Hunde lügen nie, wenn es um Liebe geht

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Svenni
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Hunde lügen nie, wenn es um Liebe geht

Beitragvon Svenni » 27 Okt 2017, 14:01

Als kleine Überraschung lade ich heute schon das erste Kapitel der Fortsetzung hoch :)
Es ist aber nur ein Vorgeschmack, bis die restlichen Kapitel kommen, dauert es noch etwas. Ich hoffe, ich komme jetzt im Herbst eher öfters zum Schreiben.



Hunde lügen nie, wenn es um Liebe geht


Die Sonne brannte ihm ins Gesicht. Er musste seine Hand vor die Augen halten, damit er überhaupt etwas erkennen konnte. Ihm lief der Schweiß von der Stirn und das dünne T-Shirt, das er trug pappte längst an seinem Körper. Dabei musste er nichts anderes tun, als auf der Bank zu sitzen und die neunzig Minuten durchhalten. Nein, er beneidete die Spieler nicht, die derzeit auf dem großen Platz umher rennen mussten und sich gegenseitig den Ball zu passten. Die meisten Spieler hatten einen knallroten Kopf auf und manche keuchten auch schon aus dem letzten Loch. Dreiunddreißig Grad im Schatten zeigte das Thermometer an und nicht der leichteste Hauch eines Windes war zu spüren. Auch der Himmel erglänzte im strahlenden Blau, nicht die kleinste Wolke war in Sichtweite. Normalerweise verließen die Leute bei einem solchen Sommerwetter nur zum Baden gehen oder zum Eis essen ihr kühles, klimatisiertes Haus – aber nicht so die Fußballer. Seit knappen 90 Minuten rannten sie hinter den Ball her und kamen jeder Minute der Ohnmacht näher. Zuschauer gab es an diesem Tag fast keine. Wer wollte sich auch schon an einem blöden Fußballplatz über eine Stunde an die pralle Sonne stellen? Nur ihr Trainer schien noch fit zu sein. Trotz seines hohen Alters lief er aufgeregt an der Außenlinie auf und ab und brüllte seinen Spielern zu. Zwei kleine Kinder spielten am Spielfeldrand fangen. Ihre Mutter hielt sie andauernd davon ab, auf den Platz zu rennen. Man musste sie bewundern, sie schienen überhaupt nicht müde oder k.o. zu werden. Eher im Gegenteil. Sie jagten sich immer schneller und lachten ausgelassen.
Maxi auf der Bank schien schon im Sitzen die Luft auszugehen. Seitdem ihm vor einem knappen Vierteljahr die Kniescheibe raus gerutscht war, blieb ihm nichts anderes übrig, als auf der Bank zu sitzen und seine Teamkollegen zuzusehen. Aber bei so einer Sommerhitze beneidete er sie auch nicht. Er hätte einen Teufel getan und wäre jetzt wie die anderen wie verrückt hinter dem blöden Fußball hergeheizt. Normalerweise liebte er es zu Spielen und vermisste es während seines Aussetzens, aber nicht bei solchen Temperaturen. Aber Fußball im Regen war auch scheiße, wenn der Platz total überflutet war oder, noch schlimmer, es zum Schneien anfing. Es machte immer wahnsinnig Spaß zu spielen, wenn einem die Fingerknöchel oder der große Zeh abfror. Eigentlich war jedes Wetter scheiße zum Spielen. Richtiges Fußballwetter gab es eigentlich nie.
Der Schiedsrichter blies ins eine Pfeife und zweiundzwanzig Spieler fielen gleichzeitig um. Wie überfahrene Tiere lagen sie jetzt auf dem Kunstgras und hoben mit Müh und Not ihren Brustkorb. Es schien, als hätte ein unsichtbarer Blitz auf dem Fußballplatz eingeschlagen und hatte alle Spieler umgehauen. Sogar dem Schiedsrichter waren die Beine eingeklappt. Nur dem Trainer nicht. Der rannte jetzt auf das Spielfeld und auf seine Schützlinge zu. Er lief im Zickzack durch die toten oder halbtoten Menschen und fluchte und fluchte und fluchte und schimpfte.
Maxi hatte sich auf seiner Bank nicht bewegt. Wozu auch? Um sich seinen Mitspielern freudestrahlend in die Arme zu werfen und ihnen zu gratulieren? Da gab es keinen Grund. Die Mannschaft verlor in letzter Zeit ständig, aber nur selten so hoch wie gerade eben.
8:1 war das Spiel ausgegangen. Und das eine Tor war nur ein Glücksfall gewesen. Ein Elfmetertor, da die Nummer 12 der Gegnermannschaft Cody gefault hatte. Cody war so wütend gewesen, dass er den Ball mit voller Wucht ins Netz geschossen hatte. Es war ein kurzer Augenblick der Freude gewesen, in der nächsten Minute hatte ihr Torwart selbst den leichtesten Schuss nicht halten können und die Gegner waren wieder in Führung gegangen.
Die andere Mannschaft erholte sich schneller. Einer nach dem anderen regte sich wieder und sie krabbelten aufeinander zu. Noch im Sitzen umarmten und feierten sie sich gegenseitig. Ihr Schweiß vermischte sich regelrecht miteinander, aber das schien jetzt nicht mehr zu stören.
Die Jungs der Verlierermannschaft stellten sich weiterhin tot. Vielleicht wollten sie das auch sein, um dem Anschiss ihres Trainers zu entgehen. Nur zu verständlich.
Pascal Stieglmeyer war ein echt netter Mann, aber nur wenn seine Jungs so spielten, wie er es gerne mochte. Wenn sie Siege nach Hause brachten, wenn sie Pokale gewannen. Verlieren konnte er gar nicht. Maxi befürchtete, dass er, wenn sie bis zur Wintersaison nicht besser wurden, alles hinschmeißen würde und sich eine bessere Mannschaft suchen würde. Eine Gewinnermannschaft natürlich.
Cody war der erste, der sich rührte. Wie eine Schlange kroch er auf den Spielfeldrand und auf Maxi zu. Sein Kopf war knallrot angelaufen, man könnte meinen, er hätte Fieber. Na ja, vielleicht war das ja auch der Fall. Er sah auf alle Fälle todkrank aus.
„Das nächste Mal spielst du wieder mit“, befahl er mit trockener Stimme, als er drei Meter vor Maxi anhielt.
Dieser zog nur die Mundwinkel nach oben. „Es liegt also nur an mir, dass ihr immer verliert?“
„Aber ja. Wir brauchen dich als Stürmer. Du musst die Tore schießen, die wir nicht schaffen.“
„Du könntest sie genauso gut schießen.“
„Guter Witz, ich spiel in der Verteidigung, mein Lieber. Da braucht man mich.“
Maxi zog nur die Augenbrauen nach oben. Viel verteidigt hatte sein bester Freund in diesem Spiel nicht gerade.
„Aber eines musst du zugeben, Maxi, wir haben wirklich gekämpft.“
Das konnte der Blonde nicht einmal leugnen. Gekämpft hatte seine Mannschaft wirklich, aber die Gegner waren schlicht und einfach besser gewesen. Um Welten.
„Nächste Woche kommen leichtere Gegner an der Reihe. Die machen wir platt. Das schaffen wir mit Links.“
Genug Ehrgeiz hatte Cody wenigstens. Maxi hoffte, dass das etwas bringen würde. Aber er glaubte nicht daran. Seine Mannschaft war einfach grottenschlecht.


Stunden später saß er in dem engen Wirtshaus an ihrem Stammtisch und lauschte den Beschwerden seiner Teamkollegen. Sie lästerten über den Schiedsrichter, äfften den gegnerischen Spieler nach oder keiften sich gegenseitig an. Jeder gab den anderen die Schuld, wieso sie verloren hatten. Keiner sah den Fehler bei sich. Aber das war man von Männern ja gewöhnt. Maxi sagte schon lange nichts mehr. Stumm saß er neben seinen Freunden an dem Tisch und hielt sich schon dem ganzen Abend an einer Flasche Bier. Selbst das Bier schmeckte ihm heute nicht. Der Wirt hatte es nicht ordentlich kühl gestellt und mittlerweile hatte es eher die Außentemperatur angenommen. Kühlen tat es schon lange nicht mehr. Auch die Pommes waren fad und Ketchup gab es auch keinen mehr, obwohl Maxi extra gefragt hatte. Seine Mitspieler waren viel zu laut. Sie hatten sich zum Trost ordentlich Alkohol gekippt. Sie lachten über die schlechtesten Witze und brachten mit ihrem Gegackere das ganze Wirtshaus zum Beben.
Maxi wünschte sich ganz weit weg. Aber wohin? Zuhause wartete nur eine leere, öde Wohnung auf ihn, die wahrscheinlich eher einer Sauna glich. Freddy, sein Hamster, war der einzige Mitbewohner, den er hatte, aber der würde wahrscheinlich in seinem Häuschen liegen und pennen. Und außerdem – was sollte man schon mit einem kleinen Nagetier großartiges unternehmen? Ein Hund wäre da sinnvoller, aber vor denen hatte Maxi immer noch Angst. Zwar nicht mehr eine ganz so große als noch vor einen Jahr, aber einen Hund streicheln konnte er immer noch nicht ohne weiteres. Eine Katze zu haben wäre schön gewesen, aber dafür war seine Wohnung zu klein und er wollte es dem Tier nicht zumuten, im siebten Stock leben zu müssen. Außerdem würde ihn der Vermieter bestimmt achtkantig rauswerfen, wenn er sich einen größeren tierischen Mitbewohner suchen würde. Und auf der Straße wollte er wirklich nicht sitzen. Cody würde ihn zwar sicherlich jederzeit wieder aufnehmen, aber große Lust hatte er nicht, wieder zu seinem besten Freund und zu Becka, seiner frisch vermählten Frau zu ziehen.

„Ey, Maxi, was sagt dein Arzt? Kannst du nächste Woche schon wieder spielen?“ Korbinian wandte sich an ihn und riss ihn aus seinen Gedanken. „Wir brauchen dich im Team. Wir brauchen jemanden, der die Tore schießt.“
„Ne, ich habe erst in drei Wochen den Kontrolltermin beim Arzt und dann wird neu entschieden.“
Seine Kollegen feierten ihn ja, als wäre er der größte Torschützenkönig. Das war aber bei Weitem nicht so. Moritz, der ihn derzeit als Stürmer ersetzte, war zugegebenermaßen um Welten schlechter und meistens gaben seine Teammitglieder ihm deshalb die Schuld, wenn sie verloren. Ein wenig ehrte es Maxi schon, dass er so von seinem Team begehrt wurde. Moritz war nicht zur anschließenden Feier in die Wirtschaft mitgekommen, was wohl auch besser so war. Die Jungs hatten auch schon in der Umkleidekabine ziemlich auf dem kleinen Moritz rumgehackt.
„Habt ihr gesehen, wie Moritz heute über den Ball gestolpert ist?! Ich dachte, mich trifft der Schlag. Hat er die Gelegenheit, steht alleine vor dem Tor und was macht er?! Kann nicht einmal schießen!“
Da ging es schon wieder los. Diesmal war es sogar Cody gewesen, der diese Sätze über den Tisch gebrüllt hatte.
„Oh ja! Oder als er zu mir passen sollte, den Ball aber direkt an den Gegner gegeben hat. Ist ja klar, dass wir verlieren, wenn wir so eine Null in der Mannschaft haben“, schmetterte Leander in noch höherer Lautstärke zurück.
„Ihr ward aber auch nicht gerade besser“, flüsterte Maxi ganz leise, gerade so, dass nur er es verstehen konnte.
„Was hast du gesagt, Maxi?“ Cody, der neben ihm saß, beugte sich zu ihm rüber und stahl gleichzeitig ein Pommes von seinem Teller.
„Nichts, schon okay.“
„Sieh bloß zu, dass du bald in unser Team zurück kommst, Maxi. Noch länger können wir diesen Schwachkopf nicht ertragen“, ermutigte Cody ihn, doch Maxi stand vom Tisch auf.
„Wo willst du denn hin“, wollte Leander ihn aufhalten.
„Ich fahre nach Hause.“
„Warum denn? Lass uns doch noch ein bisschen feiern.“
Feiern? Was denn feiern? Ihren Abstieg, ihren Niedergang?
„Ne, danke. Ich will echt nach Hause.“
„Wieso denn? Es wartet doch zuhause niemand auf dich, oder? Oder hast du dir einen neuen Süßen angelacht?“
Maxi schüttelte den Kopf. Und wenn ja, er würde es sicherlich nicht vor Leander und seinen Mitspielern zugeben. Einzig und alleine Cody würde er es erzählen – und dann hoffen, dass sein bester Kumpel es nicht in der ganzen Stadt weitererzählte. Cody würde sich bestimmt für ihn freuen, wenn er einen neuen Freund finden würde. Aber das würde bestimmt noch etwas dauern.
„Trink doch noch ein Bier mit uns“, bettelte Alex, der Torwart, ihn regelrecht an. „Ist doch gerade richtig gemütlich hier.“
„Sorry, ich bin im Moment nicht wirklich in Feierlaune.“
„Bedrückt dich etwas?“, fragte Cody besorgt nach. „Was macht dir zu schaffen?“
„Nichts. Wirklich. Ich will nur jetzt wirklich nach Hause.“
„Wie du meinst.“ Leander klang ein wenig beleidigt. Maxi konnte aber nicht verstehen, wieso.
„Kommst du wenigstens am Dienstag zum Training?“
„Ich weiß nicht, muss schauen.“ Maxi sah keinen Sinn darin, neben jedem Spiel auch noch beim Training auf der Bank zu sitzen und seinen Kameraden zuzusehen. Es langweilte ihn eher, aber das sollte er besser nicht vorm Trainer oder seinen Kumpels zugeben.
„Ich werde am Dienstag nicht kommen, sagt das dem Stiegel gleich“, warf Cody ein. Stiegel war der Spitzname ihres Trainers.
„Was hast du jetzt schon wieder vor? Du warst auch letzte Woche nicht im Training“, bemerkte Leander, mittlerweile schon leicht säuerlich. Er nahm seine Pflicht als Kapitän sehr ernst und hasste es, wenn sein Team nicht vollständig zu den Trainingszeiten erschien.
„Becka will unbedingt mit mir in den Zoo gehen. Da kann ich ihr nicht absagen.“
Leander schnaubte nur.
Cody wandte sich aber gleich wieder Maxi zu: „Wie sieht's aus, willst du mitkommen?“
„Mit Becka und dir in den Zoo?“
„Ja.“ Cody nickte eifrig.
„Ich weiß nicht...“ Maxi freute sich zwar über das Angebot, aber es war für ihn immer ein wenig nervig, wenn Becka und sein bester Freund neben ihm herum turtelten und er niemanden hatte, mit dem er sich beschäftigen konnte.
„Ach komm schon. Das wird bestimmt lustig. Und Becka freut sich sowieso, dich bald wieder zu sehen.“
„Ja, aber Dienstag ist für mich immer etwas schwierig. Du weißt ja, ich komme nicht vor 14 Uhr aus dem Laden.“
„Dann nehm dir doch den halben Tag frei. Dein Chef wird dir das schon erlauben.“
Maxi verdrehte die Augen. Cody sah das immer viel zu einfach. Er war sein eigener Chef in seinem eigenen Tattoo- und Piercingstudio, er konnte sich freinehmen wann er Lust hatte. Maxi selbst hatte für seinen Geschmack viel zu wenig Urlaubstage und mit diesen wollte er nicht allzu freizügig umgehen.
„Ich muss schauen, wie ich es mache und ob ich Zeit habe.“ Abermals erhob sich Maxi von seinem Stuhl.
„Du kannst dir ja auch noch eine Begleitung suchen.“
„Wen meinst du?“, fragte Maxi mit hochgezogenen Augenbrauen.
„Ja, keine Ahnung.“ Cody zuckte mit den Schultern. „Vielleicht findest du noch jemand Nettes.“
„So auf die Schnelle? Bestimmt nicht.“
„Er wäre herzlich bekommen bei uns.“
„Ja, mal gucken.“ Maxi wollte dieses Gespräch so schnell wie möglich beenden. Es war ihm ein wenig peinlich, das vor seinen Teamkollegen zu besprechen.
„Was ist mit dem einen, mit dem du derzeit schreibst?“ Cody ließ das Gespräch nicht so einfach fallen.
„Mhm, ich weiß nicht“, murmelte Maxi kurz angebunden. Er hatte Cody letzte Woche erzählt, dass er seit ein paar Tagen mit einem anscheinend netten jungen Mann chattete. Cody hatte ihn überredet – oder sogar gezwungen – sich eine der zahlreichen Singleapps runter zu laden und sich mithilfe von ihnen verkuppeln zu lassen.
Maxi war am Anfang mehr als abgeneigt gewesen, aber die Männer, mit denen er abwechselnd schrieb, schienen sehr nett zu sein. Besonders Nico schien ganz von Maxi gegeistert zu sein. Fast minütlich meldete er sich bei ihm und seinen neuesten Nachrichten nach konnte er es kaum erwarten, Maxi zu treffen.
„Er hat mich nach einem Date gefragt“, nuschelte Maxi und packte zeitgleich seinen Rucksack, um rasch verschwinden zu können.
„Uhh, Maxi hat ein Rendezvous!“, schrie Cody viel zu laut auf. Jetzt hatten sie erst recht die Aufmerksamkeit des ganzen Tisches.
Maxi seufzte. „Herzlichen Dank Cody.“
Doch dieser schenkte ihm keine Beachtung. „Hau raus. Ich will alles wissen! Jedes schmutzige Detail.“
„Das kann ich dir jetzt noch nicht bieten“, antwortete Maxi genervt, „ich weiß noch nicht mal, ob ich dem Date überhaupt zustimmen soll.“
„Rede keinen Scheiß – natürlich willigst du ein. Oder warum zweifelst du?“
Maxi zuckte nur mit den Schultern.
„Du gehst da auf jeden Fall hin und wenn ich dich hin schleifen muss. Wo trefft ihr euch eigentlich?“
„Das ist noch nicht sicher.“
Cody schien zu überlegen: „Du brauchst eine wirklich gute Idee. Kino oder so wäre zu gewöhnlich und du könntest langweilig rüber kommen. Und das sollst du nicht – schließlich sollst du auch endlich mal wieder unter die Haube kommen. Diesmal mit einem gescheiten Mann. Ähm, ich habs! Ihr könnt doch eine Radtour machen!“ Cody strahlte vor Begeisterung.
„Eine Radtour? Du weißt schon, dass es morgen 32 Grad im Schatten haben wird?“
Sein bester Freund winkte ab: „Dann fährt halt zusammen zum See. Dort könnt ihr euch dann abkühlen.“
„Ich weiß nicht, ob ich unbedingt gleich mit ihm baden gehen möchte. Immerhin sieht er mich dann fast nackt.“
„Wenn du ihn später mit nach Hause nimmst, siehst du ihn dann wahrscheinlich ganz nackt.“
Cody wich geschickt Maxis Schlag auf seinen Kopf aus. Leander mischte sich währenddessen ins Gespräch ein: „Du machst dir zu viele Gedanken, Maxi. Du bist doch hübsch, du musst dir überhaupt keine Sorgen machen. Aber das sage ich dir nur, weil meine Freundin gerade nicht neben dir sitzt.“ Er zwinkerte mit seinem rechten Auge.
„Leander hat recht. Geh mit diesem Typ morgen weg und schau ihn dir genau an. Gib ihm doch eine Chance, du brauchst auf jeden Fall einen neuen Freund.“
Maxi seufzte abermals. „Wir werden sehen. Ich muss jetzt aber echt nach Hause.“
„Ruf mich morgen an“, forderte Cody, „und erzähl mir alles. Jedes Detail.“
„Ist gut. Also, man sieht sich – Leute.“ Maxi schulterte seinen Rucksack und mit einer lässigen Handbewegung verabschiedete er sich von seinen Freunden am Tisch.
Insgeheim rührte es ihm, dass seine Kumpels sich so um ihn kümmerten und sich einen neuen Freund an seiner Seite wünschten. Auch wenn sie ihn oft in Verlegenheit brachten, er war froh, sie zu haben und dass sie so selbstverständlich damit umgingen, dass er auf das gleiche Geschlecht stand. Nur ein paar aus seiner Mannschaft vermieden es, mit ihm zusammen zu duschen, aber das war ihm egal. Das konnte er ignorieren. Er war viel glücklicher darüber, dass er ihnen nichts vorspielen musste und sich auch keine dummen Sprüche von ihnen anhören durfte. In seiner alten Mannschaft, in der er bis letztes Jahr gespielt hatte, war es ganz anders gewesen. Cody war sein einziger Freund gewesen, die anderen Mitspieler hatten ihm weitestgehend ignoriert oder im Hintergrund über ihn gelästert. Vor ein paar Monaten war er dann gemeinsam mit Cody in einen anderen Verein gewechselt. Zwar war diese Mannschaft um einiges schlechter und sie verloren beinahe jedes Spiel, aber die Jungs waren um einiges cooler und netter.

Zuhause schmiss er sich erst mal auf die Couch. Er hatte seine Wohnung ein wenig umgeräumt und jetzt gefiel sie ihm ein wenig besser. Die Couch stand jetzt direkt am Fenster, wodurch ein wenig mehr Licht in die karge Wohnung fiel. Schöner wäre es jedoch gewesen, wenn er eine tolle Aussicht gehabt hätte. Viele Stockwerke unter ihm fuhren nur tausende Autos die Hauptstraße entlang und hinterließen unglaublich viel Lärm und Dreck.
Sein Handy leuchtete auf, er hatte eine neue Nachricht.
Mit Vorfreude öffnete er sie und, er hatte es so erwartet, stammte sie von Nico. Dieser wollte noch immer die Einwilligung von Maxi zu ihrem morgigen Date.
Maxi zögerte noch einen winzigen Augenblick, tippte dann aber auf das Textfeld und schrieb, dass er morgen Zeit haben würde und er sich sehr über ein Treffen freuen würde.
Nico antwortete in Sekundenschnelle: „Uh, wie super. Ich freue mich. Was sollen wir unternehmen? Du darfst es aussuchen.“
Maxi biss sich auf seine Unterlippe. Was konnte man beim ersten Date unternehmen? Er hatte keinen Plan. Vielleicht war eine Radtour zum See gar keine so schlechte Idee? Das versprach doch lustig zu werden, oder?
Er hatte noch nicht allzu viele Dates in seinem Leben gehabt. Bei seinem allerersten war er damals auf dem Volksfest gewesen. Eigentlich ein sehr lustiges Erlebnis, wenn er nicht von diesem Kerl völlig verarscht geworden wäre.
Ein Treffen auf der Kirmes wollte er trotzdem kein zweites Mal haben. Aber er war gespannt, was Nico zu seinem, oder besser gesagt Codys, Vorschlag sagen würde.
Er fieberte beinahe schon die Antwort entgegen, konnte es gar nicht erwarten, bis Nico fertig geschrieben hatte.

Sorry, aber Radfahren ist nicht wirklich was für mich.
Ich hab auch nicht mal ein Fahrrad.
Aber der See ist eine gute Idee.
Wollen wir uns morgen dort treffen?


Maxi zuckte mit den Schultern. Dann eben keine Radtour. War ihm in der Hitze sowieso lieber. Seine Nachricht war schnell getippt, in wenigen Sätzen machten sie Ort und Zeitpunkt aus und Maxi schaltete wenig später zufrieden grinsend sein Handy aus.
Er hatte ein Date für morgen. Das erste seit einem Jahr. Ob das mit Nico was werden würde? Wie er wohl so sein würde? Ob sie sich gut verstehen würden?
Man, war er aufgeregt.

Hunde lügen nie, wenn es um Liebe geht

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gillibill
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Re: Hunde lügen nie, wenn es um Liebe geht

Beitragvon gillibill » 27 Okt 2017, 20:56

Danke für den ersten Teil der Fortsetzung. Ich bin zugegeben etwas überascht, ich hätte mit einem Natlosen Übergang gerechnet.

Vor allem das es mit Maxi weiter geht hat mich sehr überascht.

Ich hoffe mal das in den nächsten teilen noch etwas dazu geschriewben wird, wie es mit Nicki weiter gegangen ist.

Ich bin mal gespannt.

Svenni
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Re: Hunde lügen nie, wenn es um Liebe geht

Beitragvon Svenni » 26 Nov 2017, 20:10

Kapitel 2

Er saß vor seinem Kleiderschrank und hatte seine zwei Badehosen vor sich liegen. Die Entscheidung war schwer – welche sollte er nehmen? Und überhaupt: Gleich unter die Hose anziehen oder erst am See? Was war besser, was kam weniger blöd?
Maxi raufte sich die Haare. Normalerweise überlegte er nicht so lange, sondern ergriff einfach die erst beste Badeshorts, die in seiner Schublade lag. Aber heute wollte er ja nicht nur sich selbst, sondern auch Nico beeindrucken. Würde ihm die rote Short besser gefallen oder war ihm die zu knallig? Da wäre vielleicht doch die einfache, gestreifte besser, aber die war eigentlich eine Nummer zu klein und saß schon ganz schön eng an seinen Schenkeln.
„Ach, das ist doch doof“, murrend stand Maxi auf und schlüpfte letztendlich in seine rote Badehose. Vielleicht war es doch keine so gute Idee von Cody gewesen, Baden zu gehen. Wollte er sich wirklich beim ersten Date gleich halbnackt präsentieren? Vielleicht war er ja Nico zu dünn und es würde ihm abschrecken, seinen mageren Oberkörper zu sehen?
„Denk jetzt nicht daran“, ermahnte Maxi sich selbst. Ändern konnte er es jetzt sowieso nicht mehr. Und wenn er sich nicht ein bisschen beeilte, würde er noch zu spät kommen.
Sein Handtuch quetschte er noch in den kleinen Rucksack und verließ dann seine Wohnung.
Wenigstens war der Aufzug vor wenigen Wochen wieder repariert worden, wodurch er nicht mehr die unzähligen Treppen laufen musste.
Zum hundertsten Male freute er sich, dass er einen Cabrio als Wagen hatte. Kaum saß er in seinem Auto, drückte er auf den Knopf, der das Dach öffnen ließ.
Schon bald zerzauste der Fahrtwind seine etwas länger gewordenen Haare.
Maxi biss sich auf die Lippe und bremste sofort ein wenig ab. Er wollte nicht mit ganz verstrubbelten Haare seinem Date begegnen. War er doch extra so lange im Bad gestanden und hatte sie gestylt.

Auf den Weg zu ihrem Treffpunkt hielt er noch am Supermarkt an. Er vermutete, dass es ganz gut ankommen würde, wenn er etwas Verpflegung mitbringen würde.
Aber was sollte er kaufen? Vielleicht etwas Obst? Oder kam das eher uncool an?
Seinen Blick fest auf seine Uhr geheftet bugsierte er den Einkaufswagen durch die schmalen Gänge des Ladens. Vor dem Süßigkeitenregal blieb er stehen. Normalerweise aß er nie Süßes, aber vielleicht war Nico ja Fan davon? Er nahm eine Packung Kekse in die Hand und begutachtete sie. American Cookies. Die hatte er sogar schon mal gegessen, wusste aber nicht mehr, wie sie genau schmeckten. Fast hätte er sie schon in seinen Wagen gelegt, als ihm einfiel, dass sie mit Schokolade waren. Das war bei der heutigen Hitze sicher nicht ideal. Zerlaufene Schokolade war echt nervig, wenn sie an den Fingern und an der Kleidung pappte.
Direkt daneben stach ihm eine Schachtel mit Oreos ins Auge. Oreos hatte er noch nie gegessen. Aber so wie sie in der Werbung gehypet wurden, würde er damit bestimmt gut ankommen, wenn er diese auswählen würde. Mit Schokolade waren sie ebenfalls nicht, also wäre es vielleicht gar keine so schlechte Idee, die mitzunehmen, oder? Aber was, wenn sie Nico nicht schmecken würde? Ein wenig zweifelnd legte er die Packung dann doch in seinen Einkaufswagen. Es brachte ja nichts, wenn er noch länger vor dem Regal stehen würde.
Mit schnellen Schritten lenkte er den Wagen in die Getränkeabteilung. Er trank zwar hauptsächlich Leitungswasser und hin und wieder mal einen Saft, aber er vermutete, dass er damit nicht bei seinem Date punkten konnte. Somit fand eine Wasserflasche in Begleitung mit zwei Dosen Zitronenlimonade Platz in dem Einkaufswagen.
Er fragte sich, ob Nico auch einkaufen gegangen war und er Verpflegung mitbringen würde. Ob er sich genauso große Gedanken machte wie Maxi selbst?
Vielleicht standen sie ja gerade im selben Supermarkt und durchforsteten die Regale. Automatisch stellte er sich auf die Zehenspitzen und sah sich im Geschäft um. Gleichzeitig konnte er nur den Kopf über sich selbst schütteln. Das wäre ein zu großer Zufall, wenn er seinen Chatpartner schon so banal vor ihrem Date treffen würde.
Besser, er machte sich auf zur Kasse. Zwar verriet seine Uhr, dass er noch gut in der Zeit lag, aber er wollte verhindern, auf den letzten Drücker an ihrem Treffpunkt anzutanzen.

Am Kassenband angekommen durchlebte er zum ersten Mal einen kleinen Schock. Er kannte die Frau vor ihm, die ihre Ware gerade auf das Band legte. Sie hatte schulterlange, dunkelblonde Haare und trug ein breites Lächeln im Gesicht. Es war Nickys Mutter – die Mutter seines Exfreundes.
Er riss den Einkaufswagen herum, sodass er beinahe gegen die Tiefkühltruhe schlug und machte sich auf, um sich eine neue Kasse zu suchen. Er wollte nicht mit der Mutter seines Ex sprechen, obwohl diese eigentlich ganz nett gewesen war. Er wusste nicht, was Nicky ihr erzählt hatte und was sie alles über ihn wusste. Er hatte weder sie noch ihren Sohn in dem ganzen letztem Jahr wiedergesehen und ehrlich gesagt wollte er es jetzt nicht nachholen.
Mit Absicht stellte er sich an die Kasse mit der längsten Schlange an, in der Hoffnung, dass Nickys Mutter dann schon längst den Laden verlassen haben würde, wenn er zum Bezahlen dran kam.
Und es klappte sogar. Zwei Einkäufer waren noch vor ihm, als die blonde Frau an der nebenliegenden Kasse ihren Geldbeutel zuckte, zwei Geldscheine der Kassiererin reichte und schließlich aus dem Supermarkt eilte.
Jetzt musste er nur noch das Glück besitzen, ihr nicht auch noch auf dem Parkplatz zu begegnen. Aber das war zu seiner Freude nicht der Fall.

Den See erreichte er trotzdem sehr schnell. See war eigentlich übertrieben gesagt, in Wahrheit war es nur ein kleiner Tümpel, dessen tiefste Stelle 2,5 Meter betrug. Trotzdem ging er recht gerne dort schwimmen und im Sommer wurden dort echt coole Partys und Festivals gefeiert.
Eine abgemähte Kuhweide diente als Parkplatz. Er parkte seinen Peugeot neben einem uraltem VW Polo. Beim Aussteigen begutachtete er diesen beiläufig. Kurz fragte er sich, wie dieser Wagen überhaupt noch fahrtüchtig sein konnte, wandte sich dann aber wieder den Gedanken an Nico zu. Ob dieser schon hier war?
Sie hatten keinen genauen Treffpunkt ausgemacht, stellte er zähneknirschend fest. Würde der andere auch am Parkplatz warten oder hatte er sich schon einen Platz am See ausgesucht? Maxi linste auf seine Armbanduhr. Es war fünf Minuten vor drei. Er war überpünktlich.

Eine Familie mit Kindern, vollgepackt mit Schwimmflügeln und Badetaschen liefen an ihm vorbei. Die Kinder lachten ausgelassen, während die Eltern sich mit dem schweren Gepäck abmühten. Wieso nahmen sie auch so viele Dinge mit, wenn sie nur zum Baden gingen?!
Ein altes Rentnerehepaar kam der Familie entgegen. Die alte Frau begutachtete die Kinder mürrisch und wich ihnen mit großem Bogen aus.
Maxi lehnte sich gegen sein Auto. Von Nico war noch keine Spur zu sehen. In weiter Ferne sah er zwar einen anscheinend jungen Mann, aber das konnte nicht sein Date sein. Der sah ganz anders als der Kerl auf dem Foto aus, das Nico ihm geschickt hatte.
Er zog sein Handy aus der Tasche um zu sehen, ob Nico ihm geschrieben hatte. Aber leider nicht. Enttäuscht steckte er sein Mobilphone wieder ein. Hoffentlich würde Nico überhaupt kommen. Hoffentlich wurde er nicht versetzt.
Erneut schielte er auf seine Uhr. Jetzt war es Punkt drei Uhr. Nico sollte also bald kommen.
Der Kerl am anderen Ende des Parkplatzes war näher gekommen. Er winkte ausgelassen und mit beiden Händen Maxi zu.
Dieser stand noch immer verwirrt an seinem Auto. Kannte er diesen Typen? Wieso winkte er? War das vielleicht Nico? Er schluckte. Der Mann sah so anders aus, so verdammt anders, als wie er sich ihn vorgestellt hatte. Er war vielleicht gerade mal einen Meter fünfzig und hatte einen kugelrunden Bauch.
So stellte er sich seinen Traummann nicht gerade vor. Wer war der Kerl auf dem Foto gewesen?! Dieser Mann, der jetzt knapp vor ihm stand, hatte kaum Ähnlichkeit mit diesem.
„Hallo Maxi“, rief er ihm schon vom Weitem ganz euphorisch zu und ließ seine Hände wie ein Propeller über seinen Kopf kreisen.
Am liebsten wäre Maxi wohl wieder in sein Auto gesprungen und mit Vollgas vom Parkplatz gedüst, aber er blieb mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen.
„Gib ihm eine Chance, er kann immer noch nett sein“, murmelte er leise vor sich und und trat sogar einen Schritt nach vorne, als sein Date endlich bei ihm angekommen war.
„Hallo. Ich bin Nico“, stellte der sich mit unglaublich hoher Stimme vor und umarmte Maxi sogleich. Eigentlich war es gar keine richtige Umarmung. Nico umschlang mit seinen Armen Maxis Bauch so fest, sodass dieser in Atemnot geriet und legte seinen Kopf zugleich an die Brust des anderen.
Vorsichtig schob Maxi ihn von sich weg. Das musste jetzt wirklich nicht sein.
„Toll, dass du gekommen bist. Ich wollte dich so unbedingt kennenlernen“.
Maxi schluckte abermals. „Du siehst so anders als auf dem Foto aus.“
„Echt? Tue ich das? Aber es war wirklich ein Foto von mir.“ Sein Gegenüber verschränkte die Arme vor der Brust.
Maxi zog nur die Augenbrauen nach oben.
„Na ja, ich gebe es zu. Mein Vater hat es bearbeitet. Er kann so etwas. Er hätte auch aus Michael Jackson Christiano Ronaldo machen können.“
Ach, so war das. Maxi antwortete darauf gar nichts. Er fand es echt nicht toll, dass Nico ihn so belogen hatte.
„Aber jetzt stehe ich ja vor dir und du siehst, wie ich in Wirklichkeit aussehe.“ Nico stellte sich breitbeinig vor ihm hin und wollte wohl seinen schwammigen Bauch präsentieren.
Maxi zwang sich zu einem Lächeln. „Du bist echt gemein“, flüsterte eine Stimme in seinem Kopf, „du gehst nur aufs Äußere. Lern doch Nico erstmal kennen und urteile dann über ihn.“
Die Stimme in seinem Kopf hatte Recht. Er kannte Nico noch nicht. Vielleicht war er ja doch ganz nett... Auch wenn ihm sein Aussehen und die Kleidung – Hemd und Krawatte zum Baden gehen – eher abschreckte.
„Komm, gehen wir runter zum See“, schlug er daher vor und wandte sich sogleich in die richtige Richtung. Nico war sofort neben ihm und ergriff seine Hand.
Für Händchen halten war es Maxi aber noch eindeutig zu früh und er versuchte, seine Hand so unauffällig wie möglich wieder frei zu bekommen. Doch der Andere ergriff sie nur noch fester.

Sie sahen bestimmt nach einem sehr komischen Paar aus. Maxi, groß und schlank, neben dem dicklichen Zwerg. Es gefiel ihm nicht, wie die Leute guckten und er schämte sich deswegen ein wenig.
Am See war es richtig überfüllt. Die ganze Wiese war mit Handtüchern überseht. Eine Liege stand neben der anderen.
Maxi sah sich unwohl um. Wo sollten sie sich nur hinlegen? Er hasste es, seine Füße beim Sonnen schon fast einem anderen Mann ins Gesicht strecken zu müssen.
„Schau, da vorne ist noch platz frei.“ Nico riss sich von seiner Hand los und rannte quer über die Wiese, mitten über unzählige Handtücher.
„Aber da liegen wir ja mitten in der Sonne.“ Maxi fuhr sich durch seine Haare. Er wollte nicht in der prallen Sonne sitzen. Er bekam zu schnell einen Sonnenbrand.
„Na und. Dann werden wir umso schneller braun.“
Na, wenn er das sagte. Missmutig folgte Maxi ihm zu dem sonnigen Platz. Anders als Nico umrundete er aber langsam die Picknickdecken und Handtücher und sprang nicht über die am Boden liegenden Körper.
Als er endlich sein Date erreicht hatte, hatte dieser schon angefangen, sich auszuziehen.
Seinen Blick fest auf Maxi gerichtet, schob er sein Hemd Stück für Stück weiter nach oben und präsentierte immer mehr seines speckigen Bauches.
Maxi schluckte. Das war nicht heiß oder anziehend. Überhaupt nicht.
Er betete eher, dass Nico seine Badehose schon genau wie er unter der Hose tragen würde, aber das war zu seinem Leidwesen nicht der Fall.
Unglaublich langsam öffnete er seinen Knopf und den Reißverschluss und ließ die Jeans mit einem Ruck nach unten fallen.
Heimlich sah sich Maxi um. Sie hatten die Aufmerksamkeit der gesamten Badegäste. War Nico das nicht peinlich, so ein Theater zu veranstalten?! In ultraknapper Unterhose stand er vor unzähligen Leuten und Kindern und präsentierte seinen schwammigen Hintern.
Als er auch noch seine Finger in den Bund des letzten Kleidungsstückes schob, drehte Maxi sich weg. Energisch wandte er seinen Blick ab und gab vor, etwas wichtiges in seinem Rucksack finden zu müssen.
Neben sich hörte er, wie Nico seine Tasche durchwühlte. Er stand jetzt sicherlich splitternackt neben ihm. Wäre es nicht schlauer gewesen, er hätte seine Badehose zuvor aus der Tasche geholt?! Oder mochte er etwa die Aufmerksamkeit? Dass er sich nicht schämte...
Maxi tat es dagegen. Es war ihm richtig unangenehm. Was wohl die anderen Leute dachten? Vor allem die Familien mit den Kindern? Gleich würde sich doch jemand bei ihm beschweren!
Endlich ließ sich Nico neben ihn Plumpsen. „Du hast mir gar nicht zugesehen“, beschwerte er sich.
„Wieso ziehst du dich auch vor allen Leuten so komplett aus?!“, konterte Maxi.
„Ich habe mich vor dich ausgezogen. Findest du mich etwa nicht heiß?!“
Maxi überging die Frage. „Es sind mindestens hundert Kinder hier, denen du deinen nackten Hintern gezeigt hast.“
„Na und. Ich bin sicherlich nicht der erste Mann, den sie nackt gesehen haben. Die anderen Leute sind mir unwichtig. Aber du Maxi, du bist mir wichtig.“ Er rutschte gleich noch ein Stückchen näher an ihn heran.
Maxi versteifte sich. Diesen letzten Satz hätte er jetzt nicht unbedingt an ihrem ersten Date hören müssen. Er bezweifelte aber, dass es noch mehrere Treffen geben würde. Nico war so was von überhaupt nicht sein Typ.
„Ziehst du dich jetzt nicht aus?“ Nico gaffte erwartungsvoll auf seinen Oberkörper.
Ehrlich gesagt hatte Maxi keine große Lust, sich jetzt auch noch aus seinen Klamotten zu schälen. Auch wenn er in der prallen Sonne unter seinem T-Shirt schwitzte.

Nach einigen Minuten des Schweigens, in denen Maxi verzweifelt darüber nachgedacht hatte, wie er Nico wohl am besten entkommen könnte, lehnte sich Nico direkt zu ihm hinüber. Er griff ganz selbstverständlich in seinen Rucksack und holte die Oreo Packung, die Maxi gekauft hatte, hervor.
„Du hast Kekse mitgebracht, sehr gut. Ich bin am Verhungern.“ Er riss die Packung auf, ließ das Plastik einfach auf den Boden fallen und stopfte sich gleich zwei Kekse auf einmal in den Mund.
Maxi konnte es kaum glauben. Entgeistert starrte er seinen Nebenmann an.
„Hier, willst du auch eines?“ Nico schob ihm die Packung seiner eigenen Kekse zu und leicht zögerlich ergriff Maxi eines. Die Kekse waren richtig schwarz. Ob sie wohl schmeckten?
Anders als Nico biss er sich erst mal ein kleines Stückchen ab und musste sogleich aufpassen, es nicht gleich wieder auf den Boden zu spucken.
Man, war das widerlich! Die schmeckten ja richtig verbrannt! Wieso konnten nur so viele Leute die so lecker finden?
Er legte den angebissenen Keks auf die Seite und sah zu, wie Nico ihn sogleich schnappte und ihn in sich rein stopfte.
„Hast du auch was zum Trinken dabei? Die Kekse machen unglaublich durstig, findest du nicht auch?“
Maxi reichte ihm wortlos die große Wasserflasche. Er hatte keine Lust, Nico etwas von der Limo abzugeben, obwohl sie bei ihm sowieso nur wochenlang ungeöffnet im Kühlschrank stehen würde und irgendwann Cody zum Opfer fallen würde.
„Wasser?“ Nico klang nicht sehr begeistert.
Maxi zuckte nur mit den Schultern. Nico griff dann doch nach der Plastikflasche und nahm einen tiefen Schluck.
„Das Wasser ist schon ganz warm geworden“, stellte er missmutig fest.
Kein Wunder, sie saßen ja auch in der prallen Sonne. Sein T-Shirt war schon leicht durchnässt. Es war ihm immer unangenehm, vor anderen Leuten so zu schwitzen.
„Wollen wir vielleicht schwimmen gehen?“, schlug er zögerlich vor.
„Ach ne. Ich mag Seewasser nicht so gerne“, widersprach sein Date, „bleiben wir doch lieber hier sitzen.“ Um seinen Satz noch zu unterstreichen, legte er seinen Schädel auf Maxis schwitzende Schulter.
Dieser blieb unbewegt sitzen. Wieso war Nico denn mit ihm zum See gegangen, wenn er gar nicht ins Wasser wollte?! Maxi hätte jetzt sehr gerne eine kleine Abkühlung gehabt.
Missmutig starrte er auf den See und beobachtete die vielen Menschen, die gegen die Wellen schwammen, mit den Algen kämpften oder sich gegenseitig mit Wasserbällen abwarfen.
Er fragte sich, wie er Nico am schnellsten und einfachsten los werden würde. Seine dickliche Begleitung nervte ihm ziemlich, während sie sich die Oreo Kekse stapelweise in den Mund stopfte und ihn mit Bröseln bedeckte.
Vielleicht sollte er Cody schreiben, in was für einem Desaster er gerade steckte. Sein bester Freund würde sicherlich sofort angerast kommen und ihn retten. Maxi wusste zwar nicht wie, aber Cody würde sich schon was einfallen lassen.
Er zog sein Handy aus der Tasche und schielte auf den Bildschirm. Er sorgte dafür, dass er das Gerät so hielt, dass Nico es nicht einsehen konnte.
Als erstes stieß ihm eine neue Nachricht aus Lovoo, die App, die Cody ihm herunter geladen hatte, ins Auge.
Ein wenig neugierig und gespannt öffnete er sie. Ihm schrieben nicht häufig junge Männer an. Nico hatte er zum Beispiel selbst angeschrieben, was wohl ein Fehler war.


Hey yo,
dich kenne ich doch, oder?
Ich glaube, wir haben uns schon mal gesehen.


Verwirrt las Maxi die Nachricht dreimal durch. Wer war denn das? Oberhalb der Nachricht stand der Name. Tillie. Tillie? Was war das denn für ein Name? Gehört hatte er den sicherlich noch nicht.
„Wer schreibt dir denn?“ Nico beugte sich noch näher zu ihm rüber.
„Äh, niemand.“ Schnell steckte er das Handy wieder weg.
„Wie du meinst. Übrigens, die Kekse sind leer.“ Er schob Maxi die leere Verpackung und die einzelnen Plastikstücke zu.
„Okay.“ Mehr antwortete Maxi nicht. Missmutig packte er den Müll zusammen und steckte ihn in seine eigene Tasche. Vielleicht konnte er ja Nico dazu bewegen, ihr Date bald abzubrechen.
„Ich hab UNO mitgenommen.“
„Hä?“ Maxi sah seine Begleitung verwirrt an. Was hatte er gesagt?
„UNO. Kennst du das nicht?“
„Was soll das sein?“
„Ein Kartenspiel. Für Kinder. Wollen wir spielen?“
„Na ja...“ Maxis Lust, jetzt Karten zu spielen, hielt sich in Grenzen. „Weißt du, eigentlich muss ich jetzt nach Hause.“
„Nach Hause? Wieso das denn?“
Maxi war schlecht im Lügen. „Mein bester Freund hat mir gerade geschrieben. Ihm geht es nicht gut“, stotterte er hervor.
„Was hat er denn?“
Jetzt fiel Maxi auf die schnelle nichts ein. „Das weiß ich noch nicht. Ich hoffe, er sagt es mir gleich.“
„Mhm.“ Zu Maxis Erleichterung stand Nico auf. Aber dann: „Ich komme gerne mit. Dann lerne ich gleich deine Freunde kennen.“
Maxi verschluckte sich fast an seiner eigenen Spucke. So war das gar nicht geplant!
„Oh je, ich glaube nicht, dass das geht.“
„Warum?“
„Er kennt dich ja noch nicht.“
„Eben. Dann lernt er mich jetzt kennen.“
Man, er hätte nicht gedacht, dass das so kompliziert war.
„Aber nicht, wenn es ihm nicht gut geht. Da möchte er niemanden Fremden sehen.“
Endlich schien Nico aufzugeben.
„Schade, dass du so schnell weg musst. Ich wäre gerne noch den ganzen Tag mit dir hier gesessen.“
„Mhm“, brummte Maxi nur als Antwort.

In kürzester Zeit hatten sie ihre Siebensachen wieder in ihren Taschen verstaut und schlenderten gemeinsam zum Ausgang des Strandbades. Energisch vergrub Maxi seine Hände in den Hosentaschen, damit Nico sie kein zweites Mal ergreifen konnte.
Vor Maxis Cabrio blieben sie stehen. Jetzt kam die Verabschiedung. Aber was sollte Maxi nur sagen?!
„Na ja... Also.. Ich – ähm, ich glaube nicht“, stotterte er hilflos. Er hatte keine Ahnung, was er jetzt sagen sollte. Am liebsten wäre er so schnell wie möglich in sein Auto gestiegen und weg gebraust.
Doch Nico unterbrach ihn: „Vielleicht könnten wir uns heute Abend nochmal sehen? Wenn du mit deinem besten Freund fertig bist. Du könntest zu mir kommen, dann sehen wir, was noch zwischen uns passiert.“
Maxi trat automatisch einen Schritt zurück. Das war das absolute Gegenteil von dem, was er wollte.
„Ich glaube nicht, dass wir uns nochmal sehen sollten. Ich weiß nicht – aber ich fürchte, wir passen nicht sonderlich gut zusammen.“
„Okay.“ Nico zeigte keine Reaktion.
„Sei bitte nicht sauer. Ich meine nur...“
„Bin ich nicht. Mit dir hätte ich sowieso keine Beziehung gewollt.“
Kaum hatte er es ausgesprochen, drehte er sich abrupt von Maxi weg und riss die Tür des kleinen, uralten Polos auf, der neben Maxis Wagen parkte. Das Auto sank gute fünf Zentimeter nach unten, als Nico sich auf den Sitz schmiss und mit voller Wucht den Motor startete. Die Reifen blieben einige Male im Gras und Schlamm stecken, aber Nico schaffte es endlich auf die befestigte Straße zu kommen.

Aufseufzend lehnte sich Maxi gegen seinen Wagen. Er wusste nicht, was er jetzt denken sollte. Nico war sauer auf ihn. Sauer und enttäuscht. Aber was hätte er denn machen sollen? Nico war sein Horrormann, nicht sein Traummann! Trotzdem fühlte es sich komisch an, jemand anderen so enttäuscht zu haben. Das gleiche hatte er nämlich selbst schon mal gespürt. Aber daran wollte er jetzt nicht denken. Jetzt nicht und nie wieder.
Weitaus schonender setzte er sich hinter das Steuer seines Peugeots, öffnete das Dach und bugsierte sein Auto an den größten Schlammlöchern vorbei auf die Straße.
Es dauerte nicht lange und er hatte Nico eingeholt. Dieser tuckerte hinter einer langen Karawane von Fahrradfahrern her. Maxi konnte sein angesäuertes Gesicht in dessen Rückspiegel erkennen. Nico musste ihn wohl auch gesehen haben, denn er schlug auf den Blinker und im großen Bogen raste er an den Fahrradfahrern vorbei. Schnell verschwand sein Auto am Horizont.
Maxi hoffte, dass er ihn zum letzten Mal gesehen hatte.

gillibill
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Re: Hunde lügen nie, wenn es um Liebe geht

Beitragvon gillibill » 27 Nov 2017, 22:45

HI, Sehr gute Fortsetzung hast du geschrieben.

Ich finde es toll das du das Thema Dicke mit rein gebracht hast, ich bin nämlich selber nicht gerade schlank.

AUch das Maxi sich dann sagt, das es nicht nur nach dem äusseren gehen soll finde ich toll.

OK, Nils hat jetzt nicht gerade den besten Charakter und daher war das Date wohl von vorneherein ein REinfall.

Ich würde mich für das erste Date schon mal gar nicht zum schwimmen verabreden, nicht weil ich mich für meinen Körper schäme oder so. Aber mit etwas mehr Pfunden auf den Rippen ist man für die meisten nich gerade attraktiv und dann das kennen lernen auch noch mit nackten Oberkörper ect. ist dann noch schwieriger.

Dann ist es fast unmöglich dem Gegenüber von seinem Charakter zu überzeugen.

ALso wie gesagt, das hast du sehr gut geschrieben. Und das sage ich selber als jemand der dick ist.

ABer eines sollte klar sein, es gibt dünne und auch dicke Arschlöcher, genauso gibt es dünne und dicke Kerle die nett und sympatisch sind.

Das Verhalten von ils geht schon mal gar nicht.

Ach ja ein treffen mit Nickys Mutter wäre sicherlich interessant gewesen.

 


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