Coming Out angehen

Rund ums Coming-Out - wenn es das überhaupt gibt.
Kalle5
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Coming Out angehen

Beitragvon Kalle5 » 04 Sep 2014, 00:48

Hej!!

Ich habe nun mein inneres Coming Out abgeschlossen und weiß nun zu 100% das ich schwul bin, auch nicht bi oder sowas. Frauen ziehen mich sexuell einfach nicht an, nur bei Männern werde ich "wuschig" :flag:

Meine Eltern und co. sind eigentlich tolerant, aber wie würdet ihr so etwas angehen? Beim Essen? Morgens? Mittags? Abends? :D :D :D

Wie ihr seht mache ich mir viele (habe jetzt nicht alles niedergeschrieben, das würde zu weit gehen :D ) Gedanken^^

Wie habt ihr es so gemacht? :)

Grüße :flag:

Coming Out angehen

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Robse93
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Re: Coming Out angehen

Beitragvon Robse93 » 14 Sep 2014, 18:46

Also ich hab meinen Eltern einfach gefragt ob die Zeit haben um zu reden und denen das dann gesagt(etwas zögerlich, ich war nie gut darin über Persönliches zu reden) Das war quasi so zwischendurch.
Bei meinen Freunden die mir am wichtigsten sind hab ich das genauso gemacht.
Bei allen anderen haben ich mir nen Spaß draus gemacht die raten zu lassen oder einfach nen bisschen verarscht :lol:
"Uuuuuuuuuuuur Ahhhhhrrrrrr uhhrrrrrr Ahrrrrhrrrr.." -Chewbacca.

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Re: Coming Out angehen

Beitragvon anonymous014 » 14 Sep 2014, 21:36

So eine Frage zwischendurch, bitte nicht böse nehmen, ist nur mein Ansatz. Müssen sie es wissen? Ich mein wenn sie fragen dann kann man es ja ohne Probleme sagen, aber ich persönlich würde nie zu meinen Eltern und gehen und nach dem Motto "Ich muss euch etwas beichten..." allen auf die Nase drücken dass ich schwul bin.
Das sollte für das Verhältnis zwischen deinen Eltern und dir eigentlich keine Rolle spielen, oder?

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Re: Coming Out angehen

Beitragvon SmallTownBoy » 14 Sep 2014, 23:19

Also bei mir war es so, dass ich einen Brief für meine Mum verfasste. Ich wollte halt mit jemanden darüber reden, weil ich zu der Zeit auch unter starken Liebeskummer litt. Natürlich wussten es schon einige ehemalige Klassenkameraden, besser gesagt Kameradinnen :wink: aber die traf ich auch nur noch zufällig in der Stadt oder so. Auf jeden Fall schrieb ich den Brief schon im Sommer 2013, aber ich überreichte meiner Mum diesen erst am 18. März 2014. Wahrscheinlich hätte ich ihn ihr schon früher gegeben, aber mein Vater war für ein halbes Jahr krankgeschrieben und immer zu Hause und ich wollte halt nicht, dass er etwas mitbekommt, weil ich nicht weiß wie er darauf reagieren würde. In der Vergangenheit hatte er nämlich schon öfters abwertende Kommentare über andere Homosexuelle losgelassen und dazu kommt auch noch, dass ich ein Einzelkind bin.

Na ja, auf jeden Fall fuhr mich meine Mum am besagten 18. März zur Schule und als sie mich dort absetzte, zog ich den Brief aus meiner Tasche und überreichte ihn ihr mit der Bitte, ihn bis zum Nachmittag zu lesen. Wie ihr euch vorstellen könnt, war ich den ganzen Tag über ziemlich nervös und dies fiel auch meinen Mitschülern auf, aber ich konnte halt nicht mit ihnen darüber reden, weil ich wusste, dass sie alle ziemlich homophob sind. Nach der Schule ging ich dann zu Fuß nach Hause und hörte über meinen MP3-Player Lady Gaga, was mir erst mal wieder Mut und Selbstbewusstsein gab (Lady Gaga schafft es halt immer wieder :) ).
Als ich dann zu Hause ankam, war meine Mutter noch bei der Arbeit und sie verspätete sich auch noch ein bisschen, weil sie noch etwas auf dem Amt klären musste. Das Warten machte mich dann ziemlich nervös und ich malte mir im Kopf die schlimmsten Sachen aus.
Dann kam der große Moment. Ich hörte den Schlüssel an der Tür und wollte mich am liebsten verkriechen. Meine Mum begrüßte mich erstmal und ich grüßte mit einer kleinen schwachen Stimme zurück. Sie ging erstmal ins Wohnzimmer um ihre Tasche abzulegen und erzählte dabei von ihrem Besuch beim Amt, daraufhin kam sie in mein Zimmer und erzählte mir, dass sie den Brief gelesen hatte und dass sie KEIN Problem damit hat.
Mir ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen. Sie sagte, dass das wichtigste ist, dass ich glücklich werde und dass es keine Rolle spielt wen ich liebe. Ich eruhr von ihr dann auch noch, dass meine Tante schon seit Jahren mit einer Frau zusammenlebt, aber nur sie davon in der Familie wüsste. Hätte ich davon vorher Bescheid gewusst, wäre mir mein Coming-Out deutlich leichter gefallen, aber ich kann sie ja verstehen und es klappte am Ende ja auch so, auch wenn es mit ziemlicher Nervosität verbunden war.

Ich hatte aber auch noch andere Ideen, wie ich das Coming-Out hätte angehen können. Zum Beispiel habe ich das Thema öfters angeschnitten, wenn zum Beispiel mal etwas im Fernsehen kam. Im Jahr 2010 habe ich zum ersten Mal bewusst versucht mich bei meiner Mum zu outen. Ich fragte sie, ob auf einer gebrannten CD, die sie von meinen Onkel bekam, auch das Lied Small town boy von Bronski Beat drauf sei. Sie sagte sie wüsste es gerade nicht und mir lag es schon auf der Zunge zu sagen, dass ich auch ein Small town boy bin, aber ich habe mich nicht getraut.
Eine andere Idee, die ich noch hatte, bestand darin meine Mutter einige Fragen zum Thema Homosexualität zu stellen, unter dem Vorwand, dass wir es als Hausaufgabe in Ethik aufbekommen hätten. Erstmal hätte ich allgemein ein paar Fragen über das Thema gestellt und wie sie dazu steht. Am Ende wäre dann die Frage gekommen, wie sie es finden würde wenn ich homosexuell sei (natürlich alles unter dem Vorwand der Hausaufgabe versthet sich :P ). Hätte sie dann gesagt, dass sie kein Problem damit hat, hätte ich mich geoutet.
Am liebsten wäre mir mein Outing gewesen, wenn ich mal freudestrahlend nach Hause gekommen wäre und gesagt hätte: "Ich bin glücklich verliebt. ER heißt Yannick Mustermann." Dann wäre mir es auch ziemlich egal gewesen was meine Eltern davon halten, denn das hätte ich mir nicht kaputt machen lassen.

Auf jeden Fall weiß meine Mutter jetzt Bescheid, mein Vater wird wahrscheinlich irgendwann erfahren, wenn ich einen Freund habe. Also erstmal Happy-Coming bei meiner Mum :flag:
You don't need the DNA to find the proof (Did you see me coming? von den Pet Shop Boys)

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Re: Coming Out angehen

Beitragvon Kalle5 » 05 Feb 2015, 18:30

anonymous014 hat geschrieben:So eine Frage zwischendurch, bitte nicht böse nehmen, ist nur mein Ansatz. Müssen sie es wissen? Ich mein wenn sie fragen dann kann man es ja ohne Probleme sagen, aber ich persönlich würde nie zu meinen Eltern und gehen und nach dem Motto "Ich muss euch etwas beichten..." allen auf die Nase drücken dass ich schwul bin.
Das sollte für das Verhältnis zwischen deinen Eltern und dir eigentlich keine Rolle spielen, oder?


theoretisch nicht, nein. Ich werde mich im übrigen die nächsten Tage bei meiner Mum outen. Habe auch schon einen ausgeklügelten Plan, mehr dazu dann :D

Re: Coming Out angehen

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