Ich will Gewissheit ...

Rund ums Coming-Out - wenn es das überhaupt gibt.
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Ich will Gewissheit ...

Beitragvon Muryokuna » 07 Jun 2015, 22:33

Hallo erstmal,
ich bin ganz neu hier und habe gleich eine Frage. Mich beschäftigt schon lange, ob ich schwul bin oder nicht. Ich grüble sehr oft über dieses Thema und es belastet mich auch, weil ich nicht weiß was Sache ist. Nur mal vorweg, ich bin nicht direkt homophob, also ich habe nichts gegen Schwule. Es wäre nicht schlimm, wenn sich herausstellen sollte, dass ich schwul bin, nur will ich es eigentlich nicht sein. Meine Familie hätte damit kein Problem, zumindest.

Ich fang mal an zu beschreiben was es für Anzeichen es bei mir gibt homosexuell zu sein (oder zumindest bi zu sein). Richtig Erregung beim Gedanken an einen Mann hatte ich noch nie, wenn ich mich richtig erinnere. Es ist eher das Gegenteil der Fall. Wenn ich an einen Mann denke geht die Erregung/Erektion weg. Entweder sind das tiefsitzende Blockaden gegen meine latente Homosexualität oder ich bin nicht schwul. Es ist nicht einfach. Es gibt aber Hinweise die doch darauf hindeuten, dass ich es bin. Manche Männer finde ich vom Gesicht her schön und das verunsichert mich. Ich traue mich manchmal sogar nicht sie direkt anzuschauen, weil ich rot werden könnte, was ansatzweise schon passiert ist. Ich fühle nichts dabei, nur leichtes Schämen.

Dann wäre da noch, dass ich in der Kindheit mal einen sehr guten Freund hatte und mir die Freundschaft sehr wichtig war. Er war über lange Zeit fast der einzige richtige Freund den ich hatte. Nachdem die Freundschaft auseinanderging, weil wir einfach verschiede Interessen hatten, habe ich Schwierigkeiten gehabt neue Freunde zufinden und das ist jetzt eigentlich immernoch so.

Manchmal wenn ich masturbiere, denke ich eigentlich an Frauen, aber es ist schon vorgekommen, dass mir bestimmte Männer als Bild erschienen sind. Das turnt mich eher ab, aber ich habe versucht absichtlich an Männer zu denken, um zu sehen was passiert. Ohne Ergebnis.

Erigierte Penise finde ich teilweise kurz erregend. Aber eben nur kurz. Ich habe mir mal überlegt wie es wäre einem Mann einen zu blasen und ich habe komischerweise keinen größeren Ekel dabei, bei der Vorstellung. In echt würde ich das aber nie machen.

Ich habe allgemein einen schwachen Trieb und mich erregen auch nur ganz wenige Frauen.

Hatte jemand ähnliche schwache Anzeichen wie ich? Und wie kann man es mit Gewissheit herausfinden? Oder was kann ich tun, um schrittweise meine Blockaden zu lockern?

Ich wäre echt dankbar für eure Antworten.

Ich will Gewissheit ...

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Re: Ich will Gewissheit ...

Beitragvon gutgelaunt » 07 Jun 2015, 23:53

Ich finde interessant, dass ich fast genau die gleiche Überschrift in meinem ersten Post in diesem Forum hatte. Ich denke es dauert einfach, bis man die Gewissheit hat, was man nun ist. Da musst du dir Zeit geben. Bei mir hatte es nach dem ersten Post auch noch ziemlich lange gedauert, bis ich mich da halbwegs einordnen konnte wo ich stehe.

Heute würde ich z.B. sagen, dass ich schwul bin.

Du hast dir aber viel Mühe beim Schreiben gemacht. Ich gehe deshalb nun näher auf deinen Text ein:

Du hast eine leichte sexuelle Neigung zu Männern. Interessant wäre da zu wissen, wie alt du aktuell bist. Vielleicht befindest du dich gerade in der Orientierungsphase. Da kann das mit der sexuellen Neigung schonmal sehr variieren und ein Durcheinader geben. Vielleicht findest du nie ganz zu einem Ufer, aber es kann auch sein, dass du dich zur Zeit erst noch finden musst.

Hier musst du dir Zeit geben und beobachten, was dir gefällt. Setzt dich nicht zu sehr unter Druck, denn es steuert meist von allein in irgendeine Richtung.

Muryokuna hat geschrieben:aber ich habe versucht absichtlich an Männer zu denken, um zu sehen was passiert. Ohne Ergebnis.

Dich ausprobieren ist wichtig, um rausfinden, was dir gefällt, aber mit Gewalt etwas versuchen klappt auch nicht, da sich eine Neigung wie die Sexualität nicht steuern lässt.

Muryokuna hat geschrieben:Manche Männer finde ich vom Gesicht her schön und das verunsichert mich. Ich traue mich manchmal sogar nicht sie direkt anzuschauen, weil ich rot werden könnte, was ansatzweise schon passiert ist. Ich fühle nichts dabei, nur leichtes Schämen.

Gut, man kann jetzt auch nicht jeden Mann hübsch finden, aber das Verlegen werden bei süßen Typen ist auf jedenfall ein Zeichen, dass du manche Männer interessant findest. Äußert sich das bei in deinen Augen hübschen Männern auch in der sexuellen Neigung?

Muryokuna hat geschrieben:Oder was kann ich tun, um schrittweise meine Blockaden zu lockern?

Welche Blockaden meinst du denn?

Liebe Grüße
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Re: Ich will Gewissheit ...

Beitragvon Muryokuna » 08 Jun 2015, 11:20

Danke gutgelaunt für deine Antwort.

Ich bin dieses Jahr 25 geworden, also gerade noch für dieses Forum geeignet, oder etwa doch nicht? Meine persönliche Orientierungsphase sollte jedenfalls abgeschlossen sein.

Ich habe mir schon gedacht, dass der Bewusstwerdungs-Prozess nicht erzwingbar ist und seine Zeit braucht. Und wie lange kann man leider auch nicht vorhersagen. Es ist nur so unangenehm nicht Bescheid zu wissen, weil ich nicht weiß wonach ich "Ausschau halten" soll. Ich möchte einen Partner. Ob männlich oder weiblich, ist halt jetzt die Frage. Es gibt gerade eine Frau in meinem Umfeld, die mich interessiert und ich weiß nicht ob es sich lohnt mich ihr anzunähern, wenn sich dann später herausstellt, dass ich doch schwul bin. Das wäre blöd für beide. Ich finde sie definitiv sexuell attraktiv. Also muss ich mindestens bi sein.

Diese "hübschen Männer" finde ich interessant ja, irgendwie auch ihre Art. Ich wäre auch gern so wie sie. Allerdings weiß ich, dass es sich nicht bloß um Vergleichen handelt, weil ich ja unsicher/rot werde. Sexuell merke ich bei denen allerdings nichts. Weder
Fantasien noch Erregung beim Anblick. Habe ich auch schon geschrieben, dass Männer mich nicht sexuell ansprechen. Aber ich hatte mal Homo-Träume. In dem einen habe ich einen Schauspieler kurz auf den Mund geküsst, in einem anderen habe ich junge Männer mit freiem Oberkörper umarmt und ich war dabei irgendwie richtig fröhlich. Da standen auch (angezogene) Frauen und als ich die angeschaut habe bekam ich (real) eine Latte und bin aufgewacht. Meine Theorie: Vielleicht brauche ich Frauen als eine Art "Katalysator" um den Sprung zu sexueller Erregung bei Männern zu machen. Wenn ich zum Beispiel intensiv als Test mir erotische Männerfantasien vorstelle (ohne Erregung) und ich im Anschluss an Frauen denke, ist die Erregung recht stark.

Das meine ich mit Blockaden. Eine unterbewusste Angst könnte vielleicht verhindern, dass ich körperlich erregt werde bei Männerfantasien und eine unterschwellige Erregung währenddessen doch stattfindet, die aber erst beim anschließenden Denken an Frauen hervorkommt. Ich hoffe du kannst in meinen Sätzen die Logik nachvollziehen. Es ist nur mein selbst zusammengereimter laien-psychologischer Erklärungsversuch. Ich theoretisiere gerne ;-)

Was würdest du empfehlen, um sich komplett auf Homo- Gedanken einlassen zu können? Um - wie du sagst - mich "auszuprobieren", was gibt es da für Übungen/Versuche, die man alleine für sich machen kann, ohne gleich in körperlichen Kontakt mit Männern zu gehen?

Gab es bei dir ein Schlüsselerlebnis, das dir gezeigt hast "du bist schwul" und wenn ja, wie sah es aus? (Ich hoffe diese Frage war nicht zu persönlich)

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Re: Ich will Gewissheit ...

Beitragvon Muryokuna » 10 Jun 2015, 18:39

Ich wollte noch was ergänzen.

Ich bin eigentlich ziemlich schlecht drauf zur Zeit. Mir geht ständig das Thema Sexualität durch den Kopf. Es gibt da etwas auffälliges an mir, das ich noch nicht erwähnt habe. Ich habe mich noch nie verliebt. Entweder kann ich es anlagebedingt nicht oder ich habe mich noch nicht verliebt, weil ich immer auf Frauen geschaut habe und ich mich eigentlich nur für Männer interessiere, ohne das es mir bewusst ist.

Verliebtsein wird als das großartigste Gefühl beschrieben was es gibt und ich, als sehr seltene Ausnahme, darf offensichtlich dieses Gefühl nicht haben. Das finde ich traurig. Wenn ich wüsste, dass ich mir nur bewusst werden müsste, dass ich schwul bin, um dann endlich mal zum Verlieben in der Lage zu sein, wäre ich echt glücklich und es würde mir ein großer Stein vom Herzen fallen. Mir ist es wirklich wichtig über meine Orientierung Bescheid zu wissen. Ich will endlich (mit 25 J) mal eine Beziehung haben. Mit Mann oder Frau, wie es sich dann halt herausstellt.

Könnt ihr mir Tipps geben, wie ich meine vorhandenen - wenn auch nur leichten - homosexuellen Neigungen weiter erforschen kann, ohne direktem Kontakt zu Männern?

Ich habe von vielen hier gelesen, dass dieses Forum ihnen beim Bewusstwerden viel geholfen hat. Ich hoffe in meinem Fall ist es auch möglich. Bitte seid nicht abgeschreckt, wenn ich so wirke als wäre ich überzeugt heterosexuell. Das bin ich nämlich garnicht. Ich will nur ein glückliches Leben führen, das Liebe beinhaltet, auch wenn es bedeutet, dass diese Liebe auf einen Mann gerichtet ist.

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Re: Ich will Gewissheit ...

Beitragvon Wayne » 10 Jun 2015, 22:01

Hey Muryokuna,

für mich hört sich das so an, als ob du dir selber psychisch ziemlich viel Druck machst, weil du dich mit 25 noch nicht verliebt hast. Ich vermute, dein Problem liegt eher da, weil du ständig darüber grübelst wieso das so ist. Es muss nun nicht per se sein, dass du auch wirklich Gefühle für Männer hast. Ggf. stellt sich dir die Frage gerade nur, weil du eine Begründung dafür suchst noch nicht verliebt gewesen zu sein. Möglicherweise warst du aber bisher auch noch nicht verliebt, weil du unterbewusst deine sexuelle Identität verdrängt hast. Das ist aus der Entfernung wirklich schwer zu beurteilen.

Daher mal eher ein paar Gedanken, die dir ggf. helfen könnten, weil du nach Tipps fragst und du ja schon richtig festgestellt hast, dass vielen hier im Forum schon bei der Phase des inneren Outings geholfen wurde. Zuerst möchte ich aber noch sagen, dass du dir gar keinen Druck machen musst, dass du noch nicht richtig verliebt warst oder eine Beziehung hattest. Ich bin beispielsweise noch ein Jahr älter als du, und habe noch keine Beziehung mit einem Mann gehabt und selbst meine Erfahrungen mit Frauen fingen erst sehr spät an mit etwa 19. Das schlimmste ist der Druck den man sich selber macht. Da musst du schauen, wie du lernen kannst deinen Kopf abzustellen und im Hier und Jetzt zu leben, und dir keine Angstgefühle durch diese Gedanken erzeugst.

Nun zum erforschen von homosexuellen Neigungen: Erstmal das plumpeste: Hast du dir schonmal einen schwulen Porno angeschaut? Interessiert dich da dann was du siehst?
Um zu eher die zwischenmenschliche Ebene zu erforschen würde ich dir raten mal ein paar Videos von schwulen YouTubern zu schauen. Als ich mit 14 Jahren angefangen habe mich mit dem Thema auseinander zusetzen, wäre ich froh gewesen, wenn ich im Internet solche Leute gehabt hätten, die mir zeigen, dass ich nicht alleine bin und das ganz normal ist. Es gibt reichtlich YouTuber die sich beim "normalen Leben" (nenne ich es mal) filmen. Ich denke, dadurch kann man vllt auch einschätzen, ob man daran gefallen finden würde. Ich finde zB die Videos von MarkE Miller ganz gut und natürlich, wenn an der Stelle die Werbung erlaubt ist :D.

Ich hoffe, ich konnte dir ein paar Gedankenanstöße geben. Ansonsten: Mach dir nicht zu viele Sorgen ;)

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Re: Ich will Gewissheit ...

Beitragvon Muryokuna » 11 Jun 2015, 20:46

Danke Wayne, für deine Antwort.

So viel Druck mache ich mir eigentlich garnicht. Langsam frage ich mich bloß was mit mir nicht stimmt und da kommt mir die Annahme, dass ich verborgen schwul bin, als ziemlich einleuchtend vor. Ich bin halt unglücklich zur Zeit bzw. schon recht lange. Erst jetzt habe ich mich getraut dieses bestimmte Thema wirklich anzugehen. Dieses Forum ist schonmal ein erster Schritt. Und ich habe Hoffnung, dass ich bald mehr weiß.

Ja, ich habe mir schonmal einen Gay-Porno angeschaut. Ich kann allerdings Pornos allgemein nicht viel abgewinnen, auch hetero Pornos nicht. Wie gesagt, ich habe einen schwachen Trieb. Das macht alles nochmal schwieriger für mich.

Ich habe leider gerade nur mobiles Internet und kann mir nicht so viele YouTube Videos anschauen. Aber in etwa zwei Wochen kann ich wieder. Ich schaue es mir definitiv an. Ich möchte die normale Seite vom Schwulsein kennen lernen. Wenn ich mich bei manchen selbst wiederfinde, kann ich mich vielleicht auch mehr auf meine Neigungen einlassen. Es ist echt schwierig das Schwulsein als normal zu betrachten, wenn man dauernd nur Mann-Frau im Alltag und in den Medien sieht. Ich denke, ich würde viel schneller wissen wieviel homo in mir ist, wenn es gesellschaftlich keine Hemmschwelle gäbe sich schwul zu verhalten.

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Re: Ich will Gewissheit ...

Beitragvon gutgelaunt » 11 Jun 2015, 21:28

Muryokuna hat geschrieben: Es gibt gerade eine Frau in meinem Umfeld, die mich interessiert und ich weiß nicht ob es sich lohnt mich ihr anzunähern, wenn sich dann später herausstellt, dass ich doch schwul bin. Das wäre blöd für beide. Ich finde sie definitiv sexuell attraktiv. Also muss ich mindestens bi sein.
Diese "hübschen Männer" finde ich interessant ja, irgendwie auch ihre Art. Ich wäre auch gern so wie sie. Allerdings weiß ich, dass es sich
nicht bloß um Vergleichen handelt, weil ich ja unsicher/rot werde.

Vielleicht wäre es ja auch gut wenn du dich traust, dich wem zu nähern, den du gern hast und dich einfach mal ausprobierst. Womöglich merkst du dann noch leichter, was dir gefällt und was nicht.

Muryokuna hat geschrieben:Das meine ich mit Blockaden. Eine unterbewusste Angst könnte vielleicht verhindern, dass ich körperlich erregt werde bei Männerfantasien und eine unterschwellige Erregung währenddessen doch stattfindet, die aber erst beim anschließenden Denken an Frauen hervorkommt.

Und wenn du das Geschlecht einfach mal ausblendest und dir sagst, es ist mir völlig egal welches Geschlecht, denn ich will mit meinem späteren Partner (Geschlechtsneutral) als Person glücklich sein können?
Glaubst du denn, dass du die Erregung nur unterdrückst oder ist sie nur sehr schwach vorhanden und daher kaum ausgeprägt? Homosexualität ist veranlagt. Es ist nur die Frage 1.) Wann entdeckt (und akzeptiert) man sie? und 2.) Wie stark ist sie ausgeprägt?, was auch zu einem späten Entdecken beitragen kann.

Muryokuna hat geschrieben:mich "auszuprobieren", was gibt es da für Übungen/Versuche, die man alleine für sich machen kann, ohne gleich in körperlichen Kontakt mit Männern zu gehen?

Es gibt weder Übungen und Versuche, die einen schwul machen, noch die das Fördern können. Du musst einfach auf Signale bei dir achten und dann wirst du das schon merken. Was für Gefühle habe ich, wenn ich hübschen Männern begegne, finde ich oft Männer hübsch, erregt mich das eigene Geschlecht oder das andere oder gar beide? Möchte ich einen Mann Küssen, Sex haben oder mit ihm gar mein Leben verbringen? Solche Fragen muss man sich auch nicht unbedingt gezielt stellen und das austesten, man erlebt das einfach, wenn man sich verliebt. Ganz automatisch. Sowas ist immer schwierig zu erklären. Ausprobieren kannst du dich weiter, indem du dich auf was einlässt - egal mit welchem Geschlecht - du wirst merken obs dir gefällt und damit automatisch auch, was dir gefällt.

Muryokuna hat geschrieben:Gab es bei dir ein Schlüsselerlebnis, das dir gezeigt hast "du bist schwul" und wenn ja, wie sah es aus?

Das gab es nicht, es war ein langer Prozess der Entwicklung dahin. Das erste mal gemerkt, dass es in die Richtung geht, habe ich über die sexuelle Schiene mit Dreizehn Jahren, wobei ich sagen muss, dass ich das da bewusst gemerkt habe. Sich mit 11 Jahren zu fragen, wie es ist einen Jungen zu küssen, würde ich auch schon dazu zählen. Damals wäre ich allerdings nie auf die Idee gekommen schwul zu sein. Insgesamt kann ich solche Erlebnisse wahrscheinlich bis zu Grundschule zurückführen und war schon immer lieber mit Jungs unterwegs. Trotzdem war es in meiner Pubertät alles andere als eindeutig und oft auch ein hin und her, welches Geschlecht mir besser gefällt. Mir entgültig klar geworden bin ich mit 19 Jahren.

Muryokuna hat geschrieben:da kommt mir die Annahme, dass ich verborgen schwul bin, als ziemlich einleuchtend vor. Ich bin halt unglücklich zur Zeit bzw. schon recht lange. Erst jetzt habe ich mich getraut dieses bestimmte Thema wirklich anzugehen. Dieses Forum ist schonmal ein erster Schritt. Und ich habe Hoffnung, dass ich bald mehr weiß.

Vielleicht ist dass bei dir erst spät ausgeprägt, vielleicht bist du auch gar nicht auf eine solche Idee gekommen, schwul zu sein oder es ist nur sehr leicht bei dir. Das musst du wohl abwarten.

Muryokuna hat geschrieben:Ja, ich habe mir schonmal einen Gay-Porno angeschaut. Ich kann allerdings Pornos allgemein nicht viel abgewinnen, auch hetero Pornos nicht. Wie gesagt, ich habe einen schwachen Trieb. Das macht alles nochmal schwieriger für mich.

Zwing dich da zu nichts. Wenn da nur wenig kommt, dann kannst du da nicht mehr provozieren. Du musst einfach abwarten und wenn ein toller Mann oder womöglich auch eine tolle Frau (wer weiß^^) vor dir steht auf dein Herz und deine Gefühle hören und nicht zu sehr darauf, ob du irgendwann mal bei einem Schmuddelfilmchen erregt warst.

Muryokuna hat geschrieben:Ich denke, ich würde viel schneller wissen wieviel homo in mir ist, wenn es gesellschaftlich keine Hemmschwelle gäbe sich schwul zu verhalten.

Nun ja ist die Frage, was man unter schwulem Verhalten versteht. Es gibt viele schwule, bei denen man solch schwules Verhalten nicht erkennen kann. Bei mir weiß ich das nicht, aber bei mir hat bisher noch keiner irgendeiner Andeutung gemacht, dass ich schwul sein könnte, es sei denn ich habe diese provoziert. Dann aber nicht mit schwulem Verhalten, wie auch immer man das definiert, sondern indem ich in die Offensive gegangen bin. Letzenendes müssen andere beurteilen, ob ich irgendwelche Klischees erfülle und man was merken könnte oder nicht. Das wäre ja mal interessant zu wissen^^

LG
gg
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Freund

Beitragvon Muryokuna » 11 Jun 2015, 21:54

Was mir noch eingefallen ist zum Thema:
Am Samstag kommt mich ein Freund besuchen, von dem ich glaube, dass er schwul sein könnte.

Ich habe ihn während einer Reha-Maßnahme kennengelernt, die etwa ein Jahr gedauert hat. Wir haben viel miteinander geredet, auch persönliches. Er ist echt sympathisch, nur hat er auch Seiten an sich, die ich komisch finde. Er hat irgendwann angefangen allen anderen zu misstrauen und ich war dort in der Reha die einzige Person, mit der er noch Kontakt haben wollte. Es wurde dann unangenehm für mich. Er hat gesagt ohne mich würde er die Reha abbrechen und wenn er die Reha abbräche ginge es ihm auch schlecht. Das war psychischer Druck auf mich. Manchmal war ich echt genervt von ihm. Ich konnte ihm aber nicht aus dem Weg gehen. Er war sogar manchmal "eifersüchtig" (das hat er so formuliert) wenn ich etwas mit jemand anderem unternommen habe.

Zum Verdacht, dass er homo ist:
Er hat häufig seine Hand auf meinen Rücken legen wollen. Ich habe ihm gesagt, dass ich das nicht so gerne mag, es aber nicht weiter schlimm finde. Manchmal war es aber zu häufig für mich. Einmal hat er seine Hand auf meinen Po gelegt und gesagt es wäre aus Versehen, was ich aber nicht glaube. Er war oft sehr nah an mir dran, zu nah. Er wollte zum Abschied, als seine Reha zu Ende war, ein Foto haben, auf dem wir beide drauf sind. Er hatte vor es einzurahmen. Ich habe ihm gesagt, dass ich das ziemlich komisch finde. Wir haben zwar ein Foto gemacht, aber er hat es laut ihm nicht eingerahmt bisher. Außenstehende Personen haben ihm gesagt, er wirke so als sei er in mich verliebt. Das halte ich auch für möglich. Ich habe ihn mal gefragt, ob er schwul sei und er hat es verneint.

Ich habe ihm mal gesagt, dass ich es für möglich halte selbst schwul zu sein, ich es aber nicht sein will. Vielleicht traut er sich deswegen nicht zuzugeben schwul zu sein. Mittlerweile ist es mir egal ob ich schwul bin, Hauptsache ich kämpfe nicht gegen meine Anlagen.

Wie soll ich mich ihm gegenüber verhalten?

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Re: Ich will Gewissheit ...

Beitragvon gutgelaunt » 11 Jun 2015, 22:28

Da dich so beschäftigt, dass er in deinen Augen schwul ist frage ich mich, was willst du? Wenn er wirklich Interesse an dir hat, dann frage ich mich hast du das denn auch und würdest du dich drauf einlassen wollen, wenn ihr euch näher kommt?

Ansonsten würde ich mich persönlich nicht versuchen irgendwie zu verhalten. Lass es auf dich zukommen und macht euch ne schöne Zeit.

Hast du denn ne spezielle Vorstellung, was passieren könnte, worauf du dich "vorbereiten" müsstest?

Ansonsten eben offen, locker und freundschaftlich. Ihr seid ja doch halbwegs befreundet.
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Re: Ich will Gewissheit ...

Beitragvon Muryokuna » 12 Jun 2015, 13:50

Also ehrlich gesagt finde ich ein bisschen unheimlich in bestimmter Hinsicht und ich traue ihm nicht ganz. Deshalb würde ich mich auch nicht auf ihn einlassen. Körperlichen Kontakt zulassen oder den telefonischen bzw. E-Mail Kontakt intensivieren. Ich habe sozusagen festgelegt wie oft er mich besuchen kommt und wie oft wir telefonieren. Es ist genau geregelt. Ich möchte ihn nicht näher an mich ran lassen, weil ich mir dann "ausgeliefert" vorkomme. Das war schonmal so während der Reha. Ich erzähle ihm jetzt auch nicht mehr allzu persönliches. Ich denke, ich habe während der Reha Seiten an ihm kennengelernt, die ich nicht nur komisch, sondern richtiggehend befremdlich und unsympathisch finde. Ich weiß nicht, ob diese Phase bei ihm nur eine absolute Ausnahme war. Ich trage es ihm nicht nach, ich bin nur vorsichtiger geworden. Er hat eben auch leicht aggressive Persönlichkeitsanteile, die ich nicht nachvollziehen kann. Es klingt sicherlich komisch, aber es kam mir so vor als würde er denken, dass er irgendwie Anspruch auf mich hat und dabei werde ICH innerlich aggressiv. Er sagte oft sein schlechter Vater, der ihn misshandelt hat, hätte ihn auch in seinem Verhalten geprägt. Soll ich etwa Mitleid haben? Am Anfang hatte ich das sogar, aber mir ist klar geworden, dass er es sich damit nur leicht macht. Es ist einfach keine Entschuldigung für falsches Verhalten oder würdet ihr das anders sehen?

Ich werde nicht herausfinden können, ob er schwul ist, aber letztlich spielt es auch keine Rolle. Interessant wäre es schon.
Es wird sicher wieder ganz nett, wenn er mich besuchen kommt. Ein Besuch im Zeitabstand von 3 Monaten finde ich gut.

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Re: Ich will Gewissheit ...

Beitragvon Muryokuna » 14 Jun 2015, 21:55

Also er war gestern da und es war ganz nett. Ich habe auch mit ihm über die merkwürdige Zeit in der Reha geredet. Er hat damit sogar begonnen. Es war ein komisches Timing, als er es angesprochen hat. Ich habe gerade etwas erzählt von einer anderen Person, für die ich schwärme, und als ich fertig war, fing er übergangslos damit an. Da besteht doch kein normaler Zusammenhang zwischen meiner Schwärmerei und seinem Verhalten während der Reha? Ist es nur Zufall, dass ihm das in dem Moment einfällt oder will er mir "zwischen den Zeilen" mehr sagen? Will er mir damit sagen, dass er sich als Partner eignen würde? Er hat nämlich betont, dass er jetzt anders sei, entspannter. Kann sein. Aber wieso sagt er es gleich nachdem ich von dieser anderen Person geredet habe? Jedenfalls war das für mich wie ein Hinweis, dass er an mir interessiert ist und folglich schwul ist. Mehr als diesen einen Hinweis gab es allerdings nicht. Ich habe ihn auch nicht direkt darauf angesprochen. Auf diese Weise finde ich es nicht heraus. Ich habe ihn schon einmal gefragt und er hat es verneint, also...

Denkt ihr nicht auch, dass dieses Timing von ihm im Gespräch eine Message beinhaltet?

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Re: Ich will Gewissheit ...

Beitragvon Muryokuna » 20 Jun 2015, 15:01

Ich merke, dass sich das Thema erschöpft hat und niemand bereit ist noch etwas dazu zu sagen. Das kann ich verstehen. Ich denke sowieso, dass man nicht alle Fragen mit dem Internet beantworten kann. Ich komme nicht mehr weiter, indem ich in Foren schreibe.

Ihr habt mir aber doch sehr geholfen. Allein schon dass ich gemerkt habe, wie normal Schwulsein ist, hat mich beruhigt.

Ich finde irgendwann, vielleicht erst in 10 Jahren, heraus, ob ich schwul, bi oder asexuell bin. Ich verabschiede mich aus dem Forum. Danke für eure Beiträge. Tschüss, machts gut!

Re: Ich will Gewissheit ...

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