je älter, desto schwieriger...

Rund ums Coming-Out - wenn es das überhaupt gibt.
Riod
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je älter, desto schwieriger...

Beitragvon Riod » 10 Apr 2008, 00:29

Nachdem ich nun längere Zeit durch die Beiträge hier bei boypoint gestreift bin habe ich mich dazu entschlossen nun auch mal meine 10 cent beizutragen. Das ich mich mit meinen inzwischen 27 Jahren ausgrechnet in diesem Forum mitteile kommt mir selber etwas strange vor (naja bei einer Bezeichnung mit dem Titel "boypoint" denke ich an eine Altersspanne von 15-21) aber hier empfand ich die Atmosphäre am besten und die Community scheint schwer in Ordnung zu sein. Zu meiner Person kann ich folgendes sagen: das ich schwul bin entdeckte ich mit ca. 16 und im Gegensatz zu dem was man häufig ließt würde ich mein inneres coming out auf lediglich einen Monat abschätzen. Zunächst war die übliche Panik da, jedoch tat ich das was ich immer mache wenn ich verunsichert bin und fing an alles über das Thema zu lesen. So kam ich auf das oft gehörte Zitat "manchmal ist es nur eine phase im jugendlichen alter" und ich dachte ... ok damit kann ich leben, hielt meine Klappe und wartete ab. Naja da ich mich selbst als spätreif einstufen würde, war das soweit noch die richtige Entscheidung doch die Zeit schritt voran und ich wurde schließlich volljährig. Es war kurz nach meinem 18 Geburtstag das ich auf meinem Zimmer saß meine Familie im Haus hörte und dachte "entweder du stehst jetzt auf, machst klaren Tisch und gut ist; oder du blätterst um ließt das nächste kapitel in dem Buch vor deiner Nase und hält die Klappe und zwar für immer" und da begann mein großer Fehler. Ich blätterte die Seite um verkroch mich in meine Phantasie, mit welcher ich reichlich gesegnet worden bin, und schwieg ...

Ich nachhinein könnte ich heulen das ich damals noch über kein Internet verfügte (meinen ersten Anschluss hatte ich mit 19 *kotz). Ich wohne in einer ländlichen Gegend und auch wenn ich durchs Lesen wußte, dass es einige von uns gibt, fühlte ich mich dennoch isoliert. Viele in meinem Umfeld sagen, dass ich über eine starke individuelle Persönlichkeit verfüge dennoch konnte ich nie den Mut aufbringen in diesem Punkt zu mir selbst zu stehen und schämte mich dafür, weil ich das Gefühl hatte meine Ideale oder Teile meiner Persönlichkeit dadurch zu verlieren (ich weiß; klingt nach Dramaqueen).

Die folgenden Jahre verliefen im Grunde genommen alle identisch. Ich bin stehts darum bemüht Freunde nicht zu nahe an mich heran zu lassen um diesen Teil meiner Persönlichkeit nicht offenbaren zu müssen. Freundschaften welche ich als Jugendlicher pflegte sind zu kumpelhaften Bekanntschaften verkümmert. Jemand der cleverer und mutiger gewesen wäre als ich hätte in meiner Situation vermutlich Jugendgruppen oder ähnliches aufgesucht jedoch schaffte ich es durch eine Mischung aus falschem Stolz und Unsicherheit heraus, mir auch diese Chance zu nichte zu machen. Ironischer Weise kommen Leute häufig zu mir um mir von Ihren Problemen zu erzählen selbst wenn diese mich kaum kennen. Keine Ahnung warum und obwohl ich diesen Leuten immer wieder sage das drüber reden das beste ist was sie machen können, bekomme ich es in meinem eigenen Leben nicht auf die Reihe über meinen Schatten zu springen.

An Empfindungen habe ich inzwischen zahlreiche Erfahrungen sammeln müssen. Von Verdrängung über Wut auf die Gesellschaft, Resignation bis zu Soizidgedanken (keine Bange; ich durfte in meinem Leben so viele schöne Dinge erleben das dies für mich nie wirklich Frage gekommen ist) habe ich keinen emotionalen Zustand ausgelassen. Nach außen hin habe ich es jedoch stehts immer wieder geschafft ein falsches Selbstbildnis von mir vorzugaukeln (Leider).

In letzter Zeit hat sich jedoch etwas in mir geändert. Früher konnte ich nicht nur mein Umfeld, sondern auch mich selbst davon überzeugen, dass ich ein zufriedener glücklicher Mensch bin. Letzeres funktioniert jedoch nicht mehr. Ich habe den Eindruck, dass ich an einem Punkt angekommen bin, in dem ich erst wirklich realisiere was ich mir selbst und meinem Leben angetan habe und jeden Tag aufs neue antue. Das ganze Geflecht aus Lügen und dem unterdrücken von natürlichen Bedürfnissen. Wenn ich beginne darüber nachzudenken bekomme ich fast Brechreize (und das meine ich wörtlich). Mich im Alltag zu konzentrieren fällt mir zunehmend schwerer. All meine Gedanken sind auf dieses total unbefriedigende Leben gerichtet. Inzwischen spüre ich sogar beruflich Auswirkungen. Meine Leistungsfähigkeit hat nachgelassen die Überwindung morgens überhaupt aufzustehen fällt mir immer schwerer. Warum sollte man auch, was hat der Tag einem schon zu bieten.

Versteht mich nicht falsch es geht hier nicht um unerfüllte Sexualität oder ähnlichem. Hey ich bin schwul; Sex kann ich fast zu jeder Zeit überall bekommen. Jedoch anonym ... mehr würde ich ja auch nicht zulassen.
Nein es geht viel um für andere Menschen ganz banale Dinge. Neben jemanden morgens aufzuwachen. Dem Partner beim pennen zu beobachten und die paar Nackenhaare zu betrachten für die man sich so in Ihn verguckt hat oder mit jemaden zusammen im Sommer im Park auf dem Rasen zu sitzen, die Sonne zu genießen und sich dabei Gegenseitig im Arm zu halten. Zusammen einkaufen zu gehen und sich darüber zu streiten welche Sorte Erbsen jetzt besser schmeckt. Klingt Kitschig ... ist aber so.
Statt dessen; naja ich würde sagen ich funktioniere, aber Leben ist was anderes.

Ich könnte das jetzt vermutlich noch viel ausschweifender Beschreiben (man hat mit 27 Jahren verdammt viel zu erzählen), jedoch würde das zu weit ausufern. Naja ich hoffe ich konnte den jüngeren unter euch ein Argument mit an die Hand zu geben nicht den Fehler zu begehen und mit aufschieben anzufangen. Ich würde zwar nicht behaupten das mein Leben vorbei ist, dafür ist es nie zu spät. Aber sich jetzt vor Freunde, Familie und Arbeitskollegen zu stellen und zu sagen das alles eine Lüge war ... Themawechsel das Brechgefühl kommt wieder auf. :(

je älter, desto schwieriger...

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Beitragvon HappyPhantom » 10 Apr 2008, 01:41

hi riod!
wow irgendwie beängstigend...nachdem ich deinen beitrag gelesen hab war ich mir nicht mehr ganz sicher ob du da von dir erzählst oder doch von mir ;)
ich kenne einige der gefühle und gedanken die du da beschreibst echt ziemlich gut. vor allem das resignierende? klingt blöd, aber hey, es is nie zu spät. schwiedig durchaus aber nicht zu spät?bin auch schon etwas älter und hatte jetzt vor kurzem erst mein(e ersten) coming out(s) und das nur weil ich echt einfach schon sooo angepisst war (ja okay und der alkohol hat es etwas erleichter?ja und natürlich mein handy?dumme geschichte ganz dumme geschichte ;) )
ich hab mir immer gedacht:?ne jetzt is der falsche zeitpunkt? ach das passt jetzt aber gar nicht?in meinem alter is doch irgendwie lächerlich?jetzt sag ichs, oh mein schuhband is offen?usw. usw. wollte das es was ?besonderes? wird (ich weiß is echt blöd). ich wollte das man zusammensitzt und es ganz natürlich und selbstverständlich kommt. na ja aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. das selbstverständliche hat sich irgendwie nie eingestellt und so stolpere ich momentan von einem coming out zum nächsten. alles ist irgendwie surreal, nicht so wie ich es mir vorgestellt habe und ich komme mir ziemlich lächerlich vor?aber es fühlt sich einfach richtig an (gott, ich steh auf kitsch ;) ).
es is witzig mit einer freundin über burschen zu reden, von einem freund angerufen zu werden und nach den reaktionen des coming outs gefragt zu werden oder meinem bruder die schamesröte ins gesicht zu treiben?seltsam, befremdend aber irgendwie schön.
ich muss aber zugeben das es bei mir wirklich nur reine formsache war mit der ich mehr probleme hatte als alle anderen. Ich wusste eigentlich doch ziemlich genau das keiner ein problem damit haben würde (warum auch ;) ). Und wenn doch einer ein problem haben sollte bin ich glücklicherweise so selbstständig das ich auf niemanden angewiesen bin (gut diese sicherheit zu haben).
Wünsch dir also alles gute und viel erfolg bei allem was du machst und wie du dich entscheidest (war das jetzt zu dick aufgetragen?!?!) ;)
"Das Ei ist die Welt. ..."
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Beitragvon benny » 10 Apr 2008, 02:31

hey riod!
ich würd sagen mir ging/geht es genauso wie dir! bin jetzt 21 geworden und habe was mein coming out betrifft sowie jungs kennenlernen noch gar nicht viel erreicht. habe immer beziehungen zu frauen gehabt die mich teilweise auch zufrieden gestellt haben, jedoch halt nicht 100%tig. Das mich beide geschlechter interessieren weiß ich auch schon länger, nur im gefühle unterdrücken und verdrängen bin ich weltmeister ;).
jedoch habe ich nun einen punkt erreicht an dem ich einfach nicht mehr anders kann. (brechreiz trifft bei mir zwar nicht zu beschreibt aber zu dem thema meine gefühlswelt recht gut)
hab jetzt hier im forum auch jemanden kennengelernt mit dem ich mich schon getroffen hab. ich merke halt dass es mir gut tut und das gibt mir so langsam die kraft damit nun offener umzugehen und hoffentlich in naher zukunft es auch anderen mitteilen zu können.
hoffe dass es dir bald besser geht und ich denke mal es ist nie zu spät ;).. warum auch noch länger unglücklich sein..

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Beitragvon Sperli » 10 Apr 2008, 04:52

Ich stimme euch voll und ganz zu. Mein ersten Coming outs laufen auch an und es laeuft super!!! Bin gluecklich darueber auch wenns mir manchmal schwer faellt, genau wie HappyPhantom schon sagte.
Ich wuensche dir alles gute Riod!! :wink:
Wenn dir das Wasser bis zum hals steht, dann lass den Kopf nicht haengen.

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Beitragvon xfreshx » 10 Apr 2008, 08:49

auch wenn es bei mir, wie an anderer stelle des forums zu lesen, ziemlich schwierig war mit dem coming-out, rate ich jedoch jedem, der von sich weiß, dass er schwul ist, zu einem coming out.
ich muss mich meinen vorrednern da nur anschließen, denn es ist nie zu spät. auch wenn sich mittlerweile ein paar mehr hürden aufgebaut haben, die es zu überwinden gilt, heißt das noch lange nicht, dass du die nicht alle überwinden kannst. die ein oder andere wird ein bisschen hartnäckig sein, doch auch das ist zu schaffen.

wenn ich mich in deine situation reinversetze, dann würde ich zu aller erst mit den engsten freunden anfangen und mit denen darüber sprechen. denn wenn man es dort erst einmal "losgeworden" ist, dann hat man sich einen rückhlat aufgebaut. mit diesen personen kann man sich dann auch darüber unterhalten, wenn das coming-out bei dem einen oder anderen nach hinten losgegangen ist...
eine stütze bei so etwas zu haben ist, finde ich, das wichtigste von allem.

wenn du es wirklich willst, dann solltest du es auch tun, egal welche zweifel in dir hausen. du wirst sehen, dass es dir danach viel besser geht.

viel glück! ich drück dir beide daumen ganz fest!
Schwul ist keine Krankheit sondern ein Ausdruck von persönlicher Individualität!

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Beitragvon BuddytheBest » 10 Apr 2008, 10:25

..hey deine story fand ich echt interessant und ich glaube, dass es vielen so geht. es gibt kein zeitlimit für das coming out, man kann sich zu jeder zeit outen.. ist ist aber schon nahe gelegt sich rechzeitig zu outen. die meißten kommen mit dem druck einfach nicht mehr klar und warten nur ab bis das ventil sich öffnet..

ich glaube kaum, dass wenn man sich erst viel später outet, dass dann die familie etc. komisch reagiert..
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Beitragvon Aeneas » 10 Apr 2008, 21:15

Hey Riod,

ich hab dir eine PN geschickt.

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Beitragvon HappyPhantom » 11 Apr 2008, 03:17

eigendlich bin ich der meinung das es im alter doch einfacher sein sollte. man is (wie schon gesagt) unabhängiger und sollte auch eine gewisse reife haben mit der man rückschläge besser beweltigen können sollte und mit der man auch erkennen sollte da man es nicht jedem recht machen kann.
was es sicher wiederum erschwert ist die (lange) zeit in der man das alles mit sich selbst ausgemacht hat.
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ich bin überrascht

Beitragvon Rally » 11 Apr 2008, 23:12

Hi Roid, Du beschreibst genau das, was mein bisheriges Leben erzählt. Ich muß "leider" auch gestehen das ich schon etwas älter bin (sorry), knapp über 30 und habe "Angst" vorm älter werden! Bin gestern über Google hier gelandet und bin über diesem Beitrag gestolpert, der beschäftigte mich den ganzen Tag...

Meine Situation ist genau die gleiche, es ist jetzt für mich schon komisch über mich selbst hier zu schreiben, ein beklemmendes Gefühl. Mein Leben läuft und lief in geregelten Bahnen. Ich habe einen sehr guten Shop, hatte eine sehr schöne Kindheit, ganz liebe Eltern, blos mit der Liebe fahre ich Achterbahn. Ich "hasse" mich selbst das ich schwul bin, dieses Wort *heul*. Warum gerade ich, die Frage stellt sich immer wieder. Liebend gern würde ich eine "normale" Familie haben, ich wollte bzw. träumte immer von so eine Familie wo ich aufgewachsen bin mit eigenen Kindern und so, aber es geht nicht.
Ich habe Freunde denen ich ein schönes Single dasein vorlebe, aber im Inneren sieht es anders aus. Meine Eltern sagen schon das ich wohl ewig Single bleiben werde, ich fühle mich in die Ecke gedrängt....hallo, ich habe da ein "Problem" und kann mir keine Freundin anlachen, heiraten und Kinder kriegen. Wie Du schon schreibst, ich lebe vor mich hin, gehe arbeiten, lebe von Wochende zu Wochende, fahre mit Freunden in den Urlaub, umgehe Gespräche wenn es um Frauen und Familienplanungen geht, ich funktioniere einfach nur...im Herzen bin ich einsam.

Auch ich hatte schon "Soizidgedanken", dann wäre ja alles vorbei und ich hätte meine Ruhe und kann das "Geheimniss" mit ins Grab nehmen. Aber keine Angst, ich lebe viel zu gerne, ich liebe diese Welt, gehe klettern, leibe die Natur und hab auch schon viel von der Welt gesehen.
Sport ist in meinem Leben auch an erster Stelle. Manchmal habe ich das Gefühl das mich der Sport über die "Einsamkeit" hinweg hilft. Ja, nach dem Sport fühle ich mich gut, mittlerweile betreibe ich den Sport viele Jahre leistungsorientiert (Langstrecke Laufen, Marathon, Langsdistanz Duathlon, Radfahren)...aber ich glaube, ich motivier mich nur noch zu Höchstleistung vor Wut das ich schwul bin. Partnerschaft und sexuelle Erfahrung hab ich noch nicht gemacht. Aber ich träume immer davon.
Ein Hass auf die Gesellschaft hab ich manchmal auch, warum kann das schwulsein nicht als "normal" eingestuft sein, dann wäre ich sofort auf Partnersuche und hätte nicht immer dieses beklemmende Gefühl.
Ach *seufz*, irgendwas muß mal passieren....echt ätzend das Ganze. Manchmal könnte ich so los heulen.....

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Beitragvon ChaosFreak » 11 Apr 2008, 23:49

Ich lese im Forum immer wieder von Leuten, die meinen, ein Outing sei zu riskant und man wolle sich, wenn überhaupt erst in einigen Jahren outen. Wir hatten vor kurzem einen Thread namens "Wovor habt ihr Angst?", oder so ähnlich, wo genau das thematisiert wurde. Ich hoffe, der eine oder andere überdenkt eben diese Haltung, wenn er sich die sehr wertvollen Beiträge von Riod und Rally durchliest.

Auch ich hatte Angst vor meiner Homosexualität. Mein inneres Outing brauchte mehrere Jahre und ich dachte immer, als "Schwuler" wäre ich alleine. Nun, ich lebe auf dem Dorf und habe hier keine homosexuellen Freunde, aber ich habe gute Freunde und Familie. Und dazu habe ich im Internet (vor allem hier bei boypoint) den einen oder anderen Menschen kennen gelernt, den ich ebenfalls sehr gerne als Freund bezeichne. Wir sind nicht alleine, es sei denn, wir isolieren uns. Und ein wichtiger Schritt für diese Isolation ist, sich und seine Sexualität, die ein Teil von uns ist, zu verstecken.

Achte dich selbst und andere werden dich achten! Ein Outing ist nicht das Ende der Welt. Soweit ich gelesen habe, fühlten sich danach fast alle befreit und viel glücklicher als zuvor. So ging es auch mir jedes mal :) Vor allem aber, fühlt man sich nicht mehr so einsam, weil wirkliche Freunde und Familie für einen da sind und sich an sowas wie Homosexualität nicht stören!

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Beitragvon timtom » 12 Apr 2008, 01:01

Wie soll die "Gesellschaft" etwas akzeptieren, wenn wir selber das nichtmal tun?
Solange wir das nicht als normal ansehen wollen, wird es auch kein anderer für uns tun.
The greatest enemy of freedom is a happy slave.

Riod
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Beitragvon Riod » 12 Apr 2008, 16:57

Hi Leutz,
ich hab jetzt erst einmal eure Antworten in den letzten Tagen abgewartet. Erst mal danke das ihr euch die Zeit genommen habt meinen doch nicht all zu kurzen Beitrag zu lesen und darüber hinaus auch noch geantwortet habt.
Daher möchte ich mir an dieser Stelle die Zeit nehmen Stellung zu euren Aussagen zu nehmen...

@HappyPhantom: Erst mal, Nein! War nicht zu dick aufgetragen. Musste beim Thema Alkohol und Handy schmunzeln. Und ich bin mir sicher, wenn ich denn Alkohol konsumieren würde, was ich jedoch nicht mache, wäre ich schon lange geoutet. Dann hätte ich mich einmal verplappert oder an jemanden rangeschmissen, dann hätts vermutlich noch 'ne große Heulerei gegeben bla, bla und danach wäre alles Klasse. Ich habe nämlich auch das Glück eigentlich hervorragende Freude/Familie zu besitzen. Ok, ein paar blöde Witze müsste ich mir vermutlich anhören aber pff, scheiß drauf. Freu mich das du deine ersten Outings hinter dich gebracht hast und bin gleichzeitig überzeugt, dass wenn die ersten Reaktionen der Leute gut rüber gekommen sind, du dadurch den Rückhalt erhälst den du benötigst um auch dem Rest der Welt gegenüber zu treten (ich muss an meinem Satzbau arbeiten).

@benny: 21 *schnief das waren noch Zeiten. Mit Frauen habe ich seit dem ich weiß das ich schwul bin keine Beziehungen gepflegt, abgesehen von platonischen Freundschaften (welche jedoch auch sehr tief gehen können). Das war eines der Versprechen welche ich mir selbst gegeben habe nachdem ich mich dummer Weise dazu entschlossen hatte mich nicht zu outen. Ich hätte das Gefühl gehabt sie nur zu benutzen und das wollte ich auf keinen Fall. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich nie eine Freundin hatte. Ich bin der Überzeugung das der reale Kontakt zu anderen mmm ich sag jetzt mal betroffenen hast definitiv eine Entscheidung ist, welche dich vorran bringen wird. Ich könnte jetzt philosophisch werden so nach dem Motto ein Reisigzwei bricht leicht ein Bündel jedoch ..., aber ich denke du merkst selber noch schnell genug wie dir das helfen wird :-)

@Sperli: Danke fürs Antworten, wünsch dir auch alles Gute.

@xfreshx: dem habe ich eigentlich nichts hinzuzufügen. Höchstens eine Ergänzung wie ich es vor mir selbst gerechtfertigt habe, dass ich meine Freunde (und ich habe wirklich KLASSE Freunde) belogen bzw. nicht eingeweiht habe. Ich weiß ja nicht wie es euch geht mit dem "nicht zu sich selber stehen", aber was mir persönlich am meisten zu schaffen macht ist das LÜGEN. Ich verabscheue es! Jedes mal wenn ich einem Menschen der eigentlich offen und freundlich auf mich zugeht und versucht etwas über mich zu erfahren belüge. Es fühlt sich an als würde dabei jedes mal etwas in mir Kaputt gehen; ist schwer zu beschreiben.
Ein Beispiel: Auf einer Feier sprach mich eine gute Freundin an und sagte zur mir: "Weißt du ich habe nichts gegen Schwule, wie stehts mit dir bist du schwul?" (ich meine; Hallo ein offensichtlicheren Wink mit dem Zaunpfahl gibts wohl nicht). Ich überlegte einen Moment und sagte dann das ich NICHT schwul sei, jedoch kein Problem mit selbigen hätte. Innerlich fühlte ich mich dabei in etwa, als hätte ich sie während ich das zu ihr sagte ein Messer zwischen Ihre Rippen geschoben (ich konnte die Enttäuschung in Ihrem Gesicht sehen). Es hat mich total fertig gemacht und mir Anlass dazu gegeben, mich weiter von Ihnen zu distanzieren. Das wollte ich NIE wieder fühlen. Aber ich schweife zu weit aus. Der Grund warum ich sie belüge ist der, dass meine größte Angst darin liegt meine Familie mit meinem Outing zu spalten. Würde ich jetzt meine Freunde einweihen, hätten diese zwei Möglichkeiten. Entweder sie würden mich gegenüber meiner Familie mehr oder weniger zwangsouten (übrigens auch ein interessantes Thema für ein Forum) oder alternativ für mich Lügen und ich habe ja zu anfang bereits erwähnt was ich davon halte.

@BuddytheBest: Interessanter Nickname könntest mit Dr. Cox verwandt sein :-). Btw. wenn das du auf dem Foto bist dann halte ich dich für die Reinkarnation von Heath Ledger; R.I.P. - schade das er so früh gehen musste :-(. Der Vergleich mit dem Ventil ist übrigens sehr treffend wobei ich es bei der riesigen Menge schon eher als Staudamm bezeichnen würde. Aber um das ganze mal plastisch weiter zu denken. Wenn ein Staudamm bricht, ist das meistens mit einer Katastrophe verbunden ...

@HappyPhantom: zweiter Beitrag :-). Öhh nein, ich denke was du mit unabhängig meinst ist; eigener Job, eigene Wohnung. Gut ist auf alle Fälle ein Argument jedoch möchte ich dir mal einen anderen Gedanken mit an die Hand geben. Stell dir vor du bist sagen wir knapp 30 arbeitest in einem Unternehmen bist inzwischen vielleicht sogar Vorgesetzer oder hast zumindest Auszubildende unter dir. Kurz gesagt; du stellst eine Athoritätsperson dar. Ich weiß nicht wie ihr das seht aber ein spätes Outing, und da ich selbst betroffen bin darf ich das wohl sagen, sehe ich als eine Art Charakterschwäche. Das Verträgt sich nicht so gut miteinander. Darüber hinaus muss man sich schon die Frage gefallen lassen; Warum erst jetzt? Ihm jugendlichen bis jungen erwachsenen Alter formt sich der Charakter wie auch die Sexualität erst aus; jeder weiß das und hat dies zu respektieren. Ein junger Schwuler muß sich demnach einer solchen Frage nicht stellen. Oder anders ausgedrückt, für einen Schwulen der sich erst spät outet kommt zum eigentlichen schwul sein noch die Erklärungsnot des langen Stillschweigens hinzu. Eine zusätzliche Hürde.

@Rally: Nachdem ich deinen Beitrag gelesen hatte, wußte ich zunächst nicht was ich dir Antworten kann. Zu Anfang möchte ich sagen das sich deine Situation von der in welcher ich mich befinde grundsätzlich unterscheidet. Nach dem was du da schreibst hast Du ein problem damit schwul zu sein. Dies war bei mir jedoch lediglich eine verhältnismäßig kurze Phase. Wenn du wirklich solche Schwierigkeiten mit dir selbst hast würde ich dir anraten phsychologischen Rat in Anspruch zu nehmen. Ich weiß bei weitem zu wenig über dich um ein wirklich gutes Statement dazu beitragen zu können.

@ChaosFreak: ... kann ich nur zustimmen. Ach, und danke für die Blumen

@timtom: jo, das sehe ich genauso

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Beitragvon HappyPhantom » 15 Apr 2008, 00:57

hi riod!
du hast recht. der alkohol hat sicher einiges erleichtert, doch ohne die entscheidung mich zu outen, währe es auch nicht passiert (soviel alkohol hätte ich nicht trinken können um mich einfach so zu verplappern?glaubs mir, schon das eine oder andere mal die probe aus exempel gestartet ;) ) es hat mir an diesem abend einfach gereicht. ich war wirklich schon richtig arg angepisst (vor allem wegen mir selbst)? hab ich erwähnt das es mein geburtstag war? (wieder das alter ;) )
die sache mit den schwierigen Arbeitssituationen kenn ich durchaus. ich arbeite sehr viel mit kindern (auch sehr jungen) zusammen und die vorurteile über kinder und homosexuelle sind vielfältig wie auch starr und gefestigt. ich bin an meinem arbeitsplatz nicht geoutet und habe es im prinziep auch nicht vor (sollte ich direkt darauf angesprochen werden habe ich nicht vor zu lügen?denk ich ;) ). ich sehe keinen grund weswegen meine sexuelle orientierung hier von interesse sein sollte, da ich meinen job einfach sehr gut und gerne mache.
Die sache mit der Charakterschwäche finde ich?interessant ;)
es wird immer wieder leute geben die alle möglichen dinge als charakterschwäche sehen. die falsche einstellung, die falsche sexualität, falsche augenfarbe oder rasse. dann wird es immer menschen geben die diese ?charakterschwäche? als stärke auslegen, da ihnen klar ist wie schwierig gewisse situationen (und der umgang mit diesen) sein müssen und wie viel stärke mut usw. es benötigt mit diesen ?schwächen? umzugehen oder damit raus zu rücken.
die fragen nach dem ?warum jetzt? kann man beantworten oder auch nicht (nicht auf jede frage die einem gestellt wird muss man zwangsläufig antworten oder eine antwort haben).
ich weiß nur wie es bei mir war. dachte mir auch??gut dann halt nie?. na ja und irgendwie ist mir dann eingefallen das die durchschnittliche lebenserwartung zwischen 70 und 80 liegt. da dachte ich mir ad eins: hey soo alt bin ich ja noch gar nicht, und ad zwei: 50 bis 60 jahre sind echt ne verdammt lange zeit um sie einsam zu verbringen
"Das Ei ist die Welt. ..."
-H. Hesse

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Re: je älter, desto schwieriger...

Beitragvon m0rec » 25 Mai 2008, 18:06

Hi Riod.

Ich kenne dein Problem. Man fühlt sich nicht mehr richtig wie sich selbst..

aber eines solltest du tun:
such dir deine beste freund(in) aus, und lass das raus. Sei dir sicher, dass es wirklich deine beste is, dann wird sie es auch verstehen - bzw dir zuhören. selbst wenn du stundenlang reden, und auch weinen würdest.

ich würde es als bester freund auf jeden fall machen..

ich wünsche dir alles gute
und red dir mal alles von der seele.
ist was anderes es hier reinzuschreiben als life einer person zu sagen. bin selber jetz 20 und ungeoutet und derbe gefrustet... mal sehn was kommt.

Marc

stifler
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Re: je älter, desto schwieriger...

Beitragvon stifler » 29 Mai 2008, 01:18

ob du dich outen sollst oder net, kann ich dir net sagen,aber ein outing gibt einem auch gewisse freiheiten gewisse dinge zu tun, aber es ist sehr schwer weil es gibt kein zurück mehr

Re: je älter, desto schwieriger...

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