Coming out - Welche Fragen sind zu erwarten

Rund ums Coming-Out - wenn es das überhaupt gibt.
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Akil
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Coming out - Welche Fragen sind zu erwarten

Beitragvon Akil » 24 Mär 2014, 00:20

Hallo, da dies mein erster Beitrag ist:
17, schwul, noch nicht geoutet, außer bei den Eltern.
Ich zwinge Niemanden das alles durchzulesen. Die wichtigsten Teile habe ich fett markiert.
Ich mache bald Abi und da mein Geburtstag inmitten der Prüfungen nicht feierbar ist, werde ich den nachfeiern. Ich plane dabei mit meinen Freunden Paintball spielen zu gehen und dann zuhause noch zu grillen. Dort will ich ihnen gestehen das ich schwul bin. Haltet ihr das für eine Gute Idee? Immer wenn ich darüber nachdenke oder wie jetzt schreibe wird mir ganz mulmig zumute, aber das ist wohl normal. Da ich nicht der spontane, schlagfertige, wortgewandte Typ bin habe ich mich im Vorfeld mit der Reaktion der Anderen auseinandergesetzt und wollte eure Anregungen und Gedanken dazu hören.

Zuerst einmal die Geburtstagplanung: Erst Paintball ab 8 bis 18:00 dann nach Hause und Abends grillen, dann ab Mitternacht oder bis Morgens nach Hause gehen. Wir sind etwa 14 Leute, Ich inbegriffen, 3 davon Mädels.

Nach dem Coming Out ist noch viel Zeit zum Diskutieren, Disputieren, etc. aber nicht so lange, dass jeder der geschockt ist wie auf Kohlen sitzt. Paintball haben wir zu dem Zeitpunkt schon gespielt, ich hoffe also, Jeder ist in Guter Stimmung und hatte seinen Spaß für den Tag.

Normalerweise war Geburtstags immer Übernachtung. Dieses mal entscheide ich mich bewusst dagegen, weil ich möchte, dass Jeder der möchte nach der Feier problemlos Abstand gewinnen kann, ohne unhöflich zu sein und er im Vorfeld für seine Abholung gesorgt hat. Ich habe selbst ein bis zwei Jahre gebraucht, um mir einzugestehen: "Ich bin schwul" und bei dem Coming out gegenüber meiner Mutter sind einige Tränen geflossen. Es überraschte mich also nicht, wenn die Meisten über mein "Geständnis" nachdenken müssen und erst einmal Abstand gewinnen möchten.

Es sind so ziemlich alle meine Freunde da. Ich komme generell aus einem relativ akademischen Umfeld und der Mehrteil meiner Freunde ist auf einem geistig vernünftigen Niveau, da ich mir meine Freunde sehr penibel aussuche. "Schwul", "homo", "gay", "der saugt Schwänze" sind aber in der Schule leider tagtägliche Beleidigungen. Den Zeitpunkt meines Coming out habe ich also bewusst nach das Abitur gelegt (Bald weg + kein Stress zu den Prüfungen). Aus diesem Bollwerk der Intoleranz bin ich bald weg. Auf zur Uni! :flag:

Ich habe in den letzten Monaten schon etwas "Vorarbeit" geleistet, soll heißen: Homosexualität auf gesellschaftlicher, wissenschaftlicher und religiöser Ebene zum Diskussionsthema mit den meisten meiner Freunde erhoben (ich bin Atheist, akzeptiere aber grundsätzlich jeden Glauben). Ich denke zwar nicht, das irgenwer mich deswegen beleidigen würde, aber natürlich kann ich nicht wissen, wer letztendlich zu mir steht und mein Freund bleiben will. :(

Die letzten 5 Jahre habe ich meine Orientierung erfolgreich geheim gehalten, ich glaube deswegen nicht, das irgendjemand die Annahme hegt, ich sei schwul. Abgesehen von einer meiner besten Freundinnen, die könnte Verdacht geschöpft haben, aber selbst da wäre ich mir unsicher.

Soviel zum psychologischen Vorspiel. Vielmehr Sorgen bereitet mir die erwähnte Diskussion: :(

Ich habe beschlossen nicht lange drumrum zu labern, sondern Klartext zu reden. Ich hasse schwammige Aussagen und will endlich reinen Tisch machen können. Sonst würde ich das ganze nicht machen.
Mich interessiert nun vor allem, welche Fragen Euch nach eurem Coming out gestellt wurden, wie ihr geantwortet habt und was die Reaktion war. Und natürlich sind auch sonstige Tipps immer willkommen.

Ich habe über die folgenden Fragen nachgedacht (ja ich bin ein Planungsnerd :D)

1) Seit wann weißt du es?
Ab ca. 12 darüber nachgedacht, mir gegenüber richtig eingestanden etwa ein bis zwei Jahre später.

2) Warst du schon mal in einen von uns verliebt?
Uh, Sch****. Die Wahrheit wäre: Ja, in einen (ich nenne ihn mal Xerxes), und den finde ich zwar immer noch ziemlich attraktiv, aber von der Chemie wäre der nichts für mich und über meinen Liebeskummer bin ich seit der 10. Klasse hinweg.
Xerxes hat sich nicht geoutet, obwohl ich mir durchaus vorstellen könnte er sei schwul. Generell ist Xerxes sexuell sehr tollerant. Er hat nie was gesagt, ob er meine Blicke und meine Anhänglichkeit je als Liebe ausgelegt hat, wage ich zu bezweifeln.
Aber soll ich das allen wirklich Sagen? Ich schätze Xerxes als Freund und mehr oder weniger kann man bei einer Frage "findest du mich attraktiv/liebst du mich" eigentlich nur falsch antworten.
"Ja, ich war mal in dich verliebt." und derjenige interpretiert ab sofort jeden Blick, jede Berührung und jedes Gespräch falsch (worst case)
"Nein, ich finde dich nicht ansprechend" und derjenige ist beleidigt und ich verletze seine Gefühle. Auch Kacke.
Ich denke ich werde den Anderen das so erklären und ihnen sagen, dass sie ja auch nicht in jedes Mädchen verknallt sind, aber das klingt wiederum irgendwie nach: "Ja, war ich, aber ich sage euch nicht in wen von euch, denn ich bin feige". :-? Was meint ihr?

3) Willst du dich aufspielen/Warum sagst du mir das/Du stellst dich in den Mittelpunkt, willst dich aufspielen?
Naja irgendwie weiß ich auch nicht, warum ich mich outen will. Mehr oder weniger bringt das in unserer Gesellschaft nur Nachteile (Und die Deutschen bilden da schon eine der besten Nationen). Irgendwie möchte ich mich mit meiner Sexualität niemanden aufdrängen. Ich kann jeden verstehen, der es "ekelig" findet, wenn ein schwules Pärchen sich knutscht oder Sex hat. Sexualität und Liebe sind schließlich etwas dermaßen persönliches, dass jeder da ganz eigen ist. Alles fremde, was man nicht selbst macht, ist erstmal komisch (Chinesen Essen Skorpione oder Hund, wir finden das ekelig. Europäer essen zig Milchprodukte die chinesische Einstellung dazu ist vice versa)
Dennoch - Irgendwie geht es mir besser, seit meine Eltern es wissen und ich denke, das meine Freunde es verdienen zu wissen, das ich schwul bin. Ich denke die haben als meine Freunde ein Recht das zu erfahren, man geht ja standardmäßig davon aus, dass der Mann gefälligst der gesellschaftlichen Norm entspricht und wie man selbst auf Mädels steht. Außerdem hoffe ich so endlich eine glückliche, erwiderte Liebe zu finden.
So ganz verstehe ich aber auch nicht, warum mir das so wichtig ist. Wisst ihr das?

4) Warum hast du das mir nicht vorher gesagt?
Das ist einfach :D : "gay" ist die gängigste Beleidigung auf der Schule; Ich musste mir das erst selbst eingestehen; Ich musste mir den Mut erst aufbauen; Ich hatte Angst eure Freundschaft zu verlieren. As simple as that.

5) Wird sich etwas zwischen uns ändern?
Naja, ich hoffe nicht, aber glaube schon :-? Ich mag Mädels, aber ich liebe Jungs. Und zwar meistens leider unglücklich und unerwieder. "Ich glaube nicht, dass das mein Verhältnis zu Euch ändert, aber vielleicht Euer Verhältnis zu mir." wäre meine Antwort.

So, du bist fertig mit Lesen^^. Vielen Dank für die Geduld und halte deine Meinung nicht zurück. Fehler werden gerne korrigiert, ich danke jedem Grammar-Nazi.

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Re: Coming out - Welche Fragen sind zu erwarten

Beitragvon failz0r » 24 Mär 2014, 06:07

Richte dich darauf ein, dass überhaupt keine Fragen kommen. Viele Leute wissen überhaupt nicht, was sie dann dazu sagen sollen. Sie wissen nicht, wie man mit so einem Menschen umgehen soll. Und das wird auch die erste Frage sein, die sie dir aber nicht direkt stellen werden.
Dieser Satz ist falsch.

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Re: Coming out - Welche Fragen sind zu erwarten

Beitragvon 007Billabond » 24 Mär 2014, 07:23

Naja es gibt oft die selben fragen, meisst wollen sie wissen wie es dazu kommt, wieso du es ihnen sags, wie du es gemerkt hast, wann bzw. Wie lange du es weisst und ob du vllt. Jemanden hast, den du liebst. Bei meinem outing war das immerhin so.
Am besten du sagst es erstmal einer person der du vertraust und die dir hilft, und die nimmst du dann mit zu deinen outings bei anderen damit sie dir beistehen kann. Das klappt meisst sehr gut.

LG Joseph
Higgs Boson Stringtheorie oder Einsteins Relativitätstheorie, oder doch nur die Quantentheorie? ;)

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Re: Coming out - Welche Fragen sind zu erwarten

Beitragvon Que93 » 24 Mär 2014, 09:24

Interesante Thesen. Sei gegrüßt von mir. Aus meiner Sicht planst du zu viel. Nimm dir weniger vor. So ist dir mehr möglich, als du denkst und glaubst. Will sagen: mache es nicht vor so einer großen Runde. Die mögliche Diskussion mit einzelnen Freunden bringt dir und deinem Freund viel mehr, weil du individuell auf Reaktionen eingehen kannst. So denke ich. Gruß von mir

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Re: Coming out - Welche Fragen sind zu erwarten

Beitragvon theshyguy » 24 Mär 2014, 09:42

Ich würde es auch nicht vor einer großen Gruppe sagen sondern immer nur eine kleinere Anzahl von Leuten. Und es so richtig Planen würde ich es auch nicht warte auf den richtigen Zeitpunkt und richtige Situation.

Bei mir kamen öfters keine Fragen oder sowas wie: Wann hast du es gemerkt?
Auf was für Typen stehst du? Stehst du momentan auf jemanden?
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Re: Coming out - Welche Fragen sind zu erwarten

Beitragvon r2d2 » 24 Mär 2014, 10:21

Zu deiner These, dass man sich womöglich garnicht outen sollte:

Ich finde schon, man sollte sich auf jeden Fall bei Freunden und Familie outen. Wenn deine Freunde über Mädchen reden, die sie geil finden, oder deine Eltern fragen, ob du Mädchen auf einer Fete kennengelernt hast, dann wäre es von dir eine dreiste Lüge zuzustimmen, wenn du eigentlich garnicht auf Frauen stehst. Deswegen ist es nur eine Handlung der Ehrlichkeit sich zu outen. Es macht dich zu einem besseren Menschen.

Und auch das Argument, dass man nur Nachteile in der Gesellschaft hat: Ich glaube man wird in der Gesellschaft nur erfolgreich, wenn man souverän und ehrlich ist. Man unterdrückt sich quasi selber, wenn man sich in einer Situation, in der es nötig ist, nicht outet. Stelle dir vor man würde diese Maxime des Nicht-Outings zum allgemeinen Gesetz werden lassen: Es gäbe keinen geouteten Schwulen und es gäbe einen immensen Schwulenhass. Nur, wenn alle Schwule die Maxime besitzen, sich in der nötigen Situation zu outen, können sie in der Gesellschaft akzeptiert werden.

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Akil
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Re: Coming out - Welche Fragen sind zu erwarten

Beitragvon Akil » 24 Mär 2014, 14:38

Mit der großen Gruppe ist vielleicht wirklich keine so gute Idee. Ich versuche mit meinen besten Freunden schon vorher zu reden. Mit allen schaffe ich das aber vorher wahrscheinlich nicht. Die Diskussionsrunde werde ich den Geburtstag wahrscheinlich trotzdem einplanen, damit es auch der letzte erfährt, und man sich mit anderen Leuten in der gleichen Situation unterhalten kann.

Aber zu der Fragerei:
Was sagt ihr denn einem heterosexuellen Freund, wenn der euch fragt, ob ihr ihn attraktiv findet? Ja und nein ist beides irgendwie Mist.
Die gleiche Antwortsnot befällt mich, wenn ich mir vorstelle zu beantworten, ob ich gerade verliebt bin/auf jemanden stehe. Solange der andere nicht auch als schwul geoutet ist, kann ich mir da außer "nö" oder "sag ich dir nicht" nicht wirklich was vernünftiges vorstellen...
Habt ihr da eine Lösung?

@R2D2: Ja, du sprichst wahre Worte, aber aktuell ist es leider immer noch so, dass man die besten Karriereaussichten als heterosexueller, weißer, männlicher Christ hat, oder widersprichst du mir da?
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Re: Coming out - Welche Fragen sind zu erwarten

Beitragvon Chrischn » 24 Mär 2014, 17:49

Zu der Fragerei:
Wenn man geoutet ist, eig auch wenn nicht, hauptsache man hat ein Krümelein Selbstbewusstsein, kann man mehr als nur "Ja" und "Nein" antworten. Oft sag ich z.B. frei heraus, was ich empfinde oder schwäche die Aussage etwas ab.
Wenn dich also jemand fragt: Findest du mich attraktiv? Dann kannst du ja auch wenns 1000%ig wahr ist sagen: Hin und wieder hab ich dir schonmal hinterhergeschaut. :P
Oder eben irgendwie austricksen wie: Gibt es etwas, das ich an dir toll finden sollte?
Man kann auch ins Detail gehen und sagen: Neja, deine Figur ist nicht von schlechten Eltern... und dann eben noch einen Gegensatz anhängen wie z.B. ...hast aber ne ganz schön lange Nase. Halt irgendetwas, was nicht gleich beleidigend wird.
Man muss nur ein bisschen auf die Wortwahl achten. ;)

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Akil
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Re: Coming out - Welche Fragen sind zu erwarten

Beitragvon Akil » 24 Mär 2014, 18:23

Hm, klingt vernünftig das mit dem austricksen.^^
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Re: Coming out - Welche Fragen sind zu erwarten

Beitragvon DerNerd » 26 Mär 2014, 20:48

Wie einem sofort auffällt, willst du unbedingt absolute Ehrlichkeit. Das spricht eigentlich für dich, aber bei manchen Situationen sind alle betroffenen mit einer Lüge zufriedener. Wenn jemand gefragt wird, wie es ihm geht, antwortet er doch auch meistens mit "gut". Du siehst wahrscheinlich, in welche Richtung meine Thesen gehen, ich spreche zwar nicht aus Erfahrung, aber gebe mal meine Meinung ab.

2) Warst du schon mal in einen von uns verliebt?

Meines Erachtens ist "Nein" eine legitime Antwort. Es kann dann passieren, dass Xerxes jede Handlung von dir, die mit ihm zu tun hat, entsprechend zu interpretieren versucht, was für ihn nicht angenehm wäre. Insgesamt wären wohl alle mit dieser Antwort glücklicher.

Oder vielleicht wäre eine Notlüge ganz elegant. Man könnte sagen "Ich stand schon mal auf XYZ, der ist aber definitiv heterosexuell [...]".

3) Willst du dich aufspielen/Warum sagst du mir das/Du stellst dich in den Mittelpunkt, willst dich aufspielen?

Warum nicht den guten alten Hitzelsperger dafür missbrauchen? Du sagst, dass Outings wichtig sind, um die Akzeptanz von Schwulen in der Gesellschaft voranzubringen. Wenn jeder zehnte Mensch homosexuell ist und geoutet wäre, dann hätten doch die meisten Menschen mindestens einen Homosexuellen in ihrem Bekanntenkreis. Und das bräuchten viele Menschen, um es 1) als normal anzuerkennen und 2) falsche Vorurteile abbauen zu können.

Wenn in jeder Fußballmannschaft im Schnitt ein geouteter Schwuler denken, wäre Hitzelspergers CO niemals eine Sensation gewesen.

Und außerdem gebe ich da Kant, äh r2d2 recht. Ich sehe es als moralische Pflicht, sich zu outen. Eben weil der breiten Masse nur so bewusst werden kann, dass Homosexualität was völlig normales ist.

4) Warum hast du das mir nicht vorher gesagt?

Es ist gut, das mit der Homophobie in der Gesellschaft zu begründen. Aber allgemein würde ich mich nie in eine Opferrolle stellen. Menschen, die das tun, schweben viel schneller in Gefahr, sich unbeliebt zu machen.

5) Wird sich etwas zwischen uns ändern?

Nein! Warum denn auch?

Sei selbstbewusst! Dass du schwul bist, ändert doch kein bisschen was an deinem Verhältnis zu deinen Freunden.

Akil hat geschrieben:aktuell ist es leider immer noch so, dass man die besten Karriereaussichten als heterosexueller, weißer, männlicher Christ hat, oder widersprichst du mir da?


Irgendwo muss man auch mal eine Grenze setzen und seinem eigenen Glück Vorrang gewähren. Ich würde z.B. auch nicht wieder in die Kirche eintreten, um einen möglichen Schaden für meine Karriere auszuschließen. Außerdem interessiert es doch keine Sau in einem Betrieb, was du nach Feierabend mit wem anstellst.

Akil hat geschrieben:der Mehrteil meiner Freunde ist auf einem geistig vernünftigen Niveau


Na dann. Was machst du dir dann so für Sorgen? :flag:
"The day Microsoft makes something that doesn't suck, they'll be making vacuum-cleaners."

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Re: Coming out - Welche Fragen sind zu erwarten

Beitragvon Akil » 27 Mär 2014, 01:31

@DerNerd
Du verfolgst mich^^
Grundlegend stimme ich dir zu, danke für die Antwort! :D
Aber:
zu 2)
Man könnte sagen "Ich stand schon mal auf XYZ, der ist aber definitiv heterosexuell [...]".

Was meinst du damit? Ich soll irgendjemanden, der nicht in meinem Freundeskreis ist als Liebe ausgeben, oder ich soll eine fiktive Person erfinden?
Da würde ich aber eher zu dem Nein neigen. Oder zu einer Aussage wie "Wenn ich in einen von euch verliebt bin und der sich auch outet, sag ich das demjenigen."
Das ganze ist und bleibt für mich aber immernoch die prekärste Frage.

und zu:
Außerdem interessiert es doch keine Sau in einem Betrieb, was du nach Feierabend mit wem anstellst.

Naja, das denke ich nicht. Natürlich hängt das vom Umfeld ab, aber generell ist Homosexualität doch viel eher ein Mobbing-Grund als Heterosexualität, nicht wahr?
Man muss sich ja nur die Anteilsverteilung in Politik, Wirtschaft und Sport anzusehen, um zu diesem Ergebnis zu kommen.
In der Gesellschaft ist das immer noch ein unbeliebtes Thema. Erst letztens die Abstimmung gegen Homosexualität im Unterricht hat das gezeigt, oder die große Reaktion auf das CO von Hitzelsperger. Wären "wir" endlich vollständig akzeptiert (ich hege Hoffnungen, diesen Zustand noch mitzuerleben) würde danach kein Hahn krähen.
Wenn das bei dir nicht so ist, will ich da auch leben :D (vielleicht bist du ja der Doktor?)
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Re: Coming out - Welche Fragen sind zu erwarten

Beitragvon Chrischn » 27 Mär 2014, 06:34

Also wenn du wirklich meinst, dass deine Freunde mehrheitlich auf einem geistig vernünftigen Niveau sind, dann wirst du es beim Outen wohl erfahren, wie es wirklich ist. Falls sie so sind, wie du sagst, falls du dir da ganz sicher bist, hast du ja nichts zu befürchten.
Zur Frage: Warum stellst du dich so in den Mittelpunkt...blah?
Was bei vielen einfach der wahren Kern ist: Weils mir auf dem Herzen lag. Weil ich es loswerden wollte. Und nichts weiter. ;)

Du hast recht, die Akzeptanz in der Gesellschaft ist jetzt nicht so hoch, zumindest in ländlichen, abgeschnittenen Ecke, wie die, wo ich herkomm.^^
Aber die Toleranz ist durch solche öffentliche Outings wie Hitzelsperger ziemlich stark gestiegen. Dass man schlechtere Chancen im Beruf hat ist völlig überholt, finde ich, also bei uns - und hier sind über 2/3 der Leute christlich-konservativ, die HOmosexualität meist nicht kazeptieren aber vllt. doch tolerieren - gibt es da keine Schwierigkeiten. Haben z.B. auch nen schwulen Lehrer an der Schule und der hatte keine Problem, den Job zu bekommen.

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Re: Coming out - Welche Fragen sind zu erwarten

Beitragvon Akil » 16 Apr 2014, 19:20

Ich habe fertig. :flag:
Habe jetzt am Anfang der Ferien meinen Freunden gesagt, das ich schwul bin. Die haben nichts geahnt, bis auf zwei. Die letzten 5 Jahre habe ich mich wohl ganz gut verdeckt gehalten. Die grundsätzliche Reaktion war bei allen erst mal Ungläubigkeit (habe die meisten via Skype angeschrieben und die mich dann angerufen, bis dann nach und nach eine riesige Skype-Konferenz entstanden ist).
Meine Beste Freundin meinte "Cool" und ihr Freund meinte nur "Super! Weniger Konkurrenz!" :lol:
Ein Problem hatte keiner damit und zwischen uns hat sich dadurch fast nichts geändert (Die Benutzung von schwul als Schimpfwort lässt nach).
Der Großteil ist geschafft. Jetzt fehlt noch eine stark religöse Freundin, dazu meine Omas und Opas und mein Bruder. Mit ersterer führen ich, meine Beste Freundin und ihr Freund schon lange eine Diskussion bezüglich Homosexualität. Die erfährt es wahrscheinlich an meinem Geburtstag, wenn sie bis dahin nicht endlich überzeugt ist, sei es so.
Meine Großeltern erfahren das erst nach der Postabiturreise nach Tibet, da ich mir die nicht überschatten lassen möchte. Mein kleiner Bruder genauso, weil der ein unverbesserliches Erzplappermaul ist.
Das wars auch schon^^

Because I'm happy clap along if you feel ...
:D
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Re: Coming out - Welche Fragen sind zu erwarten

Beitragvon Henne92 » 02 Sep 2014, 19:21

Hallo Akil,

hört sich entspannt ein dein Comingout. So wünsche ich mir das auch! :)
Danke, das du darüber geschrieben hast. Das macht mir Mut! :)

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Re: Coming out - Welche Fragen sind zu erwarten

Beitragvon Zuri » 03 Sep 2014, 00:58

Auf die Frage, ob du schon einmal in einen von ihnen verliebt warst, würde ich ganz ehrlich antworten und vielleicht den Namen weglassen, aber auch erklären, wie du schon sagst, dass die sich auch nicht in jedes Mädchen verlieben. Wenn du dich schon outest, kannst du auch gleich gut reinen Tisch machen. Die werden es hinnehmen müssen. Und wenn die schon akzeptieren, dass du schwul bist, was soll schon passieren ;)
Wenn du den Namen nicht sagst, können die ja schön untereinander rätseln :D

Wenn dich Xerxes mal alleine darauf anspricht und dir vielleicht sogar sagt, dass er das Ganze wohl bemerkt hat, würde ich es keinesfalls abstreiten, aber wie im ersten Fall sagen, dass du über ihn hinweg bist. Ihr könnt es ja nicht ändern, aber wenn beide es wissen, können sie gemeinsam damit umgehen.
"Sei du selbst. Alles andere wirst du eh verkacken" — Marie Meimberg

Re: Coming out - Welche Fragen sind zu erwarten

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