Waffengesetze - Huis und Pfuis

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Akil
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Waffengesetze - Huis und Pfuis

Beitragvon Akil » 13 Jun 2016, 13:02

Was ist deiner Ansicht nach ein gutes Waffengesetz. Wir haben auf der Welt Gesetze, die dahin gehen, dass Waffen...
  • so gut wie unreguliert sind, wie in vielen Kriegsgebieten
  • minimal reguliert sind, wie in den USA
  • so gut wie verboten sind, wie in DE
  • ...und zig Stufen dazwischen
Aber was ist eigentlich gut? Der Anschlag in den USA hat mich wieder darauf gestoßen. Jeder Mongo kann sich bis an die Zähne bewaffnen und um sich ballern. Dadurch sterben jährlich um die 30.000 Menschen. Meiner Ansicht nach unverantwortlich und durch stärkere Regulierung besser Handlebar (wobei eine Ausbildung der Polizei, die diesen 4 Wochen Workshop ersetzt auch helfen würde).

Was ich aber auch schlecht finde ist, dass auf Reaktion auf Paris Leuchtpistolen stärker eingeschränkt werden sollen, um zu verhindern, dass Terroristen sowas umbauen und als lethale Waffe benutzen. Absoluter Bullshit. Oder das man in Kanada viele Waffen zwar führen darf, aber nicht zum Grunde der Selbstverteidigung gegen Menschen. Meiner Ansicht nach ist auch das falsch.

Zum einen möchte ich eure Meinung zu dem Thema hören, zum anderen meine eigene zum besten geben.

Was sollte ein Waffengesetz tun?
Ein Waffengesetz sollte regulieren, nicht so tun als würde es auf magische Weise verhindern, dass illegale Kräfte an Waffen kommen.
Ich mag am deutschen WaffG, dass es insbesondere drei Bedingungen voraussetzt:
1. Alter
Ich denke Schusswaffen sollte man privat erst mit 18 Jahren besitzen dürfen. Sportschützen sollten ihre Waffen bis dahin im Verein lagern. Messer oder Klingenwaffen allgemein sollte man mit zwölf besitzen dürfen.
2. Verantwortungsbewusster Umgang
Auch das sollte eine Notwendigkeit sein, wenn man einen Waffenschein beantragt. Ich denke wir brauchen kein psychologische Profil für jeden Waffenbesitzer, aber Vorstrafenfreiheit und psychische Gesundheit (im Bezug auf das Urteilsvermögen) sollte Voraussetzung sein.
3. Sachkunde
Man kann noch so moralisch sein, wenn man sich zu schlecht mit Schusswaffen auskennt, ist man eine Gefahr. Für Klingenwaffen reicht meiner Ansicht nach hier das Mindestalter.

Hingegen finde ich einen Bedarf nachzuweisen blödsinnig. Wir leben in einem freien Staat, wo jeder besitzen darf, was er will und der Staat einen Grund braucht um zu bestimmen, dass er etwas verbietet. Ich muss auch keinen Grund angeben, um ein Auto zu kaufen, muss aber Alter, und Führerschein (Sachkunde&Verantwortung) nachweisen können. So sollte es meiner Ansicht nach auch mit Waffen sein.

Außerdem sollten alle Schusswaffen auf den/die Besitzer/in registriert sein.

Was weiterhin wichtig ist, ist die Pflicht die Waffen für unbefugte unzugänglich zu machen. Wenn ich alleine wohne reicht, dass ich meine Wohnung abschließe, aber wenn ich Kinder habe oder einlade, muss man einen Waffenschrank besitzen. Das muss meiner Ansicht nach nicht der Ultra-Tresor sein, aber ein stabiler Schrank, den man abschließen kann sollte Pflicht sein.

Und zu guter Letzt gibt es auch noch Waffen, von denen ich denke, dass man sie verbieten sollte. Niemand braucht, Bomben, Panzer, Kampfjets oder Schlachtschiffe. Unbewaffnete Versionen sollten aber auch hier beschränkt und nicht verboten sein. Wenn jemand einen waffenlosen Schützenpanzer zum Paintball will, sollte er ihn haben dürfen (wenn er den Führerschein dafür hat).
Vollautomatische Waffen, Sprengstoffe im Allgemeinen sind meiner Meinung nach ebenfalls dem Militär vorbehalten.
Außerdem befürworte ich Magazinbeschränkungen.
Die Probleme mit automatischen Waffen und Magazinbeschränkungen sind allerdings wie folgt:
viele Magazinhersteller hauen einen Metallstab ins Magazin, um das Magazin zu begrenzen. Sowas ist bullshit, da man diesen Pinn einfach entfernen kann.
Genauso verhält es sich mit Automatischen Waffen, die "beschränkt" wurden, auch hier ist ein Umbau zur Ursprungsversion nicht schwer.

Soviel zum Waffenbesitz. Wenden wir uns nun dem Führen einer Waffe zu (also wann darf ich welche Waffen mit mir in der Öffentlichkeit tragen).

Hier gibt es insbesondere zwei Aspekte, die ich besprechen möchte.
1. Führen bei Versammlungen:
Bei Partys, großen Gesellschaften etc. sehe ich prinzipiell nicht ein, wieso man die Waffe in diesem Fall nicht tragen darf. Ein potentieller Täter wird sich darum nicht kümmern und nur wegen ihm wäre so etwas sinnvoll.
Aber: sobald auf der Versammlung Sicherheitskräfte anwesend sind, denke ich, dass ein Verbot gelten sollte. Egal ob diese private Kräfte oder Beamte sind. Private Veranstaltungen können natürlich Waffenbesitz verbieten.
Zudem verpflichtet das Führen einer Waffe in der Öffentlichkeit meiner Ansicht nach auch dazu keinerlei Drogen zu konsumieren. Wenn man irgendwo übernachtet gilt auch hier, die Waffe für unbefugte unzugänglich aufzubewahren.

2. Offenes und verdecktes Tragen:
Die Idee dahinter, verdecktes Tragen zu verbieten ist, zu verhindern, dass die bösen Buben sich ungesehen anschleichen. Und wie ich oben bereits sagte, sollte ein Gesetz nicht durch seinen magischen Text das Böse abwenden wollen. Verbrecher werden dass trotz des Gesetzes machen und können dann aufgrund der Straftat verurteilt werden, die sie im Anschluss begehen. Die Straftat des "Concealed Carry" ist dann im Vergleich marginal.

Open Carry heißt hingegen immer, dass man von potenziellen Verbrechern als Ziel wahrgenommen wird, d.h. als erstes Ausgeschaltet wird, sei es mit Gewalt oder durch entfernen der Waffe. Eine Waffe macht dich schließlich nicht unbesiegbar.

Und letztendlich der Gebrauch von Waffen. Sollte natürlich verboten sein, außer im Falle der Notwehr. Benutzen nur auf dafür vorgesehenen Schießplätzen, bzw. auf Privatgrund und in jedem Fall muss sicher gestellt sein, dass die Kugeln nicht sonstwohin fliegen.

Nun gut, soviel von mir. ;)
Was meint ihr zum WaffG?
Was war jetzt noch mal die Schnellspeichertaste?
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Sky26
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Re: Waffengesetze - Huis und Pfuis

Beitragvon Sky26 » 13 Jun 2016, 14:55

Akil hat geschrieben:Was ist deiner Ansicht nach ein gutes Waffengesetz.



Ich halte die Waffengesetze unserer EU-Mitglieder Estland und Tschechien für ganz okay. Jedoch mag ich hier weiter auf Deine Gedanken eingehen. :)


Akil hat geschrieben:Jeder Mongo kann sich bis an die Zähne bewaffnen und um sich ballern. Dadurch sterben jährlich um die 30.000 Menschen.


An dem Dürfen liegt es meiner Meinung nach nicht, sondern am Tun. Ich bin nicht der Meinung, dass dort Menschen erschossen werden, weil Schusswaffen so leicht zu haben sind. Beispielsweise sind die Schweizer meines Wissens nach das am schwersten bewaffnete Volk in Europa. Dennoch haben sie offenbar nicht das Bedürfnis, sich gegenseitig totzuschießen.


Akil hat geschrieben:Meiner Ansicht nach unverantwortlich und durch stärkere Regulierung besser Handlebar


Verbieten, Wegnehmen und Überwachen??? :)


Akil hat geschrieben:(wobei eine Ausbildung der Polizei, die diesen 4 Wochen Workshop ersetzt auch helfen würde).


Dachte es wären 12, aber das macht auch nicht so den großen Unterschied. Bloß ist der gesamten Gesellschaft damit geholfen, wenn eine Gruppe von relativ gewaltbereiten Menschen, denen Rechte zuerkannt werden, die anderen nicht zuerkannt werden, besser Paragraphen zitieren und schießen kann?


Akil hat geschrieben:Was ich aber auch schlecht finde ist, dass auf Reaktion auf Paris Leuchtpistolen stärker eingeschränkt werden sollen, um zu verhindern, dass Terroristen sowas umbauen und als lethale Waffe benutzen. Absoluter Bullshit.


Mit Wegnehmen und Verbieten als Maßnahmen kommt man nicht weiter? :o Warum nicht auch noch Prepaid-Karten wegnehmen, verbieten oder zumindest überwachen? Und Kraftfahrzeuge? Und Zahlungsverkehr?



Akil hat geschrieben:1. Alter
Ich denke Schusswaffen sollte man privat erst mit 18 Jahren besitzen dürfen. Sportschützen sollten ihre Waffen bis dahin im Verein lagern. Messer oder Klingenwaffen allgemein sollte man mit zwölf besitzen dürfen.
2. Verantwortungsbewusster Umgang
Auch das sollte eine Notwendigkeit sein, wenn man einen Waffenschein beantragt. Ich denke wir brauchen kein psychologische Profil für jeden Waffenbesitzer, aber Vorstrafenfreiheit und psychische Gesundheit (im Bezug auf das Urteilsvermögen) sollte Voraussetzung sein.
3. Sachkunde
Man kann noch so moralisch sein, wenn man sich zu schlecht mit Schusswaffen auskennt, ist man eine Gefahr. Für Klingenwaffen reicht meiner Ansicht nach hier das Mindestalter.



Schusswaffen ab Volljährigkeit halte ich auch für okay. Beim Alter würde ich eventuell eine Höchstgrenze einführen, ab der eine Art MPU in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden muss. Messer oder Klingenwaffen ab beschränkter Geschäftsfähigkeit. Ob Du ein Jagdmesser oder ein Küchenmesser hast, was macht das für einen Unterschied? Auch sehr große Messer sind so leicht für Kinder zugänglich, dass es sinnlos wäre, da Regulierungen zu machen, ob sie welche kaufen dürften. Und in private Küchen zu gehen und Messer wegzunehmen, zu verbieten und zu überwachen ist keine Überlegung wert. Bei Sachkunde stimme ich Dir zu.

Selbst Vorstrafenfreiheit würde ich einschränken. Ich hätte kein Problem damit, wenn jemand Waffen kauft, obwohl er es mal eilig hatte oder ein privates Essen als Geschäftsessen bezeichnet hat.



Akil hat geschrieben:Hingegen finde ich einen Bedarf nachzuweisen blödsinnig.


Da bin ich Deiner Meinung. :)


Akil hat geschrieben:Wir leben in einem freien Staat


Da bin ich nicht Deiner Meinung. :(


Akil hat geschrieben:Vollautomatische Waffen, Sprengstoffe im Allgemeinen sind meiner Meinung nach ebenfalls dem Militär vorbehalten.


Weil das Militär Rechte von Leuten bekommen hat, die von der Bevölkerung Rechte bekommen haben, die die Bevölkerung nicht hat? Weil Militärs hauptberuflich mit Waffen umgehen? Am besten ausgebildet sind?

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Re: Waffengesetze - Huis und Pfuis

Beitragvon TechBoy96 » 13 Jun 2016, 14:59

Bezüglich dieses Themas würde ich jedem, der Interesse hat die Doku "Bowling for Columbine" von Michael Moore empfehlen.

Bowling for Columbine (USA 2002) by Michael Moore
Trailer | IMDb

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Akil
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Re: Waffengesetze - Huis und Pfuis

Beitragvon Akil » 13 Jun 2016, 15:26

Sky26 hat geschrieben:Selbst Vorstrafenfreiheit würde ich einschränken. Ich hätte kein Problem damit, wenn jemand Waffen kauft, obwohl er es mal eilig hatte oder ein privates Essen als Geschäftsessen bezeichnet hat.
Das stimmt, da würde ich dir zustimmen ;)

Sky26 hat geschrieben:Ob Du ein Jagdmesser oder ein Küchenmesser hast, was macht das für einen Unterschied? Auch sehr große Messer sind so leicht für Kinder zugänglich, dass es sinnlos wäre, da Regulierungen zu machen, ob sie welche kaufen dürften.
Natürlich macht das einen Unterschied! Die Eltern haben den Überblick wo ihre Küchenmesser geblieben sind, bzw. können ihren achtjährigen da eher kontrollieren. Wenn der sich auf dem Schulweg aber ein Messer kauft und sich damit selbst verletzt, ist das ziemlich kacke. Am Verkaufsverbot für unter 12jährige finde ich verantwortungslos.

Sky26 hat geschrieben:Weil das Militär Rechte von Leuten bekommen hat, die von der Bevölkerung Rechte bekommen haben, die die Bevölkerung nicht hat? Weil Militärs hauptberuflich mit Waffen umgehen? Am besten ausgebildet sind?

Weil ich der Ansicht bin, dass eine bessere Ausbildung zu einem besseren Umgang sorgt und dass eine Justiz besser als eine Selbst-Justiz ist. Kriegswaffen sind so gefährlich, dass ich sie nicht in den Händen von Laien sehen wollen würde. Allein einen Panzer zu beschützen, sodass ihn niemand klaut erfordert eine Rund um die Uhr Bewachung, die Privatpersonen alleine kaum aufbringen können. Militärische Einheiten, die nicht dem Staat unterstehen sehe ich als Fehler an.
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Re: Waffengesetze - Huis und Pfuis

Beitragvon michael90 » 13 Jun 2016, 16:12

Ich bin generell kein Fan von Waffen. Waffen bringen immer Aggressionspotenzial mit sich. Wenn ich eine Waffe betriebsbereit mit mir führe, bin ich auch eher geneigt sie einzusetzen, die Hemmschwelle ist einfach viel geringer. Es ist auch die Mentalität mit Waffen, die eine Rolle spielt: in Deutschland würden die meisten Menschen eine Waffe nicht mal anfassen und ehrfürchtig bei Seite legen, weil sie damit lieber nichts zu tun haben wollen, während in den Staaten schon Kleinkinder mit auf den Schießstand genommen werden.

Ich befürworte deshalb strikte Waffengesetze, weil sich mir die Notwendigkeit von Waffen nicht erschließt, abgesehen von vielleicht militärischen Operationen. Klar, derJäger und der Sportschütze sollen ihre Waffen haben, aber dann bitte mit dem geringsten Risiko, sprich allen Auflagen, die das deutsche Recht kennt, um einen großen Waffenschein zu erwerben. Selbst die Polizei braucht keine Waffen: in Deutschland setzt die Polizei weniger als 20 mal im Jahr Schusswaffen gegen Personen ein, diese wenigen Fälle könnte man auch anders lösen; in Skandinavien führt die Polizei schon gar keine Schusswaffen mehr und setzt stattdessen vollkommen auf Deeskalation.

Allerdings reichen scharfe Waffengesetze für sich genommen allein nicht aus, es bedarf auch eines entsprechenden Vollzugs, sonst sind auch die schönsten Gesetze sinnlos.

Abschreckendstes Mahnmal für laxe Waffengesetze sollte für jedermann die USA sein. Barack Obama hat in seiner Amtszeit geschätzt 15 Massaker miterlebt und immer wieder appelliert, erfolglos. Man muss sich einmal verdeutlichen, was es bedeutet, einen Menschen durch Schusswaffen (meist sinnlos) zu verlieren. Sich dann dafür auszusprechen, dass Menschen bei Versammlungen ruhig bewaffnet rumrennen können sollen, finde ich mit Verlaub blanken Unfug. Nicht grundlos kann sich auf das Grundrecht der Versammlungsfreiheit nur der Friedliche und Unbewaffnete berufen, bewaffnete Versammlungen genießen in Deutschland zurecht keinerlei Rechtsschutz, und das ist auch gut so.

"Angriffe" auf meinen Standpunkt erwünscht :)
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Re: Waffengesetze - Huis und Pfuis

Beitragvon Sky26 » 13 Jun 2016, 17:17

michael90 hat geschrieben:Wenn ich eine Waffe betriebsbereit mit mir führe, bin ich auch eher geneigt sie einzusetzen


Wenn Du keine Waffe dabei hast, setzt Du wahrscheinlich auch keine ein. Eine andere Frage ist auch, wie Du eine Waffe einsetzt.


michael90 hat geschrieben:Es ist auch die Mentalität mit Waffen, die eine Rolle spielt: in Deutschland würden die meisten Menschen eine Waffe nicht mal anfassen und ehrfürchtig bei Seite legen, weil sie damit lieber nichts zu tun haben wollen, während in den Staaten schon Kleinkinder mit auf den Schießstand genommen werden.


Stimmt. Wahrscheinlich würden in Deutschlad auch weniger Leute eine Schusswaffe einsetzen, wenn sie eine dabei haben, als in anderen Ländern.


michael90 hat geschrieben:Selbst die Polizei braucht keine Waffen: in Deutschland setzt die Polizei weniger als 20 mal im Jahr Schusswaffen gegen Personen ein, diese wenigen Fälle könnte man auch anders lösen; in Skandinavien führt die Polizei schon gar keine Schusswaffen mehr und setzt stattdessen vollkommen auf Deeskalation.


Ich bin jetzt kein großer Freund der Polizei in Deutschland, aber ich muss ihnen zugestehen, dass sie einen gefährlichen Job haben. Beamte werden sehr oft angegriffen und in diesen Fällen ist es für sie und die Menschen in ihrer Umgebung meiner Meinung nach besser, wenn für den Fall der Fälle eine effektivere Waffe als Pfefferspray und Schlagstöcke verfügbar ist. Ich glaube nicht, dass Streifen in deutschen Großstädten von problematischen Mitmenschen ernst genommen werden würden, wenn sie keine Schusswaffe dabei hätten. Es gibt zweifellos Städte in Europa, in denen man ohne Schusswaffe auf Streife gehen kann, aber in Deutschland würde ich das nicht tun. Wenn Du Dich mal so umschaust, gibt es einfach Menschen, denen man mit 1,60 m großen, auf Deeskalation geschulten Polizistinnen nicht begegnen sollte.


michael90 hat geschrieben:Abschreckendstes Mahnmal für laxe Waffengesetze sollte für jedermann die USA sein. Barack Obama hat in seiner Amtszeit geschätzt 15 Massaker miterlebt und immer wieder appelliert, erfolglos. Man muss sich einmal verdeutlichen, was es bedeutet, einen Menschen durch Schusswaffen (meist sinnlos) zu verlieren.


Liegt es daran, dass sie Schusswaffen haben oder daran, dass es eine besondere Gesellschaft dort ist? Falls sie keine Schusswaffen hätten, würden sie sicher andere Wege finden, sich umzubringen.

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Re: Waffengesetze - Huis und Pfuis

Beitragvon Akil » 13 Jun 2016, 23:17

Erst mal schön, dass wir auch eine etwas kritischere Stimme hier haben :)

michael90 hat geschrieben:Waffen bringen immer Aggressionspotenzial mit sich.
Ich glaube ich weiß, was du meinst, aber so wie du das geschrieben hast, würde ich dem nicht zustimmen. Das Aggressionspotenzial bringt die Waffe nicht mit. Das Problem, dass ich bei Waffen sehe ist ein verantwortungsloser, unbedachter Umgang damit. Wenn man in einem Streit gerät und das ganze eskaliert ist es besser, wenn keine Waffe herumliegt. Diese Argumentation kann ich grundlegend nachvollziehen, nur denke ich, dass man als Mensch auch im Streit nicht seinen Streitpartner umbringen will. Ich persönlich hatte dieses Bedürfnis noch nie und bin auch im Streit noch nie auf jemanden losgegangen. Das Argument kann ich aber grundlegend nachvollziehen, wenn es das war, was du meintest?

michael90 hat geschrieben:Wenn ich eine Waffe betriebsbereit mit mir führe, bin ich auch eher geneigt sie einzusetzen, die Hemmschwelle ist einfach viel geringer.
Das betrifft prinzipiell das Führen und nicht den Besitz, aber das Tragen einer Waffe löst keine Mordgedanken aus. Die sind dann schon vorher da. Und wenn das bei dir anders ist, solltest du mal zum Psychologen. Ich meine, nur weil ich mich ins Auto setze bin ich auch nicht "geneigter" Leute zu überfahren. Wenn jemand das will, will er das auch vorher schon.

michael90 hat geschrieben:weil sich mir die Notwendigkeit von Waffen nicht erschließt
Ich denke das das eines der Argumente gegen Waffen ist, die am häufigsten verwendet werden und gleichzeitig eines der haltlosesten ist. Wenn wir Dinge aufgrund ihrer objektiven Notwendigkeit verbieten will ich dass Nagellack verboten wird. Den finde ich nämlich unglaublich hässlich und es gibt dafür keine objektive Notwendigkeit. Der Grund etwas haben zu wollen reicht für den Besitz prinzipiell aus. Bei Waffen ist es nur so, dass die Mehrheit in Deutschland keine will und deswegen darauf scheißt. In Amerika ist es anders.
Folgerichtig wären meiner Ansicht nach andere Argumente, z.B. das (Schuss)waffen gefährlicher sind, als andere Dinge. Genau wie Drogen, Autos, Garten- und Heimwerkermaschinen. Und deswegen bin ich für Einschränkungen solcher Gegenstände.

michael90 hat geschrieben:Abschreckendstes Mahnmal für laxe Waffengesetze sollte für jedermann die USA sein.
Definitiv. Die USA haben zu laxe Gesetze diesbezüglich. Aber ich habe nicht zur Wahl gestellt, ob wir uns zwischen den Gesetzen der USA und denen der BRD entscheiden sollten, in dem Fall will ich lieber die deutschen Gesetze :D
Außerdem ist das offensichtlich nicht der einzige Punkt, der diesbezüglich zählt. In der Schweiz, oder Norwegen sind ebenfalls relativ viele Waffen. Diesbezüglich ein paar Zahlen. Quellen: http://www.cfr.org/society-and-culture/ ... ons/p29735 & https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_c ... death_rate

Die USA hat ~88 Schusswaffen pro 100 Einwohner.
In Norwegen sind es ~31
In der Schweiz sind es ~45

Anazhl der Totschläge pro 100.000 Einwohner
USA: 3,43
Norwegen: 0,1
Schweiz: 0,23

In der Schweiz ist eine große Miliz vorhanden, die Wehrpflicht ist allgemein gültig, man kann sich aber für 4% mehr Steuern bis zum 30. Lebensjahr davon befreien lassen. Vollautomatische Waffen sind verboten. Es hängt denke ich eher mit dem Führen der Waffen oder einfach dem Land und der dortigen Verbrechenssituation zusammen, aber aus vielen Waffen folgen nicht viele Totschläge.
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Re: Waffengesetze - Huis und Pfuis

Beitragvon Akil » 15 Jun 2016, 15:51

TechBoy96 hat geschrieben:Bezüglich dieses Themas würde ich jedem, der Interesse hat die Doku "Bowling for Columbine" von Michael Moore empfehlen.

Bowling for Columbine (USA 2002) by Michael Moore
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1. Es gibt noch Leute die den Genitiv verwenden können :bp: Ich bin nicht alleine auf der Welt :)

2. Habe mir die Doku jetzt angesehen. Unabhängig von der Aussage, die Moore dort trifft denke ich, dass schärfere Waffengesetze helfen würden. Kanada und die USA bezüglich Waffenbesitz auf eine Stufe zu stellen finde ich fragwürdig (88 Waffen auf 100 Personen in den USA vs. 33 auf 100 in Kanada finde ich einen erheblichen Unterschied.

Allerdings sehe auch ich das Amerikanische Mediensystem als bescheiden an. Ich studiere an der RUB Medienwissenschaft und bin gerade bei Mediensystemen im internationalen vergleich und kann nur sagen, dass wir in Deutschland ein vergleichsweise ziemlich gutes System haben, was Medienregulierung anbelangt. Ich hoffe, dass das Internet uns diesbezüglich neue&bessere Möglichkeiten eröffnen wird.
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Re: Waffengesetze - Huis und Pfuis

Beitragvon TechBoy96 » 24 Jun 2016, 14:18

Gestern veranstalteten einige Abgeordneten des U.S.-Repräsentantenhauses ein Sit-In als Protest für eine Reform des Waffenrechts.

http://edition.cnn.com/2016/06/22/politics/john-lewis-sit-in-gun-violence/

Re: Waffengesetze - Huis und Pfuis

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