Sexuell übertragbare Krankheiten (STI)

Hier könnt ihr euch über Gesundheitsthemen, Krankheiten und ihre Vorbeugung unterhalten.
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Sexuell übertragbare Krankheiten (STI)

Beitragvon gutgelaunt » 07 Jun 2016, 19:48

Hi Jungs,

Da wir zu diesem Thema bisher erstaunlich wenig haben, habe ich mir mal überlegt, dass ich hierzu mal einen Thread starten möchte. Ich möchte hier über sexuelle übertragbare Krankheiten informieren und werde hier nach und nach Krankheiten vorstellen. Fragen, Ergänzungen, Diskussion, Kommentare, Verbesserungsvorschläge und Ideen sind ausdrücklich erwünscht. Je nach dem, wie ich das zeitlich hinbekommen, werde ich hier unregelmäßig Beiträge schreiben.

Übersicht:

HIV/Aids
Hepatitis
HPV/Feigwarzen
Herpes Simplex
Krätze (Scabies)

________________________________________________________________________________________________________

Auch die schönste Nebensache der Welt birgt ihre Risiken. Wenngleich wir bei homosexuellem Verkehr nicht Gefahr laufen, dass man ganz plötzlich und über Nacht schwanger wird, so gibt es eine ganze Menge an sexuell übertragbaren Krankheiten, die man beim Akt übertragen kann. Die meisten Krankheiten sind inzwischen heilbar geworden.
Wirkungsvoll schützen kann man sich davor nur mit einem Kondom. Hierbei ist die Infektion nicht nur bei ungeschütztem Analverkehr, sondern auch bei ungeschütztem Oralverkehr möglich. Prinzipiell sogar immer beim Kontakt mit infektiösen Flüssigkeiten wie Blut, Ejakulat oder dem Lusttropfen. Deshalb kann es nur mit einem Kondom wirklich safe Sex sein.
Doch welche sexuell übertragbaren Erkrankungen gibt es und wie Verlaufen sie. Es folgt ein Überblick über die Erkrankungen.

Aids

Die Erkrankung Aids ist eine Immunschwächekrankheit und wird durch das Virus HIV (humanes [menschliches] Immunschwächevirus) übertragen. Es ist bisher nicht heilbar und es gibt auch keine Schutzimpfung. Aids ist daher immernoch Ursache für viele Todesfälle.

Infektion:
Das HI Virus befindet sich im Blut und im Sperma, sowie im Vaginalsekret, der Muttermilch und dem „Hirnwasser“ (Liquor) und kann daher durch Geschlechtsverkehr übertragen werden. Aufgenommen wird das Virus dann über Mikroverletzungen in Penis oder Darm und über die Schleimhäuten, z.B. der Mundschleimhaut oder der Darmschleimhaut. HIV wird nicht durch Speichelaustausch übertragen.

Erkrankung:
Nach der Infektion vermehrt sich das Virus im Körper und die Virusmenge steigt stark an. Das führt zwei bis sechs Wochen nach der Infektion zu einer akuten Viruserkrankung mit Grippesymptomen. Hierbei sind Fieber, Mündigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, sowie Appetitlosigkeit häufig, es kann aber auch zu anderen Grippesymptomen kommen. Nach dieser grippeähnlichen Erkrankung liegt die Virenmenge meist wieder unterhalb der Nachweisgrenze.

Hiernach beginnt die Latenzphase, also die Zeit bis zum Ausbruch der Krankheit Aids. Diese dauert durchschnittlich zehn Jahre, wobei es auch Betroffene gibt, die einige Monate nach der Infektion schon Aids entwickeln und Betroffene die noch deutlich länger ohne Aids leben.

Nach etwa 10 Jahren kommt es zu den ersten Symptomen, die dann in die Krankheit Aids übergehen.
Die HI-Viren befallen die sog. T-Helferzellen des Immunsystems. Die T-Helferzellen sind eine Art „Kommunikationssystem des Immunsystems“, da sie grundlegend an den Prozessen der Immunantwort beteiligt sind, indem sie Erreger erkennen und die Immunabwehr aktivieren. Das HI Virus befällt diese Zellen und schwächt so das Immunsystem, indem es die T-Helferzellen nach und nach zerstört. Das führt zur eigentlichen Erkrankung Aids, während die grippeähnliche Erkrankung kurz nach der Infektion nur Folge der hohen Virusmenge war.

Im Verlauf der eigentlichen Erkrankung Aids kommt es dann zunächst zu vielen Infektionserkrankungen mit verschiedensten Symptomen, aber auch Nachtschweiß, Gewichtsverlust, Lymphknotenschwellungen, Hauterkrankungen, Pilzen und Gürtelrose. Wenn eine gewisse Anzahl an T-Helferzellen zerstört ist und die Zahl der aktiven Zellen zu niedrig ist, können auch einfachste Infektionen nicht mehr abgewehrt werden. Die Zahl der Infektionen und Pilze nimmt zu, es folgen auch lebensbedrohliche Tumorerkrankungen, sowie Erkrankungen des Gehirns und des Nervensystems. Das führt schließlich zum Tod.

Aids ist nicht heilbar, es gibt auch keine Schutzimpfung gegen die Erkrankung, daher ist Vorbeugung extrem wichtig. Mittlerweile sind die Medikamente gegen Hi-Viren richtig gut geworden. Wenn man frühzeitig die Diagnose erhält und antiviral behandelt wird, hat man nahezu gleiche Lebenserwartung, wie ohne HIV. Man muss allerdings lebenslang und therapietreu Medikamente nehmen und regelmäßig Kontrolluntersuchungen machen. Gut eingestellte Patienten sind unter der Nachweisgrenze der Viren und daher kaum bis nicht infektiös. Zudem lässt sich durch PREP (Prä-Expositions-Prophylaxe) also Vorsorge vor dem Kontakt die Ansteckungsgefahr weiter senken. Bei Verdacht auf eine Ansteckung kann eine Post-Expositions-Prophylaxe durchgeführt werden. Je schneller, umso höher die Chance eine Ansteckung zu verhindern. Ideal ist ein Zeitfenster bis 24h (bester Erfolg unter 2h), nach 72h macht das keinen Sinn mehr.

Schutz vor der Krankheit:
Schutz vor der Krankheit bietet der Gebrauch von Kondomen beim Sex, das Vermeiden von Kontakt mit fremdem Blut z.B. an Spritzen oder Tattoonadeln, sowie ein gesundes Maß an Vorsicht.
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Sexuell übertragbare Krankheiten (STI)

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Re: Sexuell übertragbare Krankheiten (STI)

Beitragvon michael90 » 09 Jun 2016, 17:57

Was mich generell mal interessieren würde: sind alle STI im Blutbild nachweisbar? Und kann man sich "was einfangen", wenn beide Partner gesund sind?
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Re: Sexuell übertragbare Krankheiten (STI)

Beitragvon gutgelaunt » 09 Jun 2016, 19:53

michael90 hat geschrieben:Sind alle STI im Blutbild nachweisbar?

Es sind nicht alle Geschlechtskrankheiten einwandfrei übers Blut nachweisbar. Bei einigen ist das möglich, aber es gibt Ausnahmen, wo sich andere Nachweise besser eignen. Trichomonaden zum Beispiel sind kleine Parasiten, die sich durch den Geschlechtsverkehr übertragen. Ein Nachweis dieser Parasiten erfolgt über den Urin oder das Protatasekret. Chlamydien werden auch eher über den Urin nachgewiesen. Tripper wird beim Arzt oft über einen Abstich nachgewiesen, von dem dann im Labor eine Kultur angelegt und untersucht wird. Bei Intimpilz wird der Arzt auch eine körperliche Untersuchung durchführen.

Ich habe mir überlegt, dass ich ab sofort die Nachweise der einzelnen STI's mit in die Vorstellungen packen werde, die folgen. Im Falle von HIV und der daraus entstehenden Krankheit Aids kann ich aber jetzt schon was sagen...

Den Erreger HIV kann man direkt übers Blut nachweisen. Bei dem Erreger HIV testet man nicht auf den HI Virus selbst, sondern auf Antikörper, die das Immunsystem gegen den Erreger gebildet hat. Das setzt voraus, dass das Immunsystem bereits tätig gewesen sein muss. Frische HIV Infektionen kann man daher mit diesem Verfahren nicht nachweisen. Es dauert 3-12 Wochen, bis das Immunsystem Antikörper bildet, je nach Betroffenem anders. Ziemliche Sicherheit beim Nachweis von HIV hat man also erst ab dem 3. Monat nach der Infektion.

michael90 hat geschrieben:Und kann man sich "was einfangen", wenn beide Partner gesund sind?

Jetzt kommt‘s auf die Definition des Wortes "gesund" an.

Wenn jemand kein Aids hat und somit „gesund“ ist, bedeutet das ja nicht, dass er nicht Träger des Erregers HIV ist und somit HIV beim Verkehr übertragen kann. Viele Hepatitisinfektionen verlaufen ohne Symptome. Hier ist man auch nur vermeintlich gesund, denn man merkt gar nicht, dass man daran erkrankt ist.

Also wer ganz sicher gesund und NICHT Träger einer Geschlechtskrankheit ist, der kann auch nichts übertragen. Wenn beide Partner gesund und nicht Träger sind, so kann beim Sex auch nichts übertragen werden. In diesem Fall kann man sich nichts einfangen.
Aber viele können dafür nicht garantieren und dann ist es noch so eine Frage, ob man den Personen auch wirklich glauben kann, wenn sie sagen, „ich bin gesund“. Deshalb sollte man prinzipiell immer ein Kondom beim Sex tragen. So zwei komische Stücke Latex können einen vor so viel Sorge bewahren und selbst wenn man sich lange kennt, schadet das gelegentlich nicht, auch mal ein Gummi zu tragen. Darmbakterien haben in der Harnröhre nichts zu suchen und verursachen auch schon mal einen Harnwegsinfekt.
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Re: Sexuell übertragbare Krankheiten (STI)

Beitragvon gutgelaunt » 09 Jun 2016, 20:12

Hepatitis

Hepatitis ist eine Leberentzündung und wird durch Viren übertragen. Wenn eine Hepatitis nach 6 Monaten ausgeheilt ist, dann gilt sie als akute Form. Erkrankungsverläufe, die mehr als 6 Monate andauern, gelten als chronisch. Man unterscheidet einige Typen von Hepatitis. Die wichtigsten drei Typen sind Typ A, B und C.

Typ A
Hepatitis A wird durch den Erreger HAV (Hepatitis A Virus) übertragen. Wer sich hiermit infiziert und die Erkrankung überstanden hat, gilt als immun. Es ist auch eine Impfung möglich, mit der man ebenfalls Immunität erreicht.

Infektion:
Hepatitis A Erreger werden oral aufgenommen und über den Kot ausgeschieden. Es muss hier ein oral-analer Kontakt entstehen, um sich mit Hep. A anzustecken. So ein Kontakt kann beispielsweise über eine Anal-Hand-Mund oder Anal-Mund Übertragung bei analen Praktiken entstehen und das Virus von Darm in den Mund des Sexualpartners schleusen.
Nicht sexuelle Übertragung entsteht bei Kontakt vom kleinsten Teilen von Tierexkrementen in der Nahrung.

Erkrankung:
Von der Ansteckung mit dem Erreger bis zum Ausbruch der Erkrankung liegt eine Zeitspanne (Latenzphase) von 2-4 Wochen. Hepatitis A hat keinen chronischen Verlauf, kann sich aber akut über Wochen oder gar Monate ziehen. Symptome sind Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und allgemeine Grippesymptome. Jeder 3. hat eine gelbe Hautfärbung.
Es existiert keine Therapie gegen die Viren, es gibt keine Medikamente gegen die Erkrankung, weshalb man die Symptome behandelt. Außerdem sind Schonung und Ruhe hier das Mittel der Wahl.

Schutz vor der Krankheit

Der beste Schutz bietet eine Impfung gegen Hepatitis A. Man gibt abgetötete Viren, die das Immunsystem jedoch noch erkennt. So baut sich im Körper ein Schutz auf (Antikörper und Antikörper produzierende Gedächtniszellen), ohne das man Gefahr läuft, sich anzustecken. Bei einer Ansteckung kann man direkt Antikörper impfen, die das Virus dann in Schach halten. Das sollte aber spätestens 2 Wochen nach der Ansteckung geschehen.

Typ B
Hepatitis B wird durch das hochansteckende Virus HBV übertragen und es ist eine der am meisten vorkommen Krankheiten, die sexuell übertragen werden. Eine überstandene Erkrankung bietet eine dauerhafte Immunität, auch eine Impfung ist möglich und bietet wirksamen Schutz gegen das Virus.

Infektion:
Bereits kleinste Mengen an Körperflüssigkeit reichen für eine Ansteckung aus. Es ist nicht nur im Blut, Lusttropfen und Ejakulat enthalten, sondern auch im Urin und Speichel und macht deshalb nicht nur Analverkehr, sondern auch Oralverkehr ansteckend und zwar auch ohne Schlucken des Spermas. Auch über Sexspielzeuge kann es übertragen werden, wenn man diese gemeinsam verwendet.

Erkrankung:
Die Latenzphase von Hepatitis B Viren liegt bei einem bis sechs Monaten. Zwei Drittel der Erkrankungen verlaufen ohne Symptome, bei einem Drittel der Erkrankten treten Gelbfärbung der Haut, dunkler Urin, Oberbauchschmerzen, Durchfall, Erbrechen und Grippesymptome auf, ähnlich wie bei der Hepatitis A Erkrankung. Seltener verläuft die Erkrankung schwerer. Bei etwa 15% der Fälle verläuft die Erkrankungen chronisch, d.h. sie kuriert nach 6 Monaten nicht von selbst aus. Hierbei dauert die Entzündung der Leber deutlich länger an und verläuft in der Regel beschwerdefrei.

Hepatitis B kann nicht durch Medikamente geheilt werden. Meist verheilt die durch den HBV verursachte Leberentzündung von allein. Sollte es sich zu einem chronischen Verlauf entwickeln, kann man Medikamente geben, die die Virusmenge senken sollen. Es gibt allerdings keine Garantie dafür, dass diese Medikamente die gewünschte Wirkung erzielen.

Schutz vor der Krankheit:

Wirksamen Schutz vor der Krankheit bietet eine Schutzimpfung, die zu Immunität führt.

Typ C
Hepatitis C wird durch den Erreger HCV übertragen. Es gibt keine wirksame Schutzimpfung gegen den Hepatitis C Virus. Der Virus wird relativ selten durch sexuelle Praktiken übertragen.

Infektion:
Der Erreger wird durch das Blut übertragen. Wenn bei sexuellen Praktiken Blut im Spiel ist, dann besteht ein erhöhtes Übertragungsrisiko. Allgemein ist die sexuelle Übertragung der Krankheit eher seltener. Hepatitis C ist sonst vor allem bei Drogenabhängigen eine häufige Erkrankung, wo es unter anderen durch gemeinsamen Gebrauch der Spritze übertragen wird.

Erkrankung:

Hepatitis C hat eine Inkubationszeit von 20 bis 60 Tagen und nimmt häufig einen chronischen Verlauf, d.h. es entwickelt sich zu einer sehr langen oder gar dauerhaften Leberentzündung. Es weist die gleichen Symptome wie die anderen Typen der Erkrankung auf, verläuft aber meist symptomlos, weshalb es oft lange unbemerkt bleibt. Unbehandelt führt es bei vielen Patienten im Verlauf der Jahre zu einer Leberzirrhose und erhöht das Risiko an Leberzellkrebs zu erkranken, einer Krebsart mit sehr schlechter Prognose. Hepatitis C heilt von allein nur selten vollständig aus und es gibt keine Schutzimpfung.

Die Therapie hat sich in den letzten Jahren sehr verbessert. Es existieren immer bessere Medikamente, die eine Heilungschance von 99% bieten. Allerdings ist diese Therapie sehr kostenspielig und kostet bis zu 300.000€. Die Übernahme der Therapiekosten bringt dann einige Probleme mit sich.

Schutz vor der Krankheit:
Wirksamer Schutz bieten schon der Gebrauch von Kondomen beim Sex und ein gesundes Maß an Vorsicht.

Nachweis von Hepatitis:

Der Nachweis von Hepatitis erfolgt über einen Bluttest. Man kann auf die Antikörper gegen das Virus testen oder auf die DNA des Erregers mit einem speziellen Gentest.
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Re: Sexuell übertragbare Krankheiten (STI)

Beitragvon gutgelaunt » 13 Jun 2016, 17:56

Feigwarzen (HPV)

Feigwarzen gehören zu den gutartigen Tumoren. Sie wachsen oft unkontrolliert, siedeln sich als Geschlechtskrankheit im Anal- und Genitalbereich an und entstehen durch das humane Papillomavirus (HPV). Es ist also eine Viruserkrankung. Es gibt über 140 Typen von Feigwarzen, gegen die häufigsten Typen der Feigwarzen gibt es eine Schutzimpfung. Sie bieten dann in 70% der Fälle Schutz. Diese Impfung bietet Schutz vor HPV verursachtem Gebärmutterhalskrebs bei Frauen und wird langsam auch für Jungs als Impfempfehlung eingeführt.

Infektion:
HPV wird hauptsächlich durch Hautkontakt übertragen. Es ist sehr ansteckend und deshalb eine der häufigsten Geschlechtskrankheiten. Kleinste virusinfizierte Teile oder Schuppen der Warze sind bereits ansteckend. Wenn Feigwarzen in der Harnröhre sitzen, so wird auch das Sperma oder der Lusttropfen infektiös. Aufgrund des hohen Ansteckungsrisikos ist z.B. auch gemeinsames Benutzen von Handtüchern und ähnliches ein Risiko. Allerdings treten Feigwarzen nur in einigen Fällen als Symptom der Erkrankung auf. Viele haben schon mal eine oder mehrere HPV Infektionen durchgemacht, ohne es zu wissen. Die Warzen können auch in andere Körperregionen wandern, was beispielsweise durch eine Intimrasur in der betroffenen Region ausgelöst werden kann.

Krankheit:
HPV haben eine Inkubationszeit von 3 Wochen bis 8 Monaten und in nur wenigen Fällen bilden sich Feigwarzen. Sie siedeln sie sich einzeln oder in Gruppen an und werden meist so groß wie ein Stecknadelkopf, sie können aber auch zu mehreren Zentimeter großen Wucherungen heranwachsen. Sie sind meist rot, braun oder weiß und selbst schmerzlos. Es kann aber zu juckenden oder schmerzenden Entzündungen rund um die Warzen kommen. Sie haben unterschiedliche Formen und können flach und kaum erkennbar sein oder sich zu rundlichen Warzen entwickeln. Sie sind Symptom des HP Virus.
Als Geschlechtskrankheit entstehen sie je nach sexueller Praktik am Penis, der Vorhaut, der Eichel und dem Analbereich, aber auch an Wunden im Genitalbereich oder im Mund- und Rachenraum.

Es gibt risikoärmere Typen, die recht harmlos sind. In den meisten Fällen der sexuellen Übertragung handelt es sich um einen solchen sog. Low-Risk Typ. Einige Typen haben jedoch das Risiko zu entarten und sich zu einem bösartigen Tumor zu entwickeln. Durch diese High-Risk Typen entsteht häufig Analkrebs oder Peniskrebs. Daher sollte man Feigwarzen immer als ernstzunehmende Erkrankung ansehen.
Bei einem Drittel der Betroffenen heilen sie von selbst wieder aus, was aber Monate dauern kann. Häufig ist aber eine medizinische Behandlung notwendig. Die HP Viren bleiben nach einer Infektion oft jahrelange inaktiv, weshalb es bei Feigwarzen immer ein Risiko gibt, das diese nach einiger Zeit erst (neue) Genitalwarzen bilden. Es ist bei Ansteckung grundsätzlich immer ratsam, sich in medizinische Behandlung zu begeben. Hierbei stehen medikamentöse Behandlungen oder eine operative Entfernung zur Wahl.

Nachweis von HPV:
Der Nachweis erfolgt über einen Abstrich oder Gewebeproben der betroffenen Region, die auf die HP Viren getestet wird. Man testet hier nicht auf einen speziellen der 140 Typen, sondern in erster Linie ob ein High Risk Typ vorliegt oder nicht. Bei etwa einem Viertel aller HPV Typen spricht dieser Test an. Bei Typen, die nicht ansprechen, ist dieser Test falsch negativ. Der Test ist also nicht 100% zuverlässig.

Schutz vor der Krankheit:
Bei Feigwarzen bieten Schutzimpfungen gegen die zwei häufigsten Typen schon etwas Sicherheit. Man sollte die Feigwarzen nicht berühren und sich im Falle einer Berührung gründlich die Hände waschen. Kondome bieten auch viel Sicherheit, wenn auch hier nicht so viel Sicherheit wie gegen andere sexuell übertragbare Erreger wie HIV oder Hepatitis. Das Vermeiden von häufig wechselnden Sexualpartnern und ein gesundes Maß an Vorsicht sind zudem auch ratsam, um sich vor HPV zu schützen.
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Re: Sexuell übertragbare Krankheiten (STI)

Beitragvon michael90 » 14 Jun 2016, 18:39

Nur mal ne allgemeine Frage: wenn man das alles so liest, möchte man glauben, dass man am besten niemals ungeschützten Verkehr haben sollte. Ist dem so? Wann kann ich mit meinem Freund ohne Gummi schlafen?
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Re: Sexuell übertragbare Krankheiten (STI)

Beitragvon gutgelaunt » 14 Jun 2016, 21:01

Naja ein ungeschützter Verkehr ist nunmal das, was es ist, ungeschützt, d.h. es birgt immer das Risiko, dass man sich mit einem von vielen Geschlechtskrankheiten anstreckt. Einziger wirklich wirkungsvoller Schutz, um viele Krankheiten zu verhindern oder zumindest das Risiko enorm zu reduzieren, ist das Kondom. Und jetzt sollte sich jeder selbst überlegen, ob und wann er diesen Schutz abgibt. Für mich sind die ersten Male Sex mit jemanden oder beim Sex mit verschiedenen Partnern auf jedenfall schützenswert. Alles an Risikokontakten.

Wenn man beim Freund, den man vielleicht länger kennt, den Schutz aufgeben will, dann kann man sich ja vielleicht gemeinsam auf STI's testen lassen. Aber auf jeden Fall ist Vertrauen sehr wichtig. Wenn der Freund einen zum Beispiel betrügt (was man keinem wünscht) und sich dort was holt, dann hat man auch in einer längeren Partnerschaft und bei langer Zeit ungeschützten Sex nach ein Risiko einer Infektion.

Und jetzt kommt man selbst ins Spiel...

michael90 hat geschrieben:möchte man glauben, dass man am besten niemals ungeschützten Verkehr haben sollte. Ist dem so?

Wenn man wirklich den bestmöglichen Schutz haben will, dann ja.

michael90 hat geschrieben:Wann kann ich mit meinem Freund ohne Gummi schlafen?

Das liegt an einem selbst. Ab dem Zeitpunkt wo man sich absolut vertraut und bereit ist für den Freund den Schutz aufzugeben. Aber ein Patentrezept gibt es da nicht.
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Re: Sexuell übertragbare Krankheiten (STI)

Beitragvon gutgelaunt » 17 Jun 2016, 17:01

Herpes Simplex

Diese Erkrankung wird durch die Herpes-simplex Viren (HSV) übertragen und zählt zu den Viruserkrankungen. Umgangssprachlich wird oft einfach nur von der Krankheit Herpes gesprochen. Die häufigsten Typen sind der Genitalherpes und der Lippenherpes. Viele Erwachsene haben eine dieser beiden Formen von Herpes. Der Typ 1 Virus (HSV 1) verursacht Lippenherpes, kann aber auch Genitalherpes verursachen. HSV Typ 2 verursacht Genitalherpes.

Nice to know: Virus Typ 1 und 2 sind eng miteinander verwandt. Typ 3 des Herpesvirus verursacht Windpocken und Gürtelrose. Man spricht aber bei Windpocken selten bis nie von Herpes Typ III.

Infektion:
Die Herpesbläschen werden durch Hautkontakt und durch eine Schmierinfektion übertragen. Das kann bei Lippenherpes über den Kuss und bei Genitalherpes über Intimkontakt geschehen. Gelangt das HS Virus einmal in den Körper, so bleibt es dort lebenslang. Hierbei verläuft die erste Infektion mit dem Virus oft ohne Symptome.

Krankheit:

Die Herpesviren haben eine Ausbruchszeit der Erkrankung (Inkubationszeit) von bis zu einer Woche. Es kann aber auch schon nach ein paar Tagen zum Ausbruch der ersten Erkrankung kommen. Die Erstinfektion bleibt aber oft symptomlos. Herpesviren verschwinden nach dem Ausbruch der Erkrankung nicht einfach aus dem Körper, sondern ziehen sich in Nervenzellkerne zurück. So sind sie für unser Immunsystem nicht erkennbar. Sie verbleiben deshalb also lebenslang im Körper, da das Immunsystem sie nicht finden und vernichten kann.

Beim Lippenherpes verbreiten sich die Herpesviren über die Nervenbahnen und verbleiben schließlich lebenslang in einer Nervenzellwurzel, die Teile des Gesichts vorsorgt. Hier kommt es nun im Laufe des Lebens immer wieder zu Ausbrüchen der Herpeserkrankung. Deshalb bilden sich kleine juckende, schmerzende Bläschen oder Geschwüre immer in den gleichen Bereichen des Gesichts. Warum genau sich in bestimmten Situationen plötzlich Herpesbläschen bilden ist nicht bekannt. Stress, Belastung, Erkältung oder Ekelempfinden sind aber häufig Auslöser oder begünstigen die Bildung dieser Bläschen.

Bei Genitalherpes verstecken sich die Herpesviren nach dem 1. Ausbruch in den Nervenzellwurzeln des Rückenmarks im Bereich des Steißes. Diese versorgen den Genitalbereich. So bricht die Erkrankung auch später immer wieder um und an den Geschlechtsorganen aus und bildet kleine juckende, schmerzende und hochansteckende Geschwüre.

Herpes kann man nicht heilen und gegen Typ 1 und 2 der Viren sind gerade Impfstoffe in der Test- und Entwicklungsphase. Gegen Windpocken (Typ 3) gibt es mittlerweile eine fertige Schutzimpfung. Mit Medikamenten namens Virostatika kann man das Wachstum der Viren hemmen und so bei einem Ausbruch eine Abheilung beschleunigen.

Nachweis von Herpes simplex
Bei akuten Infektionen befindet sich das Virus noch im Blut. Da kann man dann auf Antikörper gegen des Virus testen. Wenn sich die Viren erstmal in die Nervenzellwurzeln zurückgezogen haben, sind sie für das Immunsystem unsichtbar. Hier ist also ein Test auf Antikörper nicht erfolgversprechend, da ein „blindes“ Immunsystem keine Antikörper produziert, die das Virus angreifen können. Man kann auch bei einem Abstrich des Bläschen direkt auf das Virus testen, zum Beispiel mit einem Test auf das Erbgut des Virus.

Schutz vor der Krankheit

Bei Verdacht auf Lippenherpes sollte man auf Küssen verzichten und nicht die gleichen Gläser oder Handtücher verwenden. Beim Sex sollte man sich auf jeden Fall mit einem Kondom schützen, wobei das nicht absolute Sicherheit gibt, keine häufig wechselnden Sexualpartner und bei Verdacht auf Herpes im Genitalbereich am besten keinen Sex, bis die Erkrankung abgeheilt ist. Ein gesundes Maß an Vorsicht ist auch hier hilfreich.
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Re: Sexuell übertragbare Krankheiten (STI)

Beitragvon DasLysander » 06 Mär 2019, 17:35

Aus gegebenem Anlass ergänze ich diese Liste mal um einen Eintrag. Ich weise aber darauf hin, dass ich keine medizinische Ausbildung habe, und ihr euch im Falle des Falles eh am besten bei eurem Arzt informiert. ;)

Scabies (Krätze)

Scabies ist nicht wirklich eine sexuell übertragbare Krankheit im engeren Sinne, man muss keine Köperflüssigkeiten austauschen um es zu bekommen, es braucht dafür nur einen längeren Körperkontakt. Tatsächlich handelt es sich dabei nämlich um den Befall mit einer bestimmten Milbenart, also um winzige spinnenartige Parasiten, die die entsprechenden Symptome auslösen. Scabies war in Deutschland lange kein großes Problem mehr, in letzter Zeit steigt die Quote allerdings wieder stark an. Entgegen gängigen Meinungen hat Krätze nichts mit mangelnden hygienischen Verhältnissen zu tun.

Übertragen werden die Milben durch längeren direkten Körperkontakt, also zum Beispiel Sex - ein Händeschütteln oder eine gewöhnliche Umarmung reicht nicht aus -, oder durch indirekten Körperkontakt. Das kann zum Beispiel bei Couchsurfing etc. passieren, indem man in einem Bett schläft, in dem sich die Milben eines Vorgängers befinden.
Befindet sich eine befruchtete weibliche Milbe auf der Haut, beginnt sie, sich in den obersten Hautschichten einen Gang zu graben. Dabei hinterlässt sie hinter sich Milbeneier und Kot. Die Milbe stirbt irgendwann in dem Gang, sie kommen ca. einen Zentimeter weit. Aus den Eiern schlüpfen Larven, die auf der Haut leben, bis sie nach einigen Tagen ebenfalls das Milbenstadium erreichen, sich paaren und sich (im Falle der Weibchen) wieder eigene Gänge graben.

Symptome:
Bei einem Erstbefall treten die Symptome erst nach 4-6 Wochen auf. Das eigentliche Problem sind dabei die abgestorbenen Milben und der Kot in der Haut, die eine allergische Reaktion der Haut auslösen, es kommt zu juckenden Ekzemen, also kleinen roten Pünktchen, die darauf hinweisen, dass die Haut vom Kontakt mit den Giftstoffen gestresst ist. Die Milbengänge lassen sich ebenfalls beobachten, an ihnen lässt sich der Scabiesbefall eindeutig nachweisen. Sie befinden sich vor allem in Regionen mit weicher Haut, an den Händen zwischen den Fingern, an den Füßen entsprechend an den Zehen, im Intim- und Achselbereich. Das Gesicht und die Kopfhaut wird nur bei Babys oder von einer speziellen Art befallen, also in der Regel nicht.

Therapie:
Nachdem der/die Hautärzt*In die Gänge und toten Milben darin erkannt hat, verschreibt er entweder eine Creme oder Tabletten. Beides enthält Giftstoffe, die die Milben und Eier in der Haut töten. Wichtig ist dabei, darauf zu achten, eventuell in der Wohnumgebung verteilte Milben zu entfernen. Dazu wird am besten das Bett (unter Benutzung von Latexhandschuhen) frisch bezogen, der Boden und andere Oberflächen, zb Stühle, abgesaugt, getragene Kleidung, benutzte Handtücher und andere Textilien entweder bei 60°C gewaschen, für einige Tage in einen Plastiksack gesteckt oder für zwei Tage ins Tiefkühlfach gelegt. Wie lange die Milben außerhalb des Körpers überleben, hängt stark von den äußeren Bedingungen ab: Bei trockener warmer Luft sind es höchstens drei Tage, in einem kühlen feuchten Klima zwei Wochen.
Die Tablette wird einfach eingenommen, die Creme muss nur mit Ausnahme der Schleimhäute und des Gesichts am ganzen Körper aufgetragen und 8 Stunden lang einwirken gelassen werden, das passiert am einfachsten über Nacht. Danach wird geduscht und die Bettwäsche erneut gewechselt. Die Ekzeme können danach noch einige Wochen bleiben, manchmal reagiert die Haut auf die Creme auch mit noch mehr Ekzemen, mit der Zeit wird es weniger.

Sich vor Scabies zu schützen ist im Prinzip nicht möglich, auch wenn natürlich gilt, je weniger wechselnder Hautkontakt mit unterschiedlichen Menschen und deren Bett, desto sicherer. Panik ist allerdings nicht nötig, das Schlimmste, was passieren kann, ist heftig juckender Ausschlag am ganzen Körper. Zu einem verantwortungsvollen Umgang mit seinen Sexpartnern würde nach einer Diagnose gehören, bis zur abgeschlossenen Therapie auf unnötigen intimen Körperkontakt zu verzichten (abgesehen vom Partner, der wird sowieso gleich mittherapiert), und eventuelle Sexpartner der letzten Wochen über eine mögliche Infektion zu informieren.
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Re: Sexuell übertragbare Krankheiten (STI)

Beitragvon gutgelaunt » 08 Mär 2019, 17:09

Oh cool, vielen Dank. Ich muss mich mal hinsetzen und meine Einträge korrigieren. Da ist vieles obsolet (veraltet) und nicht mehr zutreffend.


###Update
Habe alle bisherigen Artikel von mir ein wenig korrigiert. Versuche in naher Zukunft mal die eine oder andere neue Erkrankung mit reinzunehmen.

DasLysander: Danke für den Artikel, beim schnellen drüberlesen scheint das für mich alles Schlüssig zu sein :) Habs mal oben mit verlinkt :)

Aus gegebenem Anlass ergänze ich diese Liste mal um einen Eintrag.
Musst aber jetzt nicht immer wen finden, der die Krankheiten ausprobiert, um etwas neues zu verfassen :)
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Re: Sexuell übertragbare Krankheiten (STI)

Beitragvon DasLysander » 21 Mär 2019, 13:13

gutgelaunt hat geschrieben:Musst aber jetzt nicht immer wen finden, der die Krankheiten ausprobiert, um etwas neues zu verfassen :)

ach, Feldforschung wird völlig unterbewertet. :)
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Re: Sexuell übertragbare Krankheiten (STI)

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