depressive Disposition (?) – wie ich erst anderen helfen wollte

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depressive Disposition (?) – wie ich erst anderen helfen wollte

Beitragvon Zuri » 01 Aug 2015, 23:34

Oh ja, ein grauenhafter Titel eigentlich, aber bei dem Thema ist das ja oft ein ähnliches Schema...

Tja, was will ich noch neues erzählen. Das weiß ich nicht. Ich versuche aber einfach mal, wieder etwas zu erzählen und vielleicht erkennt sich jemand oder einen bekannten wieder. Ich will nicht damit angeben, aber auch kein Mitleid, ich sehe einfach nur die Chance, hier mal darüber zu schreiben, auch wenn meinem Umfeld davon ebenfalls weiß. Okay, was soll's, ich fange dann mal an:

Ich habe wahrscheinlich eine depressive Disposition. "Was ist das?", werden jetzt viele Fragen und "warum 'wahrscheinlich'?". Um die Fragen nach der Reihenfolge zu beantworten: Per Definition ist die depressive Disposition, die Gefahr, in nächster Zeit an einer Depression zu erkranken, da bereits Symptome (vereinzelt oder mehrere schwache) da sind und/oder bereits eine depressive Phase durchlebt wurde. Das Warum: Ja, ich muss zugeben, ich war noch nicht beim Arzt, aber ich bin mir recht sicher. Dazu aber später mehr.

Als erstes war mir das gar nicht bewusst. Viel mehr Sorgen habe ich mir um meinen Bruder gemacht. Daraufhin hatte ich mich viel informiert und fühlte mich in vielen Punkten in meiner Annahme bestätigt. Währenddessen war mein Opa wegen einer schweren Depression im Krankenhaus und von einem Kumpel wusste ich, dass er auch depressiv ist und bereits Jahre damit kämpft und sich deshalb recht gut mit der Erkrankung auskennt (ja, ziemlich viele Depressive, ich weiß. Hört sich ganz nach einer Modeerscheinung an; vielleicht sogar nach dem "Wunsch", es selber zu sein. Aber ich kann euch versichern, dass es das nicht ist). Auf Twitter gibt es den Hashtag #NotJustSad, unter dem ich viel gelesen und mich auch mit Betroffenen unterhalten habe.

Tja, das mal so als Einstieg. Ich habe dann parallel dazu angefangen, für den Verein, den ich mit ein paar anderen gründen will, Blogposts zu diesem und anderen Themen zu schreiben. Wer Interesse hat, kann die auch gerne mal lesen. Ich weiß noch, ob ich sie verlinke, direkt poste oder auf Anfrage an Interessierte weitergebe. Kommt wahrscheinlich auf das allgemeine Interesse an. Dann berichtete mir mein anderer Bruder, dass er schon seit Jahren depressiv ist. Und irgendwann – es tut mir leid, dass ich nicht weiß, wann das war, oder was das ausgelöst hat. Es war halt ein schleichender Prozess – habe ich mich dann gefragt, ob ich nicht auch depressiv sein könnte...

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Ich glaube, ich mache hier mal einen Cut ;)
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Re: depressive Disposition (?) – wie ich erst anderen helfen wollte

Beitragvon YB2001 » 08 Aug 2015, 14:09

Interessant!
Gibts davon ne "Fortsetzung"?
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Re: depressive Disposition (?) – wie ich erst anderen helfen wollte

Beitragvon Zuri » 08 Aug 2015, 16:45

Oh, klar. Wusste nicht, dass ich hier Leser habe :D
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Re: depressive Disposition (?) – wie ich erst anderen helfen wollte

Beitragvon Zuri » 08 Aug 2015, 18:47

So, kommen wir aber nun zu mir. Ich habe ziemlich viel über andere geredet, aber letztendlich bin ich ja (wahrscheinlich) auch betroffen. Also, wie kam ich nun dazu?

Ich war auf Ausbildungssuche nach der Schule (Wer Interesse hat: Meine Ausbildung zum Fachinformatiker – Anwendungsentwicklung), habe aber immer wieder Absagen bekommen. Kennen sicher viele, ist ja keine Seltenheit. Die Frage ist eher, wie damit umgegangen wird. Was wäre denn das optimalste anzunehmende in diesen Fall? - "Das mit Gelassenheit betrachten, nicht aufgeben und es weiter versuchen" werden viele sagen und damit eine gewisse Stärke voraussetzen. Bevor ich das selbst erlebt habe, würde ich das genauso sehen und sehe ersteres auch teilweise immer noch so (Depression entbindet einen nicht, zu kämpfen). Allerdings sehe ich es zumindest als Stärke an, zuzugeben, wenn man einfach mal nicht stark sein kann. Und ich muss zugeben - ich hätte auch nicht damit gerechnet -, dass ich es nicht war.

Aber wie lief das Ganze ab? Ich wurde nicht wirklich entmutigt, wie man es denken könnte. Ich hatte auch nicht alle Hoffnungen aufgegeben, was ebenfalls denkbar wäre. Aber Depression ist anders. Das ist das gemeine an ihr. Sie entspricht nicht den gängigen Krankheitssymptomen. Wenn du Fieber hast, fühlst du dich schwach. Wenn du eine Schnittwunde hast, schmerzt sie und Blut läuft heraus. Aber bei einer Depression ist das anders. Man sieht nichts (okay, das beschreiben viele; sie gehört eben zu den psychischen Erkrankungen), aber man merkt auch, dass die Symptome nicht von einem selbst kommen. Sie Symptome passen nicht mit dem zusammen, was man fühlt. Es fühlt sich fremd an. Die Krankheit sagt einem, man kann nicht, und das Hirn fragt wieso. Nicht wie beim Bergsteigen, wenn die Muskeln sagen, es geht nicht mehr und der Kopf das einsieht (von Starrköpfigkeit einmal abgesehen).

Kurzum: Ich war komplett nicht mehr in der Lage, Bewerbungen zu schreiben. Ich konnte mich nicht aufraffen. Es war erstaunlich. Ich fühlte nichts, was mich daran hinderte. Und doch ging es nicht. Es ist für mich schwer zu erklären, aber er das einmal erlebt hat, wird bestätigen können, dass es so ist.

Das war meine erste depressive Phase. Damals wusste ich allerdings nicht, was das ist und merkte das erst wirklich, als sie bereits vorüber war (auch ein Symptom der Depression).
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Re: depressive Disposition (?) – wie ich erst anderen helfen wollte

Beitragvon YB2001 » 08 Aug 2015, 19:57

Interessant geschrieben!

Sone Depression ist ja schon, so scheiße wie das ist, eigentlich n relativ interessantes Krankheitsbild.

Zuri hat geschrieben:Ich konnte mich nicht aufraffen. Es war erstaunlich. Ich fühlte nichts, was mich daran hinderte. Und doch ging es nicht. Es ist für mich schwer zu erklären, aber er das einmal erlebt hat, wird bestätigen können, dass es so ist.
Hmm... kenn ich.
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Re: depressive Disposition (?) – wie ich erst anderen helfen wollte

Beitragvon Zuri » 08 Aug 2015, 20:29

Danke dir!

Oh ja, darum hat mich das Thema auch schon fasziniert, bevor ich selber merkte, dass ich sie habe. Und ich will auch nicht nur um meiner selbst Willen (wie das klingt :D) schreiben, sondern auch, weil diese Krankheit so kompliziert, so anders als die uns bekannteren und doch irgendwie interessant ist.

Du bist auch depressiv? Na dann willkommen im Club ;) Dann weißt du ja, wovon ich schreibe. Trifft das auch auf dich zu, oder hast du gegenteilige Erfahrungen gemacht?
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Re: depressive Disposition (?) – wie ich erst anderen helfen wollte

Beitragvon YB2001 » 08 Aug 2015, 21:20

Hehe, ja, das klingt lustig^^

Zum Thema:
Ja, aber bei mir ist es zur Zeit eigentlich ganz "in Ordnung"^^. Bis vor Kurzem aber war ich total down und hab auch nix mehr hingekriegt. Das jetzt "lustige" ist, dass ich zu der Zeit auch ne Bewerbung geschrieben hab, besser gesagt, es versucht hab.
Hab da durchaus ähnliche Erfahrung machen können, wie du.

Ich finde dieses Thema aber trotzdem nach wie vor spannend^^
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Re: depressive Disposition (?) – wie ich erst anderen helfen wollte

Beitragvon Zuri » 08 Aug 2015, 21:28

Das freut mich. Ich habe das so phasenweise. Alle paar Wochen mal und mal nicht.
Ich hoffe, du bekommst trotzdem eine Ausbildungsstelle/einen Job ;)

Oh ja, finde das Thema auch gerade deshalb interessant, weil es sich so fremd anfühlt und deshalb vieles einem irrational erscheint und man es erst einmal begreifen muss.
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Re: depressive Disposition (?) – wie ich erst anderen helfen wollte

Beitragvon YB2001 » 08 Aug 2015, 21:58

Jo, das ist bei mir eigentlich genau so. Mal is total heftig, mal (so wie jetzt) isses gut..
War nur für Praktikum...^^

Ja das stimmt. Hab auch n bisschen gebraucht ums zu begreifen^^
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Re: depressive Disposition (?) – wie ich erst anderen helfen wollte

Beitragvon Zuri » 08 Aug 2015, 22:13

Ahso, aber hat geklappt?

Ja, bei mir ist nie wirklich gut, aber wenn dann nah an normal dran. Ist schwer, das zu merken. dass die Phase sich wieder geändert hat, aber ich bekomme immer ein besseres Gefühl dafür.
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Re: depressive Disposition (?) – wie ich erst anderen helfen wollte

Beitragvon YB2001 » 08 Aug 2015, 23:57

Ne, war dann leider zu spät dran.

Jo.
Bei mir isses oft so, dass wenn ich über etwas bestimmtes nachdenke (keine Details), dann geht direkt wieder bergab -.-
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Re: depressive Disposition (?) – wie ich erst anderen helfen wollte

Beitragvon Zuri » 09 Aug 2015, 00:52

Oh, das ist blöd. Tut mir leid für dich. Ist das für die Schule oder freiwillig?

Das habe ich zum Glück nicht. Bei mir ist es hauptsächlich die Antriebs- und Motivationsarmut.
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Re: depressive Disposition (?) – wie ich erst anderen helfen wollte

Beitragvon YB2001 » 09 Aug 2015, 14:28

Zum Glück nur freiwillig^^ Was ist denn aus deiner Bewerbung geworden?

Achso, okay. Das ist dann auch doof.
Wenn, so wie jetzt, schönes Wetter ist, oder ich mal wieder unterwegs bin, dann is aber eigentlich super. Ablenkung hilft da wirklich^^
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Re: depressive Disposition (?) – wie ich erst anderen helfen wollte

Beitragvon Zuri » 09 Aug 2015, 14:48

Ah, das ist gut. Hattest du denn Zeitdruck, oder hast du die Zeit, das Praktikum auch ein paar Wochen später zu machen?

Bei mir hat es letztendlich geklappt und ich habe eine Ausbildungsstelle. Wenn du mehr lesen willst, kannst du dir mal den Thread "Meine Ausbildung zum Fachinformatiker – Anwendungsentwicklung ansehen.

Ich habe leider wenig Ablenkung. Meine Notlösung ist dann immer, etwas anderes irgendwie produktives zu machen. Hin und wieder lande ich dann auch einfach vor dem Fernseher, aber meistens hält sich das noch in Grenzen.
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Re: depressive Disposition (?) – wie ich erst anderen helfen wollte

Beitragvon YB2001 » 09 Aug 2015, 16:12

Nö, Zeitdruck hatte und habe ich nicht. Ich hoffe, dass ich das dann noch später irgendwann machen kann ;)

Cool! Les ich mir mal durch^^ ;)

Oh, das ist doof.
Naja, so lange du irgendwas Anderes produktives hast... bringts denn wenigstens etwas?
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Re: depressive Disposition (?) – wie ich erst anderen helfen wollte

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