Mir fällt es schwer meine Homosexualität zu akzeptieren.

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Peak
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Mir fällt es schwer meine Homosexualität zu akzeptieren.

Beitragvon Peak » 05 Sep 2018, 15:01

Hallo,

Mir fällt es nicht leicht darüber zu schreiben, aber es brennt mir ziemlich auf der Seele. Weiß auch nicht, ob ich damit hier richtig bin.

Es folgt ein langer Text:

Mir fällt es schwer meine eigene Homosexualität zu akzeptieren. Ich weiß, dass ich schwul bin, aber es gibt in mir einen Teil, der das ablehnt, wenn ich mir das selber sage, obwohl ich seit letzem Jahr geoutet bin und mittlweile sehr gute Erfahungen mache.

Aber das war nicht immer so. Meine Umgebung hat mich schon früher "erkannt" als ich mich selber und dafür ziemlich oft, sogar ausschließlich diskriminert. Sowohl in der Schule, als auch zu Hause und auch in der Gesellschaft. Irgendwie habe ich das schon immer ausgestrahlt und mir war auch immer schon bewusst, dass ich das eigene Geschlecht bevorzuge.
Erst seit letztem Jahr ist es das erste mal gewesen, dass ich von mir selbst ausgesagt habe "ich bin schwul" und nicht die anderen. Ich hatte all die Jahre solche Angst mich zu outen, weil ich eigentlich nur schlechte Erfahrungen gemacht habe, obwohl ich nie von mir aus gesagt habe, dass ich schwul bin.

Ich bin damit quasi groß geworden, dass das Wort schwul oder es auch wirklich zu sein schlecht ist oder nicht richtig und das schon von klein an.
Am meisten hat man mir damit gezeigt, dass schwul sein bedeutet, dass ich kein Mann bin, sondern ein Schwuler und Schwule nimmt man nicht ernst und man macht sich lustig über sie, denn sie sind keine richtigen Männer. Schwule sind schwach.

Ich weiß, dass an Homosexualität absolut nichts schlechtes ist, aber mein Gefühl will, dass (noch) nicht ganz akzeptieren. Das liegt alles bei mir so tief, dass ich mich für meine Sexualität schäme und auch wirklich immer denke "hoffentllich merkt keiner das ich schwul bin", wenn ich irgendwo neu bin oder ich jemanden neues kennen lerne.
Ich wurde auch immer wieder darauf einfach so angesprochen, ob ich denn schwul sei, was ich als unglaublich unverschämt und respektlos empfinde und, wie auch schon geschrieben, mich durch meine Homosexualität nicht ernstgenommen fühle. Ich finde diese Frage einfach zu privat und zu intim. Ich kann einfach nicht stolz zurück antworten: "Ja, ich bin schwul." Ich fühle mich durch diese Frage unfassbar reduziert.
Ich muss ganz ehrlich sein, ich mag diese Frage nicht.

Ich kann darauf einfach nicht stolz sein, obwohl ich mit meinem Outing gute Erfahrungen gemacht habe. Die Angst dafür diskriminiert zu werden ist bei mir einfach größer als stolz darauf zu sein, wofür ich mich sehr schäme, weil ich so gerne darauf stolz sein möchte und darauf, auf gut deutsch "scheißen" möchte, was die anderen sagen, aber es gelingt mir einfach nicht.

Mir gelingt es einfach nicht zu sagen, ich bin schwul ohne davor Angst zu haben, dass ich diskrimniert werde. Obwohl ich weiß, dass es nicht so sein muss. Meine größte Angst ist einfach für meine Homosexualität nicht ernstgenommen zu werden, aber ich kann mich nicht gegen Anfeindungen wehren, weil ich mich einfach zu schwach fühle oder ich dann in eine unglaubliche Schockstarre komme. MIr kann es einfach nicht egal sein, was andere darüber sagen oder denken.

Ich kann nicht stolz darauf sein. Ich habe auch immer das Gefühl, ich muss mich verstellen, damit man es nicht merkt oder bin eher am Rand. Ich bin durch die Angst nicht ich selber.

Wenn ich mit anderen Schwulen zusammen bin, egal ob Freunde oder fester Freund oder auch One Night Stand, habe ich immer das Gefühl es ist nicht richtig was ich tue. Was ich hier tue ist falsch und unmännlich. Ich kann das alles nicht genießen, obwohl ich weiß, das es nichts schlimmes ist was ich tue.

Wenn ich diskriminiert werde geht es mir extrem nah und ich kann mich nicht wirklich davor schützen. Ich ziehe mich auch dann wirklich zurück und weine auch darüber, anstatt mich zu wehren. Ich muss auch immer wieder an die Diskriminierungen denken, die ich erlebt habe. Ich kann mich davon nicht befreien.

Mein Ziel ist es wirklich darauf stolz zu sein, dass ich schwul bin und mich auch so anzunehmen wie ich bin, aber es gelingt mir nicht. Mittlerweile habe ich mehr was gegen meine eigene Homosexualität als meine Mitmenschen und dafür schäme ich mich. Ich beneide anderen Homosexuelle dafür, dass sie stolz auf ihre Homosexualität sind und es ihnen egal ist, was andere über sie sagen und sie nicht verstecken. Ich verkehre selber in diesen Kreisen, aber so richtig stolz sein darauf kann ich einfach nicht sein.

Ich weiß, es ist sehr lang und es wiederholt sich auch aber ich musste mir das von der Seele schreiben und irgendjemanden schreiben. Was ich damit bewirken möchte, weiß ich selber gar nicht.

Mir fällt es schwer meine Homosexualität zu akzeptieren.

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Hyazinth
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Re: Mir fällt es schwer meine Homosexualität zu akzeptieren.

Beitragvon Hyazinth » 06 Sep 2018, 11:21

Du könntest mit einem Therapeuten sprechen. Das ist nichts schlimmes.
Da könntest du lernen, besser damit umzugehen.
Ich suchte, wo der Wind am schärfsten weht...

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Rincewind
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Re: Mir fällt es schwer meine Homosexualität zu akzeptieren.

Beitragvon Rincewind » 14 Sep 2018, 19:42

Hi,

Leider gibt es heutzutage immer noch irgendwelche homophoben Idioten, die Schwule diskriminieren.
Von denen solltest du dich aber nicht einschüchtern lassen.
Du bist halt schwul, und das kannst du nicht ändern.
Ich weiß, das klingt jetzt total abgedroschen, aber es ist so.
Ich weiß jetzt nicht, wie alt du bist, aber irgendwann wirst du über deine Zweifel garantiert lachen.
Ich wünsche dir alles Gute.

 


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