Schwule in der Opferrolle

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Schwule in der Opferrolle

Beitragvon TechBoy96 » 30 Jun 2016, 22:03

Hallöchen!

Kaum drei Wochen nach dem Anschlag in Orlando, kommt ein recht bekannter schwuler YouTuber namens Calum McSwiggan auf die Idee, sich selbst zu verprügeln, ein Bild von sich im Krankenhaus zu posten und hinterher zu behaupten, er sei von Schwulenhassern geschlagen worden.

https://www.youtube.com/watch?v=foATjCDWxF0
http://www.dailymail.co.uk/news/article-3667088/YouTube-star-Calum-McSwiggan-charged-faking-homophobic-attack-cops-caught-beating-phone-jail.html

Das hat mich dazu angeregt, nochmal über die Opferrolle von Schwulen in unserer Gesellschaft nachzudenken. Mir ist schon klar, dass Homophobie noch präsent ist, dennoch halte ich es für übertrieben, wie sehr sich einige Leute in ihre Opferrolle hinein steigern. Vor allem dann, wenn die Rolle einem Vorteile verschafft (Aufmerksamkeit, Geld, Clicks/Likes etc.), spielt man gerne den diskriminierten und benachteiligten. Da werden aus Mücken schnell mal Elefanten (siehe Instagram, Twitter und Tumblr) und man fühlt sich ständig angegriffen (Stichwort: "Micro-Aggressions"). Im Extremfall erfindet man eine ganze Story darüber, wie man irgendwelchen bösen Homo-Hassern zum Opfer gefallen ist.

Ich beobachte mit großer Sorge diesen Trend zu übertriebener "political correctness", sog. "language policing" und zur allgemeinen Überempfindlichkeit. Ich bin der Auffassung, dass solche Verhaltensweisen auf lange Sicht schädlich für die LGBT-Community sind. Um erfolgreich für die Akzeptanz und Rechte sexueller Minderheiten werben zu können, ist es wichtig ehrlich und sachlich zu bleiben, damit man in der breiten Öffentlichkeit auch ernst genommen wird.

Ich würde gerne eure Meinung dazu lesen.

LG
TechBoy96

Schwule in der Opferrolle

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blowfish
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Re: Schwule in der Opferrolle

Beitragvon blowfish » 10 Jul 2016, 14:23

Oh, da hat ja noch gar keiner drauf geantwortet.

Ich finde das Thema auf jeden Fall spannend und wichtig. Nicht nur auf Schwule bezogen, scheint die Opferrolle eine gewisse Anziehungskraft auf Menschen auszuüben. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass sie einige daraus kurzfristig einen Vorteil erhoffen, aber ich denke auch, dass einige die Rolle so sehr verinnerlichen, dass sie nach einiger Zeit gar nicht mehr erkennen, dass es auch Alternativen zur Opferrolle gibt und man sein Schicksal selbst in die Hand nehmen kann.

Aktuelles Beispiel ist z.B. die polissche Instrumentalisierung des Falls Gina-Lisa Lohfink fuer das "Nein heisst Nein"-Gesetzesvorhaben.
Bin ich schwul? 83% der Menschen, die diese Frage stellen, sind schwul. Hast du dich vorher extra in einem schwulen Forum angemeldet, beträgt die Wahrscheinlichkeit sogar 97%.

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Akil
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Re: Schwule in der Opferrolle

Beitragvon Akil » 10 Jul 2016, 16:57

Vorgetäuschte Verbrechen gibt es bei so ziemlich jedem Delikt. Sowas ist meiner Ansicht nach besonders verwerflich, weil der/diejenige versucht einen Vorteil für sich herauszuschlagen, und sich dabei die wirklichen Opfer zu nutze macht und diskreditiert.

TechBoy96 hat geschrieben:Ich beobachte mit großer Sorge diesen Trend zu übertriebener "political correctness", sog. "language policing" und zur allgemeinen Überempfindlichkeit.

Könntest du dafür Beispiele nennen? Ich überlege schon seit längerem zu Feminismus einen Thread zu machen, komme aber nie dazu^^. Zu Micro-Aggressions haben ich und Frost bereits einen Thread gemacht. Und auch wenn die sog. Micro-Aggressions kein direkter Angriff sind, zeigen sie doch sehr schön, dass Schwule o.a. Minderheiten immer noch anders wahrgenommen werden.

Language Policing. Meinst du damit das der/die IngenieurIn oder, dass Transsexuelle sich aufregen, wenn man sie nicht mit dem Geschlecht anspricht, als das sie sich verstehen?
Bei ersterem bin ich gespaltener Meinung. Einerseits, sind im Deutschen Nomen nun mal mit den gram. Geschlechtern m/f/n ausgestattet, die nicht mit dem realen Geschlecht übereinstimmen (das Mädchen, der Tisch, die Tür, ...). Andererseits, ist es schon auffällig, dass historisch männliche Berufe maskulin sind (der Tischler, der Handwerker), historisch von Frauen besetzte berufe hingegen keine männliche Form haben, wie Krankenschwester oder Hebamme (Krankenbruder? Hebämmer/Hebam-man?).
Und ich würde prinzipiell zustimmen, dass eine solche Prägung der Berufe aussagen darüber trifft, was ein Kind lernt, was es später werden kann/sollte. Allerdings finde ich die Lösung mit der/die Herr/innen sehr sehr unhandlich. Ich denke nicht, dass sich das durchsetzt, einfach weil es so lang ist und Menschen Dinge gerne abkürzen, wenn sie sie oft benötigen. ;)
Was war jetzt noch mal die Schnellspeichertaste?
ALT+F4!

 


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