BGH verweigert intersexuellen Menschen eigenen Geschlechtseintrag

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Zuri
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BGH verweigert intersexuellen Menschen eigenen Geschlechtseintrag

Beitragvon Zuri » 11 Aug 2016, 23:52

Ein intersexueller Mensch hatte Klage dagegen eingereicht, dass man ins Geburtenregister nur die Geschlechter "männlich" oder "weiblich" eintragen lassen kann und man bei der Geburt versucht, dem Kind zwangsweise ein Geschlecht zuzuordnen. Das ist nicht nur für Transsexuelle oder Transgender schwierig, sondern auch für Intersexuelle.

Die Begründung dafür, dass die Klage in allen Instanzen zurückgewiesen wurde, ist, dass es nach deutscher Tradition, ähnlich wie in diesem Land, welches gerade einmal zu 50% tolerant ist(Quelle), die "richtige" Ehe auch nur aus Mann und Frau bestehen darf, will die Gesetzgebung auch hier von ihrem Zweigeschlechtermodell keinen Millimeter abweichen.

Als Kompromiss, welcher von denen, die den Vorschlag unterbreiteten, als großer Schritt auf die Intersexuellen betrachtet wird, wird den Intersexuellen vorgeschlagen, einfach ihre Eintragung unter "Geschlecht" im Geburtenregister löschen zu lassen. Dann haben sie quasi kein Geschlecht, obwohl auch sie, genauso wie Homosexuelle, Transsexuelle und andere der LGBT*-Community, hart für Akzeptanz gekämpft haben.

Hier der ganze Artikel: http://www.msn.com/de-de/nachrichten/po ... id=OLCONUA

Abschließend ein paar Fragen:
  • Was haltet ihr davon?
  • Gibt es hier im Forum auch Intersexuelle?
  • Kennt ihr Intersexuelle und wie ist deren Meinung bzw. waren sie bereits in einer solchen Situation?
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BGH verweigert intersexuellen Menschen eigenen Geschlechtseintrag

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Yako
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Re: BGH verweigert intersexuellen Menschen eigenen Geschlechtseintrag

Beitragvon Yako » 12 Aug 2016, 09:44

Ich bin nicht intersexuell, aber ich bezeichne mich als Demiboy. (80% Junge, 20% was andres)
Ich finde es wichtig, dass Personen, die sich nicht in das binäre Geschlechtsmodell einordnen, sich frei entfalten dürfen.
Leider ist das sehr selten bis nie der Fall, viele außenstehende haben Probleme sind in dieses Feld hineinzuversetzen
[Quod nocet, saepe docet]

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Re: BGH verweigert intersexuellen Menschen eigenen Geschlechtseintrag

Beitragvon TechBoy96 » 12 Aug 2016, 12:21

Hier ist der vollständige Gerichtsbeschluss:
Dateianhänge
xii_zb__52-15.pdf
Beschluss BGH
(126.23 KiB) 10-mal heruntergeladen

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Nirbro
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Re: BGH verweigert intersexuellen Menschen eigenen Geschlechtseintrag

Beitragvon Nirbro » 12 Aug 2016, 21:38

Zuri hat geschrieben:Die Begründung dafür, dass die Klage in allen Instanzen zurückgewiesen wurde, ist, dass [...] die "richtige" Ehe auch nur aus Mann und Frau bestehen darf, [und] die Gesetzgebung auch hier von ihrem Zweigeschlechtermodell keinen Millimeter abweichen [will].

In erster Linie wird als Begründung angegeben, dass das Personenstandgesetz (insbesondere PStG §§ 21 Abs. 1 Nr. 3 und 22 Abs. 3) eine Eintragung als "inter" bzw. "divers" nicht zuließe, da der Eintrag bei 'Geschlecht' lediglich leer bleiben könne, wenn das Geschlecht nicht eindeutig zugeordnet werden kann.

In Bezug auf das Zweigeschlechtermodell wird, soweit ich das verstanden habe nur argumentiert, dass die Eintragung des Geschlechts als "inter" oder "divers" keinen Sinn ergebe, da es an rechtlichen Regelungen (aufgrund des Zweigeschlechtermodells) dazu fehle. (Korrigiert mich, falls ich damit falsch liege!)

Persönlich finde ich, dass es für Betroffene ein schwacher Trost ist, den Geschlechtseintrag leer lassen zu können.
Ich könnte mir auch vorstellen, dass aufgrund der binären Geschlechtsvorstellung in gewisser Weise ein Druck auf Inter*-Personen lastet sich selbst einem Geschlecht zuzuordnen.
Ein Computer rechnet mit allem, nur nicht mit seinem Benutzer.

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Re: BGH verweigert intersexuellen Menschen eigenen Geschlechtseintrag

Beitragvon Zuri » 13 Aug 2016, 01:13

Nirbro hat geschrieben:
Zuri hat geschrieben:Die Begründung dafür, dass die Klage in allen Instanzen zurückgewiesen wurde, ist, dass [...] die "richtige" Ehe auch nur aus Mann und Frau bestehen darf, [und] die Gesetzgebung auch hier von ihrem Zweigeschlechtermodell keinen Millimeter abweichen [will].

In erster Linie wird als Begründung angegeben, dass [durch] das Personenstandgesetz (insbesondere PStG §§ 21 Abs. 1 Nr. 3 und 22 Abs. 3) [...] der Eintrag bei 'Geschlecht' lediglich leer bleiben könne, wenn das Geschlecht nicht eindeutig zugeordnet werden kann.

In Bezug auf das Zweigeschlechtermodell wird, soweit ich das verstanden habe nur argumentiert, dass die Eintragung des Geschlechts als "inter" oder "divers" keinen Sinn ergebe, da es an rechtlichen Regelungen (aufgrund des Zweigeschlechtermodells) dazu fehle. (Korrigiert mich, falls ich damit falsch liege!)

Na ja, aber das kommt doch auf dasselbe hinaus, oder etwa nicht. Du hast es quasi nur präzisiert.
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Re: BGH verweigert intersexuellen Menschen eigenen Geschlechtseintrag

Beitragvon Zuri » 13 Aug 2016, 03:43

Früher konnte in Deutschland in das Geburtsregister nur „männlich“ oder „weiblich“ eingetragen werden.

Es gab Kritik, dieser Zwang diskriminiere die intersexuelle Minderheit. Der Deutsche Ethikrat schlug im Februar 2012 dem Deutschen Bundestag vor, „dass intersexuelle Menschen auch den Eintrag ‚andere‘ wählen können“. [...] In einer Stellungnahme führte der Deutsche Ethikrat 2012 aus, dass die Situation von intersexuellen Menschen in starkem Maße durch Leidenserfahrungen, Missachtung seitens der Medizin, mangelnder Sensibilität des gesellschaftlichen Umfelds, administrativen und bürokratischen Hemmnissen und verbreitete gesellschaftliche Unkenntnis der Lebenswirklichkeit gekennzeichnet ist. Zur rechtlichen Bewertung stellt er dar, dass Eltern nach dem Preußischen Allgemeinen Landrecht von 1794 bei Nichteindeutigkeit des Geschlechts das Wahlrecht hatten (sog. Zwitterparagraf). Mit der Einführung des Personenstandsrechts Ende des 19. Jahrhunderts wurde aus dem Wahlrecht ein Zuweisungsrecht in die Kategorien „männlich“ und „weiblich“. Im Ausland dagegen lassen mehrere Kulturen eine weitere Geschlechtskategorie zu (zum Beispiel Kulturen in Indien, Brasilien, Kosovo, Nordamerika und Indonesien). In Australien wurde 2011 das dritte Geschlecht (X für „indeterminiert“) im Pass eingeführt. In Belgien kann das Geschlecht nach der Geburt eines Kindes als unbestimmbar eingetragen werden. In Deutschland könne seit der Neuregelung des Personenstandsgesetzes 2009 auf Verlangen darauf verzichtet werden, in die Geburtsurkunde das Geschlecht aufzunehmen (§ 59 Absatz 2 PStG).

In der Folge sah eine Beschlussempfehlung des Innenausschusses des Deutschen Bundestages eine weitere Änderung des Personenstandsrechts vor, die sich der Problemstellungen zum Thema „Intersexualität“ annahm und klarstellte, dass die Geschlechtsangabe im Geburtseintrag offenbleiben kann, wenn diese nicht zweifelsfrei feststeht.
https://de.wikipedia.org/wiki/Intersexu ... festlegung
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Re: BGH verweigert intersexuellen Menschen eigenen Geschlechtseintrag

Beitragvon Nils97 » 13 Aug 2016, 23:58

ich denke Deutschland is da sehr tolerant. wenn ich da andere länder sehe. auch wenn das altmodisch klingt

Re: BGH verweigert intersexuellen Menschen eigenen Geschlechtseintrag

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