Ursprünglich glücklich und nun einsam

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timo1337
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Ursprünglich glücklich und nun einsam

Beitragvon timo1337 » 27 Dez 2016, 22:26

Guten Tag allerseits!

Bin ganz frisch hier im Forum und habe nie gedacht einen Post dieser Art verfassen zu müssen.

Ich bin vor kurzem 18 geworden, mache nächstes Jahr mein Abitur, und habe bis jetzt durchgängig sehr viel Glück in meinem Leben gehabt. Meine Eltern haben mich immer bestens behandelt, uns hat es nie an irgendetwas gefehlt. Ich bin gesund, war schon immer gut in der Schule und habe mein Leben so gut wie immer genossen. Zu meiner Familie habe ich größtenteils ein überdurchschnittlich gutes Verhältnis. Dazu kommt, dass ich durch die richtigen Bekanntschaften (von meiner Familie) auch schon beruflich einiges ermöglicht bekommen habe (dazu später mehr). Und zu guter letzt, Freunde hatte ich eigentlich auch immer.

Ich würde mich selbst als zumindest scheinbar vernünftig bezeichnen; ich wirke, nach dem was man mir so erzählt zumindest, auf andere älter als ich bin und man tendiert mich für glücklich und übermäßig erfolgreich zu halten. Vor ein paar Jahren ist mir das verstärkt aufgefallen was zu einer unglaublichen Arroganz bei mir geführt hat (beflügelt dadurch, dass ich bereits allgemein geouted war und keinerlei negative Folgen zu spüren bekam; selbst hier hatte ich unglaubliches Glück die Mitschüler zu haben die ich hatte). Ich habe tatsächlich angefangen mich für was besseres zu halten und habe den Eindruck den ich bei anderen anscheinend erwecke angefangen selbst zu glauben. Freunde habe ich dadurch erstmal nicht verloren; nur die die mich noch nicht kannten (Mitschüler zu denen man sonst keinen Kontakt hat) waren eher abgeneigt und hielten mich für eingebildet. Ich begann dann auch tatsächlich Erfolg zu haben und recht viel Geld zu verdienen; aus mir wurde eine kleine YouTube Berühmtheit. Gleichzeitig wurde in meinem Freundeskreis, weil wir alle ins entsprechende Alter kamen, "Lass uns Nachmittags verabreden und Chillen" zu "Lass uns feiern gehen und saufen". Hier beginnt mein Leben, zumindest sozial gesehen, bergab zu gehen.

Ich trinke keinen Alkohol weil er mir nicht schmeckt und so hielt ich mich von diesen Treffen fern und redete mir ein, dass ich lieber "arbeiten" solle weil das vernünftiger sei. Auch wenn das allein wahrscheinlich nicht falsch ist, fing ich an auf die anderen herab zu sehen, weil ich sie für unvernünftig und für Versager hielt. Dadurch, dass, als mein YouTube Kanal richtig steil ging, die jüngeren Schüler dann zeitweise sogar Selfies mit mir auf dem Schulhof machen wollten, fühlte ich mich ohne Ende bestätigt und bin dann so richtig abgehoben. Und das realisierte ich erst, als sich mein bester Freund von mir abwandte. Ich hatte einen Konflikt verursacht und ihn hintergangen. Das bereue ich bis heute. Der freundliche Umgang der zwischen mir und meinem Freundeskreis trotz allem noch an der Tagesordnung lag, endete abrupt und ich stand allein da, da mein bester Freund den Mittelpunkt unserer sozialen Gruppe darstellte und entsprechend über mich redete.

All diese (teilweise seit der Grundschule) jahrelang aufgebauten Freundschaften waren nun also zunächst zerstört. Anstatt mich dem aber zu stellen, mir meine Fehler einzugestehen und zu versuchen alles wieder zu richten, isolierte ich mich völlig und suchte mir neue Freunde. Leider tat ich dies aber nicht der Freundschaft an sich wegen, sondern um über meine alten Freunde hinwegzukommen und um nicht mehr alles allein machen zu müssen. Die neuen Freunde die ich dann kennenlernte kannte ich also nicht weil ich sie so gut leiden konnte; sie waren eigentlich nur Ersatz.

Ein Jahr verging in dem ich mein mittlerweile recht einsames Scheinleben mit meinen Scheinfreunden lebte (mit denen ich natürlich nur in der Schule zu tun hatte). Mein geschäftlicher Erfolg hatte jedoch weiter angehalten. Wie zu Anfang bereits angedeutet, kannte meine Familie die richtigen Leute um mir weiter auf die Sprünge zu helfen; mit 17 wurde ich erfolgreich selbstständig (sogar mit Erlaubnis des Familiengerichts; unglaublich was meine Eltern mir ermöglichten). Mein bester Freund ich hatten uns zu diesem Zeitpunkt wieder vertragen, aber so wie früher ist es bis heute nicht. Unsere Freundschaft ist durch meine Aktion einfach sehr stark belastet. Ich denke daraus gelernt zu haben, habe an meiner Attitüde gefeilt und glaube wieder auf dem Boden angekommen zu sein.

Seitdem mein bester Freund und ich uns vertragen versuche ich unser gegenseitiges Verhältnis ständig durch kleine Nettigkeiten aufzubessern (Schicke ihm Hausaufgaben, hole ihn vor der Schule ab und fahre ihn nach Hause, leihe ihm auch mal Geld wenn er nichts dabei hat, bin bei ihm wenn er jemanden braucht usw.). Das geht sogar so weit, dass ich ihm angeboten habe mich teilweise geschäftlich mit ihm zusammenzuschließen. Natürlich nahm er dankend an und erzählte mir wochenlang wie motiviert er sei. Jetzt wo es aber drauf ankommt und ich ihn zur Unterstützung brauche, hat er selten Zeit und amüsiert sich lieber auf Feiern auf die ich nicht mehr eingeladen werde (und die ich auch nicht besuchen möchte aufgrund des Alkoholkonsums), was mir das Gefühl gibt, dass er mich nur ausnutzt.

Zusammenfassend habe ich aktuell also niemanden dem ich vollständig vertraue und das hier so erzählen würde. Mit meiner Familie rede ich über sowas nicht, und richtige Freunde, mit denen ich sowas eigentlich besprechen würde, habe ich einfach nicht mehr.

Hierzu kommt noch, dass ich seit Jahren in einen, in die Story mit meinem besten Freund nicht involvierten, Jungen aus meiner Stufe verliebt bin. Wir sind aktuell wenn überhaupt "Bessere-Bekannte" und auch bei ihm habe ich das Gefühl, dass er nur wegen meiner ehemaligen YouTube Bekanntheit oder meinem jetzigen scheinbaren Erfolg mit mir redet. Er weiß ganz genau, dass ich schwul bin und ich bin mir sicher, dass er heterosexuell ist und nicht auf mich steht. Außerdem weiß ich eigentlich nicht wie es sich anfühlt wirklich verliebt zu sein; ich denke ich finde ihn einfach nur körperlich anziehend, weil wir leider so gar nichts gemeinsam haben.

Trotz allem kam ich eigentlich immer sehr gut zurecht, bin jetzt aber an einem Punkt angelangt an dem ich einfach nicht mehr weiter weiß, weswegen ich mich auch entschied diesen Post hier zu verfassen. Ich wünsche mir so sehr eine richtige Beziehung mit jemandem dem ich wirklich vertrauen kann und weiß einfach nicht wie ich mit meinem, eventuell falschen, besten Freund umgehen soll.

Jedem der sich die Zeit genommen hat meine Lebensgeschichte hier vollständig zu lesen oder vielleicht sogar ein paar Ratschläge zu verfassen bin ich zu unendlichem Dank verpflichtet.

Es mag vielleicht lächerlich klingen, aber das hier gerade ist die schwierigste Zeit meines Lebens.

Ursprünglich glücklich und nun einsam

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Nonius
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Re: Ursprünglich glücklich und nun einsam

Beitragvon Nonius » 29 Dez 2016, 12:19

Hallo Timo,

wie würdest du dich heute beschreiben? Bei welchen Chraktereigenschaften hast du herumgefeilt und wie vergleichst du dich selbert zu früher? Ich finde es wichtig, dass man immer über sich selbst reflektiert und schaut, wo man im Leben gerade steht. Dass du diesen Beitrag schreibst, und uns über deine Situation erzählst ist ein guter Schritt. :D

Abgesehen von den kleinen Nettigkeiten, machst du noch was in deiner Freizeit mit deinem besten Freund? Vielleicht müsst ihr nur mehr Zeit miteinander verbringen, bis er deine neue Lebenseinstellung erkennt. Zum Besipiel könntest du ihn nach dem Heimfahren fragen, ob du bei ihm abhängen kannst; ein ernstes Gespräch könnte beim ihm Verständnis verschaffen. Und warum gehst du nicht mit ihm und deinen alten Freunden einmal mit auf den Feiern und Partys? Ich meine es wirkt zwar komisch, aber man muss dort nichts Trinken, wenn man keinen Alkohol mag. :wink:

Scheinbar erkennt dich jeder in der Schule und du weißt nicht, ob die Leute zu dir oder dem YouTuber nett sind. Es klingt nicht lächerlich und ich kann verstehen, dass es deine schwierigste Zeit im Leben ist. Hast du noch andere Interessen oder bist du noch mit anderen Menschen in einem anderen Umfeld, die dich nicht als YouTuber erkennen? Abgesehen vom realen Leben, kannst du noch versuchen übers Internet, neue Leute kennenzulernen. Bis du sie dann persönlich triffst, ist es unwahrscheinlich, dass deine Bekannheit ihre Meinung über dich ändert.

Es ist mein erster Ratschlag auf diesem Forum, aber ich hoffe trotzdem es war für dich irgendwie hilfreich. :)

LG,
Nonius

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Re: Ursprünglich glücklich und nun einsam

Beitragvon Justiin » 07 Jan 2017, 00:03

Ich hab mir deine Lebensgeschichte durchgelesen. Das klingt alles nach einer ziemlichen Berg und Tal Fahrt.
Ich kann dir zwar keine konkreten Ratschläge geben, da das eine ziemlich komplexe Geschichte ist.
Aber ich kann dich sehr gut verstehen, ich frage mich auch immer wieder was andere Menschen von mir denken und ob mich meine Freunde irgendwie nur ausnutzen. Und ich habe festgestellt das die meisten Menschen garnicht so komplex (und mit so vielen Hintergedanken) handeln und denken wie ich.
Aber sonst kann ich dir leider nur sagen, dass man am besten mit Personen die das eigene Umfeld kennen reden kann, auch wenns blöd klingt nachdem was du geschrieben hast, aber bevor man alles in sich rein frisst und gar weiter kommt kann man lieber mit jemandem aus der Familie reden (dafür hat man ne Familie).

Ich hoffe die hab deine Lage halbwegs richtig interpretiert, und hoffe meine Lebensweisheiten bringen dich eventuell etwas weiter. :flag:

LG Justiin
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Re: Ursprünglich glücklich und nun einsam

Beitragvon b00001110 » 07 Jan 2017, 05:40

Hm, dass mit dem YouTube-Kanal macht es natürlich etwas tricky, vertrauenswürdige Freunde zu finden. Hier ein paar Denkansätze und Ideen.

- Vereine, wie Sport und Musik kommen wegen deiner Bekanntheit und mangelnden Zeit wohl nicht in Frage?

- Über das Internet eine Beziehung aufzubauen, wie oben genannt, halte ich für einen sehr langwierigen Prozess.
Über das Internet ein paar Freunde zu finden, denen du vertrauen kannst, ist dagegen mit geringerem Aufwand verbunden. Damit würde ich anfangen.

- Ein anderer Ansatz, der mir noch spontan einfällt, ist gezielt auf Leute zuzugehen, die dich (gerade wegen der Bekanntheit) eher unsympathisch finden. Das klingt erst mal counter intuitive, macht aber beingenauerem Hinsehen Sinn. Wenn du dich genauer mit ihnen beschäftigst wird sich wahrscheinkich herausstellen, dass sie doch nicht so oberflächlich sind, wie erwartet. Und sie werden sehen, dass du vielleicht privat doch ein ganz bodenständiger Typ bist.

- Ein weiterer Ansatz ist, sich mehr mit Leuten abzugeben, die sich auf dem gleichen Level befinden. Wenn beide (finanziell) erfolgreich sind, bringt es einen geringeren Mehrwert, einander auszunutzen. Bei YouTube ist das allerdings auch wieder so eine Sache... ^^ Aber das weißt du sicherlich besser als ich.

- Da du selbst schreibst, dass du es dir "so sehr wünschst" eine echte Beziehung und Freunde zu haben, ist dir sicherlich auch bewusst, dass diese Tatsache die Wahrscheinlichkeit manipuliert zu werden nicht gerade senkt. Aber ich kann dich trotzddm sehr gut nachvollziehen...

- Noch ein Rat: Google. Stichwort "Nein sagen" oder sowas in die Richtung. Es gibt sehr viele Menschen, die derartige Probleme haben. So gut wie jeder, der Rang und Namen hat, stößt früher oder später auf dieses Dilemma. Und selbst wenn man vorher echte Freunde hatte, werden viele von denen sich früher oder später auch gegen dich wenden und dich ausnutzen. Egoismus ist menschlich. Also mach dir nicht so viel daraus, dass du die alle vergrault hast. ;)

- Mit dieser Art von Problemen wendest du dich am besten an Leute in einer ähnlichen Lage. Das könnten vielleicht sogar deine Eltern sein. Du hattest ja angeschnitten, dass die gesellschaftlich auch eher eine überdurchschnittliche Position einnehmen. Vielleicht auch deine YouTube-Kollegen, oder Leute von deinem Netzwerk. Die letzten beiden Fraktionen sind allerdigs mit Vorsicht zu genießen.

- Falls du planst, nach dem Abi zu studieren, könntest du darüber nachdenken, das nicht in deiner Heimatstadt tun. Dann werden die Karten neu gemischt, und du bist gezwungen, dir ein neues Netzwerk aufzubauen. Beim Studium lernst du garantiert eine Menge neue Leute mit ähnlichen Interessen kennen.

- Zu guter Letzt: Freundschaften aufzubauen und zu halten kostet Zeit. Und das nicht zu wenig. In der Schule ist das alles easy, da trifft man sich ohnehin jeden Tag, unterhält sich in den Pausen (und im Unterricht), etc. Sobald du aus der Schule raus bist, kann sich das schnell ändern, wenn du den ganzen Tag nur deiner selbstständigen Tätigkeit nachgehen möchtest. Dann kann sich die Situation noch verschärfen.


Was tun mit den falschen Freunden?

Zunächst solltest du versuchen festzustellen, wer dich ausnutzt. Das hast du ja schon teilweise getan. Wenn man ausgenutzt wird, merkt man das meistens ja relativ schnell.
Rational betrachtet macht es wahrscheinlich wenig Sinn, sich noch weiter mit diesen Leuten abzugeben, aber ich weiß, dass das alles nicht so einfach ist. Besonders wenn du in einen von ihnen verliebt bist und du mit einigen anderen eine längere Vorgeschichte teilst. Dass du deinen alten Freundeskreis wahrscheinlich größtenteils vergessen kannst, ist dir wahrscheinlich auch klar.


Ein sehr spannendes Dilemma, ich hoffe bei meinen Gedanken dazu sind ein paar hilfreiche Ansätze für dich dabei.
LG

:bp:

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Danne96
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Re: Ursprünglich glücklich und nun einsam

Beitragvon Danne96 » 07 Jan 2017, 07:44

Hallo Timo,
nur ein ganz kurzer, aber unendlich wichtiger Ratschlag von mir: Rede! Rede mit deinen Eltern darüber, mit Arbeitskollegen oder auch mit dem Postboten. So doof es sich anhört, aber reden hilft einem (fast) immer weiter. Teile dich, so wie du wirklich bist, deinem Umfeld mit. Du wirst sicherlich nicht nur positive oder hilfreiche Resonanz bekommen, aber auch das hilft dir weiter, dich auf die Leute zu konzentrieren, denen du wichtig bist. Mach dir ein Bild darüber wie du dich selber siehst und eines, wie dich andere sehen. Und danach kannst du ein Resümee für dich selber ziehen! Ob du dich wirklich ändern musst.

Denn bei mir war es ähnlich (mein Auftreten Anderen gegenüber). Ich war nach außen hin immer der harte Typ und hatte nie Angst vor einer Außeinandersetzung, aber zu mir selbst war ich immer mehr nachdenklich und eben dieser Konflikt führte bei mir zu Problemen.

Ich weiß zwar nicht ob du (oder irgendjemand) versteht was ich genau meine....was ich sagen will: Wenn du das Gefühl hast, dich vor anderen in irgendeiner Art und Weise zu verstellen, zeige denen, wie du wirklich tickst...und nur dann kannst du wirklich dazu lernen und wieder ernsthafte Bindungen und Freundschaften aufbauen.

Ich hoffe, ich konnte mich einigermaßen verständliche ausdrücken und wünsche dir noch alles Gute auf deinem weiteren Weg!

Alles Liebe,
Danne
Don't.........You don't
judge.........know
me............the truth.

Re: Ursprünglich glücklich und nun einsam

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