In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

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SergeyP
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In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 27 Mär 2018, 04:55

Hallo zusammen, hier ist eine Geschichte auf der Website gayauthors.org, die ich sehr mag, und deswegen möchte ich sie mit euch teilen. Die Geschichte ist ursprünglich auf Englisch, und hier ist meine Übersetzung davon. Aber bitte denkt dran, dass ich aus Vietnam komme, deshalb kann ich nur mein Bestes versuchen, möglichst geschmeidig zu übersetzen. Fühlt euch frei zu kritisieren oder Fehler zu zeigen, ich lese gerne alle Kommentare von euch. Danke!
LG SergeyP

-----Desert Dropping-----
- Autor: DomLuka
- Synopse: Rorys Mutter starb gerade und kurz nach ihrer Beerdigung ging sein Leben in eine ganze andere Richtung, als er herausfand, dass seine Mutter den Vater, den ich nie zuvor sah, kontaktiert hatte. Jetzt war er gezwungen zu leben in der Wüste mit einer Familie, die er nicht kannte, mit einem Vater, den er nicht kennenlernen wollte, und vor allem war Rory schwul und er hatte niemanden mehr, auf wen er sich verlassen konnte. Neue Freunde würden kommen, und die Bedeutung der Familie würde gefunden, als Rory lernte, dass nicht alles no schlecht in der Wüste war.

[1] Angekommen
Arizona. Ari-verdammt-zona. Habt ihr eine Ahnung, wie heiß es in Arizona ist? Im Sommer? Also wenn nicht, dann sage ich euch, es ist da schön heiß, sogar an einem schönen Tag. Und ich musste da leben. Auch nicht nur für einen Sommer. Nein. Ich zog dorthin. Da können wir schon feststellen, dass ich mich nicht darauf freute.

Warum? Also der Grund dafür, warum ich so ungehalten war, hatte weniger zu tun mit der Hitze, als mit allen anderen Dingen. Angefangen mit meinem Vater. Davon soll ich mal erklären. Seht ihr, mein Vater (und ich benutze den Begriff hier eher lose) lebte da. Es war nicht, dass ich ihn nicht mochte. Nein. Wie kann man jemanden nicht mögen wenn man ihn nie zuvor traf? Dazu meinte ich ernst, nie.

Ich wuchs bei meiner Mutter auf, in Nevada. Ich glaube ich fragte nach meinem Vater weniger als zweimal in der ganzen Zeit, dass ich aufwuchs. Und als ich die Frage stellte, war die einzige Antwort meiner Mutter so, dass er ein guter Mensch sei, aber er könne nicht mit uns zusammen sein. Sie sagte nie warum, und als ich darauf bestand zu fragen, sagte sie dann nur, dass er es einfach nicht könne. Und dann war es kein Thema mehr.
Aber es war mir okay, weil ich und meine Mutter wirklich glücklich waren. Sie war nicht eine dieser Mütter, die jede Kleinigkeit, die ich tat, in Frage stellte. Eigentlich musste sie es nicht machen, weil ich ihr über alles redete. Unsere Beziehung war eine jener offenen Beziehungen, die jeden normalen Sechzehnjährigen erschrecken würden. Immer wenn meine Freunde erkannten, dass ich eine so offene, ehrliche Beziehung zu meiner Mutter hatte, dachten sie entweder, dass es die coolste Sache der Welt sei, oder sie meinten, ich hätte einen Geburtsfehler, der ein Mamas-Boy-Syndrom hervorrief.

Aber mir war es egal, was sie meinten, denn meine Mutter war meine beste Freundin auf der ganzen Welt. Wir haben uns deshalb so gut verstanden, vielleicht weil sie mich bekam, als sie noch sehr jung war. Sechzehn, tatsächlich. Das konnte ich mir wirklich nicht vorstellen, denn mit sechzehn hatte ich keine Ahnung, wie man eine Windel wechseln sollte. Nicht dass es viele Windeln zu wechseln gab. Es waren nur ich und meine Mutter. Und, gelegentlich meine Großmutter Alice, sie war auch ziemlich cool.

Dann wieso verließ ich mein glückliches Leben bei allen Menschen, die ich liebte, in Nevada, um in eine brühheiße, unansehnliche Wüste mit einem Vater, den ich nie zuvor sah, zu ziehen? Als ich vierzehn war, wurde meine Mutter Krebs diagnotiziert. Ich dachte, das war das Schwierigste, was ich je zuvor hörte. Nein, Quatsch. Der schwierigste Moment war, als die Ärzte meiner Mutter sagten, es sei zu spät, etwas dagegen zu unternehmen. Ich war in demselben Raum, als sie es sagten.

Wisst ihr, wie schwierig es war, neben jemandem zu sitzen, der gesagt wurde, dass sie bald ums Leben komme? Wenn ja, dann versteht ihr, dass der zu diesem Moment kommende Ansturm der Gefühle fast unbeschreibbar war. Aber vor allem hatte ich Angst. Angst um meine Mutter. Angst um mich.

Das war meine Mutter.

Ich werde euch nicht stundenlang erzählen, wie sehr wir zusammen weinten, während Oma Alice daneben stand und versuchte, die Teile unserer zerbrochenen Familie aufzuheben. Aber ich werde euch sagen, dass meine Mutter eine echte Soldatin war. Sie schonte uns gar keine Zeit, traurig zu sein. Sie verbrachte so viel Zeit wie möglich mit Oma Alice und mir. Und sie erlaubt mich nicht, mich vom kleinen Freundeskreis, den ich seit Kindheit hatte, wegzulassen.

Ohnehin verbrachte ich mehr Zeit mit meiner Mutter, als ich normalerweise hätte. Trotzdem reichte es nicht. Aber das war wertvolle Zeit. Ich denke, Mama und ich verstanden uns in den folgenden zwei Jahren mehr, als wir mein ganzes Leben hatten. Und das sagt viel.

Mit fünfzehn sagte ich ihr endlich, dass ich schwul war. Da war ich mir mit dreizehn sicher, als alle meine Freunde das Vergnügen der Masturbation entdeckten und hingegen entdeckte ich, dass ich es genoss, meine Freunde runterholen zu sehen. Es war nicht so schwer herauszufinden, dass ich nicht auf Mädchen stand, denn als mir Tiffany Toren ihre Brüste während einer Partie Wahrheit und Pflicht zeigte, mochte ich gar nichts damit tun, aber als mich Jason Cross fragte, ob ich zusammen mit ihm wichsen wollte, und ich seinen Schwanz sah, wollte ich gleich überall auf mir spritzen.

Oh ja. Ich musste schwul sein.

Und es hat mich tot beängstigt. Ich hatte alle Gerüchten gehört, Schwule waren Perverse, Schwuchtel sollten kastriert sein und sterben lassen. All die guten Gerüchten. Ich versuchte, an Mädchen zu denken. Ich versuchte sogar einst, eins zu küssen. Nichts. Ich mag Jungen, nicht Mädchen, und früher oder später lernte ich, dass sich nichts verändern würde.

Aber darauf reagierte Mama ganz toll. Sie war überrascht, aber ihr war es okay. Und dafür bin ich sehr dankbar. Dass ich schon wusste, dass sie sterben wird, fühlte ich mich schlecht genug, ihr darüber zu reden, aber ich hatte ihr niemals zuvor Geheimnisse vorenthalten. Ich könnte nicht leben wissend, dass ich etwas so Großes über mich vor ihr behalten hatte. Und ich würde niemals diese Entscheidung bereuen.

Immerhin wusste es nur meine Mutter. Also Mama und Oma Alice. Ich erzählte Oma Alice nicht wirklich davon, aber irgendwie fand sie es heraus. Es wäre einfacher, einen Anruf mit Gott zu machen, als Geheimhisse vor dieser Frau zu behalten. Aber ihr war es auch egal. Beide Mama und Oma Alice betrieben eine ganze Menge Recherche über Homosexualität und überzeugten mich, besser über mich selbst zu fühlen. Sie sagten es sei wahrscheinlich genetisch, und denn ich hatte dabei sowieso keine Beherrschung, sollte ich damit aufhören, mich zu ändern, sondern starten, ich selbst zu sein, egal wer es sei. Aber nach dem Tod meiner Mutter, hatte ich keine Ahnung mehr, wer ich war.

Das letzte Jahr war das Schwierigste, glaube ich. Wir hatten gedacht, wir hätten mehr Zeit, aber es ging Mama immer schlechter. Sie kam ums Leben in der Mitte meines Sophomore-Jahres, als ich sechzehn war.

Die ersten wenigen Monate waren mir fast unerträglich. Es war die Beerdigung, bei der so viele Menschen, die ich sogar nicht kannte, auftauchten, um ihr Respekt zu zollen. Mama hatte viele Freunde, und viele Menschen kannten sie, weil sie eine Kellnerin bei dem lokalen Restaurant war, deshalb war ich nicht überrascht. Danach bin ich zu Oma Alice gezogen. Sie stellte sicher, dass ich alles, was ich wollte, aus der kleinen Wohnung, in der ich und meine Mutter gewohnt hatten, hatte. Sie war wirklich großartig in allem, aber das war nicht dasselbe. Und dann fiel die größte Bombe auf mich.

Irgendwann hatte Mama begonnen, nach meinem Vater zu suchen und sie erzählte niemandem davon. In ihrem Testament stellte sie ausdrücklich fest, dass ich zu ihm ziehen müsse, wenn er gefunden wird. Ihr könnte euch vorstellen, was für ein Schock das war zu mir. Meine Großmutter war auch schön überrascht.

Ich erwartete, dass Oma Alice mindestens dagegen wäre. Sie machte sich große Sorge, wenn es um ihre Familie ging. Aber nachdem sie meinen Vater gefunden hatten, und am Tag, an dem er uns anrief, war es mir eine riesige Überraschung, Oma Alice zu sehen, als hätte sie zu einem alten Freund gesprochen.

Ich sprach an diesem ersten Tag meinen Vater nicht an. Ich weigerte mich. Oma sagte mir er verstehe, aber mir war es total Wurst. Er wollte mich wegbringen, und Oma Alice ließ es ihn. Ich hatte alles verloren, um was ich mich kümmerte und nun wollte mich ein Mann, den ich nie zuvor sah, von allen meinen übrigen gewohnten Sachen wegbringen. Ich hasste ihn.

Letztendlich wurde beschlossen, dass ich das Schuljahr bei meiner Oma fertig machen würde, und ich würde zu meinem Vater im Sommer ziehen. Freilich war nichts davon meine Entscheidung. Und das ging mir unendlich auf die Nerven. Ich meine, ich war bereits sechzehn, nicht sechs. Ich dachte ich war alt genug, mir selbst große Entscheidungen des Lebens treffen zu können. Besonders ging es um mein Leben.

Aber ich war anscheinend in der Unterzahl. Ich machte nichts aus meinem sogenannten Vater, aber lasst mich euch sagen, Oma Alice ist eine Frau, die kriegt, was sie will. Ich konnte nicht einmal streiten, als sie die Mutterkarte spielte. Alles ging auf eins zurück: meine Mutter wollte, ich sei in Arizona, bei meinem Vater. Also ging ich.

Mein Vater rief jede Woche an, aber ich weigerte mich erneut, ihn anzusprechen. Ich fürchte mich vor dem Telefon, vor der Stimme aus dem anderen Ende. Komischerweise war ich auch nicht einmal neugierig. Soweit es mich betrifft, hatte ich keinen Vater. Ich hatte nur ein Elterteil, und sie ist gestorben.

Natürlich dauerte meine schwer fassbare Haltung nur so lange. Ungefähr einen Monat bevor es für mich an der Zeit war, alles, was ich kannte, zu verlassen, kam ich von der Schule nach Hause und stellte fest, dass meine Oma nicht zu Hause war. Ich hatte mir gerade ein Glas Milch in der Küche eingeschenkt (zumindest könnte ich danach Oma Alice sagen, dass ich so gemacht hatte, falls sie dazu fragte), aber in der Tat trank ich direkt aus dem Karton, als das Telefon läutete, und ich hob es nach dem zweiten Ton ab.

“Hallo?” Meine Stimme kam gedämpft heraus, denn ich wischte den Milchbart auf meiner Oberlippe.

Es war ganz still am anderen Ende des Telefons. Ich dachte ich hörte jemanden atmen, aber ich war mir nicht sicher.

“Hallo?” Ich sprach noch einmal an, diesmal ein bisschen ausdrückender. Ich versuchte, auszudenken, wer es sein könnte. Meine Freunde hatten mich gerade abgesetzt, deshalb konnten sie es nicht sein, mindestens keiner meiner Freunde, der mich zu Hause anrufen könnte. Ich fragte mich, ob es sich um einen Telemarketer handelte. Oma Alice gefielen keine Telemarketer, und sie hatte besonders Wert darauf legte, ihnen so zu sagen. Das lernte ich von ihr in den letzten sechs Monaten, und als ich startete, das genau zu machen, kam der tiefe, männliche Stimme aus dem anderen Ende heraus.

“Rory?”

Ich glaube mein ganzer Leib wurde starr vor der einfachen Erwähnung meines Namen durch eine fremde Stimme.

“Rory?” Er sagte noch einmal. Ich musste zu lange geschwiegen haben. „Rory, bist du da?“

Ich schuckte, war plötzlich froh, dass er mich nicht sehen konnte, wie nervös ich war, und zog meine tapferste, und wahrscheinlich arroganteste Stimme an.

“Wer sind Sie?” Ich forderte. Nicht dass ich die Antwort nicht bereits wusste.

Ich hörte ihn seufzen, und dann, “Rory, hier ist dein Vater. Ähm... Sohn...”

“Ich hab keinen Vater.” Ich unterbrach ihn. Ich bin mir nicht sicher, ob das ihm wehtat. Ohnehin würde es ihm recht geschehen. Ich meine, welches Recht musste er mich Sohn nennen? Mindestens brachte ihn das zum Schweigen, wenn auch nur für einen Moment. Und dann hörte ich eine gedämpfte Stimme im Hintergrund und bemerkte, dass er zu jemand anderem redete, aber ich konnte nicht hören, was sie sagten.

“Hier ist Eddie. Dein Vater.” Er sagte nach einer Weile. „Rory, ähm, mein Name ist Eddie Soarda. Du kannst mich als Eddie benennen, wenn es dir damit angenehmer geht.”

„Was kann ich für Sie tun, Herr Soarda?” Ich fragte kalt. Okay, ich gebe zu, ich wollte ihm überhaupt keine Chance geben.

“Eigentlich rufe ich an, um mit dir zu sprechen, Rory.” Er antwortete ruhig. „Ich denke wir brauchen zu sprechen.”

“Sind Sie der Mann, zu dem ich in vier Wochen ziehen muss?” ungeduldig entgegnete ich.

„Ja, ich bin gerade in einen größeren Ort gezogen. Du hast dein eigenes Zimmer und alles. Ich weiß aber wirklich nicht, wie du deine Sachen aufstellen möchtest, aber ich hab einige neue Möbeln, ein Bett, eine neue Kommode gekauft, du kannst alles benutzen, was du willst, oder wir können Alice bitten, deine Sachen von da zu schicken...” Mein Gott, er klang tatsächlich aufgeregt. Vielleicht verwechselte er meine Unhöfflichkeit mit Eifer. Das musste ich klar machen.

“Hör zu, ich hab nichts zu dir zu sagen.“ Ich unterbrach, „Ich werde dich in vier Wochen sehen, denn das ist, was ich tun muss, aber denk niemals, dass mir die Idee gefällt.”

Ich wollte gleich auflegen, aber die Stimme aus dem anderen Ende kam so laut heraus, dass ich erschrocken wurde.

„Rory! Warte, verdammt!“ also letztendlich nervte ich ihn. Aber war das, was ich wollte? „Hör zu, es tut mir leid. Du musst nichts sagen, aber bitte, hör mir zu. Hör mir zu und dann kannst du dich entscheiden, ob du mich auflegen willst. Klar?”

“Wenn ich jetzt auflege, kannst du den Atem sparren.” Ich entgegnete, „Ich hab kein Interesse dran, was du zu sagen hast.“

“Na gut.” Er fing an, verärgert zu klingen. Ich machte mir eine Notiz, dass Eddie keine ausreichende Geduld hat, mit einem Teenager klarzukommen. Ich wunderte mich, wie er mit einem schwulen umgehen würde. “Das muss dich nicht unbedingt interessieren und du musst auch nicht zuhören, aber ich sag’s ohnehin. Es ist für mich auch nicht einfacher, Rory. Ich weiß du ärgerst dich und da hast du jedes Recht. Aber es gibt Dinge, die du wissen musst, bevor du dich beschließt, mich zu hassen, okay? Ich...” Mehr gedämpfte Stimmen. Mit wem zum Teufel redete er denn?

“Hallo?” Ich sagte ungeduldig.

“Entschuldigung.” Eddies Stimme kam zurück, klang diesmal ermüdet, besiegt, “Hör zu, ich weiß du willst nicht mit mir reden, Rory. Aber wir brauchen zu sprechen. Es ist nur, dass... einige Dinge sollen persönnlich besprochen werden.”

„Na gut.“ Ich runzelte die Stirn, „Dann kannst du sie in einem Monat besprechen. Nun, wenn das war’s...“

„Nein, Rory. Noch nicht.“ Er klang traurig, sogar verzweifelt. Es tat mir fast leid als ich mich daran erinnerte, dass ich ihn nicht einmal mochte, aber dann musste er fortsetzen, die nächsten Worte zu sagen. “Es tut mir leid wegen deiner Mutter, Rory.”

Das war es. Er hatte kein Recht, über sie zu reden.

“Es tut dir leid?” Ich forderte. “Wie kann es dir leidtun? Du kennst sie gar nicht einmal!“

„Rory...“

„Nein!“ Ich schrie auf, „Mir egal. Es ist mir egal, für wen du dich hälst! Du hast meine Mutter nicht gekannt! Und du bist nicht mein Vater! Hörst du mich? Du bist nicht mein Vater!”

„Rory Norrick!“ Oma Alices Stimme drönte in meinen Ohren, ich drehte mich um und sah ihre fünf-foot (152,4cm) Gestalt hinter mir, ihre kurzen grauen Haare lockerten sich um ihr Gesicht und sie hatte einen rosa Overall an.”Die ganze Nachbarschaft kann dich hören, nun darfst du nicht mit dieser Haltung zu deinem Vater reden!”

Ich verzog das Gesicht. Ich hasste, meiner Oma auf die Nerven zu gehen. Ich verlor sicher mein Wochenende, denn ich müsste nachsitzen. Ich ließ meine Stimme sinken und sprach wieder ins Telefon.

“Hör zu, ich hab nichts zu dir zu sagen. Ich hab... Ich hab einfach nichts.”

Ich ließ das Telefon fallen und das Kabel hielt es zurück, bevor es auf den Boden aufschlug, und dann ging ich weg, ließ Oma Alice es aufheben, wenn sie es wollte. Das war das erste bzw. letzte Mal, dass ich noch vier Wochen mit Eddie sprach.

Ich glaube es traf mich nicht ganz, bis zur letzten Minute, dass ich mein Heim für immer verlassen würde. Alle meine Freunde wussten, dass ich wegging, aber ich machte so, als wäre nichts. Ich nahm die Realität der Situation nicht wirklich wahr. Ich fühlte mich nur, betäubt.

Ich teilte meinen engsten Freunden meine neue Adresse mit und sie versprachen, in Kontakt zu bleiben, aber ich denke nicht, dass ich ihnen glaubte. Es war nicht, dass ich dachte, sie kümmerten sich nicht darum. Ich wusste doch, aber nachdem meine Mutter gestorben war, ließ ich mich weg. Ich weiß nicht. Vielleicht bereitete ich mich unterbewusst auf das Unausweichliche vor, dass ich verlassen müsste.

Ich glaube es traf mich auch nicht ganz, bis es zu spat war, wie sehr ich alle vermissen würde. Da waren drei von uns, die zusammen aufwuchsen, ich, Jason und Nathan. Wir waren beste Freunde, zumindest bis zu den letzten Monaten, als ich mich langsam von ihnen entfernte, und Jason und Nathan wurden zu besten Freunden. Ohnehin würde ich sie vermissen. Ich entschied mich, dass ich in Kontakt mit ihnen bleibe, mindestens war ich in der Lage, einen Brief zu schreiben, sogar wenn es keine andere Möglichkeiten gäbe.

Ich schwieg auf dem Weg zum Flughafen. Meine Großmutter versuchte, mir zu sagen, dass ich Eddie sehr mögen würde, aber ich machte nichts daraus. Um ehrlich zu sein, war ich nicht einmal auf Herr Samenspender neugierig. Ich beschloss einen Monat zuvor durch den Anruf, dass er mir nicht gefiel, und ich ließ ihn mich nicht einschüchtern.

Oma Alice weinte nicht, als wir uns verabschiedeten, sondern gab mir einen Vortrag über Manieren und sagte, sie würde mich bald sehen, und ich glaubte ihr. Ich ging los, für immer. Mindestens dachte ich so.
(Fortsetzung folgt...)

In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 28 Mär 2018, 01:32

...Fortsetzung von Kapitel 1

Ich erinnerte mich nicht genau an den Flug, nur daran, dass ich gar nichts sehen konnte wegen der Verschmutzungsschicht, die den Horizont trübte, als wir ins Phoenix-Terminal gelandet sind. Und, als ich aus dem Flugzeug ausstieg, war ich im Grunde alleine. Wahrscheinlich war das alles, was ich heutzutage von der Flughafensicherheit erwarten konnte. Sowieso würde Eddie auf mich bei der Gepäckausgabe warten, so wurde mir von Oma Alice gesagt. Das war nicht wirklich hilfsreich, denn ich hatte ihn noch nie gesehen und Oma hatte kein Bild von ihm. Ich fragte mich, ob er Bilder von mir besitzte.

Ich nahm mir Zeit zur Gepäckausgabe, hatte plötzlich dabei Schwierigkeiten, meine Gedanken zu ordnen. Ich war in den letzten Stunden total betäubt, aber jetzt fühlte ich den Drang wegzulaufen und mich zu verbergen. Für einen Augenblick überlegte ich mir sogar, aus dem Flughafen zu fliehen, ohne Eddie zu sehen, aber das würde mir anscheinend nicht besonders gut tun.

Also war ich bei der Gepäckausgabe. Ich holte die zwei Koffer, die ich mit mir in den Flugzeug mitbrachte, ab und stand um das Terminal herum, um jedes vorbeigehende Gesicht zu betrachten. Wahrscheinlich suchte ich nicht nach einer Ähnlichkeit. Wenn Eddie wirklich mein Vater wäre, müsste er dann sicher wie ich aussehen, denn meine Mutter immerhin nicht.

Mama hatte blonde Haare. Sie war eine der schönsten Frauen, die ich kannte, nichts wie jede der albernen TV-Sitcom-Mütter. Sie war groß und schlank und hübsch, mit blonden welligen Haaren und einem perfekten Lächeln. Ich sah nichts wie sie aus.

Ich erbte jedoch ihre Augen. Wir beide hatten die gleichen ovalen, grünen Augen. Aber sonst sah ich nichts wie sie aus. Meine Haut war dünkler, auch meine Haare. Sie waren nahezu schwarz und ich hielt sie fast rasiert, wie die anderen in meiner Schwimmmanschaft. Während meine Mutter feinere, weiblichere Gesichtsmerkmale hatte, war mein Gesicht anscheinend aus Geraden gebildet, damit es männlicher als jungenhaft aussah. Ich würde nicht sagen, dass ich groß war, denn mit sechzehn maß ich nur fünf-foot-acht (172,7cm), aber auch wie immer verglich ich mit meinen zwei sechs-foot (183cm) großen Freunden.

Ich würde auch nicht sagen, dass ich ein Streber war, da hatte meine Mutter sichergestellt, dass ich genug Selbstgewusst hatte, um zu vermeiden, dass ich zum schweigsamen Kind im Hinteren des Klassenraums wurde. Außerdem hatte ich keine Lesebrille, und ich hatte auch nie so eine getragen. Ich hatte mich immer als langweilig bezeichnet.

Ich wusste nicht, wie lange ich da stand und mich wunderte, mit wem ich mich treffen sollte, aber irgendwie war es mir klar, als ich ihn sah. Das war ein gutes Gefühl, das ich einfach wahrnahm. Als ich einen großen Mann zu mir gehen sah, stellte ich fest, dass er der Richtige war.

Eddie war gar nicht wie ich erwartete. Ich hatte einen langweiligen, wahrscheinlich im mittleren Alter seinenden Mann mit einem kahlen Kopf, einen Schwächling, den ich ignorieren könnte. Aber da tauchte der sechs-foot-drei (190,5cm) große Bodybuilder im Geschäftsanzug auf.

Und er sah mir ähnlich aus. Ein bisschen.

Ich war auf keinen Fall Bodybuilder. Ich war Schwimmer und sah wie einer aus. Eddie hatte große Muskeln, und es war trotz des Anzugs ganz deutlich, dass er fit war. Er hat die gleichen geraden Gesichtsmerkmale und die dunklen Haaren, aber seine Augen waren auch dunkel. Wenn ich nicht wüsste, dass ich mit ihm verwandt war, würde ich sogar denken, dass er ziemlich heiß war, für einen in seinem Alter.

Dennoch war er nicht zu alt. Da meine Mutter mich mit sechzehn bekam, wäre es auch logisch zu denken, dass mein Leibvater auch jung gewesen war, und Eddie konnte nicht älter als dreißig aussehen.

In der kurzen Zeit, die ich noch hatte, betrachtete ich ihn gründlich und wunderte mich, ob ich ihn entkommen könnte, bevor er mich bemerkte. Als sich unsere Blicke trafen, hielt er an und starrte mich für einen Augenblick an. Vielleicht überlegte er sich, ob ich würdig genug, sein Sohn zu sein, oder vielleicht wollte er mich zur Klinik zum DNA-Test bringen.

Ich machte mir plötzlich Sorge. Ich hatte keine Ahnung, warum ich von ihm einschüchtert wurde. Vielleicht weil er so aussah, als könnte er mich in Hälften zerbrechen. Oder vielleicht weil ich nie in meinem Leben eine Vaterfigur gehabt hatte und nicht wusste, wie ich jetzt mit ihm umgehen sollte. Oder vielleicht weil ich schwul war und wenn er das entdeckte, würde er mich in Hälften zerbrechen. Hatte ich es schon einmal erwähnt? Eddie war der Inbegriff der Männlichkeit. Er sah wie ein Sportler aus. Ich wusste schon, dass Menschen wie er nicht mit Schwulen vertragen. Sie wollten sicherlich keine schwulen Söhne haben.

Wie konnte mir meine Mutter das tun?

Als Eddie erneut in meine Richtung ging, richtete ich meine Schultern auf, zog mein bestes Pokerface an und beschloss, ihn auf halbem Weg zu treffen, also alles, sodass ich selbstsicher wirkte. Wir blieben direkt voreinander stehen, maßen uns gegenseitig an. Er versuchte, nicht nervös zu wirken, und ich... also ich versuchte nicht so auszusehen, als würde ich mir gleich in die Hose machen.

„Rory.“ Eddie sprach zuerst, nachdem er sich geräuspert hatte. Es war dieselbe tiefe Stimme vom Telefon. Als er seine Hand ausstreckte, schaute ich sie nur an, dann richtete meinen Blick so trotzig wie möglich zu seinem Gesicht.

“Eddie.” Ich antwortete mit meiner neutralsten Stimme.

Er runzelte die Stirn und senkte seine Hand, wischte sie gegen seine Hose, um seine Unsicherheit zu verstecken, weil ich abgelehnt hatte, seine Hand zu schütteln. Wir blieben da still stehen für eine weitere unbehagliche Weile. Ich wartete, während Eddie sich wahrscheinlich fragte, was er einem nervigen Kerl wie ich tun sollte.

Er starrte mich nur lange an, und ich hatte es satt zu versuchen, hartnäckig zu wirken. Es war nur die Frage der Zeit, bis ich vom einem Fuß zum anderen wechseln würde, und dabei wie das verängstigte Kind, das ich war, aussah. Ich konnte nicht aufgeben, nein Sir.
“Werden wir hier für immer stehen?” Ich frage ungeduldig.

Eddie schüttelte den Kopf auf die seltsame Art und Weise, wie die Leute es tun, als könnte er ihn auf diese Weise klären, dann schaute er auf meine Koffer.

“Ähm, los geht’s.” Er antwortete.

Er griff zur gleichen Zeit wie ich nach meinen Koffern. Es gelang ihm vor mir, und ich war etwas beeindruckt von der Art, wie er sie beide mühelos vom Boden aufhob, in Anbetracht dessen, dass es mir schon mühsam war, sie mit mir zu ziehen.

“Ich hab es.” Er sagte, “Wir haben da geparkt.”

Eddie führte mich durch den Flughafen, er wusste offensichtlich wo hinzugehen und ich folgte ihm langsam. Vielleicht lief ich zu langsam, denn er musste sich verlangsamen, damit ich mithalten konnte. Ich hatte dieses Problem, dass meine Beine schwerer zu sein schienen, wenn mir nervös war. Also machte ich es ehrlich nicht absichtlich. Aber jedes mal wenn er über seine Schulter nach mir sah, wandte ich mich ab, als wäre nichts.
Als wir erst aus dem Flughafen gingen, traten wir in ein überdachtes Parkdeck hinein. Das Licht war schwach, und außer der Deckenbeleuchtung war es überhaupt nicht hell. Aber ich würde den Ansturm der heißen, trockenen Luft, die mich traf, nie vergessen. Also das war Arizona. Auch die Luft roch anders. Ich war mir nicht sicher was für Geruch das war. Der Wüste, vielleicht, aber ich fühlte mich weiter weg vom Zuhause als je zuvor.
Nachdem Eddie mich zu einem großen, weißen Suburban geführt hatte, trat ich zurück und beobachtete, wie er mühelos meine Koffer in den Kofferraum lud. Dann drehte er sich um und sah mich an. Er lächelte, als er die Schlüssel anhob und sie hochhielt.

“Willst du fahren?” Er fragte fast hoffnungsvoll.

Verlor dieser Mann seinen Verstand? Wer bittet denn einen fremden Teenager, sein Auto zu fahren? Ganz zu schweigen von einem so groß wie seins. Wenn er ein Lächeln von mir erwarten würde, dann müsste er enttäuscht sein, weil ich meine Augen verengte und ihn für einen Idioten hielt.

“Willst du, dass ich es zerstöre?” Ich fragte kalt, “Ich kann nicht fahren.” Danach ging ich ohne Einladung an ihm vorbei und blieb an der Beifahrertür stehen, gab keine Acht darauf, wie seine Schultern zusammensackte, bevor er zu seiner eigenen Tür ging.

Sobald die Beifahrertür entriegelte, öffnete ich sie, griff zurück, um die Hintertür zu entriegeln, schloss sie dann wieder. Ich bemerkte, wie Eddie mir die Stirn runzelte, als ich beim offensichtlichen Versuch, von ihm zu distanzieren, auf den Rücksitz kletterte. He sah aus, als wollte er etwas sagen, machte es aber nicht, dann drehte er den Zündschlüssel und fuhr los.

Im Inneren des Autos war es für die ersten zehn Minuten furchtbar heiß, und sobald die Klimaanlage zu funktionieren begann, war ich wirklich dankbar. Ohnehin ließ ich ihn es nicht wissen. Großenteils starrte ich nur aus meinem Fenster. Phoenix war hell. Und flach. Und trocknen. Die Palmen, die einige Straßen säumten, waren irgendwie fehl am Platz, und ich glaubte, ich hatte nie so viele Kakteen gesehen.

Wir müssen ungefähr dreißig Minuten gefahren sein, bevor Eddie etwas sagte. Vorher sah er mich nur hin und wieder durch den Rückspiegel an. Ja, ich gebe es zu, ich sah ihn auch an. Aber es lag nur daran, dass es immer gut ist, den Feind im Auge zu behalten.

“Du bist sechzehn?” Er fragte mich.

„Jap.“ Ich murmelte, ohne in seine Richtung zu sehen.

“Sollst du nicht bereits fahren können?” er fragte weiter, „Die meisten Kinder deines Alters können nicht darauf warten, einen Führerschein zu kriegen. Warum hast du es nicht gelernt?”

“Meine Mutter war zu krank, mir beizubringen.” Ich murmelte.

Eddie verstummte wieder für einige Minuten. Ich hoffte, er würde mich einfach in Ruhe lassen. Natürlich hat er nicht.

“Ich nehme an, du hattest damals nicht so viele Möglichkeiten”, er grinste, „Wenn ich mich richtig erinnere, sollte Alice nicht fahren dürfen, geschweige denn, irgendjemandem das beizubringen.”

War das nicht die Wahrheit. Meine Großmutter war eine schreckliche Fahrerin. Sie fuhr nicht wie die meisten Omas vierzig Meilen pro Stunde unter der Höchstgeschwindigkeit. Nein. Oma Alice hatte mehr Strafzettel auf ihre Akte als ich zählen konnte, und dazu auch einen widerrufenen Führerschein. Auf jeden Fall hielt es sie nicht vom Fahren ab. Es war irgendwie lustig, darüber nachzudenken.

Verdammt! Er brachte mich zum Lächeln.

“Weißt du,” Eddie sagte. Selbstvertrauen kehrte in seine Stimme zurück. “Ich könnte es dir beibringen, wenn du willst. Das Haus ist irgendwie weitweg von hier, es könnte nützlich sein, fahren zu können.”

„Ich will nicht lernen.“ Ich sagte kurz. Das stimmte nicht. Zu Hause war es mir satt, von meinen Freunden herumgefahren zu werden, weil ich keinen Führerschein hatte. Aber ich wollte nicht, dass er mir es beibrachte.

“Jeder sollte fahren können.” Eddie bestand darauf.

“Ich will nicht lernen, okay?” Ich sagte ungeduldig.

Ich hörte ihn seufzen und dann war es wieder still.

“Deine Oma sagte, du magst schwimmen.” Er sagte nach einigen Minuten.

Ich grunzte meine Antwort.

„Warst du in der Mannschaft deiner Schule?“

“Ja.” Ich runzelte die Stirn.

„Ich glaube, dir wird die Schule hier gefallen.“ Eddie setzte fort, „Es gibt da auch eine Schwimmmanschaft, weiß du?”

„Was auch immer.“

……………..

Als Eddie erwähnt, dass sein Haus “weitweg” sei, erwartete ich nicht wirklich, dass wir eine zwei Meilen (3km) lange Feldstraße entlang außerhalb der Stadt zum scheinbar einzigen Haus in der Mitte der Wüste fahren müssten. Und es ging nicht um eine Sandwüste. Nein, da waren Kakteen und trockenes Gras, vermischt mit Unkräut, ein Hügel in der Ferne, der so aussah, als wäre er aus Lavastein, und überhaupt kein Schatten.

Nicht, dass es kein tolles Haus war. Doch. Eigentlich war es mehr als ich erwartete. Es war viel besser als die Wohnung, in der ich mit Mama aufwuchs. Die Auffahrt war gepflastert und führte zu einer Garage für drei Autos, während der Vorgarten als Steingarten aus roten und weißen Felsen eingerichtet war. Dahinter stand das sandfärbige Ziegelhaus.

Und es war ein großes Haus. Ein Familienhaus. Neben der Haustür standen drei Mountainbikes von drei verschiedenen Größen. An der Seite, etwa zwanzig Meter entfernt, befand sich ein großes, gut erhaltenes aber offensichtlich unbenutztes Gebäude, das wie eine Scheune aussah, und überall hingen Windspiele. Es kam plötzlich zu mir der Gedanke, dass Eddie nicht alleine lebte. Nicht in diesem riesigen Haus. Und er hatte im Telefon gesagt, dass er meinetwegen zu einem größeren Ort gezogen war. Ich dachte, er meinte dabei, dass er von einer Einzimmer- zu einer Zweizimmerwohnung gezogen hätte.

Es war mir nie in den Sinn gekommen, dass Eddie wahrscheinlich schon eine eigene Familie hatte. Wunderbar. Einfach wunderbar. Ich wurde nicht nur gezwungen, hier zu leben, es schien sondern auch so, dass ich mit einer Familie leben müsste, die mich ganz am Anfang nicht wollte. Es gefiel mir nicht. Überhaupt nicht.

Ich war eines jener Kinder, die nie Brüder oder Schwestern wünschten. Ich war gern ein Einzelkind, und wollte es nicht ändern. Ich geriet langsam in Panik. Es reichte mir schon, Eddie kennenzulernen. Ich hatte mich nicht vorbereitet, mehr lange verlorene Verwandten kennenzulernen.

Trotzdem folgte ich ihm durch die Haustür. Das Innere des Hauses war genau so schön wie das Äußere, groß und offen. Die Haustür öffnete sich zu einem geräumigen Wohnzimmer und eine weite Halle leitete zu einer großen Küche. Es gab Treppen, die sowohl nach oben, als auch nach unten führten, und Eddie stellte meine Koffer vor ihnen ab, bevor er sich zu mir umdrehte.

Er sah aufgeregt aus, lockerte seine Krawatte, und ich blieb vor der geschlossenen Tür stehen, fühlte mich dabei ein bisschen gefangen.

“Hast du Hunger? Durst?” Er fragte.

“Nein.”

“Ich hol dir was zu trinken.” Trotzdem bot er an, dann ging er in die Küche und ließ mich da allein. Ich brauchte nicht lange, das zu tun, was jedes Kind in meiner Situation tun würde.

Ich fing zu schnüffeln an.

Ich ging ins Wohnzimmer, um das große, flauschige weiße Sofa und den breiten steinigen Kaffeetisch herum. Ich blieb kurz stehen, um in ein großes Aquarium zu sehen, das von allerlei Fischen gefüllt war, von denen ich wahrscheinlich noch nie gehört hatte, danach ging ich zu den Regalen an den Wänden. Es gab viele Bilder, aber keine Familienbilder, soweit ich das beurteilen konnte.

Ich schaute genauer hin. Es gab einige, in denen Eddie Geschäftsanzüge trug und mit einer Gruppe älterer Männer bzw. weniger Frauen stand, und ein paar beiläufige Bilder, in denen er inmitten einer Gruppe junger Kinder auf einem Basketballplatz stand. Dann war ein gerahmtes Bild von Eddie, das aussah, als wäre er auf einer Party, er hielt dabei ein Bier und lag sein Arm um einen anderen Mann, der anscheinend Ende zwanzig war. Ich dachte das war Eddies Trinkkumpel.

Ich setzte fort und fand etwas, die wie gerahmte Zertifikate aussahen. Als ich genauer hinschauen wollte, hörte ich Eddie wieder ins Zimmer eintreten und hinter mir stehen.

“Du bist Rechtsanwalt?” Ich fragte, ohne zurückzuschauen.

“Genau.”

“Und auch Arzt?”

“Nein,” Da war ein Anflug des Gelächters in seiner Stimme. “Jase ist der Arzt der Familie.”

„Jase?“

„Er wohnt auch hier.“ Eddie erklärte. “Er ist dein, Onkel.”

“Bist du verheiratet?” Ich fragte, noch ohne zurückzuschauen.

“Nee, noch nie.”

“Kinder?”

“Nur dich, Rory.”

Ich drehte mich um und starrte ihn kurz an. Er hielt ein Diät-Soda in einer Hand und eine Flasche Wasser in der anderen. Er bot mir das Wasser mit einem Lächeln an.

“Alice sagte du trinkst nur Wasser und Saft.“

Ich nahm das Wasser aber machte die Flasche nicht auf. Ich blieb einfach stehen und wunderte mich, was wir jetzt tun sollen.

“Möchtest du dein Zimmer sehen?” Eddie fragte.

Ich zuckte nur mit den Schultern und ließ ihn mich zu den Treppen zurück führen, wo er den schwereren der zwei Koffer aufhob und den übrigen für mich verließ. Ich war etwas erleichtert, als er mich die Treppe hinunter, nicht nach oben führte. Es war nicht, dass ich Angst vor Höhe hatte, ich mag einfach nur in den unteren Stockwerken eines Gebäudes aus irgendeinem Grund schlafen. Das war einfach eine Eigenart. Unsere alte Wohnung war im ersten Stock, und bei den wenigen Familienurlauben sorgte Mama immer dafür, dass unsere Hotelzimmer auch im ersten Stock waren.

“Es wird hier unten in der Nacht kalt, wenn die Luft rinnt.” Eddie erklärte, als er den Schalter am oberen Ende der Treppe drehte, bevor er nach unten ging. “Aber ich kann dir zusätzliche Decken holen, falls du sie brauchst. Ich hörte auch, dass du gern im ersten Stock schläfst, sonst hätte ich dich oben gestellt.”

Also warum war es mich nicht überrascht? Vielleicht hatte er mit Oma Alice mehr über mich geredet, als ich zugeben wollte. Ich fragte mich, was noch er über mich wusste. Ich müsste Oma später telefonieren, um darüber zu fragen.

Dieser Keller war gar nicht wie jeder andere Keller. Ich hatte angenommen, dass er mich in ein kaltes Zementzimmer stellen würde. Das war das einzige Szenario, über das meine überaktive Phantasie gekommen war. Aber natürlich war ich wieder überrascht.

Der Keller war quasi eine ganze freistehende Wohnung vom Haus. Da waren eine Küche, zusammen mit einem völlig möblierten Wohnzimmer, das so aussah, als würde es öfter benutzt, als das vom oben. Ich wunderte mich, ob Eddie, und Jase, mein... Onkel? Hier oft waren.

Ich wunderte mich auch, was zwei ausgewachsene Brüder zusammen in einem Haus machen sollen.

“Das Badezimmer ist da drüben,“ Eddie deutete auf eine geschlossene Tür, als wir den Flur entlang gingen. Es gab zwei geschlossene Türen im Hinteren, “Das ist Lukes Zimmer,” er sagte und nickte zu der linken, „Und ich stelle dich hier rein.“

“Wer ist Luke?” Ich fragte, als er die Tür meines zukünftigen Zimmers aufmachte, “Ein anderer Onkel?”

„Nein.“ Eddie lachte, „Er ist Jases Cousin. Er wohnt auch hier. Ich glaube, ihr werdet miteinander auskommen, er ist ungefähr in deinem Alter, ein bisschen älter.”

„Also er ist dein Cousin?”

„Wie bitte?”

“Du hast gesagt, Jase ist dein Bruder, oder? Dann ist Luke auch dein Cousin?“

„Ach, ja.“ Eddie nickte.

“Wie viele Leute wohnen hier?”

“Nur vier von uns.” Er antwortete, dann drehte er sich um, um in mein Zimmer hineinzuschauen.

Und das war ein riesiges Zimmer. In der Mitte befand sich ein Queensize-Bett, das sogar noch nicht die Hälfte des Raums einnahm. Es gab auch eine Kommode, und einen Schreibtisch, und das war’s.

“Deine Sachen sollen in ein paar Tagen ankommen.” Eddie sagte, „In der Zwischenzeit bin ich mir nicht sicher, was du brauchen würdest. Ich denke, du solltest eine Liste aufschreiben und wir könnten später rausgehen.”

Ich stellte meinen Koffer an der Tür ab und kam an Eddie vorbei, um mich auf mein Bett hinzusetzen, und wirkte dabei, als wollte ich die Festigkeit der Matraze prüfen.

“Ich brauche nichts von dir.” Und ich war wieder kalt.

Das schwache Lächeln auf Eddies Gesicht verschwand und er atmete aus. Er stand einfach da, während ich mich das praktisch leere Zimmer umsah und darauf wartete, dass er wegging. Schließlich blickte er auf und starrte mich mit einem entschlossenen Blick an und verschränkte die Arme vor seiner Brust.

Mir gefiel definitiv nicht, wohin es führte.

“Du magst mich nicht.” Er sagte einfach.

„Meine Güte,” Ich entgegnete, “Ist es so offensichtlich?”

(Fortsetzung folgt...)

SergeyP
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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 29 Mär 2018, 04:53

...Fortsetzung von Kapitel 1

„Und das ist mir egal.“ Brüllte er. Die abrupte Veränderung seiner Stimme brachte mich zur Alarmbereitschaft, und zur neuen Nervösitätsebene, aber ich behielt mein Pokerface, “Warte.” Seufzte Eddie. „Das stimmt nicht. Mir ist nicht egal. Ich will nicht, dass du mich hasst, Rory. Aber diese Haltung... es gibt Dinge, die du nicht weißt. Aber ich denke, es wäre besser, sie später zu besprechen, wenn Jase da ist. Es wäre damit einfacher für uns beide, glaub ich. Nun guck mal, in der Zwischenzeit müssten wir zu einer Art Waffenstillstand kommen. Denk wie du willst, aber ich will dich hier haben.“

„Also nur du.“ Entgegnete ich.

„Ja, Rory, du hast dich mehr als offensichtlich benommen, dass du hier nicht sein willst, und vielleicht kann ich es auch nachvollziehen. Ich verstehe’s, okay? Hier ist nicht dein Zuhause, und es mag dich wahrscheinlich verängstigen, hierher zu ziehen mit einem Vater, den du noch nie gesehen hast...”

„Du bist nicht mein Vater und ich hab keine Angst vor dir!” Brach ich ihn ab.

„Na gut, aber du willst nicht hier sein.“ Ging er ruhig darauf. „Trotzdem wollte es deine Mutter, dass du hierher ziehst. Wenn es nicht der Fall wäre, wärst du noch bei deiner Großmutter und ich...“

„Du was?“ Forderte ich, denn er setzte nicht fort, „Dann würdest du kein Kind haben, das dich nicht haben willst?“

“Wäre es so schlimm, mich einfach kennenzulernen?” Fragte er traurig. „Und sag mir nicht, du hasst mich, denn ich bin ein schlechter Mensch, Rory. Deine Mutter würde es nicht über mich gemeint, und wir beide wissen es.“

„Du hast Recht, sie hat nichts über dich geredet.“ Brüllte ich, „Deshalb darfst du nicht so wichtig gewesen sein. Und wieso wollte ich dich jetzt kennenlernen? Du warst für über sechzehn Jahre verschwunden. Du wärst sogar nicht erschienen, wenn Mama noch am Leben wär. Wieso wollte ich dich jetzt kennenlernen?“

„Weil wir eine Familie sind, egal ob es dir gefällt oder nicht.“ Erwiderte er frustriert, „Und wir schulden uns einander, dass wir versuchen, uns kennenzulernen.“

„Ich schulde dir nichts!“

Eddies Stirn verkrampfte sich, als er versuchte, sich zu beruhigen. Es war mir deutlich, dass er brüllen wollte, aber er hielt es zurück. Ich fragte mich, ob es war, was ich wollte, dass er schrie, oder sich über mich ärgerte. Wenn ich ihn genug auf den Wahnsinn trieb, würde er mich eventuell zurücksenden, wo ich herkam, welches genau meine Wille war.

“Alles klar.” Sagte er nach einer Weile. “Ich schlage vor, wir treffen eine Abmachung.“

„Eine Abmachung?“ Fragte ich skeptisch.

„Genau, eine Abmachung, denn ich denke, das ist die einzige Lösung, dass ich mit dir klarkommen kann.“

„Was für Abmachung denn?“ Das weckte meine Neugier.

„Ich will eine Chance.“ Antwortete Eddie, „Mit dir. Ich will dich kennenlernen, Rory. Du musst mich nicht als Papa benennen, und du musst mich auch nicht einmal als deinen Vater anerkennen. Aber du bist mein Sohn. Ich will dich kennenlernen, und wenn es die einzige Möglichkeit ist, dass ich dich los lassen müsste, werde ich auch annehmen.“

Ich stand auf und starrte ihn an.

„Du wirst mich nach Hause gehen lassen?“ Fragte ich, glaubte dabei nicht, was ich gerade gehört hatte.

„Deine Großmutter und ich haben das vorher besprochen.“ Nickte Eddie. „Sie sagte, wenn es zwischen uns nicht klappen würde, würde sie dich gerne zurück haben. Ich glaube, sie wollte nur, dass du hierher kommst, weil es deine Mutters Wille war.“

“Also du wirst mich loslassen?” Daran zweifelte ich. „Einfach so?“

“Nein.” Erwiderte er fest. “Nicht einfach so. Aber ja, ich werde dich nach Nevada zurückschicken, wenn du es wirklich willst.”

„Ich will’s.“ Sagte ich entschlossen, fühlte mich dabei erleichterter.

„Am Ende des Sommers.“ Schloss er ab.

Dann brach meine Laune zusammen. Den ganzen Sommer? Mit ihm? Ich gebe zu, es war bestimmt besser, als hier für immer bleiben müssen. Aber dennoch, einen ganzen Sommer? Ich hatte also nicht viel zu komprotimittieren, oder?

„Das ist die Abmachung.“ Nickte er, „Wenn du am Ende des Sommers noch gehen willst, werde ich selbst dich in den Flugzeug begleiten. Aber trotzdem will ich in der Zwischenzeit eine Chance haben, dich kennenzulernen. Und ich meine das wahre Du, nicht das wütende Kind, wie das du dich benimmst.“

„Ich weiß nicht, ob ich es schaffen kann.“ Erwiderte ich hartnäckig.

„In Ordnung.” Nickte er, “Aber du kannst versuchen, Rory. Und wer weiß, vielleicht wirst du rausfinden, ich bin nicht ein so schlechter Mensch. Also ist es dir okay? Ich bitte nur um einen Sommer, damit ich meinen... dich kennenlernen kann. Dich kennenlernen.“

Ich wandte mich für einen Augenblick ab, um darüber nachzudenken. Eventuell geht das für mich. All, was ich tun musste, waren auf seine Fragen antworten, für eine kurze Zeit in der Wüste leben, dann kann ich nach Hause gehen. Es hörte sich definitiv besser an, als hier permanent leben.
„Na gut.“ Murmelte ich nach einer Weile. “Was willst du denn wissen?”

„Sollen wir erst die Abmachung treffen?“ Schmunzelte Eddie, streckte mir dabei zum zweiten Mal an diesem Tag seine Hand aus, „Du akzeptierst diese Situation und lässt mich dir zu fahren beibringen. Ich werde hingegen dich gerne am Ende des Sommers nach Hause senden, wenn du’s noch willst.”

Diesmal schüttelte ich seine Hand, aber ich war noch nicht bereit, darüber wie Eddie zu freuen. Ohnehin war ich ein wenig beeindruckt, als seine Hand praktisch meine schluckte. Es war komisch, denn trotz meiner Angst vor ihm, fühlte ich mich doch sicher, als meine Hand in seiner war, genau das Gefühl, als mich meine Mutter umarmte. Ich fragte mich, ob sich kleine Kinder, die Väter haben, auch so fühlen.

“Abgemacht.” Nahm ich es an.

„Prima.“ Lächelte er. “Jetzt, dass wir uns besser verstanden haben, soll ich dir eine Tour ums Haus geben? Ich will, dass du dich hier Zuhause fühlst, Rory, und ich meine es ernst.“

Ich atmete aus und sah mich das Zimmer, das für die nächsten wenigen Monate mein Schlafzimmer sein wird, um, dann wandte zu Eddie ab, und zuckte mit den Schultern.

“Ich hab sowieso nicht viel auszupacken.” Erwiderte ich.

“Gut.” Grinste Eddie, “Komm rauf.”

Wir verbrachte die nächsten dreißig Minuten, rund ums Haus zu wandern. Ich schwieg großenteils, aber Eddie nicht. Es war mir klar, dass es ihm angenehmer ging. Es schien so, je mehr er zu mir sagte, desto weniger gespannter war er.

Laut ihm war der Keller quasi Lukes Königsreich, und obwohl sich dieser Luke oft da unten mit seinen Freunden traf, würde er mich nicht stören, ganz im Gegenteil freute er sich darauf, mich zu sehen.

Neben dem Erdgeschoss befanden sich im Obergeschoss ein Zimmer, das Eddie als ein Fitnessstudio richtete, und zwei weitere Zimmer, eines von ihm und eines von Jase. Als Eddie über Jase redete, konnte ich sagen, dass er ihm nah war. Jase war offenbar nicht nur Arzt, er war auch Physiater, welches ironisch war, denn wir würden wahrscheinlich vorm Ende des Sommers so einen brauchen.

Ich fragte mich, ob mein Onkel und mein... halt, was auch immer Luke war, Cousin zweiten Grades? Ich fragte mich, ob ich mit ihnen auskommen würde, und ich fragte mich, ob sie darüber glücklich wären, dass ich hier war, wie Eddie es erwähnt hatte. Wie auch immer war ich gespannt, sie zu treffen. Ich glaubte, ich war nervöser, Eddies Familie kennenzulernen, als Eddie selbst. Es lag vielleicht daran, dass ich keine Ausreden hatte, sie zu hassen.

Eddie beendete die Tour, indem er mich zum Hinterhof führte. Das war aber nicht wirklich ein Hof, zumindest nicht, was ich je zuvor gesehen hatte. Es gab weder Zaun noch Gras, nur rote Kiese, die einen gepflasterten Bereich umschlossen, in dem sich ein großes, ovales Swimmbad befand. Ich nahm an, so eins in einer Wüste war ein Luxus, und ich musste zugeben, dass ich froh war, es zu sehen. Ich liebte definitiv Schwimmen, ohnehin sagte ich Eddie es nicht. Trotzdem war ich mir sicher, dass er es schon gewusst hatte.

“Also da ist das Schwimmbad,” Lächelte Eddie, “Ich nehme an, ich muss mir keine Sorge machen, dass du dich ertrinkst, oder?“

Ich warf ihm einen giftigen Blick zu, darüber lachte er.

Ich ignorierte ihn und sah mich kurz um. Die Sonne schien hoch, der Himmel schien orange, und die Sonnenblendung ließ mich die Augen zusammenkneifen. Wir hatten nur ein paar Minuten draußen gestanden, aber trotzdem spürte ich schon, wie sich die Schweißschicht auf meiner Haut aufbaute, und unbeabsichtigt fing ich an, mich mit meiner Hand zu fächeln.

“Du wirst dich an die Hitze gewöhnen.“ Eddie kommentierte.

„Denk ich nicht.“ Ich runzelte die Stirn.

„Ganz im Ernst, das wirst du.“ Lächelte er, „Heute ist eigentlich ein Hitzerekord. Normalerweise steigt es erst später auf achtunddreißig Grad.“

Ich stöhnte auf und Eddie lachte wieder.

“Also hast du jetzt Hunger?” Fragte er, „Es ist nicht unbedingt Zeit zum Abendessen, aber ich denke, wir haben Mittagessen versäumt.“

Tatsächlich war ich ausgehungert, aber ich zuckte nur mit den Schultern.

“Kannst du kochen?”

Eddies Lächeln verschwand.

„Ähm. Nein.“ Gab er zu, „Ich kann aber grillen. Aber warte, bis du Jases Speisen probierst.“ Er wurde schlagartig munter. „Ich schwöre, er kann so gut kochen, dass ich überrascht bin, dass keiner von uns dick geworden sind.“

“Dann sollen wir warten, bis er nach Hause kommt.” Ich grinste.

Eddie schmunzelte, aber ich dachte, es lag hauptsächlich daran, dass ich mit ihm herumalberte. Das war das erste Mal, dass ich gelächelt hatte.
„He, ich sagte, ich kann grillen.“ Erwiderte er, “Möchtest du Hamburger?”

Ich zuckte mit den Schultern und Eddie nickte mir zurück zum Haus. Er trat vor mir hinein, und ich war froh, wieder unter die Klimaanlage zu kommen. Aber gerade als ich durch die Glasschiebetür ging, hörte ich einen Hund laut bellen. Ich drehte mich gerade rechtzeitig um und sah einen großen gestromten Boxer, der unkupierten Ohren und aus seinem Mund hängendem Sabber hatte, auf mich mit voller Geschwindigkeit zukommen.
Versteht mich nicht falsch. Ich mag Hunde. Ich zog sie definitiv den Katzen vor. Aber das Biest, das auf mich zukam, ließ mich praktisch rückwarts stolpern und versuchen, es zu entkommen. Es kam knapp zwei Meter vor mir entfernt, bevor ich Eddie hinter mir rufen hörte.

“Cheyenne, sitz!”

So kam die Hündin schlitternd zum Stehen und setzte sich hin, wobei sie frohlich hechelte, als würde sie auf weitere Anweisungen warten.

Ich spürte, wie mir Eddie eine Hand auf die Schulter legte, und warf einen noch ein bisschen erschockenen Blick auf ihn zurück.

“Tut mir leid, Rory.” Lachte Eddie, “Hab keine Angst vor Chey, sie ist harmlos.“

“Du hast eine Hündin?” Fragte ich und ging zur Seite, denn ich fühlte mich ein wenig unangenehm, dass seine Hand auf meiner Schulter war.

„Sie ist quasi Lukes Hündin.“ Antwortete Eddie, „Eigentlich heißt es, dass Luke in der Nähe ist, wenn sie hier ist. Ihr werdet gut miteinander auskommen, da bin ich mir sicher.“

"Eddie?" Wir hörten eine andere männliche Stimme vom Inneren des Hauses, die durch die Wände gedämpft war.

Eddie lächelte und wandte zurück zum Haus.

“In der Küche.” Rief er zurück.

Eddie trat zur Seite, damit ich hineinkommen konnte und Chey folgte direkt hinter mir, als wäre sie mein Schatten. Sie hörte nicht damit auf, ihren Kopf gegen meine Hand zu reiben, um mich darum zu bitten, sie zu schreicheln. Aber ich war zu beschäftigt, mich vorzubereiten, Luke kennenzulernen. Trotzdem konnte der Mann, der gerade in die Küche ging, nicht Luke sein, wenn Luke in meinem Alter war.

Ich erkannt ihn als den in einem der Bilder im Wohnzimmer an. Ich hatte ihn als Eddies Trinkkumpel benannt. Jetzt als ich ihn persönnlich traf, sah er immer noch aus, dass er Ende zwanzig war.

Also das war mein Onkel, nur, dass er Eddie nicht sehr ähnelte. Er hatte kurze, blonde Haare und blaue Augen. Er war kleiner als Eddie, wahrscheinlich knapp sechs-feet (183cm), und obwohl er fit war, war er viel weniger muskelös als Eddie. Er sah dabei freundlich und umgänglich aus. Er grinste Eddie an, aber blieb stehen, als er mich sah, dann wurde sein Lächeln zart.

"Rory," sagte Eddie, “Ähm, der ist dein Onkel Jase.”

Ich sah Jase Eddie einen Blick werfen, den ich nicht nachvollziehen konnte, dennoch lächelte er wieder und kam mir entgegen, streckte dabei seine Hand aus.

“Schön, dich zu sehen, Rory.” Sagte Jase, „Ich bin froh, dass du endlich angekommen bist.“

Ich schüttelte nur seine Hand und nickte. Dann folgte ein stiller unbehaglicher Moment, bevor sich Eddie räusperte und wieder zu Wort meldete.

“Hast du Hunger, Jase?” Fragte er, “Rory und ich wollten gerade was kochen.“

„Kommt drauf an.“ Grinste Jase, „Kochst du, oder eher Rory?“

Eddie schlug Jases Arm, als er an ihm vorbei ging.

„Ich mache Hamburger.“ Erwiderte Eddie, „Also bist du sicher.“

Jase lächelte Eddie einfach an, dann sah er mich an.

„Du musst nach deinem Flug erschöft sein, Rory.“ Sagte Jase, „Du solltest dich für eine Weile ausruhen, ich werde deinen Papa in der Küche überwachen.“

Beide Eddie und ich hielten bei der Verwendung des Worts Papa inne, aber dann nickte Eddie mir zu.

“Du kannst auspacken.” Schlug Eddie vor. “Und wenn du irgendetwas brauchst, sag mir einfach Bescheid.”

Ich hatte das Gefühl, dass die Erwachsenen versuchten, mich loszuwerden. Das konnte nur heißen, dass sie über mich reden wollten. Mir egal. Ich zuckte mit den Schultern und ging aus der Küche heraus.

“Klar.” Sagte ich irgendwie absichtlich, damit Jase wusste, dass ich Eddie nicht als meinen Vater anerkannt.

Ich war nicht dagegen, für eine Weile abzuhauen, denn sowieso musste ich auspacken. All, was ich wirklich hatte, waren meine Kleidungen und einen alten Schal, der zu meiner Mutter gehört hatte. Ich hängte den Schal an den Bettrahmen, dann lud meine Kleider in die Kommode und die Garderobe. Danach nahm ich mir Zeit, das Bett mit der auf der Matraze gefaltenen Bettwäsche zu machen.

Ich hatte meine Tür offen gelassen, nachdem mir Chey ins Zimmer gefolgt war. Es war irgendwie unheimlich. Ich weiß, sie war nur eine Hündin, aber sie schaute praktisch jedes an, was ich tat. Ich war mir nicht sicher, wie ich fühlte, als ihre ihre große braune Augen ständig auf mich hinschauten. Letztendlich fand ich heraus, dass sie einfach wollte, dass ich sie streichelte.

Nachdem ich mein Zimmer ausgeladen hatte, hatte ich keine Ahnung, was zu tun. Ich wollte nicht wirklich, nach oben zu gehen. Ich fühlte mich immer noch seltsam in der fremden Umgebung, deswegen entschied ich mich, auf dem Sofa im Keller zu sitzen, als ich meinem Zimmer verließ. Da denkte ich nach und kratzte zerstreut Cheys Ohren, als sie ihren Kopf in meinen Schoß legte.

Der ganze Tag fühlte sich irgendwie surreal. Ich hatte immer wieder erwartet, aus einem Traum in meinem eigenen Bett zu Hause aufzuwachen. Zuhause. Ich vermisste Zuhause. Ich vermisste meine Freunde. Ich vermisste sogar Oma Alice. Und das war noch nicht einmal ein ganzer Tag.
Ich hatte immer noch den ganzen Sommer vor mir. Mindestens konnte ich es ertragen. Dann würde ich nach Hause gehen. Ich hatte einen Sommer durchzukommen, dann wäre dieser ganze Alptraum vorbei.

Wahrscheinlich war Eddie wirklich nicht böse. Auf jeden Fall hieß es nicht, dass ich ihn mochte. Ich konnte ihn nicht für Vater halten. Ich hatte keinen Vater gehabt, und ärgerte mich noch darüber, dass Eddie jetzt versuchte, einer zu sein. Ich war sechzehn, und meiner Meinung nach schon zu alt, Papa zum ersten Mal zu treffen.

Ich fing wieder an, an meine Mutter zu denken, und wunderte mich dabei, warum sie mir es getan hatte, warum sie gewollt würde, dass ich ihn nach all der Zeit traf. Niemand hatte mir über meinen Vater geredet, als ich aufwuchs. Niemand. Aber urplötzlich bestanden alle darauf, dass ich ihn kennenlernen sollte. Ich konnte es nicht nachvollziehen. Ich wusste auch nicht, ob ich es nachvollziehen wollte.

Ich wünschte, dass meine Mutter noch am Leben wäre, sodass ich sie fragen konnte. Ich vermisste sie. Wenn sie da wäre, würde ich mich eventuell nicht so verloren fühlen. Aber dann hatte ich finsterere Gedanken. Vielleicht hatte Mama das absichtlich getan. Vielleicht war es ihr wirklich nicht okay, dass ich schwul war. Was wäre, wenn sie gedacht hätte, dass sie schuld daran war? Weil ich nie eine Vaterfigur hatte? Was wäre, wenn sie wollte, dass ich bei einem realen Mann wohnte, der mich beeinflussen konnte, kein Schwuchtel zu sein?

Okay, also jetzt überreagierte ich. Ich schüttelte diese Gedanken schnell weg. Meine Mutter würde mir es nie tun. Sie würde nie etwas getan, mir wehzutun. Aber warum hatte sie es getan? Warum jetzt? Warum wollte sie nach sechzehn Jahren, dass ich jetzt einen Vater hatte?

„Wenn du sie weiterhin so verwöhnst, würde sie die falsche Vorstellung bekommen, dass sie etwas Besonderes ist.“ Kam eine sarkastische Stimme hinter mir heraus.

Ich drehte meinen Kopf um und schaute dabei in das beschaulichste Paar blaue Augen, die ich je zuvor gesehen hatte.

Er schien meines Alters zu sein, oder eventuell ein Jahr älter. Er war größer als ich, aber wie auch immer so waren die meisten Leute, die ich kannte. Er zog ein weißes Muskelshirt und eine beige Shorts an, lehte über die Sofalehne und sah Cheys Kopf in meinem Schoß an.

Seine Haut hatte eine gesunde goldene Bräune, was hieß, dass er offensichtlich viel Zeit draußen verbrachte. Er mochte trainieren, nicht so viel wie Eddie, aber seine Arme waren deutlich definiert, und sogar auch seine Brust. Er hatte dunkelblonde Haare, die als weiche Spiralen über seine Stirn fielen. Ich brauchte zwei volle Sekunden zu erkennen, dass die atemberäubende Reaktion, die ich auf ihn hatte, Anziehung war. Das war mir nie geschehen. Ich brauchte zwei weitere Sekunden zu erkennen, dass er Luke sein musste, was hieß, dass ich mit ihm verwandt war, und ich sollte nicht an ihn als den feuchten Traum von heute denken. Er bestätigte es nur nach einer Weile, als er mir ein Lächeln weißer, gerader Zähne zuwarf, und seine Hand austreckte.

"Ich bin Luke."

Ich nahm seine Hand und anstatt meine schütteln, drückte er sie leicht.

"Rory." Stellte ich mich vor.

„Ja, ich weiß.“ Grinste er. “Du bist der Einzige, über wen alle mittlerweile reden.“

Als ich ihm einen fragenden Blick warf, zuckte er nur mit den Schultern, dann hüpfte über die Rückenlehne des Sofas und landete auf dem Platz neben mir. Im Moment, als sick Luke hingesetzt hatte, ging Chey loyal zu Luke, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen.

“Eddie hat sich ziemlich darauf gefreut, dass du kommst.” Erklärte Luke.

„Ach so.” Runzelte ich die Stirn.

„Also,“ Lachte Luke, „Du fühlst dich anscheinend nicht das Gleiche. Er sagte, du seist nicht so glücklich, hier zu leben.“ Dazu zuckte ich nur mit den Schultern. „Eddie ist ein guter Mensch, das wirst du sehen. Und ich nehme an, wir sind jetzt Nachbarn, also wenn du irgendetwas brauchst, frag mich.“

„Danke.“ Murmelte ich.

Er gab Chey einen Klaps, dann stand abrupt auf.

“Ich brauche eine Dusche.” Sagte Luke, als er sein Hemd auszuziehen anfing, und dabei seine flache Bauchmuskeln freilegte, bevor er an mir vorbeiging. „Heute ist es heiß.“

Als er damit fertig war, sein Hemd auszuziehen, und ich seinen langen breiten bemuskelten Rücken im Flur verschwinden sah, fand ich seine Wortwahl irgendwie lustig. Etwas war definitiv heiß. Ich war mir nicht mehr sicher, ob es nur am Wetter lag.

Ich schüttelte mir den Kopf und setzte fort, Chey für eine Weile zu streicheln und wunderte mich, warum sie so viel Zeit brauchten, um Hamburger zu machen. Sobald ich das Wasser im Badezimmer abgestellt werden und die Tür aufschwingen hörte, hörte ich auch Eddies Stimme vom oben.

“Das Essen auf dem Tisch!” Rief er.

Ich hatte nicht zu erwidern vor, deswegen war ich überrascht, als ich plötzlich Lukes Stimme hörte, und mein Kopf drehte sich dabei um.

“Verlasst einfach etwas für uns!” Rief Luke zurück, als er vollständig nackt im Flur stand und seine Haare mit dem Handtuch abtrocknete.

Ich hatte also nackte Jungen vielmals gesehen, denn es war in der Schwimmmanschaft unvermeidlich, und obwohl es mich nichts ausmachte, ab und zu hinzusehen, hatte ich nie das Bedürfnis, bis zu diesem Moment zu starren.

Ich starrte auf Lukes lange, kräftige Beine, auf seine breiten Schultern, starken Brustmuskeln und braunen, kreisförmigen Brustwarzen, auf seine lockigen, blonden Schamhaare und seinen schlaffen Schwanz, der gegen seine schweren Eier schwang. Ich war zu Tode erschrocken, als er seine Augen von der Treppe zu meinen bewegte und zwinkerte, bevor er sich umdrehte und langsam zu seinem Zimmer ging. Diesmal schaute ich seinen hohen, runden, hellen Po im Flur verschwinden.

Oh ja. Definitiv heiß.

Ich starrte ein paar Minuten auf Lukes geschlossene Tür, dann erinnerte mich daran, dass ich Hunger hatte, und das Essen oben wartete. Aber ich hatte im Moment ein Problem, mich zu bewegen. Ich schob Chey den Kopf von mir weg und starrte verärgert auf die unwillkomene Beule, die meine Jeans zeltete.

“Er ist dein Cousin.” Erinnerte ich sie.

Chey sah mich an, als wäre ich verrückt. Vielleicht war ich. Aber das war sowieso schon ein verrückter Tag. Ich traf meinen Leibvater, den ich noch nicht genau kannte, einen Onkel, den ich nicht gewusst hatte, dass ich ihn hatte, und einen Cousin, auf den ich schamvoll stand. Das Letzte war das größte Problem für mich.

Als mir das Leben unter den Füßen weggezogen wurde und ich abrupt gezwungen wurde, nach Arizona mit der Familie, die ich nie wollte, zu ziehen, dachte ich, dass zumindest mein größtes Geheimnis sicher wäre. Luke veränderte aber alles. Ich würde etwas herausfinden müssen, und schnell. Ich wollte auf keinen Fall zum ersten gemeinsamen Abendessen mit diesen Leuten kommen, wobei sie denken würden, dass ich ein drittes Bein hatte.
Ich begann zu fühlen, dass ich einen sehr interessanten Sommer hätte.

Ende des Kapitels 1

SergeyP
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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 29 Mär 2018, 14:07

Nächste Woche kommt das Kapitel 2, Die erste Nacht

SergeyP
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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 04 Apr 2018, 00:27

[2] Die erste Nacht

Ich fand es irgendwie falsch, Hamburger an einem formellen Esstisch zu essen. Zumal machte es mich unangenehm, da ich bei den drei Typen war, die ich bis dahin als Familienglieder noch nicht erkannt. Es half auch nichts, dass mich alle drei verstohlen beobachteten.

Ich hasste es, dass mich Menschen beim Essen anschauten. Es war nicht die Art und Weise, wie ich aß, die sie beobachteten. Eher mich. Ich fühlte mich, als wäre ich ein Eindringling. Es war am Tisch still und unbehaglich, und ich glaubte, sei ich nicht da gewesen, hätte es keine so ohrenbetäubende Stille gegeben.

“Na, wie alt bist du, Rory?” brach Jase das Schweigen.

Ich schuckte das Wasser runter und sah über den Tisch auf meinen neu entdeckten Onkel.

“Sechzehn.” Antwortete ich.

“Sophomore?” Fragte Luke.

“Ich werde nächtes Jahr zum Junior.”

Dann kam wieder Stille. Ich wunderte mich, wie lange es noch dauern sollte.

„Rory ist Schwimmer.“ Sagte Eddie beim Versuch, das Gespräch zu verlängern.

„Ach so?“ Lächelte Luke, „Ich kenne ein paar Kerle aus der Schwimmmanschaft. Ich kann dich vielleicht vorstellen, falls du nächtes Jahr beitreten willst.“

„Seit wann kennst du Schwimmer?“ Grinste Jase Luke an, „Normalerweise bringst du mit nach Hause nur deine Ringenkumpel.“

“Rick Leto ist doch Schwimmer.” Erwiderte Luke.

„Musst du nicht.“ Unterbrach ich ihn, „Ich gehe sowieso nicht zu deiner Schule.“

Beide Luke und Jase warfen Eddie, der plötzlich unangenehm zu sein schien, ihren fragenden Blick zu.

„Rory und ich haben vereinbart.“ Erklärte Eddie und stocherte mit der Gabel seine Pommes.

„Oh?“ Sagte Jase. Es schien, als hätte Jase Eddie wütend angestarrt, und irgendwie machte mich die Spannung zwischen ihnen unbequem. Vielleicht weil es sich um mich handelte.

“Ja.” Nickte Eddie, blickte endlich auf, “Wir haben abgemacht, dass Rory einen Sommer bleibt, dann wird er vorm nächsten Schuljahr zu seiner Oma zurückkehren... wenn er’s will.“

Definitiv wollte ich es. Daran bestand kein Zweifel.

„Ach so.“ Nickte Jase, „Dann müssen wir diesen Sommer zusammen was Spannendes machen, Rory.“

„Genau.“ Lächelte Eddie, „Wir können eventuell einen kleinen Ausflug machen oder sowas.“

Darauf ging niemand ein und die Stille kam nochmal zurück, bis alle mit dem Essen fertig waren. Ich wusste nicht genau, woran sie dachten. Luke blickte mich ständig seltsam an, während Eddie und Jase anscheinend eine stumme Unterhaltung führten. Eddie sah frustriert aus, während Jase über etwas verärgert zu sein schien.

Schließlich räusperte sich Eddie und sah mich an.

„Rory, hast du hier alle Sachen, die du brauchst?“ Fragte er, „Wir haben heute Abend noch Zeit, rauszugehen. Hast du ne Liste aufgeschrieben?“

„Ich brauche keine Liste.“ Zuckte ich mit den Schultern. “Aber ich hab meine Zahnbürste vergessen:”

„Wir können eine kaufen gehen.“ Lächelte Eddie.

„Luke, kannst du Rory zum Geschäft fahren?“ Fragte Jase, „Dann kannst du ihn zu deinen Freunden mitbringen und ihn vorstellen.“

„Rory ist nach seinem Flug müde, ich kann ihn fahren.“ Warf Eddie Jase einen wütenden Blick zu.

„Er ist jung.“ Behauptete Jase, „Ich bin mir sicher, er trifft sich sowieso lieber mit den Kindern seines Alters.“

Okay, vielleicht waren sich die Brüder nicht so nah wie ich gedacht hatte.

„Das kann er morgen machen.“ Runzelte Eddie die Stirn.

Luke lehnte sich herüber und tippte mit der Handfläche auf den Tisch, um meine Aufmerksamkeit zu bekommen.

„Willst du rumhängen?“ Fragte er.

„Klar.“ Antwortete ich. Ich ging ohnehin lieber mit Luke als Eddie. Ich glaubte, Eddie wollte mir damit näher kommen, aber ich war nicht in der Stimmung dafür.

“Na gut.” Zuckte Eddie mit den Schultern und sah Luke an, “Bleibt nicht zu spät draußen. Und Rory muss seine Oma erst telefonieren.“

Das musste ich tatsächlich machen. Ich hatte einige zu beantwortende Fragen, und ehrlichgesagt vermisste ich schon die alte Frau. Mindestens war mir ihre Stimme etwas Bekanntes.

Ich nahm das Telefon mit zu meinem Zimmer, denn ich wollte, dass unser Gespräch nur zwischen uns wäre.

Das Gespräch mit Oma war genauso, wie ich mir vorgestellt hatte. Die ersten dreißig Minuten gab sie mir Vortrag, wie ich mich benehmen sollte, wiederholte sich bei manchen Punkten, erst dann setzte sie fort, sich nach meinem Wohlergehen zu erkundigen.

“Hast du schon gegessen?” Fragte sie.

„Ja, ma’am.“

„Was hast du denn gegessen?“

„Cheeseburger.“

„Hast du Gemüse gegessen?“

„Ähm, nein.“

„Dann stell sicher, morgen doppelt so viel zu essen.“

“Ja, ma’am.”

“Ist dir warm genug?”

“Oma, ich bin in Arizona!”

„Ja, aber wer weiß, es kann kalt werden. Ich habe ein paar Sweatshirts mit deinen Sachen eingepackt. Ich schicke sie dir morgen.“

“Danke ma’am.” Seufzte ich. “Oma, ich rufe dich an, weil ich dich was fragen möchte.”

„Weiß ich schon. Wie geht Eddie mit dir um?”

„Ähm... okay. Hör zu, Oma, er weiß scheinbar viel über mich. Ich weiß, ihr habt euch gesprochen und...”

„Was hast du denn erwartet?“ Unterbrach sie mich, „Wir konnten dich nicht einmal ans Telefon bringen. Du bist genauso stur wie dein Opa John. Ich liebte meinen Mann, aber ich schwöre der Typ...“

“Oma! Bitte, ich muss wissen, wovon du Eddie erzählt hast. Was noch über mich hast du ihm erzählt? Ich meine, was Persönliches?“

„Rory, wenn du wissen willst, ob ich ihm erzählt habe, dass du schwul bist, dann ist natürlich die Antwort nein.“

„Oma!“ Zischte ich.

„Beruhige dich, Rory. Das lauscht niemand.“

“Aber du hast nicht davon erzählt?”

„Das musst du ihm selbst erzählen. Das wollte deine Mutter sowieso. Also wann wirst du ihm darüber sagen? Ich denke, du solltest es bald erledigen. Es wär am besten, sofort alles klar zu machen.“

„Das werde ich ihm nicht sagen. Bist du verrückt? Ich kann es nicht!“

“Und warum nicht?” Forderte sie. Ich konnte praktisch sehen, wie sie ihre Füße tippte und auf meine “gute” Erklärung wartete. “Er ist dein Vater, Rory. Außerdem wird er es sowieso selbst rausfinden, wenn du ihm nicht davon erzählst. Ehrlichgesagt, Schatz, bist du echt offensichtlich, sowas vor Eddie zu verstecken.“

„Er ist nicht mein Vater!“ Protestierte ich, „Und offensichtlich? Wie bitte? Oma!“

“Beruhige dich, Schatz, du siehst albern aus, wenn du gereizt bist. Und Eddie ist dein Vater, egal ob du es mag oder nicht. Warum dir deine Mutter nicht früher von ihm erzählt hatte, habe ich ehrlich keine Ahnung. Du musst ihm eine Chance geben. Eddie ist ein guter Mensch, es gibt heutzutage keinen Mann mehr wie ihn. Du magst sogar was von ihm lernen. Und er wird das von dir rausfinden, weißte. Er, dein Vater, ist schlau. Außerdem kann man die Art und Weise, wie dein Blick wandert, einfach mitbekommen. Denk nicht, dass ich dich nicht ertappt habe, wie du immer den Jason Cross ansah, als er vorbeikam. Dein Opa John hatte auch einen wandernden Blick, weißte? Natürlich hat er nie die Jungen im Suspensorium angeguckt wie du.“

„Oma!“ Nur Oma Alice konnte mich aus siebenhundert Meilen Entfernung erröten lassen.

“Oh, komm drüber weg, Rory. Und sei ehrlich zu deinem Vater. Es wird das Beste sein, ich verspreche.“

„Oma...”

Dann war es ein Klicken und ich runzelte die Stirn, nachdem sie aufgelegt hatte. Ich hasste es, wenn sie es tat. Sie verabschiedete sich nie am Telefon. Ein Gespräch war einfach vorbei, als sie es wollte. Trotzdem war es mir vielleicht erleichtert, dass sie Eddie nicht von meiner Homosexualität erzählt hatte. Es machte jedoch nur Sinn, denn wenn sie es gemacht hätte, könnte ich nicht hier gewesen sein.

Ein paar Minuten nachher hörte ich jemanden an der Tür klopfen und ich ging sie öffnen. Da standen Luke und Chey.

„Bereit zu gehen?“ Fragte er.

Ich hatte fast vergessen, dass ich mit Luke ausgehen sollte, aber trotzdem nickte ich. Es brachte mich nach dem Anruf mit meiner Oma gerade nicht dazu, mich besser zu fühlen, vielleicht würde es mir helfen, meinen Kopf frei zu bekommen, wenn ich eine Weile aus dem Haus und weg von Eddie ging.

Ich folgte Luke zur Garage, wo wir in einen alten grünen Jeep einstiegen und auch Chey nahm einen Platz auf dem Rücksitz ein.

„Geht sie mit dir überall hin?“ Fragte ich.

„Fast immer.“ Zuckte Luke die Schultern, als er auf den Fahrersitz stieg und den Zündschlüssel drehte. „Sie ist quasi mein Schatten. Wenn ich zur Schule gehe, muss ich sie im Zwinger halten, nur um sie zu Hause zu behalten.“

„Wie lange hast du sie schon?“ Fragte ich und griff zurück, um Chey hinter den Ohren zu kratzen.

„Jase hat mir sie an meinem dreizehnten Geburtstag beschenkt, also seit fast fünf Jahren. Sie war damals nur ein Welpe. Hast du irgendein Haustier?“

“Nein. Ich hatte einst einen Goldfisch, den ich bei einem Carnival gewonnen hab, aber er ist nach einer Woche gestorben.”

“He, Leute!” Rannte Eddie in die Garage bevor Luke losfahren konnte, und ich konnte nicht umhin, die Stirn zu runzeln, als er an mein Fenster kam und auf das Glas klopfte. Ich rollte das Fenster halb herunter und sah ihn erwartend an.

„Wann habt ihr denn vor, nach Hause zu fahren?“ Fragte Eddie.

„Ausgangssperre?“ Antwortete Luke.

„Gut.“ Lächelte Eddie ihn an. „Hast du dein Handy mit?“

Luke klopfte bejahend auf seine Jeans und danach richtete Eddie seine Aufmerksamkeit auf mich, kramte dabei sein Portemonnaie aus seiner Tasche.

„Wenn ihr ins Geschäft fahrt, brauchst du vielleicht Geld...“ Er zog eine Zwanzig-Dollar-Banknote aus.

„Das ist nur ne Zahnbürste, Eddie.“ Sagte ich gleichgültig. „Ich hab ja bisschen Geld.“

„Oh.“ Nickte Eddie. „Ähm, okay. Dann bis später... Rory, können wir uns vielleicht morgen sprechen?”

„Klar.“ Ich zuckte die Schultern. Ich freute mich nicht auf morgen.

„Bis später, Eddie.“ Winkte Luke, als wir aus dem Haus losfuhren.

Wir fuhren in den nächsten Gemischtwarenladen, der fünfzehn Minuten mit dem Auto entfernt lag, und es spielte im Radio eine Metalband, von der ich nie gehört hatte. Es war echt laut im Auto, weil Luke auch laut und falsch mitsang, trotzdem änderte seine unattraktive Stimme nicht die Tatsache, dass Luke wahrscheinlich der hübscheste Junge war, den ich je gesehen hatte. Natürlich erinnerte ich mich dabei immer wieder, dass wir Verwandten waren, als ich ihn verstohlen ansah.

Nachdem Luke vor dem Geschäft geparkt hatte, lief ich allein hinein, um meine Zahnbürste zu kaufen. Es fiel mir auf, dass es draußen so heiß war, sogar als die Sonne unter ging. Es war nicht einmal eine Brise an der Luft, die die Hitze etwas erträglicher machen könnte. Als ich zum Jeep zurückging, war die Musik bereits weg und Luke schaute mich an, als ich einstieg.

“Fertig?” Fragte er.

“Jap.” Ich hielt die Zahnbürste nickend hoch.

„Cool, ich denke also, wir könnten in den Park fahren. Einige Kerle sollen da sein. Ich meine, wenn du heute noch ein wenig Leute treffen willst.“

„Ja klar.“ Es hörte sich definitiv besser an, als nach Hause zurückfahren und mit Eddie zurechtkommen. Ich weiß, ich hatte schon versprochen, zumindest zu versuchen, mit ihm auszukommen, aber trotzdem war das mein erster Abend da, und ich war nicht wirklich dafür bereit, ihm näher zu kommen. Dennoch hieß es nicht, dass ich nicht dafür bereit war, ein wenig Hintergrundinformationen von Luke zu erhalten.

„Also seid ihr nur gerade hergezogen?“ Fragte ich.

„Was meinst du?“

„Als ich gestern mit Eddie gesprochen hab, meinte er, er sei in einen größeren Ort gezogen.“

„Ach ja. Wir sind vor einigen Monaten umgezogen. Vorher haben wir in der Stadt gewohnt. Als Eddie über dich rausgefunden hat, hat Jase die Chance ergriffen, Eddie zu überzeugen, ins große Haus zu ziehen. Eddie wollte in der Stadt bleiben, aber du wirst es bald mitbekommen, dass Jase immer kriegt, was er will.“ Luke lachte.

„Findest du es nicht komisch?“ Fragte ich.

„Wie bitte?“

„Weißte, dass so zwei erwachsene Männer zusammen leben. Es ist mir eher merkwürdig.“

„Hmm?“ Luke zog eine Augenbraue hoch und starrte mich eine Weile an, bevor seine Mundwinkel nach oben zu einem Lächeln verzogen wurden. „Ja, seltsam. Also wann hast du dich entschieden, dass du nicht bleiben würdest, Rory? Eddie war ziemlich froh, dass du herkommst. Ich dachte, du würdest hier länger als einen Sommer leben.“

„Dinge verändern sich.“ Erwiderte ich.

Luke schwieg eine Weile, sah mich dabei verstohlen an.

„Du magst ihn wirklich nicht, ja? Eddie meine ich.“

„Ich kenne ihn nicht.“ Sagte ich.

„Aber du willst ihn nicht kennenlernen, oder?“

„Nicht wirklich.“ Da war ich ehrlich.

„Das ist eher fies, nicht wahr?“

„Er hatte sechzehn Jahre, mich kennenzulernen.“ Entgegnete ich. „Und nachdem meine Mutter... gestorben ist... will er jetzt ein Vater sein? Wieso würde ich so einen Typ kennenlernen wollen?“

„Vielleicht weißt du nicht die ganze Geschichte.“ Wies Luke hin.

„Vielleicht will ich die nicht wissen.“ Runzelte ich die Stirn.

„Na ich wollte nicht mit dir streiten. Ich meine nur, ich kenne Eddie schon eine Weile. Er ist ein guter Mensch. Und es war nicht, als hättest du dir Zeit genommen, ihn zu fragen, wo er für die letzten sechzehn Jahre war, oder? Vielleicht solltest du.“

Fortsetzung folgt...

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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon Simson » 06 Apr 2018, 08:40

Schon 4 Teile:) da muss ich jetzt aber mal kommentieren !

Rory ist ganz schön stur! Sein Vater tut mir echt schon leid.
Aber ok, wir sind ja immer noch beim ersten Tag !

Schöne Geschichte ! Das verspricht noch spannend zu werden. Mir gefällt besonders, dass die geposteten Teile so lang sind.
"Sei wie du bist ! Irgendwann kommt es sowieso raus." E.v. Hirschhausen

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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 06 Apr 2018, 17:51

Simson hat geschrieben:Schon 4 Teile:) da muss ich jetzt aber mal kommentieren !

Rory ist ganz schön stur! Sein Vater tut mir echt schon leid.
Aber ok, wir sind ja immer noch beim ersten Tag !

Schöne Geschichte ! Das verspricht noch spannend zu werden. Mir gefällt besonders, dass die geposteten Teile so lang sind.

Danke für deinen netten Kommentar! Ja Rory mag stur sein, aber in diesem Alter ist es ganz nachvollziehbar, außerdem hat ihm sein Vater seit 16 Jahren gefehlt, deswegen hat er einen Grund, seinen Vater zu hassen. Ich freue mich sehr, dass dir die Geschichte gefällt. Heute Abend kommt der nächste Teil des 2. Kapitels, also bleib dran!

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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 07 Apr 2018, 00:26

...Fortsetzung zu Kapitel 2

“Also,” Sagte ich und beschloss mich, das Thema zu wechseln, „Wie auch immer, warum lebst du bei deinen Cousinen?“

„Ich lebe bei Jase und Eddie, weil mein Vater hinter Gittern ist.“

„Dein Vater ist im Gefängnis? Wofür?“

Unmittelbar nachdem ich die Frage gestellt hatte, bereute ich es. Zum einen ging es mich nichts an, zum anderen griff Luke das Lenkrad scheinbar fester, und durch die Schatten des Autos, die auf sein Gesicht fielen, konnte ich sehen, wie es Unruhe ausdrückte.

“Ähm, na,” Sagte ich, “Ich hätte das nicht fragen sollen, tut mir leid.”

Luke war einen Moment lang still und dann sah er in meine Richtung und lächelte mich an.

„Kein Ding. Kommst du mit?“

„Huh?“ Ich sah aus dem Fenster heraus und merkte, dass wir schon parkten, und bevor ich mehr Fragen stellen konnte, stieg Luke aus dem Wagen, Chey direkt hinter ihm.

Ich stieg auch aus und sah mich um. Wir waren in einem Park, aber abgesehen von den Hügeln mit abgeschnittenem, trockenem Gras und einem Bürgersteig, der den ganzen Ort umkreiste, war nichts da. An einem Ende befand sich ein Basketballplatz, aber der sah schäbig aus und da spielte niemand. In der Tat war nirgendwo jemand.

Chey bellte plötzlich aus und rannte uns über einen der Hügel verschwindend voraus. Das machte Luke anscheinend nichts aus, deshalb kümmerte ich auch nicht darum, und er ging voran, als wir den Bürgersteig entlang gingen.

„Wann hast du von Eddie erfahren?“ Fragte er. „Ich meine, natürlich weißt du, dass du einen Vater hast, aber...“

„Vor etwas mehr als sieben Monaten.“ Antwortete ich. „Gerade nach dem Tod meiner Mutter.“

“Ähm, es tut mir leid wegen deiner Mutter. Ihr wart euch nah, oder?“

“Ja.” Nickte ich, wünschte mir, dass wir über etwas Anderes reden würden. Irgendwoanders. Vorzugsweise irgendwo mit Klimaanlage.

„Ich hatte nie von dir oder deiner Mutter gehört.“ Sagte Luke, „Ich meine, natürlich. Aber als Eddie von deiner Mutter erfahren hat, war er echt traurig. Ich dachte er...“

„Hör zu,“ Runzelte ich die Stirn. „Können wir nicht über ihn reden? Ich weiß, er ist dein Cousin und ihr alle seid euch wahrscheinlich nah, aber es ist mir jetzt einfach... zu viel.“

„Klar.“ Lächelte Luke, „Entschuldigung. Vielleicht ist dir alle irgendwie überwältigend. Ich meine, ich kann es mir vorstellen.“

“Ja, also will ich nur, dass der Sommer bald vorbei ist.”

„Wer weiß, vielleicht wirst du nachher bleiben. Ich meine, nicht weil du musst, sondern weil du willst.“

„Denk ich nicht.“ Lachte ich. “Nichts für ungut, es ist mir deutlich, dass ihr sehr glücklich miteinander seid, aber ich hab ein Zuhause. Und ein Leben. Aber bloß nicht hier.“

“Verstanden.” Zuckte Luke die Schultern.

Wir liefen weiter und es fiel mir auf, dass es nicht so viele Straßenlampen gab, obwohl es immer dunkler wurde. Eigentlich sah ich nur zwei davon, eine am Basketballplatz, und eine in der Ferne, die über einen Baum leuchtete, genau wo wir hingingen.

„Hier hängen wir normalerweise rum.“ Erklärte Luke, „Es gibt hier nicht besonders viel zu tun, besonders im Sommer. Die meisten von uns kommen am Abend her, denn es ist am Tag zu heiß.“

„Jetzt ist es doch heiß.“ Jammerte ich. „Wie könnt ihr denn die Hitze ertragen?“

“Du gewöhnst dich dran.” Lächelte Luke mich an, dann zog er plötzlich sein Hemd aus.

Wiederum wurde mein Blick von seinen Brust- und Bauchmuskeln, auch den von seinen Armen, angezogen. Er schwitzte bereits, wie ich, und es hinterließ einen Glanz auf seiner Haut, der immer noch in der Dunkelheit zu sehen war. Ich konnte nicht umhin zu starren. Sein ganzer Körper war mir einfach attraktiv. Vielleicht lag es an allen diesen Muskeln. Meine Freunde zu Hause waren, wie ich, Schwimmer, die schlanker, definiert, aber straffer als muskulös waren. Jase hatte Lukes Ringenkumpeln erwähnt. Ich fragte mich, ob Luke Ringer war. Dabei fragte ich mich auch, wie es sich anfühlen würde, wenn Luke mich festnagelte. Auf keinen Fall würde ich es zugeben.

Als ich mich wieder beim Starren ertappte, schaute ich schnell zurück auf sein Gesicht und stellte fest, dass er mich auch lächelnd ansah. Verdammt. Das letzte Ding, das ich brauchte, war von meinem... Cousin beim Starren ertappt werden. Ich wandte mich errötend ab und sprang, als Luke mir meinen Arm mit seinem Handrücken tippte.

“Du kannst dein Hemd ausziehen.” Empfahl er, „Es hilft nicht viel, aber etwas schon.“

Ich blickte auf ihn zurück, wich dabei seine Augen aus, als ich die Schultern zuckte und mein Hemd über meinen Kopf zog. Ich war nicht so schüchtern wegen meines Körpers. Es wäre eher schwer, schüchtern zu sein, wenn man immer bei Swim-Meets nur Badehose anziehen müsste.

Ich steckte mein Hemd in die Gesäßtasche wie Luke es tat, und als ich hinüberschaute, sah ich, wie er mich wieder anlächelte. Das war mir ein bisschen unberuhigend, dass er mich so ansah, als würde er sich über einen Witz, den ich nicht kannte, amüsieren. Der Gedanke, dass er mich beim Starren ertappte, war beunruhigend. Wenn er herausfände, dass ich schwul war, könnte er mein Leben in eine Hölle verwandeln, und ich war nicht dafür bereit. Ich müsste auf jeden Fall vorsichtiger sein.

Ich hörte Chey bellen und sah auf den Baum hinüber, unter dem sie herumlief, und mir wurde klar, dass es dort ein paar Picknicktische und ein Trinkbrunnen standen. Besetzte Picknicktische. Als wir näher kamen, bekam ich mit, dass der Park nicht so leer war wie ich gedacht hatte.

An den Tischen saß eine Gruppe Kerle, von der einige auf der Wiese herumrannten, und als ich näher kam, bekam ich mit, dass es einen Wasserballonkampf gab. Das war meistens deshalb, weil ich vom Schwanzende eines Ballons gespritzt wurde, als er Luke direkt auf die Brust traf, und ihn durchnässte.

„Scheiße Dave!“ Luke halb brüllte, halb lachte, „Ich hab hier einen Zivilist!“

Ich schaute hin, als ein Kerl, der etwa so groß wie Luke war, auf uns zukam. Er hatte dunkle, stachelige Haare und ein großes Lächeln großer weißer Zähne, und seine Kleidungen waren nass vom Kampf, an dem er beteiligt war.

“Tut mir leid.” Er lachte und sah zwischen Luke und mir hin und her. “Das ist zufällig aus meiner Hand geflogen.“

„Uh-huh.“ Luke runzelte die Stirn, dann schüttelte die Hand des Kerls und umarmte ihn halb, bevor er sich zu mir drehte, „Rory, hier ist Dave Barnes, mein bester Freund... an schönen Tagen.“

„Halt die Klappe.“ Grinste Dave, dann streckte mir seine Hand aus, „Hallo Rory.“

“Hallo.” Begrüßte ich ihn zurück.

„Rory ist Eddies Sohn.“ Sagte Luke, „Von dem ich dir erzählt habe.“

“Stimmt.” Lächelte Dave. “Du bist nur gerade hergezogen, ja?”

“Nur zum Besuch.” Antwortete ich.

„Genau, für einen Sommer.“ Fügte Luke so sarkastisch hinzu, dass ich ihm einen giftigen Blick zuwarf.

„Na, schön dich kennenzulernen, Rory.“ Sagte Dave, „Kommt ihr mit? Wir haben Aaron Keslin den Krieg erklärt.“

„Aaron ist hier?“ Stöhnte Luke, sein Lächeln verschwand auf einmal, „Scheiße, wieso hast du mir’s nicht gesagt, als ich dich angerufen habe?“

„Tut mir leid.“ Zuckte Dave die Schultern, „Wir wussten auch nicht, dass er kommen würde. Aber he, wir haben Wasserballons, vielleicht kannst du ihm ein paar ins Gesicht geben.“

„Haben die Ballons Säure drin?“ Brummelte Luke und zwang sich, Dave anzulächeln, „Geh vor. Ich stell mal Rory dem andren vor. Tu mir bitte eine Gefallen und halt Aaron weg, okay? Ich bin heute nicht in der Stimmung dafür, mit dem Arschloch umzugehen.“

Also hatte Luke Feinde. Ich entschied mich jedoch nicht zu kommentieren, als er mich zu den Tischen führte. Um die Tischen drängten sich mindestens zwölf Kerle, ganz zu schweigen von den, die sich mit Wasserballons bewarfen, und den zwei, die die neuen Ballons beim Trinkbrunnen füllten. Deshalb erübrigt es sich zu sagen, dass ich mich nicht an alle ihren Namen erinnerte, aber nicht Luke, denn er ging um die Tische herum, um mich allen vorzustellen.

Wie auch immer schienen alle nett zu sein. Mindestens waren sie Luke gegenüber nett. Sie waren mir gegenüber höfflich, und machten dabei einen guten Job, mich willkommen fühlen zu lassen. Aber als ich Luke beobachtete, war es mir ganz deutlich, dass hier sein Zuhause war und diese Leute seine Freunde waren. Die Art und Weise, wie er lächelte und mitten im Gespräch mit jemandem auffallen konnte, erinnerte mich daran, wie ich zu Hause mit meinen Freunden abhing. Oder zumindest wie ich einst mit ihnen abgehangen hatte, bevor Mama starb.

Es war schon eine Weile gewesen, seitdem ich mit den Kerlen abgehangen hatte. Und alle Lukes Freunde waren Kerle. Eigentlich war jeder einzelne davon so wie er gebaut, vielleicht weniger definiert, und keiner war so heiß wie Luke, aber trotzdem reicht es schon, mich schwindelig zu machen. Einige hatten auch ihre Hemde ausgezogen wie wir, und infolgedessen zwang ich mich, mich an Oma Alices Worte über meinen schweifenden Blick zu erinnern. Schließlich entschied mich, auf meine Hände zu starren, und schloss mich ab und zu einer Unterhaltung an, wenn Leute mit mir sprachen.

Nach einer Weile saß ich an einem Tisch, während sich Luke hin und her zwischen beiden Tischen bewegte, bis zwei weitere Kerle auftauchten und er ging sie begrüßen.

Der erste war größer als Luke, ungefähr mehr als sechs-feet (183cm) und er war riesig, und ich übertrieb nicht. Nicht einmal seine ausgebeulten Kleidungen konnten die runden Rollen in seinen Armen und Beinen verstecken. Tatsächlich schien alles an ihm rund zu sein. Als er sich bewegte, kicherte sein Bauch und sogar auch seine Brust, die eher wie Brüste aussah. Aber während seine Größe etwas einschüchternd wirkte, hatte er gewissene Eigenschaften, die ihn freundlich erscheinen ließen. Sie könnten sein großes Lächeln oder sein sommersprossiges, nettes Gesicht sein. Oder es könnte auch an seinen kurzen, hellroten Haaren liegen.

Ich sah zu, wie Luke zuerst den großen Kerl, der ihm eine kräftige Umarmung gab und ihn vom Boden hob, begrüßte, dann sich zum anderen drehte, der anscheinend das komplette Gegenteil der meisten anderen Leute hier. Eigentlich war er fast genauso groß wie ich, wahrscheinlich ein bisschen schlanker, hatte kurze blonde Haare und eine schmale Nase, aber als Luke ihn spielerisch schubste, konnte er ihn trotz seiner keinen Größe mit mehr Kraft zurückschubsen, und die drei unterhielten sich ein paar Minuten, bevor Luke zurückblickte und mich winkte.

„Rory.“

Ich verließ den Tisch und näherte mich den Neuankömmlingen, als Luke zuerst auf den kleineren hinwies.

„Rory, das sind Rick Leto und Brian Gurrick. Sie kommen oft mit Dave zusammen, deswegen wirst du sie wahrscheinlich häufig sehen.“

Ich schüttelte beide ihre Hände und sah zu, als plötzlich Brian so aussah, als wäre er verloren.

„Übrigens wo ist Dave?“ Fragte Brian.

„Da rüber.“ Wies Luke über seine Schulter hin, „Jemand hat Wasserballons mitgebracht.“ Dann fügte er leiser hinzu, “Aaron ist hier.”

“Krass!” Grinste Brian und zog sein Hemd über seinen großen Körper, entblößte dabei eine haarige, blasse, sommersprossige Brust, „Lass uns die Fotze ertrinken.“

Luke stöhnte, war offensichtlich desinteressiert, aber als die anderen beiden anfingen zu lachen und davonzuziehen, sah er mich an und lächelte.

„Kommst du mit, Rory?” Fragte er.

“Nein, danke.” Ich winkte.

“Sicher?”

“Komm schon.” Rief Rick.

“Geht ihr vor.” Bestand ich darauf.

Ich mochte Wasser, aber ich würde lieber in ihm schwimmen, als es den Menschen werfen. Darüberhinaus interessierte mich nicht besonders für Wasserballonkampf. Es lag nicht daran, dass die Leute nicht freundlich waren. Doch. Es war nur deshalb, weil zu Hause wir am Abend nicht im Park rumhingen. Insbesondere Parks, die nichts enthielten. Wir unternahm normale Tätigkeiten, wie zum Beispiel ins Einkaufzentrum gehen, oder gelegentlich ins Konzert oder in den Freizeitpark.

Ich wollte im Moment einfach zu Hause sein. Ich wollte meine eigenen Freunde und mein eigenes Leben. Ich meinte nicht, dass diese Menschen nicht nett waren, ganz im Gegenteil. Aber denn ich war nur für einen Sommer in der Wüste bleiben müsste, machte es mir keinen Sinn, die Einheimischen kennenzulernen.

Nachdem Luke mit seinen Freunden weggegangen war, trennte ich mich von der Gruppe. Ich saß auf der Wiese, also einem trockenen Platz der Wiese, entfernt von den Tischen, und war überrascht, dass Chey mich anschloss. Ehrlichgesagt leistete sie eine gute Gesellschaft, denn sie ließ mich sie streicheln, als sie ihren Kopf in meinen Schoss legte.

Es war nicht so, dass ich es nicht schätzte, dass Luke mich seinen Freunden vorstellte. Ich dachte ehrlich, dass das lieb von ihm war, aber ich war momentan echt erschöpft, und wenn ich darüber nachdachte, hatte es wahrscheinlich mit meinem emotional anstrengenden Tag zu tun. Gerade am Morgen musste ich mich von meiner Oma, dem einzigen Familienglied, das ich noch hatte, verabschieden. Danach traf ich mich zum ersten Mal mit meinem Leibvater, zusammen mit einem Onkel und einem... Cousin zweiten Grades, der mich total in den Bann zog, aber ich glaubte, meine Anziehung zu ihm war selbst ein ganz anderes Problem.

Meine neue Situation war stressig, und es erübrigte sich zu sagen, dass ich gar nicht damit zufrieden war. Ich freute mich nicht darauf, mit Eddie zurechtzukommen. Ich war mir nicht sicher, wie ich den Sommer überleben konnte, wenn ich jede Nacht im Zimmer neben dem des feuchten Traums, der zufällig mein Verwandten war, schlief, außerdem hatte ich das riesige Problem, dass ich meine Sexualität vor den Leuten, mit den ich wohnte, verstecken müsste. Und wenig wusste ich, dass mich bald mein größte Problem anging.

„Wow. Ich hab nie erlebt, dass sie mit jemandem so schnell auskommt. Du musst ihr sehr gefallen.“

Ich drehte meinen Kopf, um zu sehen, wer mich gerade ansprach, genau als ein Wassertropfen aus seinem Kinn auf meinen bloßen Rücken landete.

Habt ihr mal eines dieser Gefühle, dass die Welt für eine Sekunde stehen blieb, wenn ihr jemandem zum ersten Mal begegnet? Ich meinte nicht den Liebe-auf-den-ersten-Blick-Schwachsinn, den ihr im Fernsehen seht, sondern eines dieser Gefühle, das mehrere Bedeutungen haben könnte. Na ja, es könnte Liebe auf den ersten Blick heißen, oder es könnte auch ein Warnsignal sein. Es ging also um den sogenannten sechsten Sinn, wenn ihr jemandem in die Augen schaut, in diesem Fall ein Paar große braune Augen, und ihr wisst, dass die Begegnung mit dieser Person einen gewissenen Einfluss auf euer Leben hätte. Genauso fühlte ich mich im Moment, aber ich wusste nicht, ob dieser Einfluss gut oder schlecht wäre.

Fortsetzung folgt...

SergeyP
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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 08 Apr 2018, 03:15

Fortsetzung zu Kapitel 2

Er war attraktiv, das musste ich zugeben. Seine Attraktivität glich aber nicht der von Luke, trotzdem war dieser Kerl genauso heiß. Ehrlichgesagt war er schon höher im Rang als Luke, in Anbetracht dessen, dass er nicht mit mir verwandt war. Er war groß, und sein durchnässter, nackter Oberkörper war sogar definierter als Lukes. Er hatte bräunliche Haare mit natürlichen golden Highlights, die wie ein geheimnisvoller Bad-Boy gestylt waren, deren langer Pony über seine Augen hing. Gerade eben klebt er an seiner Stirn, denn er war nass wegen der Wasserballons. Der Kerl hatte einen dunkelbraunen Teint und ein Lächeln weißer Zähne, eine schmale, gerade Nase, und seine Lippen waren klein, und wie ein Küsschen geformt.

Ich war so beschäftigt, jene braunen Augen anzustarren, dass es mich erschrak, als Chey plötzlich knurrte und ihr Kopf meinen Schoss verließ. Ich zog meine Hand weg, als sie sich aufsetzte, ihre Nase auf den Fremden richtete und davon trabte.

“Huh, sie war sowieso nie besonders freundlich.” Kommentiert der Kerl hinter mir. „Nimm es nicht persönlich.“

Ich nahm es persönlich? Es fiel mir gar nicht ein, dass ich die Hündin aufregte, bis er es erwähnte, trotzdem zuckte ich die Schultern und schaute auf ihn zurück, als ich ihm meine Hand ausstreckte, fühlte mich dabei plötzlich, als müsste ich mich ihm auf jeden Fall vorstellen.

"Ich bin Rory Norick." Sagte ich.

Er lächelte mich verschwörerisch an und schüttelte meine Hand. Es fiel mir sofort auf, dass er sie genauso schüttelte wie Luke es getan hatte, nur ein Drücken.

"Aaron Keslin." Erwiderte er und setzte sich neben mir hin.

Uh-oh. Ich mochte neu sein, aber seitdem wir in den Park kam, hatte Luke bereits klargemacht, dass ihm der Kerl nicht gefiel. In Anbetracht dessen, dass ich zusammen mit Luke in demselben Haus wohnte, und mein Zimmer neben ihm war, dachte ich, dass ich zumindest mit ihm auskommen sollte. Und mich mit einem seiner Feinde anfreunden half dabei definitiv nicht.

Aber was sollte ich denn tun? Aaron sagen, dass er abhauen sollte? Es wäre nicht so schlimm, ihn anzusprechen, oder? Außerdem zog mich etwas von ihm seltsam an. Und ich wusste nicht einmal, warum sich Luke mit ihm nicht vertrug. Er dürfte sogar schuld daran sein, dass sie miteinander nicht auskamen. Es wäre also nicht schlimm, mit dem Kerl zu sprechen.

„Wo kommst du her, Rory? Du bist offenbar nicht von hier. Ich hätte dich sonst erkannt.“

Die Art, wie er am Ende des Satzes grinste und mir einen spitzbübischen, seitlichen Blick zuwarf, ließ mich Schmetterlinge im Bauch spüren. Dieses Gefühl war schwer zu beschreiben, aber so einen Blick hatte ich nie von einem Kerl erhalten. Von Mädchen hatte ich jedoch bekommen, also gab es da etwas Ähnlichkeit. Es wäre anmaßend, aber ich dachte, dass Aaron mit mir flirtete.

„Nevada.“ Antwortete ich kurz.

Ich musste denken. Warum sah er mich so an? Er saß mir ein bisschen nah. So nah, dass sein feuchter Arm meinen berührte. „Ich hätte dich sonst erkannt.“ Und jener Blick. Flirtete er mit mir? Sollte ich mit ihm zurückflirten? Nein. Auf keinen Fall. Ich bildete es wahrscheinlich nur ein. Zumindest sagte ich mir das, weil es sicher wäre.

“Also was machst du denn hier?” Fragte er.

Ich könnte ihm von der ausführlichen Version erzählen, dass ich nach dem Tod meiner Mutter von meinem alten Leben entwurzelt und hierher verschifft wurde, um mich zum ersten Mal mit meinem Leibvater zu treffen. Aber es würden anschließend zu viele Fragen folgen, wenn ich so antwortete.

“Ich besuche den Sommer meine Verwandten.”

„Verwandten?“ Fragte er, „Jemanden hier?“

“Ähm, Luke.” Antwortete ich kurz, weil ich mir nicht sicher war, ob Luke denselben Nachnamen wie Eddies hatte.

„Echt? Luke?“ Grinste Aaron, “Also bleibst du denn bei ihm?”

„Nur den Sommer.“

„Netter Kerl.“ Sagte Aaron, „Wir waren direkte Nachbarn gewesen, ehe er umgezogen ist.“

Das war komisch. Es war nichts in Aarons Stimme, welches hinweisen würde, dass er Probleme mit Luke hatte. Vielleicht war Luke der Einzige, der Probleme hatte.

„Ja, er scheint nett zu sein.“ Stimmte ich zu.

„Weißt du es nicht genau?“ Aaron lachte. „Ich dachte, ihr seid Verwandten.“

“Oh, wir sind... entfernte Verwandten.”

“Sowas, ne?” Lächelte Aaron. “Na, ich wünsche dir nen schönen Sommer hier, Rory. Weißt du was, ich wohne in der Stadt. Vielleicht kann ich dich mal rumführen. Es gibt nicht hier nicht viel, aber es gibt interessantere Orte als diesen Park.“

“Das wäre ne Erleichterung.” Grinste ich.

„Aber hallo!“ Lachte er, „Wir müssen mal rumhängen. Ich meine, es sei denn, dass Luke dich rumführt. Aber ich denke, er müsste sich wahrscheinlich den großen Teil des Sommers mit seiner Arbeit bei der Baustelle beschäftigen.“

„Ach, ja.“ Erwiderte ich, als würde ich wissen, worüber er redete.

„Ich freu mich drauf, dich rumzuführen, für ihn.“ Sagte Aaron.

„Danke.“ Zuckte ich gleichgültig die Schultern. Sowieso kannte ich diesen Typ nicht, die einzige Tatsache, die ich kannte, war, dass Luke ihn nicht mochte.

Aber je mehr ich mit Aaron sprach, desto mehr gefiel er mir. Er sprach so auf die Art, dass sich die dämmlichsten Dinge lustig anhören würden, darüberhinaus schien er echt freundlich zu sein. Ich verstand daher nicht, wieso Luke ihn hasste. Und dann tauchte das aufwachsende Gefühl, das er tatsächlich mit mir flirtete, auf. Jedesmal wenn Aaron einen Witz erzählte und wir lachten, würde er herüberlehnen und seine Schulter meine berühren lassen, oder würde er meinen hemdlosen Rücken anfassen. Wenn er etwas zu mir redete, würde er sich so vorbeugen, dass wir nicht nur praktisch von Angesicht zu Angesicht, sondern auch in der Intimsphäre voneinander waren. Und es war einmal, dass ich ihn zum Lachen brachte, fasste er sogar einige Sekunden mein Knie an. Obwohl das nur eine Weile dauerte, war es schon länger als ich dachte, was eine freundliche Berührung wäre.

Aaron erzählte mir auch ein bisschen von ihm, wie er hier bei seinen Eltern aufwuchs, und dass er zwei kleine Brüder hatte. Er war ein Jahr älter als ich, genauso wie Luke, und Aaron erwähnte, dass beide er und Luke in der Ringenmannschaft der Schule waren, wie einige der Kerle da. Aber er erwähnte nicht ein einziges Mal, dass er sich nicht mit Luke vertrug. Eigentlich schien alles, was er von Luke erzählte, nur Komplimente zu sein.

Ich wusste nicht, wie lange ich mich mit Aaron unterhielt, aber ich fing eigentlich an, mich zu entspannen. Ich beschloss mich, dass es mir gar nichts ausmachen würde, ihn wiederzusehen. Wer weiß, vielleicht könnte ich hier sogar eine Freundschaft verbinden, die sich lohnte, gepflegt zu werden.

Wir hätten da seit Stunden sitzen müssen, weil es mir auffiel, dass es schon komplett dunkel geworden war, und die Temperatur etwas erniedriegt hatte. Es war mir noch nicht so kühl, dass ich mein Hemd wieder anziehen musste, aber genug, dass die Hitze an der Luft nicht so bemerkbar war.

Als Chey in unsere Richtung zurückkehrte, war ich überrascht, dass Aaron ihr seine Hand ausstreckte, trotz ihres früheren Knurrens. Mir war noch überraschender, als sie noch einmal knurrte, denn diesmal versuchte sie tatsächlich, seine Hand zu beißen.

„Scheiße.“ Fluchte ich und lehnte mich von der Hündin zurück, die kurz zuvor scheinbar so freundlich gewesen war. Meine Bewegung ließ meine Schulter gegen seine stoßen, und ich war noch mal überrascht, als er mir seinen Arm um meinen Rücken legte, als wollte er mich schützen.

„He, hab keine Angst vor ihr.“ Lächelte er, nahm seinen Arm immer noch nicht ab. „Sie ist nur launisch.“

Ich sah Luke auf uns zukommen, dann blieb er stehen und runzelte die Stirn, als er ich und Aaron sah, wobei sein Arm um meine Schulter war. Trotzdem machte ich ehrlich nichts mehr daraus, für wen er Aaron hielt. Aaron war für mich einfach nett, und ich würde mich gerne mit ihm anfreunden. Vielleicht war er der Einzige in dieser Küste, den ich tatsächlich kennenlernen wollte.

“Hallo Luke.” Lächelte Aaron ihn an, “Weißt du, Chey ist größer geworden, seit ich sie letztes Mal gesehen habe, aber trotzdem ist sie auch ziemlich wild. Es würde dich nicht umbringen, sie an die Leine zu nehmen, oder?“

In Anbetracht dessen, wie sich Chey benahm, konnte ich es einfach vollständig zustimmen.

„Sie ist nicht wild, Aaron.“ Erwiderte Luke. „Sie kann Menschen einfach super einschätzen.“ Ich wurde von seiner eisigen Stimme erstaunt, und mir war noch erstaunlicher, dass er mich mit jener Stimme ansprach, „Wir müssen los, Rory, die Ausgangssperre ist Mitternacht.“

„Klar.“ Ich blickte Luke wachsam an, wunderte mich dabei, was los mit ihm war.

Aaron nahm seinen Arm von meiner Schulter ab, als er mit mir aufstand, aber seine Hand streifte meinen Rücken auf dem Weg nach unten. Ich war mir nicht sicher, ob es absichtlich war oder nicht.

„Ähm, es war schön, dich kennenzulernen, Aaron.“ Sagte ich. „Vielleicht bis demnächst.”

“Warte,” Grinste Aaron, “Lass mich dir meine Nummer geben.” Ich sah zu, als er sein Portemonnaie aus seiner Gesäßtasche kramte, dann wandte er zum Tisch und pfief laut, „Hat jemand nen Stift?“ Jemand warf einen Stift und Aaron fing ihn in der Luft. Inzwischen wurde Lukes Stirnrunzeln zu einem völlig finsteren Blick. „Na Rory, verleih mir deinen Rücken?“

Ich drehte mich um und stand gerade, als mir Aaron das Papier auf meinen Rücken legte und darauf seine Nummer schrieb. Ich schaute wieder auf Luke hinüber, aber er sah mich nicht an, warf Aaron sondern einen giftigen Blick zu.

„Danke.“ Sagte ich, als mir Aaron seine Nummer reichte, die auf der Rückseite eines Bons von Dairy Queen geschrieben war.

„Ruf mich an, Rory.“ Lächelte Aaron, „Wir hängen mal rum.“

“Klar. Bis bald, Aaron.”

“Ciao Luke.” Winkte Aaron und ging los, da standen noch ich und ein noch missmutiger Luke.

„Wir müssen los.“ Runzelte Luke die Stirn, bevor er sich umdrehte und zu seinem Wagen zurückging.

Ich runzelte einfach die Schulter und folgte ihm, als Chey voranrannte. Als wir liefen, zog ich mein Hemd an und schaute auf Aarons Nummer herab. Obwohl er das auf meinem Rücken geschrieben hatte, waren die Ziffer ganz lesbar. Ich fragte mich, wann ich ihn anrufen würde. Ich wusste, dass ich es wollte, und ich hoffte, dass ich bald die Chance haben würde. Unglücklicherweise hatte ich noch Dinge, um die ich mich kümmern musste. Zum Beispiel Eddie. Und offenbar Luke, denn als wir uns seinem Wagen näherten und ich mein Portemonnaie aus meine Gesäßtasche kramte, um Aarons Nummer darin einzulegen, schnappte Luke mir plötzlich das kleine Stück Papier aus der Hand.

„He!“ Protestierte ich.

„Das brauchst du nicht.“ Sagte Luke kurz bevor er zur Fahrersitzsseite ging und einstieg.

Ich rannte zur Beifahrertür, schob Chey aus meinem Sitz, als ich einstieg, und sah Luke wütend an, als er den Zündschlüssel drehte.

“Was zur Hölle machst du denn?” Brüllte ich, „Gib mir das zurück!“

„Ich tue dir einen Gefallen.“ Erwiderte er, „Dieser Kerl ist ein Arschloch.“

„Ist er nicht!“

„Und wie weißt du das?“

„Weil er nicht so ist! Nun gib mir das zurück!“

„Du rufst ihn nicht an!“

Unglaublich. Was zum Teufel? Ich hatte Luke nur seit weniger als einem Tag gekannt, aber er trieb mich schon auf den Wahnsinn.

„Für wenn zur Hölle hälst du dich denn?“ Forderte ich. „Ich weiß nicht, was für Probleme du mit Aaron hast, aber er ist nicht ein Arschloch, und selbst wenn er so ist, hab ich ein Recht, meine eigenen Freunden zu finden.“

„Aaron, ist nicht, dein Freund. Und er wirst auch nicht einer sein.“

“Wie bitte, und du bist?“

„Ich versuche, einer zu sein!“

„Dann machst du nicht so einen guten Job, jetzt gib mir die Nummer!“

„Nein!“

„Luke!“

Und danach hielt er das zusammengeballte Papier mit Aarons Nummer darin in seiner Faust und aus dem Fenster warf, als wir aus dem Park wegfuhren.

Unglaublich. Un-verdammt-glaublich. Es war mir schlecht genug, dass ich mein Leben verlassen und hierher ziehen musste, aber jetzt musste ich mit dem Mistkerl, der zufällig mein Cousin war und mir mein Leben vorschreiben wollte, umgehen. Es erübrigte sich deshalb zu sagen, dass Luke mich sogar mehr ärgerte als Eddie.

“Das ist total beschissen!” Schrie ich, „Mein Gott, Aaron ist nicht der Arschloch, sondern du bist.“

Luke schaltete das Radio ein und die Musik dröhnte in meinen Ohren, als würde ich entlassen. Ich verschränkte meine Arme und blickte wütend aus dem Fenster, versuchte dabei, den plötzlich kommenden Ansturm der Gefühle unter Kontrolle zu bringen. Davon war meistens Ärger. Mein Gott, ich wollte nach Hause.

Als wir nach Hause ankamen, knallten wir beide die Tür zu, während sich die arme Chey beeilen musste auszusteigen. Luke ging wortlos voran und wir betraten durch die Garage das Wohnzimmer, in dem ich beide Eddie und Jase auf dem Sofa sah. Sie schienen wachsam zu sein, wahrscheinlich wegen der Art und Weise, wie Luke und ich betraten, und standen schnell auf.

„Hallo Leute,“ Begrüßte Eddie, auch wenn wir nicht anhielten. Luke ging in Richtung Treppe, während ich direkt nach ihm folgte.

„Leute?“ Fragte Eddie, „Ist alles gut?“

Keine Antwort.

„Luke?“ Rief Jase.

„Alles gut.“ Brummelte Luke.

„He!“ Rief Eddie, als sie beide uns nach unten folgten. Es war nicht schwer zu behaupten, dass etwas schiefgelaufen war. Beide Luke und ich waren zornig. „Rory?“

“Was auch immer.” Erwiderte ich, ohne mich umzudrehen, als ich und Luke uns im Flur vorbeischoben und in unsere entsprechenden Zimmer gingen. Irgendwie betrat ich mein Zimmer vor ihm. Ich schlug die Tür zu und nach einer Sekunde hörte ich Luke seine Tür zuschlagen. Ich hörte Chey bellen und Eddie zu wissen fordern, was los war, und dann hörte ich sich Jase und Eddie streiten. Eddie wollte zurück nach oben gehen und warten. Jase wollte mit uns sprechen.

Was sagte Luke über Jase? Oh ja. Er kriegt, was er will. Scheiße.

“Ich spreche mit Luke und find raus, was los ist.” Ich hörte Jase durch die Tür, „Eddie, geh mal da rein und sprich mit Rory.“

„Jase...“

„Du musst mit ihm sprechen, Eddie.“

Dann war es ein Klopfen an meiner Tür. Ich wollte nicht mit Eddie sprechen. Ich wollte mit niemandem sprechen. Eddie würde wahrscheinlich denken, dass ich schuld an was auch immer los mit Luke war. Immerhin war ich die Person, die erschien und das friedliche Leben dieser Familie störte. Aber ich hatte mich nicht dafür entschieden. Noch ein anderes Klopfen an der Tür.

„Rory,“ Rief Eddie, „Wenn du die Tür nicht aufmachst, geh ich doch rein.“

Scheiße.

Ende des Kapitels 2

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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon Simson » 09 Apr 2018, 22:11

:-? Ups, jetzt tut mir Rory wirklich leid. Ich dachte es wäre genug Herausforderung, mit seinem Vater und der neuen Situation klarzukommen .
Das jetzt plötzlich auch noch Luke und Aaron im Konflikt dazukommen ist echt heftig !
Weil man ja auch gar nicht weiß, was das Problem ist und wer der Gute bzw. Der Böse ist...Wenn es das überhaupt gibt.
Du musst schnell weiter Posten :flag:
"Sei wie du bist ! Irgendwann kommt es sowieso raus." E.v. Hirschhausen

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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 11 Apr 2018, 01:23

Simson hat geschrieben::-? Ups, jetzt tut mir Rory wirklich leid. Ich dachte es wäre genug Herausforderung, mit seinem Vater und der neuen Situation klarzukommen .
Das jetzt plötzlich auch noch Luke und Aaron im Konflikt dazukommen ist echt heftig !
Weil man ja auch gar nicht weiß, was das Problem ist und wer der Gute bzw. Der Böse ist...Wenn es das überhaupt gibt.
Du musst schnell weiter Posten :flag:

Danke für deinen Kommentar! XD ich hab leider schon mit dem neuen Semester an der Uni angefangen, also mag ich etwas langsamer posten können, aber ich versuche möglichst regelmäßig aktiv zu sein. Bleib dran!

[3] Kummer

Ich vergrub meinen Kopf unter dem Kissen und wünschte mir, dass es einen bessere Arbeit leisten könnte, Eddies Stimme zu dämpfen. Ich hatte einen der schlechtesten Tage meines Lebens, und im Moment wollte ich mich gar nicht mit dem Mann, der dachte, dass er in weniger als vierundzwanzig Stunden zu einem Vater werden könnte, vernünftig unterhalten.

„Hör mal, ich weiß, dass du es hier schwer hast, Rory. Aber wir haben eine Abmachung getroffen.“ Bestand Eddie darauf, mich ins Gespräch zu bringen. Ich spürte, wie das Bett sank, als er sich setzte. „Du hast abgemacht, mich diesen Sommer kennenzulernen, und wenn wir nur einen Sommer haben, will ich nicht, dass du die ganze Zeit damit verbringst zu streiten. Jetzt weiß ich nicht, was los mit dir und Luke ist, aber...“

“Wie kommst du drauf, dass ich es begann?“ Fragte ich ungehalten und schob das Kissen weg von meinem Kopf.

Das war unglaublich. Un-verdammt-glaublich. Ich war unschuldig. Luke... Luke war ein Arschloch, und soweit es mich betraf, benahm er sich so, als wäre es ein Straftat, dass ich mich mit jemandem anfreundete. Nur weil er Aaron nicht mochte, hieß es nicht, dass ich nicht erlaubt war, ihn zu mögen.

“Das meine ich nicht.” Sagte Eddie gelassen, “Doch wie auch immer, wenn du mir sagen würdest, was los war, bin ich mir sicher, dass wir eine Lösung finden können. Ich kenne Luke, also meine ich, was auch immer passiert ist, hat er nicht...“

„Du kennst ihn, deshalb hat er Recht, meinste?“ Unterbrach ich ihn, „Also wenn du mich kennst, würdest du wissen, dass ich nicht schuld dran bin! Aber du kennst mich nicht, und weißt du was? Das ist deine eigene Schuld! Warum gehst du nicht einfach weg? Ich bin fertig, mit dir zu reden. Wenn du wissen willst, was passiert ist, dann frag ihn. Du glaubst ihm sowieso.”

“Rory...”

“Meine Güte, ich hasse hier zu sein! Warum lasst ihr alle mich nicht in Ruhe? Ein Sommer wäre viel erträglicher, wenn ich mit keinem von euch klarkommen muss!“

„Das ist unfair.“ Erwiderte Eddie.

„Wenn es dir nicht gefällt, dann warum schickst du mich nicht zurück nach Hause? Wir wären sowieso viel glücklicher wenn du es tust!“

Ich zog das Kissen über meinen Kopf zurück, ihn abzutun. Ich rechnete fast damit, dass er weiter reden würde, deshalb war ich erleichtert, als ich spürte, dass er aufstand und wegging. Trotzdem war meine Erleichterung eher kurzlebig, nachdem die Tür geschlossen und ich in Ruhe gelassen worden war.

Es fiel mir überaus unangenehm in diesem Haus. Ich fühlte mich so, dass ich niemandem vertrauen konnte. Als ich Luke erst traf, war es mir eine Erleichterung, dass es jemanden in meinem Alter in der Nähe gab. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, wie es wäre, wenn es nur ich und Eddie, oder ich, Eddie und Jase wären. Immerhin war ich mir nicht sicher, für wen ich Jase hielt. Dennoch würde ich nicht sagen, dass wir bald zu Freunden würden.

Und jetzt befand ich mich scheinbar im Konflikt mit jedem von ihnen, und das war nur mein erster Tag. Früher hatte ich sogar törichterweise gedacht, dass es eventuell besser werden könnte, und ein Sommer nicht so schlimm wäre. Aber jetzt wusste ich, dass es im Gegendteil war. Wie zur Hölle könnte ich mit diesen Menschen zusammenleben?

Ich wünschte mir einfach, dass ich nach Hause gehen könnte. Oma Alice mochte nicht die Person sein, mit der man am einfachsten zurechtkommen konnte, aber das wäre noch besser als hier. Ich konnte die Nacht lang kaum schlafen, sondern dachte immer wieder an den Streit, den ich wahrscheinlich am nächsten Morgen haben könnte. Könnte ich einfach den ganzen Sommer lang verschlafen, wäre es vielleicht nicht so schlimm...

……………

Die Idee, dass ich den ganzen Sommer lang verschlafen würde, dauerte aber nur bis zehn Uhr morgens, als mein knurrender Magen mich aufwachte. Ich freute mich nicht darauf, je einem meiner neuen Mitbewohner zu begegnen, aber trotzdem holte ich mir meine Kleidungen und ging ins Badezimmer, das ich mit Luke teilen sollte.

Glücklicherweise war er anscheinend nicht im Keller, also duschte und erfrischte ich, bevor ich nach oben ging, um zu sehen, wie der Tag verlaufen würde.

Ich fühlte mich seltsam, als ich durch das Haus, für das ich nicht als meins hielt, lief. Ich fürchte mich davor, jemandem zu begegnen, insbesondere Luke. Trotzdem war er der Erste, dem ich begegnete. Und ich hasste absolut, dass er am Morgen verdammt gut aussah.

Unabhängig davon, dass er mein Cousin war, war Luke total heiß. Ich werde es vielleicht noch mehrmals erwähnen, also gewöhnt ihr euch daran.

Er trug eine schwarze Jogginghose, die seine prächtige goldbraune Haut hervorragend kontrastiert. Er hat noch den Kissenabdruck auf seiner rechten Wange und seine hemdlose Brust schien in der Sonne zu glühen. Seine blonden Locken waren noch nicht gekämmt, deshalb ragten ein paar Strähnen hoch, oder hingen ihm ins Gesicht. Er sah einfach fantastisch aus.

Ich vergaß fast, dass ich mich noch über ihn ärgerte, bis er mich erblickte. Die Art, wie seine Augen auf mich verengten, war ein sicheres Zeichen dafür, dass er auch auf mich sauer war. Ich schaute wortlos weg und ging an ihm vorbei in die Küche, während er sich an den Tisch hinsetzte.

“Morgen, Rory.” Ich schaute zurück und sah Jase die Küche betreten. Er trug dabei einen Geschäftsanzug und fasste meine Schulter an, als er an mir vorbeiging.

„Morgen.“ Murmelte ich.

“Was willst du denn gern zum Frühstück?” Fragte Jase, als er zum Küchenschrank ging, „Müsli? Oder willst du lieber was Warmes?“

„Müsli geht.“ Antwortete ich.

Jase hielt zwei Sorten Müsli hoch, und nachdem ich das mit Zucker darin gewählt hatte, reichte er mir die Packung und ich ging mir einen Schüssel holen. Als ich und Jase uns am Tisch neben Luke hinsetzten, wich er komplett meine Augen aus.

„Solltest du nicht bereits bei der Arbeit sein?“ Fragte Luke Jase, „Ich dachte, Eddie soll heute zum Babysitten zu Hause sein.“

Ich blickte Luke und seine offensichtliche Anspielung über mich wütend an.

„Hör auf damit, Luke.“ Warnte Jase, „Eddie hat heute Morgen eine Sitzung. Er soll bald zurück, erst dann geh ich los. Was habt ihr heute vor?”

Ich saß schweigend und hörte ihnen zu. Keiner sah mich an und ich konnte einfach empfinden, dass ich hier nicht dazugehörte.

“Dave kommt heute vorbei.” Antwortete Luke, “Wir hängen mal hier rum.”

„Wann ist er denn hier?“ Fragte Jase.

„In ein paar Stunden.“ Zuckte Luke die Schultern.

Dann kam das Geräusch der Türöffnung, und irgendwo im Haus bellte Chey, bevor sie Eddie in die Küche folgte. Er sah irgendwie lustig aus, weil er einen Mantel und eine Krawatte mit Jeans anhatte, aber ich dachte, dass ihm die Kombination stand. Er sah außerdem müde aus, aber lächelte, als er sich dem Tisch näherte.

“Hallo Leute.” Sagte er.

“Na,” Lächelte Jase ihn an, “Wir haben gerade gefrühstückt und dann muss ich los. Sieht so aus, dass die Jungs noch nicht miteinander klarkommen.“

Ich runzelte die Stirn. Es nervte mich, dass Jase es erwähnte, und ich glaubte, dass Luke sich genauso missmutig wie ich fühlte.

„Echt?“ Lächelte Eddie. Obwohl er sich mit Jase unterhielt, sah er zwischen Luke und mir hin und her, “Hat noch keiner von ihnen gestanden, was los war?“

“Noch nicht.” Erwiderte Jase.

“Wir sind bloß hier, meine Güte.” Blickte Luke sie genervt an.

„Wissen wir.“ Grinste Eddie, dann setzte er sich neben Jase. „Rory, ich denke, wir könnten heute eine Weile rausgehen, vielleicht zum Mittagessen oder sowas. Ich will mit dir über einige Dinge sprechen.“

„Klar.“ Zuckte ich die Schultern. Ich freute mich nicht wirklich darauf, den Tag mit Eddie zu verbringen, oder mit ihm überhaupt zu sprechen. Aber wenn die Alternative wäre, dass ich zu Hause mit Luke bleiben müsste, dann machte es mich nicht aus. Darüberhinaus schien Eddie nicht so wie die anderen, mich zu ignorieren.

Nach dem größtenteils stillen Frühstück war ich zurück in meinem Zimmer hinter der geschlossenen Tür, wo ich denkend auf dem Bett saß. Größtenteils an meine Mutter. Sie fehlte mir. Trotzdem fing ich an, mich über meine Mutter wegen meiner Situation zu ärgern. Ich wünschte mir einfach, dass ich sie noch einmal sehen könnte. Könnte ich ihr nur eine Frage stellen, würde ich fordern zu wissen, wieso sie mich hierher geschickt hatte, wo es diese Leute gab, mit denen ich gar nichts zu tun haben wollte.

Zutiefst glaubte ich, dass es unbedingt einen Grund dafür gab. Mama tat mir selten etwas so extrem ohne Gründe an. Unglücklicherweise war ich so damit beschäftigt, meine Situation zu verabscheuen, dass ich kaum Zeit hatte, den Grund herauszufinden.

Ich schaute auf und bekam mit, dass ich die Tür nicht ganz geschlossen hatte, denn es Chey gelang, hineinzugehen. Trotz meine Gefühle für ihren Besitzer in diesem Moment, streichelte ich sie doch und fragte mich, warum ich nie zuvor darum gebeten hatte, einen Hund zu haben. Vielleicht war ich vorher immer damit zufrieden gewesen, was ich hatte, bis jetzt.

“Weiß du was, das ist erstaunlich.”

Ich schaute auf und sah Eddie sich gegen den Türrahmen lehnen, er sah dabei Chey und mich an.

„Was ist so erstaunlich?“ Fragte ich gleichgültig.

„Normalerweise folgt Chey Luke überall hin.“ Zuckte Eddie die Schultern. „Und jedesmal wenn er sauer auf Jase oder mich ist, benimmt sie sich so, als wäre sie auch auf uns sauer. Sie muss dich sehr mögen.“

„Oder vielleicht merkt sie einfach, dass ihr Besitzer ein Trottel ist.“ Zuckte ich die Schultern.

Eddie kicherte und ging ins Zimmer hinein.

„Weißt du, Rory, wenn du mir einfach sagst, was los mit dir und Luke war...“

“Vergiss das.” Runzelte ich die Stirn. “Es ist keine große Sache.”

„Dann wie wird es von nun an sein?“ Fragte Eddie, „Werden wir dann diese Spannung den Sommer lang haben?“

„Frag Luke das.“ Erwiderte ich, „Er ist derjenige, der sich bei mir entschuldigen sollte.“

„Warum denn?“

Ich verzog eine Augenbraue wegen seines erbärmichen Versuchs, mich zum Gestehen zu überzeugen.

„Frag Luke.“ Wiederholte ich.

„Okay.“ Seufzte Eddie, „Lassen wir uns jetzt Luke vergessen und dann kannst du mit mir gehen.“

“Wo gehen wir denn hin?” Fragte ich.

„Also wir können zum Mittagessen fahren.“ Schlug Eddie vor. „Es sei denn, du bist noch satt vom Frühstück.“

“Ich hab noch keinen Hunger.” Ich versuchte, das Unvermeidliche länger auszusetzen.

“Dann können wir in den Park fahren.” Sagte Eddie.

„Bei diesem Wetter?“ Fragte ich ungläubig.

„Zieh weniger an.“ Lachte Eddie, als er mein Zimmer verließ. “Komm schon, wir fahren in zehn Minuten los.”

Ich sah ihn seufzend nach, nahm einfach mein Schicksal hinzu. Ich gab Chey noch einen weiteren Kratzer hinter den Ohren, dann nahm mir Zeit, um mich in Shorts und ein Muskelshirt zu verkleiden, bevor ich nach oben ging, um Eddie zu treffen. Er war ähnlich gekleidet, und es fiel mir auf, dass ohne den Mantel und die Krawatte er eigentlich jünger aussah. Vielleicht sogar jünger, als er war. Dabei wirkte er definitiv weniger einschüchternd.

Ich bemerkte, dass Eddie einen dicken, roten Ordner mitbrachte, als ich ihm in die Garage folgte. Aber bevor ich ihn fragen konnte, was das war, wurden wir unterbrochen, als Luke und einer der Kerle vom letzten Abend, den er seinen besten Freund Dave nannte, an uns vorbeigingen.

“Gehst du raus?” Fragte Luke Eddie, schenkte mir dabei keinen einzigen Blick. Ich wusste, dass wir stritten, aber die Tatsache, dass ich so offensichtlich ignoriert wurde, tat weh.

Ich fühlte mich noch sehr einsam in meiner neuen Umgebung und sehnte mich nach etwas oder einem Vertrauten. Mir fehlte meine Oma. Mir fehlten meine Freunde. Es war gar nicht einfach, von den Menschen, die ihr kaum kennt, umgeben zu sein. Sogar schlechter, wenn diese Menschen euch nicht leiden können.

“Jap, wir sind bald zurück.” Antwortete Eddie, „Hallo Dave.“

„Hallo Eddie.“ Erwiderte Dave, dann lächelte mich an, „Na, du bist Rory, oder?“

“Ja.” Nickte ich.

“Also wenn du zurück bist, können wir alle vielleicht...” Begann Dave, aber dann griff Luke seinen Arm und unterbrach ihn, bevor er seinen Satz enden konnte.

“Los, Dave.” Sagte Luke, “Bis später, Eddie.”

Ich bemerkte, dass Eddie Luke missbilligend ansah, als er mit Dave, der verwirrt wirkte, abhaute. Zumindest war Eddie rücksichtsvoll genug, nichts dazu zu kommentieren, welches mich in Verlegenheit bringen könnte. Aber als Eddie mich auf dem Weg zum Auto an meiner Schulter berührte, war die beruhigende Berührung willkommener, als ich es zugeben möchte.

Auf der Fahrt sah ich schweigend aus dem Fenster heraus, gab dabei keine Acht, wohin wir fuhren. Durch die Blendung konnte ich sehen, wie Eddie mich ab und zu anblickte. Er schien wieder nervös zu sein. Ich wunderte mich, ob er immer so nervös wäre, jedesmal wenn wir allein miteinander waren. Ich wunderte mich, ob ich immer so nervös wäre, wenn wir allein miteinander waren.

“Luke könnte ein bisschen sensibel sein.” Brach Eddie plötzlich das Schweigen, „Wenn es ihm wehtut, kann er sehr gut grollen. Er wird aber schließlich rüber hinweg kommen. Gib ihm etwas Zeit, so wird es besser.“

“Also denkst du, ich hab ihm weggetan?” Fragte ich etwas erbittlich.

„Rory, ich hab es nicht so gemeint.“ Sagte Eddie, „Ich ergreife keine Partei... Ich kann keine Partei ergreifen. Ich weiß nicht einmal was los ist. Außer dass alles gut zu sein schien, als ihr gestern rausgegangen seid, aber als ihr zurückgingt...“

“Lassen wir uns nicht drüber reden.“ Runzelte ich die Stirn, „Wie auch immer, warum gehen wir denn raus? Wieso kannst du nicht einfach mit mir zu Hause sprechen?“

„Ich denke wir sollten irgendwo privat finden.“ Erwiderte Eddie, „Außerdem ist es nicht so schlimm, ein wenig Zeit mit mir zu verbringen, oder?”

“Wahrscheinlich.” Stimmte ich ohne Begeisterung zu.

„Mann, danke.“ Grinste Eddie, danach schwiegen wir beide auf dem übrigen Weg zum Park.

Das war nicht derselbe Park, in den Luke mich gestern gebracht hatte. Dieser war kleiner und hatte einen Spielplatz, sowie mehr Leute. Wir fanden einen beschatteten Platz unter einem Baum und mir fiel auf, dass Eddie immer noch den Ordner bei sich hatte.

„Also worüber reden wir denn?“ Fragte ich, nachdem wir Platz genommen hatten, „Stellst du die Regeln auf oder erzählst du mir bald von deiner ganzen Familiengeschichte, sodass ich weiß, woher ich komme?“

“Also,” Lächelte er, “Wir können vorerst die Regeln vergessen. Ich bin auch neu bei dieser Sache, Rory. Wir müssen zuerst miteinander klarkommen, bevor wir das diskutieren. Und wie für Familie, ich stell dir also gerne meiner... unserer ganzen Familiengeschichte vor, aber ich will dich bei unserem ersten gemeinsamen Ausflug nicht damit langweilen.“

“Deine Familie ist langweilig?”

“Nein.” Lachte er, “Das würde ich nicht sagen... aber ich denke wir sollten erst später darüber reden. Du magst heute das mal ansehen wollen.“

Er reichte mir den Ordner und tat absichtlich so, als wäre er nicht aufgeregt war, als ich den Ordner öffnete. Tatsächlich war ich recht neugierig. Und kurz danach bekam ich mit, dass das ein Bilderbuch war, und die ersten Bilder waren von einem dunkelhärigen Junge.

“Das bist du?” Fragte ich.

„Jap.“ Erwiderte Eddie und schaute über meine Schulter, „Aber du kannst die erste Hälfte von denen überspringen, wenn du willst... Da war noch etwas, das ich dir zeigen wollte.“

Fortsetzung folgt...

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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon Simson » 12 Apr 2018, 07:59

Alles gut :D ich will dich nicht hetzen.
Ich freue mich einfach über jeden neuen Teil.
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SergeyP
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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 13 Apr 2018, 02:57

Fortsetzung zu Kapitel 3

Ich blätterte schnell durch, aber nicht so schnell, dass ich die Bilder nicht betrachten konnte. Es hätte Eddie überrascht, wenn er wusste, dass ich recht auf sie neugierig war. Und ich war neugierig auf Eddie, trotzdem würde ich ihm das nicht sagen.

Als ich die Bilder überflog, sah ich das Baby zu einem Buben aufwachsen. Einem erstaunllich kleinen, spindeldürren Buben. Sogar dürrer als ich damals im selben Alter. Plötzlich merkte ich, dass ich mich mit dem Buben in den Bildern verglich. Ich verglich mich mit Eddie.

Ich konnte einfach nicht umhin. Würde ich meine eigenen Bilder neben den von Eddie legen, würde es so scheinen, als wären wir Brüder. Ich sah ihm recht ähnlich aus, und dies bewies die Wahrheit, dass er wirklich mein Vater war.

Ich war damit so beschäftigt, Eddies Bilder zu betrachten, dass ich fast ein sehr wichtiges Bild übersah. Fast. Eigentlich wäre es eher schwer, das kleine Mädchen mit blonden Haaren und einer rückwärts getragenen Baseballkappe zu übersehen, das Eddie, der damals sechs Jahre alt war, in einen Schwitzkasten nahm.

Ich kannte dieses Mädchen. Es gab ihre Bilder überall bei Oma Alice. Natürlich war es schon eine Weile, seit ich sie tatsächlich so jung gesehen hatte. Ich streckte geistesabwesend meine Hand aus und fasste das Bild an, fühlte mich dabei extrem deprimiert.

Wenn es meine Mutter nicht im Bild wäre, würde ich es lustig finden, dass sie den jungen Eddie in den Schwitzkasten nahm, während er um Gnaden bat. Aber das war nicht lustig. Das Mädchen auf dem Bild war so glücklich gewesen. Sie war immer glücklich gewesen. Sie war eine jener raren Personen, die das Leben genossen, und es für andere Leute angenehm machten. Und jetzt war sie gestorben. Es war echt unfair.

“Sie hat mich immer so gequält.” Sagte Eddie ruhig hinter mir, „Das war so peinlich.“ Lachte er, „Aber sie würde mir auch vor Mobbern schützen... Gina war meine beste Freundin.“

“Sie hat dich nie erwähnt.” Runzelte ich die Stirn und blätterte auf die nächste Seite, auf der es mehr Bilder von meiner Mutter und Eddie waren.

„Es ist... kompliziert.“ Sagte Eddie. “Ehrlichgesagt, Rory, hab ich keine Ahnung, warum sie dir nie von mir erzählt hat.”

„Vielleicht lag’s dran, dass du nie da warst.“ Erwiderte ich und sah auf ein anderes Bild, in dem Eddie und meine Mutter ein bisschen älter aussahen. Da lachte Mama, während Eddies Arm um ihre Schulter war. Er war bereits seit dem letzten Bild größer als sie gewachsen, und auch etwas weniger dünn geworden. Mama sah noch hübsch aus. So war sie immer gewesen.

Eddie blieb still eine ganze Weile lang. Ich hoffte, dass er daran dachte, dass er nicht da mit uns zusammen war. Es geschah ihm recht, sich schuldig zu fühlen, soweit es mich betraf. Es war nicht so, dass ich und Mama ohne ihn nicht glücklich wären. Es ging uns ohne ihn ganz super, aber wenn er jetzt ein Vater sein wollte, hatte er meiner Ansicht nach etwa sechzehn Jahre nachzuholen.

“Rory, ich muss dir was sagen...”

„Was?“ Fragte ich, ohne zurückzublicken. Ich war damit zu beschäftigt, auf ein Bild zu sehen. Meine Mutter und Eddie legten sich wieder ihre Ärme um die Schultern. Aber diesmal sah es anders aus. Sie schienen in meinem Alter zu sein, und während sie kurz zuvor noch anscheinend gute Freunde gewesen waren, war es jetzt wegen der Art, wie meine Mutter Eddie ansah, offensichtlich, dass sie ein Paar waren.

Und sie sah ihn wirklich viel sagend an. Ich hatte sie nie jemanden so anblicken gesehen. Na ja, sie hatte über die Jahre doch Dates, war aber in niemandem verliebt gewesen. Sie musste etwas für Eddie empfunden haben. Vielleicht war sie sogar in ihm verliebt. Als ich das erkannte, hasste ich ihn wahrscheinlich mehr. Ich hasste ihn, weil er sie verließ.

Inzwischen hatte Eddie hinter mir verstummt. Ich konnte spüren, dass er über meine Schulter auf die Bilder ansah. Plötzlich wollte ich ihn meine Mutter nicht sehen lassen. Mir war egal, dass es eigentlich sein Buch war. Er war nicht erlaubt, sie zu sehen. Niemals.

“Gina war meine beste Freundin, Rory.” Seufzte Eddie. „Wir sind zusammen aufgewachsen, und wir waren ja sehr jung, als wir noch zusammen waren.“

“Und dann hast du rausgefunden, dass sie schwanger war, aber trotzdem hast du sie verlassen.” Schlussfolgerte ich, daraufhin verstummte Eddie wieder.

“Wir... haben uns getrennt.” Sagte er schließlich. “Aber es war komplizierter als das.”

„Aber du hast dich von ihr getrennt, oder?“ Runzelte ich die Stirn.

„Ja.“ Seufzte Eddie. „Das war meine Entscheidung.“

“Sie war ein guter Mensch, weißte? Sie hätte... sie hätte dir alles gegeben, und du hast sie verlassen.“

„Es ist nicht so passiert.“

„Meinetwegen.“ Sagte ich bitterlich. “Meinetwegen wolltest du sie nicht.“ Ich hatte wirklich keine Ahnung, wieso ich es sagte, aber nachdem ich die Bilder gesehen hatte, kam mir plötzlich der Gedanke.

“Das stimmt nicht.” Schnauzte er mich an, und ich schaute deswegen auf ihn zurück. Er sah frustriert aus, als wollte er etwas sagen, aber er hielt es zurück.

“Rory, das hatte nichts mit dir zu tun.” Bestand er darauf. „Ich hatte... es hatte nichts mit dir zu tun. Ich hatte deine Mutter doch lieb, aber es hätte schließlich nie geklappt. Sie war meine beste Freundin.“

Es erboste mich, dass er immer wieder so sagte. Für mich war er kein guter Vater, und er war auch nicht einmal ein guter Freund.

„Beste Freundin?“ Schnauzte ich ihn an, „Du hast sie allein mit mir verlassen! Aber weißt du was? Sie war eine gute Mama! Ich hab dich nie gebraucht. Nie! Und sie auch nicht. Es ging uns ganz gut ohne dich. Er wird mir gut ohne dich gehen.“

Ich war sentimental geworden. Es war mir einfach zu viel, mich an meine Mutter zu erinnern, sie in den Bildern lachen zu sehen, mich mit Eddie und den Gefühlen von Wut, und vielleicht sogar von Verlassenheit, die ich ihm gegenüber empfand, auseinanderzusetzen. Das ließ mich einsamer als je zuvor fühlen, aber ich erlaubte mich nicht, in einem öffentlichen Park in Tränen auszubrechen.

Ich ließ das Buch fallen und stand ohne ein weiteres Wort auf, um zum Auto zurückzugehen, während Eddie mir schweigend folgte. Als er mich einholte und seinen Mund öffnete, um mir etwas zu sagen, wandte ich ab und hoffte, dass er die Botschaft verstehen würde.

Und er verstand sie.

Die Rückfahrt war sogar stiller als die Hinfahrt. Eddie sah mich immer wieder an. Er griff das Lenkrad fest und presste den Kiefer zusammen, als wollte er etwas sagen. Ich hoffte, dass er nichts sagen würde, aber machte es sowieso. Wir waren fast zu Hause, als er in meine Richtung blickte und sagte.

„Es tut mir leid, Rory.“ Daraufhin wandte ich mich sogar mehr zum Fenster. Ich brauchte seine Entschuldigung nicht. „Was auch immer du denkst zwischen mir und deiner Mutter passiert ist, ist einfach nicht wahr... Du weißt die ganze Geschichte nicht. Die war kompliziert. Es tut mir leid, dass du dich über mich ärgerst, aber ich konnte einfach nicht da für deine Mutter, oder dich sein. Du hast keine Ahnung, wie sehr es mir leidtut, dass ich nicht da für dich war. Aber ich kann es nicht ändern, sowie ich kann nicht ändern, dass deine Mutter gestorben ist, und ich kann auch nicht ändern, dass du mich hasst. Keine Ahnung... vielleicht hast du das Recht, mich zu hassen. Aber hier bin ich. Und selbst wenn ich es nicht wiedergutmachen kann,...”

“Kannst du nicht.” Unterbrach ich ihn abrupt, als wir das Haus erreichten und in die Garage fuhren. „All was du jetzt machst verschärft es nur. Lass mich einfach in Ruhe.“

Sobald das Auto anhielt, stieg ich aus und rannte ins Haus. Ich konnte einfach nicht mehr klar denken. Eddie saß inzwischen noch im Auto, und ich war froh, dass er mir nicht folgte.

Seine Entschuldigung verschärfte es anscheinend. Ich fühlte mich, als hätte er sich entschuldigt, weil er dachte, dass ich es wollte. Vielleicht wollte ich doch, dass er sich entschuldigt, aber selbst wenn es der Fall wäre, hieß es nicht, dass ich mir wünschte, dass ich einen Vater gehabt hätte. Deswegen konnte es nicht wahr sein. Es war mir ohne ihn total gut gegangen, verdammt. Ich hatte eine großartige Mutter. Ich hatte eine glückliche Kindheit.

Aber jetzt war meine Mutter nicht mehr am Leben, und Eddie war gerade in mein Leben gekommen. Ich brauchte ihn nicht. Nicht wirklich. Nur weil er zufällig mein Vater war, hieß es nicht, dass meine Mutter nicht mehr von Bedeutung wäre. Ich brauchte ihn damals nicht, also brauchte ich ihn jetzt auch nicht.

Trotzdem brauchte ich im Moment jemanden. Meine Großmutter, alle meine Freunde, sie waren einfach so weitweg von mir. Ich fühlte mich scheinbar umso einsamer, je länger ich hier mit diesen Menschen war. Dann dachte ich zufällig an Aaron. Wir hatten gestern Abend eine sehr gute Zeit, als wir uns unterhielten. Ich hatte mich sogar momentan gefühlt, dass ich willkommen war. Aber ich konnte ihn nicht einmal anrufen.

Natürlich war es immer noch die Wahrscheinlichkeit, dass ich ihn wiedersah, aber ich zweifelte daran, dass Luke mich bald noch einmal zum Park einladen würde. Ich konnte mich auch nicht an Aarons Nachnamen erinnern, deswegen konnte ich ihn auch nicht im Telefonbuch finden.

Ich ärgerte mich definitiv noch über Luke, weil er Aarons Nummer aus dem Fenster warf. Ich meine, wer würde soetwas machen? Und warum hasste Luke Aaron so sehr? Er gab mir nicht einmal eine Erklärung, und ich konnte einfach keinen Grund dafür sehen. Aaron hatte nichts Böses über Luke geredet. Luke schien hingegen der Einzige zu sein, der Probleme hatte. Aber ich war noch wegen des Ausflugs mit Eddie zu deprimiert, und war außerdem damit beschäftigt, meine Gefühle über die Tatsache, dass er und meine Mutter gewesen waren, nachzuvollziehen, dass ich keine Zeit hatte herauszufinden, warum Luke so ein Arschloch war.

Ünglücklicherweise war Luke da unten, als ich den Keller erreichte. Dave war auch da. Sie lagen ausgestreckt auf dem Sofa und lachten über ein albernes Musikvideo. Ich wollte einfach an ihnen in mein Zimmer vorbeiging, blieb aber stehen, als Luke zurückschaute und sein Lachen verschwand, als er mich erblickte.

Es war schlecht genug, dass er ein Arschloch war. Es war aber schlechter, dass es mich tatsächlich störte, dass wir stritten. Ich hasste zu denken, dass er sauer auf mich war und ich wusste nicht warum. Seine Feindlichkeit gegenüber mir war in seinem Gesicht deutlich zu erkennen.

Ich fühlte mich, als wäre ich ein Eindringling in seinem Zuhause. Vielleicht war es wahr. Ich drang in Eddies, Jases und Lukes Leben so sehr ein, wie sie in meins. Aber es ließ mich unwillkommen fühlen, Luke anzusehen. Es sollte mich nicht gestört haben. Ich meine, ich war derjenige, der am Anfang an hier nicht leben wollte. Ich wollte immer noch nicht hier leben.

Aber dafür konnte ich mich nicht entscheiden.

„Na, du bist zurück.“ Dave lächelte mich an, als er mich erblickte. „Wir gehen bald schwimmen, kommst du mit, Rory?“

Trotz meiner schrecklichen Laune, war Daves Lächeln erfrischend. Abgesehen von seinem Namen wusste ich so gut wie nichts über ihn, aber er schien nett zu sein. Dennoch war Luke auch nett, als ich ihm zum ersten Mal begegnete. Es war danach definitiv nicht gut geworden. Ich wurde dann erinnert, wie nicht gut es geworden war, als Luke seinen Mund öffnete und sagte, ehe ich Dave erwidern konnte.

„Bin mir sicher, dass Rory kein Interesse dran, mit uns abzuhängen.“ Er warf mir einen finsteren Blick an, „Er will sowieso nicht hier sein, also lassen wir uns ihn dann ignorieren.“

Seine Worte taten weh. Ich wollte zwar nicht da sein, aber bei Menschen wie ihm wäre es ganz verständlich. Ich stand da und starrte Luke an, fühlte mich dabei schrecklich. Nach dem emotional belastenden Ausflug mit Eddie, und dann dies, musste ich mein Bestes versuchen, nicht in Tränen auszubrechen. Es ließ mich sogar nicht besser fühlen, als Dave seinen Arm ausstreckte und Luke hinter dem Kopf schlug.

„Mann, was ist los mit dir?“ Fragte Luke.

Luke zuckte sich nicht einmal. Er starrte mich einfach an, bis ich mich traurig ohne ein weiteres Wort wandte. Ich nahm auf dem Weg in mein Zimmer das tragbare Telefon mit und schlug die Tür zu.

Ich hasste sentimental zu werden. Ich hatte kaum geweint, als meine Mutter noch am Leben war, und selbst wenn ich weinte, musste der Grund dafür ganz schlimm sein. Aber nach ihrem Tod fühlte mich, als könnte die kleinste Sache mich zu Tränen bringen. Na ja, es war nicht etwas Kleines, entwurzelt zu werden und von allen Vertrauten weggebracht zu werden, aber trotzdem fand ich mich albern, als ich im Bett zusammenbrach und mir Tränen in die Augen stiegen.

Ich war ein beherrschter Weiner. Ich schluchzte nicht und weinte nie in Öffentlichkeit. Meine Tränen schienen immer still zu sein und liefen mein Gesicht hinunter. Ich machte nicht die Mühe, sie wegzuwischen, denn wenn ich es machte, würden nur mehr später kommen. Die Tränen waren ohnehin nervig, denn sie liefen immer wieder mein Gesicht hinunter und verwischten dadurch meine Sicht, als ich auf das Telefon schaute und die bekannte Nummer wählte.

Ich nahm das Telefon ans Ohr und das andere Ende läutete sechs Mal, bevor Oma Alices vertraute Stimme auftauchte.

„Hallo?“

Ich schniefte noch einmal, statt antworten.

„Hallo?“ Sagte sie etwas lauter. “Rory? Bist du da?”

“Ich hasse es hier.” Flüsterte ich.

Ich hörte sie seufzen und sie verstummte eigentlich eine Weile. Aber nur eine Weile.

„Was ist passiert?“ Fragte sie, aber bevor ich darauf antworten konnte, „Also du weinst, Rory, und du bist da sogar noch nicht seit einem Tag. Was könnte so schlecht sein? Hast du Eddie gesagt, wie du dich fühlst? Ihr müsst miteinander sprechen. Ich schwöre, ich wünsche mir einfach, dass ich euch zusammen in ein Zimmer schließen könnte, sodass ihr alles klarmachen könnt. Ehrlichgesagt sollten die Dinge, die ihr einander sagen sollt, nicht begraben werden. Schade, dass ich genug Rücksicht habe, euch beiden nicht darüber zu sagen, was gesagt werden muss. Es geht mich sowieso nichts an.“

„Oma, ich kann nicht mit ihm sprechen!“ Schrie ich praktisch. Ich hörte ihr nicht ganz zu. Ich hörte bereits seit Jahren damit auf, ihrem Geschwafel zuzuhören. Es war einfach bei Oma unvermeidlich.

“Rory, erhebe deine Stimme nicht zu mir.” Warnte sie, „Ich hat deine Mutter erzogen, ein rücksichtsvoller Mensch zu sein, und ich weiß, sie hat dich auch nicht erzogen, respeklos zu sein. Jetzt kannst du entweder mir gelassen sagen, was los war, oder mich wieder anrufen, wenn du das machen kannst.“

Verdammt. Ihr könnt dieser Frau einfach nicht widersprechen. Es brachte mich langsam auf die Palme.

„Ich hasse es hier, Oma!“ Und nein, ich machte nicht die Mühe, meine Stimme zu senken. „Du verstehst nicht, sie wollen mich hier nicht! Ich will einfach nach Hause.“

“Das ist total Blödsinn. Jetzt hör mir zu. Deine Mutter hat dich dahin aus einem Grund geschickt. Ich weiß es ist dir wahrscheinlich unfair, und ich schwöre, du fehlst mir sehr. Dieses Ding ist für mich auch nicht einfach, Rory. Nachdem deine Mutter gestorben ist, ist der Gedanke, dass du so weitweg ist... also, das ist nicht der Punkt. Du bist genau wo du sein solltest. Eigentlich würde ich nicht sagen, dass ich es für richtig halte, dass dir deine Mutter nicht im Voraus gesagt hat, was sie vorgehabt hatte, aber ich kann sagen, dass sie das Richtige für dich gemacht hat. Jetzt wenn Eddie dir die Möglichkeit gibt, dass du nur einen Sommer lang bleiben kannst, würde ich nicht einwenden. Du weißt, dass du hier immer willkommen bist, und ich hab immer einen Platz für dich. Aber bloß nicht vorm Ende des Sommers. Jetzt muss du auflegen und mit deinem Vater sprechen. Und ich versichere dir, Eddie will, dass du da bist.”

„Nur weil er sich schuldig fühlt.“ Protestierte ich. „Ich sah die Bilder, Oma. Er hat mir die Bilder von ihm und Mama gezeigt. Sie war in ihm verliebt und er hat sie verlassen! Und er hat sich tatsächlich entschuldigt! Kannst du es glauben? Als könnte seine Entschuldigung alles wiedergutmachen! Was für Bullshit!“

“Rory Norrick! Pass auf deine Wortwahl auf.”

„Entschuldigung. Es war recht... Schwachsinn.” Erwiderte ich gezüchtigt, aber ich konnte die Ärger nicht aus meine Stimme halten. „Er hat kein Recht! Ich gehöre hier nicht dazu, das bin ich mir sicher. Warum sollte ich jetzt mit ihm sprechen? Warum hat sie mir so angetan? Warum hätte sie mich hierher geschickt?“

„Hör mal, ich weiß du bist entrüstet, aber...“

„Ich kann hier nicht bleiben.“ Behauptete ich. „Ein Sommer ist schon zu viel. Ich will nach Hause. Ich kann nicht mit Eddie sprechen. Alle scheinen mich zu hassen. Warum hat Mama das getan? Wollte sie, dass ich einsam bin? Ich bin sauer auf sie, Oma. Ich kann einfach nicht umhin. Ich will nur, dass alles wieder so ist, wie es einst war.”

“Rory, du musst dich beruhigen, Schatz.”

Verdammt. Ich hasste es, wenn sie gelassen war. Mein Leben war zum Boden zerstört und sie war gelassen. Das erboste ich mehr.

„Ich will mich nicht beruhigen, Gottverdammt!“ Schnauzte ich sie an.

„Na gut Schatz, lass alle deine Wut raus,“ Erwiderte sie in demselben nervigen, vernünftigen Tontall, „Ruf mich einfach an, wenn du damit fertig bist.“

Dann legte sie mich auf. Noch einmal. Sie legte auf und ließ mich allein. Ich hatte nicht einmal ihre vertraute Stimme, um mir Gesellschaft zu leisten. Ich begann, das alleine Gefühl zu hassen. Das Traurige war aber, dass ich, obwohl ich nicht allein sein wollte, die Gesellschaft gewisser Leute auch nicht wollte. Nämlich Eddie. Es war unwahrscheinlich, dass er mich allein lassen würde. Trotzdem konnte ich nicht umhin, ihn wegzuschieben.

Ich weiß, ich hatte gesagt, dass ich Eddie nicht brauchte. Da änderte ich meine Meinung nicht. Aber nachdem ich die Bilder von ihm und Mama zusammen gesehen hatte, kamen mir Fragen in den Sinn. Nämlich warum hatte sie mir nicht von ihm erzählt? Eddie meinte, sie seien beste Freunde. Aber das extreme vage Bild, das Mama von ihm gemalt hatte, würde andeuten, dass sie ihn nur oberflächlich kannte.

Aber sie waren zusammen aufgewachsen. Das bewiesen die Bilder. Sie waren Freunde gewesen. Und wenn Eddie meiner Mutter von so großer Bedeutung wie es schien, dann warum hatte sie mir nie darüber gesagt? Und wenn alles, was Eddie gesagt hatte, einigenmaßen wahr wäre, dann wieso war er nie da gewesen? Keine einzigen Briefe. Keine einzigen Anrufe. Nichts. Selbst wenn er nicht mein Vater sein wollte, warum hatte er denn den Kontakt mit jemandem, die er seine beste Freundin nannte, gebrochen? Er hätte vorbeikommen können. Sie mussten mir nicht sagen, dass er mein Vater sei, aber er konnte da gewesen sein.

Vielleicht dachte ich zu tief darüber nach. Aber ich konnte nicht anders. Ich hatte keine Ahnung, wie ich mit Eddie umgehen sollte. Ich glaubte nicht, dass das Jungsein eine Ausrede dafür war, die mit seinem eigenen Kind schwangere Freundin zu verlassen. Er war damals wahrscheinlich in meinem Alter.

Ich würde vielleicht nie verstehen, wie es für Eddie oder Mama gewesen war. Ich würde nie jemanden schwanger machen. Ohnehin war der Grund dafür offensichtlich, denn ich stand sowieso nicht auf Mädchen. Trotzdem war ich der Meinung, dass ich mich nicht abhauen würde, selbst wenn ich ein Kind hätte. Nicht wie Eddie.

Es fiel mir schwierig, das zu verstehen. Ich erinnerte mich immer wieder, dass es mich nicht die Bohne interessierte. Ich machte mir nichts daraus, ob er da für mich war. Und vor ein paar Tagen war es zwar richtig. Aber nachdem ich Eddie getroffen hatte, und zu ihm gezogen bin, begann ich, ihm gegenüber als Vater verärgert zu fühlen, nicht nur als jemandem, um den ich mich nicht kümmerte. Vielleicht lag es daran, dass er darauf bestand, sich bei mir dafür zu entschuldigen, dass er zuvor nicht da für mich gewesen war. Ich hatte das Gefühl, dass der einzige Grund, warum er mich jetzt nach sechzehn Jahren kennenlernen wollte, war deshalb, weil ich meine Mutter verloren hatte und er sich schuldig fühlte.

Wenn es zwar der Grund wäre, dann brauchte ich sein Mitleid nicht. Ich brauchte auch keinen Vater. Ich wusste, dass ich anfangs Eddie gegenüber nicht so offen war, aber ich glaubte, dass es mein Recht war. Das Problem war aber, je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr glaubte ich, dass wir uns wahrscheinlich am Ende des Sommers als Freunde verabschieden würden. Es wäre trotzdem unwahrscheinlich, wenn Eddie darauf bestand, mein Vater zu sein, an welchem ich kein Interesse hatte.

Obwohl ich es hasste, mich allein zu fühlen, wollte ich ironischerweise allein sein. Als ich wieder die Sommer-lang-verschlafen-Taktik verwendete, hoffte ich, dass alle schon die Botschaft erhalten hatten. Ich wischte meine Tränen weg, zog bis auf die Unterhose, schloss die Vorhänge, und ging ins Bett. Vielleicht wäre es besser, wenn ich wieder aufwachte.

………………….

Fortsetzung folgt...

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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon Simson » 13 Apr 2018, 13:01

Die Geschichte wird immer emotionsgeladener. Armer Rory, armer Eddie...
Jase und Luke kann ich überhaupt nicht einschätzen, wie das wohl weitergeht ?

Ich halte es für sicher, dass Eddie und Jase ein Paar sind...aber der Rest ?
Na mal sehen :o
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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 13 Apr 2018, 23:43

Simson hat geschrieben:Die Geschichte wird immer emotionsgeladener. Armer Rory, armer Eddie...
Jase und Luke kann ich überhaupt nicht einschätzen, wie das wohl weitergeht ?

Ich halte es für sicher, dass Eddie und Jase ein Paar sind...aber der Rest ?
Na mal sehen :o


Naja, obwohl Eddie und Rory mir sehr leidtun, muss ich sagen, dass sie selbst schuld dran sind XD Rory ist wie immer der sture, emotionale Teenager, während Eddie einfach nicht mit seinem Kind klarkommen kann. Ich bin echt neugierig drauf, wieso du es für sicher hälst, dass Eddie und Jase ein Paar sind? Ich versuche, dieses Wochenende den letzten Teil des 3. Kapitels zu posten, also bleib dran, und danke fürs Lesen <3

Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

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