"Ich bin ekelhaft und eine Modeerscheinung..."

Rund ums Coming-Out - wenn es das überhaupt gibt.
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xfreshx
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"Ich bin ekelhaft und eine Modeerscheinung..."

Beitragvon xfreshx » 21 Dez 2007, 16:28

?Ich bin ekelhaft und nur eine Modeerscheinung...?
- Meine Geschichte von Anfang an -

Eigentlich hatte ich die Idee, alles wie ein kleines Tagebuch aufzubauen, doch leider kam mir die Idee, alles, was ich hier durchmache auf Papier bzw. im PC festzuhalten erst ca. 3 Monate nach dem großen Knall, deswegen muss ich das ein wenig anders zusammenschreiben, als ich es eigentlich wollte...

Es war ein ganz normaler Tag. Ich war zu Hause und fleißig am chatten. Da fiel mir das Bild, sowie die Berufsbeschreibung eines Chatters in seinem Profil auf ?Diplom-Bankwärmer?. Ich schrieb ihn an. So nach dem Motto ?Cool, was man aus Schüler so alles machen kann...? Daraufhin entwickelte sich ein etwas längerer Chat. Wir haben dann nach einigen Tagen uns unseren richtigen Namen verraten und unsere Handynummern getauscht... Da bekam ich schon irgendwie ein mulmiges Gefühl im Bauch, welches ich nicht so ganz zuordnen konnte. Wir schrieben nun fast jeden Tag entweder übers Internet oder per SMS. Schließlich entdeckten wir dann noch die Internettelefonie und es wurde alles sehr einfacher, da man mit Hilfe von Web-Cam und Stimme Emotionen ganz anders zeigen kann, als nur mit Buchstaben und Sätzen. Nach einiger Zeit wurde mir es dann klar. Ich bin verliebt! Es war ein schönes aber zugleich auch komisches Gefühl, denn ich musste mir selbst das eingestehen, was mir lange Zeit vorher schon angedichtet wurde...

... mit lange Zeit vorher mein ich einige Schuljahre zurück auf einer Schule mit ziemlich vielen ?dummen? Leuten. Irgendwann meinte einer das Gerücht in die Welt zu setzen, ich sei schwul, weil ich mich halt nicht so sehr mit den Jungs meines Jahrganges unterhalten konnte. Entweder sie redeten über Handball oder Fußball. Beides nicht so ganz meine Themen. Naja, jedenfalls machte dieses Gerücht ziemlich schnell Runde in der Schule und jeder, der meinte, sich daraus einen Spaß zu machen, der Ritt auf dieser Welle mit. Damals war es sehr schwer für mich, dies auszuhalten, aber mit Freunden geht alles gleich viel einfacher...

... als ich mir das nun nach langem hin und her selbst eingestanden hatte, dass ich schwul bin, war es für mich erst einmal einfacher, mit der Situation um zu gehen. Als ich dann auch noch von meiner großen Liebe eines Tages die SMS bekam mit ?Schatz?, war für mich eigentlich alles klar. Ich hatte einen Freund. Das war was ganz neues für mich. Eine Beziehung. Ja, mit 14 oder so hatte ich schon mal 2 Beziehungen mit Mädchen, aber irgendwie war das nicht so das Wahre. Diesmal war alles anders. Ich war so richtig verliebt und schwebte über Wolke Sieben. Doch ich stand vor einem sehr, sehr großen Problem... Wie bringe ich das meinen Freunden, geschweige denn meinen Eltern und meiner Familie bei??
Er rief mich dann sogar zu Hause an. Ich rannte immer runter ins Wohnzimmer, nahm den Hörer ab und verband ihn nach oben in mein Zimmer. Nach dem dritten oder vierten Abend wurde dies meiner Mutter dann zu bunt, weil sie nicht wusste, mit wem ich telefoniere. Da sie ein totaler ?Kontrollfreak? ist und immer wissen will, was wir gerade machen, verbat sie mir das Telefonieren mit diesem ?Menschen?.

Am 30.Mai. Ein Tag vor meinem 18. Geburtstag kam ein Brief meines Freundes bei mir zu Hause an. Da wusste noch niemand, was Sache ist. Meine Mutter dachte an diesem Tag, sie muss mich nach der 6. Stunde von der Schule mitnehmen und rief mich auf meinem Handy an, dass ich doch mal auf den Parkplatz kommen soll. Dort angekommen musste ich mich zu ihr ins Auto setzen und sie erzählte mir, dass daheim ein Brief angekommen ist und Papa nur ein ?Ich liebe Dich!? durchschimmern hätte gesehen. Sie meinte, dass Sie weiß, dass das ein Brief von dem ?Menschen? ist. Allein nur für den ständigen Gebrauch dieses abfälligen ?Menschen? hätte ich an die Decke gehen können. Sie hat sich dann voll die Gedanken gemacht und fragte, ob ich schwul sei. Da mir der Zeitpunkt damals noch zu früh war, antwortete ich mit Nein. Meine Mutter verlangte von mir, dass ich den Kontakt zu meinem Freund abbreche und nie mehr etwas mit ihm zu tun haben soll... Später eröffnete sie mir noch, dass durch diesen Brief beinahe meine Geburtstagsparty ausgefallen wäre. Was sie dann damit bezweckt hätte, ist mir heute noch nicht klar.

Ein Wochenende später stand dann der Kirchentag in Köln an. Ich fuhr mit einer Gruppe des Dekanats hier dort hin. Nicht unbedingt, um dort glorreiche Helferdienste zu verrichten, nein, für den Kirchentag in Köln war das erste Treffen geplant, da er nicht sehr weit von Köln entfernt wohnt und die Verkehrsanbindungen im Ruhrgebiet ja nicht ganz so schlecht sind, wie bei mir auf dem Land. Ich hatte alles perfekt arrangiert. Es gab einen Email-Verkehr zwischen mir und dem Organisator der Helferdienste, in welchem ich ihm erklärte, dass ich nicht sehr gut in Räumen schlafen kann, in denen noch viele andere schlafen. Die Helfergruppen des Kirchentages schlafen nämlich immer in Klassenräumen von Schulen. Doch wie soll das dann gehen, wenn mein Freund kommt? Also hatte ich die Idee, den Organisator einfach zu fragen, ob es denn möglich wäre, ein Zelt mitzubringen und einfach auf dem Schulgrundstück zu Zelten. Er hatte damit kein Problem und somit war mein Problem auch gelöst.
In Köln angekommen bezogen die anderen ihr Quartier in einem Klassenraum und ich begann mit dem Zeltaufbau im Schulgraben. Wir begaben uns dann auf den Weg zu unserem Einsatzort, wo ich aber nur zwei Stunden verweilte, da ich ja meinen Freund vom Bahnhof abholen musste. Ich kam am Kölner Hauptbahnhof an und er war nicht da. Handy raus, anrufen! ?Der Zug hat zwei Stunden Verspätung!? Als ich das gehört hatte, hatte ich wahnsinnige Angst, dass ich nur verarscht werden würde und am Ende er gar nicht kommt und sich nur einen Spaß draus macht, mich zu verarschen. Als die zwei Stunden dann aber um waren, stand er dann aber plötzlich vor mir. Ein kurzes Umarmen, war schon ein bisschen komisch, und dann ab Richtung Schule. Den Anderen habe ich ihn als einen ?Freund von Usedom? vorgestellt und sie fragten auch nicht weiter nach.
Als es dann Abend wurde, verkrochen wir uns dann in unser Zelt und verbrachten dort einen sehr schönen Abend und eine umso schönere Nacht. Am nächsten Morgen war nicht allzu früh aufstehen angesagt, denn unser Helferdienst begann erst gegen Nachmittag. Also hatten wir noch ein paar gemütliche Stunden zusammen im Zelt. Es war so schön, endlich mal wieder Schmetterlinge im Bauch zu haben, jemanden zu lieben, geliebt zu werden und diese Person auch noch im Arm zu haben.
Der schönste Tag, den wir beide hatten, war, als ich mir einen Tag frei genommen hatte und wir gemeinsam zu ihm nach Hause fuhren. Dazu muss ich sagen, dass er zu dem Zeitpunkt bei seiner Mutter noch nicht geoutet war. Es wussten zwar seine Freunde und seine Schwester, aber der Rest nicht. Schon als wir im Zug saßen, war es eine ganz andere Welt. Wir konnten uns endlich so verhalten, wie wir es schon die ganze Zeit wollten. Sich einfach so mal küssen. Das ging vorher nicht so, weil ich einfach zu viel Angst habe, dass die Anderen, mit denen ich in Köln war das mitbekommen. Auch bei ihm zu Hause in seinem Zimmer war es einfach was ganz anderes. Wir könnten endlich wir sein! Und den romatischen Spaziergang im Regen durch den Schlosspark werde ich nie vergessen. Doch auch dieser Tag ging vorbei, aber es blieben noch ein paar Stunden gemeinsam...
Leider gingen die vier Tage Kirchentag in Köln viel zu schnell rum und der Tag der Abreise war für uns beide gekommen. Es war ein sehr schwerer Tag, doch ich versprach ihm, ihn in den Sommerferien besuchen zu kommen, was er nur sehr begrüßte. Er fuhr dann mit dem Zug nach Hause, ich hatte noch ein paar Stunden Dienst beim Abschlussgottesdienst und fuhr dann auch wieder gen Heimat. Die ganze Busfahrt über hatte ich nur ihn im Kopf, was ja auch verständlich ist.

------------------------------- Fortsetzung folgt! ----------------------------------

"Ich bin ekelhaft und eine Modeerscheinung..."

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Onyx
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Beitragvon Onyx » 21 Dez 2007, 16:55

Mal ein freundliches Hallo bei uns im Forum, eine sehr bewegende Geschichte..

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Beitragvon 5erious » 21 Dez 2007, 17:34

freue mich sehr auf die fortsetzung ;)
hallo schön das du hier bist :)

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Beitragvon xfreshx » 21 Dez 2007, 18:19

danke für das freundliche willkommen hier im forum =)
in der tat eine bewegende geschichte, doch es wird noch extremer...
lasst euch überraschen...

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Beitragvon Blu-mento-pferde » 22 Dez 2007, 16:08

Hallo,

ich will weiterlesen :)

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Beitragvon Bakuryu » 22 Dez 2007, 16:22

Hallo
Colle Geschichte aber was bedeutet denn diese Überschrift?
Männer sind wie Autoreifen - Aufgeblasen, profillos und wenn man nicht aufpasst, liegt man unter ihnen.

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Beitragvon 5erious » 22 Dez 2007, 16:31

der zusammenhang erklärt sich bestimmt mit der fortsetzung

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Beitragvon xfreshx » 22 Dez 2007, 16:55

FORTSETZUNG:

Ich fing dann, gemeinsam mit ihm, die Tage bis zu unserem Wiedersehen in den Sommerferien zu zählen. Doch mich schreckte diese Zahl oft auch nur ab, denn ich wusste, dass ich davor meinen Eltern noch sagen musste, dass ich schwul bin und der Gedanke daran war damals schon gar nicht so ohne...
Ich habe es dann immer weiter vor mir hergeschoben, aber ich wusste, dass irgendwann der Zeitpunkt kommen wird, dass ich das ihnen alles sagen muss.
Ich nahm mir aber erst einmal einen kleineren Stein aus dem Weg und erzählte es meiner besten Freundin. Auch da hatte ich eine sehr große Angst, dass sie danach vielleicht nicht?s mehr von mir wissen will. Aber es kam ganz anders. Ich hab ihr einfach alles von Anfang an erzählt und sie fand es überhaupt nicht schlimm und ist froh gewesen, dass ich es ihr erzählt habe. Sie erzählte es dann noch meiner anderen besten Freundin und auch diese nahm es sehr positiv auf. Ich war dann doch sehr erleichtert, dass ich jemanden zum Reden hatte, denn ich glaube, dass ist das wichtigste, dass man in solch einer Situation braucht. Einfach jemanden zum Reden. Jemanden, der einem zuhört und hinter einem steht. Beide haben mir bekräftigt, dass ich es meinen Eltern sagen muss und dass auch noch, bevor ich zu ihm fahre. Einfacher gesagt, als getan.

Die Sommerferien rückten nun immer näher und ich hatte es meinen Eltern immer noch nicht gesagt. Dann kam aber der Abend, an dem ich mich einfach zu meiner Mutter auf die Couch gesetzt, um mit ihr zu fernsehen. Bis sie mich fragte, warum ich denn hier sitze und nicht oben selbst fernsehe. Da erklärte ich ihr dann, warum ich gesagt habe, dass ich in den Sommerferien sechs Wochen nicht da bin. Anderthalb bei ihm, zwei auf Kinderfreizeit und drei auf Usedom. Sie schlug nur die Hände über dem Kopf zusammen und ich bin wieder zurück auf mein Zimmer. Weinend! Ich hab dann sofort meine beste Freundin angerufen, weil ich wusste, dass sie an dem Tag in die Disco fährt und ich einfach eine Ablenkung brauche. Als ich das dann abgeklärt hatte, stand meine Mutter schon wieder in der Tür und warf mir folgendes an den Kopf: ?Schwule sind nicht normal! Gegen die Natur! Ekelhaft! Wir leben in einem Dorf und nicht in der Großstadt. Was glaubst du wohl, wie es uns gehen wird, wenn das ans Licht kommt?? Aha, der Ruf der Familie war ihr also wichtiger, als ihr eigener Sohn. Mal was neues! Sonst bekommt man immer gesagt, dass man ja so wichtig ist und man geliebt wird... Da war das dann aber was ganz neues.
Ich nahm mir dann meinen Schlüssel, meine Jacke und mein Handy uns lief an die Hauptstraße, um dort auf meine beste Freundin zu warten. Obwohl noch fast eine halbe Stunde Zeit war, bis sie kommen wollte, aber ich hielt es zu Hause einfach nicht mehr aus. Als ich dann unten an der Straße stand, fuhr eine weiter Freundin an mir vorbei, die mich da heulend am Straßenrand stehend gesehen hat und hielt an. Sie wusste auch bereits über alles Bescheid. Bemerkte das schon irgendwie in Köln. Ich hab ihr dann erst einmal alles erzählt, nachdem ich das Telefonat mit meinem Freund beendet hab. Mein ?Disco-Taxi? suchte mich derweil und es dauerte einen Moment, bis wir uns gefunden hatten. Bevor ich in die Disco gegangen bin, musste ich erst noch einer weiteren Person ?Bericht erstatten?. Einer Person, die ich damals und mittlerweile noch mehr, als einen sehr guten Freund sehe.
Gut, wieder doofe Situation. Über?s Internet kennen gelernt, aber wir wissen einfach alles voneinander und können dem anderen zuhören und ihm auch alles erzählen.
In der Disco dann erzählte ich den Abend in Kurzfassung noch meinen zwei besten Freundinnen und versuchte mich dann mit ein wenig Alkohol und tanzen abzulenken, was auch solange gut ging, bis wir wieder im Auto saßen und ich dann vor der Haustür stand. Es half nichts. Ich musste da durch. Zwei Tage lang sah meine Familie so gut wie nichts von mir. Ich schloss mich in mein Zimmer ein und wollte auch niemanden sehen. In der Zwischenzeit hatte meine Mutter meinem Vater dann auch alles erzählt und auch dieser hatte an einem Tag einen ?Ausraster?. Er nahm mich am T-Shirt und meinte nur zu mir: ?Wenn sich deine Mutter was wegen dir antut, dann wünschst du dir nie geboren zu sein!? Wie sollte ich das jetzt verstehen? Mich will und wollte eigentlich auch niemand haben?
Ich hatte gerade meinen Rucksack genommen und wollte nach Büdingen laufen, denn das Auto durfte ich nun erst einmal nicht fahren, um die Hinfahrkarte zu kaufen, was ich dann auch tat. Warum ich nur die Hinfahrt gekauft habe? Es hätte ja sein können, dass, aus welchen Gründen auch immer, ich doch schon wieder früher nach Hause fahre, oder mich mein zu Hause so aufregt und ankotzt, dass ich die Kinderfreizeit sausen lasse und länger bleibe...
Am Abend rief mich mein Vater dann noch einmal in das Schlafzimmer meiner Eltern, wo ich meine Mutter völlig aufgelöst vorfand und sie mir sagte, dass sie mich nur nicht verlieren will und Angst hat, dass ich auf eine schiefe Bahn gerate.
Mich nicht verlieren? Da ist sie aber auf dem besten Wege dazu, denn mich hält nicht?s mehr zu Hause. Nur noch mein Abitur, welches ich vorher halt noch bestehen muss...
Ich habe ihr dann versichert, dass ich auf mich aufpassen kann. Ich musste mir dann noch anhören, dass ich mich nach meinem 18. Geburtstag zu einem völlig anderen Menschen verändert hätte und ich anscheint keinen Wert mehr auf das lege, was meine Eltern mir 18 Jahre gegeben haben.
Ich gebe offen zu, dass ich mich ein wenig verändert habe, ja, denn ich kusche nicht so vor meiner Mutter, wie mein Vater und meine Geschwister. Ich geh auf Konfrontationskurs und lasse mir nun mal nicht alles gefallen. Aber die anderen haben ja, nach ihr, immer unrecht. Sie macht keine Fehler...
Dazu kam dann noch, dass sich in dieser für mich schon nicht einfachen Zeit meine beste Freundin von ihrem Freund trennte und ich nun auch noch als ?Trennungs-Psychologe? für ihn herhalten musste, was ich aber sehr gerne tat. Da er fix und fertig war, entschloss ich mich dazu, bei ihm zu übernachten. Der Vorteil, den ihn daraus zog war, dass er ein Telefon hatte, und mich mein Freund anrufen konnte. So haben wir dann bis tief in die Nacht hinein telefoniert. Da ich das ja zu Hause nicht mehr konnte. Als Ausweg dafür hatte ich mir aber das Telefon der Hausaufgabenhilfe bereitgemacht, auf welchem er mich dann immer angerufen hat, wenn ich dort war. Ich hatte ja schließlich einen Schlüssel zu den Räumen.

In der Woche vor der Abreise hatte ich noch ein Gespräch mit meinem Vater, welcher mir den Rat gab, anstatt von ursprünglich 10 Tagen nur 8 zu fahren. Da kam ich ihm dann entgegen und versicherte ihm, nur 8 Tage zu bleiben. Meine Mutter meinte zu mir, dass ich hinfahren soll, alles beenden soll, und dann wieder heimfahren soll. Sie gibt mir das Geld für?s Ticket und auch Geld für ein Hotelzimmer, weil sie nicht möchte, dass ich in diesem ?Haushalt? schlafe. Mein Vater, so, wie er eben ist, lenkt da natürlich auch sofort ein und gibt meiner Mutter klein bei und ist plötzlich derselben Meinung, obwohl er mir vorher noch etwas ganz anderes erzählt hat. Meine Mutter kam dann zum Schluss noch mit der dummen Frage, die sie mir bis dahin fast jeden Tag gestellt hat: ?Wie stellst du dir denn vor, wie das jetzt hier zu Hause weitergeht?? Ich habe die Frage einfach im Raum stehen gelassen und sie einfach weiterreden lassen, während ich auf Durchzug geschaltet habe.
In derselben Woche eröffnete auch mein Freund seiner Mutter, dass er schwul sei und ich, also sein Freund, nächste Woche für anderthalb Wochen kommt. Von ihr kamen die Reaktionen, die ich mir auch nur hätte wünschen können. ?Es ist mein Sohn. Ob er nun schwul ist oder nicht, er bleibt immer mein Sohn und ich hab ihn auch so sehr lieb. Es ändert ja nichts an seiner Person.? Für mich eine absolute Traumvorstellung und ich konnte das überhaupt nicht glauben, nach allem, was ich zu Hause habe durchmachen müssen. Doch ich bin froh, dass es auch Leute gibt, die so reagieren...
Es kam dann der Tag der Abreise zu meinem Freund. Ich hatte eine gute Freundin gebeten, mich von zu Hause abzuholen und mich an den Bahnhof zu fahren, da ich nicht davon ausgegangen bin, dass meine Eltern mich dorthin fahren würden. Bevor ich fuhr, kam meine Mutter noch mal auf mich zu und verstärkte ihre Meinung gegenüber Schwulen nochmals: ?Das ist immer noch unnormal und gegen die Natur!?
Wenn das ihre Meinung ist....

--------------------------------- Fortsetzung folgt! --------------------------------

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Beitragvon Blu-mento-pferde » 22 Dez 2007, 19:14

Oh man, du hast ja echt tolle Eltern. Ich lese aber eine gewisse Selbstsicherheit aus deinem TExt, das gibt mir Hoffnung, das es ein gutes Ende für dich giebt :)

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Beitragvon Bl4ck_Dr4gon » 22 Dez 2007, 22:31

ja ich hoffe auch mal für ein gutes ende bei dir:P

aber was ich so gelesen habe ziehste das durch das du für richtig hälst

finde ich gut

Feenstaub
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Beitragvon Feenstaub » 22 Dez 2007, 23:48

Schreib´s dir weiter von der Seele! Wir werden weiter mitfiebern und dir das Beste wünschen.

Tikato90
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Beitragvon Tikato90 » 23 Dez 2007, 00:53

Bl4ck_Dr4gon hat geschrieben:ja ich hoffe auch mal für ein gutes ende bei dir:P



das hoff ich ja auch. Aber diese Überschrift über demThread. ..... verheisst ja nichts gutes? Ich fieber ja auch so mit. da sind meine probs ja dagegen gar nix. und ich dachte immer, meine probs wären die allerschlimmsten. aber das ist ja gar nicht so. wenn das hier zu einer guten lösung führt, dann ist boypoint das allerbeste portal sowieso. ich hoff ja so, dass er glücklich ist zum schluss

und was ich ja noch so toll finde, ist ja , wie er das alles schreibt, so dass wir alles nachempfinden können und bei ihm sein können -jedenfalls mit unsern gedanken

Bl4ck_Dr4gon
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Beitragvon Bl4ck_Dr4gon » 23 Dez 2007, 01:09

hoffen kann man ja mal xD un ich bin ein mensch der ans gute denke bzw darauf hofft
die überschrieft kann auch zu der einstellung seiner mutter sein:P

Feenstaub
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Beitragvon Feenstaub » 23 Dez 2007, 01:37

Das hat er doch indirekt schon geschrieben, also das seine Mutter das sagte oder das er die Überschrift von seiner Mutter genommen hat.

Alles Gute wünsche ich ihm sowieso, genauso wie allen Anderen von hier.

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Beitragvon xfreshx » 23 Dez 2007, 11:41

Bevor Ich jetzt den nächsten Teil poste, möchte Ich mich erst einmal bei Euch allen bedanken! Für die "Anteilnahme" (kann man das da schreiben?), die ihr daran habt, was Ich schreibe. Ich hab lange gezögert, ob Ich das überhaupt je jemandem zeige, doch dann hab Ich mir gedacht, dass es ja nicht schaden kann und man damit vielleicht sogar anderen helfen kann!
Für alle, die noch vor einem Coming-Out stehen:
Redet zuerst mit eueren engsten Freunden darüber, denn egal, was passiert und egal, in welche Situation ihr geratet, die stehen immer hinter Euch!

FORTSETZUNG:

Im Zug sitzend wuchs die Vorfreude von Sekunde zu Sekunde. Ich konnte es kaum erwarten, ihn endlich wieder in den Arm zu nehmen. Ihn zu küssen. Neben ihm einzuschlafen und neben ihm aufzuwachen. Nach fast 6 Stunden Zugfahrt erwarteten seine beste Freundin und er mich dann am Bahnhof. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, ihn nach einem Monat wiederzusehen.
Am zweiten Abend bekam ich dann eine SMS von meinem Vater, dass er es schwach von mir findet, dass ich mich noch nicht zu Hause gemeldet habe, ob ich gut angekommen bin. Ich habe ihm dann geantwortet, dass es mir gut geht. Zu Hause hatte ich leider den Fehler gemacht, seine Nummer aus dem Wiederholungsspeicher des Telefons zu löschen und, so ein ?Kontrollfreak? wie meine Mutter eben ist, notierte sie sich sofort die Nummer. Bei ihm zu Hause ging der Terror dann los. Zuerst lief alles nur über meine Mailbox: ?Lebt der, den ich kenne noch? Oder liegt der schon besoffen und bekifft in der Ecke?? Bis dann auch sein Anrufbeantworter und sein Telefon terrorisiert wurden. Morgens um 10 Uhr! In der Ferienzeit! Ist ja wohl logisch, dass wir da noch schlafen. Ich hab dann einfach den Hörer ergriffen und mit ihr telefoniert, wobei ich mir anhören musste, dass wenn ich mich nicht gemeldet hätte, sie einen ?Apparat? in Bewegung gesetzt hätte und dass dann ziemlich unangenehm gewesen wäre. Ich musste dann den Kompromiss eingehen, dass ich mich alle zwei Tage zu Hause melde. Das hab ich dann auch getan. Am vorletzten Tag war die Nacht davor ein wenig länger und wir schliefen dementsprechend lange. Während wir noch schliefen, hatte meine Mutter bereits wieder den Anrufbeantworter vollgequatscht. ?Es ist jetzt kurz nach 12. Wir hatten vereinbart, dass du dich jeden zweiten Tag zu Hause meldest!? Ist der Tag mittags um 12 schon zu Ende? Ich habe mich dann bei ihr gemeldet und sie meinte nur, dass wenn ich mich nicht zwischen 12 und 13 Uhr gemeldet hätte, hätte sie den besagten Apparat in Gang setzen müssen. Außerdem verlangte sie von mir, dass ich an diesem Tag bereits nach Hause komme, wobei ich noch nicht einmal ein Ticket gekauft hatte, was wir aber am Nachmittag noch vorhatten. Ich sollte dann ein Ticket kaufen uns sofort nach Hause kommen, was ich natürlich nicht tat und ihr auch sofort sagte. ?Aha, die Gehirnwäsche hat also funktioniert...?, und sie hat aufgelegt.
Mich hat das ziemlich wenig interessiert, denn es ist nun mal meine Entscheidung, wann ich nach Hause fahre und wenn ich die Wahl habe, einen weiteren Tag mit meinem Freund zu verbringen oder nach Hause in die ?Höhle des Löwen? zu fahren, dann entscheide ich mich wohl für den Tag mit meinem Freund, welchen wir dann auch noch einmal voll ausnutzten und sehr viel gemeinsam unternahmen.
Aber auch da kam der Tag der Abreise leider viel zu schnell und schon saß ich wieder im Zug nach Hause. Ob mich jemand vom Bahnhof abholt oder nicht, war mir auch ziemlich egal, denn den einen Kilometer kann ich auch laufen, außerdem hatte ich nicht sonderlich Lust auf irgendwelche sinnlosen Diskussionen bereits im Auto. Zu Hause angekommen waren die einzigen Worte, die ich mit meiner Mutter bis zur Kinderfreizeit wechselte: ?Ich bin wieder da!? Ich wählte bewusst nicht: ?Ich bin wieder zu Hause?, denn in diesem Moment fühlte ich mich in keinster Weise zu Hause.
Die Woche Kinderfreizeit war dann eine, mal abgesehen von dem Stress mit den Kindern um sich den ganzen Tag, eine stressfreie Woche. Zwischendurch hatte mein Freund dann noch Geburtstag und durfte seinen 18. Geburtstag feiern. Ich vertelefonierte an diesem Abend fast mein komplettes Handyguthaben, denn wenn der Freund Geburtstag hat, dann ruft man natürlich auch an. Klar waren die anderen Betreuer der Kinderfreizeit ein bisschen verärgert, weil ich solange telefoniert hab, aber als ich dann erklärte, dass ich mit jemandem telefoniert habe, der gerade 18 wurde, nahmen sie mir es nicht mehr übel.
Kinderfreizeit vorbei, Usedom steht vor der Tür. Mama fährt mit, um mich hochzubringen. Wie soll das nur ausgehen?
Erstaunlicherweise anders, als ich es anfangs gedacht hatte. Wir haben uns ganz normal unterhalten. Der Knüller, auf den ich die ganze Fahrt gewartet hatte, kam dann erst, als sie mich an der Unterkunft der DLRG abgesetzt haben. Sie waren im Begriff zu fahren, da rief mich meine Mutter noch mal zu sich. Ich dachte halt zum ?Tschüß? sagen, was ich bei meinem Vater bereits getan hatte. Aber nein, von ihr kam mal wieder nur: ?Hast du mir nicht noch was zu sagen?? Ich wusste nicht, was ich ihr darauf entgegnen sollte, brachte ihr ein kaltes Tschüß entgegen und machte mich auf den Weg in die Unterkunft. Ja, das war wieder ein mal so was, was kein Mensch gebraucht hat. Ein dummes, völlig sinnloses Kommentar, das mal wieder einfach nur unangebracht war. Aber was will man machen. Wenn sie meint, sie würde dadurch irgendetwas erreichen...
Während ich Dienst auf Usedom hatte, hatte ich über das Telefon der Unterkunft auch einen Festnetzanschluss und telefonierte auch das eine oder andere Mal mit meinem Freund. Doch bereits auf Usedom, wo man sich sehr viele Gedanken über sich selbst und sein Umfeld zu Hause machen kann, da man einfach mal weit weg und für sich selbst ist, wurde mir klar, dass ich mich irgendwie verändert habe und nicht mehr ganz zu meinem Freund passe...
Mir lief praktisch unsere komplette Beziehung noch einmal vor dem Auge her. Dass er sich schon Gedanken über eine Wohnung gemacht hatte, weil es mir zu Hause nun wirklich nicht so gut ging und ich auch mit dem Gedanken gespielt hatte, meinem Leben ein Ende zu setzen. Dass er seine Schwester gefragt hatte, ob sie nicht seine Trauzeugin sein möchte und unsere Hochzeit schon fast geplant hatte. All die schöne Zeit, die ich mit ihm hatte...
Die drei Wochen Usedom gingen dann auch wieder vorbei. Leider auch viel zu schnell, denn zu Hause kam dann ja wieder. Die Zugfahrt war mal wieder eine sehr lange Grübelei, wobei ich mir mal wieder über alle möglichen Sachen den Kopf verbrach. Meine Zukunft, wie das jetzt weitergehen soll usw. Diesmal wurde ich sogar vom Bahnhof abgeholt. Von meiner Mutter. Und, entgegen allem, was ich dachte, verlief die 1 Kilometer lange Autofahrt sogar ohne jegliches Kommentar.
So eine gute Woche ging auch alles gut. Ohne einen Streit oder eine Diskussion. Bis dann am Wochenende mein Vater zum Tischdecken gerufen hat und meine Mutter aus einem ?Ich komme gleich!? ein ?Ich hab keinen Hunger und helfe auch nicht? gemacht hat. Als ich dann Tischdecken wollte, hatte dies mein Vater bereits erledigt und ich ging wieder auf mein Zimmer, wo mich auch sofort meine Mutter besuchte. ?Es ist alles ein Nehmen und Geben! Entweder, du hilfst jetzt im Haushalt mit, oder du bekommst dein Kindergeld ausbezahlt und wir stellen dir alles in Rechnung. Dein Zimmer, Wasser, Strom, Wäsche waschen, kochen, Lebensmittel...? Wobei ich mir heute noch Gedanken darüber mach, wer denn eigentlich die Küche aufräumt, wenn meine Eltern mal nicht zu Hause sind? Wer sich denn einfach mal den Staubsauger nimmt? Wer vor allem den Ärger bekommt, wenn sie nach Hause kommen und das alles nicht erledigt ist. Meine Brüder kennen nur: Ich stell?s mal hin, irgendwer wird?s schon wegräumen. Ich bin immer der Dumme, der dann keine Lust auf Stress hat und sie Sachen halt einfach wegräumt! Ich bin derjenige, der dafür sorgt, dass es auch halbwegs in Ordnung ist, wenn meine Eltern nicht da sind. Und dann wird mir vorgeworfen, ich würde nicht?s helfen? Ich vergaß. Meine Mutter hat ja immer Recht und der Rest Unrecht. Sie setzte mir dann eine Frist von einer halben Stunde, was irgendwie total sinnlos ist, aber das macht sie in letzter Zeit sehr oft, in welcher ich mich entscheiden musste, ob ich alles in Rechnung gestallt haben möchte oder einfach mehr mithelfe. Ich habe mich natürlich für die ?Helfen-Methode? enstschieden. Damit fuhren wir dann auch relativ gut, bis Dienstag der darauffolgenden Woche. Ich hatte mir das Flatrate-Handy genommen, um noch einige Sachen bezüglich der Fahrt der DLRG in den Europa-Park abzuklären. Da weder meine Mutter, noch mein Vater zu Hause waren, konnte ich folglich auch niemanden fragen, ob ich telefonieren darf. Was schon mal total bescheuert ist, aber so sind sie nun mal. Diesmal war mein Vater auch dabei. Im Nachhinein sage ich, dass es gut war, dass er dabei war, denn auf einmal sagte meine Mutter zu mir, ich könne gehen. Aber wenn ich gehe, dann nur so, wie ich gerade bin, denn ich habe ja nichts. Und dagegen halten kann ich auch nicht, denn ich habe ja noch nichts erreicht. Daraufhin machte ich mich auf den Weg. Mein Vater hielt mich dann noch auf und meinte, ich solle einfach wieder hoch in mein Zimmer gehen. Meine Mutter kam dann gleich auch nach unten, denn sie muss ja immer überall dabei sein. Ich verweigerte dann jedes weitere Wort, weil meine Mutter da war und ich einfach überhaupt keine Lust mehr auf irgendein Gespräch mit meiner Mutter und von ihr nichts mehr wissen wollte. Ich lief dann nach Büdingen zu meiner besten Freundin, die extra noch von ihrem Freund nach Hause kam wegen mir. Ich erzählte ihr dann alles unter Tränen. Ihre Mutter, welche auch in die gesamte Geschichte eingeweiht ist, bekam dies alles mit und fragte mich, ob ich heute Nacht einfach da bleiben möchte. Dieses Angebot nahm ich gerne an, denn laut meiner Mutter war ich zu Hause ja eh nicht mehr erwünscht. Ihre Mutter fuhr dann zu meiner Mutter und erzählte ihr, wie es mir dabei geht und sagte ihr auch, dass ich heute Abend bei ihnen bleiben würde. Unter Tränen bereute meine Mutter dann, was sie gesagt hat und wünschte sich, dass ich am Folgetag doch wieder nach Hause komme. Das alles berichtete mir die Mutter meiner besten Freundin dann noch und wir kamen zu dem Schluss, dass ich mich mit meiner Mutter mal unterhalten muss. Nur bin ich es einfach satt, immer den ersten Schritt zu gehen. Immer muss ich das machen. Sie kommt nie auf die Idee, auf mich zu zugehen. Aber da kommt ja wieder das ?Ich mache nie Fehler?.
Wir hatten dann noch einen schönen Abend. Der Freund meiner besten Freundin und meine andere beste Freundin kamen dann noch dazu. Wir waren Döner essen und haben dann den Abend noch vorm Fernseher ausklingen lassen.
Am nächsten Tag bin ich dann auch wieder nach Hause gegangen, doch meiner Mutter zunächst weiträumig aus dem Weg. Irgendwann hatte sich dann wieder alles normalisiert und wir haben uns sogar wieder normal unterhalten.

----------------------------- Fortsetzung folgt! ------------------------------------

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