Homophobie in Wiens Kaffeehäusern

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Homophobie in Wiens Kaffeehäusern

Beitragvon lemlem » 12 Jan 2015, 22:25

Vergangene Woche wurde ein lesbischen Paar nach einem Begrüßungskuss im Wiener Traditionskaffeehaus Prückel aus diesem verwiesen. Nach eigenen Aussagen habe der Kellner die beiden zunächst aufgefordert, solche Handlungen zu unterlassen. Daraufhin wurden die beiden so lange vom Personal des Cafés ignoriert (keine Bestellung aufgenommen), bis sich diese bei der Besitzerin beschwerten. Diese bestätigte ihnen, dass dies auf ihre Anweisung geschah und forderte das Paar auf, ihr Kaffeehaus zu verlassen, da "solche Andersartigkeiten ins Puff gehören". Die Besitzerin bestätigte ihr Handeln einer Tageszeitung.
2005 gab es bereits einen ähnlichen Vorfall. Damals wurde auch ein lesbisches Paar dem Café verwiesen. Als Protest besuchten viele homosexuelle Paare das Lokal, um sich dort zu küssen.

Nun macht sich im Internet eine Protestwelle breit. Für kommenden Freitag ist eine Protestkundgebung vor dem Kaffeehaus angesetzt, die innerhalb der letzten 24h auf Facebook schon fast 5000 Teilnehmer bekommen hat. Außerdem ist die Bewertung der Location auf Facebook rasant von 4,x (weiß nicht mehr die genaue Kommastelle) auf 1,8 gesunken.

Nun würde mich eure Meinung interessieren. Es gibt in Österreich keinen Diskriminierungsschutz im privaten Bereich und somit ist der Rausschmiss rein rechtlich gesehen durchaus legitim. In meinen Augen hat die Besitzerin ihren Standpunkt klar gemacht und muss nun auch mit den Konsequenzen ihrer Taten rechnen.

In Österreich gehen die Leute nur sehr selten auf die Straße, um gegen irgendetwas zu protestieren. Meistens wird sich über vieles beschwert, aber dennoch alles hingenommen. Umso mehr freut es mich daher, dass sich hier nun viele Leute zusammenschließen, um etwas zu bewirken. Ich nehme am Freitag auch an der Protestkundgebung teil und bin schon gespannt wie viele Menschen sich bis dahin noch mobilisieren werden. Ich werde danach natürlich berichten wie es war.

Hier ein paar Zeitungsartikeln zu dem Vorfall:
FAZ: http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/lesbisches-paar-wird-aus-wiener-kaffeehaus-geworfen-13365907.html
Der Standard: http://derstandard.at/2000010246927/Wien-Cafeverweis-fuer-Lesben-die-einander-kuessten
Der Kurier: http://kurier.at/chronik/wien/ein-kuss-polarisiert-wien/107.695.231

Homophobie in Wiens Kaffeehäusern

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Akil
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Re: Homophobie in Wiens Kaffeehäusern

Beitragvon Akil » 12 Jan 2015, 22:45

Ich sehe Selbstjustiz immer kritisch. Aber da sich hier wohl bisher alle Gegenmaßnamen im rechtlichen Raum bewegen (die Bewertung ist ja schließlich nicht rechtlich vorgeschrieben und protestieren darf man doch in Ösiland wohl auch, oder? :D). Ich hoffe nur, dass das Ganze nicht mit eingeworfenen Scheiben, o.ä. endet. :(
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Re: Homophobie in Wiens Kaffeehäusern

Beitragvon blowfish » 13 Jan 2015, 12:37

Das hat in meinen Augen nichts mit Selbstjustiz zu tun. Es ist offenbar das gute Recht der Dame Homosexuelle dadurch zu diskriminieren, dass sie sie nicht bedient, aber genauso das Recht der Demonstranten dort gegen ein solches Verhalten zu demonstrieren.
Ich find die Demo super und wuerd mir wuenschen, dass sich Menschen viel oefter aktiv fuer etwas einsetzen, statt nur zu meckern oder Ansgt vor eingeschlagenen Scheiben zu haben^^

Bin gespannt auf den Bericht und vllt ein paar Bilder und natuerlich die Reaktionen.
Bin ich schwul? 83% der Menschen, die diese Frage stellen, sind schwul. Hast du dich vorher extra in einem schwulen Forum angemeldet, beträgt die Wahrscheinlichkeit sogar 97%.

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Re: Homophobie in Wiens Kaffeehäusern

Beitragvon Akil » 13 Jan 2015, 13:25

Ich mecker doch gar nicht. Ich find Pöbel-Aktionen allgemein immer etwas kritisch, gerade, weil man als Schwuler gerne mal angepöbelt wird. Meinung äußern ist natürlich gut, aber... Nur, weil es gegen die Richtigen geht, ist es noch lange nicht ok...
Ich bin vielleicht zu lieb, aber ich denke, es ist nie richtig Leute zu beleidigen. Das erfreut zwar alle auf deiner Seite, aber die Gegenseite überzeugt man so nie...
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Re: Homophobie in Wiens Kaffeehäusern

Beitragvon lemlem » 13 Jan 2015, 19:19

Mit Selbstjustiz hat das in meinen Augen auch nichts zu tun. Die Leute wollen doch nur ihre Meinung zu solch homophobem Verhalten kundtun.
Ich verstehe zwar nicht genau, was mein Vorposter sagen will, aber eine konstruktive Demonstration ist doch nicht sofort eine Pöbel-Aktion, bei der jemand beleidigt bzw. jemandem geschadet wird. Die nette Dame hat ihren Standpunkt klargemacht und ihre Aktion sogar öffentlich verteidigt. Nun muss sie halt mit einer Antwort ebendieser Öffentlichkeit rechnen. Es ist ja nicht so, als wolle man ihr jetzt an den Kragen und sie völlig fertig machen. Das einzige Mittel, dem sich hier (von beiden Parteien) bedient wird, ist die Meinungs- und Redefreiheit.

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Re: Homophobie in Wiens Kaffeehäusern

Beitragvon Frost » 13 Jan 2015, 20:35

Auf die Protestaktion bezogen ist Selbstjustiz ein etwas hartes Wort, aber generell verstehe ich schon wie man darauf kommen kann. Denn offenbar hat diese intolerante Café Besitzerin ja klar gemacht das sie das in ihrem Haus nicht wünscht. (Mit einer sehr beleidigenden Äußerung)
Und es trägt nicht gerade zur Konfliktlösung bei wenn zwei zerstrittene Parteien so mit den Köpfen aneinander knallen.
Ob man mit einer solchen Personen allerdings vernünftig reden könnte wage ich mal zu bezweifeln.

Nun würde mich eure Meinung interessieren. Es gibt in Österreich keinen Diskriminierungsschutz im privaten Bereich und somit ist der Rausschmiss rein rechtlich gesehen durchaus legitim.


Genau, ich äußere meine Meinung. :D
Gegen den fehlenden Diskriminierungsschutz sollte man was unternehmen!

Dante
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Re: Homophobie in Wiens Kaffeehäusern

Beitragvon Dante » 19 Jan 2015, 18:25

Alsooooooooooooooooooooooooooo,

da ich bei der Demo war - als stolzer schwuler Österreich mit Migrationshintergrund - es war völlig friedvoll. Der Ablauf war ungefähr so (zmdst bis zu dem Zeitpunkt, als ich noch da war. Nach 1,5h bin ich dann nach Hause, weil es mir zu kalt wurde - ich habe meine Zehen und Finger nicht mehr gespürt): Zuerst wurde Musik abgespielt und irgendwann sind dann die "Moderatoren" auf die Bühne und haben die "Opfer" gebeten, nochmals die Geschichte zu erzählen. Diese haben dann erzählt, was passiert ist und mehrmals betont, dass es ein FRIEDVOLLER Protest sei und sie sich nicht wünschen, dass das Café Prückl demoliert wird. Dann kamen ein paar (ich glaube, es waren nur zwei, aber ich war etwas mit Jungsauspannen beschäftigt... ooops :rat: ) Poetry-Slammer und haben ihre Meinung in einer kunstvollen Art zum Ausdruck gebracht. Anschließend kamen natürlich einige Politiker auf die Bühne und haben gesagt, sie würden das nicht tolerieren und würden sich für Homo-Ehe etc. einsetzen (ob das jetzt ernst gemeint war oder sie nur Stimmen sammeln wollten, sei dahingestellt - sorry, bin bei so etwas sehr kritisch ^^). Und zu guter Letzt (bevor ich gegangen bin) kam noch eine, meiner Meinung nach, sehr gute Sängerin auf die Bühne und hat noch zwei Lieder gesungen. Was danach geschah, weiß ich nicht.

Ich kann euch aber versichern, dass dem Café nichts passiert ist. "Unsere" rechtsradikale Partei FPÖ hat natürlich das Café in den Schutz genommen und bla bla bla. Das wollte ich noch sagen haha.

Dante.
Ich bin nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.

Re: Homophobie in Wiens Kaffeehäusern

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