?Ich bin ekelhaft und nur eine Modeerscheinung...?
- Meine Geschichte von Anfang an -
Eigentlich hatte ich die Idee, alles wie ein kleines Tagebuch aufzubauen, doch leider kam mir die Idee, alles, was ich hier durchmache auf Papier bzw. im PC festzuhalten erst ca. 3 Monate nach dem großen Knall, deswegen muss ich das ein wenig anders zusammenschreiben, als ich es eigentlich wollte...
Es war ein ganz normaler Tag. Ich war zu Hause und fleißig am chatten. Da fiel mir das Bild, sowie die Berufsbeschreibung eines Chatters in seinem Profil auf ?Diplom-Bankwärmer?. Ich schrieb ihn an. So nach dem Motto ?Cool, was man aus Schüler so alles machen kann...? Daraufhin entwickelte sich ein etwas längerer Chat. Wir haben dann nach einigen Tagen uns unseren richtigen Namen verraten und unsere Handynummern getauscht... Da bekam ich schon irgendwie ein mulmiges Gefühl im Bauch, welches ich nicht so ganz zuordnen konnte. Wir schrieben nun fast jeden Tag entweder übers Internet oder per SMS. Schließlich entdeckten wir dann noch die Internettelefonie und es wurde alles sehr einfacher, da man mit Hilfe von Web-Cam und Stimme Emotionen ganz anders zeigen kann, als nur mit Buchstaben und Sätzen. Nach einiger Zeit wurde mir es dann klar. Ich bin verliebt! Es war ein schönes aber zugleich auch komisches Gefühl, denn ich musste mir selbst das eingestehen, was mir lange Zeit vorher schon angedichtet wurde...
... mit lange Zeit vorher mein ich einige Schuljahre zurück auf einer Schule mit ziemlich vielen ?dummen? Leuten. Irgendwann meinte einer das Gerücht in die Welt zu setzen, ich sei schwul, weil ich mich halt nicht so sehr mit den Jungs meines Jahrganges unterhalten konnte. Entweder sie redeten über Handball oder Fußball. Beides nicht so ganz meine Themen. Naja, jedenfalls machte dieses Gerücht ziemlich schnell Runde in der Schule und jeder, der meinte, sich daraus einen Spaß zu machen, der Ritt auf dieser Welle mit. Damals war es sehr schwer für mich, dies auszuhalten, aber mit Freunden geht alles gleich viel einfacher...
... als ich mir das nun nach langem hin und her selbst eingestanden hatte, dass ich schwul bin, war es für mich erst einmal einfacher, mit der Situation um zu gehen. Als ich dann auch noch von meiner großen Liebe eines Tages die SMS bekam mit ?Schatz?, war für mich eigentlich alles klar. Ich hatte einen Freund. Das war was ganz neues für mich. Eine Beziehung. Ja, mit 14 oder so hatte ich schon mal 2 Beziehungen mit Mädchen, aber irgendwie war das nicht so das Wahre. Diesmal war alles anders. Ich war so richtig verliebt und schwebte über Wolke Sieben. Doch ich stand vor einem sehr, sehr großen Problem... Wie bringe ich das meinen Freunden, geschweige denn meinen Eltern und meiner Familie bei??
Er rief mich dann sogar zu Hause an. Ich rannte immer runter ins Wohnzimmer, nahm den Hörer ab und verband ihn nach oben in mein Zimmer. Nach dem dritten oder vierten Abend wurde dies meiner Mutter dann zu bunt, weil sie nicht wusste, mit wem ich telefoniere. Da sie ein totaler ?Kontrollfreak? ist und immer wissen will, was wir gerade machen, verbat sie mir das Telefonieren mit diesem ?Menschen?.
Am 30.Mai. Ein Tag vor meinem 18. Geburtstag kam ein Brief meines Freundes bei mir zu Hause an. Da wusste noch niemand, was Sache ist. Meine Mutter dachte an diesem Tag, sie muss mich nach der 6. Stunde von der Schule mitnehmen und rief mich auf meinem Handy an, dass ich doch mal auf den Parkplatz kommen soll. Dort angekommen musste ich mich zu ihr ins Auto setzen und sie erzählte mir, dass daheim ein Brief angekommen ist und Papa nur ein ?Ich liebe Dich!? durchschimmern hätte gesehen. Sie meinte, dass Sie weiß, dass das ein Brief von dem ?Menschen? ist. Allein nur für den ständigen Gebrauch dieses abfälligen ?Menschen? hätte ich an die Decke gehen können. Sie hat sich dann voll die Gedanken gemacht und fragte, ob ich schwul sei. Da mir der Zeitpunkt damals noch zu früh war, antwortete ich mit Nein. Meine Mutter verlangte von mir, dass ich den Kontakt zu meinem Freund abbreche und nie mehr etwas mit ihm zu tun haben soll... Später eröffnete sie mir noch, dass durch diesen Brief beinahe meine Geburtstagsparty ausgefallen wäre. Was sie dann damit bezweckt hätte, ist mir heute noch nicht klar.
Ein Wochenende später stand dann der Kirchentag in Köln an. Ich fuhr mit einer Gruppe des Dekanats hier dort hin. Nicht unbedingt, um dort glorreiche Helferdienste zu verrichten, nein, für den Kirchentag in Köln war das erste Treffen geplant, da er nicht sehr weit von Köln entfernt wohnt und die Verkehrsanbindungen im Ruhrgebiet ja nicht ganz so schlecht sind, wie bei mir auf dem Land. Ich hatte alles perfekt arrangiert. Es gab einen Email-Verkehr zwischen mir und dem Organisator der Helferdienste, in welchem ich ihm erklärte, dass ich nicht sehr gut in Räumen schlafen kann, in denen noch viele andere schlafen. Die Helfergruppen des Kirchentages schlafen nämlich immer in Klassenräumen von Schulen. Doch wie soll das dann gehen, wenn mein Freund kommt? Also hatte ich die Idee, den Organisator einfach zu fragen, ob es denn möglich wäre, ein Zelt mitzubringen und einfach auf dem Schulgrundstück zu Zelten. Er hatte damit kein Problem und somit war mein Problem auch gelöst.
In Köln angekommen bezogen die anderen ihr Quartier in einem Klassenraum und ich begann mit dem Zeltaufbau im Schulgraben. Wir begaben uns dann auf den Weg zu unserem Einsatzort, wo ich aber nur zwei Stunden verweilte, da ich ja meinen Freund vom Bahnhof abholen musste. Ich kam am Kölner Hauptbahnhof an und er war nicht da. Handy raus, anrufen! ?Der Zug hat zwei Stunden Verspätung!? Als ich das gehört hatte, hatte ich wahnsinnige Angst, dass ich nur verarscht werden würde und am Ende er gar nicht kommt und sich nur einen Spaß draus macht, mich zu verarschen. Als die zwei Stunden dann aber um waren, stand er dann aber plötzlich vor mir. Ein kurzes Umarmen, war schon ein bisschen komisch, und dann ab Richtung Schule. Den Anderen habe ich ihn als einen ?Freund von Usedom? vorgestellt und sie fragten auch nicht weiter nach.
Als es dann Abend wurde, verkrochen wir uns dann in unser Zelt und verbrachten dort einen sehr schönen Abend und eine umso schönere Nacht. Am nächsten Morgen war nicht allzu früh aufstehen angesagt, denn unser Helferdienst begann erst gegen Nachmittag. Also hatten wir noch ein paar gemütliche Stunden zusammen im Zelt. Es war so schön, endlich mal wieder Schmetterlinge im Bauch zu haben, jemanden zu lieben, geliebt zu werden und diese Person auch noch im Arm zu haben.
Der schönste Tag, den wir beide hatten, war, als ich mir einen Tag frei genommen hatte und wir gemeinsam zu ihm nach Hause fuhren. Dazu muss ich sagen, dass er zu dem Zeitpunkt bei seiner Mutter noch nicht geoutet war. Es wussten zwar seine Freunde und seine Schwester, aber der Rest nicht. Schon als wir im Zug saßen, war es eine ganz andere Welt. Wir konnten uns endlich so verhalten, wie wir es schon die ganze Zeit wollten. Sich einfach so mal küssen. Das ging vorher nicht so, weil ich einfach zu viel Angst habe, dass die Anderen, mit denen ich in Köln war das mitbekommen. Auch bei ihm zu Hause in seinem Zimmer war es einfach was ganz anderes. Wir könnten endlich wir sein! Und den romatischen Spaziergang im Regen durch den Schlosspark werde ich nie vergessen. Doch auch dieser Tag ging vorbei, aber es blieben noch ein paar Stunden gemeinsam...
Leider gingen die vier Tage Kirchentag in Köln viel zu schnell rum und der Tag der Abreise war für uns beide gekommen. Es war ein sehr schwerer Tag, doch ich versprach ihm, ihn in den Sommerferien besuchen zu kommen, was er nur sehr begrüßte. Er fuhr dann mit dem Zug nach Hause, ich hatte noch ein paar Stunden Dienst beim Abschlussgottesdienst und fuhr dann auch wieder gen Heimat. Die ganze Busfahrt über hatte ich nur ihn im Kopf, was ja auch verständlich ist.
------------------------------- Fortsetzung folgt! ----------------------------------




