Keine Homoehe = Antastbarkeit der Würde?

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Pat21
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Keine Homoehe = Antastbarkeit der Würde?

Beitragvon Pat21 » 29 Apr 2017, 12:35

Hey alle zusammen! :)
Haben gestern im Politik und Wirtschaftsunterricht über die Unantastbarkeit der menschlichen Würde gesprochen.
Welche Gesetze und Grundrechte daraus resultieren, wie man Würde definiert und und und....
Wir haben dabei feststellen können, dass die menschliche Würde verletzt wird, wenn sich ein Individuum nicht frei entfalten darf bzw. kann.
Mir ist dann sofort die Homoehe in den Kopf gekommen. Wollte das aber nicht im Unterricht ansprechen, weil nicht jeder weiß, dass ich schwul bin xD

Also ist es doch rechtlich gesehen eine Straftat die Homoehe nicht zu erlauben oder zu verbieten.
Sind wir dann nicht also alle "Menschen zweiter Klasse", wenn der Staat das wichtigste Gesetz unserer Verfassung (Art. 1) für eine bestimmte Menschengruppe außer Kraft setzen kann?

Seitdem wir gestern im Unterricht über die Würde des Menschen geredet haben, fühle ich mich (übertrieben gesagt) wie ein Hund der kleingehalten und an einer Leine geführt wird....

Was meint ihr zu dem Thema?

Achja noch eine Frage:
Ich werde in Zukunft die Grünen wählen, da sich diese für die Heirat gleichgeschlechtlicher Paare einsetzen.
Hab mit meiner Mutter über die Grünen geredet und sie hat gemeint, dass die Grünen alle nichts im Kopf haben würden.... xD
Was haltet ihr von den Grünen? Was spricht für und was gegen das Wählen dieser Partei?
Bin gespannt auf eure Antworten.

Danke und viele Grüße
Patrick :flag:
Stark bleiben und weiterkämpfen :)

Keine Homoehe = Antastbarkeit der Würde?

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Akil
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Re: Keine Homoehe = Antastbarkeit der Würde?

Beitragvon Akil » 30 Apr 2017, 01:56

Ich würde deine Wahl nicht an einem einzelnen Punkt aufhängen. Jede Partei verfolgt verschiedenste Dinge. Der Wahl-o-mat ist ein guter Anfang, aber was die einzelnen Punkte meinen musst du evtl. Googeln ;)

Vor allem da am 14. NRW und nicht Bundeswahl ist.

Prinzipiell ist die Frage natürlich interessant. Du kannst ja gleichgeschlechtlich heiraten, es ist nicht verboten privat die Homoehe zu feiern etc. Nur bekommst du nicht dieselben gesetzlichen Vorteile wie eine heterosexuelle Ehe.
Die Würde wird insofern nicht durch ein Verbot verletzt, sondern (in der Form der Gleichheit vor dem Gesetz) durch das Messen mit zweierlei Maß verletzt. Insofern müsste man aber das Konzept der Ehe per se überdenken. Was ist dann z.B. mit Viel-Ehe, mit mehreren Partnern.
Was war jetzt noch mal die Schnellspeichertaste?
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Regal
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Re: Keine Homoehe = Antastbarkeit der Würde?

Beitragvon Regal » 30 Apr 2017, 09:29

Pat21 hat geschrieben:Wir haben dabei feststellen können, dass die menschliche Würde verletzt wird, wenn sich ein Individuum nicht frei entfalten darf bzw. kann.

Seitdem wir gestern im Unterricht über die Würde des Menschen geredet haben, fühle ich mich (übertrieben gesagt) wie ein Hund der kleingehalten und an einer Leine geführt wird....

Was meint ihr zu dem Thema?


zu eins: Ich habe auch schon überlegt, die Politik-Oberen in charge zu verklagen. Ich bin zufällig Massenmörder und fühle mich auch irgendwie in meiner Würde betreffs der Entfaltung meiner Individualität stark eingeschränkt.

ok, ist zwar ein sarkastisches und exzemes beispiel - ich hoff aber du kannst trotzdem irgendwie herauslesen, worauf ich hinaus will.


zu zwei: folgt eigentlich zu eins ... irgendwer wird sich immer benachteiligt fühlen.
da musst du eben heftig lobbyarbeit betreiben, um das zu erreichen, was du verwirklicht sehen willst.



die grünen ... werd ich auch später wählen, aber nur aus irgendwie taktischen gründen und weil sie für mich das geringere übel sind, da mich kein wahlprogramm irgendeiner partei wirklich anspricht. und ich denke, es wird auch kein wahlprogramm geben, das meine politischen erwartungen je widerspiegeln wird.

btw_ insgeheim geb ich deiner mutter recht. aber ich beschränke das nicht nur auf die grünen, sondern einfach mal generell auf alle parteien.

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Re: Keine Homoehe = Antastbarkeit der Würde?

Beitragvon blowfish » 01 Mai 2017, 11:14

zu eins: Ich habe auch schon überlegt, die Politik-Oberen in charge zu verklagen. Ich bin zufällig Massenmörder und fühle mich auch irgendwie in meiner Würde betreffs der Entfaltung meiner Individualität stark eingeschränkt.

Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich. Natuerlich kann es legitim sein, die Freiheit eines Menschen einzuschraenken, wenn die Freiheit von anderen dadurch eingeschraenkt wird. Bei der Homoehe kommt aber niemand zu Schaden, die Heteroehe bleibt ja so wie sie ist.

Bzgl. Wahl: Der Kanzlerkandidat von DIE PARTEI fordert, dass die Homo-Ehe verpflichtend wird. Das ist schonmal nicht schlecht und passt auch zu frueheren Forderungen z.B. nach einem "freiwilligen, homosexuellen Jahr" oder "jedem Homosexuellen, der sich bereit erklärt, für ein Jahr homosexuell zu leben, 500 Euro im Monat zur Unterstützung des aufwendigen Lebensstils" zu gewähren.
Bin ich schwul? 83% der Menschen, die diese Frage stellen, sind schwul. Hast du dich vorher extra in einem schwulen Forum angemeldet, beträgt die Wahrscheinlichkeit sogar 97%.

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Regal
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Re: Keine Homoehe = Antastbarkeit der Würde?

Beitragvon Regal » 01 Mai 2017, 11:38

blowfish hat geschrieben:Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich. Natuerlich kann es legitim sein, die Freiheit eines Menschen einzuschraenken, wenn die Freiheit von anderen dadurch eingeschraenkt wird. Bei der Homoehe kommt aber niemand zu Schaden, die Heteroehe bleibt ja so wie sie ist.

Bzgl. Wahl: Der Kanzlerkandidat von DIE PARTEI fordert, dass die Homo-Ehe verpflichtend wird. Das ist schonmal nicht schlecht und passt auch zu frueheren Forderungen z.B. nach einem "freiwilligen, homosexuellen Jahr" oder "jedem Homosexuellen, der sich bereit erklärt, für ein Jahr homosexuell zu leben, 500 Euro im Monat zur Unterstützung des aufwendigen Lebensstils" zu gewähren.



Im Falle eines Menschen, der nachweislich eine Gefahr für andere darastellt, ist es sogar zwingend, ihm seine rechte erheblich einzuschränken, evtl ganz zu nehmen.

Aber generell nimmt wohl jeder, der sich irgendwo irgendwie voll entfalten will irgendjemandem die luft zum atmen. Schon deshalb ist es logisch, dass garantierte Grundrechte nicht beliebig interpretiert und erweitert werden können, sondern dass man damit rechnen muss, dass sie eventuell stark eingeschgränkt angewandt werden.

So ist das auch bei der Homoehe, wo andere, eigentlich ebenso und unrationale Gründe gegen die erweiterung der bisherigen Institution Ehe dagegen halten werden. Da damit zu kommen, dass man sich in der eigenen Würde illegal eingeschränkt fühlt, find ich persönlich nunmal lachhaft.

Aber ich nehm es hin, wenn ichs als teil einer lobbyarbeit sehe.

Und was sich dieser Kandidat da ausgedacht hat oder vertritt, da hoffe ich doch, dass das Satire ist.

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Re: Keine Homoehe = Antastbarkeit der Würde?

Beitragvon Pat21 » 01 Mai 2017, 15:52

Regal hat geschrieben:
blowfish hat geschrieben:Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich. Natuerlich kann es legitim sein, die Freiheit eines Menschen einzuschraenken, wenn die Freiheit von anderen dadurch eingeschraenkt wird. Bei der Homoehe kommt aber niemand zu Schaden, die Heteroehe bleibt ja so wie sie ist.

Bzgl. Wahl: Der Kanzlerkandidat von DIE PARTEI fordert, dass die Homo-Ehe verpflichtend wird. Das ist schonmal nicht schlecht und passt auch zu frueheren Forderungen z.B. nach einem "freiwilligen, homosexuellen Jahr" oder "jedem Homosexuellen, der sich bereit erklärt, für ein Jahr homosexuell zu leben, 500 Euro im Monat zur Unterstützung des aufwendigen Lebensstils" zu gewähren.



Im Falle eines Menschen, der nachweislich eine Gefahr für andere darastellt, ist es sogar zwingend, ihm seine rechte erheblich einzuschränken, evtl ganz zu nehmen.

Aber generell nimmt wohl jeder, der sich irgendwo irgendwie voll entfalten will irgendjemandem die luft zum atmen. Schon deshalb ist es logisch, dass garantierte Grundrechte nicht beliebig interpretiert und erweitert werden können, sondern dass man damit rechnen muss, dass sie eventuell stark eingeschgränkt angewandt werden.

So ist das auch bei der Homoehe, wo andere, eigentlich ebenso und unrationale Gründe gegen die erweiterung der bisherigen Institution Ehe dagegen halten werden. Da damit zu kommen, dass man sich in der eigenen Würde illegal eingeschränkt fühlt, find ich persönlich nunmal lachhaft.

Aber ich nehm es hin, wenn ichs als teil einer lobbyarbeit sehe.

Und was sich dieser Kandidat da ausgedacht hat oder vertritt, da hoffe ich doch, dass das Satire ist.


Wie schon erwähnt ist es nur legitim die Rechte eines Individuums einzuschränken, wenn dieses eine Gefahr für andere darstellt.
Aber welchen Grund hat es, dass die Homoehe nicht erlaubt ist. Es kommt ja niemandem zu Schaden.
Es hätte nur Vorteile für die gesamte Bevölkerung, wenn gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürften.
Klar gibts dann noch irgendwelche homophoben Leute die dann meinen, dass eine Ehe nur aus Mann und Frau bestehen könne.... bla bla bla.
Aber so würde dem Homohass ein Ende gesetzt werden. Die zukünftigen Kinder in Deutschland würden mit diesem Gesetz aufwachsen und so lernen, dass die Liebe zwischen zwei Menschen des gleichen Geschlechts normal und natürlich sei.
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Re: Keine Homoehe = Antastbarkeit der Würde?

Beitragvon Pianoboy96 » 02 Mai 2017, 23:09

Also zu erst sei mal erwähnt, dass DIE PARTEI eine Satirepartei ist und (was ich ziemlich genial Finde) mehrere Sitze im EU Parlament hat.
Zu den Grünen. Die Machen sehr gute Umweltpolitik zu teilen auch gute Familien und Bildungspolitik(je nach Bundesland) Haben jedoch wie ich finde zu schwammige und zum Teil lachhafte Anträge und Kampagnen (z.B. der Veggieday in den Kantinen...). Ich traue den Grünen keine Große Politik zu. Ich wähle selbst grün, aber sie sollten machen was sie können und nichts wovon sie keine Ahnung haben. Prinzipiell solltest du keine Partei wählen nur weil du ihnen mit einem Punkt zustimmst der dir vielleicht am wichtigsten erscheinen mag. SPD, FDP, LINKE, PIRATEN sind ebenfalls für die "Homoehe" (setze ich deswegen in klammern weil ich den Begriff schwierig finde, wir wollen uns nicht abheben sondern integrieren und die gleichen rechte einfordern. "Ehe für alle" klingt da in meinen Ohren besser) Du solltest also nicht nur anhand dessen eine Partei wählen.
Wahl-o-mat ist eine gute Sache, musst dich aber z.t. mit den begrifflichkeiten vertraut machen.

Zum Grundgesetz. Ja ich sehe es ähnlich wie wohl die meisten hier, dass es eine mehr oder weniger klare Grundrechtsverletzung darstellt, sich nicht frei mit allen dazugehörigen Rechten UND Pflichten entfalten zu können. Der letzte Vorstoß um das ganze gesetzlich umzusetzen wird seit Jahren vom Konservativen Lager in der CDU blockiert und von der CSU zu fast 100%. Das Bundesverfassungsgericht hatte bereits 2013(bin grade nicht ganz datenfest) geurteilt, dass die damalige Bundesregierung (Schwarz-Gelb) bis zum Ende der Legislaturperiode die Eingetragene Lebenspartnerschaft in ALLEN Punkten mit der Ehe aus Mann und Frau Gleichzusetzen hat. Es bedarf lediglich einer Änderung im Bürgerlichen Gesetzbuch. Es ist nichts passiert. Und das Urteil wurde aus meiner sich einfach ignoriert ohne Konsequenzen. Also ausgesessen.
Das ist in meinen Augen eine geduldete und offensichtliche Diskriminierung, denn nach meiner Auffassung sollten Partnerschaften die gleiche Pflichten haben auch die gleichen Rechte haben.

Noch zu einem anderen Punkt der hier noch gar nicht erwähnt wurde. Nach Art. 3 (3) GG Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder Politischen Anschauungen benachteiligt oder Bevorzugt werden [...].
Mir Fehlt hier der Punkt der sexuellen Identdität. Auch hier wird leider von der Bundesregierung nichts unternommen um diesen Punkt zu ändern.
Wird auch innerhalb dieser Legislatur niemals mehr passieren.
Es bleibt abzuwarten wie die Bundestagswahlen ausgehen und zu hoffen, dass sich der zustand ändert mit der nächsten Bundesregierung.
Für die Welt bist du irgendjemand, für irgendjemand bist du die Welt

Re: Keine Homoehe = Antastbarkeit der Würde?

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