Urknall

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Beitragvon Chrischn » 22 Mär 2014, 12:00

Für alle Physik-Geeks und die, die es werden wollen (weiß selbst nicht, ob ich dazu gehör ;) )

Forscher des Bicep2-Projekts haben kürzlich Gravitationswellen nachweisen können, das sind so die Dinger, die die Raumzeit strecken und stauchen, blablabla
und lieferten damit einen Beweis für die Inflationstheorie, also an 2. Stelle für den Urknall und die Entwicklung des Universums, wie sie ovn der Theorie her den meisten ja bekannt ist.

Als ich das gelesen hab, fand ich das natürlich interessant und nicht schlecht, dass die allgemeine Physik so einen großen Sprung nach vorn machen konnte.

Mir stellte sich da jetzt aber die praktische Frage: Wie denkt ihr über die Naturwissenschaft, vorallem über den physikalischen Bereich? Lebensbereichernde Aufklärung oder maßlose Verschwendung wertvoller Gelder der Gesellschaft?
Bereits ab Mitte des letzten Jahrhunderts kam ja die Wissenschaft nach und nach in Verruf und ist heute für viele etwas befremdliches, oft nagetives (ABC-Waffen, vorallem atomare, pharmazeutische Experimente an Tieren etc.).

Ich persönlich bin da sehr zwiegespalten, da ja echt viel Geld draufgeht, aber die Ergebnisse an manchen Stellen echt für Begeisterung sorgen. :)

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Re: Urknall

Beitragvon michael90 » 22 Mär 2014, 13:13

Das sind ja gleich 2 Themen, die du da ansprichst:

Zum Urknall: ich finde die Erkenntnisse der Physik in diesem Zusammenhang sehr spannend, es ist doch so eine Art Grundneugier wissen zu wollen, was am Anfang von allem war, und noch spannender, was davor war. Außerdem auch die Fragen, die in diesem Kontext stehen: Was ist am Rande des Weltalls? Sind wir alleine oder gibt es außerirdische Lebensformen? Fragen, auf die ich selbst wahrscheinlich nie eine Antwort erhalten werde, aber sei´s drum; ich verfolge Neuigkeiten, die es auf diesem Gebiet gibt mit Interesse, richte meine Gedanken aber sonst eher aufs Irdische.

Und das andere meint ja die Einstellung zur Physik allgemein: Wir haben der Physik viel zu verdanken, auch vieles, was unsere Welt positiv verändert, Nanotechnologie und Halbleitertechnik, neuartige Werkstoffe beispielsweise. Neulich sah ich eine Reportage über einen Nobelpreisträger, der mit Kohle und Tesafilm einen Superleiter gebaut hat, was ich ziemlich genial fand und was dazu beiträgt, dass ich mein Interesse an diesem Fach nicht verliere.

Die Kehrseite der Medaille ist halt manchmal, dass die Forschungsergebnisse nicht nur für zivile Zwecke eingesetzt, sondern auch für letale Zwecke missbraucht werden. Daran ist aber nicht die Physik Schuld, sondern der Mensch, die diese niederen Ziele mit ihr zu verfolgen sucht. Dann liegt es eben in den Händen der Hoheitsträger dieser Welt, den verantwortungsvollen Umgang mit diesen Dingen zu üben.

Dass der Physik wegen ihrer Kostspieligkeit so ein bitterer Beigeschmack anhaften soll, sehe ich jetzt nicht so ganz: die forschenden (privaten) Unternehmen investieren gewaltige Summen, um gute Ergebnisse zu erzielen, was sie nicht tun würden, würden sie sich nicht erhoffen, die Ergebnisse auch adäquat und vor allem gewinnbringend vermarkten zu können. Schließlich profitieren wir ja auch davon, wenn nicht selbst, dann doch im Allgemeinen, ein gewisser Ausgleich sei also gegeben.
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Re: Urknall

Beitragvon PurpleGecko » 22 Mär 2014, 13:43

Du meinst das da? :D Ja, ist schon ne coole Sache, dass man endliche Beweise für Gravitationswellen gefunden hat, und die Inflationstheorie (und damit der Big Bang) wieder bisschen mehr Boden unter den Füßen bekommt.

Was ich als Physikstudent von Physik halte? :D Naja, viel, ich nenn hier einfach mal zwei (Standard-)Argumente:

Der Mensch ist nunmal ein Lebewesen, dass sich brennend für seine Umwelt, für die Hintergründe und für Begründungen interessiert. Er ist vom Wissensdrang getrieben und will Erklärungen für das, was er beobachtet. Ganz klar, dass er sich auch die Frage stellt, wie die Welt, in der er lebt, entstanden ist. Ein "So, jetzt hören wir auf zu forschen!" widerstrebt einfach der menschlichen Neugier.

Zum andren forscht man sicher auch immer ins Blaue hinein, ohne zu wissen, wofür das mal gut sein könnte. Was natürlich wieder die Leute auf den Plan ruft, die von Physik (und andren Fächern) keine Ahnung haben, schon gar nicht von den Theorien, und die dann sofort die Geld- bzw. die Sinnfrage stellen. Zwei Gegenbeispiele für die bekanntesten (auch häufig auf Sinn und Unsinn zerrupften) Theorien: in jedem USB-Stick steckt eine Menge Quantenphysik, und ein GPS-System (also Navis), wie wir es heute kennen, gäbe es ohne die Erkenntnisse der Allgemeinen und Speziellen Relativitätstheorie gar nicht.

Was mich am physikalischen Mainstream momentan eher nervt, ist der Hang zu pseudowissenschaftlichen Spekulationen, die über weite Teile freidrehend und nicht belegbar sind. Das geht mit Paralleluniversen los, zieht sich aber inzwischen auch durch Bereiche der Stringtheorien.
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Re: Urknall

Beitragvon Chrischn » 23 Mär 2014, 14:45

michael90 hat geschrieben:der mit Kohle und Tesafilm einen Superleiter gebaut hat, was ich ziemlich genial fand und was dazu beiträgt, dass ich mein Interesse an diesem Fach nicht verliere.


Du meinst sicherlich einen Supraleiter, oder?^^

michael90 hat geschrieben:Die Kehrseite der Medaille ist halt manchmal, dass die Forschungsergebnisse nicht nur für zivile Zwecke eingesetzt, sondern auch für letale Zwecke missbraucht werden. Daran ist aber nicht die Physik Schuld, sondern der Mensch, die diese niederen Ziele mit ihr zu verfolgen sucht. Dann liegt es eben in den Händen der Hoheitsträger dieser Welt, den verantwortungsvollen Umgang mit diesen Dingen zu üben.

Es sind doch immer die Machtträger schuld. ;)

PurpleGecko hat geschrieben:Der Mensch ist nunmal ein Lebewesen, dass sich brennend für seine Umwelt, für die Hintergründe und für Begründungen interessiert. Er ist vom Wissensdrang getrieben und will Erklärungen für das, was er beobachtet. Ganz klar, dass er sich auch die Frage stellt, wie die Welt, in der er lebt, entstanden ist. Ein "So, jetzt hören wir auf zu forschen!" widerstrebt einfach der menschlichen Neugier.


Interesse und Neugier braucht man da ja nicht zu unterscheiden. Wo die Neugier ist, ist ja auch der Wille zum Erforschen.
Es sind ja aber recht viele Menschen, die von der Wissenschaft überwältigt sind, sogar von (einfachen) schulischen Bereichen wie der Schulphysik. Durch diese Überwältigung oder gar Ohnmacht sind ja viele der Meinung, keinen Zugang zur Physik o.ä. zu haben und es ergibt sich ein Dualismus, der schwer nachzuvollziehen ist: kenn ich nicht, will ich nicht (kennen). Und schon stehen sie der Wissenschaft abgeneigt gegenüber. Ich rede da nicht nur von der älteren Generation, natürlich auch von der jugendlichen.

PurpleGecko hat geschrieben:Zum andren forscht man sicher auch immer ins Blaue hinein, ohne zu wissen, wofür das mal gut sein könnte. Was natürlich wieder die Leute auf den Plan ruft, die von Physik (und andren Fächern) keine Ahnung haben, schon gar nicht von den Theorien, und die dann sofort die Geld- bzw. die Sinnfrage stellen. Zwei Gegenbeispiele für die bekanntesten (auch häufig auf Sinn und Unsinn zerrupften) Theorien: in jedem USB-Stick steckt eine Menge Quantenphysik, und ein GPS-System (also Navis), wie wir es heute kennen, gäbe es ohne die Erkenntnisse der Allgemeinen und Speziellen Relativitätstheorie gar nicht.


Man muss ja auch keine Ahnung von Physik haben, um die Geld- oder Sinnfrage zu stellen.
Ich kenne viele die da fragen: Wieso viel Geld in das Wohl der Hälfte der Bevölkerung investieren, wo man doch erst der anderen, ärmeren Hälfte helfen sollte und könnte? (genaue Anteile variieren sowieso stark :P )

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Re: Urknall

Beitragvon PurpleGecko » 23 Mär 2014, 18:33

Chrischn hat geschrieben:
PurpleGecko hat geschrieben:Zum andren forscht man sicher auch immer ins Blaue hinein, ohne zu wissen, wofür das mal gut sein könnte. Was natürlich wieder die Leute auf den Plan ruft, die von Physik (und andren Fächern) keine Ahnung haben, schon gar nicht von den Theorien, und die dann sofort die Geld- bzw. die Sinnfrage stellen. Zwei Gegenbeispiele für die bekanntesten (auch häufig auf Sinn und Unsinn zerrupften) Theorien: in jedem USB-Stick steckt eine Menge Quantenphysik, und ein GPS-System (also Navis), wie wir es heute kennen, gäbe es ohne die Erkenntnisse der Allgemeinen und Speziellen Relativitätstheorie gar nicht.


Man muss ja auch keine Ahnung von Physik haben, um die Geld- oder Sinnfrage zu stellen.
Ich kenne viele die da fragen: Wieso viel Geld in das Wohl der Hälfte der Bevölkerung investieren, wo man doch erst der anderen, ärmeren Hälfte helfen sollte und könnte? (genaue Anteile variieren sowieso stark :P )


Ich meinte eher, dass diese Frage umso leichter gestellt wird, je weniger Ahnung der Fragende von der Materie besitzt. Warum sollte auch irgendjemand Geld in etwas stecken, wovon er keinen Schimmer hat? Warum Kohle verprassen um nach dem Higgs-Teilchen zu suchen, wenn ich mir den Namen nur merken kann, weil er lustig klingt?

Zu der oft gehörten Frage: Würde man beides tun, wäre das nahe am Idealfall. Leider explodiert heutzutage zu viel Geld im Bankensektor, aber schussendlich ist es wie mit allem: Man kann Geld, das in einem Bereich gebraucht wird, schwer in einen völlig anderen Topf scheffeln, auch wenn das allgemein geglaubt wird.
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Re: Urknall

Beitragvon Chrischn » 23 Mär 2014, 18:38

Natürlich kann der Staat seine Gelder, die er in die Forschung investiert, bspw. in die Entwicklungshilfe stecken, oder etwa nicht?

Und ums mal utopisch zu formulieren: Wieso nicht erst die Menschen auf den gleichen (Wohl)stand bringen und dann umso schneller alle zusammen weiterentwickeln, bzw. das Wohl aller verbessern?

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Re: Urknall

Beitragvon PurpleGecko » 23 Mär 2014, 20:26

Chrischn hat geschrieben:Natürlich kann der Staat seine Gelder, die er in die Forschung investiert, bspw. in die Entwicklungshilfe stecken, oder etwa nicht?

Können kann man viel, nur ist die Praxis eben komplexer. Da stehen allein schon Bürokratie und Lobbyismus dazwischen ;)

Chrischn hat geschrieben:Und ums mal utopisch zu formulieren: Wieso nicht erst die Menschen auf den gleichen (Wohl)stand bringen und dann umso schneller alle zusammen weiterentwickeln, bzw. das Wohl aller verbessern?

Gleichmacherei kann unter Menschen nicht funktionieren, weil Menschen nicht gleich sind. Das erinnert mich zudem ein bisschen an den Kommunismus, der ja aus bekannten Gründen gescheitert ist. Und selbst wenn du alle Menschen auf ein Wohlstandsniveau gebracht hast: Wie lange würde das anhalten?
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Re: Urknall

Beitragvon Chrischn » 23 Mär 2014, 20:44

Ok, Wohlstand ist wohl ein vager Begriff. Es geht ja darum, jedem Mensch den (nahezu) gleichen Lebensstandard anzubieten, ob er ihn nun annimmt oder nicht, oder sogar noch mehr aus seinen Ressourcen macht.

Krieg, durch Armut motivierter Terror und was weiß ich basieren ja auf stark ungleich verteilten finanziellen und sozialen Gütern. D.h. wenn schon dieses Wohlstandsniveau ausgeglichen wäre, würden ja einige Gründe für Unzufriedenheit aus der Welt geschafft, wodurch das länger hielte als die Parallelität von Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern.

(Nebenbei, lasst euch nicht von diesem eingespielten Idealismus erschrecken ;) )

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Re: Urknall

Beitragvon PurpleGecko » 23 Mär 2014, 21:44

Und selbst dann würden noch die machtpolitischen Interessen der Staatsregierungen im Weg stehen .....
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Re: Urknall

Beitragvon Alex2k9 » 23 Mär 2014, 21:50

Chrischn hat geschrieben:Natürlich kann der Staat seine Gelder, die er in die Forschung investiert, bspw. in die Entwicklungshilfe stecken, oder etwa nicht?

Und ums mal utopisch zu formulieren: Wieso nicht erst die Menschen auf den gleichen (Wohl)stand bringen und dann umso schneller alle zusammen weiterentwickeln, bzw. das Wohl aller verbessern?


Weil die Welt halt nicht so bunt & schön ist wie du denkst. Es gibt weit aus mehr arme (aus unserer Sicht zumindest) Menschen auf der Welt, und in dem man Geld auf sie wirft werden sie sich nicht weiter entwickeln wenn sie es nicht mal selbst wollen.
Indien zB. bekommt von uns Millionen € an Entwicklungshilfe, baut nebenbei aber auch Flugzeugträger, Atomwaffen und hat sogar sein eigenen Raumfahrtprogramm.
Ich für meinen Teil freue mich wenn Geld für Forschung ausgegeben wird, anstatt es in bodenlose Fässer zu werfen.

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Re: Urknall

Beitragvon Chrischn » 23 Mär 2014, 22:05

Ist auch nicht meine Meinung, die ich hier darstelle; es gibt anscheinend nicht viele Argumente gegen die Wissenschaft.

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Re: Urknall

Beitragvon PurpleGecko » 25 Mär 2014, 12:12

Nun ja, man könnte argumentieren, dass es in der "Wissenschaft" Bereiche gibt, die nur zum Selbstzweck existieren und somit niemandem etwas bringen, sondern allenfalls Geld kosten. Die Zahlentheorie zB.
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Re: Urknall

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