Gewalt als Notwehr auf Mobbing.

Lyrik, Ansichten und Debatten - für alles was Kopf und Geist entspringt.
Benutzeravatar
Akil
balkenlos glücklich
Beiträge: 1471
Registriert: 23 Mär 2014, 22:58

Gewalt als Notwehr auf Mobbing.

Beitragvon Akil » 26 Jul 2014, 01:04

Die Diskussion auf Wunsch von Blowfisch jetzt als eigenes Thema ;)

Ich bin der Ansicht, wenn mich jemand angreift, sei es physisch oder psychisch, habe ich jedes Recht diesen Angriff dauerhaft zu unterbinden, solange die Reaktion angemessen ist. Leider sehen viele es so, dass wenn mich jemand beleidigt, niedermacht oder lächerlich macht ich das Opfer bin, sobald ich demjenigen aber eine runterhaue, bin ich der Böse. Insbesondere als Kind gestehe ich jedem dieses Recht auf selbstverteidigung zu, da man mit solchen Situationen verbal kaum umgehen kann und sich nicht anders zu helfen weis. Ich finde es lächerlich wenn Leute dann sagen "Sag doch einfach der soll aufhören" oder "Geh doch zum Lehrer/zu den Eltern". Wenn mir jemand sagt, er wüsste nicht, dass der Andere sich eventuell dadurch beleidigt fühlen könnte, wenn ich ihn beleidige hat der doch einen Knacks in der Birne. Und nach meinen gesamten Erfahrungen hat es noch NIE etwas gebracht, Lehrer oder Eltern einzuschalten. In meiner Schulzeit wurde ich öfters zum Mobbing Opfer auserkoren, bin dann aber meist sehr direkt geworden, sodass die Mobber sich jemand anderes ausgesucht haben. Ich bin keinesfalls dafür, jemanden grün und blau zu schlagen, weil er jemanden einen Idioten nennt. Aber durch meine persönliche Erfahrung bin ich der Ansicht, dass eine eingeschränkte Gewaltreaktion (wie z.B. eine Ohrfeige als Reaktion auf mehrmaliges durch die Gegend schubsen oder Hänselleien) meist längerfristiges Leiden verhindert.

Ich stelle hier einfach mal die Paragraphen aus dem Strafgesetzbuch zur Notwehr und Notstand hier rein:

§ 32 Notwehr

(1) Wer eine Tat begeht, die durch Notwehr geboten ist, handelt nicht rechtswidrig.
(2) Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.


§ 34 Rechtfertigender Notstand

Wer in einer gegenwärtigen, nicht anders abwendbaren Gefahr für Leben, Leib, Freiheit, Ehre, Eigentum oder ein anderes Rechtsgut eine Tat begeht, um die Gefahr von sich oder einem anderen abzuwenden, handelt nicht rechtswidrig, wenn bei Abwägung der widerstreitenden Interessen, namentlich der betroffenen Rechtsgüter und des Grades der ihnen drohenden Gefahren, das geschützte Interesse das beeinträchtigte wesentlich überwiegt. Dies gilt jedoch nur, soweit die Tat ein angemessenes Mittel ist, die Gefahr abzuwenden.


Das ist selbstverständlich ein heikles Thema, aber ich finde es dennoch richtig und interessant, vernünftig darüber zu reden :)
Was war jetzt noch mal die Schnellspeichertaste?
ALT+F4!

Gewalt als Notwehr auf Mobbing.

Werbung
 

michael90
member
member
Beiträge: 461
Registriert: 27 Sep 2012, 20:26

Re: Gewalt als Notwehr auf Mobbing.

Beitragvon michael90 » 26 Jul 2014, 08:13

Hach, mein Fachgebiet:)
Wenn ich das richtig verstanden habe, geht es um die Frage, ob das Opfer einer Beleidigung notwehrberechtigt ist. Dazu folgendes:
Eine Notwehrlage verlangt objektiv einen gegenwärtigen, rechtswidrigen Angriff. Sie ist Rechtfertigungsgrund, d. h. eine Straftat läge eigentlich vor, wird von der Rechtsordnung aber gestattet; anders sähe es aus, wenn man auf der Schuldebene in der Strafbarkeitsprüfung aussteigen würde.

Gegenwärtig ist ein Angriff, wenn er unmittelbar bevorsteht, gerade stattfindet oder noch fortdauert. Hier wäre ein Problem, sollte es sich nur um einen einmaligen Angriff handeln, weil dieser zum Zeitpunkt der Notwehr bereits beendet wäre. Wenn mich jemand also ein Arschloch nennt und ich ihm eine runterhaue, ist das nicht durch Notwehr gerechtfertigt, tut der Täter das aber fortlaufend, wäre der Angriff (als verletztes Rechtsgut käme (was auch sonst) die Ehre in Frage) noch gegenwärtig, da fortdauernd.

Rechtswidrig ist ein Angriff, der seitens des Angreifers nicht durch einen Erlaubnissatz gedeckt ist, wie zum Beispiel Notwehr, aber auch zivilrechtliche (Defensiv-/Aggressiv-)Notstände á la 228, 904 BGB, die den strafrechtlichen Erlaubnissätzen stets vorgehen, kommen in Betracht, liegt im Falle einer Beleidigung natürlich nicht vor.

Angriff ist jede durch menschliches (willensgetragenes) Verhalten drohende Verletzung eines rechtlich geschützten Gutes. In Betracht kommt hier natürlich eine Verletzung der Ehre, §§ 185 ff. StGB. Problematisch ist es, wenn keine Beleidigungen vorliegen, das Mobbing sich nur durch unterschwellige Bemerkungen oder Provokationen auszeichnet. Dann liegt ja keine wirkliche Rechtsgutverletzung vor. In der Praxis werden hier Gerichte vor sehr große Probleme gestellt, was zum einen die Nachweisbarkeit solcher Taten angeht, andererseits aber auch die rechtliche Qualität davon.

Dem Wortlaut der Norm des § 32 StGB lässt sich auch entnehmen, dass die Notwehrhandlung geboten sein muss. Geboten ist sie, wenn sie sich im Rahmen des normativ Angemessenen bewegt. Klingt toll, bloß kann kein Mensch was damit anfangen. Gemeint ist, ob sich nicht aus der sozialen Sphäre Einschränkungen für die Notwehr ergeben, sog. sozialnormative Einschränkungen. Obwohl nach der Norm die Notwehr keine Einschränkung kennt (deshalb ein scharfes Schwert), hat die Literatur und Rechtsprechung dennoch einige entwickelt. So ist man beispielsweise nicht zur Notwehr berechtigt, wenn es sich um einen Angriff Schuldloser handelt (Kinder(!), Betrunkene). Ist der Mobbende/Beleidigende also unter 14 Jahre alt, ist´s mit Notwehr Essig. Auch krasse Missverhältnisse von verteidigtem und eingegriffenem Rechtsgut sollen die Notwehr versagen, beispielsweise wenn der Opa mit der Pumpgun im Rollstuhl sitzt und Kinder erschießt, die von seinem Grundstück Äpfel klauen. Bagatellangriffe (Gerangel an der Kinokasse) eröffnen die Notwehr ebenfalls nicht. Ein Missverhältnis von Ehre als verteidigtem Rechtsgut zur körperlichen Integrität des Angreifers als eingegriffenem Rechtsgut wäre wohl nicht auszugehen.

Zuletzt müsste die Notwehr auch noch erforderlich sein. Erforderlich ist das mildeste Mittel, das geeignet ist, den Angriff sofort und endgültig zu beenden. Davon ist auszugehen, wenn einer den Mund aufmacht, nur um dich zu beleidigen, dass, wenn du ihm dann eine runterhaust, er sich das dann zumindest zweimal überlegt, ob er nochmals den Mund aufmacht oder es nicht doch sogar bleiben lässt.


Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Mobbingopfer durchaus ihrerseits durch Notwehr gerechtfertigt sein können.
Entsprechendes gälte auch für den rechtfertigenden Notstand, wobei hier zu beachten wäre, dass dieser zu den zivilrechtlichen Notstandsregelungen der §§ 228, 904 BGB lediglich subsidiär (ergänzend) ist, im Gegensatz zur Notwehr die in Betracht kommenden verletzten Rechtsgüter enumerativ, also abschließend, aufzählt, und gravierendster Unterschied zur Notwehr, eine Abwägung zwischen den Rechtsgütern kennt.
Ein Ausstieg aus der Strafbarkeit auf der Schuldebene durch § 35 ("entschuldigender Notstand") ist nicht möglich, es scheitert daran, dass die Norm die Ehre als Rechtsgut nicht aufzählt.

... in diesem Sinne: guten Morgen:)
The meaning of life is to give life a meaning!

Benutzeravatar
Akil
balkenlos glücklich
Beiträge: 1471
Registriert: 23 Mär 2014, 22:58

Re: Gewalt als Notwehr auf Mobbing.

Beitragvon Akil » 26 Jul 2014, 11:36

michael90 hat geschrieben: beispielsweise wenn der Opa mit der Pumpgun im Rollstuhl sitzt und Kinder erschießt, die von seinem Grundstück Äpfel klauen.

Made my day :D
Auch guten Morgen :) Danke für die Antwort. Mir ging es zwar eher um das moralische empfinden der community, aber es ist gut, das ein Kenner erst einmal die rechtliche Seite so ausführlich beschreibt.:)
Was war jetzt noch mal die Schnellspeichertaste?
ALT+F4!

Benutzeravatar
PurpleGecko
boypoint-Marketing
Beiträge: 889
Registriert: 26 Jan 2014, 19:50
Wohnort: Thüringen
Kontaktdaten:

Re: Gewalt als Notwehr auf Mobbing.

Beitragvon PurpleGecko » 26 Jul 2014, 12:34

Akil hat geschrieben:
michael90 hat geschrieben: beispielsweise wenn der Opa mit der Pumpgun im Rollstuhl sitzt und Kinder erschießt, die von seinem Grundstück Äpfel klauen.

Made my day :D

Das klingt unwitzigerweise nach amerikanischen Verhältnissen...

Meiner Erfahrung nach kippt man mit Gegenangriffen meist nur Öl ins Feuer. Das schaukelt sich dann hoch, weil der Mobber dann seinerseits wieder den Gegenangriff pariert, usw.

Besserer Ansatzpunkt ist imho, das Selbstvertrauen/-bewusstsein des Gemobbten zu stärken. Mobber verfügen meist über einen Minderwertigkeitskomplex, ergo müssen sie (mental) "Schwächere" drangsalieren, um sich selbst besser zu fühlen. Wer zeigt, dass er über all die Sticheleien erhaben ist, ist als Opfer ungeeignet. Geht man auf Beleidigungen ein, indem man handgreiflich wird, signalisiert man, dass hier ein wunder Punkt ist, an dem man nachbohren kann.

Das gilt natürlich nur, solang das Mobbing in entsprechendem Rahmen, d.h. vor allem verbal bleibt. Für krassere Fälle sind Polizei und Co. zuständig.
"Und was ist Wahrheit? Dass das Universum im Urknall entstanden ist?"
"Das ist Unfug.(...) Letztlich ist das nichts als Marketing." - Robert Laughlin im SPIEGEL

Benutzeravatar
blowfish
boypoint-Moderation
Beiträge: 7934
Registriert: 06 Sep 2004, 23:26
Wohnort: Köln

Re: Gewalt als Notwehr auf Mobbing.

Beitragvon blowfish » 26 Jul 2014, 13:04

michael90 hat geschrieben:Ein Missverhältnis von Ehre als verteidigtem Rechtsgut zur körperlichen Integrität des Angreifers als eingegriffenem Rechtsgut wäre wohl nicht auszugehen.

Bei dem Satz fehlt irgendwas, oder? :)

Ich denke die Frage wird am haeufigsten sein, ob ein taetlicher Angriff erforderlich ist und da scheint ja auch die Rechtsprechung erstmal skeptisch zu sein.
Der Senat verkennt nicht, daß gegenüber einem ehrverletzenden Angriff allein durch Worte nur ausnahmsweise eine tätliche Abwehr die erforderliche Verteidigung ist (vgl. BGH VersR 1963, 730 BayObLG NJW 1991, 2031). Bei einem ehrverletzenden Angriff ist deshalb besonders sorgfältig zu prüfen, ob es erforderlich war, ihm durch tätliche Abwehr zu begegnen. Solche Verteidigungsmaßnahmen sind jedenfalls dann nicht angebracht, wenn andere, nach Art und Maß geringere Verteidigungsmittel zur Erreichung des Abwehrzweckes ausreichend gewesen wären (vgl. BGH a.a.O.).

Quelle: http://openjur.de/u/155447.html
Bin ich schwul? 83% der Menschen, die diese Frage stellen, sind schwul. Hast du dich vorher extra in einem schwulen Forum angemeldet, beträgt die Wahrscheinlichkeit sogar 97%.

Benutzeravatar
timtom
boypoint-Technik
Beiträge: 14082
Registriert: 13 Mär 2001, 00:00
Wohnort: Münster, Germany

Re: Gewalt als Notwehr auf Mobbing.

Beitragvon timtom » 26 Jul 2014, 14:09

Die Mobber freuen sich doch dann ueber die ihnen zu teil werdende Aufmerksamkeit. Wenn man denen dann auch noch koerperliche Naehe zu teil werden laesst, warum sollten die aufhoeren. Ich wuerd solche Leute meiden, sollen die sich selbst mobben :)
The greatest enemy of freedom is a happy slave.

Benutzeravatar
Akil
balkenlos glücklich
Beiträge: 1471
Registriert: 23 Mär 2014, 22:58

Re: Gewalt als Notwehr auf Mobbing.

Beitragvon Akil » 26 Jul 2014, 18:20

Ich glaube es kommt bei der Gewalt auch darauf an, wie du wirkst.
Wenn man total ausrastet, heult und dann wild auf irgendwen einprügelt denke ich auch, dass der Mobber sich eher freut.
Wenn man hingegen kaum emotion zeigt und Gewalt als präzises Werkzeug einsetzt, nicht aus dem Gefühl heraus: der ist doof den haue ich jetzt; sondern aus der kühlen Überlegung heraus: Wenn ich ihn jetzt schlage hört er vielleicht damit auf.
Es hat auch eher etwas mit überraschung zu tun. Wenn der andere sich gerade noch freut dem Opfer eins ausgewischt zu haben, und im Lachen eine geknallt bekommt, ist das etwas anderes, als wenn der Mobber den Gegenüber langsam zu dem Punkt bringt wo er erwartet geschlagen zu werden.
Was war jetzt noch mal die Schnellspeichertaste?
ALT+F4!

Benutzeravatar
timtom
boypoint-Technik
Beiträge: 14082
Registriert: 13 Mär 2001, 00:00
Wohnort: Münster, Germany

Re: Gewalt als Notwehr auf Mobbing.

Beitragvon timtom » 26 Jul 2014, 18:22

Wenn man so kuehl ueberlegt ist es keine Notwehr mehr, sondern einfach nur dumm wenn man sich der Situation weiter aussetzt. Wer sich dazu entscheiden moechte, sich auf so ein Niveau zu begeben, der wird vielleicht auch zu recht gemobbt.
The greatest enemy of freedom is a happy slave.

Dragon900
member
member
Beiträge: 707
Registriert: 14 Mär 2012, 12:29

Re: Gewalt als Notwehr auf Mobbing.

Beitragvon Dragon900 » 26 Jul 2014, 19:11

Gewalt ist in meinen Augen keine Lösung. Sofern Mobbing ohne Körperkontakt stattfindet, muss nicht zwangsweise Gewalt angewendet werden. Wenn man mit Sprüchen
runtergemacht wird und aufgezogen wird, ist es zwar ziemlich mies aber eine Gewaltaktion würde das nicht rechtfertigen. Anders sieht es aus, wenn man körperlich attackiert wird (Schubsen, bedrängen usw.) Es ist ein sehr heikles Thema. Wenn man derartig bedrängt oder geschubst wird, würde ich mich auch körperlich zu wehr setzen, aber doch nicht so, dass ich den so eine verpasse, dass der außer Gefecht ist.

Ich kann nicht von anderen Schulen oder über andere Klassen reden. Ich kann nur sagen, dass Mobbing in meiner letzten Klasse absolut nicht toleriert wurde und die Lehrkräfte entsprechend durchgreifen, wenn nötig mit Schulverweis in Extremfällen. Aber es kommt auch immer auf die Lehrkräfte selbst an. Mir sind auch schon welche begegnet, die selber nicht alle Latten im Zaun hatten.

Sollte man gemobbt werden, ist es immer sinnvoll sich Verbündete zu suchen. Sei es durch Eltern, Lehrkräfte oder wenn nötig sogar bei der Polizei. Bei mir war es so, dass
man es mit Cyber-Mobbing auf eine hinterhältige Art und Weise probiert hatte. Nur so naiv wie ich früher war, habe ich lange Zeit nicht gescheckt, dass es hinter meinen
Rücken geteilt wurde, während genau diese vor meinen Augen die Unschuldigen gespielt haben. Im nachhinein frage ich mich, was passiert wäre, wenn ich diese Pfeifen
aufgrund der Verletzung meiner Persönlichkeitsrechte angezeigt hätte. Beweise waren genug da.

Es muss nicht zwanghaft Gewalt angewendet werden, das ist quatsch. Bevor man zu solch derartige Mittel greift sollte man zumindest die anderen Wege schon mal versucht haben. Das ist meine Meinung in Bezug auf Gewalt bei Mobbing.
Es gibt nur zwei Tage in deinem Leben an denen du nichts ändern kannst. Der eine ist gestern und der andere ist morgen.

Dalai Lama

Benutzeravatar
Yahool3r
Star-Member
Star-Member
Beiträge: 2481
Registriert: 29 Mär 2011, 20:50
Wohnort: Kiel

Re: Gewalt als Notwehr auf Mobbing.

Beitragvon Yahool3r » 26 Jul 2014, 19:14

timtom hat geschrieben:[...]der wird vielleicht auch zu recht gemobbt.


Niemand wird zu recht gemobbt!
Klar, es gibt Menschen, die sind anfälliger für Mobbing, als andere und es gibt auch Menschen die es in den Augen mancher durch ihre Taten "verdient" hätten, aber niemand wird zu recht gemobbt.
Gimme love,
gimme dreams,
gimme a good self esteem

Benutzeravatar
Azazel
member
member
Beiträge: 977
Registriert: 27 Dez 2012, 23:29

Re: Gewalt als Notwehr auf Mobbing.

Beitragvon Azazel » 26 Jul 2014, 19:52

Niemand wird zu recht gemobbt!

Andersrum wird auch niemand so zu recht geschlagen.
Ich werde auch gemobbt und ich verstehe ehrlich gesagt das Problem nicht, solange die meine Sachen und mich selbst in Ruhe lassen kann mir das doch total wurscht sein? Wenn mich jemand die ganze zeit beleidigt und Witze macht denke ich einfach "mein Gott, was will der denn jetzt" Man kann doch einfach darüber stehen, ist mir doch egal von Leuten, die ich nicht respektiere oder in geringster weise irgendwie wertschätze beleidigt zu werden. Wirklich Handgreiflich würde ich nur werden, wenn ich selbst körperlich angegriffen werde, also in einer echten Notwehrsituation.
"Sie mögen 'Gott ist groß' rufen, aber tatsächlich wird er jedesmal ein bisschen kleiner, wenn sich jemand in seinem Namen in die Luft sprengt."

Benutzeravatar
Akil
balkenlos glücklich
Beiträge: 1471
Registriert: 23 Mär 2014, 22:58

Re: Gewalt als Notwehr auf Mobbing.

Beitragvon Akil » 27 Jul 2014, 02:00

timtom hat geschrieben:Wenn man so kuehl ueberlegt ist es keine Notwehr mehr, sondern einfach nur dumm wenn man sich der Situation weiter aussetzt.

Ich weiß ja nicht, wie du dir Mobbing vorstellst, aber ich setze mich nicht freiwillig Mobbing aus und beende das dann nach eigenem Gutdünkten.
Ich denke es ist falsch aus der Wut heraus zu prügeln, da Gewalt dann nicht mehr zu kontrollieren ist. Wenn mich jemand zum Beispiel mehrfach durch die Gegend schubst gehe ich in Gedanken mehreres durch:
- Ist es scherzhafte Stichelei oder gar nicht so gemeint?
- Ist abzusehen, dass er bei nichtreaktion die Lust verliert?
- Ist es möglich sich aus der Situation zurückzuziehen?
- Will ich klein beigeben? Meistens habe ich einen Grund da zu stehen, wo ich stehe und nicht wo anders.

Die möglichen Optionen, die ich mir Vorstellen kann wären:
  • Ich spreche ihn darauf an: Ich kann nicht gut reden und bin nicht willens mit solchen Wesen zu kommunizieren. Die meisten Mobber wollen Aufmerksamkeit, eine Dominante Stellung und andere Quälen. Da ich die Gründe dafür nicht kenne kann man dagegen schlecht "Diskutieren". Bis auf ein anfängliches, warnendes "Lass das" sehe ich da nicht viel Sinn im Reden.
  • Lehrer und Eltern haben noch nie etwas gegen Mobbing getan, obwohl sie dutzende male eingeschaltet wurden. Danach wurde alles meist noch schlimmer. Das habe ich nicht an mir, sondern an einer Mitschülerin beobachten müssen. Die Aussage der Direktion war immer "An unserer Schule gibt es kein Mobbing".
  • Wenn ich hingegen die Option auf einen unmittelbaren Schubser/Hose runterziehen, Wasserglas umkippen vorbereitet eine direkte Ohrfeige zu verpassen, ist das demütigend für den Mobber, schmerzhaft und er hört mit dem Generve augenblicklich auf.

timtom hat geschrieben:Wer sich dazu entscheiden moechte, sich auf so ein Niveau zu begeben, der wird vielleicht auch zu recht gemobbt.

Jaja, das zurecht gemobbte Mobbingopfer kennen wir ja alle ach so gut. "Wie bitte, der wehrt sich wenn ich ihn mobbe? Na also, der wird zurecht gemobbt, wie ihr seht, er haut mich ja." Die Logik ist unschlagbar.



Dragon900 hat geschrieben:Wenn man mit Sprüchen runtergemacht wird und aufgezogen wird, ist es zwar ziemlich mies aber eine Gewaltaktion würde das nicht rechtfertigen.

Genau das sehe ich wie gesagt anders. Wenn eine Gruppe aus fünfzehn Schülern eine Klassenkameradin über den Schulhof jagt und sie lautstark als Was-weiß-ich beleidigt hat Sie und jeder andere jedes Recht das auf jedem Weg zu unterbinden. Und nein umdrehen und sagen lasst das mal bitte klappt komischerweise nicht :D
Ich bin auch dagegen jemanden so zusammenzuschlagen, sodass er danach medizinische Hilfe benötigt, aber wie gesagt. Ich sehe Gewalt als legitimes Notwehrmittel. Die meisten Menschen sagen ja Gewalt ist keine Lösung, aber meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass Gewalt vielleicht nicht die beste Lösung aber definitiv eine Lösung ist.



Azazel hat geschrieben:Andersrum wird auch niemand so zu recht geschlagen.

Das ist eine interessante moralische Frage. Ich denke sogar es gibt Menschen, die den Tod verdienen. Hitler ist ein Beispiel, das jedem einleuchtet (ja, das ist natürlich ein Extremfall). Und ich finde Gewalt als Verteidigung durchaus vertretbar.

Azazel hat geschrieben:solange die meine Sachen und mich selbst in Ruhe lassen kann mir das doch total wurscht sein?

Bei welchem Mobben wird denn das Opfer und seine Sachen in Ruhe gelassen? Klingt ja echt schlimm.

Azazel hat geschrieben:Man kann doch einfach darüber stehen, ist mir doch egal von Leuten, die ich nicht respektiere oder in geringster weise irgendwie wertschätze beleidigt zu werden.

Inzwischen sehe ich das auch so. Und in dem Fall ist eine Verteidigung ja auch unnötig. Aber ich denke besonders Kinder haben da noch nicht das Selbstvertrauen und die innere Stärke dazu und werden dadurch teilweise zu autoaggressivem Verhalten und/oder Selbstmord getrieben. Und ich deswegen denke ich, dass Gewalt manchmal durchaus legitimiert ist.
Was war jetzt noch mal die Schnellspeichertaste?
ALT+F4!

Benutzeravatar
Azazel
member
member
Beiträge: 977
Registriert: 27 Dez 2012, 23:29

Re: Gewalt als Notwehr auf Mobbing.

Beitragvon Azazel » 27 Jul 2014, 02:26

Und ich finde Gewalt als Verteidigung durchaus vertretbar.

Im affekt, als Notwehr auf Gewalt ohne anderen ausweg, ja, aber nicht weil jemand dich ärgert..

Bei welchem Mobben wird denn das Opfer und seine Sachen in Ruhe gelassen?


du wirst dich wundern, aber bei Mobbing kann man auch psychisch angegriffen werden und nicht nur physisch, also ja, es kann sein, dass sie mich körperlich in ruhe lassen und meine sachen nicht durch die Gegend schmeißen

Inzwischen sehe ich das auch so


Also schlägst du niemanden mehr?

Die möglichen Optionen, die ich mir Vorstellen kann wären:


Du stehst einfach drüber und ignorierst seine Beleidigungen, abe rnicht als stummes Opfer, sondern guckst ihm Geradewegs ins Gesicht und zeigst, das dich das einfach nicht stört.Wie schon gesagt, sie wollen nur Aufmerksamkeit und andere Verletzen, einfach zeigen, dass es einen nicht juckt

Aber warum mühe ich mich ab, wenn es schon jemand perfekt gesagt hat.

Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
- Mahatma Gandhi
"Sie mögen 'Gott ist groß' rufen, aber tatsächlich wird er jedesmal ein bisschen kleiner, wenn sich jemand in seinem Namen in die Luft sprengt."

Benutzeravatar
Akil
balkenlos glücklich
Beiträge: 1471
Registriert: 23 Mär 2014, 22:58

Re: Gewalt als Notwehr auf Mobbing.

Beitragvon Akil » 27 Jul 2014, 02:46

Azazel hat geschrieben:Also schlägst du niemanden mehr?

Das wollte ich damit sagen.

Azazel hat geschrieben:Im affekt, als Notwehr auf Gewalt ohne anderen ausweg, ja, aber nicht weil jemand dich ärgert..

Auch da stimme ich dir zu. :D

Ich denke aber trotzdem, dass Kinder nicht die Lebenserfahrung eines 18+ Jährigen haben und deswegen nicht diese innere Stärke haben, die du von jedem Mobbingopfer verlangst.

Azazel hat geschrieben:du wirst dich wundern, aber bei Mobbing kann man auch psychisch angegriffen werden und nicht nur physisch, also ja, es kann sein, dass sie mich körperlich in ruhe lassen und meine sachen nicht durch die Gegend schmeißen

Dann schreib doch nächstes mal direkt "körperlich in ruhe lassen" und nicht "in ruhe lassen". Dann hätte ich auch nicht gemeckert.
Was war jetzt noch mal die Schnellspeichertaste?
ALT+F4!

Benutzeravatar
Azazel
member
member
Beiträge: 977
Registriert: 27 Dez 2012, 23:29

Re: Gewalt als Notwehr auf Mobbing.

Beitragvon Azazel » 27 Jul 2014, 02:54

ach hör auf zu mosern, das habe ich in meinem gesamten post impliziert, und langsam solltest du schon eindruck genug von mir haben, um zu wissen, dass ich nicht bescheuert bin und mir in einem post selbst widerspreche ^^
"Sie mögen 'Gott ist groß' rufen, aber tatsächlich wird er jedesmal ein bisschen kleiner, wenn sich jemand in seinem Namen in die Luft sprengt."

Re: Gewalt als Notwehr auf Mobbing.

Werbung
 

 


  • Ähnliche Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag

Zurück zu „Philosophie & Tiefgründiges“



Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste