Schwierige Situation fürs Outen

Rund ums Coming-Out - wenn es das überhaupt gibt.
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Schwierige Situation fürs Outen

Beitragvon fotoden » 25 Sep 2013, 20:05

Hallo,

ich bin am Montag 17 geworden und naja ich denke nun schon seit nem Halben Jahr darüber nach, mich zu outen, wollte es aber erst machen, nachdem ich meinen Realschulabschluss in der Tasche hatte. (Dieser wurde auch noch ein erweiterter Realschulabschluss, aber das interessiert wahrscheinlich niemanden von euch.) Denn einige meiner alten Klasse waren nunja ziemlich Anti-Homo.

Im Mai hat mich dann eine Freundin gefragt, was ich denn nun bin also Homo oder Hetero, ich hab damals schon gewusst, dass ich starke Neigungen zu Jungs habe, habe aber um mir Zeit zu verschaffen erstmal gesagt, das ich das noch nicht weiß. (Schon dafür hätte ich mir heute eine Reinhauen können.)
Nunja das Schuljahr verstrich und die Sommerferien kamen. Ich habe mir eigentlich vorgenommen, mich in den Ferien auf einer Feier zu outen, zu der Feier kam es nicht, weil zu wenige gekommen wären. Die Sommerferien waren nun vorbei und ich besuche nun eine neue Schule, in einer Klasse, wo nur Jungs sind (Ihr könnt euch kaum vorstellen, wie schwer das ist, gerade im Sportunterricht den ich sowieso nicht mag.) Ich war letztens mit meinem besten Kumpel auf nem Fest, und da wurde ich von jemandem angesprochen, weil er mich da alleine hat sitzen sehen, während mein Kumpel Getränke holen war, und wir haben ein bissel über PC-Spiele gelabert. Nun kamen die Freunde dieser mir unbekannten Person und einer hat (wohl scherzhaft) gemeint, der mit dem ich mich unterhalten habe wäre schwul. Dieser dementierte natürlich sofort. Nun fragte dieser Kumpel von der Person mit der ich mich unterhalten habe, meinen Kumpel, ob ich denn schwul sei oder ich Anzeichen dafür zeige. Mein Kumpel antwortete, dass er mich gut genug kennt um zu wissen, dass ich NICHT schwul bin.
Das gab mir in diesem Moment zu denken. Oute ich mich jetzt oder nicht? Ich hab es dann doch gelassen, weil ich mich nicht vor fremden outen wollte.

Ich hatte ja am Montag Geburtstag und will nun am Wochenende meinen Geburtstag mit meiner Familie feiern, da wäre die Möglichkeit mich vor meiner Familie zu outen. Ich bin ernsthaft am überlegen, ob ich zuerst mit meinen Kumpels reden soll, oder ich meiner Familie mein Geheimnis anvertrauen soll. Meine Freunde werden zum 3.Oktober zu mir kommen und ich werde dann mit denen Feiern. Da wäre eine gute Situation zum Outen finde ich.

Ich hoffe ihr könnt so nen Batzen Text vertragen.
Ich hoffe auf eure Hilfe, denn ich bin im Moment ziemlich ratlos. :-?

Schwierige Situation fürs Outen

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Re: Schwierige Situation fürs Outen

Beitragvon XAlexX » 25 Sep 2013, 20:30

Hey. Interessant was bei dir so los ist. Ich würde mich ehrlichgesagt erstmal bei Personen outen die mich sehr gut kennen und denen ich Blind vertraue. Ich selbst hab mich auch noch nicht geoutet bin aber auch sehr am überlegen.
Viel Glück :)

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Re: Schwierige Situation fürs Outen

Beitragvon fotoden » 25 Sep 2013, 21:37

Hat sonst niemand Tipps für mich?

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Re: Schwierige Situation fürs Outen

Beitragvon Minion » 25 Sep 2013, 22:01

Hast du eine beste Freundin? Die nehmen das am besten auf und sind für dich da.... Ideal zum "outen üben" also :D

Generell würde ich an deiner Stelle (egal wann) das Thema einfach mal auf Homosexualität lenken (z.B: Der Papst will sich damit nicht befassen, Russland und seine Schwulenpolitik.....) und dann die Positionen deiner Freunden oder Verwandten in Erfahrung bringen..... Dann könntest du dich Nach und Nach einzeln bei deinen Freunden outen, bei deiner Family vielleicht so beim Abendessen.... Alle auf einmal würde ich nicht machen^^

Aber das ist deine Entscheidung, und egal wie du's anstellst, wirst du dich erleichtert fühlen wie noch nie!
You know it's cold outside when you go outside and it's cold.

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Re: Schwierige Situation fürs Outen

Beitragvon fotoden » 25 Sep 2013, 22:18

DANKE! Für den Tipp mit der Freundin!
Meine Mutter hat absolut nichts gegen Schwule bei meinen Vater bin ich mir da nicht so ganz sicher genauso wie bei meinen Großeltern, mit denen ich in einem Haus wohne. Ich habe auch schon darüber nachgedacht, mich erst zu outen, wenn ich einen festen Freund gefunden habe.

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Re: Schwierige Situation fürs Outen

Beitragvon HCl » 25 Sep 2013, 23:22

Die Gefahr, dass die Situation nicht so verläuft, wie man es sich erhofft hat, wird größer, je mehr Leuten man es gleichzeitig sagt. Ich sehe eigentlich keinen Vorteil, wenn es wirklich jeder Mitschüler oder Kollege weiß und würde es immer nur dem Freundeskreis/ der Familie anvertrauen. Und dann bei Personen, die eventuell negativ reagieren möglichst in Zweiergesprächen - unter vier Augen kann man mit einem Menschen einfach viel direkter reden.

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Re: Schwierige Situation fürs Outen

Beitragvon fotoden » 26 Sep 2013, 16:22

Mittlerweile habe ich den Gedanken schon verworfen, allen gleichzeitig zu sagen, dass ich schwul bin.
Im Moment ist alles irgendwie so surreal und ich habe schon seit 2-3 Wochen so ein komisches, unbeschreibliches Gefühl, als wäre alles ein Traum oder schonmal passiert als wäre alles ein Film, den man im Halbschlaf schaut.

Ich bin gerade wohl dabei meinen besten Kumpel zu verlieren, weil immer wenn wir miteinander reden es im Streit über Kleinigkeiten endet. Und ich glaube ein Outing macht die Situation nicht viel einfacher. :(

Ich bin echt froh hier eine Community gefunden zu haben, mit denen ich über meine Probleme "sprechen" kann. Das hat mir echt geholfen mir mal alles von der Seele zu schreiben!

LG und danke für die bisherige Hilfe!
Dennis :D

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Re: Schwierige Situation fürs Outen

Beitragvon fotoden » 27 Sep 2013, 20:22

Vielleicht sollte ich erwähnen, dass meine Freunde mit denen ich feiern wollte nur zwei Personen sind und vom 3ten Oktober ab eine Woche bei mir bleiben wollen.

LG, Dennis

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Re: Schwierige Situation fürs Outen

Beitragvon fotoden » 30 Sep 2013, 17:40

So nun habe ich den ersten schritt gewagt.

Ich habe mich heute bei meinem besten Kumpel geoutet.

Wir sitzen wie jede Pause zusammen und quatschen, wir kamen im Laufe des Gesprächs auf meine Geburtstagsfeier zu sprechen, weil er dann eine Woche lang bei mir bleiben will und noch was zu klären war, nun hab ich ihn gefragt ob er damit klar kommen würde, eine Woche lang mit einem homosexuellen in einem Raum zu schlafen. Er sah mich erst mal an wie ein Auto und hat dann geantwortet, dass er kein Problem damit hat, ein Mensch ist ja schließlich ein Mensch, egal auf was er steht. Er hat mich dann gefragt, ob mein anderer Kumpel, der auch die Woche bei mir sein wird, schwul ist. Ich antwortete "Nein ist er nicht." Er hat wohl immer noch nicht kapiert, warum ich ihn das gefragt habe. Es klingelte, weil die Pause zu Ende war und wir gingen wieder in den Unterricht (Wir sind in verschiedenen Klassen). Ich rief ihm noch hinterher "mach dir mal Gedanken".
Ich hatte die nächsten zwei Stunden Fachpraxis hatte wenig zu tun und habe schon über die nächste Pause nachgedacht.

Mit ein wenig Bauchschmerzen ging ich wieder zu unserem Treffpunkt, wo wir uns jede Pause Treffen. Wir kamen ins Gespräch, indem er erstmal über seine vergangenen zwei Stunden erzählte. Ich dachte schon, er würde es gar nicht mehr erwähnen, aber dann hat er mir gesagt er hat nachgedacht und ihn beschäftigen zwei Fragen, WER? und WIE LANGE?
Ich war erstmal verblüfft was wollte er nun von mir?
Mit wer meinte er wohl wer weiß es noch außer ihm (Ich habe erst gedacht, er meint, mit wem ich denn zusammen sei) und mit wie lange, meinte er wie lange ich schon weiß, dass ich Schwul bin.
Ich Antwortete ihm: "Ich weiß es seit nem guten dreiviertel Jahr, richtig bewusst beschäftigt, habe ich mich aber erst seit zwei Wochen damit." Und auf die Frage, wer es denn schon weiß antwortete ich: "Bis jetzt weißt nur du es und ich hoffe, du weißt, dass ich ein sehr großes Vertrauen in dich habe." Er antwortete:"Das weiß ich und ich weiß auch damit umzugehen und natürlich werde ich es niemandem weitererzählen."


Der nächste Schritt wird sein, meinen anderen Kumpel einzuweihen. Na dafür hab ich jetzt ja jemanden, der mir zur Seite steht. :D

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Re: Schwierige Situation fürs Outen

Beitragvon Timmyboy » 30 Sep 2013, 23:50

Herzlichen Glückwunsch Dennis, das ist doch mal echt schön zu lesen.
Ich freue mich für dich, dass du erstens den Mut aufbringen konntest, es deinem besten Freund zu erzählen und zweitens, dass er es so locker aufgenommen hat. Aber ich schätze, dass man genau dafür echte beste Freunde braucht.
Ich habe meinen besten Freund in der 11. Klasse kennengelernt, also noch gar nicht so lange her und er war auch der erste (nach meiner Familie - die es sich übrigens schon fast denken konnten), vor dem ich mich geoutet hatte. Er hat es total locker aufgenommen und mir dann sogar angeboten, mit mir gemeinsam nach dem süßesten Jungspopo Ausschau zu halten. Jetzt im Nachhinein frage ich mich natürlich, ob in ihm vielleicht auch eine kleine homosexuelle Ader verborgen ist. :D

Übrigens: Wenn du dich irgendwann vor deiner Familie outen willst, nimm dir zuerst deine Mutter vor, die ja offensichtlich nichts gegen Homosexualität hat. Wenn du es ihr erzählt hast, soll sie es abwägen, ob man es deinen Großeltern auch erzählen kann, denn ich es kenne es auch zu gut, dass man gerade von der älteren Generation gerne - natürlich hinter vorgehaltener Hand - als ekelhaft betitelt wurde. Das Schlimmste, das mir mal an den Kopf geworfen wurde, war: "So etwas wie euch hätte Hitler damals einen Freifahrschein in ein KZ geschenkt!"
Ich war daraufhin ziemlich perplex, obwohl es mir eigentlich selten die Sprache verschlägt. Ich hoffe, du machst nicht solche Erfahrungen. ;)
Viel Erfolg auch weiterhin!
Sei mutig und gehe den ersten Schritt. Die nächsten Schritte geht ihr gemeinsam.

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Re: Schwierige Situation fürs Outen

Beitragvon fotoden » 01 Okt 2013, 14:38

Danke Timmyboy.
Mein bester Kumpel ist eben mein bester Kumpel und dass er so gut damit umgeht, beweist nur, dass er voll hinter mir steht!
Ich will meine Eltern auch einweihen, nur noch nicht jetzt. Und was meine Großeltern betrifft: ich habe lange überlegt, und nun entschieden, es ihnen (erstmal) nicht zu erzählen. Vielleicht ergibt sich irgendwann mal die Situation, dass ich gefragt werde, wie es denn mit einer Freundin aussieht, und da kann ich eventuell ja drauf eingehen, und sagen, dass es wohl nie eine Freundin geben wird.

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Re: Schwierige Situation fürs Outen

Beitragvon HCl » 01 Okt 2013, 20:08

Ja, mit den Großeltern ist das immer sone Sache. Habe selber nur noch eine Oma und die wird das auch nicht all zu bald zu erfahren kriegen.
Sie selber hätte damit bestimmt kein Problem, da sie aus Prinzip gegen alles ist, was die Nazis gemacht haben. Aber ich bezweifle stark, dass sie sowas lange für sich behalten kann. Und dann weiß es plötzlich jeder aus diesem Netz von alten Leuten, die sich mit Tratschen und Lästern über den Tag retten xD
Zuletzt geändert von HCl am 01 Okt 2013, 20:12, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Schwierige Situation fürs Outen

Beitragvon HCl » 01 Okt 2013, 20:10

Keine Ahnung wie es bei dir ist, aber darauf kann ich echt verzichten.

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Re: Schwierige Situation fürs Outen

Beitragvon fotoden » 02 Okt 2013, 16:49

Der nächste Schritt ist geschafft!
Mein anderer bester Kumpel, weiß nun auch bescheid, was Sache ist.

Wir kamen über Skype ins Gespräch, und er fragte mich, wie es mir geht. Ich antwortete ganz gut, ich denke nur über etwas wichtiges nach.
Er fragte, worüber ich nachdenke und ich dachte mir jetzt oder nie! Ich stammelte vor mich hin, und letztendlich hat er es genauso locker genommen, wie mein anderer Kumpel.

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Re: Schwierige Situation fürs Outen

Beitragvon fotoden » 13 Okt 2013, 20:41

Meine Mutter weiß nun auch mehr oder weniger bescheid.
Ich war am Freitag mit meinen Eltern beim IKEA. Dort im Parkhaus ging ich mit meiner Mutter schon mal vor, mein Vater wollte noch das Auto "lang machen" also einen Teil der hinteren Sitzbank umklappen. Ich ging also und sah ein Nummernschild SHG (Schaumburg), wusste was es bedeutet aber frage meine Mutter trotzdem, weil ich auf eine bestimmte reaktion aus war. Sie sagte mir, dass es Schaumburg bedeutet.
[Wir haben zu einigen Nummernschildern so ein paar "Sprüche". Zum Beispiel mein Heimatkreis (NOM) 'Nimm Opa/Oma mit' und sowas und bei SHG war es Schwulenhilfe Göttingen.]
Und genau das kam dann auch von meiner Mom "oder Schwulenhilfe Göttingen". Ich packte die Gelegenheit am Schopf und sagte "Wenn es die wirklich gäbe, könnte ich da auch mal hin." Meine Mutter erstmal etwas verblüfft, "Du meinst also du hast auch solche Neigungen?" "Ja ich denke schon." Wir gingen nicht weiter aufs Thema ein.
Nachdem wir die Möbelausstellung durchlaufen haben, gingen wir ins Restaurant um was zu essen. Da hatte ich dann auch noch ein paar Minuten allein mit meiner Mutter und schnitt das Thema nochmal an. Meine Mutter meinte nur "Du findest schon noch ne Freundin, bei ***** hats auch ein bisschen gedauert." "Meinte ***** denn auch, dass er Schwul sei?" "Nein wieso?" "Ach nur so Interesse halber"
Später in der "Markthalle"
"Aber wenn man Jungs hinterherschaut ist man doch schwul oder?" "Ja aber vielleicht ist das nur so ne Phase" "Mama eine Phase, die schon fast zwei Jahre andauert, nein, ich bin schwul."

Und damit weiß es nun auch meine Mutter.

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Re: Schwierige Situation fürs Outen

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