Hilfe! Meine Freundin will die Wahrheit wissen - Was tun?

Rund ums Coming-Out - wenn es das überhaupt gibt.
Benutzeravatar
Iroc
advanced-boy
advanced-boy
Beiträge: 280
Registriert: 22 Mai 2013, 20:14
Wohnort: In der Nähe von Münster, NRW
Kontaktdaten:

Hilfe! Meine Freundin will die Wahrheit wissen - Was tun?

Beitragvon Iroc » 28 Okt 2013, 02:12

Joa...ich bin der Iroc oder auch Leon, bin 17, komm aus der nähe von Münster und ich hab ein "kleines" Problem...
Aber dazu später. Erstmal vielleicht meine Vorgeschichte damit ihr ne ungefähre Ahnung habt worum es geht.

Angefangen hat alles, wenn ich jetzt im Nachhinein noch mal drüber nachdenke, schon in der Grundschule.
Ich hatte fast nur Freundinnen, trug die Haare über Schulterlang (Gut, ok, nach meinem heutigen Musikgeschmack würde es auch passen, der den hatte ich da noch nicht),
interessierte mich für Pferde, Singen und allgemein eher wenig für Jungensachen.
Mit Jungs kam ich gar nicht klar, sie schienen mir damals schon unreif (Heute sind sie es immer noch, aber ich auch endlich ;) )
und mit ihren scheinbar ausschließlichen Interessen für Fußball und Raufereien konnte ich mich gar nicht identifizieren.
Achja...Ich habe zwei große Halbschwestern und eine kleine Schwester und im gesamten Verwandtenkreis existiert kein einziger Cousin. Ich bin also der einzige Junge der Generation in meiner Familie
und ich wurde auch eher von Frauen (wohlbehütet) großgezogen, als von meinem Vater, der viel gearbeitet hat, und meine Mutter eben nicht um auf meine kleine Schwester aufzupassen.

Später auf der Weiterführenden Schule hab ich viele neue Freunde gefunden und hatte mit Mädels nicht mehr allzu viel zu tun, auch wenn ich weiterhin wunderbar mit ihnen auskam.
Die Haare kamen ab, und ich führte von da an eigentlich ein relativ "straightes" Leben. (Ich wurde einem speziellen Mitschüler aber immer wieder drauf angesprochen ob ich
nicht doch (oder "immer noch") ein Mädchen sein will. Damals hats mich nur genervt, aber heute hab ich die Vermutung, dass etwas mehr dahinter steckte.)

Irgendwann, ich war so 13, 14 und hatte mich zu einem recht schüchternen Jungen entwickelt (Vorträge oder Auftritte vor vielen Leuten konnte ich komischerweise aber damals schon ohne Angst),
kam auf irgendeinem Spaziergang mit meinen Eltern die Frage von meinem Vater, warum ich denn die Mädchen, die an uns vorbei laufen nicht an gucke. Sie würden mich auch ganz genau ins Auge fassen.
(Ich habe immer weg geguckt, wenn sie an uns vorbei liefen) Damals hab ich es noch auf meine Schüchternheit geschoben, gesagt, dass ich mal versuchen werde sie anzugucken und damit war das Thema fürs erste gegessen.
Allerdings hat sich der Moment in mein Gedächtnis eingebrannt und ich hab mir viele Gedanken darum gemacht.
Wenig später fiel mir auf, dass ich eher Jungs ansah und dass ich am weiblichen Körper ziemlich uninteressiert bin (was sich bis heute nicht wirklich geändert hat). Ich hatte da auch schon einen Favoriten. Zu dem Zeitpunkt war aber noch nicht an Liebe zu denken (zumindest mir nicht bewusst),
es war eher so dass ich es jedes mal bemerkte wenn er an mir vorbei lief und ich mich freute. Verwirrend damals. Aber man findet so seine Erklärungen dafür (Ich wollte einfach mit ihm befreundet sein und fand ihn nett.)

Noch einmal ein gutes halbes Jahr später begann ich mit dem Training, entwickelte ein anfängliches Körperbewusstsein sowie Modebewusstsein und fing an mich mit anderen Jungs zu vergleichen.
Zumindest war das meine Erklärung sie alle anzuschauen. Ich hatte auch im Inet schon nach Bildern von muskulösen Kerlen gesucht (und gefunden) und wollte natürlich so wie die sein. Um mir und den anderen zu gefallen.
Ich glaube bei den "anderen" waren die Jungs nie ganz ausgeschlossen... Ich wollte eindruck machen und von meinem Image als dicklicher und unsportlicher Junge wegkommen.
Danach (vor ca. 2,5 Jahren mit Anfang 15) ging es dann auch schon fast ins Extreme. Ich steckte mitten in der Pubertät, Wachstumsschub, Hormonchaos (wenn auch nicht geistig), machte jeden Tag mehrere Stunden Training
und aß fast nichts. Naja...62 Kilo bei 1,80m. Aber ich war immer noch nicht zufrieden mit mir. Nach einem Viertel Jahr war die Phase dann aber auch wieder vorbei und ich aß wieder genug (Ich esse einfach gerne :P ).

Der Traum vom Waschbrettbauch besteht aber immer noch und ich ging ihm weiter nach, wenn auch nicht mehr mit allzu viel Elan. Es entwickelte sich anfängliches Selbstvertrauen.
Ich schaute weiterhin alle an, besonders Jungs und weiterhin unter dem alten Vorwand. Zwischendurch kam es sogar mal vor, dass ich mich in ein Mädchen verguckt habe, woraus sich aber eigentlich nie was weiteres entwickelt hat.

Vor eineinhalb Jahren, am Abschluss der 10. Klasse, war ich dann auch mal mit einem Mädchen zusammen, aber das ist nach 2 Monaten zerbrochen, weil ich mich nichts getraut habe (also nichts über ein Wangenküsschen hinaus)
Ich war auch nicht wirklich verliebt, sie hat mich gefragt, ob ich will und ich dachte mir nur es kann nicht schaden.
Damals hat sich auch schon so der erste leise Gedanke eingeschlichen dass ich vielleicht eher ans andere Ufer möchte, aber den Gedanken habe ich immer schnell wieder verdrängt.
Ich habe mir immer schon ein Paar aus der Masse raus gepickt, die ich ganz besonders schön fand und denen ich nacheifern wollte, die ich näher kennen lernen wollte...

Vor ziemlich genau einem Jahr (in Klasse 11), auch in den Herbstferien, während der Arbeit wurde mir klar, dass ich mich wohl in einen Schauspieler verliebt habe. Und dass ich damit verbunden wohl schwul sein könnte/ müsste.
Ich habe im Internet nach Anzeichen gesucht, ob man schwul ist oder nicht, wie Eltern reagieren usw. So bin ich auch früher oder später auf dieses Forum gestoßen und habe angefangen passiv mit zu lesen.
Vielen Dank Hendrik92, für deine Geschichte, sie hat mir in dieser Zeit den Weg gewiesen und die Verarbeitung einfacher gemacht.
Zur gleichen Zeit habe ich auch angefangen meine Geschichte zu schreiben, aber mich erst jetzt dazu durch gerungen sie hier zu veröffentlichen. Es hatte etwas endgültiges von dem man nicht mehr zurück kommt, aber das wird mir wohl noch häufiger passieren...

Alsbald habe ich dann auch den ersten Annäherungsversuch an einen (sehr süßen) Jungen (ich nenne ihn im Folgenden mal Steffen) unternommen (erstmal Freunde werden und sich besser kennen lernen), der mit dem Wechsel in die Oberstufe neu dazu kam.
Ich habe sie alle sehr genau beobachtet und sorgsam darauf achtend nichts von mir preis zugeben ausgelotet ob sie wohl auch zum anderen Ufer schwimmen oder sich schon dort aufhalten.

Ich würde mich selbst als Bi einschätzen, auch wenn ich etwas mehr von süßen Jungs angezogen werde. ;)

Beim Weihnachtsmarkt Mitte November sollte ich mich dann meinen Französischen Gasteltern vorstellen, bei denen ich die letzten Wochen mein Praktikum gemacht habe.
Zusammen mit meiner damaligen Klassenkameradin (Ich nenne sie der Einfachheit halber einfach mal Greta), mit der ich die Jahre davor schon viel für die DELF Zertifikate (vielleicht hat ja schon mal jemand davon gehört, das sind französische Sprachdiplome) getan, oft auch mit Unterricht nur für uns beide.
(Sie ist auch mit zum Praktikum gekommen.)
Am nächsten Tag wollte ich mit Steffen zum Mountainbiken im Wald treffen und ich hatte Greta zugesagt, die noch einen Kuchen für uns backen wollte. Wegen schlechtem Wetter und Sturm wollten meine Eltern
mir dann Verbieten zu Steffen zu fahren (erst recht fahren im Wald), aber schließlich haben sie mich doch hingebracht, unter der Voraussetzung, dass wir nicht im Wald fahren.
So haben wir beide dann bei Greta Kuchen gegessen und das Verhältnis hat sich merklich gebessert. Zu Steffen habe ich den engen Kontakt verloren.

Am 30. November haben Greta und ich einen netten DVD Nachmittag gemacht und sind danach ins Kino gegangen (Alle Teile der Biss-Filme an einem Tag :D )
Wenig Später (am 8. Dezember) haben wir dann ihren Vater in der Kur besucht. Am Abend erstes Händchen halten.
Ich hab mich verliebt und sie sich auch. Am nächsten Tag waren wir zusammen. Ich hab nie ein Sterbenswörtchen erwähnt an welchem Ufer ich mich eigentlich befinde (Vermutlich irgendwo zwischen beiden). Es war meine Chance an ein "normales" Leben, an die ich mich bis heute noch klammere. Ich bin bis heute mit ihr zusammen.

Zwischendurch gab es zahlreiche Beziehungskrisen, immer wenn ich mich mal wieder in einen Jungen verliebt habe. Aber ich habe es jedes Mal runter geschluckt, verdrängt und nach gut einer Woche des Schmerzes war ich dann auch wieder drüber weg. Auch wenn ich mir in dieser Zeit natürlich viele Gedanken gemacht habe das alles aufzulösen.
In dieser Woche habe ich mich dann nicht sehr gut um Greta gekümmert und mich nicht bemüht "normale" kleine Streits wieder richtig zu stellen. Von daher hat es in dieser Zeit immer etwas gekrieselt, was sich aber immer rechtzeitig vor der Trennung wieder gefangen hat. Aber außerhalb dieser Krisen war ich eigentlich immer (wenn auch nur für begrenzte Zeit (ein paar Wochen)) glücklich mit ihr.
Ich klammere mich eisern an die Vorstellung des "normalen Lebens". Kinder bekommen, eine glückliche Familie gründen, Beruf und so weiter.
Immer, wenn ich im Urlaub war und mich frei entfalten konnte ohne darum zu bangen was andere von mir dachten, war es auch immer wieder schwierig sich in die alte Welt einzupassen.

Besonders schlimm und besonders schön zugleich war es dann im Praktikum. Ich war am Collège, der weiterführenden Schule in Frankreich (Schüler zwischen 10 und 16) und habe da quasi als Lehrer gearbeitet.
Die kleinen waren echt alle super süß (am liebsten einpacken und alle mitnehmen) aber die 3ème, die älteste Klasse an der Schule, war bald meine Lieblingsklasse. Und das nicht ohne Grund. Es gab da einen Jungen der einfach nur unglaublich süß war (mir fehlen die Worte um ihn auch nur annähernd richtig zu beschreiben)
Ich stand ausnahmsweise mal im Mittelpunkt und alle fanden mich toll. Der süße mit inbegriffen. Ich konnte über den Schulhof gehen und alle paar Schritt rief jemand Hallo oder wollte sich mit mir unterhalten. Ich konnte mich endlich mal frei entfalten (Was ja da auch nicht weiter schlimm ist, da in dem Land allgemein etwas toleranter mit Homosexualität umgegangen wird
(naja, zumindest in Staatlicher Hinsicht)). Ich wurde selbstbewusst, lustig, verspielt, charmant und allem voraus glücklich. Ich habe mich jetzt nirgendwo direkt geoutet, aber dass die Klasse mir zum Abschluss einen echt schönen Schal geschenkt haben (den ich jetzt jeden Tag trage) könnte ein Zeichen sein, dass sie mehr vermuteten ;)
Greta war zwar mit dabei, aber wir hatten uns bald auch mal wieder zerstritten sodass ich meine Ruhe hatte.
Mit meinen beiden Gastbrüdern (11 & 15) habe ich mich auch super verstanden, besonders mit dem kleinen. Wir konnten super rum Albern und haten riesen Spaß. (Ich schien in all den Jahren in denen ich mein wahres Ich zurückgedrängt habe doch einiges an Nachholbedarf geschaffen zu haben. Ich bin innerlich ein Kind und will auch nicht erwachsen werden.) Zum Ende hat er sich sogar ein bisschen an mich gekuschelt. Er wurde immer mehr zu dem kleinen Bruder für mich den ich immer schon haben wollte.
Alles in allem waren diese beiden Wochen (trotz des Gefühlschaos, das unweigerlich ausbricht, wenn ich mich mal wieder so verhalte, wie ich es immer gerne tun würde) die schönsten meines Lebens. Ich war absolut glücklich. So wie nie zuvor. Ich fühlte mich Zuhause, aufgenommen und geliebt. Mehr als im eigentlichen Zuhause.
Ich wollte gar nicht mehr zurück. Aber das Ende hat doch bald gerufen. Und es kam mit voller Wucht.
Beim Abschied gab es dicke Tränen von meinem kleinen Bruder und er hat sich an mich geklammert und wollte mich gar nicht gehen lassen. :'(
Auch an der Schule waren alle traurig. Meinen süßen hab ich sogar am letzten Tag nach der Schule noch mal am Straßenrand stehen sehen (er mich aber glaub ich nicht). Ein Zeichen? Jedenfalls kommt meine ganze Lieblingsklasse für einen Austausch zum Weihnachtsmarkt in diesem Jahr. Ich sehe ihn also schon in einem Monat wieder :D

Dann kam ich letzte Woche "Zuhause" an. Es fühlte sich ganz und gar nicht so an als ob das ein Zuhause wär, und dass die Leute, die mich vom Bahnhof abgeholt haben nicht meine Familie wären, sondern Fremde.
Das hat mich ziemlich aus der Bahn geschmissen, vor allem die Gewissheit mich wieder in meine alte Rolle fügen zu müssen machte mich fertig. Greta, (mit der ich mich natürlich mittlerweile wieder vertragen habe), konnte es gar nicht ab mich so traurig zu sehen. Sie ist selbst todtraurig, dass sie mich nicht trösten kann.
Sie bat mich fast flehend, doch das was auch immer mich dort glücklich gemacht hat mit nach Hause zu bringen. Ich versuche es. Ich versuche mich ein wenig mehr wie ich zu verhalten. Allerdings kommen dabei meine wahren Gefühle zu Tage. Nicht immer vorteilhaft. Mein Herz blüht auf und mein Verstand schreit mit voller Gewalt dagegen an. Ich habe panische Angst davor diese drei Worte zu sagen.

Ich habe sie in den letzten Tagen behutsam in die Richtung gelenkt, in der ich es ihr beibringen könnte, dass ich auch Jungs mag.
Sie weiß, dass ich eine zweite versteckte Seite in mir habe, die ich nicht zeigen mag, aber sie weiß nicht welche. Sie meint, wenn ich es nicht schaffe, ihr diese Seite zu zeigen, ist sie weg. Andererseits ist sie vermutlich auch weg, wenn ich es ihr erzähle und sie würde es vermutlich nicht lange für sich behalten (Einerseits wäre damit meine Chance vertan weiterhin "undercover" zu bleiben, aber andererseits würden sich ganz andere Möglichkeiten für mich auftun, würde es endlich raus kommen...).
Nach fast 11 Monaten Beziehung möchte ich sie nicht verletzen und irgendwo Liebe ich sie auch, auch wenn mehr als Freundin, zum Schulter anlehnen und ausweinen. Und ich möchte all die glücklichen Momente mit ihr auch nicht fallen lassen. Ich bin mir nichtmal sicher, ob ich in einer Phase stecke oder ob ich wirklich schwul oder bi bin...Aber ich sehne mich nach einem Jungen an meiner Seite. Meine Hoffnung wäre, dass ich sie mir als beste Freundin bewahren könnte.
Ich habe Angst wie sich mein Leben verändern würde, eventuell zum schlechteren. Und es wird sich verändern. So oder so. Ich werde von der Klippe fallen, aber ich kann mir noch aussuchen, ob ich elegant springe oder ausrutsche. Und der Traum vom "normalen Leben" wäre geplatzt.
(Allgemeines Thema outing ist vielleicht gar nicht mal so das Problem. Meine Eltern kämen damit klar (Wenn sie es nicht eh schon längst wissen), ich würde vielleicht ein paar Freunde verlieren, aber vielleicht auch neue gewinnen und sonst bin ich auch recht optimistisch es ihnen erzählen zu können...Den ersten Schritt zu tun ist das Problem. Und die Unsicherheit dabei wie es danach weitergeht. Danach könnte mein Leben eine Nuance besser sein oder hundsmieserabel.)
Morgen will sie es wissen.

Was soll ich tun?

Ich hasse Zwickmühlen.

Es tut gut das alles mal nieder schreiben zu können. Ob es jemand liest oder nicht, es hat mir jetzt schon geholfen.
Aber wenn sich natürlich jemand die Mühe gemacht hat sich das Kuddelmuddel anzutun und vielleicht auch zu kommentieren, freue ich mich natürlich sehr :) Danke

PS: Ich will jetzt nicht die Mitliedsnummer abziehen. Ich weiß dass ich im Vergleich zu vielen anderen eine schöne Kindheit hatte und dass es wesentlich heftigere Probleme gibt, mit denen ihr manchmal so klar kommen müsst. Aber dennoch wollte ich das mal los werden.
How many homophobes does it take to change a light bulb? None. They're afraid of change, even if it will make the world a brighter place.

Hilfe! Meine Freundin will die Wahrheit wissen - Was tun?

Werbung
 

Vergil
new-boy
new-boy
Beiträge: 15
Registriert: 27 Okt 2013, 20:28

Re: Hilfe! Meine Freundin will die Wahrheit wissen - Was tun

Beitragvon Vergil » 28 Okt 2013, 12:55

Hi Iroc,

Ohne große umschweife würd ich dir raten es ihr in ruhe zu sagen, dass du gefühle für jungs hast.
Das is besser als wenn sie es allein rauskriegt. Ich kann mir vorstellen dass das weder für sie noch für dich leicht wird, aber es is auch keine lösung es ewig mit sich rumzutragen und in einer beziehung zu sein in der man sich nicht voll und ganz wohl fühlt. Auch wenn es für sie schwer fallen würde solltest du versuchen mit ihr drüber zu reden ob ihr dennoch befreundet bleiben könnt.
Und was das outen angeht.... es dürfte wohl nicht einfach werden aber das is es wohl kaum bei jemanden. Aber es wird auf jedenfall eine erleichterung für dich und dann wirst du auch sehen wer wirklich zu deinen freunden zählt, wenn sie verstehen und akzeptieren. Es is für viele ein großer schritt aber das befreiende gefühl was man dann verspürt tut wirklich gut.

Ich wünsch dir jedenfalls alles gute
und hoffe du kriegst das hin:)

Wayne
Greenhorn
Greenhorn
Beiträge: 62
Registriert: 25 Dez 2010, 01:50

Re: Hilfe! Meine Freundin will die Wahrheit wissen - Was tun

Beitragvon Wayne » 28 Okt 2013, 19:36

Hey,

ich schließe mich meinem Vorredner an. Mittlerweile bin ich eher ein alter Sack, verglichen mit den Usern hier, aber ich möchte dir ans Herz legen, mit dir ins Reine zu kommen. Ich habe etwa auch mit 14 damals gemerkt, dass irgendwas anders ist. Ich habe es auch verdrängt und wollte es nicht wahr haben. Das ging so lange, bis sich aus diesem Verdrängen und anderen Faktoren, wie Leistungsdruck an der Uni darauf eine Depression entwickelte, bei der ich anfänglich immer noch dachte, dass ich Probleme, die ich mit mir selber habe auch nur selber lösen kann. Pustekuchen. Bei mir ging es so weit, dass ich fast zwei Jahre dann eine mehr oder minder starke Depression hatte und es am Ende auch möglicherweise unglimpflich hätte verlaufen können.
Dank meines besten Freundes hatte ich mir dann Hilfe geholt. Was die Quintessenz ist: Meine Eltern hatten damit absolut kein Problem, meine Mutter wusste es quasi eh schon (bzw hatte es vermutet). Meine engeren Freunde haben auch null ein Problem damit und das Wichtigste: Ich habe früher auch immer an "normales Leben" gedacht. Familie, Frau, Kinder, Hund, Eigenheim quasi. Abgesehen von der Frau kannst du die Gleichung auch mit einem Mann haben.
Vom Lesen deines Posts her, habe ich eher das Gefühl, dass bei dir eher eine stärkere Tendenz Richtung Jungs ausgeht. Ich kann die Situation ganz gut nachempfinden, weil ich damals 1,5 Jahre mit einem Mädel zusammen war. Allerdings in der Zeit überglücklich und ich ihr auch vor der Beziehung schon sagte, dass ich auch Männer attraktiv finde. Also, dass du dich nur kurze Perioden eurer Beziehung wirklich gut darin fühlst, gibt mir eher den Eindruck, als ob du eher Interesse an Frauen hast, weil du dir das selber aufzwingst.
Ich würde dir nahe legen, mit ihr zu reden, da du meiner Ansicht nach, ihr und dir nur was vor machst. Du musst mit dir selber ins Reine kommen, damit du wirklich glücklich werden kannst. Zögere es bitte nicht so lange heraus, bis du damit ggf. psychische Probleme bekommst, wie es bei mir war, oder du Plötzlich mit 40 mit einer Frau zusammen bist, Kinder hast und dann merkst bzw. erst realisierst, dass du mit Frauen nichts anfangen kannst.
Für dein eigenes Glück, stehst momentan nur du dir selber im Weg. Ändere was!

Ich wünsche dir viel Erfolg mit deiner Entscheidung ;)

Benutzeravatar
Iroc
advanced-boy
advanced-boy
Beiträge: 280
Registriert: 22 Mai 2013, 20:14
Wohnort: In der Nähe von Münster, NRW

Re: Hilfe! Meine Freundin will die Wahrheit wissen - Was tun

Beitragvon Iroc » 03 Nov 2013, 21:31

Vielen, vielen Dank, Leute!
(und nochmals Danke, ich kann es nicht oft genug sagen)

Ich habe mich gestern nach langem Zögern bei ihr geoutet.
Es waren die schwersten Worte die jemals über meine Lippen kamen. Aber ich habe es doch geschafft sie auszusprechen.
Irgendwann meinte sie, dass ich doch ein viel besseres Mädchen als sie verdient hätte.
Ich hab geantwortet, was ist, wenn es kein Mädchen ist, das ich will. Was ist, wenn es ein Junge ist, den ich mir an meiner Seite wünsche?
Sie dachte erst es wär ein Scherz und musste erst mehrmals fragen, ob es wirklich kein Scherz ist.
Aber das war es nicht. Ich konnte zum ersten mal seit Jahren wieder weinen. Vorher ging das nicht. Es war eine Befreiung...
Sie stand ziemlich unter Schock und konnte es gar nicht begreifen, auch wenn all die rätselhaften Äußerungen von mir endlich einen Sinn ergaben.
Es gab viele Fragen und es stand erst noch zur Diskussion so weiter zu machen, wie es war, aber nachdem sie eine Nacht darüber geschlafen hatte war ihr klar, dass es nicht so weiter gehen kann...Nach langem Reden und vielen Tränen haben wir uns erst im Guten getrennt und wollen weiterhin gute Freunde bleiben.
Allerdings haben wir am gleichen Abend noch bemerkt, dass wir doch nicht ohne einanader können und beschlossen es noch weiter zu versuchen und dieses mal mit offenen Karten. Und dass wir es sagen, sollte es jemand anderen geben oder sollten sich die Gefühle doch noch ändern.
Wir wünschen uns beide von Herzen dass der andere glücklich wird.
Auch wenn der Gedanke sie ziemlich fertig macht, dass irgendwann vielleicht der Tag kommt wo mir mein Traumboy über den weg läuft...
Es fühlt sich irgendwie unwirklich und wie in einem Traum an, dass jetzt jemand um das best gehütete Geheimnis meines Lebens bescheid weiß...unheimlich...

Gestern Abend habe ich mich dann bei meiner Mutter geoutet. Sie meinte nur, dass man sie mit so was nicht schocken kann. Geahnt habe sie aber trotzdem nichts. Gab auch noch ein paar Fragen die irgendwie unangenehm zu beantworten waren, aber naja :D
Sie meinte allerdings auch, dass es gut war, dass ich mich zuerst bei ihr geoutet hab, weil mein Vater wohl, entgegen meiner Vermutung, ziemlich heftige Ansichten in der Hinsicht hat...(So sehr, dass sie selber manchmal denkt, dass er was zu verdrängen hat ;) ).
Leider kann sie nicht so gut Schauspielern wie ich und Papa hat sofort gemerkt, dass was nicht stimmt und dann hat sie auch noch viele Andeutungen gemacht und mich dann dadurch mehr oder weniger dazu gezwungen mich bei meinem Vater zu outen.
Das wurde dann heute Nachmittag erledigt...Er hat sich zumindest nichts von seinen Meinungen anmerken lassen und meinte dann nur, dass es dann wohl eben so ist.
Naja der Fakt, dass ich noch mit meiner Freundin zusammen bin und dass ich gesagt hab dass ich "auch" Jungs mag haben die Reaktion vielleicht dann noch etwas zum guten abgeschwächt.

Nochmal DANKE euch! Ihr seid toll. Und ich glaube es war die richtige Entscheidung. Zumindest die des Herzens. Man fühlt sich jetzt frei.
How many homophobes does it take to change a light bulb? None. They're afraid of change, even if it will make the world a brighter place.

Benutzeravatar
Vacant
new-boy
new-boy
Beiträge: 33
Registriert: 24 Jun 2008, 21:23

Re: Hilfe! Meine Freundin will die Wahrheit wissen - Was tun

Beitragvon Vacant » 03 Nov 2013, 22:00

Lieber Iroc,
zuerst möchte ich dir zu deinm Outing gratulieren, auch wenn es "nur " ein Bi-Outing war. Ich habe mir deine ganze Geschichte durchgelesen und muss sagen, dass sie eine interessante Entwicklung nimmt, von der ich nicht weiß, ob du sie beabsichtigst. Du fängst zuerst an sehr klischeehaft von Komosexualität zu sprechen, mit einer gewissen Distanz. Du du später von besseren Verhältnissen für Homesexuelle in Frankreich schreibst und dabei von "uns" sprichst, bis du am Ende von einer Rolle schreibst die du scheinbar spielst. Darauf möchte ich allerdings gar nicht hinaus.
Wenn du dich als bisexuelle "einstufst" anstatt als homosexuelle, dann ist das völlig in Ordnung. Du solltest dennoch einmal richtig in die hineinhören. Denn wenn ich mir deine Ausführungen ansehe, bin ich mir nicht sicher, ob du die Bisexualität nur "wählst" um nicht als kompletter Schwuler zu gelten und damit evtl deine Freundin oder Eltern noch mehr zu verletzten. Bleibst du mit deiner Freudnin aus wirklich aus Liebe zusammen? Oder nur um das ganze nicht zu schmerzhaft zu gestalten? Und das nicht nur für sie, sondern auch für dich selber? Ich hoffe ich bin jetzt nicht zu dirket aber man konnte in deiner Story schon ein wenig erkennen, dass du, wärest du homosexuelle, nicht so recht damit klr kommen würdest. Du könntest kein "normales Leben" führen etc. Es ist sicher schwierig, sich damit zu identifieziren, aber wir sind ALLE normal ;) Wenn ich falsch liege ist das auch gut ;) Ich wünsche dir und deiner Freundin alles Gute.

Liebe Grüße und folge deinem Herzen...

Benutzeravatar
Iroc
advanced-boy
advanced-boy
Beiträge: 280
Registriert: 22 Mai 2013, 20:14
Wohnort: In der Nähe von Münster, NRW

Re: Hilfe! Meine Freundin will die Wahrheit wissen - Was tun

Beitragvon Iroc » 26 Nov 2013, 16:34

Noch einmal ein kleines Update...

Ich habe mich letzte Woche von meiner Freundin getrennt. Endgültig, auch wenn sie es noch mal versuchen wollte.
Erst schien es als ob wir nie mehr miteinander reden könnten, aber auch das hat sich mittlerweile schon ein wenig gelegt.
Man vermisst jetzt hier und da schon eine Umarmung oder jemanden zum Anlehnen, gerade in der Schule, aber alles in allem ist es wieder eine Befreiung. Auch einfach mal wieder das tun zu können wozu man immer lust hat ohne dass auf der anderen Seite gleich jemand eingeschnappt ist.
Und ich kann mich jetzt mit offenen Augen umsehen. Ich denke nicht, dass ich mich vollständig outen werde, das könnte mir in der Schule noch Probleme bereiten (Sport usw.), aber meinem näheren Umfeld will ich es schon erzählen. Vielleicht werde ich den einen richtigen ja noch finden ;)

Die Franzosen waren auf dem Weihnachtsmarkt da, aber ich hatte leider nicht die Möglichkeit mich viel mit ihnen zu unterhalten.

Ich hab echt lange über deine Worte nachgedacht, Vacant.
Du hast wahrscheinlich recht...
Mit allem was du schon geahnt hattest. Auf einer Skala von 1-10 (wo ich mich irgendwie immer versuche einzuordnen) würde ich mir mittlerweile eine solide 1,8 geben...
Seitdem ich mich getrennt habe hab ich die Möglichkeit auch mal einen anderen Blick auf die Lage zu werfen.

Ich bin gespannt, was die Zukunft bringt.
Danke euch allen, die mir in dieser ein wenig merkwürdigen und kritischen Phase meines Lebens geholfen habt.
How many homophobes does it take to change a light bulb? None. They're afraid of change, even if it will make the world a brighter place.

driver
member-boy
member-boy
Beiträge: 135
Registriert: 13 Nov 2012, 19:05
Wohnort: NRW

Re: Hilfe! Meine Freundin will die Wahrheit wissen - Was tun

Beitragvon driver » 27 Nov 2013, 23:37

Hallo Iroc,

erstmal schön, dass wir "Namensvettern" sind :p ... Ich habe mir gerade eine halbe Stunde lang deine Geschichte hier durchgelesen, weil ich irgendwie nicht mehr aufhören konnte zu lesen. Ich muss sagen, mit manchen Sachen kann ich mich da sehr gut selber identifizieren. Naja, im Prinzip bist du ja schon am Ende der Geschichte angekommen..

Jedenfalls denke ich mal, dass du bisher alles richtig gemacht hast und hoffe für dich, dass du das auch in Zukunft tun wirst! Wünsche dir auch alles Gute!

Gruß!

Re: Hilfe! Meine Freundin will die Wahrheit wissen - Was tun

Werbung
 

 


  • Ähnliche Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag

Zurück zu „Coming-Out“



Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste