Ist die Sexualität angeboren??

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Verwirrung
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Ist die Sexualität angeboren??

Beitragvon Verwirrung » 25 Dez 2018, 20:24

Ich hoffe ihr nehmt euch die Zeit das zu lesen, mir würde euer Rat wirklich sehr helfen. :-?

Erstmal zu mir:
Ich bin männlich, 18 Jahre jung und mitlerweile stolze 3 einhalb Jahre mit dem hübschesten, wundervollsten Mädchen zusammen das ich kenne. Unsere Beziehung ist in den vergangenen Jahren mit uns gereift und wir können sagen, eine wirklich echte Beziehung zu führen.
Bis vor ungefähr 9 Monaten gab es daran auch keinen Zweifel. Ich sah mich selbst immer als eine 100%ige Heterosexuelle Person. Ich sagte mir selbst sogar oft: „wenn du nicht hetero bist, dann garnichts!“.
Ich war also wirklich so unglaublich sicher und voller Entschlossenheit.
Schwule habe ich immer toleriert, doch dachte ich mal daran selbst sowas zu tun wurde mir ganz anders.
Damals, so in der 6-7 Klasse, wo die meisten Mädchen anfingen Brustwachstum zubekommen, war es in unserer Klasse so eine Art Spaß, den Mädels mal an den Busen zu fassen.. Keine Ahnung wieso sich das etabliert hat jedoch fanden es die Mädels nicht schlimm und so machten wir es relativ häufig bei so gut wie allen Mädchen aus der Klasse 8) ..
Ich war bei solchen Dingen immer ganz vorn mit dabei..
In meinem Alter schaut man natürlich auch gern mal auf einen Hintern. Wenn ich einen großen, wohlgeformten vor mir sah merkte ich fast immer eine physiche sowie psychische Erregtion.. Ich war manchmal gar richtig vertieft und malte mir Handlungen aus. Man kann also sagen ich bin in der Hetero-Rolle richtig aufgeblüht..
Mir hat es sogar gereicht ein wenig Haut zusehen und ich merkte schon wie ich eine Errektion bekam..
Als ich das erste mal meine Freundin beim Sex sah konnte ich mir gefühlt Monate lang auf den selben Bildlichen Ausschnitt in meinen Gedanken einen runterholen..
Als die ersten Videos von Mädchen gleichenalters rumgingen, die sie an die falschen Leute sendeten, musste ich diese haben. Ich fand nichts geiler als ein Mädchen meines Alters zu sehen..
Eine Zeit dachte ich sogar ein wirkliches Problem mit meinen Sexuellen Zügen zu haben..
Das lag wahrscheinlich an meiner doch sehr perversen Seite. Ich endeckte sehr früh die Welt der Pornos und schaue täglich mehrmals wechle. Es hat sich über die Jahre so weit ausgedehnt das ich mir zu allen abartigen Dingen Pornos angesehen habe und sie in dem Moment erregend fand. In die Realität könnte ich sowas niemals umsetzten. Es ist auch mehr ein „ich finde es bei anderen geil aber nicht wenn ich das machen würde“..

Ich spreche hierbei von total absurden Sachen wie zb Pornos übers Fremdgehen,Horror Porns, einmal sogar Tier Pornos usw..
(Mir ist das echt unangenehm)
Bei diesen Handlungen standen für mich immer die weiblichen Personen im absoluten Vordergrund.
Unabhängig davon waren viele viele Jahre meines Pornokonsums von Lesbensex bedeckt. Das ging wirklich immer und war stets Nr1 Kategorie.

Zu meiner Freundin bin ich natürlich absolut normal und der „normale“ Sex ist mehr als ausreichend. Da benötige ich keine solcher abartigen Phantasien.
Es ist nur so.. Ich kann nicht mehr deuten was ich als Phantasie sehe und was mich in der Realität berühren würde. Ich habe mir mal vorgestellt das es mich kalt lassen würde wenn sich meine Freundin von mir trennt.
Ich dachte dann, es wäre wirklich so und es wäre mir über die Jahre egal geworden.
Einige Monate später trat dieser Moment leider wirklich ein (viele private Probleme). Ich dachte ich falle aus allen Wolken und war am Boden zerstörrt. Dies bewies mir das es nur eine Phantasie war. Wir kamen wenig später wieder zusammen. (Bisher läuft es makellos).
Auch denke ich manchmal daran wie sie mir fremdgeht und finde das auf irgendeine Weise erregend..
Sobald sie jedoch zb auf irgendeinem Geburtstag ist, an dem viel getrunken wird und ich nicht dabei bin wird mir richtig unwohl vor Sorge und ich weiß das ich sowas niemals tolerieren würde.
Nun zum wirklich großen Problem.


Eines Abends war mir wirklich extrem langweilig und ich hatte mich schon einige Male aus purer langeweile selbst befriedigt. Ich habe dabei keine Pornos gesehen sondern meine Phantasie genutzt. Gegen spät Abend entschied ich mich, erneut eine Runde zu wagen und war wieder ganz normal bei der Sache. Plötzlich schoss mitten durch meine (hetero) Gedanken die Vorstellung meinem Kumpel einen runterzuholen. Ich fand es im ersten Moment irgendwie schlimm und geil zugleich. Ich hörte auf und dachte mir Original: „wtf....Naja es ist doch eh nur ein Gedanke“ und machte weiter.
Als ich das Spektakel zuende brachte merkte ich, wie sich Panik in mir breitmachte. Es war wie ein Schalter der umgelegt wurde. Ich hatte einfach riesen große Angst schwul zu sein.
Es war nicht eine Vermutung oder eine Erkenntnis.. Es war einfach pure Panik. Nun plaken mich schon 9 Monate lang sporadisch Angstzustände. Eine Zeit lang war ich befreit davon. Nun aber fängt die Sorge erneut an.
Ich schaue mir schwulen/shemale Pornos an und schaue auf den Penis. Mir ist aufgefallen das ich diesen eigentlich ganz erregend finden kann.. Dies war anfangs nicht so..
Ich glaube mir das einwenig aufgedrängt zu haben.
Manchmal stelle ich mir sogar schwule Handlungen vor und finde es wirklich Erregend.
Wenn ein Kumpel mir aber zu nahe kommt, gehe ich lieber einen Schritt zurück und finde es mehr unangenehm als alles andere..
Männlichen Oberkörper und auch keine Männer im gesamten lösen in mir irgendwas aus. Nur die reine perverse Vorstellung.
Ich weiß nicht einfach nicht mehr ob das auch nur eine dieser komischen Einbildungen ist oder ob mehr mit mir los ist..
Wenn ich nach dem Sport in der Umkleide bin, bin ich mit meinem Gedanken ganz woanders.. da denke ich teilweise gar nicht dran und wenn, juckt mich das Geschlechtsteil der anderen Männer nicht. Wenn ich mir die Situation aber Zuhause wieder Vorstelle und mir denke „was wenn du ihm einen runtergeholt hättest“ und diese wirklich absurden Gedanken hochkommen finde ich es erregend.
Aber es bedrückt mich immer mehr. Es machen sich in mir Schuldgefühle meiner Freundin gegenüber breit. Ganz unabhängig davon merke ich Unwohlsein. Ich möchte einfach Gewissheit.
Ich will weiter mein Hetero-Leben genießen. Auch wenn ich durch meine ständige leserei im Internet eine ganz neue Sichtweise auf Sexualitäten bekommen habe und Homosexualität absolut okay- so wie alles andere auch finde, will ich mich in dieser Rolle einfach nicht sehen...

Wie habt ihr gemerkt das ihr Schwul seid?
Oder hatte jemand auch schonmal solche Zweifel??
Kann man anhand meines Textes sagen welche Sexualität ich habe?

Ist die Sexualität angeboren??

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DasLysander
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Re: Ist die Sexualität angeboren??

Beitragvon DasLysander » 30 Dez 2018, 15:21

Hey du,
willkommen im Forum!
Zu deiner allerersten Frage: Was im Wesen eines Menschen angelegt ist, und was Umwelteinflüsse ausmachen, ist eine der großen Rätseln der Psychologie, das wird so schnell wahrscheinlich auch nicht gelüftet. In Sachen Homosexualität ist der Stand meines Wissens auch, dass es irgendwie bisschen mit beidem zu tun hat.
Du scheinst ja schon ziemliche Angst davor zu haben, nicht ganz hetero zu sein, wenn ich deinen Text so lese ;)
Vielleicht hilft es dir weiter, dich ein bisschen mit der Kinseystudie zu befassen (die englischen Seiten geben mehr her). Da gehts nämlich um genau deine Situation, Kinsey hat allen möglichen Männern Fragen gestellt zu Phantasien, Wünschen, Träumen oder sexuelle Aktionen mit anderen Männern. Das Ergebnis war kurz gesagt, dass nur ca. die Hälfte der Männer komplett hetero waren in dem Sinne, dass sie nicht mal ne Phantasie mit nem anderen Typen gehabt hätten oder so:
The reports also state that nearly 46% of the male subjects had "reacted" sexually to persons of both sexes in the course of their adult lives, and 37% had at least one homosexual experience.[10] 11.6% of white males (ages 20–35) were given a rating of 3 (about equal heterosexual and homosexual experience/response) throughout their adult lives.[11] The study also reported that 10% of American males surveyed were "more or less exclusively homosexual for at least three years between the ages of 16 and 55" (in the 5 to 6 range).


Und das war 1948, mittlerweile sieht das wsh nochmal völlig anders aus ;)
Sexualität ist nichts feststehendes, sondern kann sich im Leben durchaus auch verändern. Du kannst allerdings nicht beeinflussen beeinflussen, was du fühlst, und deshalb können Gefühle auch nicht moralisch schlecht oder "pervers" sein, wie du es schreibst.
Eine Phantasie mit einem Jungen heißt nicht, dass du deine Freundin nicht trotzdem lieben kannst, sondern dass du vermutlich wie einige andere Menschen auch ein bisschen bisexuell fühlst. Was davon du ausleben magst, entscheidest du. Solltest du irgendwann mit deiner Freundin nicht mehr zusammen sein, packt dich vllcht ja mal irgendwann die Neugier, rauszufinden, was da ist.
Ob du deshalb jetzt nicht mehr hetero bist, oder es vielleicht irgendwann wieder wirst, oder für immer bi, oder zu 2% schwul, das musst du ehrlich gesagt mit dir selbst ausmachen. Ich persönlich finde es Quatsch sich aus Gefühlen, die man grade erst entdeckt hat, eine Identität zimmern zu wollen, aber ist deine Sache.

Weil das deine eigentlichen Fragen waren:
Ich hab recht deutlich gemerkt, dass ich schwul bin. Mit ca 16 hab ich festgestellt, dass ich immer nur dachte, ich würde mal ne Freundin haben, weil es mir als das "normale" vorkam, aber mich eigentlich nie gereizt hat. Beim Pornos schauen hab ich auf die Männer geschaut, Lesbenpornos fand ich nervig und langweilig, ich hab für den einen oder anderen Jungen an der Schule ziemlich geschwärmt... Mir selbst zu sagen, okay du bist schwul, war nicht ganz einfach, weil mir das wie ein riesiger Schritt vorkam und ich mir deshalb immer unsicher war, also bisschen wie bei dir. Im Endeffekt, weil ich mal eine Entscheidung haben wollte, hab ich mit ca. 18 dann Unterwäscheprospekte durchgeblättert, die Frauen mit den Männern verglichen und kam zum Schluss: okay, schwul. ;)
"People leave their bodies to science. I think cannibals would be so much more grateful."

 


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