassenhäuschen saß ein junges Mädel und tippte im Computer. Ich glaubte nicht, dass sie sich an mich erinnern würde.

Zuhause parkte ich wie immer vor dem Haus und schlich in meine Wohnung. Ich machte mir eine Tasse Tee und setzte mich auf das Bett. Ich hätte gedacht, dass ich mich vielleicht schlecht fühlen würde, mich krampfend und heulend auf der Bettdecke herum werfen würde, aber ich fühlte einfach nichts. Es war so schnell gegangen und hatte so gut geklappt. Es war wie im Film gewesen. Ob man mich erwischen würde? Darüber hatte ich noch gar nie nachgedacht und daran wollte ich auch gar nicht denken. Es war sowieso zu spät. Was geschehen war, war geschehen.
Am nächsten Morgen brauchte ich einen Moment um mich zu fassen. Im ersten Moment wusste ich nicht, ob es ein Traum gewesen war oder nicht, aber dann kam die Erinnerung an den Vortag komplett zurück. Vitus, wie er gegen meine Frontscheibe geknallt war. Ich grinste.
In die Arbeit fuhr ich natürlich nicht, ich meldete mich krank. Das hatte ich nach so einem Abend auch verdient. Gegen Nachmittag fuhr ich zu Felian. Mein Auto versteckte ich sicherheitshalber weiter weg. Ich wollte nicht, dass Felian meine zerstörte Motorhaube sah. Vor der Haustüre standen zwei Polizeiautos. Ich erschrak. Abermals versteckte ich mich in der Bäckerei und beobachte das weitere Vorgehen im Haus gegenüber. Es befand sich eine andere Verkäuferin als das letzte mal hinter der Theke, das war gut. Ich zwang eine Tasse Kaffee hinunter und starrte aus dem Fenster.
Nach über einer Stunde traten zwei Polizisten aus dem Haus und fuhren mit ihrem Wagen davon. Das war meine Chance. Ich trabte über die Straße und klingelte an der Haustüre. Sana machte mir auf. Sie begrüßte mich gar nicht, sondern ließ die Türe offen stehen und trat ins Wohnzimmer zurück. Ich folgte ihr. Was ich dort sah, war ein jämmerlicher Anblick. Felian lag zusammengerollt auf dem Sofa und heulte so sehr, wie ich noch nie einen Menschen weinen gesehen hatte. Er schrie richtig, seine Schultern bebten und er schien von seiner Umwelt nichts mitzubekommen. Sana setzte sich neben ihm und strich über seinen Rücken.
„Was ist passiert?“ Ich musste ahnungslos spielen, das war ganz wichtig.
„Vitus.. Vitus ist überfahren worden“, stammelte Sana und wich meinem Blick aus.
„Was?!“
„Gestern Abend.“ Auch Sana wischte sie Tränen aus den Augen.
„Wie geht es ihm? Ist er im Krankenhaus?“
„Nein... Er...“ Sana drehte den Kopf weg und strich nur noch teilnahmslos über den Rücken ihres Bruders.
Ich schluckte. Dass Felian leiden würde, hatte ich gewusst, aber das es so schrecklich für ihn war, daran hatte ich gar nicht denken wollen.
„Der Krankenwagen war heute früh schon da gewesen und sie haben Felian eine Spritze zur Beruhigung gegeben, aber sie hat nichts genützt“, murmelte seine Schwester, „heute Abend kommt der Arzt nochmal und vielleicht nehmen sie in dann mit ins Krankenhaus.“
Felian schien nicht mitzubekommen, wer überhaupt neben ihm saß und wer nicht. Ich streichelte ihn abwechselnd mit Sana, aber er reagierte überhaupt nicht. Das Kissen unter ihm war schon komplett durchnässt. Er hatte einen tiefen Schock bekommen. Von Sana erfuhr ich, dass ihre Mutter sich sofort ins nächste Flugzeug gesetzt hatte, aber es würde noch Stunden dauern, bis sie in Europa landete.
Gegen fünf kam tatsächlich nochmal der Krankenwagen und sie luden Felian auf die Trage. Am liebsten wäre ich mitgefahren, aber das durfte ich nicht.
Er landete auf meiner Station, so schlimm war sein Zustand. Am nächsten Morgen war ich einzig und allein für ihn da. Die anderen Patienten mussten schauen, wo sie blieben. Ich strich Felian den Schweiß aus dem Gesicht, hängte ihn an die Infusionen und dosierte sein Beruhigungsmittel. Er sagte weder etwas, aß und trank nicht und starrte nur die Decke an. Er ähnelte sehr dem Patienten ohne Beine zwei Zimmer weiter.
Dreimal waren Polizisten in den letzten Tagen hier gewesen und hatten versucht, mit ihm zu sprechen, aber jedes Mal, wenn Vitus Namen über ihre Lippen kam, heulte er wie ein Schlosshund los.
Ich wurde auch befragt, schließlich war ich ein gemeinsamer Freund des Paares gewesen, aber ich hatte angegeben, zur besagten Zeit im Supermarkt gewesen zu sein. Die Bullen schienen mir zu glauben, auf jeden Fall fragten sie nicht genauer nach und meinen Wagen wollten sie auch nicht sehen. Den musste ich jetzt dringend verschrotten, sicher war sicher. Fahren hatte ich mich mit dem nicht mehr getraut, er stand immer noch unbewegt vor der Wohnsiedlung.
Frau Guhne erschien auch jeden Tag, aber sie störte mich. Felian war mein Patient, ich wollte seine Mutter nicht dabei haben, die ihm das Händchen hielt und seine Stirn küsste.
Erst nach fünf Tagen fing Felian wieder zum Sprechen an. Er wurde von der Intensivstation auf die normale Station verschoben, was mir sehr leid tat. Jetzt waren andere Pfleger für ihn verantwortlich. Aber zwei Tage später wurde er dann komplett entlassen.

Am Dienstag Abend war die Beerdigung. Ich ging natürlich hin, Felian erwartete es wahrscheinlich von mir. Zum ersten Mal im Leben war ich in einer Kirche. Alle Bänke waren besetzt. Es waren sehr viel junge Leute da, wahrscheinlich ehemalige Klassenkameraden, die Vitus seit Jahren nicht mehr gesehen hatten. Felian saß ganz vorne in der ersten Bank, eingepfercht zwischen seiner Mutter und Sana. Daneben saß ein Ehepaar, die sich Taschentücher gegen das Gesicht pressten. Waren das Vitus Eltern?
In der Mitte der Bankreihen fand ich noch Platz, ganz an den Rand gequetscht. Neben mir saß Pepe, die Kollegin aus dem Friseursalon. Ihr Blick war gesenkt und sie musterte während der ganzen Zeremonie ihre Schuhe.
Mich machte dieser Sarg wahnsinnig, der sich am Altar befand. Es war schon schlimm gewesen, als ich auf der Beerdigung meiner Mutter gewesen war. Die Vorstellung, dass sie in diesem engen Sarg lag, war fürchterlich. Jetzt war es genau das selbe, nur hatte ich jetzt immer den Anblick von Vitus vor Augen, wie er zusammengeknüllt auf dem kaltem Boden gelegen war mit dem vielen Blut um ihn herum. Bei meiner Mutter hatte ich mir sehr gut vorstellen können, wie sie im Sarg aussah, schließlich war sie friedlich im Krankenbett gestorben. Bei Vitus sah das anders aus, sein Körper war ganz zerstört gewesen. Hatten ihn die Bestatter wieder schön herrichten können? Hatte Felian noch einen letzten Blick auf seinen Verlobten geworfen und sich von ihm verabschiedet? Ich wollte es gar nicht wissen.
Der Sarg wurde aus der Kirche getragen und die Trauergäste, vorne mit dabei Felian und die Eltern, folgten langsam.
Das Loch war schon ausgehoben. Das Grab befand sich unter einer großen Weide. Ein recht schöner Platz fand ich, viel zu schön für den Toten. Ganz langsam wurde der Sarg hinabgesetzt und Felian brach auf dem Boden zusammen. Seine Mutter versuchte ihn zu stützen, aber er landete wild heulend auf dem Boden.
Die Frau, die schon ganz vorne in der Kirche gesessen war, beugte sich neben ihn und strich ihm über die Haare. Sie flüsterte ihm etwas zu, aber auch ihr Gesicht war nass vor Tränen. Ich war mir sehr sicher, dass dies wirklich Vitus Mutter waren. Er sah nur überhaupt nicht ähnlich, auch dem Vater nicht, der apathisch abseits stand.
Jetzt war es an der Zeit, dass alle Gäste an das Grab traten und Weihwasser und Blumen auf den Sarg warfen. Felian war gleich nach den Eltern an der Reihe. Er rappelte sich vom Boden auf und stolperte zum Grab. Lange blieb er dort stehen. Seine Lippen bebten. Er zog ein Blatt Papier aus der Hosentasche und ließ es in das Loch fallen. Als würde Vitus jetzt noch einen Brief lesen können... Es folgte ein kleinerer Gegenstand, den ich erst später als Ring realisierte. Es musste Vitus Ring sein, den er immer an einer Kette getragen hatte. Wer hatte Felian den denn gegeben? Es war fast ein wenig traurig, dass Felians eigener Ring in der Müllgrube lag.
Ich war der letzte, der an das Grab trat. Kurz betrachtete ich den schweren Eichensarg, der dort unten umringt von der Erde lag. „Du hast es nicht anders verdient“, flüsterte ich und kickte sogar etwas Erde auf den Eichendeckel. Keiner der Trauergäste hatte mich dabei gemerkt.
Ich hatte keine Ahnung, wo die vielen Gäste jetzt hinfahren würden, ich fuhr auf jeden Fall wieder nach Hause. Ich ging ausführlich duschen und suchte mir im Internet einen neuen Friseur raus. Meine Haare wurden schon wieder so lang, ich brauchte dringend wieder eine Frisur.

Eine Woche lang ließ ich Felian in Frieden, dann näherte ich mich ihm langsam wieder an. Er brauchte jetzt dringend einen guten Freund an der Seite. Anfangs hatte er bei seiner Mutter mit in der Wohnung gewohnt, aber schon nach ein paar Wochen zog er dort wieder aus und zog zu mir. Seine Mutter und er gingen sich laut ihm mehr im Weg um. Sie forderte andauernd, dass er etwas unternahm und sich aufmunterte. Sie wollte einfach nicht verstehen, dass er einfach nur seine Ruhe wollte. Sein altes Zuhause mit Vitus wollte er nie wieder betreten. Auch bei mir lag er die meiste Zeit nur auf dem Sofa oder saß auf dem Balkon. Ich hatte ihn nie wieder lachen gesehen. Der rote Schein in seinen Augen ging jetzt gar nicht mehr weg.
Es war eiskalt draußen und der Schnee fiel, als ich ihn nach der Arbeit auf dem Balkon entdeckte. Er trug nur ein T-Shirt und war barfuß.
„Komm rein, Felian, du wirst ja krank“, forderte ich mit sanfter Stimme auf und wollte ihn zurück in die warme Wohnung ziehen, aber er blockte ab.
„Und wenn schon, mein Leben hat sowieso keinen Sinn mehr“, wisperte er, den Blick weit in die Ferne gerichtet.
Ich erschrak. „Sag so etwas nicht.“
„Ich will nicht mehr leben. Ich kann nicht mehr.“
„Aber du musst, Felian.“
Traurig schüttelte er den Kopf. „Die Polizei hat nicht den leichtesten Verdacht, wer es gewesen sein könnte. Meine einzige Hoffnung war noch gewesen, mich an der Person rächen zu können, aber selbst das fällt weg. Ich möchte nicht mehr weitermachen, Korbinian, bitte versteh das. Du erinnerst dich an die Brücke, von der mein Vater gesprungen ist? Von ihr werde ich auch springen. Ich weiß nur noch nicht wann, aber lange wird es nicht mehr dauern. Jeder Tag ist eine Qual.“
„Bitte nicht, Felian“, jammerte ich, „tue alles nur das nicht. Ich liebe dich so sehr.“
„Und für mich war Vitus die einzige Liebe.“
„Aber vielleicht... vielleicht wird es ja noch“, jammerte ich, „es wird besser werden, das schwöre ich dir.“
Felian schüttelte den Kopf.
„Du musst mir vertrauen, Felian.“ Ich strich mit meiner Hand über seine eiskalten Schultern.
Felians Blick war die ganze Zeit auf den Horizont geheftet gewesen, jetzt drehte er sich ganz langsam zu mir um.
„Was weißt du darüber?“ Seine Stimme war ganz tonlos.
„Was meinst du?“
Sein Gesicht sah auf einmal ganz komisch aus.
„Was weißt du über Vitus Unfall?“
Ich starrte ihn nur verwirrt an. Das Gespräch hatte plötzlich eine Wendung bekommen, die mir gar nicht gefiel. Plötzlich sprang er nach vorne und presste mich gegen das Geländer. So viel Kraft hätte ich ihm gar nicht mehr zugetraut.
„Du warst es!“, brüllte er. Seine Stimme zitterte, sein Griff war aber felsenfest, „du wolltest die ganze Zeit Vitus und mich auseinander bringen, aber ich hab es nicht kapiert! Ich hab es nicht kapiert, denn ich hatte mir so sehr einen besten Kumpel gewünscht. Vitus hat immer solche Andeutungen gemacht, aber ich habe ihm nicht geglaubt.“ Er heulte und schrie. Rotz kam aus seiner Nase gelaufen. Er sah überhaupt nicht mehr nach dem schönsten Menschen der Welt aus, der er einst gewesen war.
Ich konnte gar nichts sagen, zu groß war der Druck auf meiner Brust. Felian schrie und brüllte gleichzeitig. Ich hatte Angst, dass das Geländer hinter uns nachgeben würde und wir die Stockwerke nach unten segeln würden.
„Er hat mir noch gesagt, dass es sein kann, dass du den Account mit seinen Bildern erstellt hast, aber ich hab ihm nicht geglaubt. ICH HABE DIR MEHR VERTRAUT ALS MEINER GROßEN LIEBE!“ Er schnaufte und schniefte und um uns herum hörte ich sämtliche Balkontüren aufgehen. Sicherlich konnte ganz Berlin seine schreienden Worte hören.
Mein Leben war jetzt sowieso vorbei, von einer Sekunde auf die andere war es zerstört worden. Wie bei Vitus.
„Er hat dich nie betrogen“, presste ich aus meinen Lungen heraus. Langsam wurde die Luft knapp, so sehr schnürte er sie mir ab.
Ganz plötzlich ließ er mich los. Damit hatte ich nicht gerechnet, gierig sog ich die Luft in meine Lungen. Felian stand jetzt einen Meter von mir entfernt und hatte die Augen merkwürdig verdreht. Er schnappte nach Luft, sein ganzer Körper bebte, dann stürzte er auf den Boden.
Ohnmächtig oder tot?



Polizei, Gerichtsverhandlung, Knast. Meine Zelle bestand aus einer Pritsche, einem Klo mit Waschbecken und einem vergittertem Fenster. Drei Jahre war ich schon dort, etliche Jahre hatte ich noch vor mir. Mein Leben war vorbei. Ich wünschte, ich wäre gestorben, aber ähnlich wie der Komapatient ohne Beine hatte ich jetzt keine Chance mehr, mich umzubringen. Sobald ich ein Messer finden würde, würde ich mir die Pulsadern aufschneiden oder sobald mir ein Strick in die Hand gedrückt würde, ich würde sofort von der Decke baumeln.
Felian war tot. Er war zwar damals auf dem Balkon nur in Ohnmacht gefallen und war abermals im Krankenhaus gelandet. Eine Woche später hatte er sich aber, wie sein Vater, von der Brücke gestürzt.
Ich hatte ihn nie wieder gesehen und hatte auch kein Foto von ihm hier. Dabei war er doch der schönste Mann der Welt gewesen. Meine große Liebe.



Danke fürs Lesen

LuckyQuinn
Einmalposter
Beiträge: 1
Registriert: 16 Jan 2019, 22:16

Re: Die Liebe meines Lebens

Beitragvon LuckyQuinn » 27 Jan 2019, 21:09

Starker Tobak, aber sehr gut geschrieben! Finde es sehr mutig von Dir auch mal eine eine Geschichte mit Ecken und Kanten und ohne Happy End zu verfassen! :P

Cyberfox
new-boy
new-boy
Beiträge: 46
Registriert: 30 Mär 2018, 15:01

Re: Die Liebe meines Lebens

Beitragvon Cyberfox » 27 Jan 2019, 21:39

Also für schwache Nerven ist das wirklich nichts. Das mit Felian muss ich wirklich jetzt erst einmal verdauen. ^^ Und das schlimmste ist, dass er anscheinend noch immer nicht begriffen hat, was er da eigentlich angerichtet hat. Er ist so fixiert und besessen auf ihn, dass er alles ausblendet. Einfach nur irre. Alleine schon der letzte Gedanke von ihm, zeigt doch schon, dass er es noch immer nicht verstanden hat. Wahnsinn.

Inhaltlich hat mir die Geschichte trotz des abrupten Endes aber sehr gefallen. Auch wenn ich mir ein positives Ende gewünscht habe und das Ende doch etwas schneller als erwartet kam. Wenigstens ist er aufgeflogen und verrottet im Knast. ^^

Benutzeravatar
Simson
member-boy
member-boy
Beiträge: 127
Registriert: 25 Jan 2015, 13:58

Re: Die Liebe meines Lebens

Beitragvon Simson » 30 Jan 2019, 07:31

Hm,als mir klar war, dass Vitus wohl tatsächlich sterben wird, hab ich fest mit dem Selbstmord von Felian gerechnet. Irgendwie war das Ende gar nicht überraschend für mich.
Aber es passt zu dieser tragischen Geschichte.
3 zerstörte Leben (und noch mehr, wenn man die Angehörigen hinzurrechnet) was für ein Wahnsinn!
Danke fürs Schreiben :bp: Nicht meine Lieblingsgeschichte, aber eine einprägsame.
"Sei wie du bist ! Irgendwann kommt es sowieso raus." E.v. Hirschhausen

Re: Die Liebe meines Lebens

Werbung
 

 


  • Ähnliche Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag

Zurück zu „Schwule Geschichten“



Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast