Ja, ich bin schwul, aber sonst eigentlich normal

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Ja, ich bin schwul, aber sonst eigentlich normal

Beitragvon Zuri » 27 Aug 2015, 19:52

Mit diesen Satz stellen sich viele Schwule vor, oder rechtfertigen eine ausnahmsweise mal nicht so maskuline Handlung, auch ich hin und wieder. Warum ist das so?

Und da ich das auch an mir selber beobachte, habe ich mich mal ein bisschen damit beschäftigt und wollte man hören, wie ihr damit so umgeht. Wenn ich das Ganze mal hinterfrage, dann steht dahinter ja wohl die Annahme, feminine Handlungen wären nichts gutes, auch für Schwule. Das stimmt nicht, das weiß ich auch, aber irgendwie ist mir das - entschuldigt bitte, dass es so ist, ich kann es nicht ändern - suspekt. Ich will nicht, dass es so ist und würde es gerne ändern.

Ich habe es geschafft, mich zu outen. Kann frei heraus sagen, dass Schwulsein völlig normal ist, aber warum sage ich dann auf der anderen Seite, ich sei "aber nicht tuntig" oder finde es peinlich, mich so zu verhalten. Ich bin tolerant, ja, aber wie kann ich das von mir behaupten, wenn es da eine Sache gibt, die ich irgendwie noch nicht vollständig verstanden habe.

Außerdem bin ich auch jemand, der eher dagegen kämpft, Dinge als "männlich" oder "unmännlich" zu klassifizieren und würde gerne das Wort "normal" abschaffen, aber dennoch gibt es anscheinend was, was ungewollt da mit rein spielt.
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Re: Ja, ich bin schwul, aber sonst eigentlich normal

Beitragvon TechBoy96 » 27 Aug 2015, 23:04

Ach, dieses ganze femminin/maskulin Getue ist im Grunde nichts anderes, als einem von der Gesellschaft eingetrichtertes Rollendenken und eine Mischung aus immer noch vorherrschenden Rollenbildern.
Das sich Schwule wegen sowas rechtfertigen, geschieht aus meiner Sicht, aus Angst vor Abwertung und Ablehnung durch andere Männer.
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Re: Ja, ich bin schwul, aber sonst eigentlich normal

Beitragvon Zuri » 27 Aug 2015, 23:11

Nicht wirklich, ich bin mir dieser Tatsache bewusst und denke auch nicht so. Es geht mir weniger um Abwertung durch andere, sondern darum, dass ich mich selbst nicht so sehe. Aber dennoch passiert das immer mal wieder.
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Re: Ja, ich bin schwul, aber sonst eigentlich normal

Beitragvon TechBoy96 » 27 Aug 2015, 23:19

Mal eine etwas komplexere Frage: Wie siehst du dich denn selbst?
Was genau willst du denn ändern und warum?

Du kannst dich übrigens nicht mit einem Klischee vergleichen.
Die "Tunte" ist nicht real. Sie ist nur ein Stereotyp und hat mit dir als Person überhaupt nichts zu tun.
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Re: Ja, ich bin schwul, aber sonst eigentlich normal

Beitragvon Zuri » 27 Aug 2015, 23:29

Das weiß ich. Schwer zu sagen, wie ich mich selbst sehe. Bin schwer konkret einzuordnen :D
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Re: Ja, ich bin schwul, aber sonst eigentlich normal

Beitragvon schwarzweiss » 28 Aug 2015, 16:55

Ich glaube auch am ehesten, dass da deine eigenen Einstellungen so ein bisschen mit reinspielen. Vielleicht hält man sich unterbewusst doch viel öfter nicht für normal und einen Außenseiter als man denkt.

Wir haben letztens einen Betriebsausflug gemacht. Auf einem der Bilder sieht man eine Kollegin mit ihrer (festen) Freundin. Als mich eine andere Kollegin fragte, wer die Frau sei, sagte ich nur: "eine" Freundin. Ich hab also quasi eine andere Person gedeckt, obwohl sie ganz offen mit sich lebt. Irgendwie verrückt. :D

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Re: Ja, ich bin schwul, aber sonst eigentlich normal

Beitragvon Zuri » 28 Aug 2015, 19:23

Jopp, das ist auch irgendwie schade, weil man damit jemanden verleugnet.

Jemand hat mir von einem Transgender in seiner Jugendgruppe erzählt, der nur in seiner Gruppe so sein kann, wie er ist und ihn ein bisschen bedrängt, obwohl mein Kumpel eine festen Freund hat. Hier ging es nicht um die sexuelle Orientierung. Ich finde das ja ebenfalls nicht abschrecken. Es geht einfach hierbei um die Einstellung zu bestimmten Sachen. Eine solche Einstellung kann genauso ein Hetero oder Besexueller haben. Aber komisch ist es trotzdem.
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Re: Ja, ich bin schwul, aber sonst eigentlich normal

Beitragvon gutgelaunt » 29 Aug 2015, 16:58

Meiner Meinung nach gilt man in der Gesellschaft erst als normal und diese als vollständig Tolerant, wenn das was man macht und wie man sich verhält niemandem mehr wirklich auffällt oder er/sie sich dazu äußert.

Wenn man sagen kann "hey das ist mein Freund" und man nicht mit einem "du bist schwul?" oder "das hätte ich von dir nie gedacht" rechnen muss, sondern vielleicht mit einem "wie habt ihr euch kennengelernt?". Wenn man sich als Mann sich feminin verhalten kann ohne ein "bist du schwul?" erwarten zu müssen. Wenn man nicht mehr der eisenharte Mann sein muss, den eben nicht jeder Mann verkörpern kann oder will.

Solange man sich für feminine Handlungen rechtfertigen oder gar schämen muss und bei Outings gegen Verwunderung kämpfen muss, ist das meiner Meinung nach nicht Ideal, ganz gleich wie gut die anschließende Reaktion oder die Aufnahme des Outings sein mag. Wenn immer wieder die Sexualität eine Rolle spielt wie "wusstet du schon, dass der schwul ist?", dann läuft irgendwas noch nicht ganz richtig und dann ist die Toleranz noch nicht vollständig da.

Wenn sich jeder so verhält wie er wirklich ist und sich nicht in irgendeine Richtung verstellen muss, sei es femininer oder maskuliner, sondern sich so ausleben kann, wie er ist und das Ganze von niemandem irgendwie hinterfragt wird, wenn Mann sich wegen der sexuellen Orientierung keine Verwunderung, blöde Außerungen und Fragen anhören muss, vielleicht sogar wenn man sich nicht mal mehr extra Outen muss, dann haben wir volle Toleranz. Aber das ist reine Utopie.
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Re: Ja, ich bin schwul, aber sonst eigentlich normal

Beitragvon Zuri » 29 Aug 2015, 17:11

Jopp, da hast du recht.

Utopie wahrscheinlich leider schon. Vielleicht muss es einfach mal eine Vision geben, damit man weiß, wo es hingehen kann. Es sollte mehr Filme zu dem Thema geben, also nicht zum Anderssein, sondern zum Gleichsein. Coming of Age ist ja meistens noch eher das Anderssein erkennen und akzeptieren.

Wäre cool, wenn man in fünfzig Jahren alle unseren Filme zu diesem Thema aus diesem Grund verteufelt und kritisiert, dass diese Unterscheidung ("Ich bin anders, aber toll") nicht zu "Warum sollte ich was anderes sein? Ich bin doch genau gleich" führen hätte können^^
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Re: Ja, ich bin schwul, aber sonst eigentlich normal

Beitragvon MynewMe » 25 Nov 2015, 20:45

Das ist als würde man sich einen Vogelkäfig von ganz nah ansehen.
Man sieht nur wenige Streben des Käfigs .
Aber wenn man einen Schritt zurückgeht ist man in der Lage den ganzen Käfig zu sehen .
Wir sind doch alle mehr als nur unsere Sexualität .
Und So gibt es feminine und maskulinere Menschen , das ist ja völlig normal , und auch gut so.
Das hat wenig mit schwul sein zu tun , auch wenn die Wahrnehmung der meisten Menschen anders ist :/

Re: Ja, ich bin schwul, aber sonst eigentlich normal

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