Was tuhen gehen eigene Homophobie?

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Was tuhen gehen eigene Homophobie?

Beitragvon HH91 » 09 Jan 2017, 17:49

Hallo liebe Leute,

ich bin seit 4 Jahren mehr oder weniger auf der Suche nach meiner sexuellen Orientierung.
Mal fühle ich mich zu Frauen hingezogen und dann wieder zu Männern. Allerdings hat das ganze Gesuche völlig kranke Züge angenommen. Oberflächlich betrachtet sage ich immer, ich hätte kein Problem homosexuell zu sein, wenn ich jedoch in die Enge gedrängt werde, merke ich sehr wohl sehr starke Abwehrgefühle in mir. Also bei anderen Menschen habe ich kein Problem mit ihrer sexuellen Ausrichtung, ich gehe völlig normal mit ihnen um, betrifft es mich selbst, sehe ich es als Krankheit an, als Entwicklungsstörung usw.
Ich merke ausserdem, dass ich mich sehr schwer tue, meine innere Einstellung zu ändern, ich bin sehr regide und kaum zu Veränderung bereit. Ich reagiere mit Panik, mit Ablehnung, mit Dissoziationen etc. und flüchte mich dann in die Heterosexualität, die bei mir AUCH vorhanden ist. Allerdings kann ich keine Beziehung zu einer Frau führen, wenn ich weiss, dass da auch andere Gefühle in mir vorhanden sind und ich diese nicht in meine Persönlichkeit integrieren kann, sondern unbewusst permanent ablehne. Das äussert sich dann durch Ängste, Grübeleien, Rückzug, Depressionen, festklammern an Frauen etc. Ich habe schon einige Male in den letzten Jahren den Tiefpunkt erreicht und denke immer öfter darüber nach, dem ganzen ein Ende zu setzen.
Ich denke es wäre einfacher, wenn ich überhaupt keine heterosexuellen Gefühle hätte und komplett schwul wäre, da dann die innere Flucht usw nicht so "leicht" wäre. So versuche ich mir meine homosexuellen Anteile ständig durch psychische Störungen wie Bindungsstörungen usw zu erklären, bis ich den Tiefpunkt erreicht habe und wieder bei der Homosexualität lande.
Wenn ich mir sage, ich akzeptiere jetzt meine Gefühle, reagiere ich zwar mit innerer Ruhe, allerdings fühle ich dann einfach garnichts mehr und distanziere mich quasi von mir selbst. Ich habe schon mehrere Psychotherapien angefangen, habe es aber sogar dort geschafft, die Therapeuten so zu bequatschen, dass mich dort keiner für schwul bzw bisexuell hält, sondern auch eher auf Bindungstrauma usw tippt.
Ich glaube sogar, dass meine Bisexualität durch eine Art Bindungsstörung zustande kommt, allerdings glaube ich nicht, dass es der richtige Weg ist, sich in Krankheitsmuster einzusortieren und sich so durchgehend von sich selbst zu distanzieren.
Wenn ich das alles nicht tuhen würde, wäre ich wohl ein Mensch, der permanent zwischen Mann und Frau pendelt, rastlos und ohne echte Liebesgefühle, vor denen ich wohl auch weglaufe. Ob ich das möchte, ist dann nochmal eine andere Frage. Ich komme einfach nicht mehr weiter und weiss nicht, was ich machen soll. Selbst wenn ich mich mal mit einem Mann treffen würde und es irgendwie schaffen würde, sexuelle Gefühle in der Realität zu fühlen, würde ich danach direkt wieder weglaufen und nichts fühlen.
Habt ihr Tipps, wie ich mit meiner Situation umgehen kann?

Liebe Grüße und danke

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Re: Was tuhen gehen eigene Homophobie?

Beitragvon Teito » 09 Jan 2017, 18:26

Hallo ^^ und Willkommen im Forum.

Das klingt für mich ja nach einer sehr belastenden Situation in der du dich befindest.
Vorweg finde ich es aber erst mal super das du denn Mut hast deine Sorgen so mit uns zu teilen und dich sogar in Therapie befindest/befandest.
An dieser stelle will ich nur mal kurz ansprechen das es sehr schwer ist einen Psychologen "zu bequatschen" ^.^ wenn dann manipulierst du dich selbst was wiederum eine andere wirkung auf die Therapeuten hat.
Ich gebe dir recht das es nicht gerade produktiv ist Dinge die einem an sich selbst nicht gefallen in Krankheitsmuster zu stecken.
Zumal du hier (und das ist nicht böse gemeint :) ) denn Fehler machst dich selbst zu diagnostizieren, was im Normalfall nicht sehr gut funktioniert.
Meine frage ist: wenn du dir selbst zugestehst Bisexuell zu sein (was bedeutet das du auch eine Beziehung zu einer Frau führen kannst), wäre das Emotional nicht bereits eine kleine Entlasstung? Das würde ja bedeuten das die eventuelle Sexuelle orientierung richtung Männer berechtigt ist du sie aber nicht ausleben musst wenn es sich mit der Person nicht richtig anfühlt.
Hast du sonst jemanden in deinem Freundeskreis mit dem du darüber reden kannst?
Wie steht dein Freundeskreis bzw. deine Familie denn zu dem Thema im allgemeinen?
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Re: Was tuhen gehen eigene Homophobie?

Beitragvon HH91 » 09 Jan 2017, 19:00

Hi Teito und danke für deine Antwort,

ich habe sonst niemanden, mit dem ich darüber reden kann. Ich habe auch oft das Gefühl, dass die Sexualitätsfrage nur ein Auslöser für etwas ganz anderes in mir ist. Ich drehe mich seit Jahren krankhaft im Kreis, ohne wirklich tiefgehend zu fühlen oder zu einem Ergebnis zu kommen.
Wenn ich mir anschaue was das Wort Rigidität bedeutet, komme ich mir da schon etwas näher.

"Rigidität (lat. rigiditas, „Starre, Härte“) bezeichnet eine Charakterstruktur, die Starrheit in der Einstellung, der Zielsetzung oder der Meinung, Unbeweglichkeit und geringe Umstellungsbereitschaft als Verhaltenstendenzen zeigt.
Diese Verhaltenstendenzen werden v. a. als Kernsymptome der zwanghaften Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.5) gesehen.


Wenn ich mich dann mit der zwanghaften Persönlichkeitsstörung auseinandersetze, finde ich mich da auch schon teilweise wieder. Zwar nicht nach aussen gerichtet, aber nach innen im Kopf, im Denken und in meinen Handlungen.
Ich habe das Gefühl, es gibt für mich keine Lösung. Zwar bin ich kurzfristig mit einer "Lösung" zufrieden, sie verankert sich aber nicht in meiner Persönlichkeit, sondern gibt nur kurz ruhe. Ich fühle mich einfach rastlos, gefühlslos und muss mich ständig in irgendwelche Schubladen stecken.
Das ist dann ein Punkt, der nicht mehr so einfach zu "heilen" ist durch ein bisschen Therapie, sondern das sind tiefgehende Verhaltensmuster die in mir sitzen.
Ach ich weiss auch nicht... Irgendwie glaube ich mir selbst nichts mehr. Ich weiss garnichts warum ich hier reinschreibe. In den letzten Jahren hatte ich schon Borderline, Bindungstrauma, Abhängige Persönlichkeitsstörung, Zwanghafte Persönlichkeitsstörung usw. alles von mir selbst diagnostiziert :D
Wobei die vielen Diagnosen ja schon irgendwie auf etwas zwanghaftes schliessen lassen. Mal schauen was ich mir als nächstes ausdenke.

LG

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Re: Was tuhen gehen eigene Homophobie?

Beitragvon Teito » 09 Jan 2017, 19:30

Nun... für mich klingt das so als ob es sich lohnen würde das ganze in einer langfristigen Therapie aufzuarbeiten.
Es ist doch meistens so, damit wir etwas als "falsch" oder "störend" empfinden muss uns das erst von jemandem als eben dies vorgelebt oder erklärt werden. Das du dich damit so unwohl fühlst gibt mir das gefühl das du mit dem Thema im Vorfeld bereits negative Erfahrungen gemacht hast.
Ich kann dir versichern das es nicht falsch ist sich sexuell zu Männern hingezogen zu fühlen :flag: eine andere Aussage wirst du hier wohl auch von keinem anderen bekommen.
Hast du denn jemals kontakt zu Schwulen gehabt ? Gibt es in deiner Emotionalenwelt denn auch positive Aspekte ?
Und jetzt nochmal, ernsthaft, es ist nicht ungewöhnlich sich mit seiner Sexuellenorientierung unsicher zu sein.
Das ist etwas durch das viele (also wirklich viele) von uns auch schon durch "mussten". Da hilft es nicht sich selbst unter druck zu setzen,
und es gibt keine falsche Antwort :flag: wirklich, egal wie es am ende für dich ausgeht oder wo du am ende stehst, es ist ok so!
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Re: Was tuhen gehen eigene Homophobie?

Beitragvon Sullivan » 10 Jan 2017, 20:41

Liest sich für mich eher so, als wäre das Problem für dich gar nicht, dass du möglicherweise bi bist, sondern dass du eher keine (sexuelle?) Beziehung zu anderen Menschen (m oder w) führen kannst oder führen können willst. Und weil du gerne eine Beziehung hättest, setzt du dich damit selbst unter Druck. Was ja auch nicht unverständlich ist.

Vielleicht solltest du anstatt darüber ewig zu grübeln einen Freundes- & Bekanntenkreis aufbauen. Du schreibst ja, du hättest niemanden, mit dem du über sowas reden könntest. Bist du denn eher gut integriert in der Gesellschaft? Hast du regelmäßige soziale Kontakte, z.B. durch Arbeit, Studium, Sport usw. oder bist du eher ein "Eigenbrötler"? Falls letzteres zutrifft, versuche doch daran mal zu drehen.

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Re: Was tuhen gehen eigene Homophobie?

Beitragvon Nonius » 11 Jan 2017, 22:41

Hallo,

ich glaube deine Selbstdiagnosen belasten dich nur unnötig stark, zumal du nicht weiß, wie richtig du dich selbst einschätzt. Mir scheint, du setzt dich unter künstlichen Druck, indem du zwangshaft nach einer Antwort suchst.

Es ist nicht schlimm, vom Durchschnitt abzuweichen. Ob du nun Gefühle für jemanden empfinden willst/kannst oder nicht, daran kannst du nichts ändern. Lass dein Leben einfach laufen, sei offen für vieles und genieße es. Und wenn du mal den richtigen Mann oder die richtige Frau gefunden hast, hinterfrage nicht alles im Vornherein, nur so lernst du, was dir gefällt. :)

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Re: Was tuhen gehen eigene Homophobie?

Beitragvon GehtKlar » 13 Jan 2017, 11:31

Servus HH91!

Du gibst ein sehr komplexes Bild deiner inneren Wahrnehmung ab und fragst nach Tipps des Umgangs mit deiner Situation. Ich versuche mal mir auffällige und meiner Meinung nach wichtige Punkte herauszugreifen:
- "Was tuhen ge[g]en eigene Homophobie?"
- "Oberflächlich betrachtet sage ich immer, ich hätte kein Problem homosexuell zu sein, wenn ich jedoch in die Enge gedrängt werde, merke ich sehr wohl sehr starke Abwehrgefühle in mir. Also bei anderen Menschen habe ich kein Problem mit ihrer sexuellen Ausrichtung, ich gehe völlig normal mit ihnen um, betrifft es mich selbst, sehe ich es als Krankheit an, als Entwicklungsstörung usw."
- "So versuche ich mir meine homosexuellen Anteile ständig durch psychische Störungen wie Bindungsstörungen usw zu erklären [...] Wenn ich mir sage, ich akzeptiere jetzt meine Gefühle, reagiere ich zwar mit innerer Ruhe, allerdings fühle ich dann einfach garnichts mehr und distanziere mich quasi von mir selbst"

Jetzt kommen meine Ideen und meine Interpretation deiner Aussagen. Es sollen nur Denkansätze sein und stellen nicht die absolute Wahrheit da. Dafür kenne ich dich zu wenig:

Du gibst gerade eine Momentaufnahme deiner Reaktion auf deine innere Gefühlswelt. Es ist nur eine Reaktion, auf die du dich über die Zeit konditioniert hast. Du spürst eine Tendenz zu einer homosexuellen Orientierung und du reagierst mit Rationalisierung dieser Tendenz. Die Rationalisierung sieht vor dir ein Krankheitsbild zuzuschreiben. Eine Krankheit ist definiert, diagnostizierbar, behandelbar und v.a. nicht Teil deiner Identität, sondern ein Fremdkörper, der behandelbar ist. Für eine Krankheit trägt man keine Schuld. Man hat sie! So entledigst du dich UNTER UMSTÄNDEN einer Wahrheit über deiner sexuellen Identität, die dir Scham bereitet.

Gehe zurück in der Zeit. Verfolge deine Selbstwahrnehmung bis zu dem Zeitpunkt, ab dem du dich vor dir selbst geschämt hast. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem du begonnen hast, eine innere Scham vor deiner sexuellen Identität zu empfinden. Diese Scham löst bei dir eine Art auf dich gerichtete Homophobie aus.

Um dir diesen Gang etwas zu erleichtern, versuche ich dir den fiesen Mechanismus der "verinnerlichten Scham" zu erklären:
Verinnerlichte Scham schleicht sich in der Regel durch ein Hintertürchen in deine Selbstwahrnehmung ein. Wenn du bspw. ständig mit einem Personenkreis zu tun hast, der dir sagt, wie falsch ein Wesenszug von dir sei und du dich dem nicht aktiv entgegen stellst, sondern diese Kritik bzw. diesen Vorwurf passiv konsumierst, verinnerlichst du diesen äußeren Vorwurf. Einmal in dir bildet er ein Gefühl der Scham aus. Diese Scham tritt an die Oberfläche, wenn du mit dem Wesenzug konfrontiert wirst. Dein Umgang mit dieser Scham ist das Aneignen eines Krankheitsbildes, um die "Schuld" für den Wesenzug auf die Krankheit zu schieben. Es reichen manchmal banale Dinge aus, die sich in Scham niederschlagen, wenn man sie passiv ohne Widerhall konsumiert: Der Vater, der mal bei einer Sendung im Fernsehen sagte, dass Homosexualität falsch ist. Die Mutter, die dir sagt, dass sie Mitleid mit Eltern homosexueller Kinder habe, da diese keine Enkelkinder bekommen können. Usw.
Verinnerlichte Scham kann nun dazu führen, dass du nach außen keinerlei Probleme mit einer homosexuellen Orientierung hast, aber sie dich im Inneren um den Verstand bringt, weil du versuchst deine Scham zum Schweigen zu bringen.

Vielleicht bin ja auf der richtigen Fährte bei dir oder konnte dir zumindest einen anderen Blickwinkel auf dich selbst bieten.

GehtKlar

Re: Was tuhen gehen eigene Homophobie?

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