"Ich bin hetero, aber..."-Beiträge und sexuelle Einordnung

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Akil
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"Ich bin hetero, aber..."-Beiträge und sexuelle Einordnung

Beitragvon Akil » 04 Jul 2015, 17:09

Jeder von uns kennt bestimmt dieses: Hallo, ich will meinen Freund vögeln, bin aber Hetero, o.ä.

Für mich ist das in erster Linie amüsant :D Aber irgendwie verstehen kann ich es auch. Um mir selbst einzugestehen "ich bin schwul" habe ich ein halbes Jahrzehnt gebraucht. Außerdem:

Nur weil man einen Jungen aus Interesse vögeln will ist man da gleich bi/schwul? Andersrum gibt es doch viele, die es erst mal mit einem Mädel ausprobiert haben und sich trotzdem als schwul bezeichnen. Andersherum hier wird dann immer sofort verlangt: du bist nicht hetero. (Ok, zugegeben, ich muss immer wieder lachen, wenn sich hier fälle wie unser Steinbock auftun, wenn sich an den noch jemand erinnert :lol:).

Liebe geht seltsame Wege und sich zwischen demi/pan/homo/hetero/bi/a-sexuell, usw. einzuordnen ist gar nicht so einfach.
Ist man schwul, weil man mit Männern Sex hat? oder nur, wenn man sie auch liebt? Und ist dann kein Platz mehr für Frauen?

Ich denke die Theorie fast jeder Mensch ist zu einem gewissen Grad bisexuell, die der liebe Freud aufgestellt hat ist gar nicht so unwahrscheinlich.

Aber soll man dann alles als Bisexuell bezeichnen, wenn ich zu 95% auf Frauen stehe? Oder wo soll man die Grenze setzen? Es gibt ja bereits die Begriffe Homofluid oder Heterofluid. Oder sollte man sich dann homo-bi oder Hetero-bi nennen?
Diese ganzen Bezeichnungen sollen doch dazu dienen, dass man sich irgendwo zugehörig fühlen kann, sich selbst irgendwie einordnen kann und dass andere wissen, woran sie in etwa sind.
Man könnte natürlich auch einfach nur die Grenze zwischen Sexuell und A-Sexuell ziehen. Dann liegt man wahrscheinlich ziemlich oft korrekt, aber keiner weiß, woran er ist. :D

Um sich grob einzuordnen ist dann hetero- oder homosexuell vielleicht gar nicht so falsch.

Außerdem war bei uns an der RUB vor nicht all zu langer Zeit eine Kampagne zur Akzeptanz UNTER Schwulen. Anscheinend ist in der Schwulenszene inzwischen ein riesenhaufen Ausgrenzung vorhanden (von wegen, keine Tunten, Schwarze, Asiaten, Dicken oder bitte nur Hetero-like oder Straight-acting). Irgendwie denke ich sollte man nicht anderen nichts aufzwingen, auch keine Begriffe. Wichtig ist doch letztendlich womit man sich selbst wohlfühlt. Und wenn sich jemand gerne als Hetero bezeichnet während er seinen Freund fickt soll mir das egal sein. Natürlich kann man sich darüber streiten, darüber lachen, aber letztendlich kann es einem auch egal sein, solange es nicht der eigene Freund ist ;)

Naja, was denkt ihr? Sollte man die ganzen begriffe abschaffen und sich einfach nur noch als Dings bezeichnen? oder alles im Promille-bereich abdecken und nochmal ein Lexikon an Sonderbegriffen aufmachen? Und wie sollte man den Leuten die sich im Forum als "Ich bin hetero, aber" vorstellen begegnen?
Was war jetzt noch mal die Schnellspeichertaste?
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"Ich bin hetero, aber..."-Beiträge und sexuelle Einordnung

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MeJoe
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Re: "Ich bin hetero, aber..."-Beiträge und sexuelle Einordnung

Beitragvon MeJoe » 04 Jul 2015, 17:55

Ich glaube nicht daran, dass ein "Ich bin hetero, aber" existiert. Es ist mir bewusst, dass sich manche Heterosexuelle auch sexuell zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlen können, aber ich denke nicht, dass ein Heterosexueller für eine homosexuelle Liebesbeziehung fähig wäre.

Der springende Punkt für mich ist die Liebe. Wie bereits angesprochen, halte ich es für unwahrscheinlich, dass eine heterosexuelle Person wirklich Gefühle für das selbe Geschlecht aufbauen kann. In meinem Fall konnte ich selbst auch noch nie mehr als ein "Ich mag dich" Gefühl für eine Frau aufbieten. Von sexueller Erregung und Liebe weit entfernt!

Wobei sich natürlich die Frage aufdringt, ab wann man als Bi zählt. Meiner Meinung nach ist es unmöglich, das gleiche oder das andere Geschlecht gleichzeitig zu lieben. Ich habe bereits davon gehört, dass Bisexuelle abwechslungsweise und nach Laune zum einen oder anderen tendieren, aber richtig nachvollziehen kann ich das nicht.

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Re: "Ich bin hetero, aber..."-Beiträge und sexuelle Einordnung

Beitragvon Nuraxx » 04 Jul 2015, 18:55

MeJoe hat geschrieben: Meiner Meinung nach ist es unmöglich, das gleiche oder das andere Geschlecht gleichzeitig zu lieben. Ich habe bereits davon gehört, dass Bisexuelle abwechslungsweise und nach Laune zum einen oder anderen tendieren, aber richtig nachvollziehen kann ich das nicht.

Kann man denn Liebe überhaupt nachvollziehen?
Warum sollte, dass unmöglich sein? Für mich würde es sich unmöglich anfühlen, eine Beziehung mit einer Frau zu haben und trotzdem haben das sehr viele.
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Re: "Ich bin hetero, aber..."-Beiträge und sexuelle Einordnung

Beitragvon kayto » 04 Jul 2015, 19:38

MeJoe hat geschrieben:Ich glaube nicht daran, dass ein "Ich bin hetero, aber" existiert. Es ist mir bewusst, dass sich manche Heterosexuelle auch sexuell zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlen können, aber ich denke nicht, dass ein Heterosexueller für eine homosexuelle Liebesbeziehung fähig wäre.

Der springende Punkt für mich ist die Liebe. Wie bereits angesprochen, halte ich es für unwahrscheinlich, dass eine heterosexuelle Person wirklich Gefühle für das selbe Geschlecht aufbauen kann. In meinem Fall konnte ich selbst auch noch nie mehr als ein "Ich mag dich" Gefühl für eine Frau aufbieten. Von sexueller Erregung und Liebe weit entfernt!


Mich würde dann mal interessieren, wie du "Liebe" denn definierst? Eine Mutter liebt ihren Sohn. Der Sohn liebt seinen Hund. Der Vater liebt die Mutter. Drei mal das Wort "lieben", drei mal ist es eine andere "Form von Liebe".
Ich denke, dass heterosexuelle Menschen sehr wohl auch ihr eigenes Geschlecht lieben können, in Form einer platonischen Liebe. Interessant wird es dann aber, wenn noch Zärtlichkeit ins Spiel kommt. Als Beispiel: 2 Freundinnen sind sich sehr nahe, heterosexuell und single. Sie leben zusammen, kümmern sich umeinander und wenn die eine krank ist, streichelt die andere ihr den Kopf. Öhm, was ist das jetzt genau dann? Und inwiefern unterscheidet sich bitte diese "Liebesbeziehung", wenn sich z.B. eine heterosexuelle Frau und ein heterosexueller Mann über das Internet kennen lernen, ineinander verlieben, sich aber aufgrund der großen Entfernung nie getroffen haben? Ist das auch eine Liebesbeziehung, auch wenn körperlicher Kontakt fehlt?
Ich finde es sehr sehr schwer diese Liebe zu definieren, die du wahrscheinlich meinst. Meiner Meinung nach ist die Sexualität - oder genauer die sexuelle Präferenz (was "den Rest" nicht komplett ausschließt, es wird ein geschlecht halt nur präferiert) - eher ausschlaggebend für diese Kategorisierung. Und da bist du zB das beste Beispiel: Du fühlst keine sexuelle Erregung, keine Erotik, beim Anblick von Frauen. Das ist Fakt. Und bei heteros ist es andersherum. Es mag zwar sein, dass du Streicheleinheiten oder sexuelle Handlungen genießt, aber dann halt nur die Berührung an sich bzw. den Orgasmus, du genießt quasi nicht den Anblick der Frau. Sowas kommt meiner Meinung nach viel eher in Frage, ob du jetzt eher das männliche oder weibliche Geschlecht präferierst. Und das kann dir auch eine Antwort auf folgende Passage geben:
MeJoe hat geschrieben:Wobei sich natürlich die Frage aufdringt, ab wann man als Bi zählt. Meiner Meinung nach ist es unmöglich, das gleiche oder das andere Geschlecht gleichzeitig zu lieben. Ich habe bereits davon gehört, dass Bisexuelle abwechslungsweise und nach Laune zum einen oder anderen tendieren, aber richtig nachvollziehen kann ich das nicht.

Ein Bisexueller kann den Anblick von beiden Geschlechtern als erotisch oder sexuell erregend empfinden. Er genießt die Berührung und den Sex von bzw mit jemandem, den er attraktiv findet. Bei dir sind das nur Männern, bei Heteromännern nur Frauen, bei ihm beides (auch wenn er eins präferiert). Verstehst du was ich meine? Ich glaube für dich ist es kaum vorstellbar, da du Frauen höchstens "hübsch" findest, aber nicht wie Männern sexuell anziehend. Und Bisexuelle empfinden das bei beidem, sie können Männer und Frauen nur "hübsch" oder eben auch anziehend finden.

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Re: "Ich bin hetero, aber..."-Beiträge und sexuelle Einordnung

Beitragvon kayto » 04 Jul 2015, 19:42

Ich wollte noch hinzufügen, dass man so eine sexuelle Erregung beim Anblick von pornografischen Materal sehr gut "messen" kann. Man hat im Rahmen einer Studie den Blutfluss im Penis gemesen, wobei den Probanden abwechselnd homosexuelle und heterosexuelle Pornos gezeigt wurden. Sowas kann man nicht steuern und gegen sowas kann man sich nicht "wehren". Sowas zeigt meiner Meinung nach viel eher, ob jemand sexuell gesehen Hetero oder Homo oder Bi ist.

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Re: "Ich bin hetero, aber..."-Beiträge und sexuelle Einordnung

Beitragvon MeJoe » 04 Jul 2015, 20:02

Mich würde dann mal interessieren, wie du "Liebe" denn definierst?


Eine gute Frage, ich selbst finde es ebenfalls schwer, diese Liebe ausreichend zu definieren. Für mich ist es Liebe, wenn man sich in der Nähe der "geliebten" Person wohl fühlt, Tage und Nächte an ihn/ sie denken muss, ein Wiedersehen kaum erwarten kann, sich nach der Aufmerksamkeit betreffender Person sehnt und jeden Augenblick mit ihr zusammen genießt, auf körperlicher und emotionaler Ebene.

In deinem Beispiel geht es um den Austausch von Zärtlichkeiten und Zuneigung unter zwei heterosexuellen Frauen. Aber das alles ist nur auf der körperlichen Ebene. Könnten sie denn nicht, wenn es nötig ist, ohne einander auskommen? Fühlen sie sich mit dem anderen Teil so sehr vertraut, dass sie sich ein Leben ohne ihn, zumindest in diesem Moment, vorstellen könnten? Was du beschreibst ist für mich, schlicht gesagt, eine "gewöhnliche Freundschaft" zweier Frauen. Liebe ist viel emotionaler, auch wenn Freundschaften zwischen Frauen oder homosexuellen Freunden, zugegeben, ebenfalls ziemlich emotional werden können. Aber danke für den Ansatz! Wo ist denn deiner/ eurer Meinung nach der Unterschied zwischen einer starken Freundschaft und der Liebe?

Ein Bisexueller kann den Anblick von beiden Geschlechtern als erotisch oder sexuell erregend empfinden. Er genießt die Berührung und den Sex von bzw mit jemandem, den er attraktiv findet. Bei dir sind das nur Männern, bei Heteromännern nur Frauen, bei ihm beides (auch wenn er eins präferiert). Verstehst du was ich meine? Ich glaube für dich ist es kaum vorstellbar, da du Frauen höchstens "hübsch" findest, aber nicht wie Männern sexuell anziehend. Und Bisexuelle empfinden das bei beidem, sie können Männer und Frauen nur "hübsch" oder eben auch anziehend finden.


Danke für die Ausführung!

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Re: "Ich bin hetero, aber..."-Beiträge und sexuelle Einordnung

Beitragvon kayto » 04 Jul 2015, 21:08

@MeJoe

Ich glaube, du meinst mit dieser "Liebesbeziehung", dass zwei Sachen in eine Person "zusammenfallen".
1) Man hat eine tiefe emotionale Bindung zu einem und möchte mit dieser Person "ehe-ähnlich" zusammensein, auch im gesellschaftlichen Sinne. D.h. dass der Partner einen emotional nicht betrügt, dass man Gedanken aber auch Eigentum miteinander teilt, dass man sich hilft etc.
2) Die sexuelle Anziehung der anderen Person. Man findet diese attraktiv, erregend, wie auch immer. Auf diesen Punkt bin ich ja mit dem Experiment in der Studie schon eingegangen.

Und du hast Recht mit dem Satz
aber ich denke nicht, dass ein Heterosexueller für eine homosexuelle Liebesbeziehung fähig wäre.
weil niemals diese beiden Punkte zusammen fallen könnten für einen Hetero. Wenn er wirklich nur Frauen sexuell anziehend findet, gilt Punkt 2 nicht. Ist er nur an "körperlicher Stimulation" interessiert, gilt 1 nicht. Aber für mich sind das zwei paar Stiefel. A Sexuelle können auch Beziehungen führen, und Bisexuelle könnten mit beiden Geschlechtern "Liebesbeziehungen" führen. Aber daran sieht man, dass Sexualität, eine "Liebesbeziehung", oder eine sehr starke Freundschaft (?) drei verschiedene Sachen sind. Und mir ging es nur darum, dass Sexualität einfach den 2. Punkt beschreibt, mehr nicht. Daher meinte ich, dass ein heterosexueller sehr wohl einen Mann lieben kann, aber wenn er wirklich heterosexuell ist, wird er kein sexuelles Verlangen nach ihm haben und keine "Liebesbeziehung" deiner Definition nach führen können.

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Re: "Ich bin hetero, aber..."-Beiträge und sexuelle Einordnung

Beitragvon MeJoe » 04 Jul 2015, 22:42

Da haben wir an uns vorbeigeschrieben. Ich sehe das Ganze demnach ähnlich wie du.

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Re: "Ich bin hetero, aber..."-Beiträge und sexuelle Einordnung

Beitragvon TheBard » 05 Jul 2015, 09:10

Akil hat geschrieben:Ich denke die Theorie fast jeder Mensch ist zu einem gewissen Grad bisexuell, die der liebe Freud aufgestellt hat ist gar nicht so unwahrscheinlich.

Es war nicht Freud, der diese These aufgestellt hat, sondern Alfred Kinsey.

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Re: "Ich bin hetero, aber..."-Beiträge und sexuelle Einordnung

Beitragvon PurpleGecko » 05 Jul 2015, 10:44

Es scheint unter einigen Schwulen immer noch die Einstellung vorzuherrschen: "Es ist okay, wenn du homosexuell bist. Aber dann sei wenigstens hetero ODER bi ODER homo. Entscheide dich gefälligst!" Diesen Zwang, sich in eine Kategorie stecken zu lassen (und sei es noch so eine feine Unterkategorie), finde ich ähnlich erdrückend wie den Heteronormativitätszwang. Vor allem halte ich ihn nicht für hilfreich und zielführend, schon gar nicht für die Person, über die gerade geurteilt wird.

Sexualität ist viel zu vielschichtig, weißt unzählige Facetten auf, vom einfachen Schwärmen über Geschlechtsverkehr bis hin zur Selbstdefinition und der langjährigen Beziehung. Jeder gewichtet diese Aspekte der Sexualität irgendwie anders, wenn es um die eigene Sexualitätsfindung geht. Die ist bei vielen Jungs und Mädchen ohnehin schon schwer genug, ein Gefühlschaos, ein Hinundhergerissensein zwischen Erwartungen, die man selbst an sich hat und die andere an einen haben. Es hilft diesen Menschen kein bisschen, wenn irgendjemand fordert, sich irgendeinen Begriff für diese Sexualität anheften zu lassen, am besten noch so einen groben wie "schwul" oder "hetero".

Wenn ein Mann, der sich selbst als hetero bezeichnet, Frauen heiß findet, von Frauen träumt, vielleicht glücklich mit einer Frau zusammenlebt, gleichzeitig doch auf die Idee kommt, er könnte Schwänze interessant finden und würde gern mal wissen, wie es so ist, Oralverkehr mit Männern zu haben, was nützt es ihm dann, wenn sich jemand hinstellt und sagt: "Du willst als Hetero an Schwänzen rumspielen, das ist doch lächerlich, du bist mindestens bi!" Es mag zwar stimmen, dass der Mann neben heterosexuellen Träumen auch einige homosexuelle hegt, aber weiß niemand andrer (vielleicht nicht mal er selbst), wie stark sie sind, wie wichtig sie für ihn sind, ob er sich vorstellen könnte, das sein ganzes Leben lang zu wiederholen. Die Schublade "bi", die da aufgemacht wird, ist viel zu groß und unaussagekräftig, als dass es lohnen würde, alle, die vielleicht mal abseits der hetero- oder homosexuellen Norm denken, in ein Riesenfass zu werfen.

Nicht zuletzt muss derjenige, dem irgendeine Kategorie draufgestempelt wird, diese auch für sich vertreten wollen und können. Wenn unser Mann, der seinen homosexuellen Gedanken vielleicht nicht allzu viel Wert beimisst, nun das Prädikat "bisexuell" lebenslang mit sich herumtragen muss, obwohl er sich hetero fühlt, ist das genauso lächerlich. Ganz egal, was wir über eine andere Person denken und wie auch immer wir zu dem Schluss gekommen sind, er oder sie könnte bisexuell, pansexuell, blumensexuell oder dergleichen Begriffe mehr sein: es gehört zum Selbstbestimmungsrecht der jeweiligen Person, als was sie sich selbst sieht, und es wäre angemessen, diese Sicht zu respektieren und nicht mit aller vorhandener Kraft zu versuchen, die Person von etwas anderem zu überzeugen.

Erich Fried schreibt in seinem berühmten Gedicht so schön: "Es ist was es ist // sagt die Liebe". Und dabei sollten wir es belassen.
"Und was ist Wahrheit? Dass das Universum im Urknall entstanden ist?"
"Das ist Unfug.(...) Letztlich ist das nichts als Marketing." - Robert Laughlin im SPIEGEL

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Re: "Ich bin hetero, aber..."-Beiträge und sexuelle Einordnung

Beitragvon Yahool3r » 05 Jul 2015, 14:28

Ich zwinge Niemanden sich irgendwo einzuordnen. Ich mag nur keine falsche Etikettierung.
Wenn jemand sagt "Ich bin [Beispiel](nicht), aber...", dann weiß er schon dass er es in gewissen Zügen doch (nicht) ist.
Ich bin nicht schwul, aber Kerle finde ich sexy.
Ich bin gastfreundlich, aber nur zu manchen Gästen.
Ich bin kein Nazi, aber Ausländer gehören nicht nach Deutschland.

Das sind alles Sätze, die ein Paradox zu ihrer Definition bilden. Natürlich ist man dann nicht gleich schwul, oder gastunfreundlich oder ein Nazi, aber die Behauptung, man sei es oder nicht, stimmt dann auch nicht.
Mir ist es egal, ob sich jemand definiert und wie sich jemand definiert, solange er dabei mich oder sich selbst nicht belügt. Das finde ich logisch.
Ich möchte ja auch nicht, dass auf einem Rindersteak Tofu drauf steht, wenn es kein Tofu ist. Dann soll es sich lieber Fleisch oder Nahrung nennen oder sich erst gar nicht sonderlich etikettieren.

Ich missbillige es also, wenn sich jemand als etwas bezeichnet, was er nicht ist. Aber sowas sage ich ihm in der Regel nicht, da es zu Trotzreaktionen kommen kann. Viel lieber sollte man Hilfestellungen geben, die den Horizont der Personen erweitern. Z.B. "Meinst du, man ist schwul, wenn man Männer und Frauen attraktiv findet? Entspricht das der Definition?"
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gimme dreams,
gimme a good self esteem

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Re: "Ich bin hetero, aber..."-Beiträge und sexuelle Einordnung

Beitragvon aussiegerman » 25 Jul 2015, 11:32

PurpleGecko hat geschrieben:Die Schublade "bi", die da aufgemacht wird, ist viel zu groß und unaussagekräftig, als dass es lohnen würde, alle, die vielleicht mal abseits der hetero- oder homosexuellen Norm denken, in ein Riesenfass zu werfen.

Nicht zuletzt muss derjenige, dem irgendeine Kategorie draufgestempelt wird, diese auch für sich vertreten wollen und können.



Also ich finde jeder hat genau die Sexualität, für die er sich selbst bezeichnet. Soll heißen, dass der Mann in deinem Beispiel sich selbst aussuchen Soll, ob er als Hetero oder Bi angesehen werden möchte. Jeder soll es so entscheiden wie er sich wohl fühlt.

Und genau deshalb finde ich es unnötig diese Ganzen kleinkarierten Schubladen aufzumachen. Im Grunde dient es ja doch nur dem, dass man irgendwo einsortiert wird und man sagen kann "die Schwulen" "die Lesben" "die Bisexuellen"...

Aber genau das hat auch einen für mich entscheidenden Vorteil. Ich kann zu leuten gehen und sagen "Ich bin bisexuell" und dann wissen die Leute damit was anzufangen. Wenn dann jemand mehr wissen will kann er nach Fragen. Schwerer wird es dann mit Begriffen wie Pansexuell oder Polysexuell weil den die meisten Leute nicht kennen. Jedoch ist es simpler ein Ettikett vorzuzeigen und zu sagen "das trifft auf mich zu für nähere Details klicken sie bitte hier."

Ich habe schon ein oft gehört, dass sich viele nicht vorstellen können, dass es Bisexuelle geben soll. Aber genau da stimme ich kayto zu. Ich würde zum Beispiel einen Mann als Bisexuell bezeichnen, welcher bisher nur mit einer Frau Sex hatte und sich plötzlich in einen Mann verliebt, sich aber nicht vorstellen kann, mit ihm ins Bett zu gehen. Wobei hier der begriff "Bi-romantic" ins spiel gebracht werden kann. Ich finde der Begriff "bi-Romantic" beschreibt mein beispiel schon sehr sehr gut, aber ich finde es unnötig da noch eine Schublade aufzumachen. Wenn dieser Mann sich als Bisexuell sieht und bezeichnet dann ist er Bisexuell und wenn nicht dann halt nicht. Da sollte jeder seine Freiheit haben wie er möchte. Man sollte nur nicht begriffen um sich werfen, die absolut nicht stimmen oder irgendwie als Promi bi zu sein weil es jetzt angeblich "in" ist. Das lehne ich dann doch absolut ab.
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Re: "Ich bin hetero, aber..."-Beiträge und sexuelle Einordnung

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