Mir fehlt nur noch das Glück

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Roshan
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Mir fehlt nur noch das Glück

Beitragvon Roshan » 08 Jul 2018, 16:15

Hallo Leute,
ich bin 24 Jahre und... tja was bin ich eigentlich? Ich denke "verwirrt" ist das richtige Wort.

Fangen wir doch mit meiner Geschichte am Anfang an. Bereits in der Mittelschule merkte ich, dass mich Mädchen in meiner Klasse kalt lassen. Schnell merkte ich, dass mich Jungs mehr interessieren aber da ich der Aussenseiter in der Klasse war hat sich nie was ergeben. Mein Leben zu dieser Zeit war sehr stressig. Ich lebte auf einem großen Bauernhof und hatte wegen einem Autounfall keinen Vater mehr (Alkohol am Steuer). Mein großer Bruder ging aufs Gymnasium und er war "der Kopf" der Familie. Er hatte immer gute Noten und glänzte in der Schule. Schnell stand für ihn fest, zu studieren und ein Jahr in Frankreich zu leben. Mein kleiner Bruder kam zu dieser Zeit gerade in die Grundschule und auch seine Noten waren um Welten besser als meiner zur damaligen Zeit. Meine Aufgabe bestand darin, Kühe zu melken, Hasen zu füttern, Ställe auszumisten, Pferde zu striegeln, Gartenzaun zu bauen, usw. Versteht das nicht falsch es waren total schöne Aufgaben für mich. Ich liebte es selbst als Kind schon zu schlachten und das Essen von der Weide bis auf den Teller zu bringen. Klingt sicherlich für viele hart aber ich bin so aufgewachsen. Ich weiß was Kühe glücklich macht und wie echtes BIO Fleisch schmeckt. Ich weiß auch wie man mit einem Schraubendreher und einem Hammer umgehen muss oder wie man Lötet, Schweißt oder sein Traktor (später Auto) repariert ohne gleich 10 Jahre Kredit für die Werkstattrechnung aufzunehmen. Diese Kindheit hat mir also Wissen gebracht von dem meine Brüder selbst nach Studium und Jahrelangen guten Zeugnissen nicht mal träumen können.
Meine Mutter war eigentlich nur auf Arbeit. So ein großer Hof brauchte viel Geld also waren sehr viele Überstunden bei ihn angesagt.
Meine Schulnoten waren eher schlecht. "Gerade noch so bestanden" meinte der Schulleiter in der 10 Klasse zu mir als er mir meinen Abschluss gegeben hatte. Und nein - ich bin nicht böse darüber. Ich bin früh um 4 aufgestanden habe Kühe gemolken und Tiere gefüttert, Danach bin ich zur Schule. Dorfkinder verstehen, wenn ich sage, dass öffentliche Verkehrsmittel in Deutschland wohl das schlechteste ist was man haben kann. nach schönen 90 Minuten Schulweg (im Winter deutlich länger weil der Bus eben nicht kam) waren die Lehrer der Meinung mich über Goethe, Mozart und Gleichwinklige Dreiecke abzufragen. Meine Gedanken waren aber, ob ich pünktlich raus kam damit ich um 16:30 Uhr den letzten Bus nach Hause schaffe sonst drehen die Tiere durch wenn sie nichts zu essen haben und meine Hunde nicht raus dürfen. Meine Frage "Wozu ich denn wissen muss wie man Formeln aufstellt." und meiner Meinung: "Wenn ich etwas vermessen will nehme ich mir einfach ein Maßband und messe und rechne nicht mit einer 10km langen Formel die Länge aus." machten mein Schulleben nicht gerade leichter.
Freunde? Naja... ich denke "Keine" trifft die Anazahl recht genau. Wer will auch mit jemand befreundet sein, der nie zeit hat und in der Schule so schlecht ist, dass es peinlich ist mit ihm zu reden.
Irgendwann kam dann in der Schule endlich mal etwas brauchbares dran. Technik, Informatik und Physik. Schulfächer bei den nicht sofort auf 1 stand denn ich war derjenige der dem Lehrer gezeigt hat wie man anständig feilt, oder habe die Lehrer geärgert indem ich die Stahlkappenschuhe der Ausbilder am Fußboden verschweißt habe usw..
Informatik war ein Traum. mir war irgendwie von Anfang an klar wie ein PC funktioniert. schnell fand ich herraus wie man die System umgehen kann und entwickelte eigene Software. Die Anfänglichen "Lehrer ärgern" - Aktionen stellte ich schnell ein und holte mir lieber gute noten und sogar Geldpremien als ich unser "neues Schulsystem" auf Sicherheit überprüfte und sehr viele Lücken fand (Als kleines Kind!!!) die Firma musste mehrfach nachbessern und am Ende gab es von der Stadt eine Auszeichnung und eine Geldprämie für meine Leistung.
Ich denke an diesem Abend wurde mir dann auch meine Zukunft klar. -Informatik-
Ich lernte "Technischer Assistent für Informatik" (Ein Beruf den es in der Zwischenzeit gar nicht mehr gibt) und langweilte mich in der Ausbildung enorm. Ich schrieb nahezu nur Einsen selten mal eine 2 niemals schlechter (In den technischen Fächern - von Deutsch, Mathe und Sport reden wir lieber nicht). Nach der Ausbildung arbeitete ich mal hier und mal da. mal als Supporter am Telefon, mal als Supporter im Rechenzentrum, Mal als Technischer Aufseher im LKW Bau mal als Computerspezialist bei einer großen Kaufhaus-Kette. Alles nicht so das richtige. Ich entschloss mich, mich Selbständig zu machen. Alles was mit Technik zu tun hatte machte ich, Staubsauger reparieren, Netzwerke einrichten, Server bauen, Linux und Windows Systeme konfigurieren - naja alles eben. Meine Kunden waren hellauf begeistert und selbst nach vielen Jahren Selbstständigkeit blieb der richtige Durchbruch aus. Ich hatte NIE Reklamationen. Ich wurde sehr oft weiterempfohlen aber auf Anfragen wie "Mein Laptop wird warm, können sie den mal reinigen" hatte ich irgendwann keine Lust mehr. Ich bewarb mich wieder und machte meine Selbständigkeit zum Nebenberuf. So habe ich tagsüber meine 8h zu arbeiten - verdiene hier ein festes, sicheres Gehalt und danach suche ich mir nur noch die leichten, schönen aufgaben raus, mit dem ich mir monatlich etwas dazu verdiene. Hässliche Aufgaben werden abgelehnt :)

So nun habt ihr schon bis hier hin gelesen und müsst ja nur mal nach unten scrollen was alles noch kommt :) Holt euch erstmal ein Kaffee und dann geht es weiter.

Nun kennt ihr erstmal meine Familiengeschichte und meine Karriere. Wie gesagt, ich bin über beides nicht sauer - im Gegenteil ich bin froh darüber. Nur durch diese Laufbahn konnte ich mein Wissen in diesem Bereich so sehr stärken, dass es sogar reicht um damit zu überleben und Geld zu verdienen.

Problem in meinem Leben bis zum heutigen Tag: "Keine oder kaum Freunde" von "Liebe" ganz abgesehen. Ich habe durch meine Laufbahn jemanden Kennengelernt in dem ich mich sofort verknallt habe. Zum großen Übel, er war ein Junge :( Wenn ich an ihn denke, könnte ich sofort los schwärmen. Ich habe ihn in der Zeit meiner Ausbildung kennengelernt und bis vor wenigen Wochen auch "bester Freund" zu ihm gesagt. Aber er hatte eben nicht die gleichen Gefühle wie ich. Irgendwann gestand ich ihm alles und er nahm es sehr positiv auf. Es war kein Problem zwischen uns und wir haben daraus kein großes Thema gemacht - warum auch. Irgendwann wurde er auch erwachsen, fand eine Freundin, dann die nähste usw... ich stand da und weinte nahezu jeden Abend. Jahrelang. vor ca ein Jahr fing er an Gras zu rauchen. Etwas was ich absolut falsch fand. Ich bin durch den Tod meines Vater vorbelastet und kann nicht verstehen wie man sich so zusäuft oder zukifft bis man die Welt nicht mehr erkennt. Leider blieb es nicht beim Gras. Schnell wurden es kleine Pillen. Am Anfang nur wenn er feiern war. Später täglich. Es Wurde Speed und Koks... naja egal es wurde echt richtig schlimm. Täglich ging mehr in seinem Leben kaputt. Erst eine Beziehung dann sein Führerschein, dann sein Job, sein Auto ... er war so tief in der Geschichte - er konnte nicht mehr aufhören was schlussendlich sogar unsere Freundschaft gekostet hat. nun stehe ich da. Er schwebt auf Wolke 7 - Allein - aber ist "glücklich auf seiner Weise" und ich sitze hier. Weiß, dass ich nichts mehr machen kann. Polizei bringe ich nicht übers Herz weil ich genau weiß, dass die (mal wieder) nichts machen. Er wurde mehrfach angehalten mit THC im Blut. Es wurde mehrfach von den Polizisten bemerkt. Er bekam immer nur die Aussage "das nähste mal ist der Schein weg". Die Polizisten geben einen Scheiß drauf wenn es um Drogen geht.

Ich kann nun nur noch hoffen, dass ihm nichts passiert. Ich stecke aktuell nicht nur in tiefsten Sorgen um ihn sondern habe auch mit enormen Liebeskummer zu kämpfen. Es ist ein Kampf um eine Liebe die eh niemals erblühen wird. Ich weiß aber weiß nicht wie ich es ändern soll.

Ich habe so viel versucht. Ich habe mit Ihm stundenlange Gespräche geführt. Habe ihm Hilfe angeboten. Bin Nachts durch halb Deutschland gefahren um ihm zu helfen wenn er Probleme hatte. Ich habe Entziehungssitzungen auf meine eigenen Kosten mitgemacht obwohl ich nie Drogen genommen habe ich wollte Tipps wie ich ihm helfen kann - alles nutzlos. Ich bin nicht nur seelisch sondern in der Zwischenzeit auch finanziell am Absoluten Ende. Ich bin weit im Minus und muss nun viele Monate hart arbeiten um da wieder raus zu kommen. Ich habe echt alles versucht nichts hat angeschlagen. Ich habe mich sogar mit seiner Familie und seinen Freunde hingesetzt. Sowohl mit als auch ohne ihn aber auch das brachte nichts.

Ihr merkt, ich bin wirklich verliebt. Nun, warum schreibe ich oben "verwirrt". Ich weiß nicht ob ich schwul oder Bi oder vlt Hetero bin. Wenn ich mir jemanden vorstelle, der an meiner Seite sitzt sehe ich nur meinen ehemaligen besten Freund. Ob das nur Zufall ist oder ich einfach noch nie die richtige Frau gefunden habe oder ob ich mich überhaupt verliebt habe oder dieses Gefühl zu ihm einfach nur als "Liebe" auslege - weiß ich nicht. Ich muss dazu sagen, dass ich kein Problem habe, Schwul zu sein. Auch stören mich keine anderen Leute die eine andere Sexuelle Veranlagung haben - warum auch. Schließlich kann doch jeder selbst entscheiden mit wem er alt werden will. Was geht mich sowas an. Gehen wir mal davon aus, dass ich wirklich schwul bin. Ich glaube ich habe es immer noch einfacher als jemand der Trans ist. Auch dagegen habe ich nichts aber ich stelle es mir sehr schwer vor. vlt kann mir mal einer von euch erzählen wie es ist damit umzugehen vorstellen kann ich es mir einfach nicht.

Nach diesem Roman eventuell noch ein paar abschließende Worte. Ich habe mich noch nie in einem Forum angemeldet, erst recht nicht in solchen wie hier. Ich weiß nicht was die Zukunft bringt und wohin es mich schlägt. Mein Job, meine Wohnung und mein restliches Leben würde ich als "perfekt für mich" einstufen. Ich suche aber Glück und das ist nur mit Freunden und mit der Liebe zu finden - meiner Meinung nach. Ich erhoffe mir hier ein paar neue Bekanntschaften. Wie ihr unschwer erkennen könnt erzähle ich gern und mag es, wenn man sich hinsetzt und quatscht.

Ich hoffe ihr seid nicht schon eingeschlafen und freue mich schon auf eure Meinungen zu mir.

PS:
Komme übrigens aus Sachsen :D
Wenn immer nur der Klügere nachgibt, wird die Welt nur noch von Idioten regiert. :-D

Mir fehlt nur noch das Glück

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Hyazinth
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Re: Mir fehlt nur noch das Glück

Beitragvon Hyazinth » 01 Okt 2018, 21:55

Willkommen Roshan,

danke für die Ausführlichkeit. Du kannst den Chat ausprobieren.
Ich suchte, wo der Wind am schärfsten weht...

Konfusius
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Re: Mir fehlt nur noch das Glück

Beitragvon Konfusius » 17 Dez 2018, 22:09

Hallo Rohan,

ich hätte beim Lesen deines Beitrages am Ende eine Fülle an Kommentaren erwartet, zu meinem erstaunen blieb dies aus.
Mich hat deine Geschichte sehr berührt, deswegen muss ich einfach antworten.
Der Titel deiner Story hat mich direkt angefixt, wer ist denn nicht auf der Suche nach dem Glück? Wahrscheinlich die meisten, nur gestehen es sich die wenigsten ein, dass ihnen etwas fehlt was oft alles andere als leicht erreichbar ist.

Ich werde beruflich oft mit menschlichen Schicksalen unterschiedlichster Art konfrontiert und muss sagen, dass der Großteil der Menschen der Meinung ist ein besonders bemerkenswertes Schicksal erfahren zu haben. Das liegt sicherlich an der Natur des Menschen; die wahre Kunst im Leben liegt darin über den eigenen Tellerrand zu schauen, genau DAS bekommen aber viele nicht hin und denken daher ihr eigenes Leben ist das Maß aller Dinge.

Deine Geschichte hingegen ist wirklich bemerkenswert und in einigen deiner Ausführungen habe ich mich zum Teil selbst wiedererkannt. Es scheint so aus dem Leben gegriffen zu sein und gleichzeitig kann ich mir (ich bin in finanziell eher einfachen aber sehr behüteten Verhältnissen aufgewachsen) es garnicht vorstellen wie es dir ergangen sein muss.

Ich glaube Liebe kennt keine Grenzen, Schubladen oder sonst irgendwelche Klassifizierungen (homo-, bi-, transsexuell). Es spielt keine Rolle zu welcher "Sorte" man gehört. Egal ob Frau oder Mann, wichtig ist, dass man authentisch ist und an seinen Wünschen festhält.

Dein Freund hat es dir nicht einfach gemacht und dich in eine ziemliche Zwickmühle verfrachtet und du hast mit allen Kräften versucht das Beste aus der Situation zu machen. So wie ich es aufgefasst habe, hast du deine Möglichkeiten voll ausgeschöpft und das muss man dir hoch anrechnen. Aber aus meinem beruflichen Alltag habe ich gelernt, dass es oft keine "richtige" Lösung, bzw keine "heilende Behandlung" gibt, Menschen treffen die Wahl wie sie leben möchten eigensinnig. Als Außenstehender hat man oft das Gefühl leicht daherzureden aber du musst die Entscheidung deines Freundes akzeptieren und einen Weg finden damit umzugehen damit du weiterleben kannst.

Ich selbst bin kein Mensch der das, was ich dir geraten habe konsequent umsetzen kann und dies zu tun ist eine echte Mammutaufgabe.
Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht wo ich hinwill und bin ein sehr unentschlossener Typ ich kann es ein gutes Stück weit nachvollziehen wie du dich fühlst und weiß, dass einen dieses Gefühl beinahe droht zu zerreißen.

Ich hoffe es geht dir gut und du überstehst die Weihnachtszeit ohne Folgeschäden :)
Feierst du bei deiner Familie?
Dein Beitrag spricht für mich Bände und zeigt, dass du eine mental wirklich starke Person bist, lass dich um Himmelswillen nicht unterkriegen!

Herzliche Grüße und einen festen Knuff,
Konfusius

 


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