Verklemmtes Coming-Out-->psychischer Absturz-Was kommt noch?

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skydriver
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Verklemmtes Coming-Out-->psychischer Absturz-Was kommt noch?

Beitragvon skydriver » 16 Okt 2012, 20:58

Hallo,
nachdem ich dieses Forum nun schon seit fast 2 Jahren kenne und immer wieder Beiträge mitverfolge habe ich es nun endlich geschafft, mich auch mal zu registrieren.
Ich bin mir zwar nicht sicher ob mir hier jemand helfen kann, aber vielleicht hilft es mir ja etwas, wenn ich mal versuche, euch meine Situation beschreiben.

Mädchen haben mich noch nie interessiert, auch rein freundschaftlich hatte ich sozusagen nie etwas mit ihnen zu tun. Von daher konnte ich auch nie etwas mit dem Thema Liebe anfangen, dachte mir, so etwas gibt es bei mir wohl nicht und reagierte schon als Kind mit großer Ablehnung, auch wenn mich jemand (z.B. meine Cousine) nur zur Begrüßung mal Umarmen wollte. Allerdings habe ich mit der Zeit Immer mehr gemerkt, dass ich mich zu Jungs hingezogen fühle, was mir mit 16 erst richtig bewusst wurde, als ich durch Zufall auf den Wikipedia Artikel zum Thema Homosexualität stieß. Das war meine erste Aufklärung über dieses Thema, denn seitens der Schule oder Familie gab es nie etwas zu hören, ich hatte also nicht die geringste Ahnung, dass Liebe zwischen dem gleichen Geschlecht möglich ist.
So hatte ich mein inneres coming out mit dem Jahresbeginn 2011. Mein erster Gedanke war: „Ok, so ist das also, aber damit werde ich niemals rauskommen können“.
In der vergangenen Zeit seit dem informierte ich mich im Internet immer wieder weiter über das Thema und las alle möglichen coming out Berichte und Tipps die ich finden konnte und was dazu so auf der Welt passiert, was mir persönlich jedoch nicht weiterhelfen konnte. Extrem schockierend sind übrigens die Kommentare unter so manchen Youtube-Videos.
Nebenbei muss ich noch anmerken, dass ich das Asperger Syndrom habe und somit schon immer in vielen Dingen anders war. Mir fällt es schwerer, mit Menschen umzugehen, über Witze zu lachen, oder mal weniger ernst zu sein.

Von außen betrachtet könnte man meinen, alles wäre bestens: Bin 18 Jahre alt, habe meinen Führerschein gemacht, und ein super Auto bekommen.
Ich habe großes Interesse an Luftfahrt(-Technik) und mein aller größter Traum ist es, irgendwann nach meiner Ausbildung Pilot bei Air Berlin zu werden und die Boeing 737-800 zu fliegen.
Ich habe eigentlich immer alles bekommen was ich mir gewünscht habe, jedoch kann ich mich mittlerweile über nichts mehr freuen.
Angefangen hat es 2007 als mir im Alter von 13 Jahren Sehstörungen aufgefallen sind (gräulich schwarze flimmernde Punkte im gesamten Gesichtsfeld, ist aber schwer zu beschreiben. Besonders stark im Dunkeln, sodass ich z.B. keinen sauberen Sternenhimmel sehen kann).
Ich war mehrfach beim Augenarzt und bei verschiedenen anderen Untersuchungen, doch keiner konnte etwas feststellen und es hieß es sei alles in Ordnung.
Mit dem inneren coming out Anfang 2011 begann dann langsam das Unterdrücken der Sexualität, und somit auch mein psychischer Absturz. Jeden Tag sehe ich hübsche Jungs in der Schule, am Bahnhof oder sonst wo in der Stadt und finde es jedes Mal extrem „deprimierend“ wenn ich mich dabei erwische für 1-2 Sekunden hinterherzuschauen und jedes Mal hoffen muss, dass mir keiner etwas anmerkt (durch den daraus entstehenden Konflikt, versuche ich mich meistens automatisch und unterbewusst davon abzulenken, es entsteht manchmal das Gefühl hier läuft etwas falsch), während sich andererseits meine Klassenkammeraden beispielsweise darüber unterhalten welches Mädchen der letzten Besucherklasse den so am geilsten wäre, wo ich selbstverständlich nicht mitreden kann.
Mir ging es mit der Zeit langsam immer schlechter, im Juni 2012 ging es dann extrem bergab.
Ich bin mir sicher dass es sich dabei um eine (schwere) Depression handelt. So kommt es, dass ich mich Tagsüber öfters mal hinlegen muss, weil ich total kaputt und antriebslos bin. Beim Autofahren bin ich träge und angespannt, beim Motorradfahren, was mich früher immer begeisterte fühle ich , jetzt wo ich selbst fahre kaum noch Freude, es ist, als wäre ich nur noch ein Roboter ohne Gefühle, alles wird gleichgültig. In der Schule fällt es mir immer schwerer mich zu konzentrieren, schaffe es wunderlicher Weise aber immer noch gute Noten zu schreiben, obwohl ich im Unterricht abschalte, weil ich einfach nicht mehr kann.
Ich kann es mir einfach überhaupt nicht vorstellen mich zu outen, ich habe da eine riesige Blockade. Liegt wahrscheinlich daran, dass ich in einem kleinen Dorf wohne 50km von der nächsten größeren Stadt entfernt, und Homosexualität nicht existiert. In der Schule muss ich mir jeden Tag klischeebelastete Sprüche anhören und immer wieder stelle ich mir die Frage wo sie denn sind, die angeblichen 5-10% der Bevölkerung, da ich niemanden kenne der auch so ist. Mir ist bewusst, dass man die sexuelle Orientierung niemandem ansehen kann, aber da ich im ganzen Leben neben den ganzen Heteropaaren, welche man ja wie Sand am Meer sieht, noch nie ein Homosexuelles wahrgenommen habe, fehlt mir die Vorstellungkraft. Ich hab zwar mitbekommen dass es in Koblenz und Frankfurt eine schwule Jugendgruppe gibt, aber ich kann es mir irgendwie nicht vorstellen mal da hinzugehen.

Um es noch einmal zusammenzufassen:
Mit dem Beginn des Jahres 2011 habe ich festgestellt, was Sache ist, komme seitdem aber kein Stück weiter. Das, was ich jeden Tag in der Schule wahrnehme, lässt mich in dem Glauben leben, der Einzige zu sein dem es so geht.
Alles wirkt irgendwie so unrealistisch, wenn ich Beispielsweise auf dbna bin. Wie oft ging es mir in den letzten Monaten schon so, dass ich mir am Tag noch dachte: "Mensch, jetzt trau dich doch mal und lass dich darauf ein mit jemandem zu chatten, was soll schon schlimmes passieren?" Doch wenn ich dann abends am PC bin, logge ich mich kurz ein um zu sehen, wer so online ist und dann flüchte ich durch den logout, und sitze den halben Abend mit Fragezeichen vor dem Bildschirm.
Durch diese Zuschauerrolle, welche ich damit einnehme, wenn ich alles zu dem Thema Homosexualität nur lese und im Internet mitverfolge, vergesse ich wer ich eigentlich bin, da ich einfach nicht über diese Hürde komme, Kontakt zu anderen aufzunehmen, und niemanden habe, mit dem ich darüber reden kann/will.
Ich habe zwar keine Eltern, welche mich dafür rauswerfen würden, aber mir ist das irgendwie extrem peinlich da hier schon eine gewisse Klischeebelastung und vor allem Unwissen herrscht.
Ich weiß nicht, wo das alles noch hinführen soll. Auf der einen Seite bin ich mir längst bewusst, dass das so nicht weitergehen kann, andererseits finde ich keinen Weg aus meiner Verschlossenheit.
Irgenwo auf der anderen Seite zerrt natürlich auch der Wunsch, nach einen Freund, aber so wird das noch lange dauern.
Wenn ich gefragt werde, wie es mir geht, muss ich lügen und sage gelangweilt „gut“, denn wenn ich das Gegenteil sagen würde, müsste ich ja eine Erklärung dafür abgeben. Von daher graut es mir schon davor, wenn ich in den nächsten Tagen zum Arzt gehe, es wäre ja die Gelegenheit, die (höchstwahrscheinliche) Depression anzusprechen.
Das wäre an sich ja nicht so schlimm, aber wenn es dann später an die Ursachenforschung geht...

Verklemmtes Coming-Out-->psychischer Absturz-Was kommt noch?

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Samus
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Re: Verklemmtes Coming-Out-->psychischer Absturz-Was kommt n

Beitragvon Samus » 16 Okt 2012, 21:33

Also erstmal, warum möchtest du dich denn unbedingt outen? Am besten wäre es das du erstmal selbst mit dir im klaren kommst und auch wenn es so scheint, es gibt mehr Schwule als du glaubst, aber wie du schon geschrieben hast, sieht man es nicht jedem an und zweitens, warum gleich Paare? Villeicht haben die alle noch keinen Freund. ;)

Du musst dich doch nicht verstellen das du dich krampfhaft outen musst und dich gleich alle hassen werden. Es gibt zwar intollerante Menschen, aber nicht gleich jeder denn du kennst ist intollerant. Wobei du nicht einschätzen kannst wer was ist. Und zu dir selber, es ist überhaupt nicht schlimm Schwul zu sein und es zwingt dich niemand dich zu outen. Und das du Jungs hinterherschaust, ist doch logisch, die meisten sind doch super, oder? :D

Du musst auch die guten Seiten daran sehen, nicht immer die negativen. Das wird schon.

Ich wünsche dir viel Glück! :D
Am Rande meines Verstandes kichert der Wahnsinn.
Nur der kleine Geist hält Ordnung, das Genie überblickt das Chaos.
Anastacia! ♥

JuSch
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Re: Verklemmtes Coming-Out-->psychischer Absturz-Was kommt n

Beitragvon JuSch » 16 Okt 2012, 23:52

Hallo skydriver

Auch ich habe auch Asperger und teilweise ist es wirklich nicht einfach damit zu leben. Manchmal mache ich mir zu viele Gedanken um irgendwelche Dinge. Ich habe das Gefühl das ist bei dir genauso.
Du solltest den Arzt auf deine Depression ansprechen. Er wir dein kleines Geheimnis nicht weitererzählen und selbst deine Eltern müssen nichts davon erfahren. Ein Arzt steht immer unter Schweigepflicht.

Wenn du dich Outen willst/kannst, dann kann ich dich nur ermutigen! Die meisten Menschen, und vor allem die, welche dich lieb haben, werden dich so akzeptieren wie du bist. Es ist ein befreiendes Gefühl mit jemand über seine Probleme reden zu können.
Meine Mutter behandelt mich nicht anders als vor meinem Outing.

Geh doch mal zu dieser Jugendgruppe. Deinem Text entnehme ich, dass sie weit von deinem Zuhause und deinen Freunden entfernt liegt. Da kennt dich sowieso keiner und wenn es dir nicht gefällt, kannst du ja wieder gehen.

Hoffentlich konnte ich dir helfen und habe das Thema nicht meilenweit verfehlt.
Lg JuSch

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Re: Verklemmtes Coming-Out-->psychischer Absturz-Was kommt n

Beitragvon skydriver » 17 Okt 2012, 21:27

Vielen Dank schoneinmal für eure Mithilfe.
Also outen möchte ich mich ja nicht, schon garnicht in meiner Klasse. Egal mit wem ich reden würde, ich hätte dabei das Gefühl, dass mich keiner versteht, weil jeder nur das Klischee schwul=tuntig im Kopf hat.
Wenn ich allerdings zum ersten mal einen Weg aus dieser "Isolation" finden würde, beispielsweise durch Kontakt zu anderen, würde ich mich denen gegenüber damit ja automatisch outen. Und da ich soetwas nur aus Geschichten aus dem Internet kenne, wäre das im real life ein schwerer Schritt für mich.
Es ist aber schon ein guter Schritt, dass ich es trotz meiner inneren Leere schaffe, hier über mich zu schreiben, auch wenn ich es selbst kaum glauben kann.
Psychische Schäden/Probleme kann man ja nicht sehen wie beispielsweise eine körperliche Verletzung.

@JuSch
Ja, ich denke schon dass es uns in vielen Dingen ähnlich geht. Ich mache mir auch zu viele Gedanken über alles.
Nächte Woche habe ich den Termin, wenn die Gesundheitliche Frage kommt, werde ich versuchen, ehrlich zu antworten, denn wenn nichts gegen die Depression unternommen wird, wird es ja nurnoch schlimmer, und das merke ich schon Tag für Tag.
Meine schulischen Leistungen leiden darunter erheblich.
Ich war immer ein guter Schüler, aber neues zu lernen fällt mir jeden Tag schwerer, obwohl ich weiß, dass da viel mehr gehen würde, wenn mir nicht die benötigte Kraft und Motivation dazu fehlen würde.
Besonders mache ich mir Sorgen, bei zukünftigen Einstellungstests. Wunderlicherweise habe ich es geschafft, bei meinem Mechatronik Einstellungstest, den Rekord unter allen bisherigen Bewerbern mit 97% richtigen Aufgaben zu meistern, aber in logischen Tests versage ich (nur die Hälfte der Aufgaben überhaupt bearbeitet), was im Vergleich zu früher garnicht zu mir passt.

Wenn ich es schaffe, meine Ausbildung bei der Lufthansa zu machen, bekomme ich die Gelegenheit in Frankfurt bei Verwandten zu Wohnen. Dabei würde es sich theoretisch anbieten mal in die Jugendgruppe dort zu gehen. Koblenz gestaltet sich schwieriger, da ich dort zur Schule gehe.

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Re: Verklemmtes Coming-Out-->psychischer Absturz-Was kommt n

Beitragvon michael90 » 18 Okt 2012, 15:24

also: ich denke nicht, dass für die meisten schwul gleich tuntig bedeutet. Spätestens wenn man auf jemanden trifft, der ein wenig aufgeklärt und tolerant ist, wird einem das klar. Bei mir denkt man auch, dass ich ein "ganz normaler" Junge wäre. Dann hab ich mich einer Freundin offenbart, die total erstaunt war, eben weil ich keine Klischees bediene. Außerdem gibt es Leute, die auch psychische Verletzungen sehen (kann ich aus eigener Erfahrung sagen), und diese Leute haben kein Medizin- oder Psychologiestudium hinter sich gebracht. Ich würde mir keinen Kopf um nur halb korrekte Logiktests machen... das sind nur Tests, ich habe bei denen auch immer schlecht abgeschnitten (sogar bei IQ-Tests), hat trotzdem für Abitur und Studium gereicht ;) Aus eigener Erfahrung kann ich nur raten, sich anderen mitzuteilen, sei es hier (hier fällt es einfacher, da anonym) oder bei vertrauenswürdigen Personen in real life. Alternative (hoffentlich nicht wirklich eine) ist, dass man sonst alles in sich hineinfrisst und die Spirale nach unten sich immer weiter dreht. Und wie geht´s dann weiter? Irgendwann eskaliert es, nur wie? Ausreißen, Suizid, Entwickeln von Ängsten, Sozialphobie? Alles keine erstrebenswerte Zukunft. Es kostet Kraft, sich zu überwinden, aber es lohnt sich, also bloß nicht den Kopf in den Sand stecken. Durchhalten bis man den Eindruck hat, die richtige Zeit sei gekommen!
The meaning of life is to give life a meaning!

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Re: Verklemmtes Coming-Out-->psychischer Absturz-Was kommt n

Beitragvon skydriver » 09 Nov 2012, 23:50

Guten Abend liebe Community,
Tja, jetzt ist es ja schon bald einen Monat her als ich mich zum letzten Mal hier gemeldet habe.
Tut mir leid, wenn ich jetzt hier mal wieder alles loslasse, aber ich weiß nicht wo ich es sonst ansprechen kann.
Meine Lage ist ja wie bereits beschrieben alles andere als gut und ich mache mir mittlerweile echt Sorgen um mein Fachabitur weil meine Leistungsfähigkeit Tag für Tag abnimmt.
So merkwürdig sich das auch anhören mag, aber es ist mittlerweile wirklich eine Qual im Unterricht mitzuarbeiten, selbst wenn es nur einfache Aufgaben sind.
Dies ist mir bereits letztes Jahr im Automatisierungs-Unterricht aufgefallen wenn es beispielsweise darum geht etwas an der SPS zu programmieren.
Laut Ansicht meines Lehrers gehöre ich zu den Klassenbesten in diesem Bereich, was zum großen Teil auch Wirklichkeit ist, doch mein Niveau sinkt als weiter, sitze die halbe Zeit vor der Anlage und kapiere nichts mehr, bis jedoch der immer selten werdender Fall eintritt und mich mal etwas ein wenig motiviert. Dann scheint für einen kleinen Moment wieder alles in Ordnung zu sein und bekomme dann ganz plötzlich wie von Geisterhand, fast von alleine das komplette Programm hin, und gelte zu den Leuten die den meisten Durchblick dort haben. Naja ist schwer zu beschreiben dieses Phänomen, als wenn da kurzzeitig eine Art Schalter von 0 auf Höchstleistung umgelegt wird.

Jetzt sitze wieder ich wie fast jeden Abend vorm PC und weiß nicht genau was ich anfangen soll.
Mein Alltag besteht ja im Prinzip nur noch aus: früh aufstehen, Schule, spät nachmittags nach Hause kommen und dann im Zimmer verkriechen.
Andauernd versuche ich mir Pläne zu schmieden, wie ich es unauffällig ermöglichen könnte mich mal mit jemandem zu treffen(evtl. Jugendgruppe), sollte ich genug Mut dazu haben.
Mit dem chatten bin ich erfreulicher Weise schon etwas lockerer geworden.
Ich bin fester Überzeugung dass ich etwas ändern muss, wen ich das Schuljahr überstehen will.
Ich denke ein wichtiger Schlüssel dazu wäre die Klarheit darüber dass ich wirklich nicht alleine bin mit meinen Gefühlen. Das Internet ist toll, und gibt viele Informationen, aber im realen Leben überschreitet dieses Thema immernoch die Grenzen meiner Vorstellungskraft, so seltsam das auch klingen mag.
Jedes Mal wenn mir ein Junge attraktiv auffällt, denke ich dass das doch nicht sein kann dass es da wirklich welche geben soll die das gleiche empfinden.
Wahrscheinlich kommt es daher das meine Mitschüler nur über Frauen reden und nicht so recht wissen wo sie mit ihrer Lebensenergie hin sollen.
Die anderen schreiben schlechte Noten weil sie nicht genug lernen und bei mir ist es der psychische Zustand, der mich lahm legt, es ist echt wie ein Fluch..

Jetzt wo ich mit dem Text fertig bin fällt es mir wieder schwer zu glauben dass ich das wirklich geschrieben habe. Bei psychischen Schwierigkeiten kann man sich jederzeit einreden, alles sei in Ordnung, der Kopf ist leer und ich weiß nicht was ich hier eigentlich gerade tue. Und dann kommt sie wieder, diese Kraftlosigkeit..

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Re: Verklemmtes Coming-Out-->psychischer Absturz-Was kommt n

Beitragvon skat » 10 Nov 2012, 03:24

Warum hast du niemanden mit dem du darüber reden kannst?
Traust du dich nicht mit einem guten Freund darüber zu reden? Hast du keinen guten Freund?
Wenn du irgendetwas ändern willst, dann würde ich an deiner Stelle damit beginnen mir einen Freund zu suchen, mit dem ich über meine Probleme sprechen kann.
Ein Arzt ist übrigens kein Ersatz für einen Freund. Der verschreibt dir höchstens ein Medikament, das du vielleicht noch nicht einmal wirklich benötigst.
Solltest du dennoch mit deinem Arzt über das Thema Depression reden, dann solltest du wenigstens erwähnen, dass du eine Therapie gegenüber Medikamenten bevorzugen würdest. Nur die aller härtesten Fälle brauchen wirklich Medis, aber das musst du dann entscheiden.
Warst du eigentlich schon mal in einen Jungen verliebt? Wenn du schreibst, dass du dein "inneres coming out" 2011 hattest, dann frage ich mich, was du vorher so gemacht hast? Hast du den Mädels hinterhergeschaut?

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Re: Verklemmtes Coming-Out-->psychischer Absturz-Was kommt n

Beitragvon Perseus » 10 Nov 2012, 08:49

Hallo,

versuche raus zu gehen. Du hast ein Auto, also kannst du auch mal für eine Gruppe weiter fahren und musst je nach Wohnort nicht vor Ort hingehen, sondern kannst dir in den Nachbarstädten was suchen. Die Angst vor einer Gruppe ist unbegründet. Wer dich dort sieht, ist selber schwul und wird dich nicht an den Pranger stellen. Du musst dich auch nicht rechtfertigen, wenn du mal das Haus verlässt. Wenn du regelmäßig hingehst, dann triffst du dich halt mit Freunden- Du willst was gegen deine Einsamkeit tun- fertig.
Wenn du zu einer Gruppe gehst, zwinge dich möglichst 2-3mal hinzugehen. Es dauert immer etwas bis man richtig in Kontakt kommt und auch sich an das, was einem seltsam ist, gewöhnt.

Du kannst nur gewinnen.

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Re: Verklemmtes Coming-Out-->psychischer Absturz-Was kommt n

Beitragvon skydriver » 11 Nov 2012, 14:47

Bei mir ist es so, dass ich eigentlich nur 2 Kumpels von der Schule habe mit denen ich mich regelmäßig zum Lernen treffe.
Ansonsten gibt es noch 2 Leute im Ort mit denen ich ab und zu mal RC-car fahren gehe aber das sind alles keine Leute mit denen ich über meine Probleme reden würde weil das einfach nicht passt.
Wenn es jemanden gibt dem ich den Titel eines Besten Freundes geben würde müsste ich jetzt weit gehen, denn dieser Freund aus Realschulzeiten ist seit 1,5 Jahren für unbestimmte Zeit auf Mallorca.
Also wären da eigentlich nur meine Eltern direkt, aber da habe ich echt ein Brett vorm Kopf.
Während andere oft davon schreiben wie sie am Esstisch sitzen und darum Kämpfen endlich mal Klartext zu reden, ist es mir gerade das Gegenteil.
Wenn in irgendeiner Weise das Thema Homosexualität aufkommt (selbst wenn nur das Lied M & F im Radio läuft) kann ich nicht mit meinen Eltern in einem Raum sein und habe das Gefühl gleich einen Herzinfarkt zu bekommen, und entferne mich in der Hoffnung nicht aufzufallen.
Und dass obwohl ich keine Eltern habe die streng Religiös sind oder schon gewisse Erwartungen von Enkelkindern zu Kenntnis gegeben haben.
Über das Thema Sexualität wurde allerdings generell noch nie gesprochen, auch die Frage nach der Freundin musste ich zum Glück noch nie hören.
Sie wissen dass ich durch mein Asperger sowieso schon immer in vielen Dingen anders war, ich denke sie glauben auch, dass es daran liegt, dass ich zum Beispiel keine große Freude zeige wenn ich beispielsweise was zum Geburtstag bekomme (egal ob es nur ne Tafel Schokolade ist oder ein Auto wie vor kurzem, von mir kommt nicht viel mehr als ein trockenes Danke). Es muss aber eindeutig vom Kopf kommen.
Von meinem Onkel kam schon einmal folgender Satz: „Von mir aus können die ja schwul sein, aber man muss sich dochmal anständig verhalten können.“ (Das gängige Tunten-Vorurteil halt)
Egal was man hört, man kann sich nicht währen ohne sich dabei zu outen und innerlich kann man sich nur drüber aufregen. Ich fresse sozusagen alles in mich rein.

skat hat geschrieben:Warst du eigentlich schon mal in einen Jungen verliebt? Wenn du schreibst, dass du dein "inneres coming out" 2011 hattest, dann frage ich mich, was du vorher so gemacht hast? Hast du den Mädels hinterhergeschaut?


Richtig verliebt war ich noch nicht, verguckt würde es da genauer beschreiben.
Vor meinem innernen comingout dachte ich, ich wäre Asexuell, ich konnte nie verstehen was Liebe bedeutet weil mich Mädchen noch nie angezogen haben, und es nur das Mann&Frau Bild gab.
Ich dachte ich würde so leben wie mein Onkel, eifach alleine, aber dann ist mir aufgefallen dass es da doch gewisse Anziehungskräfte gibt, eben nur zu Jungs.
Ich könnte es mir richtig gut vorstellen einen Freund zu haben, die Gesellschaft scheinbar nicht. Das führt dazu dass ich jedesmal ein schlechtes Gewissen habe wenn ich einem Jungen hinterherschaue.

@ Perseus
Was den Besuch einer Jugendgruppe angeht, das Problem ist dass ich alleine für die Fahrten über 1,5 Stunden rechnen muss und wenn ich dann nach 23 Uhr heimkomme kann ich ja schlecht sagen ich bin mal ne runde Motorrad gefahren..
Die Erklärung dass ich bei Freunden war ist auch nicht ganz so leicht. Zwar kommt es mal vor dass ich später nach Hause komme wenn ich mich mit meinen 2 Kumpels treffe aber es würde auffallen, da es nicht typisch für mich ist "Feiern zu gehen".
Ich müsste es irgendwie einrichten, dass ich nach der Schule in Koblenz bleiben würde und mich mit jemandem treffe, aber selbst dass ist nicht einfach, da wir zurzeit oft Fahrgemeindschaften machen... Ich weiß ich mach mir vielzuviele Gedanken, aber ich bin da echt etwas am verzweifeln.
Die Tatsache, das meine Leistungen ständig sinken, setzt mich zusätzlich unter Druck, dass ich was tun muss und nicht mehr warten kann, bis ich meine Ausbildung in der Hoffnung in Frankfurt mache um dann dort unauffällig ins Jugendzentrum zu gehen. :x

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Re: Verklemmtes Coming-Out-->psychischer Absturz-Was kommt n

Beitragvon Perseus » 11 Nov 2012, 16:45

skydriver hat geschrieben:@ Perseus
Was den Besuch einer Jugendgruppe angeht, das Problem ist dass ich alleine für die Fahrten über 1,5 Stunden rechnen muss und wenn ich dann nach 23 Uhr heimkomme kann ich ja schlecht sagen ich bin mal ne runde Motorrad gefahren..
Die Erklärung dass ich bei Freunden war ist auch nicht ganz so leicht. Zwar kommt es mal vor dass ich später nach Hause komme wenn ich mich mit meinen 2 Kumpels treffe aber es würde auffallen, da es nicht typisch für mich ist "Feiern zu gehen".
Ich müsste es irgendwie einrichten, dass ich nach der Schule in Koblenz bleiben würde und mich mit jemandem treffe, aber selbst dass ist nicht einfach, da wir zurzeit oft Fahrgemeindschaften machen... Ich weiß ich mach mir vielzuviele Gedanken, aber ich bin da echt etwas am verzweifeln.


Wenn du deinen Eltern erklärst, dass du mal ein bisschen raus kommen willst, dass du das Gefühl hast zu Hause zu versauern, dass du dich auf die Suche nach Freunden, die so wie du sind, machen willst, dass du im Internet eine Möglichkeit gefunden hast, Leute mit den gleichen Problemen zu treffen, dann sind die höchstwahrscheinlich sogar erfreut darüber. Die merken doch auch, wie einsam du bist und was dir fehlt. Du musst ihnen ja nicht erzählen, dass dein Aufbruch nicht wegen des Aspergers, sondern wegen deiner Homosexualität stattfindet.

Was Freunde anbegeht, kannst du augenscheinlich wirklich nur gewinnen, wenn du dich auf den Weg machst.

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Re: Verklemmtes Coming-Out-->psychischer Absturz-Was kommt n

Beitragvon Perseus » 11 Nov 2012, 17:00

Nachtrag: Am wenigsten Misstrauen erweckst du, wenn du recht offen erzählst und nur das ein oder andere "nebensächliche" Detail weglässt. So erweckst du kein Misstrauen, verstrickst dich nicht in Widersprüche und deine Eltern sind zufrieden.

So wurde ich neulich mal gefragt, ob das bei einem Ausflug eine reine Männergruppe war. Wahrheitsgemäß habe ich geantwortet, dass auch Mädchen dabei waren. Dass die lesbisch waren gehört zu den Details, die unterschlagen werden können. :lol:

Re: Verklemmtes Coming-Out-->psychischer Absturz-Was kommt n

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