Wie gehe ich damit um, dass mein Freund todkrank ist?

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Namenloser36
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Wie gehe ich damit um, dass mein Freund todkrank ist?

Beitragvon Namenloser36 » 18 Mai 2015, 22:44

Hey :)

Ich bin jetzt schon seit ca. 2 Monaten mit meinem ersten Freund zusammen, einem wundervollen Jungen, der mindestens genauso verrückt ist wie ich. Also wie geschaffen für mich. Ich liebe ihn, hab auch schon mit ihm mein erstes Mal gehabt, mit dem ich vollkommen zufrieden bin, und sonst passt auch alles. Man könnte höchstens den Altersunterschied bemängeln, ich bin 15 und er 18. Ich hoff mal, dass das legal ist xD

Aber darum geht's ja nicht. Schon am Tag, an dem wir zusammengekommen sind, hat er mir erzählt, dass er Leukämie hat. Auf die Chemo verzichtet er, weil die Überlebenschance nur sehr gering ist und er lieber seine letzten zwei Jahre seines Lebens ohne Probleme leben will.
Als er mir das erzählt hat, hab ich gleich mal zu heulen begonnen, er fand (und findet) das niedlich.
Nach dem Abend, an dem er es mir erzählt hat, haben wir nicht mehr wirklich darüber gesprochen. Einmal haben wir kurz darüber geredet, aber da waren wir beide unter Alkoholeinfluss und haben schon wegen einer anderen Sache (die eventuell auch einen eigenen Thread wert ist xD) geheult, also zählt das in meinen Augen nicht.

Was ich euch fragen will, ist, wie ich jetzt weiter mit dieser Situation leben soll.
Sein Arzt meint, dass er in zwei Jahren stirbt. Bis es also richtig ernst wird, haben wir noch Zeit, denn wer weiß, ob wir überhaupt noch zusammen sind, wenn es soweit ist. Ich könnte jetzt also einfach weiter mit ihm glücklich sein und seine Krankheit solange ignorieren wie es möglich ist. Aber würde mir das wirklich helfen?
Denn zur Zeit ist sein Tod für mich wie ein Termin, der einfach irgendwann in zwei Jahren angesetzt ist und nach dem sich eben mein Leben vollkommen verändern wird. Ähnlich wie der Abschluss meiner Schule.
Aber ich spüre selbst, dass das nur ein Abwehrmechanismus ist, der mich vor negativen Emotionen beschützen will. Immer, wenn ich mich etwas länger mit der Situation auseinandersetze beginne ich zu heulen, heute war's weil ich mich im Internet ein wenig über Leukämie informiert habe.

Auch eine Frage, die ich euch stellen will, ist:
Solle ich einen Psychiater wegen der Sache aufsuchen?
Vermutlich würde allein dieses Problem dafür ausreichen, dazu kommen dann noch ein paar Probleme mit Freunden und mit Alkohol...


Eigentlich kann ich mir die Fragen ja sowieso selbst beantworten.
"Ja, ich sollte mit ihm darüber reden, denn es ist wichtig, in einer Beziehung über die eigenen Emotionen zu sprechen, besonders wenn es solche Situationen wie diese betreffen."
"Ja, ich sollte einen Psychologen aufsuchen, denn wenn ich das Gefühl habe, einen zu brachen, dann brauche ich auch einen. Und Leukämie ist allein schon Grund genug."

Dennoch würde ich mich sehr über die Meinung eines objektiven Betrachters freuen, der mir vielleicht ein wenig helfen kann. Denn meine besten Freunde können einfach nicht so objektiv sein wie Menschen, die mich nicht persönlich kennen.

Ich danke wirklich jedem, der bis hier gelesen hat, ich weiß das sehr zu schätzen :bp:
There once was a man from Nantucket.
And a bunch more men.
Women, too.
Lots of people live in Nantucket.

Wie gehe ich damit um, dass mein Freund todkrank ist?

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michael90
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Re: Wie gehe ich damit um, dass mein Freund todkrank ist?

Beitragvon michael90 » 18 Mai 2015, 23:13

Jeder Mensch hat eine Uhr, die abläuft... Ihr habt den Vorteil zu wissen, wann es so weit sein wird. Blende es nicht aus, dass der Tag kommen wird; sei dir stets bewusst darüber, und verbringe die Zeit bis dahin so intensiv wie möglich, die euch gegeben ist. Und wenn es so weit ist und ihr noch zusammen seid, dann sei nicht traurig, dass er nicht mehr da ist, sondern freue dich über die schöne Zeit, die ihr zusammen haben durftet. In meinem nächsten Umfeld habe ich auch den Fall gehabt, dass jemand eine Krebsdiagnose erhalten hat, und noch 12 Monate zu leben hatte. Wir haben diesem Menschen ein unvergessliches letztes Jahr geschenkt und das Zurückdenken an diese Zeit macht ihn immer noch lebendig.

Ob du einen Psychologen brauchst?
Den braucht man nur, wenn man keinen Plan hat, was werden soll. Dich beschäftigt das, was hier hilft ist Austausch. Sprich mit deinem Freund darüber, diese gemeinsame Zeit ist schätzungsweise ertragreicher und besser investiert als in einer Seelenklempner-Praxis.

Lass´ dich auf die Situation ein; blendest du sie aus, wird das Erwachen dafür umso schmerzhafter.

Ich wünsche euch alles Gute für die euch verbleibende Zeit.
The meaning of life is to give life a meaning!

Gast2015
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Re: Wie gehe ich damit um, dass mein Freund todkrank ist?

Beitragvon Gast2015 » 25 Mai 2015, 01:46

Ich habe mich mal schnell hier angemeldet, um dir meinen Rat zu geben. So etwas Trauriges habe ich hier noch nie gelesen.

Wie michael90 schon vor mir gepostet hat, sollst du jeden Moment genießen, die ihr beide noch zusammen habt. Das Leben ist viel zu schön, um es mit irgendwelchen Ängsten zu vergeuden. Dein Freund verdient es, jeden Tag das Wunder des Lebens zu genießen und glücklich zu sein. Er braucht dich – ich hoffe du bist für ihn da und gibst ihm die schönsten zwei Jahre, die er je erlebt hat.

Deshalb rate ich dir ebenfalls, seine Krankheit nicht zwanghaft zu ignorieren. Damir baust du nur ein Hindernis zwischen euch auf. Ich denke, ihr seid reif genug, um offen über alles reden zu können – auch, wenn es schwer fällt. Zwar kenne ich nicht alle deine Probleme, aber ein Psychologe würde ich nur aufsuchen, falls du komplett ratlos oder verzweifelt bist.

Vergiss nicht: Das Ende ist nicht wichtiger als irgendeiner der Momente, die zu ihm führen. Weide mit ihm zusammen die schöne Zeit, die auf auch zukommt. Natürlich wirst du oder er irgendwann mal traurig sein, aber Traurigkeit gehört auch zum Leben. Trotzdem ist es besser, die knappe Lebenszeit heute zu genießen und das nicht auf den nächsten Tag zu verschieben. Carpe diem! Nutze den Tag!

Zum Schluss noch ein Zitat von Leo Tolstoi:
„Die wichtigste Stunde im Leben ist immer der Augenblick; der bedeutsamste Mensch im Leben ist immer der, welcher uns gerade gegenübersteht; das notwendigste in unserem Leben ist stets die Liebe.“

TechBoy96
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Re: Wie gehe ich damit um, dass mein Freund todkrank ist?

Beitragvon TechBoy96 » 31 Mai 2015, 18:36

Hallo!

Seine Krankheit solltest du nicht ignorieren.
Sei dir stets dieser bewusst darüber und genieße jeden Tag, jede Minute und jeden Augenblick, den du mit ihm Verbringen kannst!

LG
TechBoy96

Ambootia
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Re: Wie gehe ich damit um, dass mein Freund todkrank ist?

Beitragvon Ambootia » 06 Jul 2015, 21:28

Ich mach das ja echt nur ungern aber für mich klingt das nicht sonderlich realistisch. Leukämie ist vergleichsweise gut behandelbar und die Überlebensrate ist bei Behandlung relativ hoch. Würde er tatsächlich an einer praktisch unheilbaren, akuten Leukämie leiden, würde er innerhalb weniger Tage bis Wochen sterben. Du behauptest jedoch, dass er ohne Chemotherapie noch 2 Jahre leben könne. Dann kann die Erkrankung noch nicht sehr weit fortgeschritten sein und somit ist sie definitiv noch gut behandelbar. Vor allem weil er doch erst 18 Jahre alt ist kann ich mir nicht vorstellen, dass bei derart großen Heilungschancen eine Ablehnung der Therapie ohne weiteres akzeptiert wird.

Re: Wie gehe ich damit um, dass mein Freund todkrank ist?

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