Antriebsstärke, Lebensenergie

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Tatze92
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Antriebsstärke, Lebensenergie

Beitragvon Tatze92 » 30 Jul 2013, 21:06

Moin liebes Forum,

dadurch dass bei mir sowie im privaten als auch im geschäftlichen Bereich ziemlicher Streß und viele Veränderungen (die leider nicht nur positiv sind), kam mir neulich eine Frage auf.
Woher nehmen manche Mensche soviel Energie, Antrieb um auch nach schweren Rückschlägen, oder auch bei (für mich) ausweglosen Situationen den Kopf nicht hängen lassen. Ich bewundere diese Menschen und staune wie sie das schaffen.
Es geht mir in dem Moment weniger um die gute Laune die sie immer haben, sondern viel mehr um dass was sie alles schaffen. Wenn ich mir das anschaue, denke ich oftmals, dass 24h zu wenig sind. Sie bekommen das aber alles unter einen Hut.

Um das ganze ein bisschen plastisch zu machen ein Beispiel:
Ich studiere, Elektrotechnik. Bin jeden Tag lange in der Uni und muss auch einiges lernen. Wenn ich Abends nach Hause komme, bin ich meistens geschafft vom Tag. Ich wohne (noch) alleine sprich muss mich noch um meine Wohnung kümmern und finanziell muss ich auch selbst sehen wie ich zurecht komme (keine Unterstützung aus dem Elterhaus). Ein Kommilitone von mir, auch ETler geht täglich in die Uni, geht früh Heim, ist viel mit seiner Freundin unterwegs, leitet einen Segelclub, etc etc.
Ich frag mich bei ihm immer wie er das packt. Vor allem ist er einer der besten im Jahrgang.

Noch ein weiteres Beispiel:
Eine Arbeitskollegin bekommt seit ca. 4 Monaten kein BAFöG mehr. Ihr fehlt das Geld hinten und vorne. Sie leiht sich regelmäßig hier und dort was. Trotzdem studiert sie weiter (sie studiert auf Lehramt an einer anderen Uni) und wirft nicht alles über Bord. Als sie mir damals erzählte, dass sie heulend vor dem BAFöG-Amt saß, weil ihr Antrag abgelehnt worden ist, und ich sie trösten wollte, meinte sie nur so, dass das nicht so schlimm ist und ihr schon öfter passiert sei. Nicht so schlimm??? Laufende Kosten, etc etc. Trotzdem kriegt sie das immer irgendwie hin...

Vielleicht habt ihr ja eine Idee, einen Ansatz. Danke
Gruß Tatze
Liebe ist ein Glas, das zerbricht, wenn man es zu unsicher oder zu fest fasst.

Antriebsstärke, Lebensenergie

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Hanno
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Re: Antriebsstärke, Lebensenergie

Beitragvon Hanno » 01 Aug 2013, 08:28

Das ist eine gute Frage, da ich leider auch dazu neige, in Stresssituationen den Kopf zu verlieren.

Meine Ma sagt, dass liegt daran, dass ich ein sehr emotionaler Mensch bin und noch wenig positive Erfahrung gesammelt habe um in Stresssituationen bestehen zu können. Leute, die Herausforderungen lieben und neugierig sind, sollen damit besser umgehen können.
Psychologen nennen diese Fähigkeit "Resilienz" ("abprallen"), also eine mentale Widerstandskraft, die ermöglicht, Krisen oder stressige Momente besser zu verarbeiten und positives abzugewinnen.
Man soll positive Erfahrungen innerlich abspeichern und versuchen, sich in Krisensituationen daran zu erinnern.
Krisen reflektieren und versuchen herauszufinden, was man getan hat, damit es einem besser ging, auf welche Menschen man im Notfall bauen kann, etc soll eine Hilfe sein. Damit baut man sich im Kopf schon einen Notfallplan auf.
Und mit Menschen sprechen, die eben so eine bewundernswerte Energie haben um Verhaltensmuster zu erkennen.
Außerdem soll man sich gerade auch in stressigen Momenten einen Ausgleich suchen, selbst wenn man meint, dass bekommt man zeitlich net geregelt, egal ob das Joggen oder Yoga ist.

Ich persönlich hätte allerdings auch lieber so eine starke Persönlichkeit in die Wiege gelegt bekommen.

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RickWick
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Re: Antriebsstärke, Lebensenergie

Beitragvon RickWick » 13 Aug 2013, 20:22

also ich weiß nicht, ob ich mich auch als einen solchen Menschen bezeichnen soll, ich denke aber ich komme nah daran, ich arbeite jetzt seit 5 Jahren als Koch die Ausbildung war die Hölle regelmäßige 12-16 Std. Tage auch als ich unter 18 war, da ich die Lehre direkt nach der Schule begonnen habe, ich arbeitete Sylvester 2008 von morgens 6.00 bis nachts um 2.30 durchgehend, mal abgesehen davon das ich den nächsten morgen wieder um 6.00 angefangen habe und das das gegen das Gesetz verstoßen hat, bekam ich von meinem Suchef (Stellvertretendem Küchenchef) regelmäßig zu hören, dass ich nichts könnte und mir am besten ne 45er nehmen sollte, der Menschheit einen Gefallen tun soll und mich erschießen. Klar war das hart und ich bin auch jetzt noch beim Psychiater deswegen, aber in der Zeit meiner Ausbildung, war ich auch privat und sehr viele Probleme verstrickt, ich war gerade dabei meine Sexualität zu akzeptieren und dazu starben von 2007-2011 vier Familienmitglieder die mir sehr nahe standen, Geld habe ich für die Maloche nie viel bekommen (Gastronomie halt) ich war so weit am Boden, dass ich sogar anfing zu trinken und das mit 17 jahren, also nicht wie normale 17 jährige sondern eben täglich mindestens ne halbe Flasche Schnaps, was mir geholfen hat, nachdem ich mich zweimal versucht habe umzubringen, weil mir ja jeden Tag gesagt wurde, dass es ein Segen für die Menschheit wäre, wenn ich tot wäre, waren meine fantastischen Freunde, da meine Eltern mit sich und ihrer Beziehung mehr zu tun hatten als mit meinen Problemen, lebte ich nach dem zweiten Fehlgeschlagenen Suizid ausschließlich für meine Freunde, als ich festgestellt hatte, welche Angst sie um mich hatten und wie viel ich ihnen bedeute, wusste ich dafür lohnt es sich weiter zu machen.
Neben meinen normalen Tätigkeiten als Kochazubi, war ich ehrenamtlich engagiert in der Ferienfreizeit meines Dorfes und kümmerte mich um die Probleme anderer Jugendlicher um mich nicht mit meiner eigenen Scheiße befassen zu müssen, ich machte ebenfalls den ehrenamtlichen Jugendwart unseres Musikvereins und kümmerte mich dort um die Jugendlichen die Schwierigkeiten im Verein hatten.
Was ich noch vergessen hatte zu erwähnen, ich hatte zu den psychischen Mobbingattacken und Schicksalsschlägen auch noch gesundheitliche Probleme, es wurde Hautkrebs diagnostiziert der glücklicherweise operativ entfernt werden konnte, keine 2 Monate später kippte ich bei geringen Mengen Alkohol in die Bewusstlosigkeit, was für mich natürlich als Alkoholkranker sehr ungewöhnlich war, ich wurde durchgecheckt von Kopf bis Fuß über mehrere Monate, niemand wusste was ich hatte, nachdem ich einmal einen Herzstillstand hatte (was im übrigen eine sehr interessante Erfahrung war), dachte ich jetzt muss was passieren und ließ mich in die Uniklinik einweisen, dort diagnostizierten die Professoren, eine bis jetzt noch sehr unbekannte Nervenkrankheit, eine Infektion am zentralen Nervensystem ohne Chance auf Heilung, welche spätestens mitte 30 zum Tod führen würde.
Da dachte ich wieder, jetzt ist alles vorbei, aber ich wollte nicht sterben, nicht so und nicht einem langsamen Verfall beobachten, ich wollte nicht jetzt schon im sterben liegen, also sprach ich mit dem Leiter der Uniklinik (glücklicherweise war das sehr unkompliziert, da ich privat versichert bin) er schlug mir eine Sache vor, mich als Forschung zu nutzen, da ich zu der Zeit dann auch schon 18 war und meine Eltern kein Mitspracherecht mehr hatten, beriet ich mich mit meinen Freunden und stimmte nach 2 Tagen Überlegung zu, ich unterschrieb einen Zettel, dass die Ärzte keinerlei Schuld haben, falls ich an einer unerforschten Therapie sterben würde, dass es mein Wille war.
Warum ich das tat? Ob ich sofort oder langsam starb das war mir da egal und wenn ich dadurch anderen helfen konnte die diese Krankheit hatten, dann wäre es für einen guten Zweck gewesen.
Jetzt schreibe ich hier aber diesen Post, also wisst ihr, dass ich geheilt wurde, seit der Heilung ging es dann bergauf, ich machte einen Entzug, ich kann mittlerweile wieder zwei oder drei Bier trinken ohne mich dann komplett abschießen zu müssen.
Ich habe nach noch einem weiteren Vorfall, wo ich mir ein Stück vom Finger abgeschnitten hatte und trotzdem noch 5 Stunden weiter arbeiten sollte Zitat mein Chef: "du willst doch jetzt nicht zum arzt, ab in die Spüle" und ich mein Stück Finger in den Schweineeimer warf danach meine Lehrstelle gewechselt, wo ich dann jetzt immer noch angestellt war und sogar nach einem Lehrabschluss mit 2,3 als Chefkoch der a la carte Küche eingestellt.
Jetzt ziehe ich nach 2 Jahren die ich dort als ausgelernte Kraft gearbeitet habe nach Dresden um mein Fachabitur in Ernährung zu machen und dann Lebensmitteltechnik zu studieren.
Du fragst, wie man so etwas schafft?
Du brauchst etwas woran du glauben kannst, bei mir waren es Freunde und der Wunsch auf Gerechtigkeit.
Und beides habe ich noch immer, auch wenn sich die Gerechtigkeit mittlerweile erfüllt hat, der Laden meines alten Chefs wurde von der IHK geprüft, auf bitten meiner neuen Chefs hin, danach wurde ihm die Ausbildungsgenehmigung entzogen und alle Azubis wurden zu anderen Hotels vermittelt, was jetzt mit dem Hotel ist? es wurde zwangsversteigert und für ein Minimum des Gesamtwertes an eine holländische Hotel-Kette verkauft.
Für mich war das entscheidende nicht aufzugeben, weiter zu machen um nicht für mich sondern für meine Freunde und Familie weiterhin da zu sein.
Mittlerweile helfe ich wieder ehrenamtlich Jugendlichen, aber nicht um meine Probleme zu verdrängen, denn momentan hab ich keine, weil ich nicht aufgegeben habe und an bessere Zeiten geglaubt habe und die Kraft daraus kam zu 90% von meinen Freunden und zu 10% aus mir.

Hoffe damit konnte ich deine Frage sehr Ausgiebig beantworten.
Manche die Leben verdienen den Tod, andere die sterben verdienen das Leben, kannst du es ihnen geben?

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