Outing in der Familie. - Homophober Großvater

Rund ums Coming-Out - wenn es das überhaupt gibt.
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aussiegerman
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Outing in der Familie. - Homophober Großvater

Beitragvon aussiegerman » 11 Okt 2015, 18:03

Hi Leute,

ich stehe mitten in meinem Coming Out. Vor einem Jahr bin ich 400km weit weg von zu Hause gezogen. Mittlerweile habe ich einen Freund gefunden mit dem ich sehr glücklich bin. Von meinen Studienfreunden wissen alle, dass ich Bi bin und ich gehe total offen damit um. Es tut einfach so wahnsinnig gut nichts verstecken zu müssen und einfach der zu sein, der man ist. Ich habe auch keine Negativen Erfahrungen gemacht. Hier im Norden scheint einfach jeder tolerant damit umzugehen.

Aus meiner Familie weiß es jedoch niemand. Ich habe ein bisschen Angst mich vor meinen Eltern zu Outen, aber ich denke dass, das gut geht. Ganz anders sieht es bei meinem Großvater aus. Er hat regelrecht Sorge, dass ich Schwul sein könnte, einfach aus dem Grund dass ich ja mit 20 immer noch keine Freundin habe und da ich mal bei einem Kumpel (Hetero) übernachtet habe. Er hat mir ins Gewissen geredet, ich solle ja nichts mit Männern anfangen. Dann wären wir "geschiedene Leute". Schließlich sind mein Bruder und ich die einzigen die den Familiennamen weiter tragen können. (Was auch immer daran so wichtig sein soll?)

Er hat mich schon mehrfach darauf angesprochen, dass ich das ja nicht machen soll ich wäre ja viel zu "hübsch" und hätte es daher nicht nötig auf Männer zurück zu greifen. Mich macht das total fertig und antworte ihm immer das was er hören will. In Thüringen (meine ursprüngliche Heimat) wissen es nur eine Handvoll ausgewählter Freunde, denen ich vertrauen kann. Aber ich kann einfach nicht offen damit umgehen aus Angst jemand aus meiner Familie und schließlich mein Opa könnte es erfahren. Auf dem Dorf spricht sich sowas schnell rum.

Ich mag meinen Opa sehr gern und ich bin froh ihn zu haben. Ich kann ihn einfach nicht enttäuschen. Gleichzeitig nervt er mich aber total mit seinen rechten Ansichten gegenüber Ausländern und Homosexuellen.

Mich belastet das zur Zeit sehr, dass ich meine Familie und Freunde belügen muss und das noch mit 20 Jahren. Kp wie ihr mir helfen könnt aber vielleicht hat jemand von euch einen guten Ratschlag. Ich weiß nicht was ich tun soll. Ich könnte es einfach sagen und auf meinen Opa scheißen aber das möchte ich auch nicht, dazu habe ich ihn zu gern. Und mit ihm reden geht auch nicht, er ist bei allem ein Sturkopf.

lg. Max :-? :(
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Re: Outing in der Familie. - Homophober Großvater

Beitragvon Cuddy » 11 Okt 2015, 19:19

Hallo aussiegerman,

dein Problem ist mir ziemlich vertraut. Bei mir sind es meine beiden Omas, die damit nicht
umgehen könnten.
Aber um mal zu deinem Problem zu kommen: Es tut meistens gut etwas Abstand
zu haben (was bei dir ja auch der Fall ist). Allerdings kannst du dich natürlich nicht ewig verstellen.
Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass die meisten Leute viel entspannter reagieren,
als man zunächst dachte. (meine Mutter beispielsweise)

Mein Rat wäre also, es deinem Großvater zu verschweigen. Ich weiß natürlich nicht, wie alt er ist, aber
meine Omas sind halt schon ziemlich gebrechlich und deshalb werde ich warten bis beide gestorben sind,
bevor ich meiner Familie davon erzähle. Denn ich könnte es nicht ertragen, wenn meine Großeltern
deswegen nichts mehr mit mir zu tun haben wöllten. Dafür liebe ich sie viel zu sehr.

Vielleicht gibt es ja auch Personen mit denen du anfangen könntest. Sowas wie ein innerer Zirkel in der
Familie, der es als erstes weiß, z.B. deine Eltern, Geschwister oder Cousins/Cousinen, die Lieblingstante, usw...

Ob das für dich in Frage kommt, weiß ich natürlich nicht, aber ich hoffe,
ich konnte dir vielleicht ein kleines bisschen helfen.

Liebe Grüße,
Cuddy
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Re: Outing in der Familie. - Homophober Großvater

Beitragvon aussiegerman » 11 Okt 2015, 21:58

Zunächst vielen Dank für deine Antwort.

Mein Opa ist jetzt fast 80. Meine Oma etwas jünger aber die darf eh keine Meinung haben. Mein Opa bezeichnet sie gern mal als bescheuert aber gut das ist ne andere Sache. Manchmal weiß ich selbst nicht mehr was ich an ihm mag, aber ich mag ihn.

Wenn dann würde ich es klar meinen Eltern zuerst erzählen. Aber ich hab einfach Angst dass es sich schnell rum spricht. Oder was ist wenn urplötzlich meine Mutte wieder erwarten nicht damit klar kommt und es meinen Großeltern sagt. Ich weiß es nicht. Ich habe einfach Angst.
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Re: Outing in der Familie. - Homophober Großvater

Beitragvon aussiegerman » 11 Okt 2015, 22:01

PS: Mein Opa ist zwar fast 80 aber noch recht fit. Liegt in der Familie, sind alle recht zäh und Leben lange.
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Re: Outing in der Familie. - Homophober Großvater

Beitragvon Cuddy » 11 Okt 2015, 22:35

Dein Großvater scheint wirklich ziemlich konservativ zu sein.

Also: Wenn du es deinen Eltern zuerst und das im Vertrauen erzählst,
glaube ich nicht, dass sie es weitererzählen würden.
Ich kann deine Sorge wirklich gut verstehen, aber selbst wenn, und nur WENN, deine Eltern zunächst nicht allzu positiv reagieren,
so werden sie es doch verstehen. Du musst ihnen nur Zeit geben.
Sie müssen das dann erstmal verarbeiten, so wie jeder es erst einmal für sich allein verarbeiten muss.

Hast du denn ein gutes Verhältnis zu deinen Eltern?
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Re: Outing in der Familie. - Homophober Großvater

Beitragvon aussiegerman » 11 Okt 2015, 23:51

Das Verhältnis zu meinem Dad war nicht immer das Beste, auch er ist manchmal ziemlich schwierig sodass ich mich mit 15 16 ungeliebt fühlte.

In der letzten Zeit, insbesondere nachdem ich ausgezogen bin, ist das sehr viel besser geworden und ich verstehe mich richtig gut mit ihm. Was aber auch gleichzeitig bedeutet, dass ich Angst habe genau das aufs spiel zu setzen. Mein Vater kann auch manchmal ein großer Dickschädel sein. Aber ich glaube dass er das dann doch objektiv sehen kann und weiß, dass es nicht schlimm ist.

Und meine Mutter... keine Ahnung. Ich verstehe mich schon immer gut mit ihr, aber ich befürchte, dass ich von ihr das größere Unverständnis ernte. Sie wird sich sicherlich nicht gegen mich stellen, aber ich glaube die wird das am wenigsten verstehen können. Aber das sind alles nur Erwartungen. Es kann auch alles ganz anders kommen.
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Re: Outing in der Familie. - Homophober Großvater

Beitragvon aussiegerman » 12 Okt 2015, 00:07

Hab wieder was vergessen. :D

Also das Verhältnis zu beiden Eltern ist zur zeit ziemlich gut. Aber es war (und ist) nie so, dass ich mit meinen Eltern über persönliche Probleme sprechen kann. Wenn ich Sorgen oder Wünsche habe, kann ich mich ihnen nicht anvertrauen. Das war schon immer so seit ich ein Kind war. Ich habe mich eher meiner Kinderpsychologin oder anderen Leuten anvertraut als meinen Eltern. Soll heißen: "Verhältnis ist gut, aber alles andere als innig."

Ich kann nicht einfach hingehen und sagen "Jo wir müssen reden, ich hab da was, was mich bedrückt." Ich wünsche mir ich kann es nebenbei erwähnen, oder dass sie nachfragen. Aber jedes mal, wenn die leidige Frage "wann bringst du denn endlich unsere Schwiegertochter mit" kommt, sind wir auf Familienfeiern, wo ich das denkbar unpassend finde (und zudem Opa anwesend ist).
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Re: Outing in der Familie. - Homophober Großvater

Beitragvon Justiin » 12 Okt 2015, 16:43

Die Situation kenne ich irgendwie. Nur ich wohne noch zu Hause. Meine Taktik ist solange ich noch zu Hause wohne abwarten und Tee trinken.
Hab sonst auch keine Ideen für dich.
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Re: Outing in der Familie. - Homophober Großvater

Beitragvon Cuddy » 12 Okt 2015, 17:56

Ja, das leidige Thema mit dem richtigen Zeitpunkt.
Ich sags mal so: Es gibt keinen "richtigen" Zeitpunkt dafür.
Du musst dir einfach einen aussuchen, der nicht gerade der denkbar ungünstigste ist. Stichwort Familienfeier.

Du hattest in einem Post geschrieben, dass es eine handvoll ausgewählter Pesonen in deiner Heimat
bereits wissen. Schnapp dir am besten einen davon und nimm ihn/sie als Verstärkung mit. Glaub mir, das macht
die Sache wesentlich einfacher.

Alles was du sonst noch machen kannst, außer darauf zu warten, dass jemand auf die
Idee kommt, dich danach zu fragen (meistens eher unwahrscheinlich) ist, auf Konfrontationskurs zu gehen.
Wenn du dich wirklich outen willst, dann musst du offen auf deine Eltern zugehen und mit ihnen reden, so schwer dir
das auch fallen mag. Da kommt es eigentlich sogar sehr gelegen, dass dein Verhältnis zu ihnen im Moment so gut ist.
Das wird es auch ihnen im Endeffekt leichter machen damit umzugehen.

Falls dir das noch eventuell eine Hilfe ist, habe ich hier einen Link zu einem Video. Darin beschreibt ein Redner in einer ziemlich
eindrucksvollen Art, wie man mit persönlichen Geheimnissen umgeht, die sehr schwer zu offenbaren sind. Der Vortrag ist auf Englisch
aber er hat mir zum Beispiel beim Coming Out bei meiner Mutter geholfen, sprich es war der letzte fehlende Impuls:

https://www.youtube.com/watch?v=lkbWIfP3mLw

Ich hoffe sehr, das dir das weiterhilft.

Liebe Grüße,
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Re: Outing in der Familie. - Homophober Großvater

Beitragvon aussiegerman » 12 Okt 2015, 19:10

Justiin hat geschrieben:Meine Taktik ist solange ich noch zu Hause wohne abwarten und Tee trinken.


Jo genauso war mein Plan auch und dann einfach raus damit und abgehauen... Aber so einfach wars dann doch nicht, weil ich plötzlich keinen Grund mehr hatte mich zu outen. Jetzt ist der Drang aber wieder da.


Vielen lieben Dank für das Video. Ich werde es mir gleich mal ansehen und bin sehr gespannt. :)

Ich hab auch schon überlegt ob ich meinen Eltern einen Brief schreibe, so wie einige andere auch. Theoretisch wäre es echt das einfachste und ich würde das Problem ganz easy umgehen, dass ich mit meinen Eltern über meine Sorgen und bla reden muss, da mir ja genau das schwer fällt.
Aber dann denke ich mir halt so.... "Hey du bist 20 und nicht 14. Ist n Brief nicht irgendwie n bisschen albern und un-erwachsen?..."

Kp was sagt ihr dazu? Wer weiß ob meine Eltern die Zeit finden ihn gemeinsam zu lesen, da beide sowieso fast nie zuhause sind?

Naja ich zieh mir erstmal das Video rein. Danke schon mal. :flag:
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Re: Outing in der Familie. - Homophober Großvater

Beitragvon Night » 12 Okt 2015, 19:49

Ich hatte das Glück, dass so ziemlich alle damit irgendwie umgegehen konnten. Mein Vater war anfangs irritiert, weil er sowas einfach nicht vermutet hatte. Meine Oma hat angefangen zu heulen, weil ich mich deswegen so fertig gemacht habe. :D Bei uns wird Familie wirklich groß geschrieben.

Wenn du zu deinen Eltern ein wirklich gutes Verhältnis hast, dann raus damit. Wenn dein Opa dich deswegen nicht so akzeptieren kann, dann, sorry, hau ihn aus deinem Leben. Auch wenn es weh tut. Ich denke, wenn man schwul oder lesbisch ist, muss man "eine dicke Haut aufbauen" (sag ich jetzt mal) um solche Schritte zu machen. Denn du darfst nicht vergessen: Letztendlich ist das etwas, mit dem nur du leben musst.
Momentan kennt dein Opa dich nur so, wie du es ihm vorlebst. Aber leider bist da ja nicht wirklich du.

Immerhin bist du schon bei deinen Freunden geoutet und hast einen Freund. Das ist sehr wichtig. Denn so weißt du, dass du auf jeden Fall Leute um dich hast, die für dich da sein werden.

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Re: Outing in der Familie. - Homophober Großvater

Beitragvon aussiegerman » 13 Okt 2015, 18:32

"Wenn du ein wirklich gutes Verhältnis zu deinen Eltern hast[...]"

Wenn ich nicht mit ihnen über persönliche Dinge reden kann, ist es dann wirklich so gut? Also ich würde es definitiv nicht als schlecht bezeichnen, aber mir fällt es halt schwer etwas über die Lippen zu bringen. Dass ich es ihnen sagen werde steht für mich eigentlich schon fest, aber die Frage ist WIE?

Brief? Oder doch lieber im Gespräch? Keine Ahnung der Einstieg ist einfach am schwersten und da hab ich keine Ahnung wie ich das machen soll.

Und mein Opa... nunja sicher ist er ein konservativer intoleranter altern Mann, aber es ist immer noch mein Opa. Es ist der Mann, zu dem ich als Kind gegangen bin, wenn ich mich von meinen Eltern missverstanden gefühlt habe. Der Mann, der immer Zeit für mich hat. Der Mann, den ich anrufen kann, ganz egal was ist, er kommt. Der Mann der Gefühlt mehr Zeit für mich hatte als meine Eltern. Der Mann von dem ich mich mehr geliebt gefühlt habe als von meinem Vater. Der Mann den meine Freunde alle zum schreien komisch finden. Der Mann, dem ich nie nein sagen könnte wenn er meine Hilfe braucht. Der Mann, der meinen Kindergartenfreunde erzählt hat, er sei der Weihnachtsmann, und diese haben es geglaubt, der er wirklich so einen Bart hat.

Auf diesen Mann kann ich nicht scheißen. Das geht nicht. Ohne ihn will ich nicht leben. Schlimm genug ist die Vorstellung dass er eines Tages sterben muss...
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Re: Outing in der Familie. - Homophober Großvater

Beitragvon Night » 13 Okt 2015, 21:01

aussiegerman hat geschrieben:"Wenn du ein wirklich gutes Verhältnis zu deinen Eltern hast[...]"

Wenn ich nicht mit ihnen über persönliche Dinge reden kann, ist es dann wirklich so gut? Also ich würde es definitiv nicht als schlecht bezeichnen, aber mir fällt es halt schwer etwas über die Lippen zu bringen. Dass ich es ihnen sagen werde steht für mich eigentlich schon fest, aber die Frage ist WIE?

Brief? Oder doch lieber im Gespräch? Keine Ahnung der Einstieg ist einfach am schwersten und da hab ich keine Ahnung wie ich das machen soll.


Auch wenn die Verhältnisse in unserer Familie zueinander gut sind, so oft reden wir dann auch nicht über wirklich tiefgehende Sachen. Mir persönlich ist sowas auch immer schwer gefallen. Teilweise ist das heute noch so. Ich habe mich vor manchen Dingen einfach völlig abgeschottet, bis es einfach nicht mehr ging.

Ja, der Einstieg ist sehr schwer. :D Aber, oh man, geht es einem danach besser. Ich weiß noch, dass ich es damals zuerst meinen Großeltern gesagt habe. Ich bin gar nicht mit dem Vorhaben zu denen gegangen, dass ich mich jetzt outen muss. Eigentlich war ich nur nach der Schule bei ihnen zum Essen. Aber irgendwie (ich weiß nicht wieso), hatte ich plötzlich das Gefühl, dass ich jetzt mit der Sprache rausrücken muss, oder ich wäre so dermaßen von mir enttäuscht gewesen. Ich bin dann mit ihnen ins Wohnzimmer und wir haben etwas Ferngesehen. Mein Herz hat geschlagen wie bekloppt. Und dann habe ich so ganz vorsichtig gesagt "Ich muss mal mit euch über was sprechen". Und mein erster Gedanke war: "Fuck, was habe ich gemacht?! Jetzt gibt es kein Zurück mehr!"
Meine Oma hat sofort den Fernseher ausgemacht und ich wusste gar nicht was ich jetzt sagen sollte. Ich weiß auch jetzt nicht mehr zu 100% war ich gesagt habe. Ich weiß nur noch dass es sowas war wie, dass ich gemerkt habe, dass ich irgendwie nicht auf Frauen stehe. Das Wort schwul habe ich mich nicht getraut auszusprechen, auch wenn der Fall dann ja wohl klar war. :D Ich weiß aber noch, dass die 1-2 Sekunden bevor ich den Mund aufgemacht habe, sich so anfühlten, als müsse ich mich jeden Moment übergeben. Da kannst du mal sehen, welche Last man von sich geworfen hat.

Wie du es ihnen sagen möchtest bleibt dir überlassen. Ich habe das persönliche Gespräch zu meinen Großeltern und meinem Vater gesucht. Meinen Freunden habe ich es damals noch über MSN mitgeteilt. (Am gleichen Abend übrigens. Wollte das alles so schnell wie möglich hinter mich bringen.) Mach es einfach so, wie du es für richtig hältst.

Weißt du denn, wie deine Eltern über Homosexualität denken?

aussiegerman hat geschrieben:Und mein Opa... nunja sicher ist er ein konservativer intoleranter altern Mann, aber es ist immer noch mein Opa. Es ist der Mann, zu dem ich als Kind gegangen bin, wenn ich mich von meinen Eltern missverstanden gefühlt habe. Der Mann, der immer Zeit für mich hat. Der Mann, den ich anrufen kann, ganz egal was ist, er kommt. Der Mann der Gefühlt mehr Zeit für mich hatte als meine Eltern. Der Mann von dem ich mich mehr geliebt gefühlt habe als von meinem Vater. Der Mann den meine Freunde alle zum schreien komisch finden. Der Mann, dem ich nie nein sagen könnte wenn er meine Hilfe braucht. Der Mann, der meinen Kindergartenfreunde erzählt hat, er sei der Weihnachtsmann, und diese haben es geglaubt, der er wirklich so einen Bart hat.

Auf diesen Mann kann ich nicht scheißen. Das geht nicht. Ohne ihn will ich nicht leben. Schlimm genug ist die Vorstellung dass er eines Tages sterben muss...


Ich kann dir da nur meine Einschätzung zu geben. Ich habe auch schon einige Leute in meinem Leben verloren die mir etwas bedeutet haben. Die Sache ist einfach, wenn ich merke, dass mich jemand aus irgendwelchen Gründen nicht mehr mag oder mich scheiße findet, dann kann diese Person bei mir noch so viele Sympathiepunkte in der Vergangenheit gesammelt haben, ich brauche sie dann nicht mehr.

Und wenn ich lese, dass dein Opa zu dir gesagt hat, dass wenn du schwul bist "wir geschiedenen Leute sind" und dir da unterschwellig irgendwie droht, dann macht mich dass doch irgendwie betroffen. Einfach weil ich mir vorstelle, wenn das mein Opa (zu dem ich auch ein wunderbares Verhältnis habe) zu mir sagen würde... So wie ich mich kenne, würde ich wohl aus Protest zu ihm gegehen und sagen, dass ich schwul bin.

Ich weiß auch nicht wie ich dir das anders sagen soll, ohne, dass es scheiße klingt. Entweder dein Opa ändert mit der Zeit seine Meinung über Homosexualität oder ihr beide werdet keinen Kontakt mehr zueinander haben. Aber das ist so ein Problem, an dem man auch arbeiten kann.

Frerek
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Re: Outing in der Familie. - Homophober Großvater

Beitragvon Frerek » 14 Okt 2015, 10:19

Hallo aussiegerman,
ich gebe dir mal meine Einschätzung dazu.
Bei mir wissen es auch nur einige Freunde, von der Familie nur meine Tante und meine Schwester.
Mein Opa ist vor einiger Zeit mit 87J. gestorben und ich hatte mir ebenfalls vorgenommen, es ihm nicht zu beichten.
Selbst wenn er noch länger leben würde, würde ich es ihm nicht sagen.
Ich habe ebenfalls diese "Rolle" als einziger männlicher Nachkomme, den Familiennamen weiterzugeben. Aber das ist mittlerweile Blödsinn, denn wenn meine Schwester mal heiraten sollte, können die Kinder auch ihren Familiennamen annehmen. Ich vermute mal, dass sich mein Opa auch seinen Teil gedacht hat, aber er hat mich zumindestens nie darauf angesprochen.
Das Verhältnis zu meiner Mutter ist sehr gut, aber auch eben nicht so richtig innig. Ich habe damals halt immer mit Freunden über Probleme etc. gesprochen. Sie würde es sicherlich verstehen und ich hab auch schon einmal so ein paar Andeutungen gemacht, in welche Richtung es gehen könnte, aber wirklich geoutet habe ich mich noch nicht. Ein besonders inniges Verhältnis zu meinem Vater habe ich nicht, er ist oft arbeiten und widmet seinem Hobby viel Zeit, sodass wir ihn dieses Jahr alle kaum gesehen haben.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Outing? Ich denke mal dann, wenn deine Eltern entspannt sind und nichts größeres Ansteht. Mein Vater lag jetzt lange im Krankenhaus und meine Schwester auch (es geht aber beiden gut) und mein Opa ist verstorben vor nicht all zu langer Zeit, deswegen werde ich meine Mutter erstmal mit einem Outing verschonen, damit sie sich nicht noch mehr Sorgen und Gedanken macht.
Ich finde es auch wichtig, sich selbst nicht unter Druck zu setzen.
Irgendwann werde ich es allen erzählen, aber nach und nach. Mein Onkel orientiert sich politisch auch eher rechts und auch mein Vater ist Schwulen nicht wirklich zugetan, und wenn irgendwann beide keinen Kontakt mehr wünschen, dann ist das eben so. Damit muss man als Schwuler eben umgehen können.

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Re: Outing in der Familie. - Homophober Großvater

Beitragvon aussiegerman » 14 Okt 2015, 19:42

Zuerst einmal vielen lieben Dank für eure Antworten. :)

Night hat geschrieben:Weißt du denn, wie deine Eltern über Homosexualität denken?


Naja nur so halb. Als Teenager wird man ja des öfteren gefragt, "Was man mal werden will." und ich wusste es halt überhaupt nicht und da meinte mein Vater zu dem bekannten, der fragte: "Naja so lange er nicht son schwuler Friseur wird, ist alles gut." Dabei sollte ich jedoch dazu sagen, dass mein Vater was gegen Friseure hat, diese würde ja eh kein Mensch brauchen und wirklich was können tun sie auch nicht. (aber das ist ein anderes Thema)

Auf der anderen Seite, hat mir eine Freundin erzählt, als sie ihr Vater, mein Vater und ein weiterer Nachbar mal zusammmen saßen, gings irgendwie kurz um die Ehe für alle. Und mein Vater soll laut ihr gesagt haben "Ja solln die doch heiraten, ist doch nichts schlimm dran und stört auch niemanden." Somit weiß ich dass er kein Problem damit hat.

Ich habe auch schon mal einen Jungen relativ oft mit nach hause gebracht und meine Eltern so "wo kommt der her?" und "woher kennst du ihn?" Als hätten sie den Braten gerochen. Aber ich glaube nicht, dass sie das wirklich ernst genommen haben.

Freunden gegenüber bin ich mitlerweile recht offen. Im Dorf meiner Eltern wissen es bis jetzt zwar nur eine Hand voll, aber das liegt eher daran, dass es meine Eltern noch nicht wissen sollen. Wenn bei denen die Katze aus dem Sack ist, gehe ich total offen damit um. Dann ist mir auch egal was Nachbarn und so weiter sagen. Der einzige vor dem ich mich richtig verstecke ist mein Opa. Wäre er mir egal wäre das sicher einfacher.

Und naja ich suche noch nach einem weg wie ich es meinen Eltern sage. Mein Vater ist generell nie entspannt, es sei denn er besteigt irgend einen Berg. :D
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Re: Outing in der Familie. - Homophober Großvater

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