Warum wird alles auf das Schwulsein reduziert?

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Dodo
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Warum wird alles auf das Schwulsein reduziert?

Beitragvon Dodo » 08 Jan 2011, 21:10

Ich stelle immer wieder fest dass viele Probleme so dargestellt hätten, als wären sie nur bei Schwulen vorhanden.
Aber können Bisexuelle frei leben?
Können Heteros frei leben, die vielleicht zu 60:40 auf Frauen stehen?

Ich lese oft "ich habe eigentlich eine Freundin, möchte Sex mit Männern. Aber die Freundin darf nichts erfahren." Sorry, aber was ist das denn für ein Leben, wenn man vor der Freundin nicht ehrlich sein kann? Warum entscheiden sich Leute mit Personen zusammenzuleben, mit denen sie nicht ehrlich umgehen können?

Im Prinzip wird doch in der Gesellschaft alles, was auch nur in Ansätzen auf männliche Gefühle zum eigenen Geschlecht hinweist, schon abgeblockt - wenn man mal bestimmte Ausnahmen außer Betracht lässt. In schwulen Foren kann man ganz offen über Dinge sprechen wie: "Wie oft wichst du dir einen?", "Welche Pornos schaust du?", "Wie groß ist dein Schwanz?"

Das sind ja alles Themen, über die man unabhängig von der Sexualität mal diskutieren müsste - auch unter Heten oder Bisexuellen.

Aber alles was auch nur in Ansätzen mit echten Gefühlen zu tun hat, wird meiner Meinung nach in der Gesellschaft tabuisiert. Es werden im Grunde nicht nur die Schwulen diskriminiert. Im Grunde wird jeder Mensch, der frei von der genormten Heterosexualität mal seine Gefühle ausleben oder einfach nur Spass haben möchte.

Ich hatte ja auch eine Phase wo ich dachte hetero zu sein. Trotzdem hatte ich Angst von Freunden oder Bekannten auf dem Weg zur Schwulensauna entdeckt zu werden. Sobald man nur mal einen Mann zärtlich berührt (selbst wenn man gar nicht schwul ist), muss man damit rechnen sofort als "Schwuchtel" bezeichnet zu werden.

Ist also nicht Homosexualität nicht nur ein Teilaspekt des gesellschaftlichen Hasses auf gleichgeschlechtlich liebende Leute?

Warum wird alles auf das Schwulsein reduziert?

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kaminari
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Re: Warum wird alles auf das Schwulsein reduziert?

Beitragvon kaminari » 08 Jan 2011, 22:43

Es geht nicht mal wirklich um gleichgeschlechtliche Liebe, es geht um Rollenklischees. Du bist nur wertvoll, attraktiv und gut, wenn du ein 'richtiger Mann' oder eine 'richtige Frau' bist, und da gleichgeschlechtliche Liebe (dadurch, dass der Mann nicht die klassische Beschützerrolle und die Frau nicht die klassische Rolle der Beschützten einnimmt) immer noch mit fehlender Männlichkeit/Weiblichkeit assoziiert wird, haben Heteros eine riesige Angst davor, man könnte ihnen auch nur in Ansätzen unterstellen, sie hätten Interesse am eigenen Geschlecht. Denn dann wären sie ja nicht mehr männlich/weiblich genug. Wieso sonst haben alle beim Wort 'schwul' einen tuckigen, muskellosen jungen Mann mit Leopardenmusterhose, abgespaceten Haarschnitt, rosa Sonnenbrille und abgeknickten Handgelenk im Kopf, und beim Wort 'lesbisch' eine drahtige Frau mit wasserstoffblondem Kurzhaarschnitt, Cargohose, dunkler Stimme, Bierflasche in der einen und Zigarette in der anderen Hand? Weil's das Gegenteil vom existierenden Rollenbild ist. Und man möchte doch nicht abnormal sein und da dazugehören.
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Re: Warum wird alles auf das Schwulsein reduziert?

Beitragvon TheHase » 08 Jan 2011, 23:25

ich gebe kaminari recht. Es liegt an der Rollenerwartung.
Die männer müssen so sein, wie es von ihnen verlangt wird (wie Lehrer z.B. Seriös sein müssen und den Kindern etwas beibringen müssen.
Außerdem:
Die Männer haben angst, wenn sie ihre Gefühle äußern, als schwul dargestellt zu werden. Leider hat sich schwul im Laufe der Zeit (NS-Zeit...) als Schimpfwort eingegliedert. (in der rennissance war das noch halbwegs normal.)
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Re: Warum wird alles auf das Schwulsein reduziert?

Beitragvon Denis89 » 08 Jan 2011, 23:53

@Kaminari: an diesen Schwulen-Klischees sind wir Schwule doch selbst schuld. Ich war kürzlich in München in einer Schwulendisco und bin postwendend wieder geflüchtet. Da war ein Gekreische und Gegackere; ich hätte wetten können dass es auf der Jahreshauptversammlung der Vereinigung europäischer Hausfrauen maskuliner zugegangen wäre.

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Re: Warum wird alles auf das Schwulsein reduziert?

Beitragvon kaminari » 09 Jan 2011, 00:09

Klar, weil die Klischeetucken die einzigen sind, denen man das auch ansieht. Wenn der normale Hetero in der Strassenbahn sitzt, und fünf Schwule sind im gleichen Abteil, denen man überhaupt nichts ansieht, dann nimmt er sie nicht als Schwule wahr. Steht allerdings eine Bande CSD-Partymäuschen giggelnd im Gang, sieht er sie, registriert, dass sie anders sind und speichert ab, dass so eben ein Schwuler aussieht. Leider sind es genau diese wandelnden Klischees, die sich im TV, auf Paraden, in Clubs und insgesamt in der Öffentlichkeit in den Vordergrund drängen. Der Grossteil der Schwulen, die ich kennengelernt habe, ist ersten nicht so und zweitens versuchen sie krampfhaft, bloss nicht irgendeinem Klischee zu entsprechen. Vielleicht hab ich auch nur Glück gehabt und die Richtigen getroffen, wer weiss xD Vielleicht ist das bei diesen Klischeemenschen eine Art offensives Outing, so nach dem Motto 'wenn ich schon schwul bin, dann auch extrem', keine Ahnung. Kenne eigentlich niemanden, der so ist.
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Re: Warum wird alles auf das Schwulsein reduziert?

Beitragvon benni-cba » 09 Jan 2011, 00:24

Dodo hat geschrieben:In schwulen Foren kann man ganz offen über Dinge sprechen wie: "Wie oft wichst du dir einen?", "Welche Pornos schaust du?", "Wie groß ist dein Schwanz?"

Das sind ja alles Themen, über die man unabhängig von der Sexualität mal diskutieren müsste - auch unter Heten oder Bisexuellen.


Na ist ja nicht ganz so, als würde das nirgens gemacht werden. Ist halt auch immer so eine Sache - anonym in nem Forum zu schreiben ist immernoch was anderes als real mit den Bekannten drüber zu sprechen. Aber zumindest zum Thema Wichsen fällt mir da ne lustige Geschichte aus meinem (hetero) Bekanntenkreis ein ...

Nen Mädel (sexuell eigentlich sehr offen) konnte es einfach nicht glauben wie oft Kerle so wichsen sollen. Sie selbst onaniert jedenfalls nicht (macht ihr wohl alleine keinen Spaß)... Um ihr das dann zu verdeutlichen haben die Kerle beschlossen ihr einen monat lang jedes mal ne SMS mit dem Text "jetzt" zu schicken wenn sie gerad dabei sind. Lustige Aktion! :D

Soll heißen: Offenheit gibts durchaus auch bei Heten, man muss sich nur gut genug kennen. Ich frag in der Disco ja auch nicht jede Schwuppe wie groß der Schwanz is oder so...

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Re: Warum wird alles auf das Schwulsein reduziert?

Beitragvon haulchen » 09 Jan 2011, 00:38

@ Dodo:
Es ist schon wahr, alleine mit einer Emanzipation von Schwulen und Lesben ist es nicht getan. Zumal es kein großer Fortschritt ist, aus einem System mit zwei Kategorien eins mit vier Kategorien zu machen. "Schwule und Lesben sind anders" ist letztlich auch wieder eine Festschreibung im System, beziehungsweise eine Festschreibung als integrierter Systemfehler, als Ausnahme, die die Regel bestätigt. Die Akzeptanz von Homosexualität als "anderem" Verhalten am Rande des heteronormativen Systems mag wie ein Fortschritt scheinen, aber letztlich wird damit auch das systemsprengende Potential einer gemeinsamen les_bi_schwulen Emanzipation eingedämmt. Schwule und Lesben lassen sich ihre Schublade zuweisen, und alle, die in diesen vier Kategorien nicht unterzubringen sind, haben wieder Pech gehabt: Sie stehen jetzt sogar unter doppeltem Zwang. Man muss nur mal auf queer.de lesen, wie über jeden potentiell schwulen prominenten "Schrankmenschen" hergezogen wird, weil er angeblich den Erfolg aller schwulen Gleichstellungsbestrebungen durch seine "Unentschlossenheit" torpediert. In gewisser Weise ist das wohl die neue schwullesbische Kleinbürgerlichkeit: Bisexualität (und ungleich mehr noch die Verweigerung, sich überhaupt in eine Schublade stecken zu lassen) bleibt irgendwie suspekt, da kann sich wohl jemand noch nicht so richtig entscheiden. Ich habe selber ziemlich lange gebraucht, um etwas von dieser Sichtweise loszukommen...

Allerdings glaube ich nicht, dass die Möglichkeit, sich über Schwanzlängen, sexuelle Träumereien und Gewohnheiten zu unterhalten, so was genuin "schwules" ist. Soweit ich weiß, gibt es die selben Diskussionen mit lebhafter Beteiligung beiderlei Geschlechts auch auf Bravo.de, es scheint also hier eher die weitgehende Anonymität ausschlaggebend zu sein. Oder meintest du die Tatsache, dass man hier offener darüber reden kann - wo sich dann die Frage stellen würde: ist das so? und wenn ja, warum? [während ich schreibe, kam dazu was von Benny: tschuldige, da war ich zu langsam!]

@Rest:
Stimmt schon, im Kern geht es um Rollenbilder. Und Schwulsein ist dabei die radikale Infragestellung von traditioneller Männlichkeit gewesen und wird von daher oftmals auch als Negation alles "typisch männlichen" inszeniert, was mir auch nicht wirklich gefällt. Ein bisschen was weiches, ein bisschen Kratzen am Männlichkeitsideal, das darf schon sein, aber es sollte authentisch sein. Und dazu gehört in den meisten Fällen sowohl Rollenerfüllung als auch Rollenscheitern und Rollenverweigerung. Wem Rollen nicht wichtig sind, der sollte mit allem umgehen können - sowohl bei anderen, als auch selbst. Nur "aus der Rolle zu fallen" ist doch ebenfalls eine Rollenzuweisung, wenn auch eine negative!

@Hase:
Seit wann ist das Wort "schwul" denn in Gebrauch? Ich habe es bisher als eine Art "Geuzenaam" verstanden, als herabwertender Begriff, der von einer diskriminierten Gruppe aus Trotz zur Selbstidentifikation übernommen wird. Und ich würde behaupten, dass "schwul" immer einen negativen Beiklang hatte. "Warmer Bruder" hieße in der alten Eingeschlechtervorstellung (bis ca. 18. Jh?) ja, dass du nicht genug Körpertemperatur hast, um als Vollmann (und damit als Vollmensch) zu gelten. Immerhin bist du zwar noch mehr als eine Frau, bei der der Penis sich vor lauter Kälte nach innen gezogen hat, aber naja, im metaphorischen Schwanzvergleich ist trotzdem nichts zu holen. Der Unterschied ist allenfalls, dass Homosexualität erst seit Entdeckung der Zweigeschlechtlichkeit anders als religiös zur Krankheit erklärt werden konnte, die die Grundfesten des Menschseins bedroht. Aber das die Schwulenfeindlichkeit eine Erfindung der Nazis war, kann ich mir nicht vorstellen.

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Re: Warum wird alles auf das Schwulsein reduziert?

Beitragvon TheHase » 09 Jan 2011, 12:55

@haulchen
Nein, ich habe ja nicht gesagt, dass es eine Erfindung der Nazis war, aber es hat mit dieser Zeit (ca. ab 1 Weltkrieg) angefangen.
Ja, schwul scheint ein herbwertender Begriff einer Gruppe zu sein, aber ist nicht jeder herabwerende Begriff auch ein schimpfwort?
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Re: Warum wird alles auf das Schwulsein reduziert?

Beitragvon Curry » 09 Jan 2011, 15:40

TheHase hat geschrieben:@haulchen
Nein, ich habe ja nicht gesagt, dass es eine Erfindung der Nazis war, aber es hat mit dieser Zeit (ca. ab 1 Weltkrieg) angefangen.
Ja, schwul scheint ein herbwertender Begriff einer Gruppe zu sein, aber ist nicht jeder herabwerende Begriff auch ein schimpfwort?

Nein, das ist so nicht richtig. Je nach Kulturkreis sind die "Daten" da unterschiedlich. Schwulenhass gibt es schon so lange wie es Schwule gibt, eben weil es eine Minderheit ist und Minderheiten nun mal tendenziell gute Zielscheiben abgeben. Indem man Minoritäten ablehnt kann man sich das Gefühl geben, zu der Majorität zu gehören. So betrachtet würde ich Schwulenhass (bzw Homophobie im Allgemeinen) sogar als soziales Phänomen bezeichnen (auch wenn es asoziales Verhalten ist) und kann es als solches durchaus nachvollziehen. Ich finde es auch nicht gut, aber soetwas liegt nun mal in der Natur der Dinge. Da kann ich über die antiken Griechen wirklich nur staunen, da die sich doch tatsächlich über solche primitiven Verhaltensmuster hinweg setzen konnten.

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Re: Warum wird alles auf das Schwulsein reduziert?

Beitragvon kaminari » 09 Jan 2011, 18:20

Homophobie hat ungefähr den gleichen Ursprung wie die Herunterwertung der Frau zur Mutter und Hausfrau, nämlich in der Religion. Vor allem das Christentum hat sich nämlich früher auf die Fahnen geschrieben, alle heidnischen Werte niederzuwerfen. In der Antike war Liebe zwischen zwei Männern ja sogar als die höchste Form der Liebe anerkannt, also ist es nicht richtig, zu sagen, dass es Homophobie schon so lange gibt wie es Schwule gibt. Im Mittelalter ging halt einiges an Kultur den Bach herunter. Aber wir kommen vom Thema ab :)
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Re: Warum wird alles auf das Schwulsein reduziert?

Beitragvon dennycrane » 09 Jan 2011, 18:33

Wir sollten vielleicht überlegen, wie homophob wir selber sind (nicht vorwurfsvoll gemeint)
Denn selbst Schwule sind oft homophob. Das hab ich auch bei mir selbst erst gemerkt, als ich von Joe Cort oder so ähnlich) Schwul und cool (son Ratgeber) gelesen hab. Ja ich war, und bin homophob. Ich war es, Dragqueens gegenüber. Ich hab ihnen nichts getan, aber ich hab sie schlecht gewertet indem ich mein Schwulsein immer verteidigt habe, mit den Worten, nur weil ich schwul bin, trage ich keine Röcke oder so! (1.die meisten Männer, die Frauenkleider tragen, sind Heten (von Kilts mal ganz abgesehen) 2.hab ich mich über die Frauenkleider-tragenden Schwulen gestellt und diese diskreditiert. Mit welchem Recht? Bin ich besser als sie? Ich glaube nicht. Ich wollte aber auf keinen Fall mit ihnen in einen Topf geworfen werden, obwohl sie stolz auf sich sein können, wie sie sind. Inzwischen kenne ich eine "Dragqueen" und bin stolz auf ihn!! (die liste könnte mna mit abgebrochenen Handgelenken und Co weiterführen...

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Re: Warum wird alles auf das Schwulsein reduziert?

Beitragvon dennycrane » 09 Jan 2011, 18:40

dennycrane hat geschrieben:Wir sollten vielleicht überlegen, wie homophob wir selber sind (nicht vorwurfsvoll gemeint)
Denn selbst Schwule sind oft homophob. Das hab ich auch bei mir selbst erst gemerkt, als ich von Joe Cort oder so ähnlich) Schwul und cool (son Ratgeber) gelesen hab. Ja ich war, und bin homophob. Ich war es, Dragqueens gegenüber. Ich hab ihnen nichts getan, aber ich hab sie schlecht gewertet indem ich mein Schwulsein immer verteidigt habe, mit den Worten, nur weil ich schwul bin, trage ich keine Röcke oder so! (1.die meisten Männer, die Frauenkleider tragen, sind Heten (von Kilts mal ganz abgesehen) 2.hab ich mich über die Frauenkleider-tragenden Schwulen gestellt und diese diskreditiert. Mit welchem Recht? Bin ich besser als sie? Ich glaube nicht. Ich wollte aber auf keinen Fall mit ihnen in einen Topf geworfen werden, obwohl sie stolz auf sich sein können, wie sie sind. Inzwischen kenne ich eine "Dragqueen" und bin stolz auf ihn!! (die liste könnte mna mit abgebrochenen Handgelenken und Co weiterführen...
Denis89 hat geschrieben:@Kaminari: an diesen Schwulen-Klischees sind wir Schwule doch selbst schuld. Ich war kürzlich in München in einer Schwulendisco und bin postwendend wieder geflüchtet. Da war ein Gekreische und Gegackere; .

Sind sie Schuld, weil sie so sind, wie sie sind und sich so wohlfühlen? Wenn das nciht deins ist, ist das ja okay. Vielleicht bist du in gewisser Weise auch wie ich homophob (kein Vorwurf, ist ja menschlich) Ich meine, ja da prallen viele Klischees aufeinander, aber wenn sie sich so wohl fühlen, sollten sie und wir stolz auf sie sein. Du bist anders schwul als die ist doch okay. Aber wir bekräftigen die Homophobie wenn wir uns abheben und uns für die besseren Schwulen halten, weil wir gewisse Klischees nciht erfüllen! Was ist denn an einem Klischee so schlimm, dass man es so an sich ranlässt? Wir fühlen uns vielleicht wohl in unserer Minderheit und haben Selbstmitleid?! Denn ich glaube kaum, dass sich eine Hete Sorgen macht, ob man von ihr das Klischee habe, dass Heten nicht so auf Körperpflege achten. Da können wir uns was abgucken. Die Heten werden früher oder später sowieso verschiedene Schwule kennenlernen und sich ein Bild machen. Und: Einzelne, die diskriminieren und Co mit Stammtischparolen gibt es immer, die kann man nicht ändern-die sterben einfach dumm!!

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Re: Warum wird alles auf das Schwulsein reduziert?

Beitragvon dennycrane » 09 Jan 2011, 18:44

SRY wegen doppelpost.. war zu langsam, konnts nicht mehr löschen

Dodo
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Re: Warum wird alles auf das Schwulsein reduziert?

Beitragvon Dodo » 09 Jan 2011, 18:55

Curry hat geschrieben:
TheHase hat geschrieben:@haulchen
Nein, ich habe ja nicht gesagt, dass es eine Erfindung der Nazis war, aber es hat mit dieser Zeit (ca. ab 1 Weltkrieg) angefangen.
Ja, schwul scheint ein herbwertender Begriff einer Gruppe zu sein, aber ist nicht jeder herabwerende Begriff auch ein schimpfwort?

Nein, das ist so nicht richtig. Je nach Kulturkreis sind die "Daten" da unterschiedlich. Schwulenhass gibt es schon so lange wie es Schwule gibt, eben weil es eine Minderheit ist und Minderheiten nun mal tendenziell gute Zielscheiben abgeben. Indem man Minoritäten ablehnt kann man sich das Gefühl geben, zu der Majorität zu gehören. So betrachtet würde ich Schwulenhass (bzw Homophobie im Allgemeinen) sogar als soziales Phänomen bezeichnen (auch wenn es asoziales Verhalten ist) und kann es als solches durchaus nachvollziehen. Ich finde es auch nicht gut, aber soetwas liegt nun mal in der Natur der Dinge. Da kann ich über die antiken Griechen wirklich nur staunen, da die sich doch tatsächlich über solche primitiven Verhaltensmuster hinweg setzen konnten.



Es gibt aber so viele Minderheiten, die relativ frei leben können. Beispiele: Anti-Alkoholiker, Vegetarier, Asexuelle, Atheisten, Plattfüßer, Zeugen Jehovas, Motorradfahrer usw usw.
Würde man jede Minderheit unterdrücken, wir hätten nur noch Hauen und Stechen.
Ich denke die Besonderheit bei der Liebe zu Männern liegt einfach darin, dass die Anlagen an sich in unheimlich vielen Menschen vorhanden sind. In Asexuelle kann man sich in der Regel nicht reinversetzen, die sind zu weit entfernt. Bei Schwulen denkt man sich: "Hmmm...... die lieben ja Männer. Ach.... war da bei mir nicht auch mal was?....... Fand ich nicht auch immer den Mädchenschwarm anziehend?.....Nein, das DARF nicht sein....Schwule darf es nicht geben."

Und diese seltsame Verbindung Heterosexualität = Stärke, Homosexualität = Schwäche kann ich mir nur dadurch erklären, dass man davon ausgeht, dass schwule Gefühle bei jedem erstmal vorliegen.
Der starke Mann (Heteromann) drückt sie nach unten, er zerquetscht sie sozusagen, der Schwule hat einfach nicht genügend "Muskelmasse" um dagegen anzukämpfen und ergibt sich quasi. Nun entsteht natürlich aus dieser Stärke wieder ein Rollenbild, das der Heteromann erfüllen muss, und der Schwule nicht - weil er ja sowieso schon ein Schwächling ist.
Daraus können dann Neidgefühle bei Heteros entstehen, die im Heteronormbild gefangen sind. Ein Schwuler hat nichts mehr zu verlieren und ist daher potenziell gefährlich.

Ist nur meine persönliche Theorie.

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Re: Warum wird alles auf das Schwulsein reduziert?

Beitragvon Dodo » 09 Jan 2011, 19:01

dennycrane hat geschrieben:
dennycrane hat geschrieben:Wir sollten vielleicht überlegen, wie homophob wir selber sind (nicht vorwurfsvoll gemeint)
Denn selbst Schwule sind oft homophob. Das hab ich auch bei mir selbst erst gemerkt, als ich von Joe Cort oder so ähnlich) Schwul und cool (son Ratgeber) gelesen hab. Ja ich war, und bin homophob. Ich war es, Dragqueens gegenüber. Ich hab ihnen nichts getan, aber ich hab sie schlecht gewertet indem ich mein Schwulsein immer verteidigt habe, mit den Worten, nur weil ich schwul bin, trage ich keine Röcke oder so! (1.die meisten Männer, die Frauenkleider tragen, sind Heten (von Kilts mal ganz abgesehen) 2.hab ich mich über die Frauenkleider-tragenden Schwulen gestellt und diese diskreditiert. Mit welchem Recht? Bin ich besser als sie? Ich glaube nicht. Ich wollte aber auf keinen Fall mit ihnen in einen Topf geworfen werden, obwohl sie stolz auf sich sein können, wie sie sind. Inzwischen kenne ich eine "Dragqueen" und bin stolz auf ihn!! (die liste könnte mna mit abgebrochenen Handgelenken und Co weiterführen...
Denis89 hat geschrieben:@Kaminari: an diesen Schwulen-Klischees sind wir Schwule doch selbst schuld. Ich war kürzlich in München in einer Schwulendisco und bin postwendend wieder geflüchtet. Da war ein Gekreische und Gegackere; .

Sind sie Schuld, weil sie so sind, wie sie sind und sich so wohlfühlen? Wenn das nciht deins ist, ist das ja okay. Vielleicht bist du in gewisser Weise auch wie ich homophob (kein Vorwurf, ist ja menschlich) Ich meine, ja da prallen viele Klischees aufeinander, aber wenn sie sich so wohl fühlen, sollten sie und wir stolz auf sie sein. Du bist anders schwul als die ist doch okay. Aber wir bekräftigen die Homophobie wenn wir uns abheben und uns für die besseren Schwulen halten, weil wir gewisse Klischees nciht erfüllen! Was ist denn an einem Klischee so schlimm, dass man es so an sich ranlässt? Wir fühlen uns vielleicht wohl in unserer Minderheit und haben Selbstmitleid?! Denn ich glaube kaum, dass sich eine Hete Sorgen macht, ob man von ihr das Klischee habe, dass Heten nicht so auf Körperpflege achten. Da können wir uns was abgucken. Die Heten werden früher oder später sowieso verschiedene Schwule kennenlernen und sich ein Bild machen. Und: Einzelne, die diskriminieren und Co mit Stammtischparolen gibt es immer, die kann man nicht ändern-die sterben einfach dumm!!

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Von den Heteros was abschauen? Vor allem von denen die meinen, nur weil sie hetero sind seien sie ein starker Mann und schwule hingegen schwach?
Vor allem bei Sportlern sieht man es sehr oft, dass die mit 17 oder 18 heiraten, um ja nicht als schwul verdächtigt zu werden und das Image des starken Sportlers (natürlich Hetero, mit Familie, Haus und Hof) zu unterstreichen. Das Heteroimage ist in der Gesellschaft durch und durch positiv belegt, deswegen gibt es auch kaum Anreize, sich davon zu entfernen. :wink:

Re: Warum wird alles auf das Schwulsein reduziert?

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