Schwul und Moslem

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LeoStar1993
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Schwul und Moslem

Beitragvon LeoStar1993 » 10 Aug 2014, 20:48

Hallo Leute,

wollte mal fragen wer hier auch dem islamischen Glauben angehörig ist und schwul ist. Wie sieht es bei euch aus, kommt ihr damit klar bzw. wie reagierten - sofern geoutet - eure Eltern und Verwandten drauf? Gab es vielleicht sogar gewaltsame Übergriffe?

Was mich zu dieser Threaderstellung gebracht hat ist folgendes. Mein Cousin (27 Jahre alt) - von dem weiß ich, dass er schwul ist (mir gesagt) - ist gestern eine Scheinehe eingegangen zuliebe der Eltern bzw. Verwandten. Er hatte davor mit seinem Freund deswegen Schluss gemacht bzw. musste ihn verlassen nach 3 1/2 Beziehung. Die Eltern wissen natürlich nichts von seiner Sexualität, geschweige von seinem Ex-Freund.

Ich persönlich möchte definitiv nicht den Weg meines Cousins gehen - auch wenn ich meine Eltern und Verwandten über alles liebe und sie mich. Ich würde einfach nicht meine zukünftige Scheinfrau belügen wollen und käme emotional und sexuell auch nicht klar. Aber da Homosexualität mit dem Islam ganz klar nicht zu vereinbaren ist, werden auf mich noch große Probleme kommen, da bin ich mir sicher. :(

So, erzählt mir eure Geschichten.

Schwul und Moslem

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Re: Schwul und Moslem

Beitragvon timtom » 10 Aug 2014, 21:10

Ich frag mich da immer wieso man einem religiösen Glauben angehören möchte, der einen umgekehrt gar nicht akzeptiert und haben möchte. Das hat für mich etwas masochistisches und lässt sich bestimmt mit irgend einer Störung erklären, die zu der ewige Suche und Hoffnung auf Anerkennung bei den falschen Dingen führt.

So ein bisschen wie die Ehefrau die von ihrem Mann regelmäßig grün und blau geschlagen wird und das noch 'erklärt' mit "er liebt mich eigentlich" "er meint das nicht so" "ich habe selbst Schuld, ich habe ihn so wütend gemacht"

Ich würde so einer - sei es muslimisch, katholisch oder sonst wie - Gemeinschaft nicht angehören wollen. Wenn mein Familienkreis mich - wie ich bin - liebt, dann werden die mich auch dann lieben, wenn ich den zu mir passenden Lebensweg wähle. Dann ist eben die passende Religion nicht der Islam.
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Re: Schwul und Moslem

Beitragvon Muh89 » 11 Aug 2014, 12:41

Als Aussenstehender ist es schwer gewisse Sachen nachzuvollziehen, dazu gehört mMn eben auch dieses Thema, vorallem wenn man nicht aus dem jeweiligen Kulturkreis stammt und nur, weil einem etwas befremdlich ist bzw. nicht nachvollziehbar erscheint, heißt es nicht, dass es dafür auch irgendeine entsprechende medizinisch-psychologische Störung gibt.

Um das Problem zu verstehen, müsste man das Konstrukt der Familie in solchen Kulturkreisen verstehen können, was aber die wenigsten können.
Bei den meisten Nicht-Moslems kommt das "Ich" an die erste Stelle, während bei den meisten Moslems, die "Familie" an erster Stelle auftaucht und dann an dritter Stelle das "Ich" erscheint. Auf Platz 2 befindet sich der Glaube/die Religon.

Ich kenne keinen schwulen Moslem, der bei seinem Coming Out bei seinen Eltern oder der gesamten Familie keine immense Angst hatte, eben weil man so sehr an der Familie hängt und man Angst vor der vernichtenden Reaktion und den verheerenden Folgen hat.
Als Schwuler bringst du Schande über deine Familie, der Ruf wird geschädigt und im Glauben biste auch unten durch, weswegen eben einige den leichteren Weg nehmen und die Fassade vom glücklichen Hetero aufrechterhalten wollen.
Wenn ich ehrlich bin, hatte ich bis kurz vor meinem Coming Out auch den Plan irgendwann mit 30 zu heiraten und mich dann irgendwann wieder zu scheiden, damit eben das Thema Heirat vom Tisch ist und ich mich bei meinen Eltern nicht outen muss.
Genau das kann keiner nachvollziehen, da die meisten Menschen das "Ich" über die "Familie" stellen. Man hat Angst davor ausgestoßen zu werden und kein akzeptiertes Mitglied der Familie zu sein. Als Nicht-Moslem sagt man da natürlich, dass man auf so eine Familie pfeifen kann, die einen nicht so akzeptiert wie man ist, aber so leicht ist es halt nun mal nicht.
Aus der Sicht eines verzweifelten Moslems kann die Heirat der richtige Weg sein, aus der Sicht von einem Nicht-Moslem wiederum der total Falsche.

Ich bin bei meinen Eltern und meinem jüngeren Bruder geoutet, entfernte Familie a la Tanten und Onkel wissen nichts davon, da sie auch nicht in Deutschland wohnen und ich auch nicht das Bedürfnis habe, ihnen das mitzuteilen, da sie in meinem Leben keine wirkliche Rolle spielen. Während meines Coming Out bin ich auch vom Glauben abgefallen, da ich keiner Glaubensgemeinschaft angehören kann, die mich ablehnt.
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Re: Schwul und Moslem

Beitragvon Ich97 » 11 Aug 2014, 19:15

Ich kann hier nur das schreiben was ich weis zum einen bin ich im christlichen glauben konfirmiert bin jetzt aber atheist und Agnostiker so viel dazu
Und jetzt zum eigentlichen Thema die meisten monotheistischen Glaubens Richtungen darunter auch Judentum Christentum und Islam glauben an die Unfehlbarkeit Gottes somit müssten sie eigentlich auch nichts gegen die homosexualität haben das einzige was bei dem glauben nicht stimmt ist die fehl Interpretation der glaubenden
Wenn man das einsieht kann man auch gläubig sein und nichts gegen homosexuelle haben
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Re: Schwul und Moslem

Beitragvon Akil » 11 Aug 2014, 19:21

Atheist und Agnostiker geht nicht. Ent- oder weder :P
Wenn überhaupt dann Atheist mit agnostischen Zügen :)
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Re: Schwul und Moslem

Beitragvon Ich97 » 11 Aug 2014, 19:47

Ja sorry darfst dich bei meinem religionsleheren bedanken also ich bin atheist und glaube daran das nach dem Tod nichts ist und man einfach aufhört zu existieren (das mit dem Tod hat mein Lehrer mir so erzählt das das Agnostiker sind die das glauben) .
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Re: Schwul und Moslem

Beitragvon Akil » 11 Aug 2014, 20:04

Agnostiker sind Leute, die sagen, man kann als Mensch gar nicht entscheiden, ob es einen Gott gibt, oder nicht :)
Ich glaube z.B. zwar, dass die Existenz an sich etwas göttliches hat (wie soll unser All sonst entstanden sein), aber sich nicht in unser Universum einmischen, aber auf logischer Ebene muss ich zugleich zugeben, dass Götter sich unserem Verständniss entziehen (könnten). :)
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Re: Schwul und Moslem

Beitragvon Ich97 » 11 Aug 2014, 20:16

Ja wie gesagt ich glaube halt das es keinen Gott gibt und das nach dem Tod nichts ist
Naja und wie gesagt bin ich konfirmiert kam aber auch nur weil Name
Ich war jung und wollte das Geld
Mit 13 versteht man das halt noch nichts
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Re: Schwul und Moslem

Beitragvon Akil » 11 Aug 2014, 20:56

Sehe ich ähnlich, bin auch konfirmiert :P

Aber wir sollten vielleicht aufhören offtopic zu labern, also: Ich denke, wenn man sich selbst zu weit zurückstellt geht man kaputt. Ich bin sehr hilfsbereit, offen und freundlich, aber ich sehe meine Familie eher als nervig an.
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Re: Schwul und Moslem

Beitragvon Ich97 » 11 Aug 2014, 21:01

Bin da ähnliche Meinung (naja meine Familie ist mir gänzlich egal)
Und ich finde auch das wir grad das Thema verfehlt haben also
Ich halt mich dann jetzt erstmal wieder hier raus
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Re: Schwul und Moslem

Beitragvon Akil » 11 Aug 2014, 21:18

Musst du nicht, wir können ja per PN weiterdiskutieren, wenn du willst, oder du machst ein Neues Thema auf. :)

Wie dem auch sei, Familie kann ja schön und gut sein, aber ich werde deswegen intollerante Religionen und/oder Kulturen nicht auf einmal gutheißen.
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Re: Schwul und Moslem

Beitragvon 3ste4siche » 12 Aug 2014, 03:52

Es gibt einen sehr schönen Begriff der Religion einordnet. Er heißt transzendenz. Das bedeutet, dass alles religiöse außerhalb des Bereiches liegt der erfahren werden kann. (sinnliche Erfahrung) Religion kann deshalb auch nicht wiederlegt werden, ich kann aber beliebig viele neue religiöse Ideen konstruieren für die das gleiche gilt. Das ist ja schön und gut und wenn jemand Religion ausübt, weil es der eigene Wunsch ist, kann es sogar eine Bereicherung sein. Positive Gründe können zum Beispiel der Wunsch nach Gemeinschaft, das schätzen der Rituale, das Gefühl etwas spezielles in seinem Glauben gefunden zu haben (z.B. Gott als Zuhörer, Beschützer u.s.w.) sein. Häufig spielt auch Tradition eine Rolle. Religion kann für andere Menschen aber auch belastend werden, zum Beispiel wenn Personen zu dogmatisch mit ihr umgehen und Zwang auf andere ausüben. Die Ursache könnte in "negativen Gründen" für die Religiösität liegen. Darunter fallen für mich die Angst vor Bestrafung, Autoritätsfurcht, Unmündigkeit und so weiter. Wenn du dich also bedrängt fühlst und ein Zwang auf dich ausgeübt wird deine natürliche Sexualität nicht zu leben, dann bist du trotzdem völlig im Recht dich dem zu entziehen!!! Deine Situation tut mir leid, aber ich wollte dir zumindest ein bischen Mut machen, damit du dich nicht auch noch im Unrecht fühlst, wenn du dich dafür entscheidest dich zu outen.

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Re: Schwul und Moslem

Beitragvon Azazel » 12 Aug 2014, 15:51

Atheist und Agnostiker geht nicht.


Natürlich geht das. Man kann gleichzeitig nicht an Gott glauben und nicht Verneinen, dass es ihn gibt.

Genau das kann keiner nachvollziehen, da die meisten Menschen das "Ich" über die "Familie" stellen. Man hat Angst davor ausgestoßen zu werden und kein akzeptiertes Mitglied der Familie zu sein. Als Nicht-Moslem sagt man da natürlich, dass man auf so eine Familie pfeifen kann, die einen nicht so akzeptiert wie man ist, aber so leicht ist es halt nun mal nicht.


Ich weiß nicht warum sich Moslems da immer abgrenzen wollen, stell dir vor, auch Christen pfeifen nicht auf ihre Familie und auch bei konservativen Christen ist Homosexualität nicht akzeptiert.
"Sie mögen 'Gott ist groß' rufen, aber tatsächlich wird er jedesmal ein bisschen kleiner, wenn sich jemand in seinem Namen in die Luft sprengt."

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Re: Schwul und Moslem

Beitragvon Akil » 12 Aug 2014, 22:24

Atheist: Ist davon überzeugt, dass es keinen Gott gibt.
Agnostiker: Ist der Ansicht, dass man weder Gott verneinen kann, noch, dass man die Gottesexistenz bejahen kann, da ein Gott sich unserer Wahrnehmung und unserem Verständnis entziehen könnte, falls es ihn gibt.

Du hast also unrecht, ich aber auch, wie ich leider feststellen musste, denn wer bei Wikipedia unter Agnostizismus weiterliest, findet den agnostischen Atheismus... :(
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Re: Schwul und Moslem

Beitragvon Crowley » 13 Aug 2014, 13:55

Offtopic: Aufgewachsen als römisch-katholischer Chist, halte ich inzwischen nicht mehr viel vom Kreationismus/seinen Anhängern. Versteht mich nicht falsch, ich finde Religionen und Gottglaube sehr interessant, ich nehme sogar Ethik als Leistungskurs, doch ich verstehe nicht, was man als junger, moderner Schwuler von Religonen hat. Festigkeit und Sicherheit? Wohl eher Intoleranz und Scham-/Schuldgefühl.
Oder mit den Worten meiner Spanisch-Lehrerin: Also bevor die Spanier irgendwann zu Christen wurden waren sie alle protestantisch. :D

Ontopic:
Auch ich hab da schon etwas Erfahrung gesammelt ... eine meiner besten Freundinnen ist eben Muslima und ihre Familie recht streng gläubig. Ihr Cousin hat uns jedenfalls zusammen im Freibad "erwischt", was dazu führte, dass ihre Familie uns für ein Paar hielt. So weit so gut. Das Problem war nur, dass ihre Eltern, da ich ja "Christ" bin, vollkommen ausgerastet sind. Mit Anschreien und einem halben Tag Zimmerarrest. Als sie dann erklärte, dass wir wirklich nur Freunde sind und ich schwul bin, durfte sie zwar wieder raus - ich war von da an bei ihnen aber nicht bei willkommen.
Ich find das etwas traurig, dass solche Intoleranz grade von einer sozialen Grundgruppe kommt - was ich natürlich nicht auf alle Muslime beziehe. Ich will aber noch sagen, dass wir nicht besser sind als sie, wenn wir jetzt mit Unverständnis kommen - sie kennen es eben nicht anders. Meist hilft da Argumentieren und Erklären ...
Von daher wünsch ich dir viel Glück, dass du deine Situation zuhause in den Griff bekommst, ohne deine eigenen Ideale zu verraten. :flag:

Grüße Crowley
Wenn man sein Ohr ganz fest auf die heiße Herdplatte drückt, kann man riechen, wie blöd man ist.

Re: Schwul und Moslem

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