Der Klassiker - verliebt in Hetero Freund...

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Der Klassiker - verliebt in Hetero Freund...

Beitragvon roadrunner » 09 Jul 2016, 12:33

Hi zusammen,
ich habe mich jetzt mal hier angemeldet, weil ich mich einfach mal jemandem mitteilen muss. Auch wenn ich weiß, dass ich letztendlich nicht den ultimativen Rat hier erhalten kann und werde, aber ein paar Einschätzungen helfen vielleicht schon.
Bin 25 und Student. habe mich bislang immer nur in Heteros verliebt, es ist echt zum verrückt werden. Kenne auch einige Schwule, aber da kam gefühlsmäßig bei mir bislang nichts... Achso, wichtig vielleicht noch, dass ich nicht off. Geoutet bin, wobei es darum auch nicht im Kern hier gehen soll.

Nun aber zur aktuellen Situation, worum es eigentlich gehen soll. Habe mich vor einem halben Jahr mit einem Student angefreundet, der zwei Semester unter mir ist. Wir haben uns sofort super verstanden und die Freundschaft ist sehr "intensiv" nicht in irgendeiner sexuellen Form, sondern so, dass seitdem kein Tag vergangen ist, an dem wir nicht telefonieren, schreiben oder uns gesehen haben.

Ich helfe ihm beim Lernen, was auch ein Grund ist, warum wir uns häufig sehen. Deshalb darf man das vielleicht auch nicht überbewerten, da es schon meistens einen "Zweck" hat, wenn wir uns treffen oder telefonieren. Sehen uns so 2-3 mal pro Woche, auch bei ihm zu Hause und schreiben locker 50 Nachrichten am Tag im Schnitt. So intensiv hatte ich bisher eigentl. keinen Kontakt zu Freunden.

Zu ihm: er hat eine Freundin. Außerdem prahlt er gerne mit seinen ganzen Frauengeschichten, die er hatte, bevor er seine feste Freundin hatte und spricht auch gerne über Sex. Außerdem vergeht fast kein Tag, wo er nicht sagt "die würde ich gerne f..." Wenn wir hübsche Mädels sehen.

Das Thema Homos ist erstaunlicherweise auch sehr häufig bei uns Thema. Am Anfang sagte er, dass er mit Schwulen nichts zu tun haben will, und wenn Freunde von ihm sagen würden, dass sie schwul sind, würde er den Kontakt abbrechen. Darüber haben wir mal 2 Stunden diskutiert und ich konnte ihn etwas von seiner krassen Einstellung abbringen.

Ich zeige ihm schon, dass ich ihn sehr mag, sage so Sachen wie "mache ich nur für dich" vernachlässige für meine Klausuren zu lernen um mit ihm zu lernen usw. Auch das fällt unter die Kategorie "intensiv". Es scheint ihm schon zu gefallen, dass ich so viel für ihn tue. Er hat aber auch schon gesagt "hatte echt schon angst, du liebst mich" und wenn du schwul bist, sags mir nicht, damit wir weiter Freunde sein können usw.

Außerdem hat er schon gesagt, dass er mich zusammenschlagen würde, wenn ich ihn anfasse. Dann sagt er wieder, aber zum Glück sind wir beide ja nicht schwul. Dann sagt er, dass er denkt, dass Student XY schwul ist und bestimmt gerne was mit mir anfangen würde. Frage ihn wie er auf sowas kommt, meint er nur so halt. Oder er sagt, wenn ich einen Freund hätte und wäre fest mit dem zusammen, dann würde er mir vielleicht (!) nicht die Freundschaft kündigen. Er sagt sogar, wie er sich vorstellt, dass mich ein Mann nimmt und mir das gefällt. Und das alles ohne zu wissen, ob ich schwul bin. In der Richtung kommen also schon einige Anspielungen und er betont immer sehr oft, dass er ja auf keinen Fall schwul wäre oder werden würde. Letztens haben wir einen Film geschaut und er meinte für den (hübscher männl. Schauspieler) würde er sogar schwul werden im Spass halt..

Nun könnte ich noch viel mehr schreiben, aber es geht alles in eine ähnliche Richtung.

Meine realistische Einschätzung ist Folgende:
Er mag mich als sehr guten Freund, mehr ist da nicht, er ist 100% hetero. Seine homo Andeutung sollen vielleicht dazu dienen, mir zu signalisieren, dass er es vielleicht doch alzeptieren würde, weil er sich denkt, dass da bei mir was sein könnte. Weiß sonst nicht, wie ich dieses Thema deuten soll...
Meine unrealistische Hoffnung:
Die Andeutungen sollen signalisieren, dass es ihm vielleicht doch gefallen könnte und er evtl. bi ist.

Tja, was verfolge ich für eine Strategie: ich bin mir eigentlich zu 100% sicher, dass ich mich ihm nicht mitteilen werde. Ich schätze das Risiko als viel zu groß ein und werde mich lieber darüber freuen mit ihm befreundet zu sein und irgendwann hoffentlich nicht mehr in ihn verliebt sein....

Danke Euch für Eure Meinungen!

Der Klassiker - verliebt in Hetero Freund...

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GehtKlar
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Re: Der Klassiker - verliebt in Hetero Freund...

Beitragvon GehtKlar » 10 Jul 2016, 17:35

Hallo roadrunner,

dann versuche ich mal meine Meinung bzgl. deines Klassikers kund zu tun.

Ich denke die wichtigste Komponente in deiner Erzählung ist die Intensität des Kontaktes. So wie du diesen Kontakt beschreibst gibst du einiges an inhaltlichen Zuwendungen in Richtung deines Freundes ("mach ich nur für dich"). Mit diesen Zuwendungen sieht sich dein Freund konfrontiert und muss diese Zuwendungen nun in einen Kontext setzen. Deine Zuneigung, die sich aus den Zuwendungen ableitet, ist für ihn offensichtlich, aber er kann diese Zuneigung nur schwer einordnen. Was er aber machen kann ist dir zu kommunizieren worin er diese Zuneigung nicht eingeordnet haben möchte, nämlich in einem homosexuellen Kontext. Er umgeht mit seinen Aussagen quasi die konkrete Frage "Warum machst du das alles für mich?" und macht stattdessen die konkrete Aussage "Mach das alles bloß nicht aus homosexueller Zuneigung für mich!". Seine Ausflüge in das Themengebiet "Homo" klingen für mich nämlich sehr nach dem Versuch dir zu vermitteln, dass du liebend gern solche Zuwendungen machen darfst, aber dir keine homosexuelle Zuneigung damit bei ihm erkaufst.

Nach deinen Erzählungen wirkt euer Kontakt bzgl. der Intensität und einer Geben-Nehmen-Bilanz etwas in Schieflage. Diese Schieflage ist meiner Meinung nach bedingt durch die einseitige Verliebtheit deinerseits. Du kompensierst die emotionale Lücke aus dieser einseitigen Verliebtheit durch sein positves Feedback auf deine beschriebenen Zuwendungen. Du versuchst ihn durch deine Zuwendungen ein Stück weit abhängig von deiner Person zu machen, also versuchst ihm Dinge zu geben, die er nur bei dir bekommen kann. Diese quasi-Abhängigkeit löst in dir das Gefühl aus, dass er dich genauso brauche wie du ihn, obwohl du ihn eigentlich auf einer emotionalen Ebene brauchen würdest.

Ich würde dir empfehlen, dass du deine Zuwendungen zurückfährst und dich mehr auf dich besinnst. Wenn er es wahrnimmt, dann empfindet er es womöglich im ersten Moment sogar als befreiend, da er nicht mehr gezwungen ist abzugrenzen. Dieser Schritt kann für dich verletzend wirken, da du das Defizit aus deiner einseitigen Verliebtheit nicht mehr vollständig kompensieren kannst. Aber durch diesen Schritt hebst du auch deine emotionale Fixierung auf und kannst dich eher anderen öffnen, die dir dann wirklich auf einer emotionalen Ebene begegnen.

Ich hoffe meine Sicht deiner Dinge konnte dir ein wenig weiterhelfen.

Beste Grüße
GehtKlar

roadrunner
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Re: Der Klassiker - verliebt in Hetero Freund...

Beitragvon roadrunner » 11 Jul 2016, 00:04

Hallo Gehtklar, ich danke dir sehr für deine Einschätzung, die mir nochmal eine andere Perspektive gegeben hat. Sicher hast du recht, es gibt eine einseitige Schieflage. Wichtig für mich ist, mitzunehmen, dass da nichts gehen wird, so sehr ich mir dies auch wünsche. Ich bin mir sehr sicher, dass deine Einschätzung seiner Rückmeldungen ins Schwarze trifft. Ob ich meine Zuneigung und Unterstützung einschränken kann, kann ich im Moment nicht sagen. Auch wenn der Verstand natürlich sagt, dass das das Richtige wäre. Ich werde es aber im Hinterkopf behalten und versuchen, das Ganze auf eine freundschaftliche Ebene mit halbwegs ausgeglichenem Verhältnis zu bringen...

 


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