Meine Coming-Out-Story

Rund ums Coming-Out - wenn es das überhaupt gibt.
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Changeling
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Meine Coming-Out-Story

Beitragvon Changeling » 23 Dez 2014, 04:43

Im Vorraus: Ich neige oft zu Sarksamus und bin teilweise sehr selbstironisch. Außerdem könnte es sein, dass hier ein paar sehr zynische Dinge drinstehen - wenn das so ist, bitte vergebt mir. Nichts davon ist böse, diskriminierend, verurteilend oder sonstwie gemeint. Fühlt euch trotzdem frei, mich auf etwas hinzuweisen, wenn ihr es als Grenzüberschreitung anseht :D
Weil heute (bzw. gestern, immerhin poste ich das hier spät in der Nacht/früh am Morgen) ein Schlüsselerlebnis in meinem Coming Out stattgefunden hat, will ich meine bisherige Geschichte mal hier reinschreiben. Evtl. wird später noch ein Update dazukommen, aber nur, wenn es ganz bedeutungsvoll ist :D
Fürs Protokoll: Ich bin jetzt 17 Jahre alt und besuche die 11. Klasse. Ich habe zwei ältere Brüder. Meine Eltern sind in einer Baptisten-Freikirche und relativ streng religiös.

Also gut. Gemerkt habe ich, dass ich schwul bin, als ich ca. 13 war. Ich war selber zwar immer ein kleines bisschen mollig am Bauch, aber der Großteil meiner Klassenkameraden war schon immer schlank, viele davon athletisch. In diesem Alter fingen sie also alle an, definierte Muskeln auszubilden.
Ich habe damals schon klammheimlich Pornos geschaut, wenn meine Eltern weg waren (damals war mir blöderweise nicht klar, dass es so etwas wie eine Browserchronik oder einen privaten Modus gibt), aber Hetero-Pornos, weil ich da noch nicht wirklich wusste, dass es noch was anderes gibt. Dazu muss ich anmerken, dass ich mich schon immer vor Vaginas geekelt habe ^^
Eines Tages am Jahresanfang hatten wir also Sportunterricht und zogen uns alle um. Mein Blick fiel auf die Oberkörper meiner Klassenkameraden und ich war total geschockt, fasziniert, angetörnt und noch ein paar andere Sachen, insgesamt ein Wirr-Warr. Am Anfang kapierte ich nicht so ganz, was das zu bedeuten hatte, aber irgendwann dämmerte es mir. Ich bin schwul.
Damals haben sich zwei Seiten in meinem Inneren ausgebildet, die in hartem Konflikt standen. Da war die lüsterne, wilde, freie Seite meiner Persönlichkeit, die von dem Zeitpunkt an vergnügt schwule Pornos konsumiert hat, fast täglich masturbiert und nicht aufhören konnte, von diesem einen Klassenkameraden mit einem perfekten (heute noch viel perfekteren :o ) Oberkörper und dem supercoolen Temperament zu träumen, und da war die andere Seite. Oben habe ich schon erwähnt, dass meine Eltern ziemlich religiös sind - das haben sie an ihre Kinder weitergegeben.
Diese andere Seite in mir wusste damals, dass ich ein Sünder war und es verdiente, in die Hölle zu gehen. Mir war von Anfang an klar, dass das niemals in meinem ganzen Leben irgendjemand erfahren dürfte. Ich habe mich selber gehasst und habe nachts im Bett geschrien und geweint und getobt und zu Gott gebetet, er möge mich heilen (ganz schön krass, ich weiß).
Genau, das war also der Konflikt. Weiter ging es mit dem Detail, dass ich mir zu meinem vierzehnten Geburtstag einen Kindle gewünscht habe. Da ich keinen Amazon-Account hatte und habe, wurde dieser auf den Account meines Vaters registriert. Was mir aber nicht klar war, war, dass mein Vater dadurch genau nachsehen konnte, was ich auf dem Kindle kaufe.
Ich las also fröhlich vor mich hin. Eines Tages, das war kurz nach meinem 15. Geburtstag, kam ich auf den Gedanken, dass es doch auch schwule Literatur geben müsste. Ich hatte zu der Zeit schon den einen oder anderen Liebesroman gelesen (Ja, Twilight war dabei, ich gebe es offen zu) und war neugierig, ob das andere Ufer, mein eigenes Ufer, etwas davon zu bieten hatte. Und tatsächlich - nach ausführlichen Überlegungen kaufte ich mir den Roman "Tim" (sehr zu empfehlen, wenn man nach einem naiven Euphemismus einer Romanze sucht).
Mein Vater hat das gesehen und mich darauf angesprochen. Von wegen "Was interessiert dich an einem Buch, in dem sich ein Junge in einen anderen verliebt?". Zu der Zeit hatte ich fast etwas wie ein Selbstbewusstsein dazu und einen Stolz darauf entwickelt, schwul zu sein.
In dieser Situation entschied ich mich aus folgenden Gründen, mich bei meinem Vater zu outen:

1. Wie oben erwähnt, wusste ich nichts von der Browser-Chronik. Als mein Vater diese auf meinem Benutzer also eines Tages aus irgendeinem Grund durchsah, fand er eine ausführliche Bibliothek sämtlicher schwulen Pornoseiten, die man suchen könnte. Als er mich darauf ansprach, habe ich ihm gesagt, dass ich nur neugierig war. Ich habe größte Zweifel, dass er das geglaubt hat, aber er hat nichts weiter dazu gesagt und es auch nicht wieder angesprochen.

2. Wenige Wochen zuvor war ich mit meinen Eltern auf einem Wochenende der Kirche gewesen. Dazu müsst ihr wissen, dass die Kirche meiner Eltern an das sog. "Charisma", das heißt, an Geistesgaben glaubt. In einfacher, nicht-christlicher Sprache (ist tatsächlich ein Problem, wenn neue Leute da in die Kirche kommen) heißt dass, man betet, dass einen der heilige Geist erfüllt, und dann kann man auf einmal in fremden Sprachen beten und mit der Kraft Gottes andere Menschen heilen und hat prophetische Eindrücke usw. (Anmerkung: Ich war Zeuge einer Heilung; nur aus dem Grund bin ich heute immer noch Christ, wenn auch in einer liberalen Gemeinde)
Auf diesem Wochenende wurden prophetische Eindrücke für jeden Anwesenden gesammelt. Zu der Zeit habe ich übrigens Selbstmord als Ausweg in Betracht gezogen. Und der Eindruck, den mein Vater für mich hatte, was nichts weiter als: "Akzeptiere dich, wie du bist". Daraus habe ich geschlossen, dass Gott nichts gegen Schwule hat.

3. Ich hatte einfach keine Lust mehr, mich zu verstellen, und irgendwie dachte ich auch, dass mein Vater es sowieso schon weiß, weil er meine Browser-Chronik gesehen hat. Zudem war ich davon überzeugt, dass er es tolerant und entspannt aufnehmen würde.

Tja, das ganze war ein Reinfall ^^
Nach kurzem Gestammel war es draußen, dann saß er erstmal nur fünf Minuten lang da, schwieg und fuhr sich immer wieder durch die Haare (ich kann mich an jede Sekunde noch genau erinnern). Dann stand er auf, holte eine dicke Bibel aus dem Regal und schlug schnell ein paar homophobe Verse auf. Da hört meine Erinnerung an den Tag auf, ich weiß nur, dass ich von da an allgemein nur noch sehr wenig empfunden habe. Das hat sich noch eineinhalb Jahre fortgesetzt.
Am nächsten Tag kam er mit ein paar Broschüren an von irgendwelchen Leuten, die mit Gottes Hilfe "gesund" geworden sind und jetzt ein Leben als "normale" Menschen führen können - halt diese Schwulenheilerkacke. Er hat auch noch eine Internetadresse gefunden, von einer Organisation namens "Wüstenstrom", die mit der Kirche meiner Eltern zusammenarbeitet. Da hat er mich hingeschickt; naja, nicht wirklich hingeschickt. Das war viel komplizierter:
Ich habe damals noch fröhlich die Ansichten meiner Eltern nachgeplattert von wegen kein Sex vor der Ehe bla bla bla, und deshalb hielt ich mich für total fromm und dachte, wenn ich nur den Schein ware, wird Gott das alles schon wieder einrenken. Daher habe ich meinem Vater auch eifrig zugestimmt, als er mit den Broschüren und der Adresse angekommen ist. Er hat mir eingeschärft, dass ich mich mit dem Thema Schwulenheilung nur befassen soll und zu Wüstenstrom gehen, wenn ich das selber will. Damals habe ich natürlich so getan, als wollte ich das. Aus irgendeinem Grund dachte ich, ich würde meine Eltern enttäuschen, wenn ich etwas anderes wollte. Die Wahrheit war, ich war einfach nicht so weit. (Anmerkung: Ich bin insgesamt zwei mal zu Wüstenstrom gegangen, und jede Sekunde dort war ein Horrortrip für sich. Bitte lasst euch so etwas nie antun - es hat mich heftig verstört, und ich erhole mich jetzt erst, knapp zwei Jahre danach, von diesen zwei Sitzungen!)
Ich habe also angefangen, ein Doppelleben zu führen. In mir drin war ich immer mehr meine Superschwuchtel-Seite und bin aus purer Rebellion auf immer härtere Pornoseiten gegangen (keine Sorge, hat bei BDSM-Eierfolter aufgehört und das ist dann auch wieder zurückgegangen :lol: ) Und nach außen war ich der fromme Langeweiler.
Und hier kommt die große Wende!
Kurz vor diesem schiefgegangenen Outing habe ich mich für einen einjährigen Schüleraustausch beworben und wurde angenommen (lief über Rotary, was ich jedem nur schwerstens empfehlen kann!!). Nach ein paar kleinen Bürokratieprozessen kam dann heraus, dass ich nach Taiwan gehen werde, und aus irgendeinem Grund bin ich da dann auch hin.
In Taiwan habe ich viele Leute kennengelernt, die meisten davon Austauschschüler, weil es in Taipei extrem viele davon gibt (Taipei hat drei Rotary-Distrikte mit insgesamt ca. 120 Austauschschülern - Vergleich: Der gesamte Landkreis Stuttgart ist ein Distrikt mit ca. 15 Austauschschülern), zum Beispiel einen ziemlich klischeehaft schwulen Österreicher, nennen wir ihn Ernest. Er hat sich von Anfang an ziemlich sassy verhalten, war aber nirgends geoutet und wusste, dass seine Schule in Österreich extrem homophob ist (im Gegensatz zu meiner zum Beispiel). Nach dem ersten Monat hat er aber den Mut zusammengekriegt, sich mithilfe seiner besten Freunden bei sämtlichen Austauschschülern Taiwans öffentlich zu outen. Damals habe ich mich tolerant gegeben, aber hatte (im Nachhinein zu meiner milliardenfachen Ärgernis) nicht den Mut, ein "follow-up-outing" zu machen.
Eine andere Person ist dessen beste Freundin, die ich vor wenigen Zeilen schon erwähnt habe. Nennen wir sie mal Fauna. Eine Dortmunderin, Party-Bitch und liberal. Mit ihr habe ich mich prima verstanden und wir konnten über eine Menge Sachen reden. Sie war immer total nett mir gegenüber, auch wenn sie anderen gegenüber total bitchig war (sie hat mich sogar allein vor einer Gruppe Lästerschwestern verteidigt, als ich mal Gesprächsthema war, habe ich später von verschiedenen Personen erfahren). Auf der Hälfte des Austauschjahres (viieel zu spät) habe ich mich bei ihr geoutet.
Ihr müsst wissen, so ein Austausch verändert einen Menschen. Man wird von selbst mit der Zeit viel selbstbewusster und selbstsicherer, lernt, auf andere zuzugehen und sich zu präsentieren (das alles vor allem aus dem Grund, dass man erstmal allein dasteht und sich ein neues Leben aufbauen muss). Daher nahm ich auch den Mut, diesen Schritt zu wagen.
Von da an ging alles aufwärts. Wir redeten stundenlang über meine Erlebnisse und Schritt für Schritt änderte sich meine Weltanschauung. Ich wurde immer selbstsicherer in meiner sexuellen Orientierung und outete mich nach zwei Monaten ebenfalls bei sämtlichen Austauschschülern, und -siehe da - sie haben es entspannt aufgenommen. Das war die glücklichste Zeit meines Lebens bisher. Wir gingen mit falschen Pässen clubben und erzählten unseren naiven Gasteltern, dass wir bei einem Klassenkameraden lernen und dann übernachten (die haben das wirklich geglaubt, weil taiwanesische Schüler das machen), hatten einen Haufen angenehmer Abende irgendwo an einem Fluss, in einem Park oder auf einem Berg mit Wein, Zigaretten und billigen Sounboxen und haben unser Leben in vollen Zügen genossen (sorry, dass ich hier so ausschweife, aber ich werde gerade nostalgisch).

Ein wichtiger Punkt in meinem Coming-Out-Prozess war am ersten April (ja, genau da)
Ich hatte genug Mut und Selbstbewusstsein gesammelt, um meinem besten Freund in meiner alten Klasse in Deutschland zu sagen, dass ich schwul bin. Wir hatten das ganze Jahr über Kontakt und ich habe viele Nächte durchgemacht und mir den Schlaf mit LoL zocken, reden und lachen um die Ohren gehauen. Und ja, am ersten April hat es sich tatsächlich ergeben, dass ich es ihm gesagt habe. Er kommt selber von einem liberal-evangelischen Elternhaus, also war er zwar zuerst skeptisch, aber ich habe ihm eine Chance gegeben und etwas Zeit gelassen (am 2. April habe ich mich erkundigt, ob er sich verarscht fühlt, aber er meinte, dass er glaube, ich hätte es ernst gemeint). Heute ist er total gelassen und geht cool damit um, und unsere Freundschaft ist so angenehm und vertraut wie ich es nie erwartet hätte.

Der zweite Schritt war es, mich jemandem in der Familie anzuvertrauen. Zu dem Zeitpunkt waren der ältere meiner Brüder schon mit dem Nachbarsmädchen zusammen, mit dem er heute verlobt ist (hat nichts mit Sex vor der Ehe zu tun, sie sind total liberal und haben das monatelang intensiv besprochen). Von diesem Mädchen, nennen wir sie Lara, wusste ich, dass sie es gut aufnehmen würde, weil sie immer wieder die eine oder andere Äußerung von sich gibt, die Toleranz durchblicken lässt. Also habe ich sie über facebook angeschrieben und mich bei ihr geoutet. Sie hat es wie vorausgesehen gut aufgenommen und mich gefragt, ob sie es gleich noch meinem Bruder, der im gleichen Raum saß, sagen sollte. Ich wollte, dass sie sich vorsichtig umhört, wie er reagieren könnte - sie fragte ihn einfach "wenn einer deiner Brüder schwul wäre, was würdest du denken?" Er gab darauf irgendeine tolerante Antwort, wie "würde keinen Unterschied machen", daraufhin habe ich ihr grünes Licht gegeben ^^

Dann bin ich wieder vom Austausch zurückgekommen. Ich habe ein Schuljahr wiederholt, was sich mMn sehr gelohnt hat, weil ich davor der Jüngste in meiner Klasse war. Ich habe also mit dem ersten Oberstufenjahr angefangen mit genau drei Leuten, davon ein Paar, bei denen ich out war und dem Vorsatz, meinen Eltern eines Tages offen zu sagen, dass ich ihre Ansichten nicht mehr teile (eigentlich habe ich mich unnötig verrückt gemacht). Da es der Anfang der Oberstufe war, kamen einige neue Schüler dazu, die es mir erleichtert haben, mich in die Klassengemeinschaft einzufinden (ich bin kein sehr sozialer oder aufgeschlossener Mensch), und inzwischen liebe ich meine Klasse und habe längst bemerkt, dass meine alte Klasse im Vergleich extrem unsozial war :lol:
Und mit der Zeit habe ich mich zuerst bei einem anderen guten Freund aus meiner alten Klasse geoutet, der es sehr entspannt aufgenommen hat und von dem lustigerweise alle denken, er sei schwul, weshalb er ständig Witze darüber macht (er ist, sagen wir - speziell), dann bei einem Mädchen in meiner Klasse, dann bei deren Freund, dann bei einem Mädchen in meiner alten Klasse, von der ich früher als "Tarnung" so getan habe, als würde ich auf sie stehen (alle haben es geglaubt; vielleicht steckt ja wirklich in jedem Schwulen ein Schauspieler?). Und ich war total selbstbewusst und bin mit der Haltung durch mein Leben gegangen, wenn mich jemand offen und unter vier Augen fragt, ob ich schwul bin, bestätige ich das einfach. Das ist aber nie vorgekommen, weil bei mir niemand auf den Gedanken käme, ich wäre schwul, wenn ich nicht in Frauenklamotten herumlaufen würde :D Ich bin der lebende Beweis, dass die Klischees nicht stimmen müssen.

Gut, kommen wir also zu dem Grund, warum ich das alles heute hier hinschreibe (an dieser Stelle entschuldige ich mich für den Riesenroman, den ihr lesen dürft plus haufenweise verwirrender Klammern und Anmerkungen).
Meine Eltern hatten in letzter Zeit einige heftigere Probleme in ihrer Ehe (hat sich aber wieder eingekriegt). Im Verlauf dieser Probleme hatte meine Mutter eines Morgens, an dem ich - schön gesagt - fett verschlafen habe, einen Ausraster, weil ich so unselbstständig sei usw. Sie hat sich hereingesteigert und mir tatsächlich jedes Detail der Probleme zwischen ihr und meinem Vater erzählt und dass sie kurz vor der Scheidung stünden, was mich ziemlich verstört hat. Anmerkung: Ich habe geweint, weil ich meine Mama lieb habe.
Später an dem Tag hat sie sich entschuldigt, kurz nachdem mein Vater angerufen hatte und sich ebenfalls entschuldigt hat. Immerhin, sie haben sich Mühe gegeben, mich aus der Sache herauszuhalten. Ich habe auf die Whatsapp-Nachricht meiner Mutter "Wie fühlst du dich jetzt?" so ehrlich wie möglich geantwortet, dabei habe ich mich zum ersten Mal seit Jahren komplett geöffnet und alle meine Gefühle gezeigt. (Ich konnte mit meiner Mutter schon immer vertraulich über alles reden) Ich habe ihr also auch gesagt, dass ich ihre religiöse Ansicht nicht teile und dass ich auch weiterhin schwul bin, trotz Therapie usw. und dass ich nicht glaube, dass das irgendwie heilbar sei.
Damals - naja, "damals" ... eher vor einer Woche hat sie sich zuerst nur für meine Ehrlichkeit bedankt und grob angedeutet, dass sie denkt, dass ich einfach einen anderen Lebensweg einschlagen sollte als sie und mein Vater, was übersetzt bedeutet, sie akzeptiert mich.
Was also heute (also am 22.12.14) passiert ist, ist, dass sie auf dieses Gespräch zurückgekommen ist. wie waren sowieso schon dabei, uns fröhlich über unsere Probleme in der Familie zu unterhalten, und da war das auch keine große Sache. Was sie im Prinzip gesagt hat, ist, dass sie mich akzeptiert und unterstützt (plus noch diese ganze elterliche "ich werde dich immer lieben egal was"-Floskel); ihr einziger Vorbehalt war, dass ich es als Hetero leichter hätte im Leben. Aber dieser Vorbehalt ist ja nichts Negatives.
Es verläuft gerade total positiv, ich oute mich bei immer mehr Leuten und habe mich endlich von meinem streng religiösen Hintergrund loslösen können.
Nach allem, was ich an Feedback von meinem Mitmenschen kriege, bin ich ein sehr netter Mensch und vertrete Werte wie Nächstenliebe, was mich freut, da ich überzeugt bin, dass Gott kein so homophobes Schwein ist wie die meisten seiner Anbeter; daher bin ich noch Christ.
Meinem Vater werde ich das ganze auch mal unter die Nase reiben, wenn es sich gibt, aber an sich ist er mir recht egal, weil er mein ganzes Leben lang fast nur gearbeitet hat und ich ihm seine Reaktion damals nicht verzeihen kann. Ich tuhe trotzdem so, als würde ich ihn mögen ^^
Ansonsten freue ich mich auf die weiteren Entwicklungen in meinem Leben.

Cheers! Liebe Grüße vom Changeling (hier kriegt ihr übrigens einen kleinen Einblick in die Wahl meines Usernames -> Stichwort Veränderung) :) Falls ich Fragen offen gelassen haben sollte, fühlt euch frei, nachzubohren
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Re: Meine Coming-Out-Story

Beitragvon bennybp » 23 Dez 2014, 10:52

Danke für diese, also deine Geschichte. Vieles hat sich zum Guten gewendet und ich hoffe, das macht vielen anderen Lesern Mut :flag:
Ich fand jetzt die Reaktion deines Vaters auf dein 1. Outing vor circa 2 Jahren zwar nicht dolle, aber auch nicht unverzeihbar. Im Rahmen seiner (eingeschränkten) Möglichkeiten hat er doch recht moderat reagiert. Du erklärst auch sehr schön, warum du dich damals nicht gegen einige Scheiße hast wehren können: Du warst noch nicht soweit! Vielleicht kann das auf ähnliche Art und Weise dein Vater für sich in Anspruch nehmen?
Was mir allerdings böse auf den Senkel geht, ist diese Missachtung jeglicher Privatsphäre. Ich meine, wer soviel daran setzt, die Internetaktivitäten seines Sohnes zu erforschen (etwas kann ich ja den Wunsch schon verstehen) dem war doch auch die Beschämung, die das bei dir auslösen musste, total egal :(
Allerdings spricht gegen eine Kontrollsucht deines Vaters, das er dich für 1 Jahr nach Taiwan hat ziehen lassen. Für diese Erfahrung beneide ich dich und verstehe, das du ins Schwärmen kommst :)
Naja, ich denke, es sollte iwann mal dazu kommen, das du deinem Vater an den Kopf knallst, was er dir damals mit seiner Reaktion angetan hat und du vielleicht eine neue Basis mit ihm findest.
Alles Gute :flag:
Der Akil hat es mir gemacht!
Also das Profilbildchen!! Tschuldigung Frost, wollte dich nicht eifersüchtig machen.

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Re: Meine Coming-Out-Story

Beitragvon Changeling » 23 Dez 2014, 11:11

ich hoffe, das macht vielen anderen Lesern Mut :flag:

Was mir allerdings böse auf den Senkel geht, ist diese Missachtung jeglicher Privatsphäre.

Alles Gute :flag:

Danke sehr :) ich hoffe auch sehr, dass es anderen Mut macht. Meine Story gehört zwar nicht gerade zu den "alltäglichen" Coming-Outs, die man zu tausenden auf youtube findet, aber sie ist auch nur ein weiterer Beweis dafür, dass egal wie schlecht die Situation vor dem Coming-Out zu sein scheint, sie wird garantiert besser.

Und irgendwie kann ich diese Überwachung nachvollziehen, ich meine, welche Eltern machen sich keine Gedanken darüber, mit was ihr Kind in Kontakt kommen soll/darf?

Und danke :D Auch alles Gute!
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Re: Meine Coming-Out-Story

Beitragvon bennybp » 23 Dez 2014, 11:28

Changeling hat geschrieben:
Und irgendwie kann ich diese Überwachung nachvollziehen, ich meine, welche Eltern machen sich keine Gedanken darüber, mit was ihr Kind in Kontakt kommen soll/darf?


Ja, ich habe auch geschrieben, das ich das teilweise verstehen kann. Aber ist so eine Art des Eingriffes nicht zu intim? Was wollen Eltern denn dagegen tun, wenn sich 15-jährige Pornos im Netz anschauen wollen? Was können sie überhaupt machen? Wenig. Dein Vater konnte es doch auch nicht verhindern. Es war ihm nur möglich, zu schauen, was du dir anguckst. Wenn er nicht will, das du dir so etwas anschauen kannst, dann muss er dir die Möglichkeit dazu nehmen. Aber bitte nicht einfach nachschauen, welche Seiten du aufgerufen hast. Wenn du das mit einem Freund machen würdest, würde man das als Stalking bezeichnen. Aber eigentlich ging es in deinem Thread nicht primär darum, sorry

Ich finde auch deine Beschreibung sehr schön, wie dein Selbstbewusstsein mit deinen COs gewachsen ist :)
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Re: Meine Coming-Out-Story

Beitragvon TechBoy96 » 23 Dez 2014, 23:39

Interessant. Schön, dass deine Eltern dich trotz ihres Glaubens akzeptieren.

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Re: Meine Coming-Out-Story

Beitragvon Changeling » 24 Dez 2014, 01:32

In der Tat :D Es lebe die Kompromissbereitschaft :flag:
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Re: Meine Coming-Out-Story

Beitragvon Vielreder » 25 Dez 2014, 22:35

Hallo Changeling, ich finde deine Geschichte wirklich interessant, ist mal etwas anders, und die ganze Sache mit Religion und so auch. Deine Mutter scheint ja aber eigentlich ziemlich cool drauf zu sein, ich verstehe es gut, ein vertrautes Verhältnis zur Mutter zu haben, ist eine super Sache! Muss aber in der Natur der Dinge liegen, dass das bei Vätern weniger ausgeprägt ist meistens. Von ihm hast du dich ja aber doch sehr beeinflussen lassen damals.

Mir gefiel ja der Teil mit dem wachsenden Selbstvertrauen, kenne ich gut von mir selber, wenn auch aus anderen Gründen.^^
Aber schön dass es auch mit dem Coming Out so gut klappt bei dir, hoffe dass es weiter so läuft! :)
Wenn ich das so lese, denke ich drüber nach, ob ich mich nicht eventuell auch bei ein paar mehr Leuten outen sollte, da bekommt man echt Mut.
"Lernen ohne zu denken ist eitel. Denken ohne zu lernen ist gefährlich."
-Kung Fu Tse

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Re: Meine Coming-Out-Story

Beitragvon Changeling » 25 Dez 2014, 22:49

Wenn ich das so lese, denke ich drüber nach, ob ich mich nicht eventuell auch bei ein paar mehr Leuten outen sollte, da bekommt man echt Mut.

Ich fand es bisher immer viel besser nachdem ich mich bei jemandem goutet habe im Vergleich zu der Zeit vor einem Outing. Es ist auf jeden Fall eine Überlegung wert. Das einzige, was ich persönlich nicht machen würde, wäre, mich vor der ganzen Schule zu outen oder so, denn es muss ja wirklich nicht der letzte Depp wissen, was ich so im Bett treibe :D
Und selbst wenn sich jemand nach deinem CO distanziert, hast du immerhin keinen Schaden, weil die Person dann kein wirklicher Freund war ^^
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Re: Meine Coming-Out-Story

Beitragvon TechBoy96 » 25 Dez 2014, 23:47

Changeling hat geschrieben:
Wenn ich das so lese, denke ich drüber nach, ob ich mich nicht eventuell auch bei ein paar mehr Leuten outen sollte, da bekommt man echt Mut.

Ich fand es bisher immer viel besser nachdem ich mich bei jemandem goutet habe im Vergleich zu der Zeit vor einem Outing. Es ist auf jeden Fall eine Überlegung wert. Das einzige, was ich persönlich nicht machen würde, wäre, mich vor der ganzen Schule zu outen oder so, denn es muss ja wirklich nicht der letzte Depp wissen, was ich so im Bett treibe :D
Und selbst wenn sich jemand nach deinem CO distanziert, hast du immerhin keinen Schaden, weil die Person dann kein wirklicher Freund war ^^

Bin gerade am Überlegen, ob ich mich (überhaupt) outen soll. Deine Story ist für mich sehr hilfreich. THX :)

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Re: Meine Coming-Out-Story

Beitragvon Changeling » 25 Dez 2014, 23:59

Bin gerade am Überlegen, ob ich mich (überhaupt) outen soll. Deine Story ist für mich sehr hilfreich

Das freut mich!! Dafür hab ich sie gepostet ^^ und was meinst du mit "überhaupt"? Wie alt bist du? Und ich würde sagen, dass du dich auf jeden Fall outen solltest, weil es irgendwann frustrierend werden wird, sich zu verstellen oder einfach einen Teil von sich zu verschweigen.
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Re: Meine Coming-Out-Story

Beitragvon TechBoy96 » 26 Dez 2014, 00:01

Bin 18 und noch vollkommen ungeoutet:
https://forum.boypoint.de/coming-out-f8 ... 20620.html

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Re: Meine Coming-Out-Story

Beitragvon Changeling » 29 Dez 2014, 00:21

Update: Ich habe heute ausführlich mit meinem Vater gesprochen, und das Ergebnis war, dass er mich vollständig akzeptiert und wesentlich entspannter ist, als ich gedacht hätte (wir haben auch übers Grasrauchen usw. gesprochen, und ich hätte jeden für verrückt erklärt, der mir zuvor gesagt hätte, dass mein Vater dem gegenüber locker ist)
Der Einzige, der es noch erfahren muss, ist mein Bruder :D danach bin ich in meiner nahen Familie komplett out!
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Re: Meine Coming-Out-Story

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