Hallo Unmoeglich,
bei mir ist es noch gar nicht so lange her, da war ich in der selben Situation (und bin es teilweise heute noch immer.) Ich hab' auch schon vor Jahren festgestellt, dass ich eher auf Jungs stehe, als auf Mädchen. Ich glaub' ich war 13 oder 14 als ich es zum ersten Mal gemerkt hab' und seit dem - immerhin bin ich bald 23 - hab ich das mit mir rumgetragen. Ich habe mich - auch wenn ich heute weiß, dass das absoluter Blödsinn gewesen ist, dafür geschähm "anders" zu sein. Es ist sogar so gewesen, dass ich nach meiner Ausbildung für ein Jahr ins Ausland gegangen bin, weil ich einfach vor mir selber und den Reaktionen über ein mögliches Coming Out weggelaufen bin.
Seit dem ich wieder in Deutschland bin, gehe ich mit dem Thema offener um, denn wenn das Jahr im Ausland mir eines gezeigt hat, dann das ich immer noch der selbe bin, ganz egal ob schwul, hetero oder bi. Und das ist auch das was ich dir nur raten kann - lass dir von niemandem einreden, dass du nicht mehr der selber junge Mann bist. Ich gebe zu, ich binde es auch nicht jedem auf die Nase, aber wer mich fragt, der bekommte eine ehrliche Antwort von mir und bisher hab' ich bis auf ein, zwei Aussnahmen eigentlich nur positive Erfahrungen gemacht. Aber aufgrund meines Studiengangs bin ich - noch immer - vorsichtig wem ich es wann sage, denn ich studiere Lehramt (und das macht die ganze Sache ein wenig - nennen wir es mal - schwieriger) nichts desto trotz bereue ich es nicht mich geoutet zu haben, weil wahren Freunden ist es egal ob man schwul ist oder nicht - sie stehen zu einem!
Wo war ich - ach ja: Ich hatte all die Jahre immer tierische Panik vor der Reaktion meiner Eltern. Ich denke wir kennen alle die Sprüche die Eltern ab und zu über Schwule und Lesben (oder einfach die "Homos") ablassen. Naja, meine Eltern bildeten da keine Ausnahme und deswegen hatte ich nie den Mumm es ihnen eher zu sagen. Aber Ende Januar ist es dann "passiert". Ich hatte es nicht geplant, und wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich es ihnen auch an dem Abend nicht gesagt. Aber meine Mutter kann sehr "bohrend" sein und an dem Abend schob ich totalen Frust - und irgendwann hab' ich mir dann gedacht: jetzt oder nie. Ihre einzigen Reaktionen waren:
"Hömma - wir leben nicht mehr im Mittelalter. Es ist doch scheiß egal wen du liebst, Hauptsache du bist glücklich damit." Und damit war das Thema durch und du kannst dir sicher vorstellen, dass mir ein sehr großer Steinbruch vom Herzen gefallen ist.
Ich würde dir raten, taste dich einfach vor - dann wirst du ja sehen, wie sie reagieren. Ich persönlich favorisiere auch nicht die Holzhammermethode nach dem Motto "So ich bin schwul und das ist mein Freund", denn ich kann mir schon vorstellen, dass Eltern auch erst mit der neuen Situation klarkommen (lernen) müssen - denn immerhin haben wir auch nicht von heute auf morgen akzeptier "Hey, ich bin schwul!"
Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute und überstürze nichts, wenn du selber bereit bist, dann wirst du es merken.
LG,
Stef