Mein Freund ist alkholkrank?

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aussiegerman
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Mein Freund ist alkholkrank?

Beitragvon aussiegerman » 27 Nov 2016, 22:56

Hallo liebe Community,
Ich habe damit gezögert, ob ich diesen Artikel schreiben soll, da ich nicht davon ausgehe, dass mir jemand einen wirklichen Rat geben kann.

Vergangenes Wochenende war für mich ziemlich emotional aufreibend. Ich lebe in einer äußerst intakten Beziehung von der ich Glaube, dass sie besser nicht laufen könnte. Als ich an jenem Samstagabend nach der Arbeit bei meinem Freund ankam, war er so betrunken, dass er äußerste Mühe hatte mir die Tür zu öffnen. In der Wohnung sah es aus als hätte eine Bombe eingeschlagen. Er hat sein Schuhregal völlig demoliert, wahrscheinlich ist der drauf gefallen. Laufen und sonstige Tätigkeiten fielen ihm schwer und er hatte Mühe wieder in sein Bett zu finden. Mit im Bett lagen eine leere Flasche Vodka, welche wir gemeinsam erst einen Tag zuvor gekauft hatten und eine weitere Flasche Vodka, noch halbvoll. Auf dem Nachttisch stand eine angebrochene Flasche Rotwein und darunter lag eine Flasche Weißwein. Darin war ein kleiner Rest, aber nur so viel, dass nichts hinauslief. Zudem ein Glas Eistee mit starkem Alkoholgeruch. Normale Kommunikation war nicht mehr möglich er lallte nur noch zusammenhanglose Dinge, ohne wirklichen Inhalt.
Bedingt durch seinen Schlafrhythmus (in der Woche muss er früh arbeiten), war er relativ früh wach und machte mich auch wach. Er räumte etwas auf, ich legte mich so, dass ich ihn beobachten konnte. Man merkte richtig dass er irgendetwas tun wollte, was er mir verheimlichen wollte. Irgendwie schaffte er es seine Flasche in einen anderen Teil des Raumes zu schaffen sodass ich ihn beim trinken nicht sehen, jedoch hören konnte.

Später, als er einigermaßen Klar im Kopf war, sprach ich ihn darauf an und fragte direkt wie viel er heute schon getrunken hat. (Es war schätzungsweise acht, halb neun morgens), erst gab er zu ein Glas Wein, im laufe es Gesprächs waren es dann angeblich 3 Gläser Wein und als ich aufstand und durch die Wohnung lief, entdeckte ich den Vodka, jetzt nur noch zu einem Viertel gefüllt. Nach unserem Gespräch trank er den Ganzen Tag nichts mehr, das hätte ich mitbekommen. Zudem wurde seine Alkoholfahne schwächer.

Ich habe ziemliche Sorge dass er Alkoholkrank ist, bzw. bin ich mir eigentlich recht sicher und weiß aber nicht wie ich damit umgehen soll. Zur allgemeinen Situation:
Er leidet unter Depressionen und soweit ich es verstanden habe auch unter PTBS, welche zum Teil durch seine frühere Beziehung verursacht wurde. Er hat eine Therapeutin und ich gehe davon aus, dass er die Termine auch wahrnimmt. Es gibt bedingt durch die Depression immer wieder Tage, an denen es ihm schlecht geht und er niemanden, nicht einmal mich sehen will. Das respektiere ich und gebe ihm auch seinen Freiraum. Außerdem nimmt es mich emotional nicht mal annähernd so stark mit, wie am Anfang unserer Berziehung. In unserem Gespräch meinte er, dass es ihm in Grunde gut geht, jedoch die Problem-belastete Zeit mit seinem Ex genau zur selben Jahreszeit war. Und es wohl dran läge. Die Flasche Vodka, welche komplett leer war, hat er seiner Aussage nach, am selben Abend aufgemacht als er sie kaufte und sich somit zwei Tage hintereinander betrunken.

Weiterhin interessant ist es, dass er so ziemlich bei jedem Einkauf und wir kaufen fast täglich ein, zwei oder mehr Flaschen Wein einkauft und selten einen wirklichen Vorrat davon besitzt. Zum Essen ist es relativ üblich, dass er eine Flasche Wein zu mindestens zwei Dritteln trinkt, ohne dass ich ihm anmerke, dass er etwas intus hat. Ich selbst trinke keinen Wein, da er mir nicht schmeckt und bevorzuge Bier zum essen. In der Küche hat fast jeder unter dem Spülbecken, einen Schrank wo ein Mülleimer angebracht ist. In seinem Schrank stehen jedoch neben etwas Spülmittel nur leere Wein und neulich auch eine weitere leere Vodka-Flasche. Der komplette Schrank voll und einige Wenige stehen noch davor. Das ist mir vor längerem durch Zufall aufgefallen und als ich den Griff in der Hand hatte wollte er nicht dass ich hinein sehe. Jedoch habe ich damals einfach mal nichts gesagt. Kurz bevor ich gehen wollte am Abend, bemerkte ich eine weitere leere Likörflasche in einem zusammengerollten Teppich, diese muss bewusst dort versteckt worden sein, aus versehen fällt dort keine Flasche hinein.

Er hat mir versprochen, nicht mehr allein zu trinken, wenn er sorgen oder ähnliches hat und meinte es ginge ihm schon viel besser nach unserem Gespräch und meiner Anwesenheit. Aus meiner Perspektive kann ich das bestätigen. Jedoch kann ich nicht 24/7 bei ihm sein und aufpassen dass er ja nichts trinkt und das will ich auch nicht. Ich mache ihm keine Vorwürfe, jedoch mache ich mir sorgen, da ich seit jenem Abend seinen Alkoholkonsum kritisch einstufe. Mit seiner Depression kann ich im momentanen Status ganz gut umgehen, aber ich befürchte mit einem Alkoholkranken nicht. Dabei bin ich mir natürlich bewusst, dass ein depressiver Mensch eine besondere Sucht-Risikogruppe darstellt.

Sorry für den vielen Text, aber ich habe das Gefühl mir mal was von der Seele zu schreiben, da ich nicht weiß mit wem ich darüber reden soll. Wenn du bis hier in gelesen hast bin ich dir sehr Dankbar und würde mich über eine Antwort freuen. Wie schätzt ihr den Alkoholkonsum meines Freundes ein? Ich werde da in Zukunft stärker drauf achten, habe aber Angst dass er in Zukunft heimlich trinken könnte. Ich habe schon überlegt heimlich seine Mutter zu kontaktieren, da sie ihn anrief und fragte ob er betrunken sei. Jedoch habe ich zum einen Angst davor und zum zweiten möchte ich nicht das er sich verraten oder dergleichen fühlt. Ich fühle mich ratlos und meine Gedanken kreisen... Liebe Grüße <3
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Mein Freund ist alkholkrank?

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aussiegerman
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Re: Mein Freund ist alkholkrank?

Beitragvon aussiegerman » 28 Nov 2016, 00:46

Hallo, auch wenn wahrscheinlich keiner Lust hat so viel Text zu lesen melde ich mich noch einmal. Ich kann nicht schlafen und mein Kopf spielt verrückt. Ich bekomme den Geruch von verschüttetem Wein nicht mehr aus dem Kopf und den Moment des Ekels als er mir sturzbesoffen die Tür aufgemacht hat. Ich rieche an meinen verfrüht gebackenen Weihnachtsplätzchen damit ich nicht mehr an den Wein denken muss. Ich war auch schon mehr als ein mal sturzbetrunken. Allerdings nicht allein und nicht um meine Sorgen zu unterdrücken.
Zudem trinke ich nicht täglich eine halbe Flasche Wein sondern meistens nur ein Bier, welches weniger Volumen und weniger Alkoholgehalt hat. Ich trinke keine härteren Sachen allein.

Mein Freund meinte das wäre noch nicht bisher vorgekommen, einerseits möchte ich ihm glauben andererseits habe ich ja eine dritte leere Vodkaflasche und die Likörflasche im Teppich gefunden. Ich befürchte leider dass es nicht das erste mal war. Kommendes Wochenende steht eine Geburtstagsfeier an, dort wird es Alkohol geben, ich weiß noch nicht wie ich dieser Tatsache gegenüber stehen soll. Seine Nase und Ohren waren stark gerötet... Folgen, dass die Leber überfordert war? Er hat mir versprochen mit seiner Therapeutin darüber zu sprechen allerdings glaube ich fast nicht, dass er den Mut hat dies auch wirklich zu sagen. Vielleicht übertreibe ich aber ich habe Angst, dass der ein Alkoholproblem hat. Ich weiß nicht ob ich mir ein Leben mit einem nassen Alkoholiker vorstellen kann, wo er doch eigentlich sonst ziemlich mein Traumpartner ist, charakterlich. Ich liebe ihn wirklich aber ich will mein Leben auch nicht für einen Suchtkranken aufopfern. Und was ist wenn wir einmal Kinder wollen? Meinen Kindern will ich soetwas nicht antun.

Sorry für meinen Gedankenbrei aber mich triggert das grad richtig heftig. muss ja keiner den Scheiß lesen, den ich hier von mir gebe. Vielleicht hilft es mir alles nieder zu schreiben und naja vielleicht antwortet ja doch jemand. Selbst wenn es eine Zeit lang gut geht, falls er wirklich schon süchtig ist, vergeht es nicht. Ich habe wieder Weingeruch in der Nase...
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Akil
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Re: Mein Freund ist alkholkrank?

Beitragvon Akil » 28 Nov 2016, 03:47

Ach du kacke. :/ Also, da ich selbst nie Alkohol trank/trinke/trinken werde bin ich vielleicht der Falsche zu dem Thema, aber ich bin depressiv und Muckelschnu hat PTBS, von daher kann ich da evtl. doch was zu sagen.

Du solltest versuchen herauszufinden, ob die Sucht (mit)Auslöser seiner Probleme ist oder "nur" Folge seiner Krankheiten. Dass er ein Sucht-Problem hat ist denke ich klar. Rede mit ihm darüber, finde heraus, ob er einsieht (auch) diesbezüglich ein Problem zu haben. Alkohol betrifft ja sowohl Körper als auch Geist und sollte damit das erste Sein, was weg muss.

Alkohol unterdrückt die Wirkung von Antidepressiva, sorgt aber für ein Stimmungshoch. Einer meiner Kollegen ist deswegen immer wieder trinken gegangen (nicht bis zum Absturz wohlgemerkt) und war danach dann wieder sowas von down... Ich kann mir vorstellen dass sich sowas zum Teufelskreis entwickeln kann (mir gehts schlecht -> Alk -> Medis wirken nicht -> mir gehts schlecht, etc.).

Natürlich ist er Risikogruppe und es ist verständlich, warum er das macht, aber deswegen ist es noch lange nicht akzeptabel. Dein Freund braucht Hilfe. Und wenn er sich diese Hilfe nicht selbst holt, kannst du versuchen ihm diese Hilfe anzubieten. Es ist natürlich richtig, dass du sein Leben nicht bestimmen willst, aber wenn dein Partner sein Bein bricht, würdest du auch den Arzt holen. Wichtig ist nur, dass du nicht GEGEN ihn handelst, sondern dich mit ihm absprichst.

Und das führt mich zu meinem letzten Punkt: ich habe das Gefühl, er ist so nicht vertrauenswürdig. Das ist etwas, was nur du beurteilen kannst, und was bei psychischen Krankheiten und Dinge die einem peinlich sind durchaus vorkommen, aber ich erwähne das als Faktor. Denn auch ich neige in der Öffentlichkeit die "MIr geht doch alles super toll" Maske aufzusetzen. Mach ihm auf jeden Fall klar, dass er das dir gegenüber nicht braucht und nicht soll.

Soviel von mir dazu ;)
Was war jetzt noch mal die Schnellspeichertaste?
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Re: Mein Freund ist alkholkrank?

Beitragvon mafri » 28 Nov 2016, 07:21

Du musst wissen, das es sehr Schwer wird, dein Freund zeigt eine typische Alkoholsucht auf. Das wichtigste, was du dir immer wieder klar machen musst, es ist eine Krankheit. Halte ihm nichts vor, Versuch immer verständlich mit ihm zu reden, sonst geht alles kaputt. Ich habe meinen Vater durch so etwas verloren, immer wieder wurde ihm die Krankheit vorgeworfen und gestritten.
Versuche unbedingt nach vorheriger Absprache mit zur Therapeutin zu kommen. Eine Paartherapie wäre sehr unterstützend. Medikente wie Baclofen und Nalmefen können den Suchtdruck reduzieren.
Lasse ihn bitte niemals nach einem Streit alleine, redet, bis er es verarbeitet hat.

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Re: Mein Freund ist alkholkrank?

Beitragvon aussiegerman » 28 Nov 2016, 11:03

Hallo, danke für eure Antworten.

Bisher habe ich es sagen wir ignoriert und fand es okay wenn er zum Essen eine Flasche Wein trinkt. Schließlich sucht er sie auch nicht nach Alkoholgehalt oder nur nach dem Preis aus sondern nach Geschmack.

@Akil: Was genau meinst du damit, dass er dir nicht vertrauenswürdig erscheint? Weil er mich eventuell in Bezug auf sein Trinkverhalten belügen könnte?
Wenn ich ihn in dem Arm nehme und mit ihm rede versuche ich das immer sehr einfühlsam zu machen und habe dann nach anfänglichem Zögern seinerseits das Gefühl, dass er auch wirklich ehrlich ist. Dennoch ist er bezüglich seiner Vorgeschichte relativ verschlossen und ich weiß nur über die groben "Rahmenbedingungen" Bescheid. Daraus wird mir ziemlich klar, dass die Psychischen Erkrankungen zuerst kamen und das Problem mit dem Alkohol erst danach.

Aufgrund dessen, dass er hier und da relativ verschlossen bleibt, kann ich mir nicht vorstellen, dass er bereit wäre mich zur Therapie mit zu nehmen. Auf meine Frage ob das allein trinken (also alles was über Wein zum Essen hinaus geht) öfter vorkommt, meinte er er müsse ja arbeiten und da geht das ja eh nicht und am Wochenende sehen wir uns ja immer. Es gibt auch Situationen wo er keinen Alkohol trinken mag. Ich wollte zum Beispiel auf einen Weihnachtsmarkt in einer bestimmten Stadt und er meinte "Ja kein Problem, dann trink ich halt keinen Glühwein und fahre zurück." Ich denke auch, dass er dem Alkohol durchaus widerstehen kann. Beim Geburtstag seiner Mutter trank er nur alkoholfreien Sekt usw. Dennoch kann gerade das mit dem Sekt ja auch ein Schutz sein, oder er hat sich vorgeschrieben vor seiner Mutter nichts zu trinken, aber das weiß ich nicht.

Ich bin durchaus bereit ihn zu unterstützen, denn ich liebe ihn wirklich sehr und er ist der beste Mann, den ich kenne. Jedoch weiß ich, dass diese Sache mein Leben umkrempeln könnte, ich so gut wie nicht mehr trinken kann, es schwer wird wenn wir bei Freunden auf Partys eingeladen sind. Und ich muss zugeben ich trinke eigentlich ganz gerne mal, wenn es einen Anlass gibt oder ich alte Freunde wieder sehe. Meine Freunde mögen ihn und mögen es auch, dass er mit ihnen trinkt und sie dazu auffordert. Bis zu jenem Wochenende habe ich das auch als positiv eingeschätzt... Ich weiß einfach nicht inwiefern ich mein Leben so einschränken möchte, aber ich weiß auch, dass mir das Herz bluten würde ihn wegen so etwas irgendwann einmal verlassen zu müssen.

Wenn wir uns sonst gesehen haben, hatte er eigentlich nie eine Fahne oder sonstiges und wir sehen uns sehr oft. Vielleicht ist er auch Quartalstrinker. Also trinkt zwar immer seinen Wein aber im Quartal verliert er absolut die Kontrolle. Das würde auch zu seiner Aussage mit der Jahreszeit und seinem Ex passen. Aber das sind natürlich alles Vermutungen.

Vielen Dank für eure Lieben Antworten. :)
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Re: Mein Freund ist alkholkrank?

Beitragvon mafri » 28 Nov 2016, 11:33

Es gibt viele die trinken ihre Probleme weg, dein Freund ist garantiert so einer. Auch wenn es vielleicht nicht so aussieht als ob es ginge, Versuche mit zur Therapie zu kommen. Man kann in einem Gespräch Grenzen vereinbaren, die nicht tangiert werden. Ich denke, wenn es eine gute Therapeutin ist wird sie darauf eingehen.
Du musst einfach an ihn heran kommen um ihn helfen zu können. Das ist durch lange und stetige Arbeit möglich.

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Re: Mein Freund ist alkholkrank?

Beitragvon Hektsa » 28 Nov 2016, 22:04

Ich denke, dass die Sucht längst nicht mehr in einem Anfangsstadium steckt, es hört sich nicht besonders gut an. Ich muss auch sagen, dass ich wirklich gut finde, dass du versucht, das Problem zu lösen. Trotzdem denke ich, dass du neben der Therapeutin weitere Hilfe benötigen könntest. Es wäre bestimmt gut, wenn du bei einer Sucht-Hotline anrufen oder dich vielleicht in einem Sucht-Zentrum informieren würdest. Die dort arbeitenden Leute haben ein offenes Ohr für dich und werden dir sicher auch helfen können. Vielleicht könntest du auch versuchen, ihn zu überreden, eine Selbsthilfegruppe zu besuchen oder vielleicht selbst eine Beratungsstelle aufzusuchen. Wichtig ist, so denke ich, dass du oder er mit Experten in Kontakt kommst, die Erfahrung mit Sucht haben, wahrscheinlich auch mehr praktische Erfahrungen zur Suchtbekämpfung als deines Freundes Therapeutin.

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Re: Mein Freund ist alkholkrank?

Beitragvon Sky26 » 29 Nov 2016, 22:45

Hey Max,

ich denke trotz der Tatsache, dass Ferndiagnosen übers Internet nicht möglich sind, können wir uns hier alle darauf einigen, dass Dein Freund problematisch mit Alkohol umgeht. Ich weiss, dass es als Betroffener oft schwer ist, sich selbst einzugestehen, dass man ein Alkoholproblem hat. Umso wichtiger ist es, dass man sich eines verständnisvollen Umfelds sicher sein kann.

Du hast geschrieben, dass er teilweise recht verschlossen ist. Hast Du mal direkt nachgefragt, wie er seinen Alkoholkonsum so einschätzt? Was macht er eigentlich ungefähr beruflich und wie kommt er zur Arbeit? Sollte er dabei sich und andere gefährden, würde ich dringend das Gespräch suchen. Wie mafri bereits geschrieben hat, ist Alkoholismus eine Krankheit, dafür kannst Du Dich auch krankschreiben lassen und eine Therapie machen. Wenn sonst während der Arbeit oder des Weges dahin etwas passiert, wird es echt unschön.

Also abschließend wäre meine Empfehlung, dass Du mit ihm sein Verhalten reflektierst, ihn seinen Arzt darüber informieren lässt und in einem Dir zumutbaren Maß ein Auge darauf hast, dass er sich und andere nicht gefährdet. Auch ein einschlägiges Treffen mit anderen Betroffenen, wie etwa den Anonymen Alkoholikern, könnte helfen.

Ich möchte noch schreiben, dass ich das hier

Ich selbst trinke keinen Wein, da er mir nicht schmeckt und bevorzuge Bier zum essen.


Ich war auch schon mehr als ein mal sturzbetrunken. Allerdings nicht allein und nicht um meine Sorgen zu unterdrücken.
Zudem trinke ich nicht täglich eine halbe Flasche Wein sondern meistens nur ein Bier, welches weniger Volumen und weniger Alkoholgehalt hat. Ich trinke keine härteren Sachen allein.


Kommendes Wochenende steht eine Geburtstagsfeier an, dort wird es Alkohol geben, ich weiß noch nicht wie ich dieser Tatsache gegenüber stehen soll.


Bisher habe ich es sagen wir ignoriert und fand es okay wenn er zum Essen eine Flasche Wein trinkt. Schließlich sucht er sie auch nicht nach Alkoholgehalt oder nur nach dem Preis aus sondern nach Geschmack.


Jedoch weiß ich, dass diese Sache mein Leben umkrempeln könnte, ich so gut wie nicht mehr trinken kann [...]


Und ich muss zugeben ich trinke eigentlich ganz gerne mal, wenn es einen Anlass gibt oder ich alte Freunde wieder sehe.


Ich weiß einfach nicht inwiefern ich mein Leben so einschränken möchte [...]


bedenklich finde.


Liebe Grüße und alles Gute!

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Re: Mein Freund ist alkholkrank?

Beitragvon aussiegerman » 02 Dez 2016, 12:57

Hallo und vielen Dank für eure netten Kommentare.

Zuerst einmal @Sky26:
Inwiefern findest du diese Aussagen bedenklich? Inwiefern soll es bedenklich sein, statt Wein lieber Bier zum essen zu trinken? Damit wollte ich lediglich ausdrücken, dass ich keine große Erfahrung mit Wein an sich habe.

Mein Gedankenkarussell hat sich wieder beruhigt, das hatte zur Folge dass ich ein paar Tage nicht online war. Als ich nach meinem letzten Post das nächste mal in seiner Wohnung war, war alles picobello aufgeräumt und sauber. Normalerweise ist er auch ein (vielleicht schon übertrieben) sauberer Mensch. Das Einzige, was ich seltsam fand, war dass die leeren Vodkaflaschen nicht auffindbar waren, die Weinflaschen aber schon. Ob er sie extra entsorgt hat, keine Ahnung. Aufgefallen ist mir, dass er beim Einkaufen (wir waren in drei Geschäften) keinen Wein gekauft hat. Er kauft natürlich nicht bei jedem Einkauf Wein, allerdings meistens. Ich achte sehr drauf, ob er nach Alkohol riecht, ohne es ihm zu sagen, auch das war nicht der Fall und einen Kaugummi hatte er bisher auch nur einmal im Mund, als er bei mir war.

Klar eine Abstinenz sagt bei Weitem nicht aus, dass das Problem vom Tisch ist, allerdings sind wir jetzt nicht erst 2 Monate zusammen. Ich kann mich erinnern, dass ich letztes Jahr in der Vorweihnachtszeit meine Eltern über längere Zeit besucht habe und ihn daher nicht sehen konnte. Ein (vllt auch 2 mal) war er im schreiben und telefonieren echt seltsam, so als wäre er total verwirrt und seine Worte passen nicht in normale Sätze. Also quasi so, wie an besagtem Wochenende neulich. Damals hatte ich keine Ahnung warum und hab nicht weiter nachgefragt, da einen Tag später alles wieder normal war. Jetzt kann ich mir natürlich einiges denken.

Aufgrund der Tatsache, dass er das zur gleichen Zeit im Jahr hatte und zur selben Jahreszeit, das mit seinem Ex war, kann ich mir vorstellen, dass sich daraus sowas wie eine Art Quartals-Trinker entwickelt. Also sicher abgewandelt aber ich denke ihr wisst was ich meine. Er meinte auch mal, dass er irgendwann vielleicht eine Trauma-Therapie machen will, aber da haben wir schon länger nicht mehr drüber gesprochen.

Auf die Aussage, dass sich hier alle einig sind, dass er einen problematischen Alkoholkonsum aufweist, habe ich eine Frage: Ist der Konsum von Alkohol bei Menschen mit Psychischen Erkrankungen vor allem Depressionen nicht immer automatisch problematisch, da sie nun mal eine besondere Risikogruppe darstellen?
Das macht die Sache sicher nicht besser, aber ich frage mich, inwiefern sich der Konsum verschlimmert oder auch eben nicht. Seiner Aussage nach trinkt er in der Woche nicht und die Aktion am Wochenende war einmalig. Sicherlich trinkt er zum essen oft etwas viel Wein, aber das lässt ihn nicht die Kontrolle über sich verlieren. Möglich ist durchaus, dass er ein funktionierender Alkoholiker ist, mit der Einschränkung bei der Arbeit und sonst tagsüber auch nüchtern zu sein. Wie wahrscheinlich ist es denn, dass sich der Zustand verschlimmert? Also klar die Leber wird belastet und so aber richtig schlimm wäre es ja genau dann, wenn er die Kontrolle über seinen Konsum verliert und eben betrunken auf Arbeit fährt (mit dem Rad) oder halt immer Tagsüber schon betrunken und abends kaum ansprechbar wäre. Ich möchte nicht dass hier ein Falscher Eindruck entsteht. Dieser EINE Abend war echt krass aber sonst kam das noch nicht in meiner Gegenwart vor. Ich habe natürlich erstmal alle negativen Anhaltspunkte aufgezählt die mir eingefallen sind. Daher ist es klar, dass es nun zu 200% negativ wirkt. Sonst habe ich ihn nur angetrunken auf Partys erlebt, und so stark betrunken noch nie. Und wir sehen uns so oft es geht meist, 6 Tage die Woche, wenn möglich.

Klar achte ich jetzt besonders darauf und denke nicht, dass plötzlich wieder heile Welt ist, aber ich will auch keine voreiligen Schlüsse ziehen. In meinem Studium muss ich mich auch mit dem Thema befassen, sicherlich bin ich da noch kein Profi, aber zumindest habe ich Anhaltspunkte, worauf ich achten muss. Falls es da irgendwas gibt versuche ich natürlich zu intervenieren und mit ihm das Thema wieder anzusprechen und nach Hilfen suchen. Wenn ihr wollt, kann ich euch gern auf dem laufenden halten. In den letzten Tagen jedenfalls gab es nichts spektakuläres, das einzig auffällige war wie gesagt, die Tatsache, dass er mal keinen Wein gekauft hat. Das kann natürlich Ablenkung sein, aber auch hier kann man sich einiges Einbilden (Stichwort: Konstruktivismus --> Selbsterfüllende Prophezeiung).

Vielen Dank für eure netten Antworten, es hat mir auf jeden Fall schon geholfen, den Abend zu verarbeiten.
LG
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Re: Mein Freund ist alkholkrank?

Beitragvon mafri » 02 Dez 2016, 13:16

Das er Alkohol trinkt um seine seelischen Schmerzen zu betäuben ist schon schlimm, denn die Probleme werden da durch nicht verarbeitet sondern in sich hinein gefressen. Das kann in einer Beziehung auf Dauer zu Problemen führen, so das man irgendwann nicht mehr richtig an ihn heran kommt. Deswegen Versuche viel mit ihm über eure Probleme und auch vorsichtig über seine vergangenen Probleme zu sprechen und lasse keine unbeendeten Streitereien im Raum stehen. Wenn keine weiteren Belastungen bei ihm dazukommen und er langsam das vergangene aufarbeitet, sollte sich sein Alkoholkonsum in dieser Zeit vielleicht wirklich in einigen Jahren geglättet haben. Bitte achte aber sehr darauf, ob er heimlich trinkt, Flaschen kann man auch im Keller oder so verstecken, was sich bei einigen regelrecht zur Kunst entwickelt.

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Re: Mein Freund ist alkholkrank?

Beitragvon Sky26 » 11 Dez 2016, 13:58

Hey :) Darf ich fragen, wie sich die Situation in der letzten Zeit entwickelt hat?

aussiegerman hat geschrieben:Inwiefern findest du diese Aussagen bedenklich? Inwiefern soll es bedenklich sein, statt Wein lieber Bier zum essen zu trinken? Damit wollte ich lediglich ausdrücken, dass ich keine große Erfahrung mit Wein an sich habe.



Ich gehe mal näher auf die einzelnen Aussagen ein.


Ich selbst trinke keinen Wein, da er mir nicht schmeckt und bevorzuge Bier zum essen.


Für mich klingt das nach "ritualisiertem" Konsum. Als wäre es das Normalste der Welt, Alkohol zum Essen zu trinken.


Ich war auch schon mehr als ein mal sturzbetrunken. Allerdings nicht allein und nicht um meine Sorgen zu unterdrücken.
Zudem trinke ich nicht täglich eine halbe Flasche Wein sondern meistens nur ein Bier, welches weniger Volumen und weniger Alkoholgehalt hat. Ich trinke keine härteren Sachen allein.


Das ist eine Feststellung, dann folgen drei Sätze, um die zu verharmlosen. Als ob es gesünder wäre, in Gesellschaft besoffen zu sein.


Kommendes Wochenende steht eine Geburtstagsfeier an, dort wird es Alkohol geben, ich weiß noch nicht wie ich dieser Tatsache gegenüber stehen soll.


Für mich wäre das eine sehr einfache Sache. Hingehen, Spaß haben, nichts saufen und gut. Wenn Dich das herausfordert und Du befürchtest, etwas zu verpassen, weil Dein Verstand klar bleibt, hast Du ein Problem. Was Dein Freund macht, könnte interessant werden. Solltest Du ihn bitten, nichts zu trinken, weil Du Dir begründet Sorgen machst und er lässt sich darauf ein und schafft das, wäre das ein positives Signal.

Bisher habe ich es sagen wir ignoriert und fand es okay wenn er zum Essen eine Flasche Wein trinkt. Schließlich sucht er sie auch nicht nach Alkoholgehalt oder nur nach dem Preis aus sondern nach Geschmack.


Wenn ich eine Flasche Wein trinke, bin ich für den Abend erledigt. Und natürlich haben auch Abhängige ihren Lieblingsstoff. Sorry, aber der zweite Satz ist für mich ein schwacher Versuch, die Geschichte zu verharmlosen.

Jedoch weiß ich, dass diese Sache mein Leben umkrempeln könnte, ich so gut wie nicht mehr trinken kann [...]


Schön! Wo ist das Problem?


Und ich muss zugeben ich trinke eigentlich ganz gerne mal, wenn es einen Anlass gibt oder ich alte Freunde wieder sehe.


Alkoholiker trinken auch nur, wenn es besondere Anlässe gibt. Die sind dann nur etwas häufiger.

Ich weiß einfach nicht inwiefern ich mein Leben so einschränken möchte [...]


Keinen Alkohol zu trinken, ist doch keine Einschränkung. Wenn Du voll bist, schränkst Du Dich ein, nicht andersrum.

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Re: Mein Freund ist alkholkrank?

Beitragvon aussiegerman » 14 Dez 2016, 22:29

Ja heimlich trinken würde mir tatsächlich die größten Sorgen machen und da werde ich auch weiterhin am meisten drauf achten. Und wir reden eigentlich schon immer mal darüber, was den anderen bedrückt, auch damit ich seine Psychischen Krankheiten irgendwie im Ansatz verstehen kann. Wir haben uns bisher ein einziges mal gestritten und das war wirklich kein wichtiges Thema und Alkohol war da auch nicht im Spiel. Bis jetzt klappt das also ziemlich gut. Klar ist es problematisch, wenn er seine Probleme im Alkohol "ersäuft", allerdings kann ich ihn schlecht zwingen das nicht zu tun, ich kann ihm allerhöchsten helfen innere Konflikte usw. anderweitig zu lösen. Schließlich ist er ja auch in der Therapie und bekommt medis.


Sky26 hat geschrieben:Hey :) Darf ich fragen, wie sich die Situation in der letzten Zeit entwickelt hat?


Es gab keinerlei weiteren Vorfälle, ich habe es in einer ruhigen Minute noch mal angesprochen, allerdings ergab sich nichts beunruhigendes. Anfangs hatte ich Angst er vermeidet, es über Alkohol zu sprechen oder so, aber auch das ist nicht der Fall. Wenn wir einkaufen, kauft er wie gehabt ab und an eine Flasche Wein und manchmal auch nicht. Und manchmal trinkt er Wein zum Essen und manchmal auch nicht. Im Grunde erscheint da alles relativ normal.

Sky26 hat geschrieben:
Ich selbst trinke keinen Wein, da er mir nicht schmeckt und bevorzuge Bier zum essen.


Für mich klingt das nach "ritualisiertem" Konsum. Als wäre es das Normalste der Welt, Alkohol zum Essen zu trinken.


Hm... sieh dich mal um in der Gesellschaft... Ist es das etwa nicht? Ist es nicht normal, wenn man essen geht ein Glas Wein zu bestellen, oder dass zu hause vor dem Fernseher ein kühles Bierchen getrunken wird? Sicherlich ändert das nichts daran, dass regelmäßiger und häufiger Alkoholkonsum negative Folgen sowohl körperlich, als auch psychisch haben kann, normal ist es jedoch schon irgendwie. Alkohol ist eine Gesellschaftlich akzeptierte Droge, somit ist es vermeintlich "normal". Des Weiteren fühle ich mich schon fast angegriffen, wenn du über meinen Konsum urteilst, wenn du nur wenige Einzelaussagen zur Verfügung hast. Ja richtig ist, ich trinke gern ein Bierchen zum essen und genieße das dann auch sehr. Jedoch nicht jeden Tag. Ich habe auch keine festen Regeln oder sowas an welchem Tag ja und an welchem nein. Ich mach es einfach so wie ich Lust darauf habe, heute zum Beispiel nicht, da hatte ich eher Bock auf süßen Erdbeersaft^^.


Ich war auch schon mehr als ein mal sturzbetrunken. Allerdings nicht allein und nicht um meine Sorgen zu unterdrücken.
Zudem trinke ich nicht täglich eine halbe Flasche Wein sondern meistens nur ein Bier, welches weniger Volumen und weniger Alkoholgehalt hat. Ich trinke keine härteren Sachen allein.


Das ist eine Feststellung, dann folgen drei Sätze, um die zu verharmlosen. Als ob es gesünder wäre, in Gesellschaft besoffen zu sein.


Nun ich finde es macht schon einen Unterschied, ob man zu hause allein ein Bierchen Genießt, welches auch Geschmacklich irgendwas her macht, oder ob man sich mit Vodka und Korn besäuft. Körperlich beeinträchtigt es in der Gesellschaft sicher genauso stark. Jedoch mache ich beim Konsum jeder Droge einen Unterschied wenn es um die Motivation geht, sie zu konsumieren. Wenn ich gut gelaunt bin, und mit meinen Freunden feiern bin, und dort etwas trinke, ist für mich ganz klar eine andere Motivation sichtbar, als wenn jemand allein zu Haus seinen Kummer weg säuft. Findest du nicht?

Man sollte allgemein alles im Kontext sehen, ein Suchtkranker hat auch nicht die Sucht als Hauptproblem sondern eher als Symptom, daher ist auch hier ein Kontext wichtig um zu sehen durch welche Umstände er in die Sucht geraten ist. (Hat jz nix mit mir zu tun, fand ich aber trotzdem wichtig.)

Kommendes Wochenende steht eine Geburtstagsfeier an, dort wird es Alkohol geben, ich weiß noch nicht wie ich dieser Tatsache gegenüber stehen soll.


Für mich wäre das eine sehr einfache Sache. Hingehen, Spaß haben, nichts saufen und gut. Wenn Dich das herausfordert und Du befürchtest, etwas zu verpassen, weil Dein Verstand klar bleibt, hast Du ein Problem. Was Dein Freund macht, könnte interessant werden. Solltest Du ihn bitten, nichts zu trinken, weil Du Dir begründet Sorgen machst und er lässt sich darauf ein und schafft das, wäre das ein positives Signal.


Ja das wäre denkbar, jedoch will ich ihm keine Vorschriften machen. Er kennt meine Meinung zu dem Abend als er betrunken war und sein Verhalten tat ihm leid. Wenn alles in vermeintlich normalen Bahnen abläuft, was ist daran so schlimm Alkohol zu trinken? Ich habe das mit der Feier nur geschrieben, weil ich sehr besorgt war und gesellschaftliche Konventionen ihn zum trinken zwingen könnten obwohl er das vielleicht gar nicht mehr will, wenn er um sein Problem weiß. Ich wollte dann lediglich sein Verhalten beobachten, ob er was trinkt und wie viel. Und in meinem besorgtem Zustand, den ich neulich hatte, wird es ja wohl verständlich sein, sich auch darüber Gedanken zu machen.

Bisher habe ich es sagen wir ignoriert und fand es okay wenn er zum Essen eine Flasche Wein trinkt. Schließlich sucht er sie auch nicht nach Alkoholgehalt oder nur nach dem Preis aus sondern nach Geschmack.


Wenn ich eine Flasche Wein trinke, bin ich für den Abend erledigt. Und natürlich haben auch Abhängige ihren Lieblingsstoff. Sorry, aber der zweite Satz ist für mich ein schwacher Versuch, die Geschichte zu verharmlosen.


Joa vielleicht ist es das, da kann ich nicht mal widersprechen. Aber auch hier gibt es noch den Unterschied zu den Personen, die sich alles reinhauen "Hauptsache es knallt".

Jedoch weiß ich, dass diese Sache mein Leben umkrempeln könnte, ich so gut wie nicht mehr trinken kann [...]


Schön! Wo ist das Problem?


Gut, wenn so etwas für dich kein Problem darstellt, aber Menschen sind verschieden. (Weiter siehe übernächstes Zitat.)

Und ich muss zugeben ich trinke eigentlich ganz gerne mal, wenn es einen Anlass gibt oder ich alte Freunde wieder sehe.


Alkoholiker trinken auch nur, wenn es besondere Anlässe gibt. Die sind dann nur etwas häufiger.


Spiegeltrinker haben den Anlass dann jeden Tag? Hm naja hier muss man noch differenzieren aber prinzipiell ist die Aussage nicht falsch.

Ich weiß einfach nicht inwiefern ich mein Leben so einschränken möchte [...]


Keinen Alkohol zu trinken, ist doch keine Einschränkung. Wenn Du voll bist, schränkst Du Dich ein, nicht andersrum.


Ja doch für mich schon. Ich bin jung, Student, Pflege Freundschaften und genieße gemeinsame Abende, ich liebe den Geschmack von Bier und finde auch den Alkoholischen Rausch angenehm. Sicherlich zwingen mich meine Freunde nicht zum trinken, aber ich habe ein Stück weit erwartet, dass du nachvollziehen kannst wie das unter Studenten so läuft. Und nein ich hänge nicht mal mit denen rum, welche wetten, wer der vollste wird, aber wenn jemand Geburtstag hat, dann ist es auch lustig mal ein Glas mehr zu trinken.

Ich weiß nicht wie Alt du bist, und ob du jemals irgendwo mit wem wirklich ausgelassen gefeiert hast. Ich weiß nicht, ob du jemals eine Kneipe zusammen mit Freunden von innen gesehen hast, ob du jemals darüber lachen konntest, wenn jemand etwas blödes gemacht hat, weil er nicht nüchtern war. Ich weiß nicht ob du jemals selbst Alkohol getrunken hast, bzw. mal etwas mehr davon getrunken hast. Ich habe jedenfalls nicht den Eindruck.
Ich will Alkohol nicht schön reden und dir auch nicht empfehlen. Wenn du ohne glücklich bist, dann freut mich das für dich und ich würde das Unterstützen. Jedoch hat nicht jeder, der den Alkoholischen Rausch mag zwangsweise ein Alkoholproblem.
Falls du nie etwas Getrunken haben solltest, oder zumindest nicht so viel, dass du eine starke Wirkung hattest, und diese mit positiven und emotionalen Lebensereignissen verknüpft hast, dann erwarte bitte auch nicht dass "nie wieder trinken" für alle Menschen auf der Welt kein Problem sei. Ich kann auch sagen, "ohne XTC fehlt mir gar nichts", jedoch wird das daran liegen, dass ich es einfach noch nie genommen habe.

Mir würde schon etwas fehlen, und ja vielleicht trinke ich zu oft am Abend mein Bier, jedoch würde ich mein Alkoholkonsum absolut nicht als Problematisch einstufen, auch wenn ich gern zum feiern etwas mehr trinke. Und ja es macht einen Unterschied ob man trinkt, weil man Probleme Unterdrücken möchte, oder einfach zum feiern, weil "Alkohol Spaß macht". Und falls es so rüber kommt, auch wenn ich hier und da schreibe "ein Glas mehr trinken", endet das in der Regel lange nicht soweit, dass ich nicht mehr laufen kann. Lange rede kruzer Sinn, mir würde etwas wegfallen, wenn ich von heute auf morgen nie wieder Alkohol trinken dürfte, ich würde ausgelassene Partys vermissen, da ich nüchtern Definitiv mehr Hemmungen hätte. Ich würde den Geschmack von Bier vermissen (und ja im Alkoholfreien ist auch Alkohol, daher für trockene Alkoholiker tabu!). Ich habe kein Problem enige Zeit darauf zu verzichten, wenn es einen oder mehrere für mich ersichtliche Gründe gäbe, jedoch nie wieder Alkohol trinken würde ich vermissen. Das wäre jedoch in meinen Augen ein ähnliches Phänomen, wie nie wieder sein Lieblingsessen essen oder seinen Lieblingssport betreiben zu dürfen, bestimmte Freizeitaktivitäten, welche man gern hat, zu streichen oder sonstiges.
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Sky26
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Re: Mein Freund ist alkholkrank?

Beitragvon Sky26 » 15 Dez 2016, 18:41

Hey :)

Freut mich sehr zu lesen, dass sowas nicht mehr vorgekommen ist. Und schön, dass ihr zusammen darüber reden könnt. Sofern Du jetzt keine oder zumindest weniger Sorgen mit der Thematik hast, kann ich zu Deinem ursprünglichen Anliegen nichts mehr beitragen. Ich werde hier nur noch auf die letzten Äußerungen, Fragen und die Hintergründe eingehen. Falls Dich das nicht interessiert, wünsche ich Dir an dieser Stelle schonmal alles Gute für die Zukunft und eine schöne Weihnachtszeit! :)



Hm... sieh dich mal um in der Gesellschaft... Ist es das etwa nicht? Ist es nicht normal, wenn man essen geht ein Glas Wein zu bestellen, oder dass zu hause vor dem Fernseher ein kühles Bierchen getrunken wird?

Alkohol ist eine Gesellschaftlich akzeptierte Droge, somit ist es vermeintlich "normal".

Ja, ist es. Vollkommen richtig. Aber macht das irgendetwas daran besser? Auch mir wird durch viele Personen immer wieder der Eindruck vermittelt, dass es vollkommen okay und normal ist, bei vielen insbesondere gesellschaftlichen Anlässen allerlei Zeugs in seinen Körper reinzukippen. Permanente Aufforderungen ("Nimm!", "Bedient Euch!") und Diminutive (Bierchen, Gläschen) sind nur zwei von vielen Beispielen. Natürlich sollte das jeder für sich entscheiden. Meine Absicht war es, Dich zum Hinterfragen anzuregen.

Des Weiteren fühle ich mich schon fast angegriffen, wenn du über meinen Konsum urteilst, wenn du nur wenige Einzelaussagen zur Verfügung hast.

Wie gesagt, Dich anzugreifen war nicht meine Absicht. Es ging mir darum, Dir mitzuteilen, dass ich viele Deiner Aussagen bedenklich finde und Dir Inspirationen zu geben, Dich mit diesen auseinanderzusetzen. Ich habe einen ganz anderen Standpunkt als Du (keinen besseren, keinen schlechteren, einen anderen), vielleicht kann ich ja etwas Positives aus Deiner und Du aus meiner Sichtweise mitnehmen. Bei sowas hier zum Beispiel...

Wenn ich gut gelaunt bin, und mit meinen Freunden feiern bin, und dort etwas trinke, ist für mich ganz klar eine andere Motivation sichtbar, als wenn jemand allein zu Haus seinen Kummer weg säuft. Findest du nicht?

Nein, finde ich nicht. Die Motivation ist es, die eigene Stimmung zu verbessern. Ob Du das mit guter Laune oder weniger guter Laune tust, ist für mich unerheblich. Egal ob Du die Heizung bei 15° oder bei 20° einschaltest, Deine Absicht ist, dass es wärmer wird. Klar steht eine Feier mit Freunden in einem deutlich positiveren Kontext als einsames Frustsaufen. Aber ich trenne da zwischen Feiern und Alkohol und Frust und Alkohol. Der gemeinsame Nenner ist Alkohol, der als Droge eingesetzt wird. Ob man das tut, um unbeschwert schlafen zu können oder um unbeschwert feiern zu können, spielt für mich keine Rolle.

Ich habe das mit der Feier nur geschrieben, weil ich sehr besorgt war und gesellschaftliche Konventionen ihn zum trinken zwingen könnten obwohl er das vielleicht gar nicht mehr will, wenn er um sein Problem weiß.

Schön, dass Du gesellschaftliche Konventionen ansprichst. Dieses Thema verdient hier einen eigenen Thread finde ich, jedenfalls würde es hier den Rahmen sprengen. Ich möchte ohne näher darauf einzugehen dazu anmerken, dass ich es für empfehlenswert halte, viele dieser gesellschaftlichen Konventionen zu überwinden.

Aber auch hier gibt es noch den Unterschied zu den Personen, die sich alles reinhauen "Hauptsache es knallt".

Der Unterschied ist da, das stimmt. Nur wäre ich nicht so weit gegangen, Deinen Freund mit diesem Extrembeispiel zu vergleichen.

Spiegeltrinker haben den Anlass dann jeden Tag?

Ja.

Ja doch für mich schon. Ich bin jung, Student, Pflege Freundschaften und genieße gemeinsame Abende, ich liebe den Geschmack von Bier und finde auch den Alkoholischen Rausch angenehm. Sicherlich zwingen mich meine Freunde nicht zum trinken, aber ich habe ein Stück weit erwartet, dass du nachvollziehen kannst wie das unter Studenten so läuft. Und nein ich hänge nicht mal mit denen rum, welche wetten, wer der vollste wird, aber wenn jemand Geburtstag hat, dann ist es auch lustig mal ein Glas mehr zu trinken.

Ich weiß nicht wie Alt du bist, und ob du jemals irgendwo mit wem wirklich ausgelassen gefeiert hast. Ich weiß nicht, ob du jemals eine Kneipe zusammen mit Freunden von innen gesehen hast, ob du jemals darüber lachen konntest, wenn jemand etwas blödes gemacht hat, weil er nicht nüchtern war. Ich weiß nicht ob du jemals selbst Alkohol getrunken hast, bzw. mal etwas mehr davon getrunken hast. Ich habe jedenfalls nicht den Eindruck.

Falls du nie etwas Getrunken haben solltest, oder zumindest nicht so viel, dass du eine starke Wirkung hattest, und diese mit positiven und emotionalen Lebensereignissen verknüpft hast, dann erwarte bitte auch nicht dass "nie wieder trinken" für alle Menschen auf der Welt kein Problem sei. Ich kann auch sagen, "ohne XTC fehlt mir gar nichts", jedoch wird das daran liegen, dass ich es einfach noch nie genommen habe.


Ohhhh, ich fürchte, dass ich auf Dich wie ein 60-jähriger Spaßverderber wirke, der Dir mit erhobenem Zeigefinger sagt, dass Du auf dem falschen Weg bist! :D Deshalb etwas zu mir persönlich. :)

Mit 16 bis 18 war in mehr oder weniger regelmäßig in einem Internat am Arsch der Welt. In meiner Freizeit habe ich da selten etwas anderes gemacht, als zu saufen. Klar, es gab durchaus Angebote und Möglichkeiten. Aber am Ende war der Weg in die Kneipe immer gewiss, schließlich war die Stimmung da ausgelassen, locker, man kam immer mit Leuten ins Gespräch und es ist richtig lustig gewesen, wenn jemand etwas Blödes gemacht hat. Auch ich habe einiges lustig Blödes da gemacht, angeblich sogar einiges mehr, aber davon weiss ich dann nichts mehr. Durchaus habe ich an diese Zeit sehr positive und emotionale Erinnerungen.

Nur ist es bei mir dann so gewesen, dass ich selbst den Abend kaum mehr abwarten konnte. In der Mittagspause auf dem Zimmer mit zwei anderen Leuten einen Sechser zu trinken, war irgendwann nicht mehr ungewöhnlich. Es gab manchmal welche, die gesagt haben, dass sie das komisch finden, dann fielen auch mal so Wörter wie "Alkis". Aber für uns war das nicht so, war ja immer nur ein "Bierchen". Abends stand dann regelmäßig eine Kneipe auf dem Programm. Wenn nicht, haben wir uns mit anderen aufs Zimmer gesetzt und Filme gestreamt, natürlich auch mit Alkohol. Wenn ich dann morgens aufgewacht bin, ging es mir meist dreckig und ich dachte mir "Boaah, nie wieder Alkohol!". Dazu kam, dass ich bei mir und einigen meiner Klassenkameraden sehr negative Veränderungen bemerkt habe. Irgendwann mit 18 habe ich dann die Entscheidung getroffen, höchstens einmal in der Woche zu trinken. Aus Angst, von meinem Umfeld deshalb anders behandelt zu werden, bin ich dann immer gefahren.

Mit Abschluss des Internats habe ich bis auf wenige Ausnahmen auch den persönlichen Kontakt zu meinem damaligen Freundeskreis beendet. Ab da stieß ich zwar gelegentlich auf überraschte Gesichter, wenn ich gesagt habe, dass ich keinen Alkohol trinke. Schwierigkeiten Freunde zu finden, Kontakte zu knüpfen, viel Spaß zu haben und ausgelassen zu feiern hatte ich damit aber weder im Studium noch im Kollegenkreis. Du findest auch auf Feiern coole Leute, gerade wenn Du keinen Alkohol trinkst, erkennst Du oft schon am Getränk die erste Gemeinsamkeit. :wink: Übrigens bin ich 24. :)

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Re: Mein Freund ist alkholkrank?

Beitragvon aussiegerman » 19 Dez 2016, 21:36

Okay, danke dass du etwas über die Persönlich geschrieben hast, das hilft mir deine Position nachzuvollziehen. Und ja wenn man das so hört wie du es beschreibst, würde ich auch sagen, dass du früher dem Alkohol einen definitiv zu hohen Stellenwert zugeschrieben hast und einen sagen wir mal kritisch einzustufenden Konsum hattest. Auf der anderen Seite war das, vor deiner Volljährigkeit, dort ist es (leider) ja Standard, dass man mit 16 an kaum was anderes Denkt als ans saufen. Jedenfalls kenne ich da genug Beispiele aus meiner Vergangenheit. Es freut mich, dass du jetzt glücklich mit deiner Entscheidung bist. Keinen Alkohol zu trinken ist ja auch irgendwo gesund.

Dennoch ist Alkohol für mich persönlich etwas, was bei mir zum leben dazu gehört. Ich würde nicht sagen, dass ich es "brauche" oder besonderes Verlangen habe, aber dennoch möchte ich nicht drauf verzichten. Wie gesagt Alkohol hat viele negative Begleiterscheinungen, und ein nicht unwesentlicher Anteil der Menschheit, schafft es nicht, den Alkoholkonsum in einem angemessenen Rahmen zu halten, aber das sagt noch nicht aus, dass es mir persönlich zwingend besser geht, wenn ich einfach nichts mehr trinke.

Mit "normal" in der Gesellschaft meinte ich auch nur die Tatsache, dass es gesellschaftlich akzeptiert und allgegenwärtig ist, natürlich bin ich auch deiner Meinung, dass man das kritisch hinterfragen sollte, und man es besorgniserregend sehen kann, dass Alkohol trinken zum Standard erhoben wurde und nichts-trinken einem seltsamen Verhalten gleichgesetzt wird.

Und ja du hast recht, wenn du sagst, dass man mit Alkohol meistens seine Stimmung verbessern will, egal in welchem setting, aber im Grunde finde ich das nicht schlimm. Menschen nutzen verschiedene Drogen schon seit der Steinzeit. Du würzt dein Essen ja auch mit Pfeffer (zumindest glaube ich das jz mal) und wozu? Damit es besser schmeckt und im Übrigen ist Pfeffer, genauso wie ein Großteil anderer Lebensmittel, auch Psychoaktiv. Er bewirkt eine Art Zufriedenstellung und Glücklichsein. Der einzige Unterschied zum Alkohol besteht meiner Meinung nach, dass kein Rausch vorhanden ist und die Gesundheitlichen Schäden aus bleiben. Dennoch hast du quasi dasselbe Prinzip zum Glücklichwerden, auch wenn es wahrscheinlich niemandem direkt bewusst wird. Bei anderen Lebensmitteln können dann auch noch gesundheitliche Folgen eintreten, und wir essen es trotzdem. (Ja okay kommt auf die Lebensweise an, aber ich denke du weißt worauf ich hinaus will.)

Und deshalb mache ich schon einen Unterschied, ob man mit Alkohol seine Stimmung steigern will, um Spaß zu haben, oder ob man aus einer schlechten Laune heraus bessere Stimmung erzwingen will. In Meinen Augen ist es wichtig, dass man nicht verlernt auch ohne Alkohol in guter Stimmung zu sein und Spaß haben zu können.


Auch wenn das alles nicht mehr viel mit dem Eigentlichen Thema zu tun hatte, fand ich es dennoch sehr interessant.

Frohe Feiertage wünsche ich dir. :)
Be the Change you want to see in this World - Mahatma Gandhi

Re: Mein Freund ist alkholkrank?

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