Stigmatisierung Psychischer Krankheiten

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Re: #MindOurFuture-Video by Akil

Beitragvon Zuri » 03 Jul 2016, 17:37

Akil hat geschrieben:So, ich habe mein Video auf Englisch gesprochen. Zufrieden bin ich zwar immer noch nicht, aber es hilft ja nix. Vielleicht bringt das Zuri ja mal langsam in Zugzwang :rat:

https://www.youtube.com/watch?v=pXwz_Jj ... l=JanPlewa


Wer ist damit schon zufrieden? Ich finde auch noch zig Dinge, woran ich bei mir etwas auszusetzen habe.

Dein Zugzwang hat etwas Gutes: Es sind nun noch zwei weitere Videos erschienen. Ein weiteres über Depression und eins über Introversion und Extraversion. Witzigerweise schauen trotz englischer Sprache immer noch fast 100% Deutsche die Videos^^

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Re: #MindOurFuture-Video by Akil

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Re: Stigmatisierung Psychischer Krankheiten

Beitragvon Joyful » 16 Jul 2016, 14:21

Finde das ganz schlimm wie mit psychischen Krankheiten teils umgegangen wird. Die Mutter zweier aus meinem Freundeskreis ist psychisch krank und die ganze Familie wehrt sich dagegen, sie in psychische Behandlung zu überweisen. ,,Was ist wenn das die Nachbarn erfahren.'' Dabei geht es der Frau und ihren Kindern (meinen Freunden) echt nicht gut mit der Situation.
Verstehe auch das Problem nicht. Nur weil jemand Hilfe bei einem Psychotherapeuten sucht, macht ihn das längst nicht zu einem unberechenbaren Psychopathen, vor dem man Angst haben müsste. Eine Freundin hat mir auch mal erzählt, dass sie zu einem Psychologen geht, weil ihr der Schulstress zuviel ist, ihr das aber total peinlich ist und sie es deshalb geheim hält.
Ich persönlich könnte mir nicht vorstellen, freiwillig zu einem Psychologen zu gehen. Weil ich der Meinung bin, Empathie kann man nicht durch ein Studium lernen und ich rede lieber mit Freunden und Menschen die etwas im Leben durchgemacht haben über meine Probleme, als mit jemandem, der alles nur trocken und theoretisch in seiner gepflegten Uni durch Bücher gelernt hat. Aber wenn es Leute gibt, die in Psychologen wirklich eine Hilfe sehen, weil sie vielleicht sogar lieber mit Leuten reden, die sie nicht kennen, damit sie unvoreingenommen sind, dann sollen sie das doch problemlos tun dürfen.
Der Mensch ist nunmal ein zerbrechliches Wesen. Und wahrscheinlich kommt jeder in seinem Leben mindestens einmal an einen Punkt, wo es ihm richtig richtig schlecht geht. Es seiden man hat wirklich so gar keine Lebenserfahrung oder ist noch sehr jung. Und wenn man da alleine nicht mehr rauskommt oder wirklich eine psychische Krankheit hat, dann ist es vielleicht nicht der schlechteste Weg sich Hilfe zu suchen. Ich habe auch einen Freund mit Depressionen und würde mir nichts sehnlicher wünschen, als dass er da rauskommt. Er war auch schon bei Psychotherapeuten aber die waren keine Hilfe, da sie nur immer die selben Ankreuzfragen gestellt haben. Und ich weiß auch nicht, wie ich ihm helfen kann. Wenn ich Fotos von uns von vor Jahren anschaue, dann sieht er so glücklich aus und ich will dass er wieder so glücklich wird.

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Re: Stigmatisierung Psychischer Krankheiten

Beitragvon Zuri » 18 Jul 2016, 20:30

Hey Joyful,
cool, dass du hier davon erzählst. Jeder geht mit Problemen um und es ist immer gut, zu hören, wie der eine oder andere damit umgeht. Ich denke, wenn man "alltägliche Probleme" hat, dann sind Freunde oft die bessere Hilfe als eine Person, die zwar durch ihr Studium ein großes Know-how hat, aber dich überhaupt nicht kennt. Ein Psychologe ist bei weitem aber nicht generell so ein Theoretiker, wie du vielleicht denkst. Aber Psychologen sind alle sehr verschieden. Sie lernen auch durch die Jahre ihrer Arbeit und den Kontakt mit Menschen, denn genau das ist Psychologie. Eine psychischer Erkrankung ist ja kein gebrochener Arm, den man sich mal direkt anschaut oder röntgt. Man kann nicht in die Menschen hineinsehen, ohne sie kennen zu lernen.

Bei psychischen Erkrankungen wissen Freunde dann oft auch nicht weiter und trauen sich nicht, zu helfen, aus Angst, Fehler zu machen. Bei einer psychischen Erkrankung ist es oftmals besser, auf professionelle Hilfe zurückzugreifen, aber ich glaube, man braucht da drei Sachen, um eine Balance zu haben. Das Bild ist nicht wissenschaftlich fundiert und stellt nur einen vagen zu Papier gebrachten Gedanken dar!
Drei Säulen, um Menschen mit psychischen Problemen zu stärken.png


Nicht jeder Psychologe passt zu jedem Patienten und nicht jeder Psychologe ist kompetent. Genauso wenig wie Menschen in anderen Berufen, obwohl es hier schön wäre, wenn das vorausgesetzt wäre. Das, was deinem Freund passiert ist, ist echt doof. Nicht jeder fühlt sich bei einem Psychologen wohl. Aber es sind bei weitem nicht alle so. Aber darauf will ich jetzt nicht herumreiten. Wie geht es deinem Freund denn jetzt und was hilft ihm denn so am besten?

Aber diese Stigmatisierung muss echt noch weiter abgebaut werden. Es ist erstaunlich, dass vielen das heutzutage immer noch peinlich ist. Das ist doch auch ein Teil unserer Gesellschaft. Es kann auch nicht nur daran liegen, dass es Leute gibt, die meinen, alles mit sich ausmachen zu müssen und nicht "verweichlicht" sein zu wollen. Das Verhältnis Therapeut-Patient ist ein bisschen wie das von Freier und Prostituierter/n, was auch keiner wissen soll...

Und du hast recht: Das Spektrum psychischer Erkrankungen ist groß. Manchmal denke ich, die Leute erwarten entweder einen Hannibal Lecter, oder einen Menschen, der dauerhaft am Weinen ist bzw. am Ende Suizid begeht. Das wäre für manche erst der zu erbringende Beweis. Das ist ein bisschen so, wie als Außerirdische kleine, grüne Marsmännchen zu erwarten. Dass die Leute nicht sagen, dass sie zum Psychologen gehen und Leute erstaunt sind, wenn sie das mitbekommen, zeigt doch, wie unerkannt psychische Erkrankungen eigentlich sind.
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Re: Stigmatisierung Psychischer Krankheiten

Beitragvon Joyful » 19 Jul 2016, 00:08

Das es bei einer psychischen Krankheit wie zum Beispiel einer Zwangsstörung, Schizophrenie, Borderline oder ähnlichem am besten ist, zu einem Therapeuten oder Psychiater (je nachdem wer für so was zuständig ist) zu gehen, das sehe ich ein. Andere Leute haben ja keine Ahnung, was man dagegen tut, oft kennen sie die Krankheiten nichtmal.
Aber bei Depressionen denke ich, dass man da wirklich sehr sensibel mit einem Menschen umgehen muss. Und wenn das nicht der Fall in der Therapie ist, kann es Kontraproduktiv sein.

Was meinen Freund angeht, es geht ihm nach wie vor nicht sehr gut. Er nimmt Antidepressiva. Was er früher auch schonmal getan hat. Wir sind halt wirklich sehr enge Freunde und ich kenne ihn sehr gut. Deshalb denke ich oft, dass ich weiß, was ihm fehlt und warum er in welcher Situation wie reagiert. Aber wenn ich versuche mit ihm darüber zu reden blockt er meistens ab und wechselt das Thema. Er sagt auch immer, dass es unwichtig ist, wie es ihm geht und ich mir keine Sorgen machen soll um ihn. :( Aber es ist nicht unwichtig. Wenn es ihm schlecht geht, geht es mir auch schlecht. Nebenbei ist mein Freund auch der Sohn von der psychisch kranken Frau und ich denke, dass das auch sehr viel Einfluss auf ihn hatte. Sein Bruder wohnt noch bei der Mutter und er sieht sich immer als die Verantwortungsperson für beide.

Jedenfalls habe ich mit der Zeit einen richtigen Hass auf Psychologen entwickelt. Er ist echt schon bei vielen gewesen, wahrscheinlich sogar noch vielen mehr als er mir erzählt hat. Er hat das auch hinter dem Rücken eines Teils seiner Familie gemacht (wegen Akzeptanz, wie erwähnt.) Aber keiner konnte oder wollte ihm helfen, und ich weiß auch nicht, wie ich ihm helfen kann. Manchmal denke ich, diese ganzen Psychologen werden nur fürs rumsitzen und Ankreuzzettel erstellen bezahlt, ohne das es sie annähernd interessiert, das es dem Patienten besser geht.
Aber kein Wunder. ich kenne 7 Psychologiestudenten. Und jeder einzelne von denen ist ein richtiger Vollarsch, der überhaupt nicht mit Menschen umgehen kann, nur über sich selbst und sein späteres Gehalt redet und von sich denkt, unglaublich intelligent zu sein und alles zu durchschauen, ohne es mal irgendwie unter Beweis zu stellen. Und in meinem Jahrgang früher wollten auch die aller schlimmsten Leute Psychologen werden, mit der Begründung, dass man da leicht gut verdienen würde und es ja ein gutes Ansehen hätte. Wenn solche Leute die zukünftigen Psychologen werden, dann kein Wunder, dass niemandem geholfen wird. Ich will das jetzt auch gar nicht pauschalisieren. Mit Sicherheit gibt es auch Leute die Psychologie Studieren wollen, um anderen zu Helfen. Aber da mein Freund und ich bis jetzt nur Vollidioten kenen gelernt haben denke ich, dass die Quote unfähiger Idioten in diesem Beruf ziemlich hoch ist. Garantiert über 50%. Okay tut mir Leid, die Wut spricht aus mir. Dennoch wollte ich das mal ausgesprochen haben. Das ist auch der Grund, warum ich nie zu einem gehen wollen würde.

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Re: Stigmatisierung Psychischer Krankheiten

Beitragvon Zuri » 20 Jul 2016, 07:19

Da gebe ich dir recht. Aber auch Freunde können sich unwissentlich solche faux-pas erlauben. Ein Psychologe oder Psychiater sollte (sollte tut es aber nicht unbedingt) über die Kompetenz verfügen, dies nicht zu tun und es auch nicht zu dem von dir benannten Abblocken kommen zu lassen; zumindest nicht dauerhaft. Vielleicht würde der richtige Psychologe oder Psychiater deinem Freund helfen, sich auch wieder dir mehr zu helfen.

Meinst du, die Antidepressiva helfen ihm? Die sind ja nur die eine Seite der Waagschale. Sie können eine Therapie in den allermeisten Fällen natürlich nicht ersetzen, sondern unterstützen sie nur. Alleine können sie dann natürlich nicht so viel leisten. Anders herum funktionieren die meisten Therapien auch ohne Antidepressiva nicht so gut.

Das sind natürlich absolut keine Argumente, die wirklich für ein Psychologiestudium qualifizieren würden. Das ist sehr bedauernswert. Aber ich denke kaum, dass wirklich alle Psychologen so sind. Ich habe ein paar kompetente Leute kennen gelernt, die ich da nicht mit über einen Kamm scheren würde.

Du musst dich keineswegs bei mir entschuldigen und ich kann deine Enttäuschung und Resignation auf dem Gebiet durchaus nachvollziehen. Ich bin zwar kein Psychologe (was vielleicht sogar besser ist :D), aber wenn du mal jemanden zum Reden brauchst (denn auch Angehörige/Freunde sollten dazu die Möglichkeit haben), kannst du mir gerne eine PN schreiben. Ich kann zumindest als Betroffener sprechen ;)
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Re: Stigmatisierung Psychischer Krankheiten

Beitragvon Leviathan » 16 Mär 2018, 20:29

TechBoy96 hat geschrieben:Die US-Amerikanische Organisation "Bring Change 2 Mind" ist nun vermehrt im Netz aktiv und kämpft mithilfe von Videos und Tweets (#MindOurFuture) gegen die Stigmatisierung psychisch Kranker (...)
http://bringchange2mind.org
https://www.youtube.com/channel/UCSfQOPrPbaFy6xZWxMwkF6g


Prima Beitrag und dank dir für die Links! :flag:

Ist dringend nötig, dass mehr Aufklärung betrieben und Toleranz gesät wird.
"Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt."
- Mahatma Gandhi

Re: Stigmatisierung Psychischer Krankheiten

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