inneres coming out... aber wie?

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inneres coming out... aber wie?

Beitragvon gaystudent » 23 Apr 2015, 14:02

Hey Leute,

ich versuche mich so kurz zu fassen, wie es nur irgendwie geht aber ich brauche mal euren Rat.

Seitdem ich 14/15 Jahre alt bin, habe ich mich auf gayromeo/ dbna etc. rumgetrieben und mich zu Schwulenpornos vergnügt. Anfänglich hat es mich nur interessiert doch irgendwann gehörte es zum Alltag.
An eine Freundin habe ich nicht so wirklich gedacht. Entweder habe ich es nicht gemerkt, dass jemand an mir Interesse hat oder ich habe die mir gebotene Möglichkeit einfach nicht genutzt. Warum? Ich weiß es nicht. Wenn mich jemand danach gefragt hat, ob ich eine Freundin habe, habe ich gesagt, dass ich sie mir derzeit aus Zeitgründen einfach nicht "leisten" kann.
Mit 22 Jahren merkte ich, dass ich mich ziemlich einsam gefühlt habe, sodass ich krampfhaft versucht habe, einen Menschen an meiner Seite zu finden. Dabei habe ich jedoch keinen Gedanken daran verschwendet, einen Mann zu suchen, sondern ich habe nach einer Freundin Ausschau gehalten. Als ich eine mögliche "Kandidatin" entdeckt habe, habe ich den ersten Schritt gewagt und bin gescheitert. Das hat mir in diesem Moment jedoch gar nichts ausgemacht und ich habe mein Leben einfach ganz normal weiter geführt. Mit 23 bin ich dann mit meinem jetzigen Freund zusammen gekommen. Es war überhaupt nicht geplant, sondern es hat sich einfach so ergeben. Während der guten Phase meiner Beziehung habe ich immer wieder angst gehabt, dass mich meine Familie und Freunde verlassen werden, wenn sie von meiner Beziehung erfahren. Außerdem passt meine Beziehung nicht so ganz zu meiner eigenen Lebensvorstellung von Haus, Kinder etc. Im Dezember 2013 habe ich mich dann bei meinen Eltern geoutet und ein paar Freunden geoutet. Meine Freunde habe durchweg positiv reagiert nur meine Eltern leider nicht. Insbesondere meine Mutter, die mir sehr am Herzen liegt, kann es einfach nicht verkraften (ich bin das einzige Kind), da sie sich für ihr einziges Kind auch ein anderes (normales) Leben vorgestellt hat.

Nachdem ich mein Examen in der Tasche hatte, hatte ich Zeit zum Überlegen und dabei ist mir aufgefallen, dass ich in meiner Beziehung zwei großer Fehler begangen habe, die mir sehr, sehr leid tun - die mir mein Freund jedoch auch verzeiht. Seit der Beichte befinde ich mich jedoch in einer mittelschweren Depression, die derzeit mittels Therapeutin und Medikamenten behandelt wird. Meine Mutter hat es immer noch nicht akzeptiert und das tut mir sehr weh. Ich habe schon oft mit ihr darüber gesprochen aber sie kommt damit einfach nicht klar. Vorgestern gab es schon wieder einen Moment, wo sie mich darum geben hat, dass bloß niemand von der Beziehung erfahren darf.
Seit etwa 5 Wochen frage ich mich, ob ich nicht vllt. doch auf Frauen stehe. Ich scanne sie regelrecht ab und frage mich, ob ich nicht vllt. mehr für sie empfinden kann. Ich frage mich, ob ich mich nicht vllt. schon anderweitig in eine Kommilitonin verliebt habe. Meine Therapeutin meint, dass es mir an Selbstbewusstsein und Selbstakzeptanz mangelt und das ich bloß aufhören soll darüber nachzudenken, ob ich mich anderweitig verliebt habe.

Fakt ist, dass wenn ich mit meinem Freund zusammen bin (der über all das Bescheid weiß), dass es mir gut tut und mich insbesondere sexuell erregt aber dennoch spricht in mir eine Stimme, die "nein" sagt. Ich war so glücklich mit ihm und ich merke doch, dass er mir gut tut aber ich kann einfach nicht mehr über meinen Schatten springen. Ich bin mittlerweile ziemlich verzweifelt und weiß einfach nicht mehr, welche Richtung nun die richtige ist. Kennt jemand von Euch eine vergleichbare Situation oder kann mir Tipps geben, wie ich mich selbst akzeptieren kann? Besten Dank

inneres coming out... aber wie?

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Re: inneres coming out... aber wie?

Beitragvon timtom » 23 Apr 2015, 16:15

Ich glaube du bist zwischen dem Wunsch und konkreten Vorstellungen wie dein Leben sein sollte und den Bedürfnissen die du hast hin und her gerissen.
Du solltest dich frei genug fühlen das Leben zu leben das du möchtest. Da kann man nichts erzwingen oder verbiegen und gleichzeitig ein wirklich erfülltes Leben haben.
Auch wenn es unangenehm ist solltest du in Kauf nehmen dass deine Mutter für eine Weile traurig ist. Das ist ihre Enttäuschung mit der sie klar kommen muss.
Du hast die Verantwortung dir selbst gegenüber dein Leben danach auszurichten was du brauchst. Nicht nur was andere sich wünschen.
The greatest enemy of freedom is a happy slave.

 


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