Kein Mut zum Schwulsein?!

Rund ums Coming-Out - wenn es das überhaupt gibt.
dehib
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Kein Mut zum Schwulsein?!

Beitragvon dehib » 13 Dez 2008, 17:51

Eins vorweg: Ich bin eigentlich kein verklemmter Mensch!
Mit 11, 12 Jahren war mir eigentlich schon klar dass ich nicht so war wie die anderen. Mit 15 fand ich die Bilder der Jungs in der Bravo schon immer viel schöner...
Ich begann dann mit 17 mit meinen ersten sexuellen Beziehungen zu Frauen, bei denen ich mich aber nie wirklich zuhause gefühlt habe. Den Sex mit Frauen empfinde ich nur wie einen Tropfen auf den heissen Stein, weil sie mir nicht das geben können was ich ich brauche. Mit 17 oder 18 oder so bin ich das erste Mal in eine andere Welt mit einem anderen Jungen eingetaucht und hatte meinen ersten schwulen Sex.
Mit 22 hatte ich mein Comming-Out, auf das mein Umfeld größtenteils irritiert reagiert hat.
Ich wollte meinen größtenteils männlichen Freundeskreis deswegen nicht verlieren und habe das nie an die große Glocke gehängt. Nach einiger Zeit habe ich mich nach Normalität gesehnt, später vor allem um meiner an Lungenkrebs erkrankten Mutter zu schützen und habe versucht "normal" zu sein. Ich habe also versucht an Frauen zu denken und habe Ihre Nähe gesucht, was natürlich nicht geklappt hat. Es ist so frustrierend sich selbst zu betrügen und auf der anderen Seite Schuldgefühle zu haben weil man anders ist. Wenn ich danach gefragt werde wann es denn endlich bei mir mal mit einer Freundin klappt fühle ich mich total unfähig und unnütz.

Gibt es jemanden dem es ähnlich geht oder bin ich einfach nur zu feige?

Kein Mut zum Schwulsein?!

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Re: Kein Mut zum Schwulsein?!

Beitragvon hehe » 13 Dez 2008, 18:31

so erstmal hi dehib,
so hab mich schonmal angemeldet hab dann aber doch nicht geschrieben aber naja...jetzt tu ichs ja ;)
so bin eigentlich nicht so der mensch mit den richtigen worten, also nicht wundern wenn es etwas komisch ausgedrückt ist ;) Also schon mal vorweg, tut mir wahnsinnig leid mit deiner mutter, hoffe es geht ihr trotzdem einigermaßen zu zeit.
also irgendwie seh ich mich zum teil in deiner story wieder, weiß auch schon länger das ich nicht "normal" in der hinsicht bin und mit fast 15(3/4 jahr her) wusste ichs halt sicher.
so schon mal kleine frag vorweg: hast du dich jemals bei deiner mutter geoutet?
ich find dich nicht feige, nene, du willst wohl einfach nur deine mutter glücklich machen, schätze ich jetzt mal. aber wenn du schon selbst sagst, das du mit frauen nicht glücklich wirst, dann kannst du es ja auch nicht erzwingen. ich bin mir sicher das deine Mutter bestimmt mehr froh ist wenn du glücklich mit einem Mann bist als wenn du inglücklich mit einer Frau bist ;) und das mit den freunden: ich meine wenn sie wirklich frende sind dann sollten sie eigentlich kein problem damit haben, schließlich seit ihr freunde ;)

so das war mal mein teil dazu, ich hoffe ich hab mich nicht zu holperig ausgedrückt ;)

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Re: Kein Mut zum Schwulsein?!

Beitragvon Kaito » 13 Dez 2008, 18:40

Nein du bist definitiv nicht Feige. Du denkst halt erst einmal an andere bevor du auf dich selbst schaust, du möchtest nicht, dass sich etwas ändert, nur weil du anders bist als die andern und sie evt. untolerant mit dem Thema umgehen könnten. Ich kann das sehr gut verstehen, dass du dich schlecht fühlst, weil du dich selbst betrügst, aber Schuldgefühle, weil du anders bist, musst du doch nicht haben. Schuldgefühle haben Menschen meist, wenn sie etwas falsch gemacht haben, aber du hast doch nichts falsches getan, was deine Homosexualität hervorgerufen hat. Stimmt doch oder? Also brauchst du auf keinen Fall Schuldgefühle zu haben, im Gegenteil. Du musst jetzt erstmal in die Zukunft schauen und ich denke mal du bist dir sicher und dir ist 100% klar, dass du schwul bist. Um in die Zukunft schauen zu können, musst du erstmal wissen wo du stehst. Wie es bei dir aussieht... bei wem du dich outen möchtest, wer tolerant gegenüber dem Thema ist und wer nicht... ob du mit jemanden darüber reden kannst... nur du kannst dir selber helfen. Du musst wissen was dein persönlicher Weg ist und du darfst dir keine Gedanken darüber machen wie die anderen das sehen, dass ist ihre Entscheidung. Sie können sich entscheiden ob sie mit dir weiter was zu tun haben wollen oder lieber Abstand nehmen möchten. Es ist schwer, aber wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.

edit: Willkommen hier im Forum (@beide). Stellt euch doch mal im Vorstellungsthread vor, wenn ihr möchtet. :)
Zuletzt geändert von Kaito am 13 Dez 2008, 18:41, insgesamt 1-mal geändert.
Du fühlst es schon dein ganzes Leben lang, dass mit der Welt etwas nicht stimmt. Du weißt nicht was, aber es ist da. Wie ein Splitter in deinem Kopf, der Dich verrückt macht.

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Re: Kein Mut zum Schwulsein?!

Beitragvon impetus » 13 Dez 2008, 22:01

Servus,

ich kann dich sehr gut verstehen und erkenne mich in Teilen in dir wieder. Ich habe mich früher oft gefragt, warum ich nicht einfach ein normales, möglichst langweiliges Leben führen kann, ein paar Freundinnen in der Schule, dann an der Uni bei einer hängenbleiben, eine Familie und so weiter...
Das werde ich nie haben. Stattdessen tut sich die Perspektive auf, ein ganzes Leben lang immer anders zu sein in einer Gesellschaft, die zwar nicht mehr ausschließlich feindselig eingestellt ist, aber auch noch lange nicht bei einem toleranten und entkrampften Miteinander in allen Bereichen angekommen ist. Ich mag es gar nicht, anders zu sein, aber habe keine andere Wahl - warum sollte dir in so einer Situation nicht mulmig zumute sein? Was kann man dir in so einer Situation dann schon raten? Mir fällt nur eines ein: Es wird nicht dadurch besser, dass du mit dir haderst. Wenn du es schrittweise selber ganz für dich akzeptierst, dass es so ist wie es ist, wirst du damit auch glücklicher werden. Aber das ist wirklich leichter gesagt als getan - jedenfalls finde ich schon jeden Schritt von dir in diese Richtung mutig (und auch das bereits erfolgte Outing).
Divorced, Beheaded, Died, Divorced, Beheaded, Survived.

 


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